1936

Samuel Werenfels (1647-1740) und die Theologie seiner Zeit

400

SAMUEL WERENFELS  (1657–1740)
UND DIE THEOLOGIE SEINER ZEIT

1936

Diesen Vortrag hielt Barth am 6. Mai 1936 als Antrittsvorlesung an der Universität Basel, wohin er ein knappes Jahr zuvor nach seinem erzwungenen Weggang aus Deutschland berufen worden war.

Zu ersten vorbereitenden Absprachen kam es schon im August 1935. An Ernst Stae­helin1, damals Dekan der Theologischen Fakultät, schrieb Barth, dass man seine Antrittsvorlesung für Mitte Dezember miteinplanen könne und sprach auch schon über deren Inhalt: «Ich möchte mir den Titel noch offen lassen, gedenke aber etwas über Werenfels als Vertreter der damaligen theologischen Neuerung vorzutragen.»2

Die Absicht, sich in dieser Vorlesung mit dem bedeutenden Basler Theologen Samuel Werenfels zu befassen, ist außer auf Ort und Anlass sicherlich auf Barths eigene Arbeit zurückzuführen: Erst kurz zuvor hatte er sich bei der Ausarbeitung von § 17 der Kirchlichen Dogmatik auch mit der Theologie der vernünftigen Orthodoxie beschäftigt,3 und schon in seiner in Münster und Bonn gehaltenen Vorlesung Die Protestantische Theologie im 19. Jahrhundert hatte er Werenfels einige Seiten gewidmet.4 Gegenüber seiner Mutter nannte Barth im Oktober |401 1935 schließlich noch einen weiteren Grund für die – jetzt offensichtlich feststehende – Wahl von Thema und Titel der Vorlesung: «Irgendeinmal kommt dann auch meine öffentliche Antrittsvorlesung über ‹Samuel Werenfels und die Theologie in seiner Zeit›. Klingt das nicht heimelig?! Die Basler sollen nämlich nicht meinen, das ich nicht auch so tun könne!!»5

An der schließlich auf das Sommersemester 1936 verschobenen Vorlesung arbeitete Barth seit März und beendete sie – für seine Verhältnisse erstaunlich früh – am 18. April, also fast drei Wochen vor dem Termin, an dem er sie zu halten hatte.6 So konnte Ernst Wolf auch schon am 2. Mai, nachdem er «mit Genuß den Werenfels durchgelesen» hatte, darum bitten, «die Korrektur schleunigst erledigen und an mich senden zu wollen, damit die Vorlesung noch in das Mai-Heft hineinkommt».7

Für gewisse Aufregung sorgte am 28. April noch der Umstand, dass es auf den von der Fakultät in Auftrag gegebenen Einladungskarten eine peinliche Verwechslung gegeben hatte: Aus Samuel Werenfels war dort «Samuel Bärenfels» geworden.8

402 Der im Vortrag häufig implizit angesprochene und in Barths Anmerkungen auch explizit genannte Paul Wernle9 verfasste aus Anlass der Ausführungen Barths eine kurze biblische Rechtfertigung des Anliegens der Theologie der vernünftigen Orthodoxie, die in dem Satz gipfelte: «Wer mit Karl Barth die vernünftige Orthodoxie schilt, der tut es in einem Zug auch mit einem Stück Bibel.»10

Eberhard Vischer11 übersandte Barth wenige Tage später zum 50. Geburtstag ein Porträt von Werenfels und schrieb dazu: «Ich hoffe, der alte Werenfels komme trotz dem Unheil, das er leider trotz bester Absicht angerichtet hat, nicht als Störer der Geburtsfreude [sic]. Er macht ja ein freundliches Gesicht, obwohl er gewiss zu der an ihm geübten Kritik allerhand Erwägenswertes zu bemerken hätte.»12

403 Vom Vortrag ist ein 13-seitiges Manuskript erhalten (KBA 10096). Dieses enthält auf dem breiten Seitenrand wie üblich handschriftliche Ergänzungen, die in den Druck übernommen wurden. Die einzige gedruckte Fassung: K. Barth, Samuel Werenfels (1657–1740) und die Theologie seiner Zeit. Antrittsvorlesung, gehalten am Mittwoch, den 6. Mai 1936, in der Aula der Universität Basel, in: EvTh (1936), S. 180–203 📖, ist Vorlage der Edition. Barths ungewöhnlich zahlreiche Fußnoten sind als Anm. *1ff. wiedergegeben. Die inhaltlichen Unterschiede zum Manuskript sind im textkritischen Apparat kenntlich gemacht.13

Samuel Werenfels (1657–1740) und die
Theologie seiner Zeit

Antrittsvorlesung, gehalten am Mittwoch, den 6. Mai 1936,
in der Aula der Universität Basela

Am 9. Juni 1709 wurde hier in Basel eine Doktorpromotion von mehr als gewöhnlicher Bedeutung gefeiert. Promovend war der damals 29jährige b-Hieronymus Burckhardt-b: er war der lebenslustigec Sohn des regierenden Bürgermeisters Johannes Balthasar Burckhardt und war – ein gewiss überzeugendes Dokument der herrschenden Eintracht zwischen Staat und Kirche – zwei Monate zuvor zum Antistes der Basler Kirche14 und außerdem zum Professor Locorum communium et controversiarum Theologicarum15 ernannt worden.16 Pro|404motor aber war der Mann, mit dem ich Sie in dieser Vorlesung beschäftigen 181 möchte: Dr. Samuel Werenfels, damals Inhaber des Lehrstuhls für das Alte Testament und Dekan der theologischen Fakultät*1. Die überlieferte Zeremonie, die, nachdem die Doktorrede |405 gehalten, der Doktoreid geschworen und der concentus musicus23 verklungen war, den Höhepunkt dieser Feier bildete, hat Werenfels |406 mit kommentierenden Ansprachen zu jedem einzelnen Akt begleitet, die für seine eigene Theologie inhaltlich sehr aufschlussreich sind*2. Er empfängt den Promovenden auf der i-cathedra excelsa-i26 und macht ihn darauf aufmerksam, dass es seine Pflicht sei, von diesem über alle Niederungen des Lebens erhöhten Ort aus als Lehrer für das Reich Christi zu streiten, d. h. dafür zu wirken, dass unsere allerheiligste |407 Religion wieder zu ihrer ursprünglichen apostolischen Einfalt zurückgeführt, von menschlichen Traditionen, von leeren und abergläubischen Gebräuchen, von unnützen Spekulationen, Quästionenj und Logomachien gereinigt, dass das zerfallene Christentum aufs Neue unter den Christen aufgerichtet werde. Er legt ihm die geöffnete Bibel vor und erinnert ihn daran, dass dieses Buch ohne 182 Vorurteile, ohne Rücksicht auf Dogma, Vätertradition und eigene Phantasie, ohne die Absicht, seine eigenen Meinungen in ihm wiederzufinden, von ihm gelesen sein wolle. Er legt ihm dieselbe Bibel nunmehr geschlossenk vor, und nun soll sie ihm sagen, dass höchste Behutsamkeit in der Auslegung dieses Buches darum ratsam ist, weil es gar Vieles enthält, was uns, da uns seine historischen Hintergründe nicht mehr durchsichtig sind, in diesem Leben immer dunkel bleiben wird. Er setzt ihm den Hut auf zum Zeichen der uns durch die seligen Reformatoren wiedergeschenkten und gegen alle Gewissenstyrannei zu behauptenden Freiheit gegenüber den menschlichen Formeln, zum Zeichen der Freiheit, sich prudenti quidem cum moderatione, intrepide tamen,27 nötigenfalls auch im Widerspruch gegen die anerkanntesten Lehrautoritäten einer zeitgemäßen Methode und Sprache zu bedienen, zum Zeichen der Freiheit, auch schweigen zu dürfen, wo das Reden gefährlich statt erbaulich wäre. Er schmückt seine Hand mit einem Ring, dessen Gold die Reinheit der Lehre, dessen Edelstein aber die viel köstlichere Heiligkeit des Lebens des Theologen bedeutet; denn nullum pondus habent argumenta nostra, si vita doctrinae non respondet.28 Er bekleidet ihn mit einem Gürtel, damit er gerüstet sei gegen die theologischen Wortfechter, gegen die, die ihn als aufrichtigen Wahrheitsforscher vielleicht verketzern möchten, auch gegen die Verdrießlichkeit einer, wer weiß, faulen oder übermütigen Schülerschaft. Er 183 reicht ihm schließlich seine Rechte als Symbol der unter den Theologen so oft zu vermissenden gegenseitigen Toleranz und Eintracht, die doch der Kirche so nützlich und dem Jahrhundert |408 so notwendig wäre und mit der wir uns das Leben so leicht und angenehm machen könnten.

