Das christliche Verständnis der Offenbarung
DAS CHRISTLICHE VERSTÄNDNIS DER OFFENBARUNG
Den vorliegenden Text schrieb
Der Sammelband sollte der Vorbereitung auf die
Im Februar 1935 fragte Mackintosh bei Barth an, ob er sich an dem geplanten Sammelband, mit dessen Herausgabe er selbst und der Prediger und Publizist
In einer dem Schreiben beiliegenden Skizze, die den Inhalt des Bandes erläuterte, hieß es unter anderem: «This volume has thus in the broadest sense a missionary purpose. […] It is intended rather to be a positive statement of the Christian understanding of revelation. But the papers should be consciously directed to the needs and perplexities of men to-day; […]. Since it is hoped that the volume may be widely read by intelligent laymen, the subject should be presented as far as possible in non-technical language and in a form that non-theological readers will understand. […] It is desired that each contributor should state positively his own understanding of the meaning of Revelation, in the light of the Christian tradition in which he has been nurtured and that in doing this he should bring into prominence and clear contrast the points on which he differs from his fellow-contributors».6 Als spätestes Einsende-Datum wurde der Oktober 1935 genannt.
Parallel zu seinem eigenen Brief bat Mackintosh
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Danach erhielt Barth über Monate hinweg keine weitere Auskunft über den Fortgang des Projektes. Erst Ende Oktober 1936 erfuhr er den Grund für die lange Verzögerung, als
Damit
Tatsächlich hat Barth seinen Text an einigen Stellen überarbeitet und die Vorschläge Baillies aufzunehmen versucht. Dies geschah wohl im Februar 1937.18 Die nachträglich hinzugefügten Textpassagen sind allerdings nur der englischen Druckfassung zu entnehmen. Weder die deutschen Vorlagen noch ein Brief, mit dem diese abgeschickt worden wären, sind im
248 Die englische Druckfassung erschien im Juni 1937:
Eine – bisher ungedruckte – französische Übersetzung der ersten, noch nicht ergänzten Version fertigte
Vom bisher in deutscher Sprache nicht publizierten Text sind sowohl Barths Manuskript als auch ein Typoskript im
Das christliche Verständnis der Offenbarung
Wer vom christlichen Verständnis der Offenbarung reden – und auch wer von einem Anderen etwas darüber hören will, der stellt sich damit in einen ganz bestimmten Raum, in welchem eine ganz bestimmte Ordnung gilt. Es steht ihm, wenn ihm dies nicht angenehm sein sollte, gewiss völlig frei, das Problem wieder fallen zu lassen. Es steht ihm aber, wenn er das Problem aufnehmen will, nicht frei, dies ebensowohl außer wie in jenem Raum, ebensowohl über wie unter jener Ordnung zu tun. Auch der Jude oder «Heide» oder «Ungläubige» kann sich mit dem christlichen Verständnis der Offenbarung sachgemäß nur dann beschäftigen, wenn er sich hypothetisch in jenen Raum und unter jene Ordnung stellt. Ob ihm ein solches nur hypothetisches Verständnis faktisch möglich sein wird? Ist es a-nur hypothetisch, dann wird es, wie sachgemäß es auch sein mag,a doch ein unfruchtbares, ja letztlich totes Verständnis sein. Aber das ändert nichts daran, dass es auch zu einem lebendigen und fruchtbaren christlichen Verständnis der Offenbarung nur unter der Bedingung kommen kann, dass dabei sachgemäß und also in jenem Raum und unter jener Ordnung gedacht und geredet wird.b
250 Das christliche Verständnis der Offenbarung ist die Antwort des Menschen auf das Wort Gottes, dessen Name Jesus Christus ist.25 Dieser Gegenstand schafft das christliche Verständnis der Offenbarung; von ihm bekommt es seinen Inhalt, seine Form und seine Grenze. Das sagt ja das Beiwort «christlich»; es sagt es gebieterisch und jede Diskussion ausschließend: es ist das an den Namen Jesus Christus gebundene Verständnis der Offenbarung. Ein von dieser Bindung gelöstes Verständnis der Offenbarung wäre als solches nicht das christliche, sondern vielleicht das jüdische oder stoische, vielleicht das romantische oder positivistische, jedenfalls irgendein anderes Verständnis der Offenbarung. Eben in dieser Bindung hat das christ|251liche Verständnis der Offenbarung auchc seine Freiheit. Es steht unter keinem anderen Gesetz als unter dem, das ihm durch diesen Namen diktiert wird. Es braucht weder zur Linken noch zur Rechten erst zu suchen nach Offenbarung, d-geschweige denn dass es erst zu fragen braucht, ob es so etwas wie Offenbarung überhaupt gibt-d. Es braucht sich die Behauptung von Offenbarung von keiner Seite erst aufdrängen e-und beweisen-e zu lassen. Es kennt und hat sie schon. Der Name Jesus Christus, an dem es hängt, besagt, dass es von f-der Offenbarung-f schon gefunden ist. Es ist auch keinen allgemeinen Wahrheiten über Gott oder über den Menschen oder über die Beziehung zwischen Gott und Mensch unterworfen, weil es alle Erkenntnis Gottes und des Menschen in diesem Namen gesucht und gefunden hat und immer wieder sucht und findet. Es ist letztlich und eigentlich durch keine menschlichen Lebensnotwendigkeiten und Denkgesetze, sondern es ist letztlich und eigentlich nur durch die in diesem Namen sich erschließende Wahrheit bestimmt.
