Vorwort · kein Datum

Vorwort

VII

Vorwort

Im November 1935, knapp fünf Monate nachdem er in Basel zum Professor ernannt worden war, gab Barth in einem Brief an Hermann Klugkist Hesse eine eher nüchterne, teils beinahe wehmütige Beschreibung dieser ersten Monate in der Schweiz, die in wenigen Sätzen viele Facetten beleuchtet: «Sie fragen mich, wie es mir gehe. Nun, ich weiß nicht, soll ich mich mit Nehemia vergleichen oder lieber bescheidener mit einer Ameisengemeinde – jedenfalls bin ich lebhaft dabei, die in Bonn so traurig zerstörte Schule hier wieder aufzurichten, d. h. den hier aus allerhand Ländern und Sprachen versammelten Studenten eine möglichst intensive Bekanntschaft mit ‹kirchlicher Dogmatik› zu vermitteln, den Schweizern insbesondere ein ganz klein bisschen preußisches Tempo beizubringen, die Kirche so ganz langsam an den Gedanken zu gewöhnen, dass es auch so etwas wie Bekenntnis geben könnte usw. […] Ich bin gerne in Göttingen, gerne in Münster, gerne in Bonn gewesen und sehe nicht ein, warum ich nun nicht auch gerne in meiner Heimatstadt sein sollte. […] Also kurzum, mein Leben geht weiter, in etwas bescheideneren und gemächlicheren Bahnen als in den letzten Jahren draußen, aber warum soll man das nicht auch hinnehmen, da es nun so sein sollte?»1

Spätestens im Juni 1935 war deutlich geworden, dass Barth in Bonn und Deutschland trotz des letztlich gewonnenen Prozesses um seine Suspendierung keine berufliche Zukunft mehr würde haben können, folgte dem für ihn günstigen Ausgang doch unmittelbar seine Versetzung in den Ruhestand.2 Parallel zum Prozess, der sich in zwei Instanzen über Monate hinzog, hatte Barth selbst und hatten auch Schweizer Freunde intensiv daran gearbeitet, ihm eine Arbeitsmöglichkeit in der Schweiz zu eröffnen. Die Universität Basel trug ihm nun eine ordentliche Professur mit Lehrauftrag für Systematische Theologie und Homiletik an, und so wurde Barth am 25. Juni 1935, nur wenige Tage nach dem offiziellen Ende seiner Tätigkeit in Bonn, |VIII vom Basler Regierungsrat zum Professor ernannt.3 Im Kreis seiner neuen Kollegen an der Basler theologischen Fakultät traf er auf bekannte Gesichter: Sein Freund Eduard Thurneysen versah einen Lehrauftrag für Praktische Theologie, Karl Ludwig Schmidt, sein Kollege schon aus Bonner Tagen, hatte Deutschland bereits 1933 verlassen müssen und wurde gut zwei Wochen nach Barth zum Professor für Neues Testament berufen, und ein knappes Jahr später bekam der ebenfalls aus Bonn vertriebene Fritz Lieb eine außerordentliche Professur für Dogmatik und Theologiegeschichte (Schwerpunkt östliche Kirche). Auch mit dem 1936 als Privatdozent für Altes Testament nach Basel kommenden Wilhelm Vischer sollte sich ein reger Austausch entwickeln, der über das Kollegiale bald hinausging.

Der Umzug der bereits kleiner gewordenen häuslichen Gemeinschaft – Tochter Franziska hatte im März 1935 geheiratet, der älteste Sohn Markus verlässt das Haus bald, um außerhalb Basels weiter zu studieren – gestaltete sich überraschend unproblematisch: Schon am 26. Juni 1935 war die neue Wohnung am St. Albanring 186 gefunden, und bereits am 10. Juli war alles so weit abgeschlossen, dass Barth vom Vortag als dem «Orkan am St. Albanring» berichten konnte: «Kisten und Kasten brachen in mächtigem Sturm herein und wollten ausgepackt sein. Nun, das Schlimmste ist, wenigstens in der V[atikan]-Stadt, wohl bereits überwunden.»4 – Wenig später, nach einem noch in Bonn notwendig gewordenen Krankenhausaufenthalt, zog auch Charlotte von Kirschbaum in das neue Zuhause der Familie ein: Was von Verwandten und einigen Stimmen aus dem Basler Umfeld äußerst kritisch betrachtet wurde, war für Barth völlig selbstverständlich.