Es ist nicht nur das persönliche theologische Programm des Samuel Werenfels, sondern es ist das Programm der ganzen damals, um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, modernen l-und auch in Basel herrschenden-l Theologie, das uns in dieser solennen Explicatio in ziemlicher Vollständigkeit angedeutet wird.29 Mit etwas mehr apologetischem Interesse hätte das Alles auch Jean Alphonse Turrettini30, Werenfelsens Freund in Genf, mit etwas stärkerem moralisch-pädagogischem Einschlag hätte es auch sein anderer Freund, der Neuenburger Jean Frédéric Ostervald31 sagen können, mit noch kräftigerer Polemik auch der Zürcher Johann Jakob Zimmermann32, in deutlicherem Zusammenhang mit dem Pietismus auch der Jenenser Johann Franz Buddeusm,33 methodisch und sprachlich noch etwas befangener im Stil des 17. Jahrhunderts auch der Leidener Salomon van Tiln,34 mit größerer kirchengeschichtlicher Aufmerksamkeit auch Johann Georg Walch35 in Jena und bereits auf höhere Synthesen zwi|409schen Vernunft und Offenbarungo hinzielend auch Johann Lorenz von Mosheim36 in Helmstedt und Göttingen, etwas weltförmiger auch der Tübinger Christoph Matthäus Pfaff37. Mochten auch Männer von Gewicht und Namen wie Melchior Leydecker38 in Utrecht oder wie der charaktervolle Lutheraner Valentin Ernst Löscher39 in Wittenberg Einspruch erheben: der Zug der Zeit, die Jugend und der Erfolg waren doch auf Seiten jener anderen Gruppe. Der Arminianismus in Holland,40 der Latitudinarismus in England,41 die Schule von Helmstedt |410 in Deutschland,42 die Schule von Saumur in Frankreich,43 p-der Sieg des Cartesianismus44 in der Philosophie,-p dazu der überall ansetzende Pietismus45 hatten ihr schon im 17. Jahrhundert vorgearbeitet. Man kann aber auch sagen, dass in ihr die so lange schlafende theologische Aussaat des Erasmus46 endlich aufgegangen, überhaupt: das Anliegen der humanistischen und spiritualistischen Oppositionsrichtungen des 16. Jahrhunderts endlich in Kirche und Universität zu Ehren gekommen sei. «Vernünftige 184 Orthodoxie» oder auch «Übergangstheologie» sind die Namen, unter denen sie in die Geschichte übergegangen ist.*3

411 Sie hatte sich bis jetzt – und das ist zu bedauern – seitens der historischen Forschung neben den ausgebildeteren Formen des eigentlichen Pietismus und der eigentlichen Aufklärung, neben den drei zunächst auf sie folgenden theologischen Schulen: der an Christian Wolff anknüpfenden,48 der neologischen49 und der im engeren Sinn sogenannten «rationalistischen», keiner allzu großen Aufmerksamkeit zu erfreuen*4 Man übersieht leicht, dass diese sogenannte «ver|412nünftige Orthodoxie» keineswegs eine etwas abgeschwächte Verlängerung der Orthodoxie des 17. Jahrhunderts gewesen ist*5. Sie wusste |413 sich vielmehr, wie man gerade bei Werenfels fast auf jeder Seite lesen kann, von jener alten Orthodoxie aufs Tiefste geschieden. Sie rechnete damit, dass ihre Situation und Aufgabe die einer neuen Reformation der ganzen Kirche sei*6. Und man wird ihru nachträglich in beiden Punkten recht geben müssen: ein Altes in der Theologiegeschichte istv hier zu Ende, ein Neues istw hier auf den Plan getreten, und alles weitere Neue, das seither und bis tief in den Anfang unseres eigenen Jahrhunderts hinein hinzugekommen ist, ist schließlich – die volle Aktualität, die die bezeichnenden Parolen jener Richtung in weitesten Kreisen noch heute haben, ist des Zeuge – nur die Verlängerung und Wiederholung dessen gewesen, was damals als Neues auf den Plan getreten ist. Übersieht man das geschichtliche Recht jenes Anspruchs dieser Richtung, dann versteht man doch auch nicht die Gewalt jener ausgebildeteren und 185 insofern interessanterenx Formen, weder diey des Pietismus, noch die der Aufklärung, weder den tiefen Gegensatz noch auch die noch tiefere Zusammengehörigkeit dieser beiden. Was kennzeichnet beide besser als dies, dass sie – nicht ohne Parallelen in einer Reihe von Erscheinungen außerhalb des spezifischen theologischen Kreises*7 – in den Persönlichkeiten und im Werk dieser |414 «vernünftigen Orthodoxie» ursprünglich eins gewesen sind? Gerade unser Werenfels ist ja nicht nur von Zinzendorf57 gerühmt worden als einer von den «Alten, die überm Lamm noch steif gehalten»*8, sondern er fand als Mann von Geist den Beifall auch des Philosophen |415 Fontenelle59 und wusste ihm artig genug zu antworten*9, ja, er scheint sich auch mit keinem Geringeren als Voltaire61 bei Anlass einer gemeinsamen Badekur immerhin so angefreundet zu haben, dass dieser ihm seine Henriade62 verehrte und dafür von ihm ebenfalls in zweien jener Epigramme, 186 in denen er sich so gerne erging, als Maro |416 redivivus verherrlicht wurde*10. Und es war ja doch derselbe Werenfels, der jetzt – entgegen allem, was man später speziell unter Basler Pietismus zu verstehen pflegte – ein recht gutes Wort für das Theaterspielen einzulegen wusste*11, um jetzt – und keine plötzliche Bekehrung liegt zwischen diesen beiden Ereignissen – den jähen, auf gütliches Zureden dann freilich doch nicht ausgeführten Entschluss |417 zu fassen, sich von dem weltlichen Geschäft sogar seiner neutestamentlichen Professur zurückzuziehen, um nur noch für die Heiligung seiner Seele zu leben*12. Ist es nicht bezeichnend für ihn, dass er gerade |418 mit seiner Lieblingslehre von Prädestination, Gnade und Bekehrung schließlich auch das Interesse des zwischen Pietismus und Aufklärung so robustah in der Mitte stehenden Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen70 zu er187wecken verstanden hat?*13 Sollte diese Zeit zu verstehen sein, wenn man den gewiss an sich nicht überragend bedeutenden, aber darum wirklich nicht weniger merkwürdigenai Werenfels, der offenbar Zinzendorf und Voltaire und Friedrich Wilhelm I. etwas zu sein vermochte, nicht versteht? Und wenn nun auf jener damals gewonnenen Basis eben der Pietismus und die Aufklärung die in den mannigfachsten Variationen und Kombinationen immer wieder sichtbar werdenden Gegenpole der weiteren theologiegeschichtlichen Entwicklung gewesenaj sind? Und wenn nun der Pietismus und die Aufklärung, oder sachlich gesprochen: die Lehre von einer direktak eingegossenen und erfahrbaren supranaturalen Gnadenwirklichkeit und die Lehre von einer natürlichen, d. h. dem menschlichen Selbstbewusstsein als solchem immanenten Gotteserkenntnis und Moral gerade heute wieder die Punkte geworden wären, an denen sich die Geister scheiden? Sollte uns dann die Zeit des Leibniz, in der wir die |419 Motive und Quietive dieser beiden Tendenzen gerade in der vernünftigen al-Orthodoxie, wie Werenfels sie vertrat,-al noch bis zur Ununterscheidbarkeit vereinigt sehen, nicht doch mindestens ebenso wichtig sein als die in ihrer theologischenam Bedeutung so oft dargestellten Zeiten Lessings, Kants und Goethes?*14 – Diese Vorlesung möchte als |420 eine Frage des 188 Theologen an die für theologische Probleme aufgeschlossenen Historiker verstanden sein: Sollten sie uns eigentlich nicht längst at-viel bestimmter-at auf die für die ganze Folgezeit bis in die Gegenwart hinein so entscheidenden Weichenstellungen gerade dieser Zeit aufmerksam gemacht haben?au