Christliches Verständnis der Offenbarung ist ein Nachschreiben der in diesem Namen den Menschen gegebenen göttlichen Vorschrift. Als menschlicher Versuch geschieht dieses Nachschreibeng auf der Tafel menschlichen Lebens und Denkens. Regierende, ordnende, gestaltende Kraft kann dabei doch nur jener Name haben, keine vom Menschen mitgebrachte, keine ideelle und auch keine existentielle Voraussetzung.
Wer vom christlichen Verständnis der Offenbarung reden und wer etwas davon hören will, der wird also gut tun, sich selbst vor allem anderen zu «versammeln», wie ein Reiter sein Pferd «versammelt»26 –, |252 nämlich zur Aufmerksamkeit, zum Respekt, zum Vertrauen, zum Gehorsam diesem Namen gegenüber. Jede Abweichung vonh dieser Ausgangsstellung würde die Gefährdung, ja die Verunmöglichung dieses Verständnisses bedeuten.
I. Das Wesen der Offenbarung
Der Name Jesus Christus bezeichnet die Offenbarung als geschehen und geschehend in dem Ereignis der Existenz dessen, der diesen Namen trägt. Man muss um Jesus Christus wissen, um überhaupt (im ursprünglichen, echten und strengen Sinn des Begriffs) um Offenbarung zu wissen. «Offenbarungen», die von der in ihm geschehenen und geschehenden verschieden sind, können nur in einem abgeleiteten, unechten und lockeren Sinn des Begriffs «Offenbarungen» heißen.i
In Jesus Christus tritt nämlich – und das geschieht nur in ihm – ein wirklich Neues, bisher Unbekanntes, weil Verhülltes und Verborgenes auf den menschlichen Plan. Offenbarung ist hier etwas Anderes als ein hyperbolischer Ausdruck für die unerwartete und erstaunliche Erscheinung und Entdeckung eines Optimums in einer im Übrigen bekannten Entwicklungsreihe oder für die bei solchem Anlass statt|253findende Wiedererinnerung (anamnesis) an den vielleicht vergessenen, aber im Grunde ebenfalls nicht unbekannten Wesenssinn (die Idee) dieser Reihe.27 Offenbarungj (apokalypsis, phanerosis, revelatio) meint hier wirklich: die Erscheinung eines Neuen und also bisher in keiner Weise Bekannten. Das Neue ist zunächst Jesus Christus selbst, seine Person in ihrer konkreten Wirklichkeit. Schon diese seine konkrete Wirklichkeit als solche hebt sich von aller anderen Wirklichkeit ab als einzigartig und einmalig. Sie ist, k-wie es im Neuen Testament heißt,-k ephapax [vgl.
Es kann aber auch der Satz von der Neuheit der Person Jesu Christi und also der Satz, dass er und nur er Offenbarung im ursprünglichen, echten und strengen Sinn des Begriffs zu nennen ist, nicht das Ergebnis allgemeiner Betrachtungen und Überlegungen sein. Auf dem Boden allgemeiner Betrachtungen und Überlegungen könnte er gewiss |257 nur als starke Behauptung wirken, der dann notwendig durch eine mindestens ebenso starke Bezweiflung die Spitze zu bieten wäre. Er entsteht aber, wenn er seinerseits ursprünglich, echt und streng gemeint ist, nicht auf x-dem Boden allgemeiner Betrachtungen und Überlegungen-x; eben darum ist er auch auf diesem Boden nicht anzugreifen, geschweige denn umzustürzen.
Er entsteht vielmehr in der Erkenntnis der Person Jesu Christi als des ewigen Wortes Gottes, das Fleisch geworden ist [vgl.
Aber vielleicht doch als Entdecker und Empfänger einer anderen von Jesus Christus verschiedenen mittelbaren Offenbarung? Nein, auch das nicht! Wohl wird er sich eingestehen, dass dasselbe ewige Wort Gottes, das Fleisch wurde, auch in der Schöpfung als dem ersten |258 Werke Gottes, also in der Natur, in der Geschichte, in seinem eigenen Herzen, Gewissen und Verstand vernehmbar ist. Er wird aber fortfahren und sich zu seiner eigenen Schande eingestehen, dass er es dort af-tatsächlich noch-af nie vernommen hat, noch auch vernehmen kann und wird. Nicht etwa auf Grund einer kritischen Erkenntnistheorie wird er sich das eingestehen, sondern wieder in Erkenntnis Jesu Christi als des Wortes, das Fleisch wurde, in Erkenntnis der Tatsache, dass es Gott gefallen hat, zur Offenbarung seines Wortes diesen ganz anderen Weg zu gehen, in Erkenntnis dessen, dass er Gnade ag-empfangen hat und also Gnade nötig-ag hat. In dieser Erkenntnis wird er sich gewiss nicht für fähig halten, das Wort Gottes in Gottesah Schöpfung zu vernehmen. Durch die Gnade ins Gericht geführt, wird er vielmehr bekennen, dass er dort immer nur die Stimmen der Götter, d. h. der von Gott geschaffenen Elemente dieser Welt ai-vernommen hat und vernehmen wird-ai: die Stimme der Erde und des animalischen Lebens, die Stimme des scheinbar unendlichen Himmels und aus ihr die Stimme seines aj-scheinbar unentrinnbaren-aj Schicksals, die Stimme des eigenen, des elterlichen und vorelterlichen Blutes in seinen Adern und die Stimme des Genius und des Heros in seiner eigenen Brust – diese alle mit falscher göttlicher Würde ak-und Autorität-ak umkleidet –, aber gerade nicht das ewige Wort Gottes!30 Die Erkenntnis |259 der Gnade zerstört faktischal auch die Vorstellung von einer mittelbaren Offenbarung in am-der Natur, in der Geschichte und im eigenen Existenzbewusstsein-am. Nur die Erkenntnis der Gnade und also Jesuan Christi als des ewigen Wortes, das Fleisch wurde, zerstört diese Vorstellung. In dem Maß, als ao-uns diese Erkenntnis-ao dunkel wird, fangen wir notwendig aufs Neue an, uns selbst zu vertrauen und also mit allerlei mittelbarer und dann gewiss auch unmittelbarer Offenbarung neben Jesus Christus zu rechnen. Der Satz von der Neuheit der Person Jesu Christi und also der Satz, dass er und nur er im Ernst Offenbarung zu nennen ist, wird uns dann undurchsichtig und schwer vertretbar.
