Mit Hilfe eines ausführlichen Stichwort-Typoskripts hielt Barth im September und November 1936 an drei weiteren Schweizer Orten einen Vortrag über den deutschen Kirchenkampf und seine Bedeutung auch für die Schweizer Kirche.
1. Rifferswil, 6. September 1936
Zum Vortrag in Rifferswil (Kanton Zürich) wurde Barth im Juli 1936 von Walther Hüttinger1 eingeladen, dem Dekan des Kirchenbezirks Affoltern. Für die jährlich stattfindende kirchliche Bezirksfeier hatte man zum vorgesehenen Vortragsthema «Was haben die kirchlichen Vorgänge in Deutschland uns zu sagen?» ursprünglich Arthur Frey einladen wollen, der aber verhindert war. Frey war es, der an seiner Stelle Barth vorschlug, und er wies auch darauf hin, dass dieser zum Termin Anfang September in Oberrieden sein würde,2 das unweit von Rifferswil, dem Ort der Bezirksfeier, liegt. Zur gewünschten Art und Zielsetzung des für den 6. September 1936, nachmittags 14 Uhr angesetzten Vortrags schrieb Hüttinger: «Wir glauben, dass es wertvoll ist, dass auch unser Landvolk auf die grundsätzliche Seite des deutschen Kirchenkampfes aufmerksam gemacht wird & daraus für unsere kirchliche Lage lernt. […] Es handelt sich für uns natürlich nicht um eine Chronik dieses Geschehens, sondern um eine praktische Besinnung zu Handen unseres Landvolkes, bei dem weder genauere Kenntnis noch tieferes Verständnis des in den Zeitungen Berichteten vorausgesetzt werden kann.»3 Mit seiner Zusage erfragte Barth die gewünschte Länge des Vortrags;4 Hüttinger räumte ihm im Blick auf die «nur […] kurze einleitende Ansprache» des Ortspfarrers eine Stunde ein und lud ihn zugleich «zu weiterer Aussprache» im Anschluss an den Vortrag in einem Gasthofsaal ein.5
512 Zum Vortrag kam Barth gemeinsam mit Charlotte von Kirschbaum und der gerade auf dem Bergli anwesenden Erica Küppers6. Zum Verlauf des Nachmittags notierte Ch. von Kirschbaum: «Kl[eine] Dorfkirche, ein ländl[icher] Chor singt treu aber unschön, alles bis auf letzten Platz besetzt, Vortrag sehr gut in der schlichten Anrede. Nachher Zusammensein mit den Pfarrern».7 – Zehn Tage nach dem Vortrag bedankte sich Hüttinger noch einmal schriftlich bei Barth: «Es war uns eine grosse Freude, Sie unter uns zu haben und Sie in der gefüllten Dorfkirche in so packender und einfacher Weise reden zu hören. Ich bin der guten Zuversicht, dass auch die Rifferswiler den Anlass nicht so leicht vergessen werden.» Der Vortrag, so fügte Hüttinger noch hinzu, sei «durch einen Kollegen in unserm Bezirksblatt in ausführlicher Wiedergabe durch zwei Nummern referiert» worden.8 Einen weiteren Dank erhielt Barth nochmals zehn Tage später für den Teil der Kollekte, der «für die Schweizer Mission in Südafrika» bestimmt gewesen war: Ernst Rippmann9, Sekretär dieser Mission für die deutsche Schweiz, dankte überschwänglich für «die grosse Summe von Fr. 105,65».10
2. Chur, 9. September 1936
Nach Chur reiste Barth auf Einladung von Johannes B. Gartmann, der Professor an der Kantonsschule und Präsident des evangelischen Kirchenvorstandes von Chur war. Dieser bat ihn schon im Mai 1936 |513 um einen abendlichen Vortrag «über die
Bekenntniskirche in Deutschland […], als deren mutigen Schildträger wir Sie, leider noch nur durch Nachrichten und Schriften und nicht von Angesicht, kennen lernten».11 Der Vortrag sollte in der St. Martinskirche stattfinden, der größten reformierten Kirche im Kanton Graubünden, und wurde nach Barths Zusage für den 9. September 1936, 20.15 Uhr, verabredet.12 Barth reiste erneut vom Bergli aus an, diesmal begleitet von Ch. von Kirschbaum, Rudolf und Gerty Pestalozzi sowie deren Tochter Esther.13 Nach dem Bericht der «Neuen Bündner Zeitung» folgte «die Zuhörerschaft des bis auf das letzte Plätzlein besetzten Gotteshauses» Barths Ausführungen in «atemloser Stille», und die «fühlbare Ergriffenheit der großen Gemeinde wirkte wie eine stille, doch mächtige Kundgebung für die hartbedrängten evangelischen Bekenner im Dritten Reich».14 Ähnlich beschrieb auch Gartmann am nächsten Tag, wie die Gemeinde und er den Vortrag empfunden hatten: «Es drängt mich, Ihnen auf diesem Wege nochmals im Namen unserer Kirchgemeinde den herzlichsten Dank auszusprechen für den außerordentlich schönen, erhebenden Abend, den Sie uns gestern bereitet haben. Von allen Seiten höre ich heute nur eine Stimme der Begeisterung und ehrlichen Ergriffenheit. Ihr Vortrag ist sicher für alle Teilnehmer zum tiefen Erlebnis geworden.»15 Auch Barth scheint diesen Abend genossen zu haben, schrieb er doch in seiner Antwort, er denke «mit besonderer Freude an den Mittwochabend in Chur» zurück und habe es ernst gemeint, als er sagte, er «hoffe, nicht zum letzten Mal dort gewesen zu sein».16