Ich versuche es av-nun sozusagen stellvertretend-av, immer im besonderen Blick auf Samuel Werenfels, das Wesen und Wollen jeneraw damals zur Herrschaft kommenden theologischen Richtung in einigen Strichen deutlich zu machen.

Man wird dazu vor allem den Generalnenner des positivenax Anliegens beachten müssen, von dem diese Männer bewegt waren. Es ist in theologischer Gestalt das Anliegen ihres ganzen Zeitalters und esay lautet: souveräne Formung des menschlichen Lebens durch den Willen und die Tat des dazu befähigten Menschen selber. Aber auch dies, dass diese Formung im Besonderen eine moralische Veränderung zum Besseren bedeuten müsse, haben unsere Theologen gemein mit allen führenden Geistern ihrer Zeit. In dieser Zeit geschieht es ja, dass – zunächst heimlich, aber nur umso intensiver – das nach seiner ersten Blüte im Mittelalter jahrhundertelang unterdrückte und benachteiligte Bürgertum sich neu konsolidiert und mit seinen besonderen Be|421dürfnissen und der ihnen entsprechenden Ideologie die Führung der europäischen Dinge zu übernehmen sich anschickt. Dieser Zeit sitzt in allen Gliedern das Grauen vor der Wildheit, der Liederlichkeit, dem Fanatismus, den uneinsichtigen Bindungenaz, den unheilvollen Härten, Zerspaltungen und Streitigkeiten des saeculum superius, des dunklen Jahrhunderts des dreißigjährigen Krieges und – durch dieses nächstliegende Prisma gesehen – auch des 16. Jahrhunderts, auch des Mittelalters. Diese Zeit hat aber doch auch schon Erfahrungen hinter sich von der menschlichen Leistungsfähigkeit auf den verschiedensten Feldern: Erfahrungen, die ihr hinsichtlich weiterer noch ungeahnter Tiefen 189 des menschlichen Vermögens Mut und Hoffnung gemacht haben. Und eben in dieser Zeit ist nun die unscheinbare Tatsache endlich zur Auswirkung gekommen: dass die europäischen Gelehrten und Gebildeten ihr Latein nach Melanchthons Anweisung seit 150 Jahren immer wieder an Plutarch und Cicero zu lernen und zu üben hatten.75 Wie eine Offenbarung – einleuchtend schon in seiner handlichen Einfachheit – entdeckte und erlebte sie als Ausdruck dessen, was sie selbst suchte und meinte, das Dogma der spätantiken Stoa von dem im Grunde guten Menschen, der, im Bunde mit der diese Güte in Vollkommenheit darstellenden Gottheit, nur zu wollen und zu tun braucht, was er von Natur wohl weiß, um dieser Gottheit genugzutun und um auch ein entsprechend glücklicher Mensch zu werden.76 So wurde das 18. Jahrhundert neben einigem Anderen je|422denfalls auch und nicht in letzter Linie: das moralische Jahrhundert. Und diesem seinem Anliegen haben nunba zuerst die «vernünftigen Orthodoxen» auch die christliche Theologie dienstbar gemacht. Sie taten es, indem sie die Moral, in concreto die stoische Moral, zum hermeneutischen und kritischen Prinzip des Verständnisses des überlieferten Christentums erhoben. Seine Substanz sollte unter allen Umständen mit jener humanistischen Substanz identisch sein. Das ist es, worin sie sich von ihren im älteren Sinn «orthodoxen» Vätern entscheidend abheben*15. Humanistische, d. h. formell an 190 der in der |423 Renaissance wiederentdeckten Antike gebildete Theologenbe waren, wie längst vor ihnen die Reformatoren, auch diese altorthodoxen Väter gewesen. Die «vernünftigenbf orthodoxen» Söhne aber wurden prinzipiell und materiell: theologische Humanistenbg*16. Das bedeutet |424 nicht – noch nicht! –, dass sie eine von der der Väter merklichbn verschiedene theologische Lehre oder auch nur erhebliche lehrhafte Bedenken und Zweifel ins Feld geführt hätten. Nicht etwa mit irgendeiner exzessiven Kritik intellektueller Art, sondern zunächst einfach mit einer Sturzwelle von moralischem Pathos hat der moderne Protestantismus in der Theologie seinen Anfang genommen*17.