Er ist leicht und selbstverständlich in der Erkenntnis des einen Weges, den Gottes Offenbarung in Jesus Christus eingeschlagen hat: das Wort ward Fleisch [vgl.
Jesus Christus ist darum die Offenbarung, weil er die uns erschienene Gnade Gottes ist, Gnade in dem vollständigen Sinn des Begriffs: dass Gott, ohne aufzuhören Gott zu sein, Mensch wurde, «Fleisch» d. h. Mensch wie wir, in der ganzen durch unsere Gottesferne bedingten Beschränktheit, Gebrechlichkeit und Ohnmacht unseres Menschseins. Offenbarung heißt Gnade. Gnade heißt Herablassung. Herablassung heißt Menschwerdung, Menschwerdung heißt Fleischwerdung. Das ist Jesus Christus. Und das und nur das ist Offenbarung. Es wäre keine Offenbarung, sondern der Mensch wäre sich selbst überlassen, wenn Gott nicht gnädig wäre, d. h. wenn er die Majestät seiner Gottheit für sich behalten, wenn er sich nicht aus seinem eigenen freien Entschluss dem Menschen zuwenden würde. Es wäre keine Offenbarung, wenn Gottes Gnade nicht völlig wäre, wenn sie nicht in einem unbegreiflichaw wahren Herabsteigen Gottes ax-in unsere Tiefe-ax bestünde. Es wäre keine Offenbarung, wenn Gott nicht so weit ay-in unsere Tiefe herabstiege, dass er uns-ay als einer von uns, in der ganzen Ferne und Nähe eines Menschenbildes begegneteaz. Es wäre keine Offenbarung, wenn er nicht in allen Stücken ein Menschba wie wir selbst und also «Fleisch» würde. Eben dies Alles ist es, was Gottbb in Jesus Christus für uns getan hat. Wir bekennen uns zu Gottes Gnade, indem wir bekennen, dass das ewige Wort des Vaters, der Herr des Himmels und der Erde geboren ist, gelitten hat, gekreuzigt wurde, starb und begraben wurde.32 Eben indem wir uns zu der wahren Menschheit Jesu Christi bekennen, bekennen wir uns zu Gottes wahrerbc und einziger Offenbarung.
261 Aber wir müssen fortfahren: Jesus Christus ist darum die Offenbarung, weil er die uns erschienene Gnade Gottes ist, in dem vollständigen Sinn auch des Begriffes «Gott»: er ist, indem er Mensch wird und ist, der Herr, der uns geschaffen hat und ohne den wir nichtbd sind, der Herr der Welt, der Herr aller Herren dieserbe Welt. Offenbarung heißt bf-Gottesgnade. Gottesgnade-bf heißt aber Gegenwart und Handlung Gottes selbst. Gott selbst aber heißt: der Herr. Der Herr aber heißt der Eine, bg-der Unveränderliche, der Ewige, der Allmächtige-bg, der Schöpfer des Himmels und der Erde. bh-Das ist Jesus Christus.-bh Und das und nur das ist Offenbarung. Es wäre keine Offenbarung, sondern der Mensch wäre sich selbst überlassen, wenn er auch nur einen Moment zweifeln müsste daran, dass die ihm widerfahrende Gnade Gottesgnadebi wäre. Es wäre keine Offenbarung, wenn das Subjekt, das bj-dem Menschen-bj in der Offenbarung gegenwärtig wird und an ihm handelt, nicht der Schöpfer wäre, sondern nun doch bloß, wie der Mensch selbst, zu der von Gott geschaffenen Welt gehörte, wenn es nur ein Halbgott oder ein Engel oder ein besonders erhöhter Mensch wäre, bk-mit dem er es in der Offenbarung zu tun hätte-bk.33 Es |262 wäre keine Offenbarung, wenn uns in der Offenbarung nicht Gott selbst in seiner ganzen Herrlichkeit begegnen und sichbl bekannt machen wollte. Eben dies ist es
aberbm, was er in Jesus Christus für uns getan hat. Wir bekennen uns bn-zur Gnade Gottes-bn, indem wir bekennen, dass dieser Mensch empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren ausbo der Jungfrau
Das Entscheidende kann und muss nun gesagt werden: Jesus Christus ist darum die Offenbarung, weil er als die erschienene Gnade Gottes der Weg, der einzige Weg ist [vgl.
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Gott tritt an die Stelle des sündigen Menschen. Jesus Christus ist wahrer Mensch, Mensch wie wir. Aber als Mensch wie wir tut er etwas ganz Anderes, als wirbv tun; er bekennt sich nämlich in seiner Erniedrigung, in seinem Leiden und Sterben zu der Verlorenheit des Menschen, zu der Gerechtigkeit des göttlichen Zornes und Gerichtes, er unterwirft sich der Taufe der Buße [vgl.