514 3. Aarau, 14. November 1936
Am 26. August 1936 hatte sich Hans Erismann von der Aarauer «Protestanten-Vereinigung» mit einem Brief an Barth gewandt und ihn darin mit folgender Begründung um «einen Vortrag über die Bekenntniskirche» in der Aarauer Stadtkirche gebeten: «Wir haben hier von Anfang an den Kampf um das freie Wort Gottes in Deutschland verfolgt […]. In der Erkenntnis aber, dass auch uns vielleicht in nicht allzu langer Zeit eine solche Notzeit bevorsteht und dass über die Bekenntniskirche – auch bei Theologen – die verschiedensten Ansichten zu hören sind, finden wir, dass ein solcher Abend eine Notwendigkeit ist. Und es würde sicher ein grosser Segen darauf ruhen, wenn unserer Gemeinde klar würde, worum es eigentlich geht, dass das Evangelium keine Selbstverständlichkeit ist, sondern darum gekämpft werden muss.»17 Just an dem Tag, an dem er den Vortrag in Chur hielt, sagte Barth in Aarau zu und schlug dasselbe Thema auch für sein dortiges Auftreten vor.18
Die vorgesehene Kollekte wurde nach einer Intervention Barths nicht, wie von Erismann vorgeschlagen,19 für verfolgte Pfarrer gesammelt; hier bat Barth, Rücksicht darauf zu nehmen, dass es von ihren Feinden sehr zum Nachteil der Bekennenden Kirche ausgenutzt werden könne, wenn sie auf solche Weise mit Geldgebern aus dem Ausland in Verbindung zu bringen sei. Anstelle dessen schlug Barth vor, das Geld direkt für deutsche Studenten zu sammeln, die in der Schweiz studieren möchten, denen dies aber oft nicht möglich sei, weil ihnen die dazu nötigen Devisen fehlten oder aufgrund ihrer kirchenpolitischen Haltung verweigert würden. Zum weiteren Procedere erklärte Barth: «Für die richtige Verteilung könnte ich wohl die Verantwortung übernehmen, da ich die einzelnen Fälle kenne und da sich die Leute auch besonders an mich zu wenden pflegen. Gerne würde ich mich dann begnügen, von ihnen die Reisekosten ersetzt zu erhalten, damit möglichst viel diesem guten und wirklich nötigen Zweck erhalten bliebe.»20
515 Nach Aarau reiste Barth mit dem Zug erst kurz vor dem Beginn des Vortrags an und blieb auch danach nicht lange, so dass er noch am selben Tag zurück in Basel war.21 Sein Vortrag fand auch hier gute Resonanz. Erismann schrieb: «Es war für uns ganz schlicht gesagt ein Erlebnis, was auch im Ertrag der Kollekte zum Ausdruck kommt. Sie ergab Fr. 263.-»22, und Eugen Haffter, der Gemeindepfarrer in Aarau, verband seinen Wunsch nach der Erlaubnis, eine Zusammenfassung des Vortrags drucken lassen zu dürfen, mit den Worten, der Vortrag habe «so klar und eindringlich das herausgehoben, was aus den kirchlichen Auseinandersetzungen in Deutschland von uns gehört werden muss, dass ich gern etwas davon einem weitern Kreis von Kirchgenossen in unserem Kanton übermittelt hätte».23
Von den Vorarbeiten zum Vortrag sind erhalten ein ausführlicheres, zweiseitiges Stichwort-Manuskript (KBA 11321), auf dem zahlreiche Ergänzungen und Korrekturen angebracht sind, sowie ein diesem Manuskript in seiner Endgestalt weitgehend entsprechendes, ebenfalls zweiseitiges Typoskript (KBA 11322) mit wiederum vielen Ergänzungen und Korrekturen. Barth hat den Vortrag jeweils frei nach dem Typoskript gehalten. Eine ausführliche Wiedergabe des Rifferswiler Vortrags liegt vor in dem mit «ck» gezeichneten Artikel Kirchliche Bezirksfeier in Rifferswil, der in zwei Teilen drei bzw. fünf Tage später im «Volksblatt aus dem Bezirk Affoltern» erschien.24
Jener Bericht ist nicht «autorisiert» erschienen, und sein Stil lässt eindeutig erkennen, dass hier ein anderer Verfasser als Barth am Werke war. Dennoch liegt mit diesem Bericht, der inhaltlich Punkt für Punkt den Stichworten entspricht, ein eindrückliches Zeugnis vom wirklich gehaltenen Vortrag vor, das Barths Stichworte allein so nicht bieten können.
516 Im Folgenden werden daher sowohl der von unbekannter Hand verfasste Zeitungsbericht als auch das Stichwort-Typoskript Barths wiedergegeben. Die erläuternden Fußnoten sind auf den Bericht konzentriert und hier sparsam gehalten; für weitergehende Informationen zu schon häufiger genannten und hier wieder angesprochenen Ereignissen des Kirchenkampfes sei auf die einschlägigen früheren Texte in diesem Band verwiesen.25 An der Wiedergabe des Typoskripts beschränkt sich der Apparat auf Verweise und den Aufweis der Abweichungen gegenüber der Endgestalt des Manuskripts; solche Abweichungen, die auch im Typoskript erst nachträglich – hier durchgehend handschriftlich mit Bleistift – ergänzt wurden, sind mit ⌜ ⌝ gekennzeichnet.