425 191 Für die theologische Lehre als solche bedeutete dies zunächst nur Folgendes: Sie verliert auf einmal ihren alten, ihre Objektivität, ihren |426 Zusammenhang mit der Offenbarung anzeigenden Namen und Charakter als doctrina und muss nun in auffallender Betonung theoria |427 heißen – theoria in einer so bisher nicht üblichen Gegenüberstellung zur praxis pietatis – theoria, deren Würde und Wichtigkeit zwar theoretisch noch laut gepriesen, die aber tatsächlich nur noch als Auftakt und 192 Einführung zu jener Praxisbu behandelt wird*18. Selbständige Aufmerksamkeit und sachliches Interesse kommt ihr nicht mehr zu. Eine Weiterarbeit an ihren Problemen kommt mit Ausnahme eines einzigen noch zu nennenden Punktes nicht mehr in Frage. Redet man von ihr, so geschieht es – mit Ausnahme jenes einen einzigen Punktes – nur, um vor ihrer Überschätzung und vor ihren Gefahren zu warnen, vor der schrecklichen Möglichkeit, dass Jemand sich einseitig oder gar ausschließlich mit ihr beschäftigen könnte*19. Dass hinter |428 einer nicht direkt auf die Ethik und das Ethos abzielenden theologischen Diskussion noch etwas Anderes als Selbstliebe, Eitelkeit*20 und Streitlust*21 stecken und dass sie noch zu etwas Anderem führen könnte als zu törichten Logomachien*22, das würde gerade Werenfels |429 theoretisch gewiss nicht bestritten haben; es findet sich aber tatsächlich in seinen Schriften kaum eine Seite, wo wir ihn statt durch 193 die Bedenklichkeit der theologischen Diskussion cd-als solcher-cd nun auch einmal ernstlich durch eine ce-materiell theologische-ce Frage in Anspruch genommen und also selber in eine sachliche Diskussion verwickelt finden würdencf. Man steht nicht mehr drin, sondern daneben, ehrlich entsetzt über die Kämpfe, die sich noch in den siebziger Jahren des saeculum superius um die helvetische Konsensformel abgespielt,96 und entschlossen, sich auf dergleichen unter keinen Umständen mehr einzulassen. Dass die Theologen doch ja auf das praktische Leben bedacht sein, dass sie bescheiden und gerecht miteinander umgehen*23, dass sie eine jedermann verständliche Sprache sprechen lernen |430 möchten*24, das, das wird jetzt die große Sorge! Die eigene sachliche Stellungnahmecg besteht in einem milden (manchmal auch ziemlich aufgeregten) Kopfschütteln über alle die, die immer noch meinen, allzu entschieden sachlich Stellung nehmen zu müssen*25. Weren|431felsens 194 privat ausgesprochene Meinung gingck dahin, «alle ersinnlichen Religionsmeinungen seien schon aufs Tapet gebracht worden»*26; mit anderen Worten: die Dogmen- und Theologiegeschichte als solche sei erschöpft und zu Ende, weshalb er denn auch, ebenfalls privatim, gelegentlich den Wunsch aussprechen konnte, es möchtencl einmal für ein Jahr alle theologischen Vorlesungen und auch Predigten gänzlich eingestellt werden*27. Wir sehen: die Wahrheitsfrage ist im Begriff, sich schlafen zu legen. An ihre Stelle tritt nun, maßgebend für mindestens zwei Jahrhunderte, die getroste Versicherung, dass es nicht auf die Lehre, sondern auf das Leben ankomme. «Charakterlosigkeit, die in einer ehrenwerten Gesinnung ihren Grund hatte» – mit diesen Worten hat K. R. Hagenbach*28 diese Theologie gekennzeichnet. Treffender und zugleich gerechter könnte gerade ihre (und nicht nur ihre!) Theorie über das Verhältnis von Theorie und Praxis kaum gewürdigt werden.

432 Es könnte nun freilich scheinen, als hätten sich diese Theologen in anderer Hinsicht doch geradecm um das Aufrollen der Wahrheitsfrage in entscheidender Weise verdient gemacht. Jener moralische Affekt, der zunächst cn-zu der Abwertung der theologischen Lehre-cn als solcher führte, zeitigte gerade bei unserem Werenfels den ebenso kräftigen Affekt gegen die autoritative Geltung – Werenfels co-sagte nicht-co: der Kirche und des Dogmas, cp-sondern er sagte-cp: der Lehrmeinungen der Väter und der theologischen Schule. Dass auch die Anerkennung dieser Autorität mitcq Selbstliebe, Eitelkeit, Streitlust und Trägheit in engstem Zusammenhang stehe, war ihm, offenbar ebenfalls im Rückblick auf die Vorgänge, die er als Sohn seines Vaters wohl aus nächster Nähe miterlebt hatte, ganz gewiss, und darum ruft er – zunächst ohne selber erheblichen Gebrauch davon zu machen – zu einem der kirchlichen Tradition gegenüber unbefangenen theologischencr Denken auf*29. Im Zug derselben Gesinnung oder 195 ­Stimmung wurde Werenfels wie mehr oder weniger alle seine theologischen Gesinnungsgenossen ein entschiedener Anwalt der konfessionellen Toleranz, jedenfalls zwischen Lutheranern und Reformierten, ja noch mehr: des bekanntlich auch von Leibniz vertretenen Gedankens der Union zwischen den beiden protestantischen Kir|433chen*30, und innerhalb der reformierten Kirche ein vorsichtiger und doch ct-warmherziger Verkündiger-ct der allgemeinen Gewissensfreiheit und einer relativen Lehrfreiheit der Geistlichen, deren natürliche Grenze ihm durch die christliche veritas in genere, durch das apostolische Glaubensbekenntnis und vor allem durch das neu geordnete Verhältnis von Theorie und Praxis gesichert erschien*31. Und immer |434 in derselben Linie hat Werenfels endlich – innerhalb seiner Gruppe gerade er mit besonderer Betonung! – eine neue biblische Hermeneutik gefordert. cx-Mit einer neuen Weise, die Heilige Schrift zu lesen, hatte einst auch die Reformation ihren Anfang genommen. Wieder stehen wir an einer kirchengeschichtlichen 196 Wende. Wird die Schriftauslegung der Reformatoren nun etwa überboten werden durch eine noch erhöhte Sachlichkeit? In der Tat: das Programm je|435denfalls, das jetzt laut wird, scheint es zu versprechen. Das Distichon, in welchem Werenfels-cx das charakterisierte, was er als das Übel der älteren Exegese ansah, ist seither oft (cy-und oft-cy mit beinahe jubelnder Genugtuung) zitiert worden:

Hic liber est, in quo sua quaerit dogmata quisque
Invenit et pariter dogmata quisque sua*32.
Also: man soll sich hüten vor der Absicht, in der Heiligen Schrift seine privaten Meinungen, seine eigene Systematik oder die seiner Väter, seiner Schule, seiner kirchlichen Richtung wiederfinden zu wollen. Man soll sich überhaupt vor Überinterpretationen in Acht nehmen, größter Zurückhaltung sich befleißigen. Nicht jede Bibelstelle sagt alles und jedes, cz-was an sich wahr, fromm und nützlich ist-cz,116 sondern es sagt eine jede nur das, was sie im Blick auf die Person des betreffenden Autors, im Blick auf seine Leser, im Blick auf die Zeit und den Ort beider da-in ihrem Zusammenhang-da sagen kann. Eben diesen – wir würden sagen: ihren historischen Sinn gilt es zu ermitteln. |436 db-Welche Tore zu welcher-db Gerechtigkeit hier aufgetan werden [vgl. Ps. 118,19], braucht nicht ausgesprochen zu werden*33. Zur Freiheit und insofern zur Wahrheit scheint hier die Theologie in der Tat aufgerufen zu werden. Sollten mit diesen exegetischen Grundsätzen und mit jenen anderen über Traditionsfreiheit und Toleranz, über Gewissens- und Lehrfreiheit, nicht unaufgebbare Erkenntnisse ausgesprochen sein, die sich die Folgezeit in noch vertiefter und verschärfter |437 Form mit Recht zu eigen gemacht hat? Nun, es weist doch Einiges darauf hin, dass die eigentliche Leistung dieser vernünftigen Orthodoxie, die so unmittelbar einleuchtende Parolen auszugeben wusste, jedenfalls auch darin bestand, Probleme zu 197 begraben, die damit, dass man sie jetzt bewusst nicht mehr sehen wollte, nicht erledigt waren und die dd-wohl oder übel-dd eines Tages aufleben mussten. Ein Anzeichen davon ist schon jenes grundsätzliche Desinteresse­mentde an der theologischen Lehredf. Was heißt Traditionsfreiheit und Toleranz, was heißt Gewissens- und Lehrfreiheit, was heißt eigentlichdg historische Bibelforschung auf diesem Hintergrunde? Was heißt Freiheit, wenn sie Freiheit zur Wahrheit vielleicht darum nicht dh-sein kann-dh, weil es überhaupt keine Wahrheit gibt? Dass hier Probleme begraben wurden, das lässt sich nun aber gerade an dem zuletzt berührten Punkt: an Werenfelsens scheinbar so kerngesunder Hermeneutik, sehr deutlich aufzeigen. Ich bringe die Fragen, die hier übrig bleiben, auf zwei Nenner.