Und der sündige Mensch wird an die Stelle Gottes versetzt. Das ist die andere Seite derselben Sache. Jesus Christus ist wahrer Gott. Aber eben als wahrer Gott by-behält er die Majestät seiner Gottheit nicht für sich, sondern in der Majestät seiner Gottheit bekennt er-by sich zum Menschen in seiner Niedrigkeit, bz-in seinem-bz Leiden und Sterben, in seinem Stand unter dem Gericht, in seiner Todverfallenheit, in seiner völligen Gnadebedürftigkeit. Dieser Mensch, das «Fleisch», ist es ja, dasca das ewige Wort Gottes in der Person Jesu Christi zur Einheit mit sich selbst an- und aufgenommen hat. Eben diese Einheit bedeutet nun aber auch die Erhöhung dieses Menschen, cb-ein für allemal-cb vollzogen in Jesu Christi Auferstehung und Him|264melfahrt. In Jesus Christus, der wahrer Gott ist, ist der Mensch den Ordnungen und Notwendigkeiten seines bloßen Menschseins und so auch endlich und zuletzt dem Tode entrissen, teilhaftig des freien, überlegenen, ewigen Lebens Gottes selber. In cc-Jesus Christus-cc ist Gottes Herrlichkeit, ohne aufzuhören, die seine zu sein, auch unsere eigene geworden. Ist sie die unsrige, hat Gott sie uns geschenkt in ihm, so sind wir aufgerufen, unser Leben cd-im Glauben dort-cd zu suchen, dort gelebt sein zu lassen, wo es ce-in Christus neu geworden,-ce unser wahres Leben ist, dort, wo wir in cf-der erhöhten Menschheit Jesu Christi-cf schon jetzt zur Rechten Gottes stehen.
Dieser Tausch (katallage)35 ist die Versöhnung, ist unsere Rechtfertigung zugleich und unsere Heiligung, cg-die Vergebung unserer Sünden und unsere Wiedergeburt zu einem neuen Leben-cg. Dieser Tausch ist die Überwindung der Kluft zwischen Gott und Mensch, die Aufhebung der Finsternis, die uns hindert, Gottch zu erkennen, die Wahrheit (aletheia) und also die Offenbarung. Weil in Jesus Christus dieser Tausch vollzogen ist, darum ist er ci-Gottes wahre und einzige-ci Offenbarung.
Es ist nun gewiss nicht selbstverständlich, dass wir das wirklich Neue (das auch in seiner Möglichkeit Neue!) der Existenz Jesu Christi als solchescj erkennen. Es ist nicht selbstverständlich, dass uns die in ihm erschienene Gnade Gottes zum Gericht wird und uns damit das Selbstvertrauen, mit dem wir nach allerlei anderen Offenbarungen |265 mittelbarer oder unmittelbarer Art Umschau halten, unmöglich macht. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in Jesus Christus den wahren Menschen (und nicht etwa eine Idee) und den wahren Gott (nicht etwa einen Halbgott) ck-und dass wir den wahren Gott und den wahren Menschen gerade in Jesus Christus-ck erkennen. Und es ist gar nicht selbstverständlich, dass wir in dem, was im Tod und in der Auferstehung Christicl geschehen ist, jenen Tausch und also unsere eigene Versöhnung, cm-Rechtfertigung, Heiligung und Wiedergeburt-cm als ein für allemal geschehen erkennen. Es ist nicht selbstverständlich, dass es ein christliches Verständnis der Offenbarung gibt als Antwort des Menschen auf das Wort Gottes, dessen Name Jesus Christus ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir glauben. cn-Wie sollen wir zu dieser Antwort, wie sollen wir zum Glauben kommen?-cn Glaube ist ja noch viel mehr als co-die Erkenntnis, die uns zu dieser Antwort fähig macht-co. Glaube ist die Bezogenheit unseres ganzen Lebens, Denkens, Wollens undcp Fühlens auf die Existenz Jesu Christi als auf den einen Grund, auf dem wir stehen, als auf den einen Halt, an dem wir hängen, als auf die eine Speise, von der wir uns nähren. Glaube ist mitten im Wechsel und in den Widersprüchen menschlicher Euphorie und menschlicher Verzweiflung, menschlichen Gelingens und Misslingens, menschlicher Gutheit und Bosheit, menschlichen Gemeinsamseins und Einsamseins die letzte Ruhe, Gewissheit, Unbekümmertheit und Hoffnung, die darum echt und dauernd ist, weil sie auf kein eigenes Sein, Erfahren und Tun, wohl aber auf die Existenz Jesu Christi gegründet ist. Glaube ist unsere Teilnahme an der Menschheit, am Fleisch und Blut Jesu Christi, und so an Gottes ewigem Wort, das in Jesus Christus Fleisch und Blut zu seinem eigenen gemacht cq-und zur Rechten Gottes erhöht-cq hat. Glauben heißt Leben auf Grund jenes Tausches und also auf Grund der dem Menschen in Jesus Christus widerfahrenen Rechtfertigung und Heiligung, cr-das Leben des in Jesus Christus neu geborenen Menschen-cr. Die Erkenntnis der Offen|266barung, von der wir sprachen, ist die Erkenntnis dieses Glaubenscs. Darum ist sie so gar nicht selbstverständlich. Wohl ist der Glaube und so auch die Erkenntnis des Glaubens ein freier Akt menschlicher Wahl und Entscheidung, ein Werk unseres Herzens, Willens und Verstandes. Wir können uns aber, wenn wir in diesem Werk begriffen sind, so wenig von uns selbst her verstehen, wie wir Jesus Christus von dem her verstehen können, was wir sonst vom Menschen und von der Menschheit wissen. Warum glaube ich? Gewiss glaube ich in freier Wahl und Entscheidungct, aber ebenso gewisscu kann ich mich selbst dabei nur als einen solchen verstehen, der, bevor er wählte, gewählt istcv, über den, bevor er sich