Was haben uns die kirchlichen Vorgänge in
Deutschland zu sagen?
I.
Wiedergabe des Vortrags in: ck, Kirchliche Bezirksfeier in
Rifferswil
[…]26
Was haben uns die kirchlichen Vorgänge in Deutschland zu sagen?
Welches sind diese Vorgänge in Deutschland?
Es sind 3½ Jahre, seitdem die deutsche evangelische Kirche in eine große, von außen und innen kommende Versuchung gekommen ist, das Evangelium in einen christlichen Nationalismus zu verfälschen und darüber hinaus, es preiszugeben zugunsten einer neuen, aus dem Geiste des deutschen Volkes geborenen Heils- und Gotteslehre, zugunsten der geforderten und verkündigten Staatsgesinnung. Sie ist am Anfang zunächst dieser Versuchung fast völlig erlegen. Allmählich kam es aber dann zu einem inneren und äußeren Erwachen und zu einem Widerstand dagegen. Auf Grund einer ganz neuen Besinnung auf das, was eigentlich Evangelium und was Kirche heißt. Es kam |517 durch Bildung einer Gemeinschaft von Gliedern der Kirche, Laien und Pfarrern, Männer[n] und Frauen, Alten und Jungen zur Bildung einer Front zur Abwehr des Angriffes: Die sogenannte bekennende Kirche hat durch ihr Leben gezeugt und aufs Neue ausgesprochen, was der wahre christliche Glaube nach dem Worte Gottes ist. Und dieser Versuch, die Kirche neu zu gründen, und dieser Widerstand ist trotz aller Schwierigkeiten ernster Natur bis jetzt nicht zusammengebrochen. Sie stehen draußen vor der Frage: Soll die Kirche fernerhin evangelische, christliche Landeskirche sein oder muss die Kirche, um es bleiben zu können, eine Freikirche werden oder geht auch das nicht mehr und kann sie nur noch als unterdrückte, verfolgte Kirche existieren. Und dahinter erhebt sich Frage: Wird die Kirche immer wieder den Glauben finden und behalten, den es für den Einzelnen braucht, Christ zu sein?
Und nun – was haben diese Geschehnisse
uns zu sagen? Wer sind diese Wir? Stehen wir den Vorgängen in
Deutschland wie Zuschauer gegenüber?
Wir Schweizer lieben es – verhehlen wir’s uns nicht –, wenn andre zu leiden und zu kämpfen haben,27 daneben zu stehen und unser Urteil zu bilden und uns zu freuen, dass wir besser dran sind – vielleicht mit dem leisen Hintergedanken (unausgesprochenen): weil wir besser sind. Es kann aber in dieser Sache unmöglich sein für uns, es so zu halten. Es geht um die Kirche Christi, die dort und hier dieselbe ist. Es handelt sich um den einen Glauben, um unsre eigene Sache. «Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.» [1.Kor. 12,26] Es handelt sich um das Land, wo die Reformation ihren Ursprung genommen hat, um das Land, mit dem wir, gleicher Sprache teilhaftig, seit Jahrhunderten in regstem Austausche stehen. Wir sind beteiligt. Wenn wir gestehen: es geht uns nichts an, so gestehen wir damit, dass wir nicht Kirche |518 sind. Wir müssen bedenken und es im Herzen bewegen, dass die Geschehnisse draußen uns ein Zeugnis sagen, das wir hören müssen. Und was dies Zeugnis ist, versuchen wir in sechs Worten unsres Herrn zu fassen.
1. «Wachet, denn ihr wisset nicht, in welcher Stunde euer Herr kommen wird.» [
Mt. 24,42]
Das heißt, angewandt auf die kirchlichen Vorgänge in Deutschland und was sie uns zu sagen haben:
Die Kirche kann nicht immer Ruhe haben. Sie hat kein Recht, dies zu erwarten und zu beanspruchen. Es kann nicht immer so bleiben, dass die Kirche da ist und niemand[en] stört und von niemand[em] gestört wird, unangefochten und anerkannt ihre Arbeit tun darf, dass sie unbewegt von eigentlichen, erschütternden, angreifenden Fragen bleibt, wo man nicht mehr bloß diskutieren kann, sondern Stellung nehmen und sich entscheiden muss. Es kann nicht immer so bleiben, dass die Kirche mitten im Dorfe steht und wir dabei denken, dass solche Zeiten der Ruhe, die uns von Gott verordnet und heilsam sind, die einzige, normale Existenzmöglichkeit der Kirche sei[en]. Wir sind hier nicht weit von Kappel.28 Die Geschichte redet uns von einer handelnden, leidenden, kämpfenden Kirche, die in Not ist. Aber es ist uns eigentlich nur Vergangenheit, von der wir lesen. Die Vorgänge in Deutschland sagen uns, dass es Gegenwart werden kann. Und nun denken einige: wie schrecklich, und vielleicht andre: wie interessant! Es ist weder das eine noch das andre; sondern es ist ernst. Nämlich dies heißt: der Herr kommt! Es wird dann auf einmal sichtbar, was in der Ruhe nicht hervortritt, dass die Botschaft des Evangeliums eine merkwürdige ist. Das, was wir Sonntag für Sonntag hören, bedeutet Unruhe. Die Botschaft möchte die Welt lieber nicht hören. Es fragt |519 sich, ob die Kirche dann selber wagt, dazu zu stehen und ernst zu machen, was sie selber so oft und schön gesagt hat. Wird sie dann zu ihrer Sache stehen? Zu ihrem Herrn? Dann, wenn alles ringsum ruft: Haltet es doch anders. Macht es euch doch nicht so schwer. Dann wird sich zeigen, ob wir bereit sind, eines Tages den Übergang zu vollziehen von der Kirche in Ruhe zur Kirche in Not.