Zum Ersten: Die historische Unbefangenheit des vernünftigen Orthodoxen gegenüber der Heiligen Schrift hat eine prinzipielle und von ihm selbst anerkannte Lücke. Es soll nämlich eine biblische Stelle unter keinen Umständen etwas aussagen dürfen, was absurd, was contrarium rationi wäre*34. Es soll ja die Heilige Schrift mit derselben Vernunft gelesen, verstanden und erklärt werden, deren wir uns auch bei der Lektüre anderer Bücher bedienen, weil wir einedi andere |438 dj-gar nicht-dj haben*35. Es soll ja das Zeugnis des Heiligen Geistes in der Heiligen Schrift unmittelbar identisch sein mit der moralischen Gewissheit, mit der wir, von diesemdk Kanon geleitet, die wahrscheinlichste Intention des biblischen Schriftstellers als den historischen Sinn dieser und dieser Stelle ermitteln*36. Es ruht ja, so belehrt uns Werenfels, wenn er als Apologet redet, die Vortrefflichkeit der Bibel auf der Übereinstimmung der von ihr verkündetendm Religion mit der notio naturae, d. h.dn darauf, dass sie unter allen Religionen die vernünftigste ist*37. Und wenn er als Basler redet, dann weiß er zu schnö|439den122: Wer die Vernunft als seine Feindin erklärt, den hat die Vernunft gewiss zuvor als ihren Feind behandelt!*38 Er hat das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung an fol- 198gendem Gleichnis klarzumachen versucht: Ein König (Gott) hat eine seiner Provinzen (die Menschheit) einem Statthalter (der Vernunft) übergeben. Unter dem Regiment dieses Statthalters sind die Dinge in dieser Provinz (durch do-die Sünde-do) leider arg in Unordnung gekommen. Da schickt der König einen außerordentlichen Gesandten mit besonderen Vollmachten (die Offenbarung) in diese Provinz. Dieser wird sich aber zur Übernahme der ihm neu aufgetragenen Führung dem bisherigen königlichen Vertreter gegenüber durch Vorweis von Brief und Siegel zu legitimieren und er wird in ständigem Einvernehmen mit diesem die gewünschte Ordnung herzustellen haben*39. – Wir fragen: Sieht die geforderte historische ἐποχή125 nun etwa so aus? Wird den biblischen Texten, wird also der Wahrheit, wie der Theologe sie zu erfragen hat, mit der Einführung dieses Kanons nun etwa keine Gewalt angetan? Ist das nun etwa die Freiheit, zu der man sich durchgerungen hat? Hat man sie und die Toleranz und die Union etwa dazu proklamiert, um die Schriftforschung und die Theologie überhaupt umso bestimmter in diese dp-neuen Grenzen-dp zu weisen und in diese neue Abhängigkeit zu versetzen? Wird etwa das, was man immer noch als Offenbarung |440 gelten lassen möchte, in dieser prinzipiellen Verhängtheit mit der menschlichen Vernunft überhaupt noch das sein, was die Bibel Offenbarung nennt? Sollte ihr echtes und höchst positives Verhältnis zu dieser menschlichen Vernunft – wohlverstanden: gerade nach dem historischen Befund der biblischen Schriften – nicht doch gerade das des Widerspruchs sein und sollte sie, nachdem dies in Abrede gestellt ist, nicht faktisch geleugnet sein, noch bevor auch nur ein einziger materieller Zweifel gegenüber ihrer biblischen Darstellung laut geworden ist? Können aber diese materiellen Zweifel lange auf sich warten lassen, nachdem man an diesem höchst substantiellen Moment der biblischen Darstellung so gründlich vorbeigesehen hat? Wird jenes freundliche Verhältnis zwischen dem Statthalter und dem Gesandten nicht sicher damit endigen, dass der erste dem zweiten das Haus und die Provinz verbietet? Wenn Werenfels und seine theologischen Zeitgenossen an jenem Moment tatsächlich vorbeigesehen haben, dann darf man sich nicht wundern, wenndq alle Historikertreue, mit 199 der sie dr-und ihre Nachfolger-dr auf dem so geschaffenends Fundament weiterzubauen gedachten, entweder eine völlige Katastrophe der Theologie als solcher nicht zu verhindern, oder aber die Notwendigkeit einer früheren oder späteren Umkehr von dem von ihnen eingeschlagenen Weg nicht zu unterdrücken vermochte.

