1937

Das christliche Verständnis der Offenbarung

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DAS CHRISTLICHE VERSTÄNDNIS DER OFFENBARUNG

1935/36

Den vorliegenden Text schrieb Barth am Jahreswechsel 1935/36 als Beitrag für einen in Großbritannien herausgegebenen Sammelband, in dem Autoren der großen christlichen Denominationen sich von ihrem konfessionellen Standpunkt aus mit dem Thema «Offenbarung» beschäftigten. Der Text reiht sich gleichzeitig ein in Barths Bemühungen in den 1930er Jahren, ein konzises Verständnis von Offenbarung vorzulegen.1

Der Sammelband sollte der Vorbereitung auf die Zweite Weltkonferenz der Bewegung für Glaube und Kirchenverfassung («Faith and Order movement») vom 3.–18. August 1937 in Edinburgh dienen. Das Thema der Konferenz, «The Church and the Word», sollte schon vorab aus verschiedenen Perspektiven theologisch behandelt und vorbereitet werden. Die Vorarbeiten wurden von einem Komitee koordiniert, dem auch der schottische Theologe Hugh Ross Mackintosh2 angehörte. Mackintosh, den Barth während seiner Reise nach England und Schottland im Sommer 1931 kurz hatte treffen können,3 war zu dieser Zeit auch mit Korrekturen an der englischen Übersetzung von KD I/1 📖 beschäftigt.

Im Februar 1935 fragte Mackintosh bei Barth an, ob er sich an dem geplanten Sammelband, mit dessen Herausgabe er selbst und der Prediger und Publizist Hugh Martin4 beauftragt worden waren, mit einem «essay of 10,000 words» beteiligen wolle, und führte aus: «If you |245 would write somewhat in the manner of your ‹Theologische Existenz Heute› pamphlets – i. e. genuinly theological yet popular in the best sense – nothing would please me better.» Zuletzt versicherte Mackintosh: «Your contribution, as I reckon, will be much the most important of all», und fragte nach einem Hinweis auf seine Bemühungen um die englische Übersetzung von KD I/1 📖, mit deren Durchsicht er gerade beschäftigt war: «Will you do me this favour in return?»5

In einer dem Schreiben beiliegenden Skizze, die den Inhalt des Bandes erläuterte, hieß es unter anderem: «This volume has thus in the broadest sense a missionary purpose. […] It is intended rather to be a positive statement of the Christian understanding of revelation. But the papers should be consciously directed to the needs and perplexities of men to-day; […]. Since it is hoped that the volume may be widely read by intelligent laymen, the subject should be presented as far as possible in non-technical language and in a form that non-theological readers will understand. […] It is desired that each contributor should state positively his own understanding of the meaning of Revelation, in the light of the Christian tradition in which he has been nurtured and that in doing this he should bring into prominence and clear contrast the points on which he differs from his fellow-contributors».6 Als spätestes Einsende-Datum wurde der Oktober 1935 genannt.

Parallel zu seinem eigenen Brief bat Mackintosh Barths ehemaligen Bonner Studenten George L. B. Sloan darum, in seinem Sinn auf Barth einzuwirken,7 und auch Willem A. Visser ’t Hooft wurde involviert.8

246 Barth sagte seine Mitarbeit zu,9 und es gelang ihm, seinen Text, an dem er über den Jahreswechsel 1935/36 noch schrieb,10 nicht allzu lange nach dem Ablauf der vorgesehenen Frist abzuliefern. Am 7. Januar 1936 jedenfalls schrieb Mackintosh: «My dear Professor Barth, many thanks for your text, which duly arrived me yesterday, and for which I am extremely grateful.»11

Danach erhielt Barth über Monate hinweg keine weitere Auskunft über den Fortgang des Projektes. Erst Ende Oktober 1936 erfuhr er den Grund für die lange Verzögerung, als John Baillie12 ihn brieflich vom plötzlichen Tod Mackintoshs am 3. Juni 1936 unterrichtete und ihn über das weitere Vorgehen bezüglich des Bandes informierte. Baillie war nun neuer Mitherausgeber und bat Barth wie alle Beiträger um einige Korrekturen und Bearbeitungen, denn, so Baillie: «We do not feel satisfied that, in their present form, the papers fulfill the purpose of the volume as set forth in the memorandum originally sent to you.» Baillie führte an, dass der Band auch für die beinahe zeitgleich stattfindende Weltkonferenz für Praktisches Christentum in Oxford («Conference on Church, Community and State»; 16.–27. Juli 1937) als vorbereitendes Material dienen könne, sei die Offenbarungsfrage doch die zentrale Frage in allen diesbezüglichen Auseinandersetzungen. So sei der Nutzen dieses Bandes kaum überzubewerten, und des|247halb seien die Herausgeber der Meinung, «that the contributions to this volume might be directed more clearly and effectively towards the clarifying of these issues than they are in their present form».13 Mit Thomas Stearns Eliot14 wurde zudem nun ein Schriftsteller hinzugezogen, der ein einleitendes Kapitel schreiben sollte, «in which he will pose the problem as it presents itself to modern thought».15

Damit Barth sofort mit seiner bis Januar 1937 erbetenen Überarbeitung beginnen konnte, notierte ihm Baillie drei konkrete Korrekturvorschläge16 und folgende zwei generelle Anmerkungen: «First, I would point out that, though you have something to say in the paper about the supposed revelation of God in nature, art etc., you say nothing about the revelation in other religions.» Und: «Finally, we have asked ourselves whether you could not have pity on the poor layman by using a less theological terminology in certain places. Is it possible, without losing any of the richness of the content of your paper, to express it in a language that the layman can understand?»17

Tatsächlich hat Barth seinen Text an einigen Stellen überarbeitet und die Vorschläge Baillies aufzunehmen versucht. Dies geschah wohl im Februar 1937.18 Die nachträglich hinzugefügten Textpassagen sind allerdings nur der englischen Druckfassung zu entnehmen. Weder die deutschen Vorlagen noch ein Brief, mit dem diese abgeschickt worden wären, sind im KBA erhalten.

248 Die englische Druckfassung erschien im Juni 1937: K. Barth, [Revelation], in: Revelation, ed. by J. Baillie / H. Martin, London 1937, S. 41–81 📖. Die Übersetzung von Barths Beitrag besorgten John O. Cobham und Richard J. C. Gutteridge.19 Noch im selben Jahr erschien eine Übersetzung ins Niederländische.20

Eine – bisher ungedruckte – französische Übersetzung der ersten, noch nicht ergänzten Version fertigte Pierre Maury bereits im Februar / März 1936 im Auftrag Barths an. Barth war gebeten worden, bei einer Zusammenkunft der französischsprachigen Fakultäten der Schweiz am 6. April 1936 in Genf einen Vortrag zu halten. Die Studenten hatten sich, so schrieb Barth an Maury, «sehr eindringlich um einen Vortrag von mir beworben», den er gern zusagen wolle, wenn Maury die Zeit fände, den Text in der ihm «vom Schöpfer gegebenen Kunst und Gewandtheit» zu übersetzen und ihn, Barth, damit «sprachlich in der nötigen Weise aufs Pferd zu setzen».21 Maury sagte zu, konnte das fertige Typoskript der Übersetzung22 aber erst wenige Tage vor dem Genfer Termin schicken.23

Vom bisher in deutscher Sprache nicht publizierten Text sind sowohl Barths Manuskript als auch ein Typoskript im KBA erhalten.24 Der |249 folgende Abdruck richtet sich nach dem Typoskript, auf das sich auch die angegebene Originalpaginierung bezieht. Die Abweichungen vom Manuskript und die im englischen Druck erkennbaren Zusätze werden im textkritischen Apparat ausgewiesen. Dieser erste Druck des Textes wird, um einen integren Text der endgültigen Fassung präsentieren zu können, im Anhang des Bandes wiedergegeben.

Das christliche Verständnis der Offenbarung

Wer vom christlichen Verständnis der Offenbarung reden – und auch wer von einem Anderen etwas darüber hören will, der stellt sich damit in einen ganz bestimmten Raum, in welchem eine ganz bestimmte Ordnung gilt. Es steht ihm, wenn ihm dies nicht angenehm sein sollte, gewiss völlig frei, das Problem wieder fallen zu lassen. Es steht ihm aber, wenn er das Problem aufnehmen will, nicht frei, dies ebensowohl außer wie in jenem Raum, ebensowohl über wie unter jener Ordnung zu tun. Auch der Jude oder «Heide» oder «Ungläubige» kann sich mit dem christlichen Verständnis der Offenbarung sachgemäß nur dann beschäftigen, wenn er sich hypothetisch in jenen Raum und unter jene Ordnung stellt. Ob ihm ein solches nur hypothetisches Verständnis faktisch möglich sein wird? Ist es a-nur hypothetisch, dann wird es, wie sachgemäß es auch sein mag,a doch ein unfruchtbares, ja letztlich totes Verständnis sein. Aber das ändert nichts daran, dass es auch zu einem lebendigen und fruchtbaren christlichen Verständnis der Offenbarung nur unter der Bedingung kommen kann, dass dabei sachgemäß und also in jenem Raum und unter jener Ordnung gedacht und geredet wird.b

250 Das christliche Verständnis der Offenbarung ist die Antwort des Menschen auf das Wort Gottes, dessen Name Jesus Christus ist.25 Dieser Gegenstand schafft das christliche Verständnis der Offenbarung; von ihm bekommt es seinen Inhalt, seine Form und seine Grenze. Das sagt ja das Beiwort «christlich»; es sagt es gebieterisch und jede Diskussion ausschließend: es ist das an den Namen Jesus Christus gebundene Verständnis der Offenbarung. Ein von dieser Bindung gelöstes Verständnis der Offenbarung wäre als solches nicht das christliche, sondern vielleicht das jüdische oder stoische, vielleicht das romantische oder positivistische, jedenfalls irgendein anderes Verständnis der Offenbarung. Eben in dieser Bindung hat das christ|251liche Verständnis der Offenbarung auchc seine Freiheit. Es steht unter keinem anderen Gesetz als unter dem, das ihm durch diesen Namen diktiert wird. Es braucht weder zur Linken noch zur Rechten erst zu suchen nach Offenbarung, d-geschweige denn dass es erst zu fragen braucht, ob es so etwas wie Offenbarung überhaupt gibt-d. Es braucht sich die Behauptung von Offenbarung von keiner Seite erst aufdrängen e-und beweisen-e zu lassen. Es kennt und hat sie schon. Der Name Jesus Christus, an dem es hängt, besagt, dass es von f-der Offenbarung-f schon gefunden ist. Es ist auch keinen allgemeinen Wahrheiten über Gott oder über den Menschen oder über die Beziehung zwischen Gott und Mensch unterworfen, weil es alle Erkenntnis Gottes und des Menschen in diesem Namen gesucht und gefunden hat und immer wieder sucht und findet. Es ist letztlich und eigentlich durch keine menschlichen Lebensnotwendigkeiten und Denkgesetze, sondern es ist letztlich und eigentlich nur durch die in diesem Namen sich erschließende Wahrheit bestimmt.

Christliches Verständnis der Offenbarung ist ein Nachschreiben der in diesem Namen den Menschen gegebenen göttlichen Vorschrift. Als menschlicher Versuch geschieht dieses Nachschreibeng auf der Tafel menschlichen Lebens und Denkens. Regierende, ordnende, gestaltende Kraft kann dabei doch nur jener Name haben, keine vom Menschen mitgebrachte, keine ideelle und auch keine existentielle Voraussetzung.

Wer vom christlichen Verständnis der Offenbarung reden und wer etwas davon hören will, der wird also gut tun, sich selbst vor allem anderen zu «versammeln», wie ein Reiter sein Pferd «versammelt»26 –, |252 nämlich zur Aufmerksamkeit, zum Respekt, zum Vertrauen, zum Gehorsam diesem Namen gegenüber. Jede Abweichung vonh dieser Ausgangsstellung würde die Gefährdung, ja die Verunmöglichung dieses Verständnisses bedeuten.

I. Das Wesen der Offenbarung

Der Name Jesus Christus bezeichnet die Offenbarung als geschehen und geschehend in dem Ereignis der Existenz dessen, der diesen Namen trägt. Man muss um Jesus Christus wissen, um überhaupt (im ursprünglichen, echten und strengen Sinn des Begriffs) um Offenbarung zu wissen. «Offenbarungen», die von der in ihm geschehenen und geschehenden verschieden sind, können nur in einem abgeleiteten, unechten und lockeren Sinn des Begriffs «Offenbarungen» heißen.i

In Jesus Christus tritt nämlich – und das geschieht nur in ihm – ein wirklich Neues, bisher Unbekanntes, weil Verhülltes und Verborgenes auf den menschlichen Plan. Offenbarung ist hier etwas Anderes als ein hyperbolischer Ausdruck für die unerwartete und erstaunliche Erscheinung und Entdeckung eines Optimums in einer im Übrigen bekannten Entwicklungsreihe oder für die bei solchem Anlass statt|253findende Wiedererinnerung (anamnesis) an den vielleicht vergessenen, aber im Grunde ebenfalls nicht unbekannten Wesenssinn (die Idee) dieser Reihe.27 Offenbarungj (apokalypsis, phanerosis, revelatio) meint hier wirklich: die Erscheinung eines Neuen und also bisher in keiner Weise Bekannten. Das Neue ist zunächst Jesus Christus selbst, seine Person in ihrer konkreten Wirklichkeit. Schon diese seine konkrete Wirklichkeit als solche hebt sich von aller anderen Wirklichkeit ab als einzigartig und einmalig. Sie ist, k-wie es im Neuen Testament heißt,-k ephapax [vgl. Röm. 6,10; Hebr. 7,27 u. ö.].28 Es gibt wohl Zeichen, Zeugen und Zeugnisse, es gibt aber keine Analogien und keine Wiederholungen dieser Wirklichkeit. Sie steht für sich und sie redet |254 für sich. Sie empfängt kein Licht von anderswoher; sie leuchtet aus sich selber und nur aus sich selber. Dieses Neue Jesu Christi darf nun aber nicht etwa dahin verstanden werden, als wäre seine Person schließlich doch nur die (vielleicht höchste, vielleicht exemplari­sche) Erscheinung eines als solches auch sonst bekannten Wesens, die hervorragende und darin vielleicht einzigartige Verwirklichung einer allgemeinen Möglichkeit.l Neu ist wie die Wirklichkeit, so auch die in der Wirklichkeit der Person Jesu Christi vorausgesetzte und realisierte Möglichkeit. Sie ist eine Gott, nicht aber uns eigene und bekannte Möglichkeit. Jesus Christus ist also wohl die Erfüllung göttlicher Weissagung, nicht aber die Erfüllung menschlicher Sehnsucht, menschlicher Postulate und Spekulationen. Er ist also wohl die Erscheinung der ewigenm göttlichen Weisheit, nicht aber die Bestätigung eines menschlichen Wissens a priori.29 Es gibt also wohl eine von Gott |255 gesetzte Möglichkeit seiner Existenz und der Erkenntnis seiner Existenz; es gibt aber keinen Maßstab, an dem er zu messen, keinen Standort, von dem aus er zu überblicken, kein Prinzip, mittels dessen er zu beurteilen wäre. Haben wir die Freiheitn, unsere menschlichen Voraussetzungen ihm gegenüber absolut zu setzen – anders gesagt: befinden wir uns in der Unfreiheito, unsere menschlichen Voraussetzungen ihm gegenüber nicht relativ setzen zu können, meinen wir durchaus, ihn messen, überblicken, beurteilen und also meistern zu können und zu sollen, dann kann das nur ein Symptom dafür sein, dass uns mit der Wirklichkeit auch die Möglichkeit seiner Person noch verborgen ist. Wäre uns die göttliche Möglichkeit seiner Existenz bekannt, wie könnten wir uns dann in dieser Weise über ihn erheben wollen? Ist sie uns nicht bekannt, dann verrät sich darin, dass uns auch die Wirklichkeit seiner Existenz nicht bekannt, dass Jesus Christus uns p-in Wahrheit-p noch verborgen ist.q Ist er uns nichtr verborgen, dann wird uns |256 mit seiner Wirklichkeit auch seine Möglichkeit neu sein und der Versuch, ihn zu meistern, wird unterbleiben. Eben diese völlige Neuheits seiner Erscheinung kennzeichnet t-die Offenbarung-t als Offenbarung im ursprünglichen, echten und strengen Sinne des Begriffs.u Eben darum ist aber zu sagen, dass nur, wer um v-Jesus Christus-v weiß, überhaupt um Offenbarungw weiß. Jene fatale Freiheit oder Unfreiheit Jesus Christus gegenüber würde sofort ein Symptom auch dafür sein, dass wir überhaupt noch nicht um Offenbarung wissen. Denn Offenbarung mit Analogien und Wiederholungen, Offenbarung, die bloß den Rahmen oder das Gefäß einer allgemeinen Möglichkeit füllt, ist nicht Offenbarung. Offenbarung wird – ohne die Möglichkeit, ihn zu meistern! – in Jesus Christus erkannt oder sie wird gar nicht erkannt.