2. «Siehe, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.» [
Mt. 10,16]
Angewandt auf die Vorgänge und was sie uns zu sagen haben, heißt das: Die Welt, in der die Kirche lebt, ist ihr gefährlich. Es ist wohl die von Gott geschaffene Welt, aber die des sündigen Menschen, über der das Kreuz aufgerichtet werden musste. Die Welt, die sich immer wieder der Kraft der Auferstehung Christi entziehen möchte. Was Gleichgültigkeit ist, meinen wir auch zu kennen. Aber es gibt eine Ablehnung gegen die Kirche, Angriffe auf das Evangelium, eine öffentliche Verhöhnung, Bestreitung und Verhinderung der Botschaft. Wenn dies geschieht wie in Deutschland, zusammen mit einem großen, nationalen Aufschwung, da man sagt von einem neuen Weg zu neuem Glück, zu Freiheit 2 und Größe, und nun gerade das Beste, was sie zu haben meinen, gegen das Evangelium gewendet wird? Was muss sich die Kirche dort sagen lassen an Vorwürfen: Was soll der Streit, das Pastorengezänk? Ihr habt diese große Zeit nicht verstanden. Ihr seid wohl Feinde der neuen Ordnung, des Vaterlandes, Störer der Einheit des Volkes. Die Kirche wird mit feinen und groben Mitteln bekämpft von gerade den Verantwortlichen, mächtigen Leuten. All das heißt, dass die Welt, in der die Kirche lebt, eine gefährliche ist. Die Welt möchte die Kirche anders haben, und wenn diese das nicht will, sagt sie, wir wollen überhaupt keine mehr haben.
Ist das nur dort so? Besser ist’s, wenn wir uns damit nicht trösten wollen. Es ist eine allgemeine Möglichkeit, die da offenbar ward, dass der Widerwille des natürlichen Menschen gegen den Gehorsam gegen das Wort Gottes sich sträubt. Dieser Widerstand ist in unser aller Herzen nicht kleiner. Auch bei uns lauert schon der Krieg, der dort ausgebrochen ist. Wenn der Staat anfängt, das zu sein, was er in andern Ländern sein will, dass nämlich der Mensch in ihm total aufgehen soll, wie kann es anders sein, [als] dass er in Streit gerät gegen den Totalanspruch des Evangeliums, de[n] einzig gerechtfertigten, nämlich de[n] Anspruch Gottes?
520Teil 2 3. «Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz dumm wird, womit soll man’s salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinauswerfe und lasse es die Leute zertreten.» [
Mt. 5,13]
Angewandt auf das, was uns bewegt, heißt das: Noch gefährlicher als die Welt, die die Kirche bedroht, sind der Kirche ihre eignen Irrtümer. Als in Deutschland jene Parolen ausgegeben wurden: Von jetzt an muss es heißen: Jesus Christus und Adolf Hitler, Erkenntnis und Dienst Gottes im Nationalsozialismus, Selbsterlösung des deutschen Menschen durch die Kraft seines eignen Blutes und Herzens, als es wie ein Rausch über das deutsche Volk kam: das soll von jetzt an unsre Religion sein – wie sind da weiteste Kreise auch der deutschen Kirche natürlich und hemmungslos auf diese Idee hereingefallen. Welche Nachgiebigkeit ohne Unterschied der Kirchen und Volksgruppen brachten sie dem Neuen entgegen und sind dessen Ansturm erlegen. Man fragt sich heute erstaunt, wie das eigentlich möglich war.
Warum? Weil sich die ganze Kirche und das Christentum lange vorher schon durch Jahrhunderte hindurch innerlich von der Reinheit kirchlicher Verkündigung entfernt hatte[n], von der Reinheit und Strenge des göttlichen Auftrages: Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine andern Götter neben mir haben [Ex. 20,2f.; Dtn. 5,6f.]. Weg von der strahlenden Reinheit der neutestamentlichen Botschaft: Allein aus Gnaden bin ich, was ich bin [vgl. 1.Kor. 15,10]. Wer hat dies wirklich noch gewusst? Es war selbstverständlich Bündnis geschlossen worden mit andern Mächten und Gewalten als mit Gott und dem Vater unsres Herrn Jesu Christi. Da wurde nebeneinandergestellt Gott und der gesunde Menschenverstand, Jesus Christus und das Gewissen, Evangelium und moderne Weltanschauung, und Lebensgefühl des Modernen, Sozialismus und, und, und … Vor diesen Und hatten die Propheten gewarnt. Es bestand mitten in der Christenheit ein Allerweltstempel, ein Pantheon.29 Und als Hitler kam, was lag da |521 näher [als] zu sagen, zu fragen, ob nicht diese Gottheit, die Nation, nicht auch in den Tempel hineingehöre. So war der Abfall vorbereitet.