IX In den akademischen Lehrbetrieb stieg er im darauffolgenden Wintersemester ein. Wie schon an den vorangegangenen Stationen seiner Lehrtätigkeit zog Barth auch in Basel eine große Hörerschaft an, darunter – auch das bereits in Deutschland – vergleichsweise viele Studentinnen. Die Zahl der Theologiestudierenden in Basel verdoppelte sich gleich in seinem ersten Semester und stieg danach noch weiter an.5 Allerdings – das Eingangszitat deutet es an – litt Barth in den ersten Semestern häufiger darunter, dass nach seinem Empfinden die Basler Studierenden gegenüber den Bonnern zumal der letzten Kirchenkampf-Jahre ein geringeres Problembewusstsein und eine weniger rasche Auffassungsgabe aufwiesen.

Im Zentrum seines Basler Wirkens sollte – von nun an durchgängig – die Arbeit an der «Kirchlichen Dogmatik 📖» stehen, die Barth «mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit» im Wintersemester 1935/36 wieder aufnahm: «Ohne viel Einleitung fing er gleich mit dem Stoff an: er bemerkte, er setze voraus, dass man den ersten Band der Dogmatik gelesen habe, und diktierte sofort den Leitsatz für den nächsten Paragraphen.»6

Die Schwerpunkte von Barths über diese und die weiteren regulären Vorlesungen und Seminare hinausgehende Tätigkeit der zwei ersten Basler Jahre spiegeln sich in den in diesem Band vereinigten Vorträgen und Aufsätzen:

Da ist zum einen eine Reihe von Vorträgen, mit denen sich Barth seinem (wieder neuen) Publikum in der Schweiz vorstellte, mal mit eher theologiegeschichtlicher Thematik, mal mit sehr pointierten und kontrovers diskutierten theologisch-kirchenpolitischen Aussagen. Hierzu zählt an erster Stelle die Basler Antrittsvorlesung über Samuel Werenfels und die Theologie seiner Zeit, aber auch seine Eröffnung der Akademischen Vorträge im Wintersemester 1936/37 mit Die Grundformen des theologischen Denkens, das besonders aufgrund der nach|Xfolgenden Diskussion aufsehenerregende Referat über Das Bekenntnis der Reformation und unser Bekennen beim Schweizerischen reformierten Pfarrverein im September 1935 und in einem weiteren Sinn die Reden, zu denen Barth anlässlich des Calvin-Jubiläums 1936 eingeladen wurde, sind hier zu nennen. Besonders sein Auftreten beim Schweizerischen reformierten Pfarrverein steht exemplarisch dafür, dass Barth bemüht war, auch ein ihm potentiell kritisch gegenüberstehendes Publikum zu überzeugen, dabei aber seinen Standpunkt nicht zu verleugnen oder um größerer Gefälligkeit willen abzumildern: Sicher konnte sein zum großen Teil liberal eingestelltes Publikum dort das, was er aufgrund seiner Erfahrungen aus dem deutschen Kirchenkampf über die schweizerische kirchenpolitische Situation und ihre Gefährdungen zu sagen hatte, von dem eigenen, anderen Erfahrungshorizont her kaum verstehen, und es hat sich zum allergrößten Teil auch nicht von ihm überzeugen lassen – doch wohl niemand konnte nach diesem Auftritt sagen, er wisse nicht, wo in der schweizerischen kirchenpolitischen Landschaft Barth zu verorten sei.