Es kann aber auch der Satz von der Neuheit der Person Jesu Christi und also der Satz, dass er und nur er Offenbarung im ursprünglichen, echten und strengen Sinn des Begriffs zu nennen ist, nicht das Ergebnis allgemeiner Betrachtungen und Überlegungen sein. Auf dem Boden allgemeiner Betrachtungen und Überlegungen könnte er gewiss |257 nur als starke Behauptung wirken, der dann notwendig durch eine mindestens ebenso starke Bezweiflung die Spitze zu bieten wäre. Er entsteht aber, wenn er seinerseits ursprünglich, echt und streng gemeint ist, nicht auf x-dem Boden allgemeiner Betrachtungen und Überlegungen-x; eben darum ist er auch auf diesem Boden nicht anzugreifen, geschweige denn umzustürzen.

Er entsteht vielmehr in der Erkenntnis der Person Jesu Christi als des ewigen Wortes Gottes, das Fleisch geworden ist [vgl. Joh. 1,14]. Diese Erkenntnis besagt allgemein jedenfalls dies: dass Offenbarung Gnade für Sünder, d. h. ein besonderer, freier, ungeschuldeter und unverdienter Akt göttlicher Zuwendung und Herablassung y-dem Menschen gegenüber-y ist. Das Wort ist ewig; es ist selber Gott. Gerade in der Erkenntnis Jesu Christi, also in der Erkenntnis, dass z-das Wort-z Fleisch geworden, werden wir nicht sagen, dass es Fleisch werden mussteaa, sondern dass dies wirklich und möglich ist kraft seiner freien Barmherzigkeitab. Gerade in der Erkenntnis Jesu Christi werden wir aber auch sagenac, dass das ewige Wort uns ohne diesead freie Barmherzigkeit Gottes ewig verborgen wäre. Die in Jesus Christus erschienene Gnade Gottes führt uns notwendig ins Gericht: sie entdeckt uns als solche, die nicht würdig und also auch nicht fähig sind, das Wort Gottes, wie es ewig in Gott und selber Gott ist, als solches, in seiner nackten Gottheit zu vernehmen. Wer Gnade empfängt und also erkennt, dass er Gnade nötig hat, ae-dass er ganz und gar ein Gegenstand göttlichen Erbarmens ist,-ae der kann sich selbst jedenfalls nicht als einen Entdecker und Empfänger unmittelbarer Offenbarung verstehen.

Aber vielleicht doch als Entdecker und Empfänger einer anderen von Jesus Christus verschiedenen mittelbaren Offenbarung? Nein, auch das nicht! Wohl wird er sich eingestehen, dass dasselbe ewige Wort Gottes, das Fleisch wurde, auch in der Schöpfung als dem ersten |258 Werke Gottes, also in der Natur, in der Geschichte, in seinem eigenen Herzen, Gewissen und Verstand vernehmbar ist. Er wird aber fortfahren und sich zu seiner eigenen Schande eingestehen, dass er es dort af-tatsächlich noch-af nie vernommen hat, noch auch vernehmen kann und wird. Nicht etwa auf Grund einer kritischen Erkenntnistheorie wird er sich das eingestehen, sondern wieder in Erkenntnis Jesu Christi als des Wortes, das Fleisch wurde, in Erkenntnis der Tatsache, dass es Gott gefallen hat, zur Offenbarung seines Wortes diesen ganz anderen Weg zu gehen, in Erkenntnis dessen, dass er Gnade ag-empfangen hat und also Gnade nötig-ag hat. In dieser Erkenntnis wird er sich gewiss nicht für fähig halten, das Wort Gottes in Gottesah Schöpfung zu vernehmen. Durch die Gnade ins Gericht geführt, wird er vielmehr bekennen, dass er dort immer nur die Stimmen der Götter, d. h. der von Gott geschaffenen Elemente dieser Welt ai-vernommen hat und vernehmen wird-ai: die Stimme der Erde und des animalischen Lebens, die Stimme des scheinbar unendlichen Himmels und aus ihr die Stimme seines aj-scheinbar unentrinnbaren-aj Schicksals, die Stimme des eigenen, des elterlichen und vorelterlichen Blutes in seinen Adern und die Stimme des Genius und des Heros in seiner eigenen Brust – diese alle mit falscher göttlicher Würde ak-und Autorität-ak umkleidet –, aber gerade nicht das ewige Wort Gottes!30 Die Erkenntnis |259 der Gnade zerstört faktischal auch die Vorstellung von einer mittelbaren Offenbarung in am-der Natur, in der Geschichte und im eigenen Existenzbewusstsein-am. Nur die Erkenntnis der Gnade und also Jesuan Christi als des ewigen Wortes, das Fleisch wurde, zerstört diese Vorstellung. In dem Maß, als ao-uns diese Erkenntnis-ao dunkel wird, fangen wir notwendig aufs Neue an, uns selbst zu vertrauen und also mit allerlei mittelbarer und dann gewiss auch unmittelbarer Offenbarung neben Jesus Christus zu rechnen. Der Satz von der Neuheit der Person Jesu Christi und also der Satz, dass er und nur er im Ernst Offenbarung zu nennen ist, wird uns dann undurchsichtig und schwer vertretbar.

Er ist leicht und selbstverständlich in der Erkenntnis des einen Weges, den Gottes Offenbarung in Jesus Christus eingeschlagen hat: das Wort ward Fleisch [vgl. Joh. 1,14]. Ist uns in Erkenntnis dieses Weges das ap-Gottvertrauen gegeben-ap, in welchem wir uns selbst als begnadigte Sünder erkennen dürfenaq, dann ist uns eben damit das ar-Selbstvertrauen genommen-ar, mit dem wir uns allerlei anderer mittelbarer oder unmittelbarer Offenbarungen rühmen möchten. Man kann sich gegen die allerdings bittere Erkenntnis der Gnade in Jesus Christus zur Wehr setzen. as-Man kann etwas Anderes und Besseres sein wollen als nackt und bloß ein Gegenstand göttlicher Barmherzigkeit.-as Dann kann man sich anderer Offenbarungen rühmen. Dann mag diese oder jene «natürliche Theologie» at-mehr oder weniger laut und konsequent-at das Wort ergreifen.31 In der Erkenntnis Jesu Christi und also in |260 der Erkenntnis, dass wir Gnade au-empfangen und Gnade nötig-au haben, wird es nicht dazu kommen, wird vielmehr das Bekenntnis unvermeidlich: dass Jesus Christus allein die Offenbarung ist.

Jesus Christus ist darum die Offenbarung, weil er die uns erschienene Gnade Gottes ist, Gnade in dem vollständigen Sinn des Begriffs: dass Gott, ohne aufzuhören Gott zu sein, Mensch wurde, «Fleisch» d. h. Menschav wie wir, in der ganzen durch unsere Gottesferne bedingten Beschränktheit, Gebrechlichkeit und Ohnmacht unseres Menschseins. Offenbarung heißt Gnade. Gnade heißt Herablassung. Herablassung heißt Menschwerdung, Menschwerdung heißt Fleischwerdung. Das ist Jesus Christus. Und das und nur das ist Offenbarung. Es wäre keine Offenbarung, sondern der Mensch wäre sich selbst überlassen, wenn Gott nicht gnädig wäre, d. h. wenn er die Majestät seiner Gottheit für sich behalten, wenn er sich nicht aus seinem eigenen freien Entschluss dem Menschen zuwenden würde. Es wäre keine Offenbarung, wenn Gottes Gnade nicht völlig wäre, wenn sie nicht in einem unbegreiflichaw wahren Herabsteigen Gottes ax-in unsere Tiefe-ax bestünde. Es wäre keine Offenbarung, wenn Gott nicht so weit ay-in unsere Tiefe herabstiege, dass er uns-ay als einer von uns, in der ganzen Ferne und Nähe eines Menschenbildes begegneteaz. Es wäre keine Offenbarung, wenn er nicht in allen Stücken ein Menschba wie wir selbst und also «Fleisch» würde. Eben dies Alles ist es, was Gottbb in Jesus Christus für uns getan hat. Wir bekennen uns zu Gottes Gnade, indem wir bekennen, dass das ewige Wort des Vaters, der Herr des Himmels und der Erde geboren ist, gelitten hat, gekreuzigt wurde, starb und begraben wurde.32 Eben indem wir uns zu der wahren Menschheit Jesu Christi bekennen, bekennen wir uns zu Gottes wahrerbc und einziger Offenbarung.

261 Aber wir müssen fortfahren: Jesus Christus ist darum die Offenbarung, weil er die uns erschienene Gnade Gottes ist, in dem vollständigen Sinn auch des Begriffes «Gott»: er ist, indem er Mensch wird und ist, der Herr, der uns geschaffen hat und ohne den wir nichtbd sind, der Herr der Welt, der Herr aller Herren dieserbe Welt. Offenbarung heißt bf-Gottesgnade. Gottesgnade-bf heißt aber Gegenwart und Handlung Gottes selbst. Gott selbst aber heißt: der Herr. Der Herr aber heißt der Eine, bg-der Unveränderliche, der Ewige, der Allmächtige-bg, der Schöpfer des Himmels und der Erde. bh-Das ist Jesus Christus.-bh Und das und nur das ist Offenbarung. Es wäre keine Offenbarung, sondern der Mensch wäre sich selbst überlassen, wenn er auch nur einen Moment zweifeln müsste daran, dass die ihm widerfahrende Gnade Gottesgnadebi wäre. Es wäre keine Offenbarung, wenn das Subjekt, das bj-dem Menschen-bj in der Offenbarung gegenwärtig wird und an ihm handelt, nicht der Schöpfer wäre, sondern nun doch bloß, wie der Mensch selbst, zu der von Gott geschaffenen Welt gehörte, wenn es nur ein Halbgott oder ein Engel oder ein besonders erhöhter Mensch wäre, bk-mit dem er es in der Offenbarung zu tun hätte-bk.33 Es |262 wäre keine Offenbarung, wenn uns in der Offenbarung nicht Gott selbst in seiner ganzen Herrlichkeit begegnen und sichbl bekannt machen wollte. Eben dies ist es aberbm, was er in Jesus Christus für uns getan hat. Wir bekennen uns bn-zur Gnade Gottes-bn, indem wir bekennen, dass dieser Mensch empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren ausbo der Jungfrau Maria, am dritten Tag wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzt zur Rechten Gottes des Vaters.34 Indem wir uns zu der wahren Gottheit Jesu Christi bekennen, bekennen wir uns zu Gottes bp-wahrer und einziger-bp Offenbarung.

Das Entscheidende kann und muss nun gesagt werden: Jesus Christus ist darum die Offenbarung, weil er als die erschienene Gnade Gottes der Weg, der einzige Weg ist [vgl. Joh. 14,6], die Menschen mit Gott bekannt zu machen, Beziehung, ja Gemeinschaft zwischen dembq Menschen und Gott herzustellen. Er ist die Offenbarung, weil br-er in seiner-br Existenz die Versöhnung ist. Nur im Blick auf die geschehene Versöhnung zwischen Gott und Mensch kann der Mensch Gott kennen. bs-Was er ohne die Versöhnung, also in dem «natürlichen» Stand des Rebellen gegen Gott und also unter dem Zorne Gottes von Gott zu erkennen meint, das sind-bs in Wahrheit die Abgötter seines Herzens. Zwischen bt-Gott und ihm-bt steht alles verfinsternd seine Sünde. Die Existenz Jesu Christi ist die Versöhnung und also die Überwindung bu-der hier aufgerissenen-bu Kluft. Und das in der Weise, dass in ihm Gott selber an die Stelle des sündigen Menschen tritt, während umgekehrt der sündige Mensch an die Stelle Gottes versetzt wird.

263 Gott tritt an die Stelle des sündigen Menschen. Jesus Christus ist wahrer Mensch, Mensch wie wir. Aber als Mensch wie wir tut er etwas ganz Anderes, als wirbv tun; er bekennt sich nämlich in seiner Erniedrigung, in seinem Leiden und Sterben zu der Verlorenheit des Menschen, zu der Gerechtigkeit des göttlichen Zornes und Gerichtes, er unterwirft sich der Taufe der Buße [vgl. Mt. 3,15]; er gibt Gott recht gegen sich selber; er ruft aus der Tiefe zu ihm [vgl. Mt. 26,39.46] und preist allein seine Gnade [vgl. Joh. 19,30]. Unschuldig – gerade in dieser seiner Beugung unter Gottes Gericht, bw-in der er sich von uns unterscheidet,-bw bewährt er seine Sündlosigkeit! – trägt er unsere Unreinheit und die ihr folgende Strafe, macht er sie zu seiner eigenen [vgl. Hebr. 7,26]. Und weil er, das ewige Wort Gottes, es ist, der das tut, ist sie nun wirklich nicht mehr unsere, sondern seine Unreinheit und Strafe, ist ein für allemal geschehen, was geschehen musste zur Sühne, zur Bedeckung und Tilgung, bx-zur Vergebung-bx unserer Sünde. Ist sie die seine, hat Gott sich ihrer bemächtigt, so ist sie nicht mehr die unsere, so sind wir, wenn wir unserer Sünde gedenken, aufgerufen, nicht mehr an uns, sondern an ihn zu denken, der sie ans Kreuz und zu Grabe getragen hat, ein für allemal.