entschied, eine Entscheidung gefallen istcw.36 Es kann nur ein Dienst am Werk des Wortes Gottes sein, den ich, |267 wenn ich glaube, mit dem Werk meines eigenencx Herzens, Willens und Verstandes tue. cy-Ich bin nur daraufhin in der Lage, vor Gott zu stehen und zu wandeln und auf sein Wort Antwort zu geben, dass Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, bei Gott für mich eintritt. Dass ich glaube und bekenne, dass ich berufen und bereit und fähig bin, dies zu tun, dessen kann ich mich keinen Augenblick und in keiner Hinsicht rühmen-cy, dafür kann ich nur dankbar sein. Die Offenbarung hat sich dann cz-kraft ihrer eigenen Macht und Entscheidung-cz auch an mir als Offenbarung erwiesen. Die versöhnende Gnade Jesu Christi ist dann als erwählende, berufende, erleuchtende, bekehrende Gnade, als die Gnade des Heiligen Geistes auch mir widerfahren. Wie könnte ich sagen, wie ich dazu komme, da-zu glauben und zu bekennen? Wie könnte ich sagen, wie ich dazu komme, begnadigt zu sein-da? Hätte ich etwas darüber zu sagen, dann wäre es gewiss nicht die Gnade des Heiligen Geistes, die mir widerfahren ist, db-mein Glaube wäre dann nicht Glaube, sondern irgend ein religiöser Übermut, und mein Bekenntnis nicht Bekenntnis, sondern irgend eine willkürliche Behauptung-db. Von dc-der Gnade des Heiligen Geistes-dc werde ichdd immer nur zu sagen haben, dass de-ich für sie dankbar bin, dass sie als ein Wunder-de zu mir gekommen ist. Das christliche Verständnis df-des Wesens-df der Offenbarung wird sich also notwendig dg-vollenden müssen in der Erkenntnis-dg, dass auch es |268 selberdh, dieses Verständnis, wenn es zustande kommt, nur durch Offenbarung zustande kommt, ja selber Offenbarung ist, Ausgießung des Heiligen Geistes, in der die geschehene Fleischwerdung des Wortes Gottes ihre Bestätigung findet, di-in der der auferstandene Christus seine Macht und Güte erweist-di.
II. Die Zeichen der Offenbarung
Die Offenbarung ist nach christlichem Verständnis ein einmaliges Geschehen (so einmalig, wie Gott Einer ist!), ein Geschehen, dessen Subjekt Gott selber ist und bleibt, und darum ein Geschehen, das sein Licht und seine Kraft aus sich selber schöpft. Aber es geschieht nicht im Himmel, sondern auf Erden, nicht im ewigen Raume Gottes, sondern als Handlung Gottes im Raume des Menschen, mitten in der Kontinuität des kreatürlichen, des natürlich-geschichtlichendj Geschehens. Wie wäre es sonst Offenbarung? Wie bestünde es sonst darin, dass Gott Mensch wurde? Inmitten derselben Kontinuität wird die Offenbarung ja auch Glauben suchen und finden. Wie wäre er sonst unserdk Glaube, eine freie menschliche Wahl und Entscheidung?
Jesus Christus begegnet dem Menschen menschlich und eben darin göttlich. Und wenn Menschen zum Glauben an ihn erweckt werden, dann geschieht das zwar gewiss um seiner Göttlichkeit willen, aber nun dennoch durch das Mittel seiner Menschlichkeit. Der Name Jesus Christus als besonderer Name unter vielen anderen menschlichen Namen bezeichnet die Offenbarung, haben wir gesagt. Derdl Mensch, der (weil er das ewige Wort Gottes ist) hierdm selber die Offenbarung ist, ist (für sich betrachtet) zugleich ihr dn-primäres und unbedingtes-dn Mittel, der Tempel, das Kleid, das Schwert des ewigen Wortes, das Zeichen, das menschlichen Augen, Ohren und Herzen zeigen kann: hier ist Immanuel! [vgl.
Und nun ist dieses primäre und unbedingte Zeichen ds-der Offenbarung-ds nicht ohne Reflexe und Entsprechungen (und in diesem Sinn: nicht ohne Wiederholungen) auch im übrigen Raum des kreatürlichen, natürlich-geschichtlichen Daseins und Geschehens. Diedt Offenbarung ist nur eine. Aber diese eine Offenbarung ist nicht umsonst, sondern eindu für allemal geschehen. Sie geht die ganze Welt, sie geht alle Menschen an. Sie gab, indem Gott Mensch wurde, der dv-«Welt einen neuen Schein»-dv37. Sie prägte sich der Natur und der Geschichte dieser Welt in ganz bestimmten Formen ein und sie tut das immer wieder. Diese Formen sind nicht selber Offenbarung. Sie sind keine Vervielfältigungen der Inkarnation! Sie gehören ganz der Kreatur an, wie irgendwelche andere Formen. Siedw können als Zeichen der Offenbarung verkannt und übersehen werden. Dennoch und gerade in dieser ihrerdx Unscheinbarkeit sind siedy von der Offenbarung her, |270 was sie sind, von Jesus Christus selber dazu gestiftet, eingesetzt und bestimmt, wenn es Gottes freier guter Wille ist, als Zeichen der Offenbarung dz-dienstbar und wirksam zu sein, seine-dz, Jesu Christi Zeugen und Zeugnisse zu sein, zum Glauben an ihn aufzurufen. Sind sie das und tun sie das, dann nicht vermögeea der Kraft, die ihnen in sich und aus sich selber eigen ist, sondern vermögeeb der Kraft Jesu Christi, in dessen Hand sie Instrumente sind. Aber die Kraft Jesu Christi wirkt nicht ohne diese Instrumente, nicht ohne diese sekundären und also bedingten ec-Mittel der Offenbarung-ec. Sie ist, wie in ihrem Urbild ed-(der Menschheit Jesu Christi)-ed, so auch in ihren Reflexen und Entsprechungen ee-im Raum der übrigen Kreatur-ee mittelbare Offenbarung.