Der deutsche Kirchenkampf steht im Mittelpunkt der meisten Texte, die in diesem Band versammelt sind. Barth ließ sich nach seinem erzwungenen Weggang aus Bonn nicht einfach aus der Verantwortung für die Kirche in Deutschland drängen; er blieb über zahlreiche Briefkontakte und Besuche aus Deutschland in Kontakt mit den für ihn maßgeblichen Personen und behielt auf diese Weise einen guten Einblick in das Geschehen. So stehen neben den jährlichen Berichten im «Zwingli-Kalender» (hier: Die deutsche Bekenntniskirche 1935/36 📖 bzw. 1936/37 📖) nicht weniger als acht weitere Artikel und teils mehrfach gehaltene Vorträge, die sich explizit mit dem Kirchenkampf befassen und in denen Barth vor allem die schweizerische, aber auch etwa die ungarische und die britische Öffentlichkeit über die Ereignisse und einen angemessenen Umgang damit informieren wollte. Dazu kommen gutachterliche Äußerungen, um die man Barth aus der Bekennenden Kirche heraus bat, sowie zahlreiche Anspielungen und Erwähnungen in anderen Texten, in denen das Thema «Kirchenkampf» nicht eigentlich im Fokus stand. Barth war auf eine möglichst breite Streuung der zum Kirchenkampf veröffentlichten Artikel bedacht, und so erschienen sie in unterschiedlichsten Zeitungen der Schweiz, mehrere von ihnen aber auch übersetzt in England, Italien, |XI Frankreich, Ungarn und den Niederlanden. Natürlich finden sich in diesen Texten häufiger als üblich Dopplungen und Wiederaufnahmen von schon anderswo Berichtetem, doch ist es interessant zu beobachten, wie Barth beim immer gleichen Thema seinem jeweiligen Publikum entsprechend manches hier gar nicht oder nur kurz und dort ausführlich darstellte, seine eigene Deutung mit unterschiedlichen Schwerpunkten erläuterte und tendenziell die politische Bedeutung des Kirchenkampfes und die aus ihm zu ziehenden auch politischen Konsequenzen stärker herauszuarbeiten begann.

Singuläre Bedeutung hat in diesem Umfeld der Vortrag Evangelium und Gesetz, zu dem Barth für lange Jahre ein letztes Mal nach Deutschland reiste, um ihn dort dann doch nicht selbst halten zu dürfen. Gedacht als großer Vortrag auf einer Theologischen Woche der Bekennenden Kirche, mit dem die Veranstalter nicht zuletzt die bleibende Verbindung mit Barth demonstrieren wollten, sollte er zum öffentlichen Abschied Barths werden. Die Umstände, unter denen der Vortrag geschrieben wurde – die vereinbarten Vorarbeiten, auf die er bloß eingehen und antworten sollte, hat Barth nicht erhalten, musste daher umdisponieren und geriet in einen solchen Zeitdruck, dass man fast von einem improvisierten Schreiben sprechen kann –, stehen in einem deutlichen Kontrast zu seiner theologiegeschichtlichen Bedeutung: Kaum eine andere «kleinere Arbeit» Barths hat in ähnlicher Weise eine Debatte zu ihrem Thema ganz neu lanciert und für viele Jahre auf die theologische Tagesordnung gesetzt. Zugleich markieren die hier ausgeführten Gedanken auch für die in den Jahren nach 1937 weiter fortschreitende Entwicklung von Barths eigener Anschauung des Verhältnisses von Kirche und Staat einen wichtigen Einschnitt.

Der Kirchenkampf und die Frage, wie sich die ausländischen Kirchen zu ihm positionieren sollten, war ein Thema auch der drei großen Reisen, die Niederschlag in hier edierten Texten fanden: Mehr und für die dortige Rezeption Barths bedeutsamer in England, wo Barth so intensiv auf seine Rolle im Kirchenkampf und die von außen möglichen Hilfen angesprochen wurde, dass er seine Antwort im Nachhinein zu dem Zeitungsartikel Eine Frage und eine Antwort ausarbeitete, aber durchaus auch in Ungarn und Siebenbürgen sowie in Mähren, wo die genuin theologischen Vorträge Gottes Gnadenwahl und Volkskirche, Freikirche, Bekenntniskirche bzw. Die theologischen |XII Voraussetzungen kirchlicher Gestaltung jedoch eine weitaus größere Wirkung entfalteten.

Der kleine, bisher unveröffentlichte Vorstellungstext Basler Hilfswerk für deutsche Gelehrte markiert den Beginn eines weiteren, mit dem Kirchenkampf bzw. der deutschen Situation eng zusammenhängenden Engagements Barths, das in den Jahren ab 1937 noch weitaus mehr Raum einnehmen sollte: Zunächst mit der Leitung des Basler Zweigs eben dieses Hilfswerks betraut, griff sein Einsatz bald über auf die Unterstützung deutscher Studenten, denen er das ersehnte Studium an einer nicht nationalsozialistisch geprägten Universität mit ermöglichen half, und führte ihn zur Mitarbeit in dem von Paul Vogt initiierten Schweizerischen Hilfswerk für die Bekennende Kirche in Deutschland, das seine Arbeit über den enggefassten Adressatenkreis hinaus schnell auf die deutschen Flüchtlinge überhaupt und speziell die verfolgten Jüdinnen und Juden ausdehnte.