Und der sündige Mensch wird an die Stelle Gottes versetzt. Das ist die andere Seite derselben Sache. Jesus Christus ist wahrer Gott. Aber eben als wahrer Gott by-behält er die Majestät seiner Gottheit nicht für sich, sondern in der Majestät seiner Gottheit bekennt er-by sich zum Menschen in seiner Niedrigkeit, bz-in seinem-bz Leiden und Sterben, in seinem Stand unter dem Gericht, in seiner Todverfallenheit, in seiner völligen Gnadebedürftigkeit. Dieser Mensch, das «Fleisch», ist es ja, dasca das ewige Wort Gottes in der Person Jesu Christi zur Einheit mit sich selbst an- und aufgenommen hat. Eben diese Einheit bedeutet nun aber auch die Erhöhung dieses Menschen, cb-ein für allemal-cb vollzogen in Jesu Christi Auferstehung und Him|264melfahrt. In Jesus Christus, der wahrer Gott ist, ist der Mensch den Ordnungen und Notwendigkeiten seines bloßen Menschseins und so auch endlich und zuletzt dem Tode entrissen, teilhaftig des freien, überlegenen, ewigen Lebens Gottes selber. In cc-Jesus Christus-cc ist Gottes Herrlichkeit, ohne aufzuhören, die seine zu sein, auch unsere eigene geworden. Ist sie die unsrige, hat Gott sie uns geschenkt in ihm, so sind wir aufgerufen, unser Leben cd-im Glauben dort-cd zu suchen, dort gelebt sein zu lassen, wo es ce-in Christus neu geworden,-ce unser wahres Leben ist, dort, wo wir in cf-der erhöhten Menschheit Jesu Christi-cf schon jetzt zur Rechten Gottes stehen.

Dieser Tausch (katallage)35 ist die Versöhnung, ist unsere Rechtfertigung zugleich und unsere Heiligung, cg-die Vergebung unserer Sünden und unsere Wiedergeburt zu einem neuen Leben-cg. Dieser Tausch ist die Überwindung der Kluft zwischen Gott und Mensch, die Aufhebung der Finsternis, die uns hindert, Gottch zu erkennen, die Wahrheit (aletheia) und also die Offenbarung. Weil in Jesus Christus dieser Tausch vollzogen ist, darum ist er ci-Gottes wahre und einzige-ci Offenbarung.

Es ist nun gewiss nicht selbstverständlich, dass wir das wirklich Neue (das auch in seiner Möglichkeit Neue!) der Existenz Jesu Christi als solchescj erkennen. Es ist nicht selbstverständlich, dass uns die in ihm erschienene Gnade Gottes zum Gericht wird und uns damit das Selbstvertrauen, mit dem wir nach allerlei anderen Offenbarungen |265 mittelbarer oder unmittelbarer Art Umschau halten, unmöglich macht. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in Jesus Christus den wahren Menschen (und nicht etwa eine Idee) und den wahren Gott (nicht etwa einen Halbgott) ck-und dass wir den wahren Gott und den wahren Menschen gerade in Jesus Christus-ck erkennen. Und es ist gar nicht selbstverständlich, dass wir in dem, was im Tod und in der Auferstehung Christicl geschehen ist, jenen Tausch und also unsere eigene Versöhnung, cm-Rechtfertigung, Heiligung und Wiedergeburt-cm als ein für allemal geschehen erkennen. Es ist nicht selbstverständlich, dass es ein christliches Verständnis der Offenbarung gibt als Antwort des Menschen auf das Wort Gottes, dessen Name Jesus Christus ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir glauben. cn-Wie sollen wir zu dieser Antwort, wie sollen wir zum Glauben kommen?-cn Glaube ist ja noch viel mehr als co-die Erkenntnis, die uns zu dieser Antwort fähig macht-co. Glaube ist die Bezogenheit unseres ganzen Lebens, Denkens, Wollens undcp Fühlens auf die Existenz Jesu Christi als auf den einen Grund, auf dem wir stehen, als auf den einen Halt, an dem wir hängen, als auf die eine Speise, von der wir uns nähren. Glaube ist mitten im Wechsel und in den Widersprüchen menschlicher Euphorie und menschlicher Verzweiflung, menschlichen Gelingens und Misslingens, menschlicher Gutheit und Bosheit, menschlichen Gemeinsamseins und Einsamseins die letzte Ruhe, Gewissheit, Unbekümmertheit und Hoffnung, die darum echt und dauernd ist, weil sie auf kein eigenes Sein, Erfahren und Tun, wohl aber auf die Existenz Jesu Christi gegründet ist. Glaube ist unsere Teilnahme an der Menschheit, am Fleisch und Blut Jesu Christi, und so an Gottes ewigem Wort, das in Jesus Christus Fleisch und Blut zu seinem eigenen gemacht cq-und zur Rechten Gottes erhöht-cq hat. Glauben heißt Leben auf Grund jenes Tausches und also auf Grund der dem Menschen in Jesus Christus widerfahrenen Rechtfertigung und Heiligung, cr-das Leben des in Jesus Christus neu geborenen Menschen-cr. Die Erkenntnis der Offen|266barung, von der wir sprachen, ist die Erkenntnis dieses Glaubenscs. Darum ist sie so gar nicht selbstverständlich. Wohl ist der Glaube und so auch die Erkenntnis des Glaubens ein freier Akt menschlicher Wahl und Entscheidung, ein Werk unseres Herzens, Willens und Verstandes. Wir können uns aber, wenn wir in diesem Werk begriffen sind, so wenig von uns selbst her verstehen, wie wir Jesus Christus von dem her verstehen können, was wir sonst vom Menschen und von der Menschheit wissen. Warum glaube ich? Gewiss glaube ich in freier Wahl und Entscheidungct, aber ebenso gewisscu kann ich mich selbst dabei nur als einen solchen verstehen, der, bevor er wählte, gewählt istcv, über den, bevor er sich entschied, eine Entscheidung gefallen istcw.36 Es kann nur ein Dienst am Werk des Wortes Gottes sein, den ich, |267 wenn ich glaube, mit dem Werk meines eigenencx Herzens, Willens und Verstandes tue. cy-Ich bin nur daraufhin in der Lage, vor Gott zu stehen und zu wandeln und auf sein Wort Antwort zu geben, dass Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, bei Gott für mich eintritt. Dass ich glaube und bekenne, dass ich berufen und bereit und fähig bin, dies zu tun, dessen kann ich mich keinen Augenblick und in keiner Hinsicht rühmen-cy, dafür kann ich nur dankbar sein. Die Offenbarung hat sich dann cz-kraft ihrer eigenen Macht und Entscheidung-cz auch an mir als Offenbarung erwiesen. Die versöhnende Gnade Jesu Christi ist dann als erwählende, berufende, erleuchtende, bekehrende Gnade, als die Gnade des Heiligen Geistes auch mir widerfahren. Wie könnte ich sagen, wie ich dazu komme, da-zu glauben und zu bekennen? Wie könnte ich sagen, wie ich dazu komme, begnadigt zu sein-da? Hätte ich etwas darüber zu sagen, dann wäre es gewiss nicht die Gnade des Heiligen Geistes, die mir widerfahren ist, db-mein Glaube wäre dann nicht Glaube, sondern irgend ein religiöser Übermut, und mein Bekenntnis nicht Bekenntnis, sondern irgend eine willkürliche Behauptung-db. Von dc-der Gnade des Heiligen Geistes-dc werde ichdd immer nur zu sagen haben, dass de-ich für sie dankbar bin, dass sie als ein Wunder-de zu mir gekommen ist. Das christliche Verständnis df-des Wesens-df der Offenbarung wird sich also notwendig dg-vollenden müssen in der Erkenntnis-dg, dass auch es |268 ­selberdh, dieses Verständnis, wenn es zustande kommt, nur durch Offenbarung zustande kommt, ja selber Offenbarung ist, Ausgießung des Heiligen Geistes, in der die geschehene Fleischwerdung des Wortes Gottes ihre Bestätigung findet, di-in der der auferstandene Christus seine Macht und Güte erweist-di.

II. Die Zeichen der Offenbarung

Die Offenbarung ist nach christlichem Verständnis ein einmaliges Geschehen (so einmalig, wie Gott Einer ist!), ein Geschehen, dessen Subjekt Gott selber ist und bleibt, und darum ein Geschehen, das sein Licht und seine Kraft aus sich selber schöpft. Aber es geschieht nicht im Himmel, sondern auf Erden, nicht im ewigen Raume Gottes, sondern als Handlung Gottes im Raume des Menschen, mitten in der Kontinuität des kreatürlichen, des natürlich-geschichtlichendj Geschehens. Wie wäre es sonst Offenbarung? Wie bestünde es sonst darin, dass Gott Mensch wurde? Inmitten derselben Kontinuität wird die Offenbarung ja auch Glauben suchen und finden. Wie wäre er sonst unserdk Glaube, eine freie menschliche Wahl und Entscheidung?

Jesus Christus begegnet dem Menschen menschlich und eben darin göttlich. Und wenn Menschen zum Glauben an ihn erweckt werden, dann geschieht das zwar gewiss um seiner Göttlichkeit willen, aber nun dennoch durch das Mittel seiner Menschlichkeit. Der Name Jesus Christus als besonderer Name unter vielen anderen menschlichen Namen bezeichnet die Offenbarung, haben wir gesagt. Derdl Mensch, der (weil er das ewige Wort Gottes ist) hierdm selber die Offenbarung ist, ist (für sich betrachtet) zugleich ihr dn-primäres und unbedingtes-dn Mittel, der Tempel, das Kleid, das Schwert des ewigen Wortes, das Zeichen, das menschlichen Augen, Ohren und Herzen zeigen kann: hier ist Immanuel! [vgl. Mt. 1,23] Wer an ihn glaubt, der glaubt an das ewige Wort Gottesdo. Er würde aber nicht an das ewige |269 Wort Gottesdp glauben, wenn ihm nicht dieses Zeichen, dieser Name und dieser Mensch, das Fleisch und dasdq Blut Jesu Christi gegeben wäre. Dieses Zeichen für sich allein wäre nicht die Offenbarung. Aber die Offenbarung wäre nicht sichtbar dr-und hörbar-dr für die Menschen, sie wäre keine Mitteilung an sie, sie wäre also gar nicht Offenbarung ohne dieses Zeichen.

Und nun ist dieses primäre und unbedingte Zeichen ds-der Offenbarung-ds nicht ohne Reflexe und Entsprechungen (und in diesem Sinn: nicht ohne Wiederholungen) auch im übrigen Raum des kreatürlichen, natürlich-geschichtlichen Daseins und Geschehens. Diedt Offenbarung ist nur eine. Aber diese eine Offenbarung ist nicht umsonst, sondern eindu für allemal geschehen. Sie geht die ganze Welt, sie geht alle Menschen an. Sie gab, indem Gott Mensch wurde, der dv-«Welt einen neuen Schein»-dv37. Sie prägte sich der Natur und der Geschichte dieser Welt in ganz bestimmten Formen ein und sie tut das immer wieder. Diese Formen sind nicht selber Offenbarung. Sie sind keine Vervielfältigungen der Inkarnation! Sie gehören ganz der Kreatur an, wie irgendwelche andere Formen. Siedw können als Zeichen der Offenbarung verkannt und übersehen werden. Dennoch und gerade in dieser ihrerdx Unscheinbarkeit sind siedy von der Offenbarung her, |270 was sie sind, von Jesus Christus selber dazu gestiftet, eingesetzt und bestimmt, wenn es Gottes freier guter Wille ist, als Zeichen der Offenbarung dz-dienstbar und wirksam zu sein, seine-dz, Jesu Christi Zeugen und Zeugnisse zu sein, zum Glauben an ihn aufzurufen. Sind sie das und tun sie das, dann nicht vermögeea der Kraft, die ihnen in sich und aus sich selber eigen ist, sondern vermögeeb der Kraft Jesu Christi, in dessen Hand sie Instrumente sind. Aber die Kraft Jesu Christi wirkt nicht ohne diese Instrumente, nicht ohne diese sekundären und also bedingten ec-Mittel der Offenbarung-ec. Sie ist, wie in ihrem Urbild ed-(der Menschheit Jesu Christi)-ed, so auch in ihren Reflexen und Entsprechungen ee-im Raum der übrigen Kreatur-ee mittelbare Offenbarung.

Wir werden hier vor allem an die Worte und Taten Jesu von Nazareth, ef-wie sie-ef den Gegenstand der neutestamentlichen Evangelien bilden, denken müssen. Sie sind nicht selber das «nahe herbeigekommene» [vgl. Mt. 3,2] Reich Gotteseg. Aber sie sind – beide für sich und beide in ihrer Beziehung zueinander – seine Zeichen. Sie bezeugen, dass dieser Jesus, eh-der so geredet und diese Wunder getan hat,-eh der Messias ist, wobei die Worte seine Taten ebenso von denen eines bloßen ei-menschlichen Wundertäters (eines Thaumaturgen)-ei unterscheiden, wie die Taten seine Worte von denen eines menschlichenej Propheten. ek-Gewiss, auch-ek in dieser gegenseitigen Auszeichnung hören el-die Worte und Taten Jesu-el nicht auf, Zeichen zu sein, em-die auf das ihnen als solchen transzendente Reich Gottes nur hinweisen ­kön­nen-em. Viele haben en-Jesu Worte gehört und Jesu Taten-en gesehen und |271 haben nicht an Jesus geglaubt. Die an ihn glaubten, haben doch um seiner Zeichen, um seiner Worte und Taten willen an ihn geglaubt.

Am Anfang des Lebens Jesu steht das Wunderzeichen seiner jungfräulichen Geburt [vgl. Mt. 1,23]. Und es steht am Ende seines Lebens das Wunderzeichen des leeren Grabes [vgl. Mt. 28,6]. Man wird gerade auf diese beiden Wunderzeichen besonders achten müssen.eo Beide bezeichnen die Existenz Jesu Christi als die mit Gott selbst identische und dadurch in ihrer Herkunft wie in ihrem Ausgang von allen ihresgleichen verschiedene menschliche Existenz.38 Gott |272 selbst hat sich hier, ep-im Bereich seiner Schöpfung,-ep einen eq-neuen Anfang-eq setzend, herabgelassen, Mensch zu sein – das bezeugt die Jungfrauengeburt. Und dass sich dieser göttliche Neuanfang als solcher bewährt, die Enthüllung dessen, der sich dort verhüllt, bezeugt das leere Grab. Auch diese Zeichen können übersehen werden. Unglaube ist möglich trotz dieser er-uns gegebenen Wunderzeichen und vielleicht gerade angesichts dieser Wunderzeichen-er! Aber ist etwa Glaube möglich, ohne es-diese Zeichen zu sehen und als solche zu verstehen-es? Sind sie nicht vor anderen Anlass sowohl wie Kriterium des Glaubens an das Geheimnis der Offenbarung? Kann man den göttlichen Neuanfang und den göttlichen Sieg in Jesuset Christus sehen, wenn man diese Zeichen übersehen hat eu-und vielleicht durchaus übersehen will-eu?