Wir werden hier vor allem an die Worte und Taten Jesu von Nazareth, ef-wie sie-ef den Gegenstand der neutestamentlichen Evangelien bilden, denken müssen. Sie sind nicht selber das «nahe herbeigekommene» [vgl.
Am Anfang des Lebens Jesu steht das Wunderzeichen seiner
jungfräulichen Geburt [vgl.
Zu den Zeichen der Offenbarung gehört in besonderer Weise die Existenz der Propheten und der Apostel oder: des alttestamentlichenev und des neutestamentlichenew Zeugnisses. Auch hier besteht Verschiedenheit und Korrespondenz. Das Ereignis der Offenbarung hat eine bestimmte Vorzeit und eine bestimmte Nachzeit. Es gibt Erwartung und es gibt Erinnerung der Offenbarung. Ihr Gegenstand istex derselbe: die erfüllte Zeit in der Mitte der Zeiten, Jesus Christus. Und so sind sich die Propheten und die Apostel auch darin gleich, dass sie als Angehörige jener Vorzeit und Nachzeit unmittelbar berufen waren zum Zeugnis von der kommenden oder gewesenen Fülle der Zeiten. Und nun gibt es Dokumente beider: prophetische Dokumente der Erwartung und apostolische Dokumente der Erinnerung.39 Diese |273 Dokumente bilden die ey-heilige Schrift-ey. Die heilige Schrift ez-als solche ist nicht-ez die Offenbarung. Sie ist es, wenn und sofern Jesus Christus durch das Zeugnis seinerfa Propheten und Apostel zu uns redet. Es hat wohl noch nie ein Einzelner aufrichtig fb-von sich-fb sagen können, dass er Jesus Christus in allen Teilen und Bestandteilen der heiligen Schriftfc gleichmäßig deutlich habe reden hören. fd-Unzählige Einzelne werden aufrichtigerweise sogar von sich sagen müssen, dass sie ihn in großen Teilen der heiligen Schrift noch gar nicht haben reden hören.-fd Auch die Kirche sagt, indem sie an fe-der Heiligkeit (Kanonizität) dieser und dieser ganzen Schrift-fe festhält, nur dies: hier, ff-im Bereich dieser Schrift hat die Kirche bei ihrer Entstehung-ff Jesus Christus reden gehört: hier und unseres Wissens nur hier fg-kann Jesus Christus-fg wieder zu uns reden.40 Wer sich an diesem «nur hier» ärgern sollte, müsste uns erst sagen, wo er denn etwa sonst noch zu uns redet. Unberufene Zeugen von allerlei nichtwirklichen Offenbarungen gibt es freilich viele. Aber fh-berufene Zeugen der wahren und einzigen Offenbarung,-fh Zeugen Jesu Christi? Die heilige Schrift ist Zeichen |274 der Offenbarung. fi-Unglaube ist möglich auch angesichts dieses Zeichens. Es hat aber-fi noch nie Glauben an die Offenbarung gegeben, der an diesem Zeichen vorbeigegangen, der nicht vielmehr gerade durch das Mittel dieses Zeichens erweckt, genährt und regiert worden wäre.
Weil es die heilige Schrift gibt als Zeichen der Offenbarung, darum in der Kirche als weitere Zeichen der Offenbarung: die Predigt und das Sakrament.41 In ihnen wiederholt sich gewissermaßen das Verhältnis von Wort und Tat im Leben Jesu. Aber auch das Verhältnis von Altem und Neuem Testament könnte man in dem von Predigt und Sakrament abgebildet finden. Die Predigt ist die Rede, deren Gegenstand und gestaltende Form das biblische Zeugnis ist. Sie ist als solche Ankündigungfj des je und je gegenwärtigen Handelns Jesu Christi. Demgegenüber ist das Sakrament die fk-nach Maßgabe des biblischen Zeugnisses vollzogene-fk sinnbildliche Handlung. Es ist die Bestätigung des unser Leben im Glauben fl-begründenden und erhaltenden (Taufe und Abendmahl)-fl Handelns Jesu Christi als des ein für allemal für uns und an uns geschehenen.42 So sind auch Predigt und Sakrament, in verschiedener Weise, aber in ihrer Verschiedenheit ein|275heitlich, gegenseitig sich erläuternde Zeichen der Offenbarung: nicht entbehrlich (wie sollten wir heute glauben, wenn das biblische Zeugnis nicht auch heute wiederholt würde?), keines von beiden entbehrlich (wie sollte diese Wiederholung nicht in der Bezeugung der gegenwärtigen und einmalig wirklichen Offenbarung bestehen müssen?), aber auch keines von beiden durch sich selbst, sondern beide nur durch die Kraft der fm-von ihnen-fm bezeugten Offenbarung selbst wirksam, heute Glauben zu wecken.
Weil es Predigt und Sakrament gibt als Zeichen der Offenbarung, darum gibt es – wiederumfn in anderer Beziehung und Ordnung –
Gemeinde und
Amt in der Kirche:43 Gemeinde als die sich immer neu konstituierende Versammlung derer, die das Zeugnis der heiligen Schrift durch Predigt und Sakrament und fo-durch dieses-fo Zeugnis die Verkündigung ihrer Erwählung und Berufung zum Glauben an Jesusfp Christus fq-und also die Stimme des guten Hirten selbst-fq gehört haben [vgl.