In diesen ersten Basler Jahren begann schließlich eine Entwicklung, die Barth an die Ökumenische Bewegung heranführen und schließlich in seiner bedeutenden Rolle im Umfeld des Amsterdamer Weltkirchenkongresses 1948 und der damit verbundenen Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen münden sollte. Sein Auftreten im Ökumenischen Seminar in Genf im Sommer 1935 mit dem Vortrag Die Kirche und die Kirchen sowie einem Calvin-Seminar brachten ihn bei aller nach wie vor bestehenden inhaltlichen Distanz in die Nähe der führenden ökumenischen Kreise; sein Beitrag Das christliche Verständnis der Offenbarung im Rahmen der Vorbereitung der Weltkonferenz der Bewegung für Glaube und Kirchenverfassung im August 1937 in Edinburgh und seine Beteiligung auch an Vorarbeiten zur Weltkonferenz für Praktisches Christentum in Oxford im Juli desselben Jahres vertieften und erweiterten die Kontakte.

Mit dieser weitgefächerten Vortragsarbeit konnte sich die Barth besonders wichtige Arbeit an der «Kirchlichen Dogmatik 📖» – hier in Ruhe weiterarbeiten zu können, war ein Hauptgrund dafür gewesen, sich nicht auf die Möglichkeit einer unsicheren weiteren Beschäftigung in Deutschland einzulassen – durchaus gegenseitig ergänzen. So beruht der Vortrag Die Grundformen des theologischen Denkens auf Ausführungen, die sich in KD I/1 finden, und ein Abschnitt eines Exkurses zu § 17 in KD I/2, S. 313–316 📖, bietet einige Grundgedanken |XIII von Barths Antrittsvorlesung zu Samuel Werenfels. Andersherum bildet der Vortrag Gottes Gnadenwahl einen wichtigen Ausgangspunkt für die breite Behandlung des Themas in den 1942 erschienen §§ 32–35 in KD II/2 📖, die zusammen das ebenfalls mit «Gottes Gnadenwahl» überschriebene siebte Kapitel bilden.

Der Zeitraum, den dieser Band umfasst, kann nach hinten nicht, wie in den Bänden dieser Abteilung bisher üblich, durch einen Ortswechsel oder ein einschneidendes Ereignis abgegrenzt werden. Zu den Vorträgen und kleineren Arbeiten Barths, die zwischen Juli 1935 und Juni 1937 erschienen sind, zählen zwei weitere Texte, die nicht in diesem Band erscheinen: Zur Vorbereitung seiner in den Frühjahren 1937 und 1938 in Aberdeen gehaltenen Gifford-Lectures7 schrieb Barth je einen Syllabus, der vorab gedruckt und verteilt wurde.8 Jener des Jahres 1937 wird ebenso im Folgeband «Vorträge und kleinere Arbeiten 1937–1939» erscheinen wie ein kurzes, bisher nicht veröffentlichtes Dankeswort, das Barth zum Eingang seiner ersten Vorlesungsreihe am 8. März 1937 auf Englisch hielt.9 Es schien allen beteiligten Herausgebern nicht geraten, den inhaltlichen Zusammenhang dieser beiden Texte mit dem Syllabus des Folgejahres zu zerreißen, nur weil die im Blick auf den zumutbaren Umfang der einzelnen Bände notwendige Bandteilung dies rein zeitlich vorgegeben hätte.

Wie mancher seiner Vorgänger in der Abteilung «Vorträge und kleineren Arbeiten» hat auch dieser Band eine längere Entstehungsgeschichte.

Noch in den 1990er Jahren übernahm Prof. Dr. Christian Link (Bochum) die Bearbeitung. Zusammen mit seiner damaligen Assisten|XIVtin Magdalene L. Frettlöh (heute Professorin für Systematische Theologie [Dogmatik] in Bern) ging er die Arbeit mit einem Kreis besonders motivierter Studierender im Rahmen eines Oberseminars an. Von 2001 bis 2003 traf sich die Gruppe zu monatlichen ganztägigen Sitzungen, um die jeweils anstehenden Texte gemeinsam hinsichtlich ihrer theologischen, kirchenpraktischen und politischen Absicht zu analysieren und zu verstehen.10 Die Form des Oberseminars und seine zeitliche Begrenzung ließen es jedoch nicht zu, über die Anfertigung der Dateigrundlagen, meist eines ersten kritischen Apparats und mitunter auch von Einleitungstexten hinaus die Texte druckfertig zu bearbeiten.