Zu den Zeichen der Offenbarung gehört in besonderer Weise die Existenz der Propheten und der Apostel oder: des ­alt­testament­lichenev und des neutestamentlichenew Zeugnisses. Auch hier besteht Verschiedenheit und Korrespondenz. Das Ereignis der Offenbarung hat eine bestimmte Vorzeit und eine bestimmte Nachzeit. Es gibt Erwartung und es gibt Erinnerung der Offenbarung. Ihr Gegenstand istex derselbe: die erfüllte Zeit in der Mitte der Zeiten, Jesus Christus. Und so sind sich die Propheten und die Apostel auch darin gleich, dass sie als Angehörige jener Vorzeit und Nachzeit unmittelbar berufen waren zum Zeugnis von der kommenden oder gewesenen Fülle der Zeiten. Und nun gibt es Dokumente beider: prophetische Dokumente der Erwartung und apostolische Dokumente der Erinnerung.39 Diese |273 Dokumente bilden die ey-heilige Schrift-ey. Die heilige Schrift ez-als solche ist nicht-ez die Offenbarung. Sie ist es, wenn und sofern Jesus Christus durch das Zeugnis seinerfa Propheten und Apostel zu uns redet. Es hat wohl noch nie ein Einzelner aufrichtig fb-von sich-fb sagen können, dass er Jesus Christus in allen Teilen und Bestandteilen der heiligen Schriftfc gleichmäßig deutlich habe reden hören. fd-Unzählige Einzelne werden aufrichtigerweise sogar von sich sagen müssen, dass sie ihn in großen Teilen der heiligen Schrift noch gar nicht haben reden hören.-fd Auch die Kirche sagt, indem sie an fe-der Heiligkeit (Kanonizität) dieser und dieser ganzen Schrift-fe festhält, nur dies: hier, ff-im Bereich dieser Schrift hat die Kirche bei ihrer Entstehung-ff Jesus Christus reden gehört: hier und unseres Wissens nur hier fg-kann Jesus Christus-fg wieder zu uns reden.40 Wer sich an diesem «nur hier» ärgern sollte, müsste uns erst sagen, wo er denn etwa sonst noch zu uns redet. Unberufene Zeugen von allerlei nichtwirklichen Offenbarungen gibt es freilich viele. Aber fh-berufene Zeugen der wahren und einzigen Offenbarung,-fh Zeugen Jesu Christi? Die heilige Schrift ist Zeichen |274 der Offenbarung. fi-Unglaube ist möglich auch angesichts dieses Zeichens. Es hat aber-fi noch nie Glauben an die Offenbarung gegeben, der an diesem Zeichen vorbeigegangen, der nicht vielmehr gerade durch das Mittel dieses Zeichens erweckt, genährt und regiert worden wäre.

Weil es die heilige Schrift gibt als Zeichen der Offenbarung, darum in der Kirche als weitere Zeichen der Offenbarung: die Predigt und das Sakrament.41 In ihnen wiederholt sich gewissermaßen das Verhältnis von Wort und Tat im Leben Jesu. Aber auch das Verhältnis von Altem und Neuem Testament könnte man in dem von Predigt und Sakrament abgebildet finden. Die Predigt ist die Rede, deren Gegenstand und gestaltende Form das biblische Zeugnis ist. Sie ist als solche Ankündigungfj des je und je gegenwärtigen Handelns Jesu Christi. Demgegenüber ist das Sakrament die fk-nach Maßgabe des biblischen Zeugnisses vollzogene-fk sinnbildliche Handlung. Es ist die Bestätigung des unser Leben im Glauben fl-begründenden und erhaltenden (Taufe und Abendmahl)-fl Handelns Jesu Christi als des ein für allemal für uns und an uns geschehenen.42 So sind auch Predigt und Sakrament, in verschiedener Weise, aber in ihrer Verschiedenheit ein|275heitlich, gegenseitig sich erläuternde Zeichen der Offenbarung: nicht entbehrlich (wie sollten wir heute glauben, wenn das biblische Zeugnis nicht auch heute wiederholt würde?), keines von beiden entbehrlich (wie sollte diese Wiederholung nicht in der Bezeugung der gegenwärtigen und einmalig wirklichen Offenbarung bestehen müssen?), aber auch keines von beiden durch sich selbst, sondern beide nur durch die Kraft der fm-von ihnen-fm bezeugten Offenbarung selbst wirksam, heute Glauben zu wecken.

Weil es Predigt und Sakrament gibt als Zeichen der Offenbarung, darum gibt es – wiederumfn in anderer Beziehung und Ordnung – Gemeinde und Amt in der Kirche:43 Gemeinde als die sich immer neu konstituierende Versammlung derer, die das Zeugnis der heiligen Schrift durch Predigt und Sakrament und fo-durch dieses-fo Zeugnis die Verkündigung ihrer Erwählung und Berufung zum Glauben an Jesusfp Christus fq-und also die Stimme des guten Hirten selbst-fq gehört haben [vgl. Joh. 10,27] und die sich hinsichtlich der lauteren und reinen Weitergabe dieses Zeugnisses und seiner Verkündigung verantwortlich wissen. Und Amt als der im Namen der Gemeinde Jesu Christi und also in seinem Auftrag auszuübende, geordnete Dienst eben dieser Weitergabe fr-des Wortes-fr; der Dienst, die Liturgie,44 in welcher es darum geht, die empfangenen Zeichen als Zeichen zu wahren in der Gemeinde und für alles Volk und also die Predigt und die Sakramente ernstlich und recht, d. h. aber in der stetigen Aufmerksamkeit auf das biblische Zeugnis fs-und so im Gehorsam gegen Jesus Christus auszurichten und-fs zu feiern. Gemeinde und Amt sind Zei|276chen der Offenbarung. Ihre Existenz und ihr Bekenntnis könnenft Glauben wecken. Wenn Glauben geweckt wird, wie anders als im Zusammenhang mit Gemeinde und Amt? Aber nicht Gemeinde und Amt haben ihn dann geweckt, sondern Jesus Christus selbst als der Herr der Gemeinde und des Amtes.

Wir nennen an letzter Stelle: die Glaubenserfahrung und den Glaubensbeweis des einzelnen Christen. Der Glaube selbst, in welchem der Mensch gerechtfertigt und geheiligt fu-und von neuem geboren-fu wird, ist das verborgene Werk des Heiligen Geistes, verhüllt und zwar völlig verhüllt durch fv-des Menschen-fv eigenes Werk, das das fw-Werk eines Sünders ist und bleibt und immer als solches sichtbar sein wird-fw. Aber die Offenbarung ist auch in dieser Hinsicht nicht ohne Zeichen. Es kann der Glaube nicht ohne Erfahrung sein.45 Es wird jafx der verborgene Glaube das Herz und Gewissen, das Wollen und Tun dieses sündigen Menschen bestimmen, verändern, gestaltenfy, gewiss nicht unzweideutig, gewiss nicht so, dass der glaubende Mensch sich selbst oder anderen als solcher, fz-als Kind Gottes,-fz direkt anschaulich würde, aber immerhin: bestimmen, verändern, gestaltenga. Und dieses Geschehen, diese Erfahrung kann ihmgb dann (in ihrer ganzen gc-Unscheinbarkeit, Relativität und Gebrechlichkeit-gc) als Reflex seines Glaubens, als Gabe des Heiligen Geistes, also in indirekter Anschaulichkeit zur Erinnerung und Bestätigung seines Glaubens und damit der auch ihm widerfahrenen Offenbarung werden (syllogismus prac|277ticus!46). Menschliche Erfahrung hat – das ist der immer neue Irrtum an dieser Stelle – keine eigenegd Kraft, solche Erinnerung und Bestätigung zu sein. Nur Jesus Christus kann ihr die Kraft geben, dem Menschen als Gabe des Heiligen Geistes anschaulich und also zu dieser Erinnerung und Bestätigung zu werden. Aber, kein Zweifel, Jesus Christus kann das ge-und tut das-ge. Und, kein Zweifel, wo immer ein Mensch wirklich gf-an ihn glaubt und dieses-gf Glaubens lebt [vgl. Hebr. 10,38], da lebt er auch mit und von solchen Glaubenserfahrungen als von den nun gerade ihm gegebenen Zeichengg der Offenbarung. Und es kann der Glaube auch des einzelnen Christen auch nicht ohne Beweis nach außen und für Andere sein. Als ein sündiger Mensch wie gh-alle anderen-gh wird er unter ihnen stehen gi-und gehen-gi, ohne allen Ruhm und Anspruch, etwas Besonderes zu sein gj-und zu haben-gj. Aber wie er kraft des verborgenen Werkes des Heiligen Geistes als Glaubender faktisch etwas Besonderes und darum auch besonderer Erfahrung teilhaftig ist, so kann seine Existenz auch nach außen und für Andere etwas Besonderes, nämlich einengk Beweis des Glaubens und |278 also ein Zeichen der Offenbarung bedeutengl. Er kann sich nicht selbstgm dazu machen. Er kann es auchgn nicht darauf absehen, es zu werden. Er kann am allerwenigsten davon reden, dass er es sei: er kann – und hier greift ebenfalls immer aufs Neue der Irrtum ein – auf keinen Fall seine eigene Existenz als Beweismittel ins Feld führen, wo er als Zeuge Jesu Christi allein auf Jesus Christus hinweisen dürfte.47 Es kann aber seine eigene Existenz – wohl ihm, wenn er nichts davon weiß! und wenngo er es weiß, dann gp-geschieht es-gp sicher zu seinem eigenen höchsten Befremden, ja Entsetzen! – ein Beweismittel für die Existenz Jesu Christi tatsächlich sein. Er kann durch Jesus Christus tatsächlich – gewiss nie in der Totalität seiner Existenz, aber in bestimmter Hinsicht gq-und Funktion-gq – dazu bestellt und eingesetzt sein, solches Beweismittel zu sein. Die Offenbarung selbst wird auch dann sich selbst beweisen. Sie tut es aber auch mittels dieses Zeichens. Und der Glaubende müsste wohl erst gefunden werden, der seinen Glauben nichtgr – in uneingeschränkter Dankbarkeit gegen Jesus Christus allein – auch diesem ihm von Jesus Christus gegebenen Zeichen, gs-dem Glaubensbeweis, den ihm andere Menschen gegeben ha|279ben,-gs verdankte.

Wir hätten in diesem ganzen Zusammenhang statt von dengt «Zeichen der Offenbarung» auch vom Leib Jesu Christi auf Erden reden können, der von seinem himmlischen Leib, von der zur Rechten Gottes erhöhten Menschheit Jesu Christi sein Leben gu-hat, gespeist und getränkt wird-gu. Denn der Inbegriff der Zeichen, von denen eben die Rede war, ist diesergv irdische Leib Christi. Und weil dieser irdische Leib Christi wiederumgw nichts anderes ist als die Kirche, so hätten wir, gx-alles über die «Zeichen» Gesagte zusammenfassend,-gx auch von der Kirchegy reden können, durch die und in der wir versammelt werden müssen, wenn wir und indem wir der Offenbarung teilhaftig werden. gz-Die Kirche-gz ist – bedingt durch das primäre und unbedingte Zeichen des durch das ewige Wort zur Einheit mit sich selbst an- und aufgenommenen Fleisches Jesu Christi – das sekundäre Zeichen der Offenbarung. Bedingt und sekundär, aber darum doch – soweit das Auge reicht – unentbehrlich. Wir sprachen am Anfang von dem Raum und von der Ordnung, innerhalb derer vom christlichen Verständnis der Offenbarung ha-allein sachgemäß geredet werden könne. Dieser Raum und diese Ordnung sind der Raum und die Ordnung der Kirche. Sollte es Glauben an die Offenbarung und also ein Verständnis der Offenbarung-ha geben unter Ungehorsam oder in Missachtung der Zeichen der Offenbarung? Gibt es das nicht, dann steht in Kraft und Geltung, dann darf in tiefster Demut nicht verleugnet und nichthb abgeschwächt werden: Extra ecclesiam nulla salus.48

280

III. Das Werk der Offenbarung

Jesus Christus zeigt nicht nurhc einen Weg, sondern er ist der Weg [vgl. Joh. 14,6]. Es geht in der Offenbarung nach christlichem Verständnis nicht um eine Mitteilung göttlicher Wahrheit über das Verhältnis von Gott und Mensch, der dann ein entsprechendes menschliches Werk (ein bestimmter Kultus, eine hd-religiös-moralische-hd Verhaltungsweise, eine theologische Lehre), demhe jene Mitteilung zugrunde läge und in welchemhf sie zur praktischen und theoretischen Anwendung und Verwertung käme, erst folgen müsste. Sondern Offenbarung nach christlichem Verständnis ist, indem sie allerdings solche Wahrheitsmitteilung ist, zugleich das Werk, in welchem Gott selbst, ursprünglich in Jesus Christus, mittelbar in der Kirche Jesu Christi, in seinem Verhältnis zum Menschen handelt. Wir haben darum nicht vom Wesen der Offenbarung reden können, ohne sofort auch von der Versöhnunghg zu reden. Nicht ein Satz über die Versöhnung, sondern die Versöhnung selbst, das versöhnende Handeln Gottes ist die Wahrheit, die uns in der Offenbarung offenbar wird. Das menschliche Werk aber, das durch die Offenbarung auf den Plan gerufen wird, kann nur der Glaubehh sein, in welchem der Mensch die Offenbarung in ihrem Wesen und in ihren Zeichen ihr eigenes Werk tun sieht, tun lässt und also hi-(weil dieses Tunlassen die Inanspruchnahme seiner ganzen Existenz bedeutet)-hi in den Schranken seines menschlichen Vermögens dienend begleitet.

Die Offenbarung, Jesus Christus, ist das Werk, in welchem Gott selbst hj-die zerstörte Ordnung-hj des Verhältnisses zwischen sich und dem Menschen hk-wieder herstellt-hk. Ob wir sie im Blick auf ihr Wesen oder ob wir sie im Blick auf ihre Zeichen verstehen wollen, immer |281 haben wir sie zu verstehen als dieses Werk der Wiederherstellung. Weil ein zerstörtes Verhältnis zwischen Gott und Mensch wieder herzustellen ist, darum muss das Werk Gottes, wenn es nicht in der Preisgabe des Menschen, in der Vernichtung der Schöpfung bestehen sollte, in der Offenbarung bestehen. Darum musshl Offenbarung Offenbarung sein: ein neues Geschehen, hm-Gnade und also Gericht-hm über unser Vertrauen zu allen Möglichkeiten einer Ordnung jenes Verhältnisses aus unserem eigenen Vermögen. hn-Darum muss Offenbarung sein:-hn Gottes eigenes Menschsein, sein Eintreten an unsere, unsere Versetzung an seine Stelle. Darum das Außerordentlicheho, das mehr oder weniger auchhp alle Zeichen der Offenbarung als solche charakterisiert. Das Ärgernis, das uns durch die Offenbarung auf der ganzen Linie geboten wird, beruht nicht auf göttlicher Laune oder Willkür. Die Offenbarung zerstörthq, so außerordentlich sie in ihrem Wesen und in ihren Zeichen tatsächlich ist, hr-keine wirkliche Ordnung-hr. Ihr Außerordentliches und hs-ihre Ärgerlichkeit beruhen-hs darauf, dass in der Offenbarung durch Gottes Handeln ht-die Zerstörung der wirklichen Ordnung zerstört wird-ht, zum Zweck der Wiederherstellung der wirklichen Ordnung. Launisch und willkürlich hu-(paradox!)-hu ist nicht Gott, sondern der Mensch,49 der die wirkliche Ordnung zerstört hat und dem nun Gott in seiner Offenbarung mit ihrer Wiederherstellung begegnet.