Zum Anderen: Die biblische Exegese der vernünftigen Orthodoxie war in einem ganz bestimmten Punkt historisch sicher nicht unbefangen. Er ist identisch mit jenem einen einzigen Punkt der christlichen Lehre, an welchem Werenfels nun doch auch sachliches Interesse genommen, in welchem er sich sogar um die Weiterbildung der Überlieferung in seiner Weise bemüht hat. Es wird dem aufmerksamen Leser seinerdt Äußerungen zur Hermeneutik kaum entgehen können, dass er, wenn er jenes unhistorische dogmata quaerere derdu älteren Exegese bekämpft, mit Vorliebe auf ein Beispiel dieser Unart zu reden kommt: man behauptet, in der Bibel eine Rechtfertigung des Menschen vor Gott allein durch den Glauben und nicht durch die Werke |441 gelehrt zu finden*40. Das ist sozusagen die Sünde, deren man sich nach ihm als Exeget nicht schuldig machen sollte. Man kann nun aber wohl sagen: alledv systematischen und exegetischen Überlegungen Werenfelsens selbstdw haben eben diesen einen Skopus, kreisen direkt oder indirekt um diese eine Behauptung: dass man von der Gnade Gottes anders als so, nämlich wie er meinte: nicht so amoralisch, so quietistisch, so lebensfremd zu redendx habe. Und damit man das dürfedy, damit keine calvinische Überlieferung sich einer neuen besonderendz Gnadenlehre in den Weg stelle, dazu offenbar muss die Lehre als bloße theoria diskreditiert, muss die Autorität der Väterea relativiert, muss die Toleranz und die Annäherung an das Luthertum, muss die Gewissens- und Lehrfreiheit verkündigt werden. Darum wohl auch der Schrecken vor der helvetischen Konsensformel mit ihrer Abweisung des Pelagianismus derer von Saumur, ein Schrecken, der Werenfels ebenso wie seine Freunde in Genf und Neuenburg ihr Leben hindurch wie ein richtiger Vaterkomplex begleitet hat. Das Alles musste sein, weil die reformatorische Rechtfertigungslehre mit ihrem besonderen calvinischen Hintergrund in der Prädestinationslehre um jeden 200 Preis nicht mehr sein sollte. Diese Lehre sollte aber darum nicht mehr sein, weil sie nicht die Form war, in der sich der nicht wohl ganz zu vermeidende Gedanke der Gnade mit dem stoischen Grunddogma vom autonomen Menschen vereinigen ließ. Werenfels hat sie durch folgende Interpretation unschädlich zu machen versucht: Gottes Gnade ist zwar frei und unbedingt und kann weder durch Glauben |442 noch durch Werke verdient werden. Es gibt aber ein Begehren nach ihr, das nicht nur ein Begehren nach Vergebung, sondern eb-entscheidend und vor allem ein Begehren-eb nach einem neuen besseren Leben sein wird. Dieses Begehren ist das menschliche Mittel zur Erlangung der Gnade, an dessen Vorhandensein Gott sich in der Regel (ordinarie) halten wird, und an das wir unsererseits – undec unvermögend zu wissen, warum er sich nicht immer daran hält – uns halten und also praktisch um unsere Bekehrung und Heiligung uns mühen sollen, als läge sie ganz in unserer Hand*41. Die Prädestinationslehre aber hat Werenfels in einer zu seinen Lebzeiten anonym von Hand zu Hand weitergegebenen und so schließlich bis zu Friedrich Wilhelm I. von Preußen vorgedrungenen Schrift durch die Frage ad absurdum ed-führen wollen: ob denn etwa die Nicht-Wiedergeborenen untätig auf ihre Berufung oder Verstockung zu warten und also ihre Erwählung oder Verwerfung passiv über sich ergehen zu lassen hätten-ed? Er hat sie als ein dogma non necessarium erklärt und den Wunsch ausgesprochen, sie möchte, da es ja heutzutage keine Pelagianer mehr gebe, wohl aber unzählige allzu sichere Weltkinder, in der Predigt besser gar nicht mehr berührt werden. Undialektische Bekehrungspredigt sei das, was der Kirche nottueee*42. Undeg Werenfels hat in seinen eigenen Predig|443ten strikte danach gehandelt: sie sind von Anfang bis zu Ende frei von jeder Erinnerung sowohl an die Freiheit der göttlichen Gnade als auch an das Gericht des Gesetzes*43 als auch an die Vergebung der Sünden als auch an die Gewissheit des Glaubens und des Heils. Nicht weniger als alles, was einst 201 den Reformatoren ej-in diesem Zusammenhang-ej wichtig gewesen war, ist ihm ganz unwichtig geworden*44. Er hat ohne Polemik, aber sachlich vorbehaltlos einen moralischen und nur einen moralischen Christus verkündigt. Dass er für eine sinn- und zeitgemäße Erneuerung der Privatbeichte*45, für das im Pietismus seiner Zeit beliebte Institut der Retraite*46, für eine Art asketische Vor|444schule zum akademisch-theologischen Studium*47 eintrat, muss in diesem Zusammenhang verstanden und gewürdigt werden. – Wir können auch hier nur fragen: Sollte Werenfels die Erneuerung des protestantischen Christentums in dieser Richtung wirklich aus der Bibelel gelernt haben? Die Tatsache, dass er gegen Ende seines Lebens die neutestamentlichen Vorlesungen, zu denen ihn sein Lehrauftrag verpflichtete, aufgab, um sich und seine Studenten jahraus-jahrein mit dem Büchlein De conscientia des Amesius,134 einer zweifellos der jesuitischen Literatur nachgebildeten Kasualethik, zu beschäftigen*48, scheint nicht eben dafür zu sprechen. Die weitere Tatsache, dass Werenfels gar nicht den Versuch gemacht hat, seine eigentümliche Rechtfertigungslehre und den ganzen Moralismus seines theologischen Denkens im Zusammenhang exegetisch zu begründen, spricht auch nicht eben dafür. Dass em-seine Lehre-em andererseits nur zu genau dem entsprach, was der humanistische Absolutismus jener Tage ohnehin |445 wollte, ist mit Händen zu greifen. Wieen, wenn nun die Lehre der Reformatoren schließlich doch auch am Maßstab seiner eigenen Auslegungsgrundsätze gemessen genuin biblischer gewesen wäre als dieeo, um die sich alle seine und seiner Freunde Gedanken dreh202ten?*49 War dem so, welcher in seinen Konsequenzen unübersehbare Widerspruch wurde dann (in Verbindung mit jenem anderen |446 hinsichtlich des Verhältnisses von Vernunft und Offenbarung) in das Fundament der neuen Theologie eingemauert! Konnte es ausbleiben, dass dieser eingemauerte Widerspruch, dass Luther und Calvin sich früher oder später doch wieder geltend machen mussten? Musste das nicht geschehen, wenn es-die protestantische Theologie-es ihr Existenzrecht neben der katholischen Theologie, die sich auf dergleichen Verbesserungen der biblischen Gnadenlehre nun wirklich et-zu allen Zeiten besser verstand-et, nicht verlieren sollte?

Wir können das Anliegen der im Zeitalter des Leibniz modernen neuprotestantischen Theologie jetzt auch noch nach seiner eu-negativen Seite zusammenfassen: Sie lebt vom Streit und für den Streit gegen die Souveränität der Offenbarung und gegen die Souveränität der Gnade-eu. Ihr Glaube an die moralische Verbesserung des Menschen und an dessen Fähigkeit dazu ließ es nicht anders zu, als dass sie diesen Streit führen 203 musste. Über den Gedanken einer freien |447 Offenbarung und einer freien Gnade ev-hat man sich, nachdem-ev man einmal Erasmus statt Luther und Calvin, nachdemew man statt des freien Gottes den freien Menschen gewählt ex-hatte, nur noch ärgern-ex können. Es war ein dornen- und sorgenvoller Weg, den die protestantische Theologie, nunmehr belastet mit diesem doppelten Ressentiment, damals angetreten hat, und dass sie ihn ging, ist auch der protestantischen Kirche, der sie ja nach wie vor dienen sollte und wollte, nach allen Seiten verhängnisvoll geworden. Wo man sich diesem Ressentiment hingibt, da verschwindet das Geheimnis, ey-der Glaube und der Gehorsam-ey aus Kirche und Theologie. Und es gibt kein moralisches Pathos, das diesen Schaden wieder gutmachen könnte. Die Geschichte des Anfangs dieses Weges darf uns wohl ez-zum Nachdenken­­-ez darüber aufrufen, ob wir ihn heute weiterhin, in ein drittes Jahrhundert hinein, zu gehen oder ob wir nicht angesichts der Tat­sache, dass die damals begrabenen Probleme gar nicht aufhören können, lebendig zu sein, in ganzfa anderer Richtung – nicht zurück, ­sondern vorwärts zu gehen haben.