Wir mögen denken, solches liege uns fern. Das mag richtig sein. Wir können uns solch rasenden schweizerischen Nationalismus nicht vorstellen. – Doch damit sind wir nicht gesichert. Auch in unserer Kirche sind seit Jahrhunderten Bündnisse geschlossen worden. Und dieses Bündnisschließen bedeutet vor Gott Götzendienst. Es ist alter und neuer Irrtum, der sich bei uns einschleichen durfte. Um der Liebe und Offenheit und Toleranz willen darf dies und das auch in der Kirche gesagt werden. – Was für die Deutschen der Nationalsozialismus bedeutet, ist vielleicht für die Schweizer die Pädagogik, die Lust mit zu erziehen. Ein Götzenbild. Wer weiß, welcher Abfall da einmal sichtbar werden könnte? Die Vorgänge draußen fragen uns, wie haben wir es mit unsern Irrtümern? Wollen wir uns fragen und prüfen lassen, was bei uns Wort Gottes heißt?
4.
Matth. 10,26–27: «Was ich euch im Dunkeln sage, das saget im Licht …»
30
Das heißt, angewandt auf die Sache, die uns bewegt: Die Kirche muss es in der Not neu lernen, Gottes Wort zu hören und zu bekennen.
Wir stehen vor der Tatsache, dass draußen unzählige Menschen es wieder gelernt haben, ganz anders, als sie es zuvor konnten, in ihrer Bibel zu lesen und zu fragen, was ist eigentlich wahr und was soll eigentlich gelten. Sie haben gelernt, wenn sie im Stillen vor dieser Frage stehen, dann ihre Bibel aufzuschlagen und nach der Wahrheit zu fragen, was Gott im Wort gesagt hat. Daraus erfolgte allmählich das Erwachen des Widerstandes, das Aufbrechen auf den Weg der neuen, nein alten christlichen Kirche. Sie lernten, die vielen Geister ringsum, die uns rufen und beherrschen wollen, zu unterscheiden [vgl. 1.Kor. 12,10], lernten, dafür einen Sinn zu bekommen, was heiliger Geist ist und was sündiger Menschengeist ist. Es wurde ihnen immer klarer, dass es in der Kirche zu Unterscheidungen kommen muss. Irrtum muss wieder Irrtum genannt werden dürfen. Man kann in der Kirche |522 nicht zwei, geschweige denn 100 Herren dienen [vgl. Mt. 6,24]. Nur Einem. So ist es zu etwas gekommen, was wir vielleicht nur noch aus alten Büchern kennen: zum Bekennen nämlich, zum offenen entschiedenen Aussprechen der christlichen Wahrheit.31 Zuerst fand man sich schüchtern und unbeholfen genug in freien Synoden zusammen, um vor aller Öffentlichkeit zu bezeugen, was man ins Ohr gehört hat. In letzter Zeit ist ja ein offenes Wort an die Adresse der allmächtigen Größen gerichtet worden, da wirklich kein Blatt vor den Mund genommen wurde.32 Ein ehrlicher Versuch, wie es die alten Propheten getan haben, war’s, was die vielen Gewissen bewegte. Es kann nicht anders sein: Es muss laut werden und ohne Rücksicht im Licht gesagt werden. Auch unter uns wird wieder die Bibel fleißig gelesen, und es ist kein Zweifel daran, dass dadurch das Bild der Schweizer Kirche ein anderes wird. Aber sind wir uns darüber klar, wie wir es sein müssten: Dass Gottes Wort die Wahrheit ist? Dass, wenn wir nach der Wahrheit fragen, [wir] nicht anders als danach verkündigen dürfen? Sind wir uns darüber klar: Wenn Gottes Wort das Leben der christlichen Kirche ist, dass es dann eine gemeinsame Verantwortlichkeit gegenüber unserem Herrn und der Welt gibt? Dass es unerschrocken ausgesprochen werden muss? Die Wahrheit ist nur eine: Sind wir uns darüber klar, dass das Entscheidung bedeutet? Es gibt keine Entscheidungen ohne Scheidungen. Das wird uns schwerfallen. Nicht umsonst sind wir so lange neutral gewesen.33 Wir sind wohl auch in |523 geistigen und geistlichen Dingen nur allzu neutral geworden. Lassen wir es uns sagen, dass es gegenüber dem Worte Gottes keine Neutralität gibt? Das bedeutet auch für die Schweiz Entscheidung. Die Stunde der Entscheidung wird eines Tages anbrechen. Wo werden wir dann stehen? Werden wir dann in der Lage sein, zu hören und zu reden, zu erkennen und zu bekennen?