282 Gott selbst ist der Handelnde, das Subjekt in diesem Werk. Er ist es in der Existenz Jesu Christi selbst; er ist es auch in denhv Zeichen der Offenbarung. Jeder Gedanke oder Satz über die Offenbarung hat nach christlichem Verständnis seine Wahrheit und sein Gewicht darin hw-und nur darin-hw, dass er Gott die Ehre gibt, d. h. dass er nicht den Menschen, nicht Dinge, Gestalten, Verhältnisse, Bedingungen, Wirkungen, Zustände meint – auch nicht unter dem Vorbehalt ihrer Beziehung zu Gott! –, sondern immerhx direkt Gott als den Herrn dieses Werkes und also des Menschen, an dem dieses Werk geschieht, und also der Dinge, Gestalten, Verhältnisse usw., die dabei in Erwägung zu ziehen sind. Christliches Denken und Reden über die Offenbarung ist ein hy-immer erneutes-hy Kreisen um die Wirklichkeit der Herrschaft Gottes. Es wird also in allem Geschehen der Offenbarung eine Handlung Gottes hz-und Gott als den Handelnden-hz erkennen. Es wird mit der Gnade der Offenbarung nie umgehen wie mit einer übernatürlichen Materie, sondern esia wird sie als eine ungeschuldete und unverdiente Wundergabe immer aufs Neue in dem freien guten Willen des göttlichen Gebers, ib-des gnädigen Gottes-ib suchen und finden. Es wird anerkennen und zur Geltung bringen, dass die Offenbarung zwar im Raumeic von Gottes Schöpfung, im Raume von Natur und Geschichte, im Raume des Menschen geschieht, aber immer id-in göttlicher Freiheit und also immer-id in eigener Spontaneität, nicht konkurrierend und auch nicht zusammenwirkend mit anderen Herren, Urhebern, Mächten und Gewalten, sondern immerie als ihr Herr und Gebieter: nicht so, als ob dem Menschen if-und seiner Welt-if dabei auch noch eine eigene Stimme zukäme, sondern so, dass ig-er, Gott, redet, der Mensch in seiner Welt aber zu hören und zu gehorchen hat-ig. |283 Nicht so, als ob es in der Schöpfung, in Natur und Geschichte ih-oder in der Existenz des Menschen oder in seinem Bewusstsein davon Zeichen göttlicher Offenbarung («Schöpfungsordnungen»!) schlechthin und an sich gäbe-ih,50 sondern so, dass ii-Gott solche Zeichen nach seinem Wohlgefallen aufrichtet und nach seiner freien Anordnung wirksam macht-ii. Christliches Verständnis der Offenbarung wird aber auch von der Kircheij nie so denken und reden, als hätte Gott seine Wahrheit und Gerechtigkeit sozusagen an die Kirche abgetreten, ihr oder gar ihren Amtsträgern ik-im Besonderen zur Verwaltung-ik übergeben. Es wird mit der kirchlichen Autorität theoretisch und praktisch so umgehen, dass es sichtbar wird und sichtbar bleibt: sie ist il-keine pseudogöttliche Autorität von Menschen, sondern-il die Autorität des |284 himmlischen Herrn der Kirche. Und im-christliches Verständnis der Offenbarung wird-im auch die christliche Erfahrungin und das christliche Werk im Einzelnen nie um ihrer selbst willen schätzen. Es wird dankbar dafür sein, dass es da und dort etwas Derartiges tatsächlichio zu geben scheint. Es wird ip-aber die-ip Unscheinbarkeit, es wird iq-die Menschlichkeit aller christlichen Erfahrung und alles christlichen Werkes-iq, es wird die auch in ihnen triumphierende Sünde des Menschen rückhaltlosir anerkennen. Es wird die ästhetische oder moralische Schönheit, die ihnen eigen sein mag, nicht mit ihrer Gerechtigkeit is-und Heiligkeit-is vor Gott verwechseln und es wird sich darumit auch durch ihre ihnen vielleicht eigene ästhetische oder moralische Gebrechlichkeit nicht irre machen lassen. Es wird, indem esiu durch die Schönheit oder Unschönheit iv-auch des christlichen-iv Geschöpfs hindurch und über sie hinweg sieht, iw-nie das Geschöpf, sondern immer-iw den Herrn und Schöpfer loben.

Das Werk der Offenbarung, wie wir es jetzt und hier erkennen, ist aberix die Ankündigung der wiederhergestellten Ordnung. Es ist ihre authentische Ankündigung, so sicher Gott selbst das Subjekt und der Herr dieses Werkes ist. Es ist ihre gewisse Ankündigung, so sicher im Wesen der Offenbarung, in der Existenz Jesu Christi, die Wiederherstellung der Ordnung des Verhältnisses von Gott und Mensch schon geschehen und als solche schoniy offenbar ist. iz-Aber es ist, auf uns selbst und unsere Welt gesehen, die Ankündigung und noch nicht die Vollstreckung dieser Wiederherstellung-iz. So sicher es eben als ein|285malig, ja-in Jesus Christus-ja geschehenes Werk verkündigt und geglaubt werden muss. So sicher es neben der erfüllten Zeit und neben ihrer prophetischen Vorzeit und apostolischen Nachzeit auch noch unsere Zeit gibt: die Zeit vor Abraham und die Zeit nach der Himmelfahrt. So sicher wir in dieser unserer Zeit, um der Offenbarung gleichzeitig zu werden und zu bleiben, um zu glauben, der Zeichen bedürfen, die nicht das Wesen der Offenbarung, sondern eben nurjb ihre Zeichen sind. Indem wir uns der in jc-Jesus Christus-jc geschehenen Erfüllung erinnern und trösten, indem wir sie uns zur Verheißung werden lassen, warten wir der Erfüllung auch unsererjd Zeit. Unsere Teilnahme an der Offenbarung im Raume der Kirche, des Leibes Jesu Christi auf Erden, ist je-also – indem sie in unserer Teilnahme an der Geburt und Auferstehung Jesu Christi selber besteht –, sofern wir nach unserer eigenen direkten Teilnahme fragen, eine-je Teilnahme in der Hoffnung. Es kann unserjf Glaube unser Leben wohl bestimmen, aber nicht jg-sichtbar und nicht endgültig verändern und verwandeln-jg. Es kann die Kirche den Staat wohl begrenzen; jh-sie kann und soll ihn-jh erinnern an die Gerechtigkeit und an das Gericht Gottes; sie kann aber nicht selbst Staat werden ji-und sie kann den Staat nicht-ji zur Kirche machen.51 Es |286 kann die Theologie wohl jj-als kirchliche Wissenschaft ihren bestimmten und nötigen Dienst tun im Raume der Kirche52 und darüber hinaus-jj die nützliche Funktion erfüllen, die Wissenschaft auf ihr letztes und eigentliches und immer wiederjk ungelöstes, ja unbearbeitetes, jl-ja unbeachtetes-jl Problem hinzuweisen; sie hat aber keine systematische Verknüpfung und Synthese auch nur des menschlichen Denkens anzubieten. Sie kann nicht zur Philosophie werden und sie kann sich von keiner Philosophie ihre Aufgabe abnehmen lassen.53 Und es lässt sich die Verkündigung der in Jesus Christus geschehenen jm-Rechtfertigung, Heiligung und Wiedergeburt-jm wohl als solche vollziehen, von Geschlecht zu Geschlecht und unter allerlei Volk und Völkern; sie lässt sich aber nicht umsetzen und übertragen jn-in irgend eine Lebenskunde oder-jn in irgend eine politisch-wirtschaftlich-soziale Heilslehre; sie kann nie und nirgends zur Verkündigung eines (und wäre es auch nur in Form eines Programmes) schon gekommenen und erschienenen Reiches Gottes werden.54 Keines der Zeichen der Offen|287barung ist die Offenbarung selber. Die Offenbarungjo ist jetzt und hier Jesus Christus allein. Und sein Werk, wie wir es jetzt und hier, in der Zeit der göttlichen Geduld, kennen, ist das Werk der Ankündigung. Und so darf es uns nicht wundern, wenn das Neue Testament den Begriff der «Offenbarung» an mehr als einer Stelle zur Bezeichnung des Eschaton verwendet, dem es die ganze Zeit der Geduld, die Zeit der Zeichen und die Zeit der Kirche entgegenlaufen sieht.55 Das Werk der Offenbarung in seiner Vollstreckung jp-am Menschen und seiner Welt-jp ist in der Tat ein zukünftiges Werk. Aber auch jq-in seiner Vollstreckung wird es das Werk Jesu Christi sein-jq. Unsere Zeit ist schon darum keine leere Zeit, sondern die Zeit authentischer und gewisser Ankündigung und darum freudiger und zuversichtlicher Hoffnung, weil sie die Zeit zwischen jr-der Himmelfahrt und der Wiederkunft Jesu Christi-jr und also sicherjs seine Zeit ist: Zeit des Glaubens an ihnjt und darum und insofern dennoch Zeit des Glaubens an die schon vollendete Offenbarung.