Originalfußnoten

*1
S[amuel] Werenfels wurde geboren am 1. März 1657 als Sohn des späteren Antistes und Professors Peter Werenfels17, studierte Philosophie und Theologie in Basel, nachträglich auch in Zürich, Bern, Lausanne und Genf, erhielt an der Basler Universität, nachdem er kurze Zeit den Professor für Logik vertreten hatte, 1685 die Professur für griechische Sprache, nach einer Reise durch Deutschland und die Niederlande 1687 die Professur für Beredsamkeit, 1696 die für Kontroverstheologie. 1701 führte ihn eine weitere Studienreise nach Paris. Er übernahm 1703 die Professur für Altes und endlich, nachdem er einen ehrenvollen Ruf nach Franecker ausgeschlagen, 1711 die für Neues Testament. Berühmt geworden vor allem durch seine Schrift De logomachiis eruditorum d-(1702)-d,18 wurde ere Mitglied der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des evangelischen Glaubens und der Berliner Akademie der Wissenschaften.19 Er starb unverheiratet amf 1. Juni 1740.
Seine Werke am vollständigsten in der Sammlung: Opuscula theologica, philosophica et philologica, 3 Bde. g-(im Folgenden zit. mit I–III)-g Basel 1782. Außerdem: Sermons sur des vérités importantes de la religion, Basel 1715 📖.20
Briefe bei E. de Budé, Lettres inédites à J. A. Turrettini, Paris und Genf 1887 Bd. III, 408f. 📖; Opusc. II, 395f.; K. R. Hagenbach, J. J. Wettstein, Der Kritiker und seine Gegner, in: Zeitschr. f. hist. Theol. 1839, I. 139f 📖.21
Literatur über W[erenfels] bei E. Vischer, Art. S. W. in PRE.3 📖. Ferner: W. Gaß, Gesch. d. prot. Dogm. 3. Bd. 1862 S. 281f. 📖; E. Vischer, Die Lehr182stühle und der Unterricht an der Theol. Fak. Basels 1910 📖; P. Wernle, Der schweiz. Protestantismus im 18. Jahrh. Bd. 1 1923 (vgl. Index) 📖; E. Vischer, Werenfelsiana (in: Festschr. f. Gustav Binz, Basel 1935 📖; hier auch Nachweisungen über noch unveröffentl. Material).22↩
*2
Vgl. die Festschrift: Mitra Aaronis capiti imposita seu solennia actus inauguralis in quo … Dr. Hieronymus Burcardus … corona doctorali fuit redimitus a Samuele Werenfelsio. II 343f., bes. 369f. 📖; W[erenfels] erklärt im Vorwort dieser Schrift: Promotorem in explicandis consuetis symbolis intentioni instituentium non inhaesisse, sed aliquam hic sibi libertatem concessisse. Putat enim sine periculo statui: symbola haec (!) tantum significare, quantum significare possunt.24 Hinsichtlich der Auslegung im Allgemeinen und der Heiligen Schrift im Besonderen hat W[erenfels] diese überkommene hermeneutische Regel nämlich nur unter ernstestenh Restriktionen akzeptiert (vgl. De regula … Verba S. Scripturae tantum significare … II 328f.25), an die er sich hier, wo er sozusagen im Kostüm handelt, nicht halten will.↩
*3
K. R. Hagenbach (J. J. Wettstein S. 83) 📖 hat die Sache doch bereits ruhig als «theologischen Liberalismus» bezeichnet. So auch Eug. Choisy, Esquisse de l’histoire religieuse de Genève 1928 S. 46f. 📖47 ↩
*4
Sie spielt noch in den dem 18. Jahrhundert mit so viel Liebe zugewandten historischen Darstellungen von E. Troeltsch50 gar keine Rolle. Und so konnte noch Karl Aner (Die Theologie der Lessingzeit 1929) 📖 die Neologie des 18. Jahrhunderts darstellen, ohne dessen zu gedenken, daß sie vor dem Wolffianismus eben in dieser «vernünftigen Orthodoxie» am Anfang des Jahrhunderts ihre Wurzeln hatte. Vgl. aber: A. F. Stolzenburg, Die Theologie des J. Fr. Buddeus und des Chr. Matth. Pfaff 1926 📖, und P. Wernle a.a.O., 4. Hauptabschnitt. 📖51 ↩
*5
So hat sie noch P. Wernle verstanden, indem er sie mit dem Pietismus zusammen als «Ausgang des altreformierten Christentums» dargestellt und der Aufklärung gegenübergestellt hat.52 Der Pietismus ist aber 185 – F. Chr. Baur und A. Ritschl q-haben hier m. E. richtiger gesehen als E. ­Troeltsch, P. Wernle,-q H. Stephan und H. Hoffmann53 – so wenig wie die Aufklärung ein Ausgang des altreformierten, überhaupt des reformatorischen Christentums, sondernr mit der Aufklärung zusammen der anhebende Bruch mit der Reformation, und es ist die «vernünftige Orthodoxie», die diese beiden Tendenzen in sich vereinigt, die grundlegende theologische Gestalt eben dieses Bruchs gewesen. Stolzenburg 📖s hat gewiss recht, wenn er t-sich durch seinen Gegenstand an Schleiermacher (S. 433), an A. Ritschl (S. 35, 436) und auch an seinen Lehrer R. Seeberg (S. 17, 433) erinnert fühlte-t.54↩
*6
Magna illa Christianismi reformatio, quae unicum hodie votum et desiderium est tot piarum animarum (De scopo doctoris theologici II, 18). Vgl. Stolzenburg, S. 22f 📖.55↩
*7
Ich denke an Gestalten wie Joh. Konr. Dippel (vgl. A. Ritschl, Gesch. d. Pietismus II, 322 f. 📖) und Joh. Christian Edelmann (ebendas. 356f.) in Deutschland, Beat Ludw. v. Muralt und Marie Huber in der Schweiz (vgl. zu beiden P. Wernle a.a.O., Index 📖).56 ↩
*8
Dreißig Jahr hat dich mein Herz gekennt,
Zwanzig Jahr hab ich dich treu genennt,
Treu in deinem Teile
Du Greis voller Ehre,
Sel’ger Beschauer der Sündenheere
Ums Lamm herum.
bei: K. R. Hagenbach, Die theol. Schule Basels 1860, S. 68 📖. Nach P. Wernle a.a.O., S. 380 📖 hat Zinzendorf noch kurz vor Werenfelsens Tod daran gedacht, diesen zum Leiter der Basler Brüdergemeinde einzusetzen.58 ↩
*9
Budé II S. 56f.59 📖; vgl. Op. III, 384 f 📖.60↩
*10
Plaudite Sequanides Nymphae, tandem iste revixit
Vestrisque in ripis Arma Virumque canit.
Nec dubitate tubam vos magni audire Maronis
Talem inflare minor nemo Marone potest.
(III 414f 📖.63). Noch deutlicher als bei Werenfels wird die aufklärerisch-weltliche Seite der Sache bei z-Pfaff und Zimmermann-z.↩
*11
Oratio de Comoediis III 314 f. 📖64↩
*12
Epistola familiaris ad J. Fr. Ostervald 1715 (1716?) II 395f 📖. Der nüchterne Freund Ostervald nennt diese Sache in einem Brief an J. A. Turrettini vom aa-30. September-aa 1716 (Budé III 136f. 📖) ein évènement fâcheux65 und glaubt sie mit schlichten Worten auf die im Alter verhängnisvoll zunehmende – Arbeitsunlust de notre ami de Bâle zurückführen zu sollen, obwohl W[erenfels] (II 399) eben gegen diese Psychologie sich ab-im Voraus-ab verwahrt und nur dies zugegeben hatte, dass er nicht eben laboriosissimus sei und dass dies sicher zu seinen Sünden gehöre, dass er aber auch an einer außerordentlichen Schwerfälligkeit in der wissenschaftlichen Produktion und Darstellung zu leiden habe. Verum tamen si meditari labor est, non sum sane hominum pigerrimus!66 – Dass die Angelegenheit (vgl. auch Budé II 14367) eine heute kaum mehr zu klärende psychopathische Seite hatte, geht schon aus der Leichtigkeit hervor, mit der W[erenfels] sich den feierlich genug gefassten Entschluss ac-wenigstens hinsichtlich seiner Vorlesungen-ac wieder ausreden ließ, ad-um sich fünf Jahre später doch wieder zum Rektor wählen zu lassen-ad, af-um 17 Jahre später, als er sich am Wettstein-Prozess nicht mehr beteiligen mochte, doch wieder auf jenes geheimnisvolle «Werk», in welchem er nicht gestört sein wolle, zurückzukommen (Briefae v. 17.4.1732 bei K. R. Hagenbach, J. J. Wettstein S. 140 📖68), und-af um dann dochag noch als beinahe 80jähriger in bewunderter Frische seine Vorlesungen zu halten (Brief des jüngeren Ostervald an Turrettini vom 1.2.1736, Budé III 206f.69).↩