Mit einem Abstand von etwa zehn Jahren zum Ende dieser ersten Arbeitsphase gelang es, dankenswerterweise finanziert durch eine namhafte Spende der Basler «L. und Th. La Roche-Stiftung» und unterstützt durch weitere Mittel der Karl Barth-Stiftung, eine neue Herausgeberschaft zu organisieren, die mit Zustimmung und Unterstützung Christian Links die Arbeit am Band nun zum Abschluss bringen konnte. Die inzwischen erfolgte und weitgehend abgeschlossene Digitalisierung der Bestände des Karl Barth-Archivs hat die Recherche in ihnen und eine sehr viel gründlichere Suche nach weiteren Texten erheblich erleichtert. So wurden zahlreiche weitere zum Band gehörige Texte integriert, manches Manuskript konnte richtig zugeordnet und damit manche Textvorgeschichte vervollständigt werden. Die textkritischen Apparate wurden hinzugefügt und die Herausgeber|XVfußnoten ergänzt und dort angepasst oder verändert, wo sie – dem Ansatz des damaligen, systematisch-theologisch orientierten Oberseminars entsprechend – einen für die Gesamtausgabe zu sehr theologisch kommentierenden oder Sachverhalte diskutierenden Charakter aufwiesen. Die Herausgeber wissen, wie sehr sie bei aller selbst noch zu leistenden Arbeit dem Team um Christian Link für die Vorarbeiten, auf die sie zugreifen durften, zu Dank verpflichtet sind.

Die bisherigen editorischen Prinzipien gelten in diesem nun achten Band der Abteilung «Vorträge und kleinere Arbeiten» unverändert: Abweichungen der Editionsvorlage von den Vorarbeiten Barths, sofern sie vorhanden sind, werden in der Regel komplett ausgewiesen, außer wenn es sich eindeutig nur um Korrekturen von Verschreibungen und minimale stilistische Verbesserungen handelt. Auch in diesem Band werden die Editionstexte teilweise durch den kompletten Abdruck von Stichwortmanuskripten Barths ergänzt: Beim Vortrag Was haben uns die kirchlichen Vorgänge in Deutschland zu sagen? stammt die als Editionstext aufgenommene Wiedergabe des gehaltenen Vortrags eindeutig nicht von Barths Hand, so dass das Stichwort-Typoskript hier die letzte zweifelsfrei von Barth autorisierte Version des Textes darstellt; beim mehrfach gehaltenen Vortrag Die allgemeine kirchliche Bedeutung des deutschen Kirchenkampfes können durch den Abdruck sogar zweier Stichwort-Manuskripte die verschiedenen Versionen, in denen der Vortrag gehalten wurde, veranschaulicht werden. Häufiger als in früheren Bänden dieser Abteilung finden sich Texte, an denen Barth eigene, zum Teil sehr umfangreiche Fußnoten anbrachte; sind Vorarbeiten erhalten, führt das Neben- und Ineinander dann dreier Apparate – selbstverständlich sind auch zu diesen Texten Herausgeberfußnoten notwendig – hier vereinzelt zu einer bedauerlichen, aber unvermeidbaren gewissen Unübersichtlichkeit der Darstellung.

Das editorische Vorgehen und die zu beachtenden Besonderheiten bei einzelnen Texten sind am Ende der jeweiligen Einleitungen kurz skizziert. In jenen Einleitungen sind wie immer die Vorgeschichte, der konkrete Anlass und gegebenenfalls wichtige Reaktionen auf die einzelnen Texte und Vorträge beschrieben. Was schon früher vermerkt wurde, gilt im neuen biographischen Kontext Barths noch einmal ver|XVIstärkt: Einladungen und Absprachen zu Vorträgen oder Aufsätzen können in vielen Fällen telefonisch, im engeren Basler Kontext auch bei persönlichen Treffen erfolgt sein; statt brieflicher Quellen helfen dann oft nur die Einträge in den Taschenkalendern weiter, wo solche Absprachen und Termine in der Regel notiert sind. Es gleicht die skizzierte Problematik ein wenig aus, dass nicht mehr nur Charlotte von Kirschbaum, sondern nach der Rückkehr in die Schweiz mit Beginn des Jahres 1936 auch Barth selbst wieder einen solchen Taschenkalender führte.