Textkritische Fußnoten

a
Mskr.: «wirklich ein hypothetisches, dann wird es»↩
b
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 42 📖): «They tell me of so-called ‹laymen› who find theological language – perhaps even the language of this essay? – terribly difficult. It may well be that theological language is sometimes unnecessarily difficult. But it may also be that the so-called ‹laymen› (and their theological councillors!) are in the habit of deploring theological language only because they rebel against the sphere and the discipline within which Christians, if they are really theologians and Christians, must think and speak. I would advise ‹laymen› and theologians who will not admit that only within that quite definite sphere and under that quite definite discipline is it possible to speak of the Christian understanding of revelation, to put this essay aside without further delay.» (Man berichtete mir, dass so genannte «Laien» die theologische Sprache – vielleicht sogar die Sprache dieses Aufsatzes? – für furchtbar schwierig halten. Es kann durchaus sein, dass theologische Sprache mitunter unnötig schwierig ist. Es ist aber auch möglich, dass diese so genannten «Laien» [und ihre theologischen Ratgeber!] nur deshalb die Angewohnheit haben, über die theologische Sprache zu klagen, weil sie überhaupt gegen den Raum und die Ordnung rebellieren, innerhalb derer Christen, wenn sie wirklich Theologen und Christen sind, denken und reden müssen. Ich würde «Laien» und Theologen, die nicht zugestehen wollen, dass nur innerhalb dieses ganz bestimmten Raumes und unter dieser ganz bestimmten Ordnung vom christlichen Offenbarungsverständnis gesprochen werden kann, raten, diesen Aufsatz unverzüglich beiseite zu legen.). – Zu Barths Abneigung gegen den hier aus den an ihn gerichteten Schreiben zitierten Begriff des «layman» / «Laien» vgl. schon Barth, Offenbarung, Kirche, Theologie (Anm. 1), S. 215 📖: «Es gibt in der Kirche grundsätzlich keine Nicht-Theologen. Der Begriff ‹Laien› vollends ist einer der schlechtesten Begriffe der religiösen Sprache, ein Begriff, der aus der christlichen Sprache ganz einfach verschwinden sollte.»↩
c
Fehlt im Mskr. ↩
d-d
Fehlt im Mskr. ↩
e-e
Fehlt im Mskr. ↩
f-f
Mskr.: «ihr».↩
g
Mskr.: «Nachschreiben in menschlicher Sprache» (die nicht in das Tskr. übernommenen Worte sind im Mskr. als Zusatz am Rand notiert).↩
h
Mskr.: «in».↩
i
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 45 📖): «The discussion as to whether there is not revelation also in ‹other religions› is superfluous. We need not hesitate to grant this to them, for revelation to them clearly means something very different. But then the Christian understanding of revelation must be very exactly differentiated from what is understood by revelation in these ‹other religions›.» (Die Diskussion, ob es nicht auch in «anderen Religionen» Offenbarung gibt, ist überflüssig. Wir müssen nicht zögern, ihnen dies zuzugestehen, denn Offenbarung bedeutet für sie eindeutig etwas sehr anderes. Dann aber ist das christliche Verständnis der Offenbarung sehr genau zu unterscheiden von dem, was in diesen «anderen Religionen» unter Offenbarung verstanden wird.) – Mit diesem Zusatz reagierte Barth offenkundig auf die oben, S. 247, zitierte Bemerkung aus J. Baillies Brief vom 30.10.1936 (Anm. 13): «you say nothing about the revelation in other religions».↩
j
Im Mskr. in Anführungszeichen.↩
k-k
Fehlt im Mskr. ↩
l
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 46 📖): «One must ask the representatives of the ‹other religions› whether by revelation they do not at the best mean this – the highest manifestation of an idea, of a general potentiality.» (Man frage die Vertreter der «anderen Religionen», ob sie mit Offenbarung nicht bestenfalls dies meinen – die höchste Erscheinung einer Idee, einer allgemeinen Möglichkeit.)↩
m
Fehlt im Mskr.↩
n
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
o
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
p-p
Fehlt im Mskr. ↩
q
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 47f. 📖): «We are then speaking about Jesus Christ only in appearance; we are speaking in reality and under misuse of His name about one of the deities on whose revelation the ‹other religions› base themselves; and it should not then surprise us, if in our encounter with these we should find ourselves embarrassed.» (Wir sprechen dann nur anscheinend über Jesus Christus; tatsächlich sprechen wir unter Missbrauch seines Namens über eine der Gottheiten, auf deren Offenbarung die «anderen Religionen» beruhen; und es sollte uns dann nicht überraschen, wenn wir bei unserer Begegnung mit diesen in Verlegenheit geraten.)↩
r
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
s
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
t-t
Mskr.: «sie».↩
u
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 48 📖): «What point is there then in applying the word revelation to something whose potentiality and presupposition we already know before we know the revelation – as the astronomers already knew the orbit of Sirius before we had discovered the star itself? If it is not wholly new to us, even as a possibility, how then can it be a revelation to us?» (Warum sollten wir denn etwas mit dem Wort Offenbarung bezeichnen, dessen Möglichkeit und Voraussetzung wir bereits kennen, bevor wir die Offenbarung kennen – so wie Astronomen die Umlaufbahn des Sirius bereits kannten, bevor wir den Stern selbst entdeckt hatten? Wenn etwas für uns, selbst als Möglichkeit, nicht völlig neu ist, wie kann es dann eine Offenbarung für uns sein?) – Barth reagierte mit diesem Zusatz auf diese in Baillies Brief vom 30.10.1936 (Anm. 13) enthaltene Aufforderung: «But could you not say something more in defence of this view, which is assumed and implicity throughout the paper, that in the strict sense nothing can be revealed unless it is completely new? This does not by any means seem obvious, and the audience we are in this book addressing would not find it obvious.» ↩
v-v
Im Mskr. hervorgehoben.↩
w
Im Mskr. hervorgehoben.↩
x-x
Mskr.: «diesem Boden».↩
y-y
Mskr.: «Gottes zum Menschen».↩
z-z
Mskr.: «es».↩
aa
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ab
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ac
Mskr.: «fortfahren».↩
ad
Mskr.: «diese seine».↩
ae-ae
Fehlt im Mskr. ↩
af-af
Fehlt im Mskr. ↩
ag-ag
Mskr.: «empfangen hat und also nötig».↩
ah
Mskr.: «seiner».↩
ai-ai
Im Mskr. am Ende der folgenden Aufzählung platziert.↩
aj-aj
Fehlt im Mskr. ↩
ak-ak
Fehlt im Mskr. ↩
al
Fehlt im Mskr. ↩
am-am
Mskr.: «in Natur und Geschichte».↩
an
Fehlt im Mskr. ↩
ao-ao
Mskr.: «sie uns».↩
ap-ap
Im Mskr. ohne Hervorhebungen.↩
aq
Fehlt im Mskr.↩
ar-ar
Im Mskr. ohne Hervorhebungen.↩
as-as
Fehlt im Mskr. ↩
at-at
Fehlt im Mskr.↩
au-au
Mskr.: «empfangen und nötig».↩
av
Mskr.: «ein Mensch».↩
aw
Mskr.: «unbegreiflichen aber».↩
ax-ax
Mskr.: «zu uns».↩
ay-ay
Mskr.: «zu uns herabstiege, uns».↩
az
Mskr.: «zu begegnen».↩
ba
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
bb
Mskr.: «er».↩
bc
Mskr.: «einer».↩
bd
Mskr.: «nichts».↩
be
Mskr.: «in der».↩
bf-bf
Mskr.: «Gottes Gnade. Gottes Gnade».↩
bg-bg
Im Mskr. jeweils ohne den Artikel «der».↩
bh-bh
Dieser Satz fehlt in der englischen Übersetzung (vgl. Barth, [Revelation], S. 54 📖).↩
bi
Mskr.: «Gottes Gnade».↩
bj-bj
Mskr.: «ihm».↩
bk-bk
Fehlt im Mskr. ↩
bl
Fehlt im Mskr. ↩
bm
Fehlt im Mskr. ↩
bn-bn
Mskr.: «zu Gottes Gnade».↩
bo
Mskr.: «von».↩
bp-bp
Mskr.: «einer einzigen».↩
bq
Mskr.: «den».↩
br-br
Mskr.: «seine».↩
bs-bs
Mskr.: «Was er ohne sie unter dem Zorne Gottes und in seiner Feindschaft gegen ihn von ihm zu erkennen meint, sind».↩
bt-bt
Mskr.: «ihm [und] Gott».↩
bu-bu
Mskr.: «dieser».↩
bv
Mskr.: «was wir».↩
bw-bw
Fehlt im Mskr. ↩
bx-bx
Fehlt im Mskr. ↩
by-by
Mskr.: «verharrt er nicht in der Majestät seiner Gottheit, sondern er bekennt».↩
bz-bz
Fehlt im Mskr. ↩
ca
Mskr.: «was».↩
cb-cb
Fehlt im Mskr. ↩
cc-cc
Mskr.: «ihm».↩
cd-cd
Mskr.: «dort zu glauben, dort».↩
ce-ce
Mskr.: «als neu gewordenes».↩
cf-cf
Mskr.: «ihm».↩
cg-cg
Fehlt im Mskr. ↩
ch
Mskr.: «ihn».↩
ci-ci
Mskr.: «und nur er die».↩
cj
Mskr.: «solche».↩
ck-ck
Fehlt im Mskr. ↩
cl
Mskr.: «Jesu Christi».↩
cm-cm
Mskr.: «Rechtfertigung und Heiligung».↩
cn-cn
Fehlt im Mskr. ↩
co-co
Mskr.: «dieses Erkennen».↩
cp
Fehlt im Mskr. ↩
cq-cq
Fehlt im Mskr. ↩
cr-cr
Fehlt im Mskr. ↩
cs
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ct
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 60 📖): «– why should not that be conceded to the pragmatists, psychologists, etc? I am no machine when I believe» (Warum sollte das den Pragmatikern, Psychologen usw. nicht zugestanden werden? Ich bin keine Maschine, wenn ich glaube). – Baillie hatte zu dieser Stelle in seinem Brief vom 30.10.1936 (Anm. 13) bemerkt: «This sounds like Pragmatism and ‹the Will to Believe›. I know well that you are very far from intending it in a pragmatist sense, but I confess that the expression puzzles me. I should say that I cannot help believing what I believe, that I have no will in the matter, but can only believe what strikes me as true.» ↩
cu
Mskr.: «gewiss ist es nicht meine eigene Macht, in der ich diese Wahl und Entscheidung treffe, ebenso gewiss» (nicht in das Typoskript übernommene Rand-Ergänzung des Manuskripts).↩
cv
Fehlt im Mskr.↩
cw
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cx
Fehlt im Mskr. ↩
cy-cy
Mskr.: «Dass ich das tue und nicht unterlasse, dass ich berufen, bereit und fähig bin, das zu tun, dessen kann ich mich nicht rühmen».↩
cz-cz
Fehlt im Mskr. ↩
da-da
Fehlt im Mskr. ↩
db-db
Fehlt im Mskr. ↩
dc-dc
Mskr.: «ihr».↩
dd
Mskr.: «ich doch».↩
de-de
Mskr.: «sie».↩
df-df
Fehlt im Mskr. ↩
dg-dg
Mskr.: «in der Erkenntnis vollenden müssen».↩
dh
Mskr.: «selbst».↩
di-di
Fehlt im Mskr. ↩
dj
Mskr.: «-menschlichen».↩
dk
Im Mskr. hervorgehoben.↩
dl
Mskr.: «Ein bzw. der».↩
dm
Fehlt im Mskr. ↩
dn-dn
Im Mskr. eingeklammert.↩
do
Fehlt im Mskr. ↩
dp
Fehlt im Mskr. ↩
dq
Fehlt im Mskr. ↩
dr-dr
Fehlt im Mskr. ↩
ds-ds
Fehlt im Mskr. ↩
dt
Mskr.: «Wir sahen: die».↩
du
Mskr.: «einmal».↩
dv-dv
Im Mskr. nicht als Zitat gekennzeichnet.↩
dw
Mskr.: «Sie unterscheiden sich in immanenter Sicht ja nicht von irgendwelchen anderen Formen. Sie».↩
dx
Fehlt im Mskr. ↩
dy
Fehlt im Mskr. ↩
dz-dz
Mskr.: «wirksam zu sein».↩
ea
Mskr.: «aus».↩
eb
Mskr.: «in und aus».↩
ec-ec
Fehlt im Mskr. ↩
ed-ed
Fehlt im Mskr. ↩
ee-ee
Fehlt im Mskr. ↩
ef-ef
Mskr.: «die».↩
eg
Im Mskr. endet das Zitat erst hier.↩
eh-eh
Fehlt im Mskr. ↩
ei-ei
Mskr.: «Thaumaturgen».↩
ej
Mskr.: «blossen».↩
ek-ek
Mskr.: «Und auch».↩
el-el
Mskr.: «beide».↩
em-em
Fehlt im Mskr. ↩
en-en
Mskr.: «sie gehört und».↩
eo
Im englischen Druck folgt (Barth, [Revelation], S. 65 📖): «We may, if we will, call the biblical reports of them ‹legends›. But let us at least see and understand their meaning as tokens! Then we shall no longer discredit them as ‹legends›, nor shall we be offended by their character as unequivocally miraculous stories, because we shall realize that no stories that were not miraculous could suffice to indicate that to which they point.» (Wir mögen, wenn wir wollen, die biblischen Berichte über sie als «Legenden» bezeichnen. Aber lasst uns doch wenigstens ihre Bedeutung als Zeichen sehen und verstehen! Dann würden wir sie nicht mehr als «Legenden» herabwürdigen, noch würden wir uns durch ihren Charakter als eindeutig wunderbare Geschichten abgestoßen fühlen, denn wir würden erkennen, dass Geschichten, die nicht wunderbar wären, nicht ausreichen könnten, um das zu zeigen, worauf diese hinweisen.) – Barth reagierte mit dieser Einfügung auf die folgende Bemerkung Baillies aus seinem Brief vom 30.10.1936 (Anm. 13): «But the difficulty felt by so many of our contemporaries is that, with the best will in the world, they are unable to believe that these miracles actually happened; they honestly suspect that they are legendary. Cannot you offer some word of help and light to the poor modern man at this point?»↩
ep-ep
Fehlt im Mskr. ↩
eq-eq
Mskr.: «göttlichen Neuanfang».↩
er-er
Mskr.: «Zeichen».↩
es-es
Mskr.: «sie».↩
et
Fehlt im Mskr. ↩
eu-eu
Fehlt im Mskr. ↩
ev
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ew
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ex
Mskr.: «ist aber».↩
ey-ey
Mskr.: «‹Heilige Schrift›».↩
ez-ez
Mskr.: «als solche ist nicht».↩
fa
Mskr.: «der».↩
fb-fb
Fehlt im Mskr. ↩
fc
Tskr.: «Schriften»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
fd-fd
Fehlt im Mskr. ↩
fe-fe
Mskr.: «dem Kanon gerade dieser und dieser ganzen heiligen Schrift».↩
ff-ff
Mskr.: «haben sie».↩
fg-fg
Mskr.: «kann er».↩
fh-fh
Fehlt im Mskr. ↩
fi-fi
Mskr.: «Und es hat».↩
fj
Mskr.: «die Ankündigung».↩
fk-fk
Mskr.: «durch das biblische Zeugnis geforderte».↩
fl-fl
Mskr.: «begründenden (Taufe) und erhaltenden (Abendmahl)».↩
fm-fm
Fehlt im Mskr. ↩
fn
Mskr.: «wieder».↩
fo-fo
Mskr.: «in diesem».↩
fp
Fehlt im Mskr.↩
fq-fq
Fehlt im Mskr. ↩
fr-fr
Fehlt im Mskr.↩
fs-fs
Fehlt im Mskr. ↩
ft
Mskr: «kann» (der Singular wurde nicht an die nachträgliche Einfügung von «und ihr Bekenntnis» angepasst).↩
fu-fu
Fehlt im Mskr. ↩
fv-fv
Mskr.: «sein».↩
fw-fw
Mskr.: «eines sündigen Menschen ist und bleibt».↩
fx
Fehlt im Mskr. ↩
fy
Mskr.: «ausgestalten».↩
fz-fz
Fehlt im Mskr. ↩
ga
Mskr.: «ausgestalten».↩
gb
Tskr.: «ihn»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
gc-gc
Mskr.: «Unscheinbarkeit und Relativität».↩
gd
Fehlt im Mskr. ↩
ge-ge
Fehlt im Mskr. ↩
gf-gf
Mskr.: «seines».↩
gg
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
gh-gh
Mskr.: «wir selbst».↩
gi-gi
Fehlt im Mskr. ↩
gj-gj
Fehlt im Mskr. ↩
gk
Mskr.: «ein».↩
gl
Mskr.: «werden».↩
gm
Fehlt im Mskr. ↩
gn
Fehlt im Mskr. ↩
go
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gp-gp
Fehlt im Mskr. ↩
gq-gq
Fehlt im Mskr. ↩
gr
Im Mskr. nicht vor, sondern nach der Parenthese platziert: «– […] – nicht auch».↩
gs-gs
Fehlt im Mskr. ↩
gt
Tskr.: «dem»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
gu-gu
Mskr.: «hat und seine Nahrung empfängt».↩
gv
Mskr.: «aber der».↩
gw
Mskr.: «wieder».↩
gx-gx
Fehlt im Mskr. ↩
gy
Im Mskr. hervorgehoben.↩
gz-gz
Mskr.: «Sie».↩
ha-ha
Mskr.: «Oder sollte es Glauben an die Offenbarung».↩
hb
Fehlt im Mskr. ↩
hc
Fehlt im Mskr. ↩
hd-hd
Mskr.: «moralische».↩
he
Tskr.: «der»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
hf
Tskr.: «welcher»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
hg
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hh
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hi-hi
Fehlt im Mskr. ↩
hj-hj
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hk-hk
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hl
Mskr.: «musste».↩
hm-hm
Mskr.: «Gnade und also ein Gericht».↩
hn-hn
Fehlt im Mskr. ↩
ho
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hp
Fehlt im Mskr. ↩
hq
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hr-hr
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
hs-hs
Mskr.: «ihr Ärgernis beruht».↩
ht-ht
Im Mskr. ohne Hervorhebungen.↩
hu-hu
Fehlt im Mskr. ↩
hv
Tskr.: «dem»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
hw-hw
Fehlt im Mskr. ↩
hx
Fehlt im Mskr. ↩
hy-hy
Fehlt im Mskr. ↩
hz-hz
Fehlt im Mskr. ↩
ia
Fehlt im Mskr. ↩
ib-ib
Fehlt im Mskr. ↩
ic
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
id-id
Fehlt im Mskr. ↩
ie
Fehlt im Mskr. ↩
if-if
Fehlt im Mskr. ↩
ig-ig
Mskr.: «er redet, der Mensch aber zu hören hat».↩
ih-ih
Mskr.: «Zeichen seiner Offenbarung (‹Schöpfungsordnungen›)» (unvollständiger Halbsatz).↩
ii-ii
Mskr.: «er solche nach seinem Wohlgefallen aufrichtet und wirksam macht».↩
ij
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ik-ik
Mskr.: «zur Verwaltung und Vertrieb».↩
il-il
Fehlt im Mskr. ↩
im-im
Mskr.: «so wird es».↩
in
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
io
Fehlt im Mskr. ↩
ip-ip
Mskr.: «ihre».↩
iq-iq
Mskr.: «ihre Humanität». ↩
ir
Fehlt im Mskr. ↩
is-is
Fehlt im Mskr. ↩
it
Mskr.: «aber».↩
iu
Mskr.: «es aber».↩
iv-iv
Mskr.: «des».↩
iw-iw
Fehlt im Mskr. ↩
ix
Fehlt im Mskr. ↩
iy
Fehlt im Mskr. ↩
iz-iz
Mskr.: «Aber es ist ihre Ankündigung, und nicht ihre Vollstreckung».↩
ja-ja
Im Mskr. hervorgehoben.↩
jb
Im Mskr. hervorgehoben.↩
jc-jc
Im Mskr. hervorgehoben.↩
jd
Im Mskr. hervorgehoben.↩
je-je
Mskr.: «also – sofern wir davon ausnehmen unsere Teilnahme an der Geburt und Auferstehung Jesu Christi selber, sofern wir nach unserer eigenen direkten Teilnahme fragen – eine»↩
jf
Mskr.: «der».↩
jg-jg
Mskr.: «real sichtbar und endgültig verändern».↩
jh-jh
Mskr.: «wohl».↩
ji-ji
Mskr.: «oder den Staat».↩
jj-jj
Fehlt im Mskr.↩
jk
Fehlt im Mskr. ↩
jl-jl
Fehlt im Mskr. ↩
jm-jm
Mskr.: «Rechtfertigung und Heiligung».↩
jn-jn
Fehlt im Mskr.↩
jo
Mskr.: «Offenbarung selber».↩
jp-jp
Fehlt im Mskr.↩
jq-jq
Mskr.: «die Vollstreckung wird Jesus Christus heißen».↩
jr-jr
Mskr.: «seiner Himmelfahrt und Wiederkunft».↩
js
Fehlt im Mskr.↩
jt
Im Mskr. hervorgehoben.↩