5. «Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.» [
Mt. 7,21]
Das heißt, angewandt auf die Sache, die uns bewegt: Die Kirche muss in der Not treuen Gehorsam lernen. Die deutsche evangelische Kirche hat sich dazu durchgerungen, dass sie sich nur durch das Wort Gottes belehren lässt und leiten lassen will. Das wollen doch auch wir, ist unser Gedanke. Wer würde da zu widersprechen wagen? Draußen haben zunächst auch viele dem Bekenntnis zugestimmt, Herr, Herr gesagt. Aber dann hat es sich gezeigt, dass das erst der Anfang war. Es galt ja nun, sich damit zu behaupten in einer Welt voll [von] 1000 Schwierigkeiten durch den Staat, die Partei, Gestapo, gegenüber Feinden und falschen Freunden. Von Schritt zu Schritt galt es in dieser Bewegung weiterzugehen. Da gab es viel Zögern und Straucheln. Durch eine harte Schule ging die bekennende Kirche. Wie nahe lag es doch mitzugehen, wo die Mehrheit des Volkes war, alles zu tun, um die Landeskirche, ihre Freiheit und Sicherheit zu bewahren. Ach, die Geldfrage spielte auch eine große Rolle. Man sollte doch den Einfluss auf das Volk behalten und den Einfluss auf die Jugend ja nicht preisgeben! Würde man nicht «klugerweise» etwas nachgeben? Sollte man nicht die Möglichkeiten bedenken, die die Kirche noch im neuen Deutschland haben kann[?] Man wollte sich gewiss an die Bibel halten. Nur ein kleiner Kompromiss. Muss und darf man nicht vor vielen unnötigen Bedrängnissen ausweichen[?] Vielleicht nur aus Liebe so handeln, aus Liebe zu den Vielen, die es noch nicht besser wissen[?] – Das alles kam aber auch mit dauernden Drohungen der Partei und Polizei. Und wenn dann Müdigkeit eintrat, kamen sie von dort mit Angeboten von Zuckerbrot und Honigseim34, zuletzt mit dem Ange|524bot, Kirchenausschüsse einzurichten, die der Neuordnung und Vermittlung dienen sollten. Da gab es viel Straucheln und neutrales Verhalten. Da braucht es etwas, nach allen Seiten dabeizubleiben: «Dennoch bleibe ich stets bei dir; denn du hilfst» [vgl. Ps. 73,23]. Nachdem man Herr, Herr gesagt, dass der Wille Gottes getan sein will nach vielen Lockungen. Da wurde ein weiter Weg zurückgelegt.
Lassen wir es uns sagen: Erkenntnis und Bekenntnis sind eine große Sache, aber sie bilden nur den Anfang. Es wird darauf ankommen, ob wir Schritt für Schritt den Mut haben, das Erkannte anzuwenden, den Mut haben, vom Wort allein zu leben.a Den Mut haben, sich nicht zu fürchten, hart zu werden, ganz neu, evangelisch, vom Wort lebend zu werden.
6. «Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.» [
Mt. 10,32]
Das heißt, angewandt auf das, worauf wir schauen: In der Not beweist Gott der Kirche seine Barmherzigkeit und Hilfe. – Es sind in diesen Jahren merkwürdige Dinge geschehen, die nicht zu erklären sind aus der besonderen Einsicht und Tapferkeit der beteiligten Menschen. Es ist ein Wunder vor unsern Augen: Das Erwachen und Sich-Sammeln von lebendigen Gemeinden kam.
Es ist z. B. erstaunlich, wie die theologische Jugend erwachte und sich eingesetzt hat, wohl wissend, dass sie ihre Zukunft aufs Spiel setzte. Wenn sie an den Brotkorb heranwollten, dann hätten sie anders vorgehen müssen. Gewiss ist auch viel Schwachheit und Unklarheit, sind viele Fehler, Unvorsichtigkeiten und Feigheiten vorgekommen. Aber merkwürdig war es so, dass, wenn Dummheiten begangen wurden, die Gegner dauernd die größten Torheiten getan haben. Wenn die bekennende Kirche einschlafen wollte, hat sie das wieder geweckt. Es ist so gewesen, wie es in einem alten Schweizer Wort heißt: Durch die Vorsehung Gottes und der Menschen Verwirrung wird die Schweiz regiert.35 Dass Gott selber ihnen wieder begegnete, ist tröstend und |525 mahnend. Wenn wir auf das Ergebnis sehen, so müssen wir feststellen, dass nach 3½jährigem Kampfe die Kirche nicht nur immer noch dasteht, sondern viel fester und klarer bekennend dasteht. Es kann nicht die Rede sein vom Ruhm eines Menschen. Anderes ist geschehen: Das Wort Gottes hat seine Gemeinde wieder einmal gebaut, getragen und gerettet, wie wir es auf allen Seiten der Bibel lesen können. Wer das Herz auf dem rechten Fleck, d. h. beim Worte Gottes hat, darf wissen: Wie es auch noch kommen wird,36 da draußen ist Kirche, die lebt vom Wort und durch den Geist dessen, der die Kirche geschaffen und gezeugt hat durch Kreuz und Auferstehung. –
Nun sind wir Zeugen, aus der Nähe Zeugen der sich offenbarenden Barmherzigkeit Gottes. «In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.»37 Da sollten wir einstimmen können in Anerkenntnis der Wohltat, die Gott an seiner Kirche tut. Freilich fehlt uns etwas zur rechten Freude einzustimmen. Was ist’s? Fehlt’s uns am Glauben, Bekenntnis, rechten Vertrauen? Dass noch keine reale Not an unsre Kirche herangetreten ist? Kirche zu sein ist unsre Aufgabe, durch die Barmherzigkeit Gottes gerettet. Heute noch sind wir passive Zeugen. Möchte Gott uns die Gnade schenken, wenn wir aufgerufen werden, aktive Zeugen zu sein!
«Von da an zogen sich viele seiner Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit ihm. Jesus sprach nun zu den Zwölfen: Wollt etwa auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, wohin sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben geglaubt
|526 und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.»
38 [
Joh. 6,66–69]
II.
Stichwort-Typoskript:
Was haben uns die kirchlichen Vorgänge in Deutschland zu sagen?