Auch bezüglich der Nachweise in den Herausgeberfußnoten verfährt dieser Band wie die bisherigen: In der Regel wird, wo dies möglich ist, die Literatur herangezogen, auf die Barth sich wirklich stützte. Ist diese nicht ermittelbar, wird auf zeitgenössische Literatur verwiesen, bei der davon ausgegangen werden kann, dass Barth mit ihr vertraut war. Auf weitere neue Sekundärliteratur wird überwiegend nur bei reinen Sacherläuterungen Bezug genommen, bei denen die zeitliche Nähe keine Rolle spielt.

Parallel zum Erscheinen dieses Bandes betritt die Karl Barth-Gesamtausgabe als Ganze Neuland. Der hier vorliegende Band wird der erste sein, der auch im Rahmen einer frei zugänglichen digitalen Edition erscheint. Die Arbeit an diesem sicher von vielen begrüßten Projekt, das gewiss geeignet ist, der Barth-Forschung neuen Schub zu verleihen, nahm in den letzten Monaten und Jahren breiten Raum ein; stellvertretend für die vielen Beteiligten seien genannt Dr. Andreas Kränzle (Zürich) sowie Sabine und Wolfgang Meier (Lenzkirch). Ihnen gilt ein großer Dank, der sich auch auf die entsprechende Aufbereitung der Texte dieses Bandes bezieht, deren Besonderheiten die eine oder andere Herausforderung in sich bargen.

Die Selbstverständlichkeit, mit der entschieden wurde, dass die Gesamtausgabe in der neuen Ära der digitalen Edition weiter auch in gedruckter Form erscheinen soll, möge vom Fortbestehen des Interesses an eben diesen gedruckten Bänden bestätigt werden!

Eine weitere, für Nutzer der Edition nicht augenfällige Neuerung besteht darin, dass die Jahrzehnte währende finanzielle Unterstützung der Arbeit an der Gesamtausgabe durch den «Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung» |XVII aufgrund einer Langzeit-Editionen betreffenden Umstrukturierung nun von einer ähnlich großzügigen Förderung in der Zuständigkeit der «Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften» abgelöst worden ist. Bei diesem Anlass sei dem Nationalfonds bzw. den für die Anträge der Karl Barth-Gesamtausgabe und die Mittelvergabe zuständigen Personen in seinen Gremien für ihre langjährige Mühe und die zuverlässige und freundliche Bearbeitung unserer Anliegen sehr gedankt.

Die Herausgeber danken allen, die mit Auskünften, der Bereitstellung und Aufarbeitung von Dokumenten, Korrektur-Lektüre und sonstigen Hilfestellungen die Bearbeitung dieses Bandes mit ermöglicht oder erleichtert haben: An erster Stelle seien nochmals genannt Prof. Dr. Christian Link und die an seinem Bochumer Oberseminar Teilnehmenden sowie das Team der digitalen Edition der Karl Barth-Gesamtausgabe. Frau Mirjam Brockmann (Berlin) sei für die Übersetzung zahlreicher lateinischer Zitate gedankt, den Mitarbeitern des Bundesarchivs in Bern für ihre Hilfe bei dortigen Recherchen. Bei der Beschaffung von dringend benötigter Literatur half Alexander Döle­cke (Münster / Osnabrück); im Karl Barth-Archiv in Basel unterstützten Michael Pfenninger, Dominik von Allmen, Kevin Liniger und Nicolas Hofstetter mit Recherchen und Korrekturvorschlägen die Entstehung des Bandes. Besonders gedankt sei dem Präsidenten der Karl Barth-Stiftung, Dr. Dr. h.c. Bernhard Christ: Zwar mag ein Vorwort zu einem neuen Band der Gesamtausgabe kein wirklich angemessener Ort sein, um ihm für seinen dauerhaften großen Einsatz für die Stiftung und das Karl Barth-Archiv zu danken, der den Abschluss der Arbeit speziell an diesem Band mit ermöglicht hat und ohne den die fortwährende Arbeit an der Gesamtausgabe insgesamt kaum vorstellbar wäre. Umso mehr freut es die Herausgeber, einen solchen Dank an Bernhard Christ hier abschließend trotzdem einmal formulieren zu können, ist er doch mit einem speziellen Dank für eine in diesen Band eingeflossene biographische Hintergrundinformation verbunden.

Lucius Kratzert
Peter Zocher