Sachfußnoten

1
Vgl. KD I/1 (1932), S. 311–367 (§ 8) 📖; K. Barth, Offenbarung, Kirche, Theologie, in: V.u.kl.A. 1934–35, S. 169–217, dort bes. S. 175–187 📖; KD I/2 (1938), S. 1–598 (§§ 13–19); KD II/1 (1940), S. 1–287 (§§ 25–27).↩
2
Hugh Ross Mackintosh (1870–1936), seit 1904 Professor of Divinity in Edinburgh.↩
3
Barth traf ihn kurz vor seiner Abreise aus Edinburgh auf dem Bahnhof; vgl. Busch, S. 217 📖. Der mit Barths theologischem Lehrer Wilhelm Herrmann (1846–1922) befreundete Mackintosh verfolgte den Weg Barths aufmerksam und stellte dessen Theologie vor in: H. R. Mackintosh, Leaders of Theological Thought. Karl Barth, in: ET 39 (1927/28), S. 536–540 📖.↩
4
Hugh Martin (1890–1964), Sekretär der World Student Christian Foundation und von 1928–1935 deren Schatzmeister.↩
5
Brief H. R. Mackintoshs an Barth vom 7.2.1935 (KBA 9335.161). – Mackintoshs große Hilfe bei der Entstehung der englischen Übersetzung wird gewürdigt in: G. Th. Thomson, Note by the Translator, in: CD I/1, S. Vf. 📖 ↩
6
«A Volume of the Christian Understanding of Revelation», 3 S. (KBA 9335.162), S. 1f. – Als Autoren konnten neben Barth gewonnen werden: Gustaf Aulén (1879–1977; schwedischer lutherischer Theologe, bis 1933 Prof. für Dogmatik in Lund, seit 1933 Bischof von Strängnäs), Sergej Bulgakow (1871–1944; russischer Ökonom und orthodoxer Theologe, seit 1924 Prof. für Dogmatik am Institute de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris), Martin Cyril d’Arcy (1888–1976; britischer Jesuit, Lehrer am jesuitischen Kolleg in Oxford), Walter M. Horton (1895–1966; baptistischer Prediger, seit 1925 Prof. für Systematische Theologie in Oberlin / Ohio) und William Temple (1881–1944; anglikanischer Theologe, seit 1929 Bischof von York, 1942–1944 Erzbischof von Canterbury).↩
7
George L. B. Sloan (1904–1947) hatte u. a. in Bonn studiert und war in einem regen Briefkontakt zu Barth geblieben. – In seinem Brief an Barth vom 15.2.1935 (KBA 9335.195) schrieb er unter anderem, er glaube, «daß es einen großen Eindruck zum Guten auf das theologische Denken Englands wirken würde, wenn Sie diesen Aufsatz schreiben».↩
8
Vgl. den Brief Visser ’t Hoofts vom 15.2.1935 (KBA 9335.199; Bw.Visser ’t Hooft, S. 29f. 📖), in dem dieser darauf abhob, «daß es doch eine wichtige Sache ist, weil Sie in dieser Beziehung in einem ganz breiten Kreis einige Hauptsachen Ihrer Theologie deutlich machen könnten. Gerade weil das Buch natürlich sehr weit in angelsächsischen Kreisen gelesen werden wird, könnte man hier nochmal die ganze natürliche Theologie sowohl bei Anglikanern wie bei amerikanischen Protestanten in Frage stellen und so mithelfen zum Durchbruch der Reformation in diesen Ländern» (a.a.O., S. 30).↩
9
Vgl. Brief Barths an Mackintosh vom 26.2.1935 (KBA 9235.39).↩
10
Charlotte von Kirschbaum notierte am 31.12.1935 in ihrem Taschenkalender: «Karl seufzt schwer über seiner Arbeit über das ‹Christliche Verständnis der Offenbarung›».↩
11
Postkarte Mackintoshs an Barth vom 7.1.1936 (KBA 9336.17).↩
12
John Baillie (1886–1960), seit 1934 Prof. of Divinity in Edinburgh.↩
13
Brief J. Baillies an Barth vom 30.10.1936 (KBA 9336.853).↩
14
Thomas Stearns Eliot (1888–1965), US-amerikanischer Dramatiker und Lyriker, Nobelpreisträger 1948. Seit den 1920er Jahren war Eliot in der Verlagsleitung des Londoner Verlags Faber & Faber aktiv, bei dem der Sammelband erscheinen sollte.↩
15
Brief Baillies vom 30.10.1936 (Anm. 13).↩
16
Die Korrekturvorschläge sind unten in den textkritischen Fußnoten i, u, ct und eo zitiert.↩
17
Brief Baillies vom 30.10.1936 (Anm. 13); an die letzte Bemerkung notierte Barth mit einem roten Stift in großen Buchstaben: «Nein!» – Vgl. dazu unten, Anm. b.↩
18
Noch Ende Januar 1937 erinnerte Baillie ihn erneut an den Termin und erwähnte dabei, dass er «die Hälfte des Buches schon an die Druckerei geschickt» habe (Brief Baillies an Barth vom 29.1.1937 [KBA 9337.51]).↩
19
John Oldcastle Cobham (1899–1987), seit 1934 Principal der ökumenischen Bildungs- und Forschungseinrichtung Queens Foundation in Birmingham; Richard Joseph Cooke Gutteridge (1911–2000), 1935–1937 Tutor am Queen’s College in Birmingham.↩
20
K. Barth, Het Christelijk Openbaringsbegrip, vertaald door H. C. Touw (Onze Tijd 1), Nijkerk [1937] 📖.↩
21
Brief Barths an P. Maury vom 24.1.1936 (KBA 9236.27; ins Französische übersetzt in: Karl Barth – Pierre Maury, Nous qui pouvons encore parler … Correspondance 1928–1956, introduction, notes et traductions de B. Reymond, Lausanne 1985, S. 86–88 📖).↩
22
KBA 10106; Typoskript, 28 S., 1,5zeilig. Das Typoskript weist zahlreiche, wohl der Betonung dienende Unterstreichungen Barths und einige Korrekturen von seiner Hand auf. ↩
23
Vgl. die Postkarte Maurys an Barth vom 30.3.1936 (KBA 9336.216; Barth / Maury [Anm. 21], S. 89 📖: «Le manuscrit n’est pas tout à fait dactylographié […]. Il ne pourra partir que demain. Tu l’auras Jeudi [= 2.4.1936] au Bergli.» Barth war am 1. April auf das Bergli gereist und brach von dort aus am 5. April nach Genf auf (vgl. Taschenkalender Ch. von Kirschbaum, Einträge vom 1. und 5.4.1936).↩
24
Das Manuskript (KBA 11120) umfasst 22 Seiten (28,5 x 22.5 cm), die eng beschrieben sind; auf dem breiten Rand sind zahlreiche Korrekturen und Einfügungen notiert. Der Typoskript-Durchschlag (KBA 11121) umfasst 28 Seiten DIN A4 und ist 1,5zeilig beschrieben.↩
25
Besonders in seinen späten Jahren gewinnt die Betonung des Namens Jesu Christi für Barth immer mehr an Bedeutung: «Und das, worum ich mich in meinem langen Leben bemüht habe, war in zunehmendem Maße das: diesen Namen hervorzuheben und zu sagen: dort!» (vgl. etwa K. Barth, Interview von R. Schmalenbach, in: Gespräche 1964–1968, S. 528–542, dort S. 542 📖). Vgl. auch H. Reichel, Vom Wort Gottes zum Kontratext. Theologische Textualität und Kontextuelle Theologie im Anschluss an Karl Barth, in: ThZ 70 (2014), S. 208–229, dort bes. S. 224–227 📖.↩
26
Vgl. R. Stodulka, Medizinische Reitlehre. Trainingsbedingte Probleme verstehen, vermeiden, beheben, Stuttgart 2006, S. 135 📖: «Als Versammlung bezeichnet man die letzte Stufe der Skala der Ausbildung, die sich nach systematischer Trainingsarbeit fast von selbst ergeben sollte. Das Pferd ist durch die muskuläre Entwicklung soweit gekräftigt und ins Gleichgewicht gebracht worden, dass es in der Lage ist, sich mit dem Reitgewicht auf einer durch das Untersetzen der Hinterbeine verkleinerten Unterstützungsfläche gleichmäßig, taktrein und kadenziert zu bewegen.»↩
27
Vgl. etwa den ersten der vier «Grundsätze der Behandlung des Begriffes der im Christentum uns gegebenen Erlösung und Offenbarung» in: E. ­Troeltsch, Art. «Offenbarung, dogmatisch», in: RGG1 IV, Sp. 918–922, dort Sp. 921 📖: «Das Christentum ist nicht die einzige Offenbarung und Erlösung, sondern der Höhepunkt der in der Erhebung der Menschheit zu Gott wirkenden Offenbarungen und Erlösungen»; vgl. auch ders., Die Absolutheit des Christentums und die Religionsgeschichte. Vortrag, gehalten auf der Versammlung der Freunde der Christlichen Welt zu Mühlacker am 3. Oktober 1901, Tübingen / Leipzig 1902, S. 77f.80f. 📖: «Das Christentum ist in der That unter den grossen Religionen die stärkste und gesammeltste Offenbarung der religiösen Kraft. […] So muss das Christentum nicht bloss als der Höhepunkt, sondern auch als der Konvergenzpunkt aller erkennbaren Entwicklungslinien der Religion gelten und darf daher im Vergleich zu den übrigen als die zentrale Zusammenfassung und als die Eröffnung eines prinzipiell neuen Lebens bezeichnet werden. […] Aber ebenso darf nicht vergessen werden, dass diese Offenbarung des höchsten, einfachsten und stärksten religiösen Lebens eine geschichtliche Thatsache ist mit allen individuellen und temporären Schranken geschichtlicher Erscheinungen, […]. Eben deshalb ist auch mit keiner strengen Sicherheit zu beweisen, dass es der letzte Höhepunkt bleiben müsse und dass jede Ueberbietung ausgeschlossen sei» (in Barths Exemplar, das er seit dem Sommersemester 1909 besaß, sind alle zitierten Passagen unterstrichen). – In KD I/2, S. 14 📖, ordnet Barth ähnlich beschriebene Phänomene Vertretern sowohl der «liberalen» als auch der «positiven» Theologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu.↩
28
Im Wortsinn «ein für allemal» ist ἐφάπαξ im Neuen Testament «terminus technicus für die seine Einmaligkeit bedingende Endgültigkeit des Todes Christi und der dadurch geschaffenen Erlösung» (G. Stählin, Art. «ἐφάπαξ», in: ThWNT I, S. 382f., dort S. 382 📖).↩
29
Ausführlich setzt Barth sich mit der Zuordnung von Offenbarung und einem vorausgesetzten Wissen darum in einem längeren Exkurs in KD I/2, S. 4–7, auseinander; vgl. dort S. 4f. 📖: «Man kann es mit der größten Bestimmtheit aussprechen: jede Theologie – gleichviel ob sie sich im übrigen als liberal oder als orthodox ausgebe und gebärde – ist in dem Maße nicht Offenbarungstheologie, als sie offen oder heimlich auf dieser Umkehrung beruht, als sie zuerst danach fragt, was in Gottes Freiheit möglich ist, um sich dann und daraufhin nach Gottes wirklicher Freiheit umzusehen. Diese Umkehrung ist die große Versuchung aller Theologie. […] In der herrschenden protestantischen Theologie seit rund 1700 ist sie aber geradezu zur prinzipiellen Voraussetzung geworden […]: Man weiß jetzt irgendwoher, aus irgendeinem allgemeinen Wissen um Gott und Mensch vorweg, man weiß a priori, was Offenbarung sein muß, kann und darf. Innerhalb dieses Rahmens und messend mit diesem Maßstab nimmt man dann, a posteriori, Stellung zu ihrer Wirklichkeit. Das braucht nicht notwendig Kritik oder gar Negation dieser Wirklichkeit zu bedeuten. Fromme, ja begeisterte Anerkennung dieser Wirklichkeit ist dabei durchaus möglich.» – Vgl. den philosophischen Hintergrund etwa bei Johann Gottlieb Fichte, der den Offenbarungsbegriff als dem Menschen in der praktischen Vernunft a priori gegeben bestimmte, weil nur dadurch eine «vernunftmässige Anerkennung einer gewissen Erfahrung für das, für was sie sich giebt, möglich sey». Ließe sich der Offenbarungsbegriff nicht als a priori der Vernunft gegeben nachweisen, fehlte allen a posteriori genannten Offenbarungserfahrungen der Wirklichkeitsgehalt, bzw. bestünde die Möglichkeit, a posteriori Offenbarungserfahrungen entgegen allgemeinen Gesetzen der Vernunft zu erfinden. Vgl. J. G. Fichte, Versuch einer Kritik aller Offenbarung, zweite, vermehrte und verbesserte Aufl., Königsberg 1793, S. 97–103 (§ 6), Zitat dort S. 98 (= Sämmtliche Werke, Bd. 5, Berlin 1845/46, S. 75–79, Zitat S. 76 📖).↩
30
In Gottes Wille und unsere Wünsche, in: V.u.kl.A. 1934–1935, S. 84–110, dort S. 101 📖, kommentiert Barth eine ganz ähnliche Aufzählung von «Stimmen» («die Stimme seines Blutes oder seines Gewissens oder seines Genius, die Stimme der Vernunft oder die Stimme der Überlieferung, die Stimme der Idee oder die Stimme des Schicksals») so: «Wie sollte es solche Stimmen nicht geben? Sie sind gewaltige Stimmen. Sie bilden miteinander in der mannigfaltigsten Zusammenstellung […] das seltsame Konzert der Welt- und Kulturgeschichte und doch auch jeder einzelnen menschlichen Lebensgeschichte. Aber täuschen wir uns nicht: diese Stimmen sind doch immer das Echo unserer eigenen Stimme. Wir haben, wenn wir jeweils, hörend auf eine dieser Stimmen, wieder einmal etwas Neues oder doch vermeintlich Neues gefunden haben, im tiefsten Grunde doch nur uns selber neu gefunden, uns selber in einer weiteren Wendung und Bewegung der allerdings erstaunlich reichen menschlichen Schöpfungs- und Gestaltungskraft, […].»↩
31
Zur insbesondere mit Emil Brunner geführten scharfen Auseinandersetzung um die «Natürliche Theologie» vgl. E. Brunner, Natur und Gnade. Zum Gespräch mit Karl Barth, Tübingen 1934 (2., stark erw. Aufl., Tübingen 1935) 📖; K. Barth, Nein! Antwort an Emil Brunner, in: V.u.kl.A. 1934–1935, S. 429–527 📖.↩
32
Vgl. Apostolikum, zweiter Artikel 📖.↩
33
In KD I/1, S. 422–426 📖, bezeichnet Barth die erste Vorstellung (Halbgott / Engel) als «doketische bzw. die in den Spuren des Doketismus historisch rekonstruierte Christologie» (S. 423), die zweite Vorstellung (erhöhter Mensch) als «ebionitische bzw. die in den Spuren des Ebionitismus rekonstruierte Christologie» (ebd.) und weist im Folgenden beide Vorstellungen ab: «Wenn wir die erste Generation der Zeugen Jesu als auch nur einigermaßen echte Israeliten bzw. als palästinensische Juden ansprechen dürfen, wenn wir ihnen zutrauen dürfen, daß sie den Unterschied von Gott und Mensch nicht als einen quantitativen und also zu überbrückenden, sondern als einen qualitativen verstanden haben, dann wird man es als zum vornherein unmöglich bezeichnen dürfen, daß sie so gedacht haben sollten, wie sie gedacht haben müßten, wenn sie den Satz von der Gottheit Christi im Sinn dieser beiden Konzeptionen verstanden hätten» (S. 426). ↩
34
Vgl. Apostolikum, zweiter Artikel 📖. ↩