Antwort auf Frage: Was haben uns …
«Kirchl[iche] Vorgänge in
D[eu]t[sch]l[an]d»: ⌜(bekannt, Zusammenfassung!)⌝
- 1. 1933 innere und äussere Versuchung
| Ev[angelium] zu verfälschena: |
deutschchr[istliche] K[irche] |
| Ev[angelium] preiszugeben |
zugunsten einer deutschen Heilslehre |
|
zugunsten einerb neuen Staatsgesinnung |
- 2. Teilw[eises] Erliegen. ⌜Predigt u. Kirchenpolitik.⌝ Allmähl[icher] Widerstand auf Grund neuer Besinnung auf Ev[angelium] u[nd] K[irche] – Bek[enntnis] u[nd] Ordnungc. Widerstand bis jetzt nicht gebrochen.
- d-3.Bleibt Landeskirche-d evangelisch? Muss ev[angelische] K[irche] Freikirche werden? Kann sie nur noch als verfolgte existieren? Hat sie den Glauben, u[nter] a[llen] U[mständen] ev[angelische] Kirche bleiben ⌜und neu werden⌝ zu wollen?
527 «… uns zu sagen? Wer sind «wire»? Zuschauer vor einer Bühne?f Schweizer lieben das. Weltkrieg.g Wir besser dran und besser? ⌜Politisch interessant?⌝
Unmöglich: es geht um die K[irche], um Ev[anglium] u[nd] Glauben, also um unsere eigene Sache. «Wenn ein Glied leidet …» [vgl. 1.Kor. 12,26] K[irche] d[er] Anf[änge] d[er] Ref[ormation], gleicherh Sprache, mannigf[acher] Austausch. Wir sind beteiligt – oder sindi nicht Kirche.
Also: j-Wenn wir K[irche], sagen uns kirchl[iche] Vorgänge in Deutschl[and] als solche etwas, was wir trotz Ferne und Fremde unmittelbar mitzubedenken haben.-j Zeugnis d[er] K[irche], dask die K[irche] hören muss.
l-6 Worte Jesu, in denen Wahrheit bezeugt wird.-l
1. «Wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird!»m (Matth. 24,42) Angewendet:n Die K[irche] kann nicht immer Ruhe haben, nicht störend und nicht gestört, unangefochten und anerkannto, unbewegt von Fragen, die zur Entscheidung drängen, |528 gleichgültig für ihre Umgebung. – Kann nötig und heilsam sein, ist aber nicht die einzige, normalep Möglichkeit.
N[eues] T[estament] und K[irchen-]Gesch[ichte] redenq von ⌜bedrohter,⌝ leidender, handelnder, kämpfender K[irche], K[irche] in Not. Für uns nur Vergangenheit? D[eu]tschl[an]d sagt uns, dass es Gegenwart werden kann.r Wie schrecklich? Wie interessant? Nein: nur ernst: der Herr kommt. ⌜Die Vorläufigkeit dieser Welt wird sichtbar.⌝ Die Merkwürdigkeit ders Botschaft von Gott, vom Kreuz, vom ewigen Leben wird sichtbar,t bringt Unruhe. u-Welt will das nicht. Und die Kirche selbst?-u Muss sich selbst beunruhigen lassen. Will v-und wird-v sie dazu stehen, wenn Alles danach ruft, es anders zu halten? – Sind wir bereit für den Uebergang w-in die Unruhe-w?
2. «Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe» (Matth. 10,16). Angewendet:x Die Welt, in der die K[irche] lebt, ist ihr gefährlich. y-Wohl Welt, die Gott geschaffen, aber Welt des sündigen Menschen-y, in der Chr[istus] gekreuzigt wurde und die sich der Kraft seiner Auferstehung entziehen möchte. ⌜Heuchelei und⌝ Gleichgültigkeit kennen wir auch. Aber Ablehnung und Angriff im Grossen, in Verbindung mit einem grossen menschl[ichen] Aufschwung z-etwas Neues-z. Welt möchte die K[irche] anders haben – selber als ein Stück Welt – oder dann gar nicht haben. ⌜Vorwürfe: Parteiengezänk, Zeit nicht verstanden; Feinde der neuen Ordnung, Störer der Einheit, Bekämpfung mit allen Mitteln.⌝ – Nur in Deutschl[and]? Nein, dort zeigt aa-sich allgemeine Möglichkeit-aa. Hinter dem Frieden wartet irgendwo der Krieg: Totaler Staat gegen totales Ev[angelium] – Sind wir gefasst darauf, versucht und bedroht zu werden?
529 3. «Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man es salzen?» (Matth. 5,13). Angewendet:ab Noch gefährlicher sind der K[irche] ihre eigenen
Irrtümer. Auf Parolen: Chr[istus] u[nd] Hitler! Gott im Volkstum und Geschichte, Selbsterlösung des d[eu]t[schen] Menschen! Erstaunliches Hereinfallenac aller Kreise. ad-Nachgiebigkeit unter dem Vorwand 2 der Offenheit od[er] d[er] Liebe-ad. Wie war das möglich? Weil K[irche] längst entfernt von der Reinheitae d[er] bibl[ischen] Verkündigung: «Ich bin der Herr dein Gott …» Aus Gottes Gnade …!af Verbindung des Ev[angeliums] mit Vernunft, mod[erner] Weltanschauung, Lebensgefühl, Politik. ag-K[irche] ohne Bekenntnis, Allerweltstempel.-ag Warum nicht auch diese Gottheitah: Nation! Abfall war vorbereitet. – Diese Verfälschungai für uns fernerliegend. Die anderen kennen wir auch. Götzen? «Nationalismus – Pädagogik!» ⌜Bekenntnis?⌝ aj-K[irche] nicht auch Pantheon?-aj – Wollen wir uns fragen lassen nach der Reinheit uns[erer] K[irche]?