Wir nennen an letzter Stelle: die Glaubenserfahrung und den Glaubensbeweis des einzelnen Christen. Der Glaube selbst, in welchem der Mensch gerechtfertigt und geheiligt fu-und von neuem geboren-fu wird, ist das verborgene Werk des Heiligen Geistes, verhüllt und zwar völlig verhüllt durch fv-des Menschen-fv eigenes Werk, das das fw-Werk eines Sünders ist und bleibt und immer als solches sichtbar sein wird-fw. Aber die Offenbarung ist auch in dieser Hinsicht nicht ohne Zeichen. Es kann der Glaube nicht ohne
Erfahrung sein.45 Es wird jafx der verborgene Glaube das Herz und Gewissen, das Wollen und Tun dieses sündigen Menschen bestimmen, verändern, gestaltenfy, gewiss nicht unzweideutig, gewiss nicht so, dass der glaubende Mensch sich selbst oder anderen als solcher, fz-als Kind Gottes,-fz direkt anschaulich würde, aber immerhin: bestimmen, verändern, gestaltenga. Und dieses Geschehen, diese Erfahrung kann ihmgb dann (in ihrer ganzen gc-Unscheinbarkeit, Relativität und Gebrechlichkeit-gc) als Reflex seines Glaubens, als Gabe des Heiligen Geistes, also in indirekter Anschaulichkeit zur Erinnerung und Bestätigung seines Glaubens und damit der auch ihm widerfahrenen Offenbarung werden (syllogismus prac|277ticus!46). Menschliche Erfahrung hat – das ist der immer neue Irrtum an dieser Stelle – keine eigenegd Kraft, solche Erinnerung und Bestätigung zu sein. Nur Jesus Christus kann ihr die Kraft geben, dem Menschen als Gabe des Heiligen Geistes anschaulich und also zu dieser Erinnerung und Bestätigung zu werden. Aber, kein Zweifel, Jesus Christus kann das ge-und tut das-ge. Und, kein Zweifel, wo immer ein Mensch wirklich gf-an ihn glaubt und dieses-gf Glaubens lebt [vgl.
Wir hätten in diesem ganzen Zusammenhang statt von dengt «Zeichen der Offenbarung» auch vom Leib Jesu Christi auf Erden reden können, der von seinem himmlischen Leib, von der zur Rechten Gottes erhöhten Menschheit Jesu Christi sein Leben gu-hat, gespeist und getränkt wird-gu. Denn der Inbegriff der Zeichen, von denen eben die Rede war, ist diesergv irdische Leib Christi. Und weil dieser irdische Leib Christi wiederumgw nichts anderes ist als die Kirche, so hätten wir, gx-alles über die «Zeichen» Gesagte zusammenfassend,-gx auch von der Kirchegy reden können, durch die und in der wir versammelt werden müssen, wenn wir und indem wir der Offenbarung teilhaftig werden. gz-Die Kirche-gz ist – bedingt durch das primäre und unbedingte Zeichen des durch das ewige Wort zur Einheit mit sich selbst an- und aufgenommenen Fleisches Jesu Christi – das sekundäre Zeichen der Offenbarung. Bedingt und sekundär, aber darum doch – soweit das Auge reicht – unentbehrlich. Wir sprachen am Anfang von dem Raum und von der Ordnung, innerhalb derer vom christlichen Verständnis der Offenbarung ha-allein sachgemäß geredet werden könne. Dieser Raum und diese Ordnung sind der Raum und die Ordnung der Kirche. Sollte es Glauben an die Offenbarung und also ein Verständnis der Offenbarung-ha geben unter Ungehorsam oder in Missachtung der Zeichen der Offenbarung? Gibt es das nicht, dann steht in Kraft und Geltung, dann darf in tiefster Demut nicht verleugnet und nichthb abgeschwächt werden: Extra ecclesiam nulla salus.48
III. Das Werk der Offenbarung
Jesus Christus zeigt nicht nurhc einen Weg, sondern er ist der Weg [vgl.
Die Offenbarung, Jesus Christus, ist das Werk, in welchem Gott selbst hj-die zerstörte Ordnung-hj des Verhältnisses zwischen sich und dem Menschen hk-wieder herstellt-hk. Ob wir sie im Blick auf ihr Wesen oder ob wir sie im Blick auf ihre Zeichen verstehen wollen, immer |281 haben wir sie zu verstehen als dieses Werk der Wiederherstellung. Weil ein zerstörtes Verhältnis zwischen Gott und Mensch wieder herzustellen ist, darum muss das Werk Gottes, wenn es nicht in der Preisgabe des Menschen, in der Vernichtung der Schöpfung bestehen sollte, in der Offenbarung bestehen. Darum musshl Offenbarung Offenbarung sein: ein neues Geschehen, hm-Gnade und also Gericht-hm über unser Vertrauen zu allen Möglichkeiten einer Ordnung jenes Verhältnisses aus unserem eigenen Vermögen. hn-Darum muss Offenbarung sein:-hn Gottes eigenes Menschsein, sein Eintreten an unsere, unsere Versetzung an seine Stelle. Darum das Außerordentlicheho, das mehr oder weniger auchhp alle Zeichen der Offenbarung als solche charakterisiert. Das Ärgernis, das uns durch die Offenbarung auf der ganzen Linie geboten wird, beruht nicht auf göttlicher Laune oder Willkür. Die Offenbarung zerstörthq, so außerordentlich sie in ihrem Wesen und in ihren Zeichen tatsächlich ist, hr-keine wirkliche Ordnung-hr. Ihr Außerordentliches und hs-ihre Ärgerlichkeit beruhen-hs darauf, dass in der Offenbarung durch Gottes Handeln ht-die Zerstörung der wirklichen Ordnung zerstört wird-ht, zum Zweck der Wiederherstellung der wirklichen Ordnung. Launisch und willkürlich hu-(paradox!)-hu ist nicht Gott, sondern der Mensch,49 der die wirkliche Ordnung zerstört hat und dem nun Gott in seiner Offenbarung mit ihrer Wiederherstellung begegnet.