35
Die Platzierung der in Tskr. und Mskr. in deutscher Umschrift geschriebenen Vokabel καταλλαγή (so in der englischen Übersetzung wiedergegeben) hinter «Tausch» macht auf die ursprüngliche profane Bedeutung («Tausch, Umtausch»; vgl. W. Pape, Handwörterbuch der griechischen Sprache, Bd. 1, Braunschweig 1842, Sp. 1161f. 📖) des später im Neuen Testament wie im theologischen Sprachgebrauch überwiegend direkt im Sinne von «Versöhnung» verwendeten Begriffs aufmerksam.↩
36
Vgl. die ausführliche Erklärung, die Barth dem französischen Übersetzer seines Vortrags Reformation als Entscheidung über den «tiefen Inhalt» («le lourd contenu») des deutschen Begriffs «Entscheidung» gab (Brief Barths an W. Lachat vom 12.12.1933 [KBA 9233.365; Br. 1933, S. 566f 📖.; vgl. V.u.kl.A. 1930–1933, S. 532, Anm. 63 📖]): Beim «Gebrauch dieses Wortes», so Barth, denke er «immer auch an den ersten, ursprünglichen Sinn […], den es dann hat, wenn damit die Entscheidung Gottes selbst gemeint ist: sein liberum arbitrium in der Schöpfung, in der Offenbarung, in der Prädestination, im Wunder des heiligen Geistes, durch das der Glaube erweckt wird. Natürlich meine ich nicht immer, wenn ich das Wort brauche, diese ‹Entscheidung›. Aber ich brauche das Wort nicht, ohne daran zu denken, dass es auch diese eph’hapax gefallene Entscheidung gibt. Die Entscheidung des Glaubens vor Allem, […], hat ihren Ernst und ihre Gültigkeit davon, dass sie sich auf jene Entscheidung Gottes bezieht, dass sie sozusagen die menschliche Wiederholung dieser göttlichen Entscheidung ist. Der deutsche Ausdruck ‹gefallene Entscheidung› eignet sich hier sehr gut, weil er zweideutig ist […].» – Zur Frage nach der Erwählung des Menschen und nach dessen Erkenntnis seiner Erwählung vgl. K. Barth, Gottes Gnadenwahl (in diesem Band, S. 533–577).↩
37
Vgl. Strophe 4 des Liedes «Gelobet seist du, Jesu Christ» von M. Luther (EG 23; RG 392) 🎵:
Das ewig Licht geht da herein,
gibt der Welt ein’ neuen Schein;
es leucht’ wohl mitten in der Nacht
und uns des Lichtes Kinder macht.
Kyrieleis.
↩
38
Das hier Ausgeführte berührt sich eng mit KD I/2, S. 199f. (Zitat: S. 199) 📖: «Und nun haben wir die Jungfrauengeburt nicht zufällig in Parallele gestellt zu dem Wunder, von dem das Osterzeugnis redet: Zu dem Wunder des leeren Grabes. Diese beiden Wunder gehören zusammen; sie bilden sozusagen ein einziges Zeichen, das, verglichen mit anderen Zeichen und Wundern des neutestamentlichen Zeugnisses, offenbar die besondere Funktion hat, die Existenz Jesu Christi als solche unter und neben den vielen anderen Existenzen der menschlichen Geschichte zu bezeichnen und auszuzeichnen als diejenige menschlich-geschichtliche Existenz, in der Gott selbst, Gott allein und Gott direkt, Subjekt ist, deren zeitliche Wirklichkeit nicht nur durch die ewige Wirklichkeit Gottes hervorgerufen, geschaffen, bedingt und getragen, sondern die mit dieser identisch ist. Die Jungfrauengeburt am Eingang und das leere Grab am Ausgang des Lebens Jesu bezeugen, daß dieses Leben ein gegenüber allen sonstigen Menschenleben abgegrenztes, und zwar nicht erst durch unser Verständnis und unsere Deutung, sondern durch sich selbst abgegrenztes Faktum ist.»↩
39
Vgl. ausführlich: KD I/2, S. 77–111 (§ 14,2: «Die Zeit der Erwartung») bzw. S. 111–133 (§ 14,3: «Die Zeit der Erinnerung» 📖).↩
40
InKD I/1, S. 103f. 📖, betont Barth den imperativen Charakter des biblischen Kanons für die Verkündigung der Kirche: «Mit der Anerkennung, daß dieser Kanon faktisch mit der Bibel alten und neuen Testaments, mit dem Wort der Propheten und Apostel identisch ist, spricht sie aus, daß diese Beziehung ihrer Verkündigung auf ein konkretes Außen nicht ein allgemeines Prinzip, nicht eine bloße Formbestimmtheit ist, deren Inhalt je dieser oder auch ein ganz anderer sein könnte, sondern daß diese Beziehung inhaltlich schlechterdings bestimmt ist, daß sie empfangene Weisung, vollzogene Bindung ist, daß dieses aus bestimmten Texten bestehende Stück vergangenen Geschehens die Arbeitsanweisung, der Marschbefehl ist, mit dem nicht nur ihre Verkündigung, sondern sie selbst steht und fällt» (a.a.O., S. 104).↩
41
Anknüpfung an die Benennung von Predigt und Sakrament als Kennzeichen der wahren Kirche in CA 7 📖: «Es wird auch gelehret, daß alle Zeit musse ein heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Glaubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakrament lauts des Evangelii gereicht werden» (BSLK, S. 61,1–5 📖; vgl. BSLK.NE, S. 102,7–10 📖).↩
42
Vgl. KD I/1, S. 56f. 📖, über den Verkündigungsauftrag der Kirche bezüglich Predigt und Sakrament: «Solche Verkündigung ist die Predigt, d. h. der von einem in der Kirche dazu Berufenen unternommene Versuch, in Form einer Erklärung eines Stücks des biblischen Offenbarungszeugnisses die Verheißung der heute und hier zu erwartenden Offenbarung, Versöhnung und Berufung Gottes in seinen eigenen Worten auszusprechen und zu Menschen der Gegenwart verständlich zu machen. […] Solche Verkündigung ist das Sakrament, d. h. die in der Gemeinschaft der Kirche nach Anweisung des biblischen Offenbarungszeugnisses vollzogene, die Predigt begleitende und bestätigende symbolische Handlung, die als solche das die Verheißung nicht nur erfüllende, sondern schon begründende Ereignis der Offenbarung, Versöhnung und Berufung Gottes bezeugen will.»↩
43
Vgl. zum Folgenden – bezogen auf das Verhältnis von Gemeinde und Prediger / Predigtamt – ausführlicher: K. Barth, Die Gemeindemäßigkeit der Predigt, in: V.u.kl.A. 1934–1935, S. 649–673, dort bes. S. 655–662 📖.↩
44
«Λειτουργία» / «Liturgie» bedeutet wörtlich übersetzt «Dienst» oder «Gefälligkeit» und bezieht sich ursprünglich auf den Dienst gegenüber dem Gemeinwesen bzw. dem Staat; vgl. Pape, Handwörterbuch (Anm. 35), Bd. 2, Sp. 26 📖.↩
45
Zum hier von Barth gemeinten Erfahrungsbegriff vgl. KD I/1, S. 207 📖: «Wir verstehen unter der Erfahrung vom Worte Gottes, die Menschen unter Voraussetzung seiner Wirklichkeit möglich ist, die Bestimmtheit ihrer Existenz als Menschen durch das Wort Gottes.»↩
46
Mit «syllogismus practicus» wird der Gewissheit stiftende Rückschluss vom Lebenswandel auf das Erwähltsein eines einzelnen Menschen bezeichnet. Calvin konnte zwar von «Werken» der Heiligen als «Zeichen ihrer Berufung» sprechen, lehnte einen solchen direkten Rückschluss, der dem «Verdienst etwas beimäße oder der aus Gnaden geschehenden Gerechtigkeit, die wir in Christus erlangen, etwas abzöge», aber ab (Inst. III,14,20 📖; vgl. auch W. Niesel, Syllogismus practicus?, in: Aus Theologie und Geschichte der reformierten Kirche, Festgabe für E. F. K. Müller-Erlangen zu dessen 70. Geburtstage, überreicht von Schülern und Freunden, Neukirchen 1933, S. 158–179 📖). Voll ausformuliert heißt es bei seinem Nachfolger Theodor Beza (1519–1605): «Consilium Dei ex effectis intellegitur» / «Der Ratschluss Gottes wird aus seinen Wirkungen erkannt» (Th. Beza, Tractationum Theologicarum in quibus pleraque christianae religionis dogmata adversus haereses nostris temporibus renovatas solide ex verbo Dei defenduntur, Vol. I, Genf 1582, S. 171 📖; zit. nach M. Zeindler, Erwählung. Gottes Weg in der Welt, Zürich 2009, S. 59 📖).↩
47
Vgl. K. Barth, Der Christ als Zeuge, in: V.u.kl.A. 1934–1935, S. 367–400, dort bes. S. 382f. 📖: «Ich möchte nun bei der Frage: Wie bleibt man ein Zeuge? hinweisen auf das andere christliche Sakrament, auf das heilige Abendmahl, das uns ganz und gar dieses Eine sagt und immer sagen will: Christus tritt ganz für uns ein, er speist und tränkt uns mit seinem Leib und Blut zum ewigen Leben. Er! […] Der Mensch, der auf diesem Wege ist, der Mensch, der zum heiligen Abendmahl geht, der dieser Zukunft entgegengeht: Christus für mich!, der wird ein Zeuge bleiben. Denn er steht nicht auf dem Grund seines eigenen Gutseins und Frommseins und Ernstseins, sondern auf dem Grund: Gott wird Recht behalten, denn er hat schon Recht behalten in Jesus Christus gegen alle Menschen für alle Menschen.»↩
48
Vgl. Cyprian von Karthago, Epistulae 37,21 (CSEL 3/II, S. 795,3f. 📖): «quia extra ecclesiam salus non est».↩
49
Vgl. schon Römerbrief 2, S. 118 📖: «Der wahre Gott ist aber der aller Gegenständlichkeit entbehrende Ursprung der Krisis aller Gegenständlichkeit, der Richter, das Nicht-Sein der Welt (mit Einschluss jenes ‹Gottes› menschlicher Logik). […] Die allzu naheliegende Folgerung von uns auf Gott erreicht ihr Ziel nicht, sie ist ein Kurzschluss. Der wahre Gott ist nicht ‹unbotmäßig›, nicht willkürlich, nicht launisch. Denn in seinem Gericht, im Gegensatz zu ihm kommt uns die in unsrer Welt herrschende Unbotmäßigkeit, Willkür und Laune erst in ihrer Fragwürdigkeit zum Bewusstsein.»↩
50
Die Lehre von den Schöpfungsordnungen basiert auf dem Gedanken, dass in Gottes Schöpferwillen sein Wille zum Erhalt der Schöpfung in Hinblick auf ihre Erlösung und Versöhnung mit enthalten ist und aus der Schöpfung selbst ersichtlich wird. Neben diese «Verheißung» tritt als «Zumutung» das zur «Selbsterhaltung der Gattung» notwendige Leben in Ordnungen, deren Aufrechterhaltung durch Gebote und Verbote gewährleistet werden muss; vgl. E. Herms, Art. «Schöpfungsordnung», in: RGG4 VII, Sp. 990–992, Zitate dort Sp. 990f 📖. – Barth wandte sich – verstärkt seit 1933 – gegen ein vornehmlich in der deutschen lutherischen Theologie der 1920er und 1930er Jahre auftauchendes Verständnis dieser Lehre, das sie nicht genügend deutlich auf die Christusoffenbarung bezog und als deren Explikation verstand (z. B. P. Althaus, Theologie der Ordnungen, Gütersloh 1934; 19352 📖). Historisch gewachsene, kontingente Ausprägungen der Ordnungen konnten darin unmittelbar auf Gott bezogen und als von ihm so gewollte Schöpfungsordnung interpretiert und überhöht werden; vgl. etwa K. Barth, Theologische Existenz heute! II. (Entwurf), in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 364–382, dort S. 373 📖: «Man kann nicht, wie es gerade auf dem theologischen Felde so reichlich geschehen ist, […], mit der Autonomie der angeblichen Schöpfungsordnungen spielen wie Kinder auf dem Schießplatz mit Blindgängern, um dann auf einmal, wenn das Entsprechende nun eben mit allen Konsequenzen Ereignis wird, wehleidig zu erklären, dass man es so nun doch nicht gemeint habe.» Ausführlicher: ders., Das erste Gebot als theologisches Axiom, in: a.a.O., S. 209–241, dort bes. S. 232–238 📖.↩
51
Vgl. aus der fünften These der Barmer Theologischen Erklärung (V.u.kl.A. 1934–1935, S. 298f. 📖): «Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt […] für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. […] Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.»↩
52
Vgl. KD I/1, S. 1 📖: «Dogmatik ist als theologische Disziplin die wissenschaftliche Selbstprüfung der christlichen Kirche hinsichtlich des Inhalts der ihr eigentümlichen Rede von Gott.» (Leitsatz von § 1) Und: «Dogmatik ist eine theologische Disziplin. Theologie aber ist eine Funktion der Kirche.» ↩
53
Zum Verhältnis von Theologie und Philosophie vgl. KD I/1, S. 3–5, dort bes. S. 4 📖: Weil Theologie in Jesus Christus Begründung, Ziel und Inhalt hat, unterscheidet sie sich kategorial von der Philosophie (wie auch von allen anderen Wissenschaften), die auch dort, wo sie das theologische Thema «mit in Betracht» zieht, es nur nach «irgendwelchen ihm fremden Prinzipien» beurteilen kann: «Philosophia christiana ist faktisch noch nie Wirklichkeit gewesen: War sie philosophia, so war sie nicht christiana, war sie christiana, so war sie nicht philosophia.»↩
54
Vgl. schon Römerbrief 2, S. 505f. (zu Röm. 10,3) 📖: «Erkenntnis Gottes nun wäre die nie zu unterlassende, nie schon erledigte, in keinem Sinne jemals hinter uns liegende Anerkennung dieser Souveränität Gottes, sie wäre das unablässig geübte kritische Unterscheiden zwischen der Gerechtigkeit Gottes und allen (allen!) Menschengerechtigkeiten. […] Aber wer ‹hat›, wer betätigt diese Erkenntnis? […] Wer setzte nicht an die Stelle dieser unnahbaren Gottesgerechtigkeit eine […] eigene Gerechtigkeit, ‹mit Hilfe Gottes›, ‹im Vertrauen auf Gott›, usf. einen Plan, ein Programm, eine Methode, eine Sache, eine neue Sprache, eine Bewegung, ein Ding, das uns weniger zu schaffen und mehr zu tun, weniger zu denken und mehr zu reden, weniger zu erledigen und mehr zu unternehmen gibt als jene Gottesgerechtigkeit?»↩
55
Nach A. Oepke, Art. «καλύπτω, κάλυμμα, ἀνακαλύπτω, κατακαλύπτω, ἀποκαλύπτω, ἀποκάλψις», in: ThWNT III, S. 558–597 📖, hat die Wortbedeutung der Vokabel ἀποκαλύπτω «im NT ihren eigentlichen Sitz in der Eschatologie» (S. 582); vgl. a.a.O., S. 586: «Die Offenbarung wird […] nicht im Sinne der Mitteilung übernatürlichen Wissens verstanden, sondern im Sinne des Aussichheraustretens Gottes, als Enthüllung der jenseitigen, kommenden Welt». Belege für diesen Gebrauch finden sich u. a. 1.Kor. 1,7; 2.Thess. 1,7; 1.Petr. 1,7; 4,13. ↩