4. «Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht, und was ihr höret ins Ohr, das predigt von den Dächern.» (Matth. 10,27). Angewendet:ak d[ie] K[irche] muss es in d[er]
Not
neu lernen,
G[ottes] W[ort]
zu hören und zu bekennen. al-In Deutschl[an]d neuer Ernst des Bibellesens. Bibel als Wahrh[eit]. Wahrh[eit] i[n] d[er] Bibel. Daraus folgend: Unterscheidung d[er] Geister,-al Entscheidung gegen Irrtum, |530 Scheidung v[on] d[en] Irrlehrern, am-
H[ei]l[iger] Geist gegen Zeitgeist.-am Entspr[echendes] Bekenntnis: Oeff[entliche] Erkl[ärung] d[es] chr[istlichen] Glaubens nach G[ottes] W[ort]. an-⌜J[esus] Chr[istus] allein Weg, Wahrheit, Leben.⌝ Selbst[ändige] Ordnung d[er] K[irche]. ⌜J[esus] Chr[istus] allein ihr Herr. Barmen
, 31. Mai 1934[:] Jesus Christus, wie er uns in der h[ei]l[igen] Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung ausser und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.⌝-an
offenes Wort auch an den Staat. – Hier bes[onders] ao-ernste Frage-ao. Bibellesen auch bei uns, aber wissen wir, ap-dass G[ottes] W[ort] die Wahrheit, die Wahrheit G[ottes] W[ort] ist? Dass K[irche] vor ihrem Herrn und vor d[er] Welt gemeinsam verantwortlich ist? Dass die Wahrheit wie Gott nur eine ist? Dass Verantwortung ⌜Wahl,⌝ Entscheidung und Scheidung bedeutet?-ap Das Alles fällt uns schwer (Neutralität!)aq – Würden wir in der Lage sein, ar-zu erkennen und-ar zu bekennen?
5. «Es werden nicht Alle, die zu mir sagen Herr Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel!» (Matth. 7,21) Angewendet:as D[ie] K[irche] muss in der Not treuen Gehorsam lernen. D[eu]t[sche] K[irche] hat Ja dazu gesagt, sich nur durch das W[ort] G[ottes] leiten zu lassen. Wer wollte das nicht? Viel Zustimmung, aber in den Entscheidungen viel Zögern |531 und Strauchelnat ⌜[bei] allen Generationen, offiz[iellen] Führern, theol[ogischen] Fakultäten⌝. Mitgehen mit der au-Mehrheit d[es] Volkes-au? Erhaltungav d[er] Landesk[irche], ⌜ihrer Einheit,⌝ ihrer Sicherheit, ihres Einflusses? Miss[onarische] Möglichkeiten? Ausweichen vor unnötigeraw Bedrängnis? Alles um der Sache Gottes willen, aus Liebe, f[ür] d[as] Volk, ax-f[ür] d[ie] Jugend-ax usw. V[on] d[er] anderen Seite bald Drohungen, bald freundl[iche] Angebote. Und nun immer wieder: dennoch…! ⌜Willen tun.⌝ Weiter Weg u[nd] noch lange nicht zu Ende. – Erkenntnis u[nd] Bekenntnisay ⌜selbst eine Haltung in sich⌝. Bibel u[nd] Reformation allein tun es nicht, sond[ern] ⌜der Mut der Anwendung,⌝ die Rücksichtslosigkeit, die az-vom Wort leben-az will. Hartwerden, um recht barmherzig zu sein. – Werden wir kirchlich, mehr:ba werden wir evangelisch werden?
6. «Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater» (Matth. 10,32). Angewendet:bb I[n] d[er] Not beweist G[ott] d[er] K[irche] seine
Barmherzigkeit. Es sind Dinge geschehen, die bc-nicht aus menschlicher Einsicht und Tapferkeit zu erklären sind: Samml[ung] v[on] Gem[einden] und Pfarrern, Einsatz u[nd] Hingabe der theol[ogischen] Jugend, bewährte Männer i[n] d[er] Führung.-bc Gewiss auch viel Schwachheit u[nd] Unklarheit. Aber noch grösser (Vorsehung-Verwirrung)bd die Torheit der Gegner, die immer wieder erweckend wirkt. be-Vor allem: Begegnung mit Trost u[nd] Mahnung d[es] Wortes,-be Resultat: K[irche] nach 3½ Jahrenbf |532 immer noch da und viel gefestigter. Kein menschl[icher] Ruhm! Das W[ort] G[ottes] baut, trägt, errettetbg. Noch nicht über d[en] Berg: Probl[em] d[er] bh-Kirchenausschüsse? Sicher Verheissung.-bh
– Wir sind Zeugen dieser Barmherzigkeit Gottesbi. «In wieviel Not …» Sollten als K[irche] einstimmen können. An was fehlt es uns? Bek[enntnis], Gehorsam, Vertrauen? Realebj Not? ⌜Kirche: die Gemeinde der von J[esus] Chr[istus] Berufenen, Gesammelten, Erleuchteten – in der Not durch seine Barmherzigkeit Geretteten.⌝ Vielleicht bk-dies Barmherzigkeit Gottes für uns-bk, dass wir hier Zeugen sind dürfen. Passiv-aktiv?
Lesen: Joh. 6,66–69.