282 Gott selbst ist der Handelnde, das Subjekt in diesem Werk. Er ist es in der Existenz Jesu Christi selbst; er ist es auch in denhv Zeichen der Offenbarung. Jeder Gedanke oder Satz über die Offenbarung hat nach christlichem Verständnis seine Wahrheit und sein Gewicht darin hw-und nur darin-hw, dass er Gott die Ehre gibt, d. h. dass er nicht den Menschen, nicht Dinge, Gestalten, Verhältnisse, Bedingungen, Wirkungen, Zustände meint – auch nicht unter dem Vorbehalt ihrer Beziehung zu Gott! –, sondern immerhx direkt Gott als den Herrn dieses Werkes und also des Menschen, an dem dieses Werk geschieht, und also der Dinge, Gestalten, Verhältnisse usw., die dabei in Erwägung zu ziehen sind. Christliches Denken und Reden über die Offenbarung ist ein hy-immer erneutes-hy Kreisen um die Wirklichkeit der Herrschaft Gottes. Es wird also in allem Geschehen der Offenbarung eine Handlung Gottes hz-und Gott als den Handelnden-hz erkennen. Es wird mit der Gnade der Offenbarung nie umgehen wie mit einer übernatürlichen Materie, sondern esia wird sie als eine ungeschuldete und unverdiente Wundergabe immer aufs Neue in dem freien guten Willen des göttlichen Gebers, ib-des gnädigen Gottes-ib suchen und finden. Es wird anerkennen und zur Geltung bringen, dass die Offenbarung zwar im Raumeic von Gottes Schöpfung, im Raume von Natur und Geschichte, im Raume des Menschen geschieht, aber immer id-in göttlicher Freiheit und also immer-id in eigener Spontaneität, nicht konkurrierend und auch nicht zusammenwirkend mit anderen Herren, Urhebern, Mächten und Gewalten, sondern immerie als ihr Herr und Gebieter: nicht so, als ob dem Menschen if-und seiner Welt-if dabei auch noch eine eigene Stimme zukäme, sondern so, dass ig-er, Gott, redet, der Mensch in seiner Welt aber zu hören und zu gehorchen hat-ig. |283 Nicht so, als ob es in der Schöpfung, in Natur und Geschichte ih-oder in der Existenz des Menschen oder in seinem Bewusstsein davon Zeichen göttlicher Offenbarung («Schöpfungsordnungen»!) schlechthin und an sich gäbe-ih,50 sondern so, dass ii-Gott solche Zeichen nach seinem Wohlgefallen aufrichtet und nach seiner freien Anordnung wirksam macht-ii. Christliches Verständnis der Offenbarung wird aber auch von der Kircheij nie so denken und reden, als hätte Gott seine Wahrheit und Gerechtigkeit sozusagen an die Kirche abgetreten, ihr oder gar ihren Amtsträgern ik-im Besonderen zur Verwaltung-ik übergeben. Es wird mit der kirchlichen Autorität theoretisch und praktisch so umgehen, dass es sichtbar wird und sichtbar bleibt: sie ist il-keine pseudogöttliche Autorität von Menschen, sondern-il die Autorität des |284 himmlischen Herrn der Kirche. Und im-christliches Verständnis der Offenbarung wird-im auch die christliche Erfahrungin und das christliche Werk im Einzelnen nie um ihrer selbst willen schätzen. Es wird dankbar dafür sein, dass es da und dort etwas Derartiges tatsächlichio zu geben scheint. Es wird ip-aber die-ip Unscheinbarkeit, es wird iq-die Menschlichkeit aller christlichen Erfahrung und alles christlichen Werkes-iq, es wird die auch in ihnen triumphierende Sünde des Menschen rückhaltlosir anerkennen. Es wird die ästhetische oder moralische Schönheit, die ihnen eigen sein mag, nicht mit ihrer Gerechtigkeit is-und Heiligkeit-is vor Gott verwechseln und es wird sich darumit auch durch ihre ihnen vielleicht eigene ästhetische oder moralische Gebrechlichkeit nicht irre machen lassen. Es wird, indem esiu durch die Schönheit oder Unschönheit iv-auch des christlichen-iv Geschöpfs hindurch und über sie hinweg sieht, iw-nie das Geschöpf, sondern immer-iw den Herrn und Schöpfer loben.
Das Werk der Offenbarung, wie wir es jetzt und hier erkennen, ist aberix die Ankündigung der wiederhergestellten Ordnung. Es ist ihre authentische Ankündigung, so sicher Gott selbst das Subjekt und der Herr dieses Werkes ist. Es ist ihre gewisse Ankündigung, so sicher im Wesen der Offenbarung, in der Existenz Jesu Christi, die Wiederherstellung der Ordnung des Verhältnisses von Gott und Mensch schon geschehen und als solche schoniy offenbar ist. iz-Aber es ist, auf uns selbst und unsere Welt gesehen, die Ankündigung und noch nicht die Vollstreckung dieser Wiederherstellung-iz. So sicher es eben als ein|285malig, ja-in Jesus Christus-ja geschehenes Werk verkündigt und geglaubt werden muss. So sicher es neben der erfüllten Zeit und neben ihrer prophetischen Vorzeit und apostolischen Nachzeit auch noch unsere Zeit gibt: die Zeit vor