*13
E. Vischer, Werenfelsiana S. 64f. 📖71 ↩
*14
Die nicht genug hervorzuhebende Genialität Schleiermachers bestand, theologiegeschichtlich gesehen, darin, dass in ihm 100 Jahre nach der hohen Zeit der vernünftigen Orthodoxie die ursprüngliche Einheit der pietistischen und der aufklärerischen Hintergründe der neuprotestantischenan Theologie noch einmal blitzartig sichtbar wurde. Man lese die berühmte zweite unter seinen «Reden über die Religion»72 (über das Verhältnis von «Anschauung» und «Gefühl» in der Religion) unterao diesem Gesichtspunkt! Aber auch Schleiermacher konnte schließlich nur eben das Neue fortsetzenap und wiederholen, oder sei es denn: seinem geschichtlichen Silberblick entgegenführen, das als die eigentlichen Entdecker jene so viel primitiveren Gestalten der Leibniz-Zeit zuerst auf den Plan gestellt hatten. Schleiermacher explizierte doch nur – und eben dieaq Kunst seiner Explikation bewährt ihn als Nachfahren – eine Einheit, die für den Teil der Christenheit und Theologenschaft, der 100 Jahre zuvor jenen großen Fortschritt mitmachte, naiv-problemloses Lebensgefühl gewesen war. «Man wurde modern wie im Schlaf», hat P. Wernle a.a.O. S. 470 📖73 von den «vernünftigen Orthodoxen» gesagt. Und vor ihm K. R. Hagenbach (Die theol. Schule Basels, S. 36 📖74): -«Wie gegen den Frühling hin von allen Seiten das Eis bricht, hier 188 auf einmal, dort allmählich, so fing auch die Eisrinde der Orthodoxie zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts an, sich zu erweichen, ohne dass immer mit Bestimmtheit gesagt werden könnte, wie weit die einzelnen Spalten und Risse gingen, nachdem der Bruch einmal unmerklich begonnen hatte.»ar Sollte damit nicht eine in ihrer Weise auch ziemlich geniale – und zwar die in dieser Sache nun eben doch schöpferische – Leistung as-dieser Zeit-as bezeichnet sein?↩
*15
Wenn die Lehrer, die 100 Jahre früher in Basel die Theologie vertraten, ein Polanus a Polansdorf oder ein Johannes Wolleb,77 in der Lage gewesen wären, die Schriften ihres Nachfahren Werenfels zu studieren, so würden sie sich zunächst kaum im Geringsten über greifbare Häresien zu beklagen, sie würden sich nur über diese Entdeckung und ihre seltsam vordringliche Geltendmachung zu verwundern gehabt haben. Dass es kein Christentum ohne Moral gebe, das hatte man wirklich auch schon im Basel des 17. Jahrhunderts (und schon damals nicht ohne beiläufige, aber reiche Belehrung aus jener spätantiken Quelle) gewusst und gesagt. Es war doch jene Erhebung der Moral zum Maß aller Dinge, die nun auf einmal S[amuel] W[erenfels] von seinem Vater Peter Werenfels ebenso deutlich unterschied wie seinen Freund J. A. Turrettini von dessen Vater Franz Turrettini78, eine so gewichtige und folgenschwere Neuerung, dass man, so kampflos sie sich zunächst vollzog, doch nicht gut mit E. Bloesch (Gesch. d. schweiz. ref. Kirche 2. Bd. 1899 S. 85) 📖 von einem «normalen Fortschritt» von den Vätern zu den Söhnen reden kann.79 Es war der Wandel, der sich damals zwischen zwei Generationen vollzog, immerhin so abnormal einschneidend, dass der Gegensatz, für den das Verhältnis von Vätern und Söhnen damals sympto190matisch war, stimmungsmäßig mindestens bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts hinein – als ob sich inzwischen nichts verändert hättebb, als ob «die alte Orthodoxie» jener Väterbc auch noch 1750, auch noch 1850, auch noch 1900 als bedrohlicher Gegner auf dem Plan gewesen wäre – herrschend bleiben konnte, dass das Pathos, die Polemik und Apologetik der neuprotestantischen «Söhne», nachdem ihre Lieblingsgedanken am Anfang des 18. Jahrhunderts einmal gedacht und ausgesprochen waren, einer wesentlichen Bereicherung nicht mehr bedurften und auch wohlbd nicht fähig waren, obwohl es ihnen später bis hin zu Harnack und seiner Zeit an unstreitig viel bedeutenderen Vertretern nicht gefehlt hat.↩
*16
Wir besitzen von W[erenfels] einen kleinen Aufsatz Idée d’un Philosophe (III 221f.) 📖,80 in welchem er sich in der Entwicklung seines moralischenbh Programms von den nicht-theologischen «Philosophen» seiner Zeit auch nicht durch die leiseste Anspielung auf spezifisch christlichebi Gedanken, bj-ja nicht einmal durch die Erwähnung des Namens Gottes-bj unterscheidet. Er konnte aber auch eine Studie wie die De zelo in S. Scr. pro Dei gloria (I 117f.)81 schreibenbk, in der man von ferne noch einmal etwas vom Geist des alten Calvinismus wahrnehmen könnte. Die zwischen diesen beiden Extremen liegende Hauptmasse seines Schrifttums und bes. deutlich sein Predigtbuch82 weisen dochbl darauf hin, dass bm-er zwar die Bibel und das Dogma gewiss nicht missen wollte, dass aber nicht sie, sondern die moralischen Intentionen seiner Zeit der Text waren, den er eigentlich gelesen hat – ein Text, zu dem ihm nun die Bibel und das Dogma (seine hermeneutische Regel zu deren Verständnis lautete allerdings anders!) unter allen Umständen den Kommentar liefern sollten-bm.↩
*17
Zur Rechtfertigung bo-dieser Kennzeichnung-bo vgl. die Schriften De incitamentis ad virtutem in S. Scr. propositis (I 131f.) und Cur haec incitamenta non plus efficaciae habeant … (I 147f.), ferner: De scopo doctoris (II 4f., 11f.), De recto theologi zelo (II 26f.), De theologia theor. et pract. (II 252f.) und die Epigramme III 361 und 421 📖.83
Die kritische Bedeutung des sogenannten neuen «Weltbildes», der neueren Natur- und Geschichtswissenschaft für die Überwindung der alten Or191thodoxie bzw. für die Entstehung des Neuprotestantismusbp ist von E. ­Troeltsch und seiner Schule erheblich überschätzt worden. Das eigentliche Problem bildeten ja noch zur Zeit der Neologie nicht etwa die Trinität, die Gottheit und das Versöhnungswerk Christi oder die biblischen Wunder. Wie positiv Werenfels – und seine Haltung war typisch für die seiner theologischen Freunde und für die Zeit bis in die Mitte des Jahrhunderts – gerade hinsichtlich der Wunder dachte, mag man seinen Schriften De veritate miraculorum (I 79f.) und Num miracula certa sint veritatis signa (I 105f.) entnehmen.84 Es war vielmehr (vgl. K. Aner, a.a.O. S. 158f. 📖85) das Dogma von der Erbsündebq, an dem sich der moralische Optimismus schon dieser ersten neuprotestantischen Schule und dann auch derer, die ihr folgten, zuerst und vor allem rieb, und indem er (pietistisch und aufklärerisch und ursprünglich beides zugleich!) zu pelagianisieren begann, ist der Protestantismus «modern» geworden.
Dass W[erenfels] sich um 1730 mit seinen gleichgesinnten Kollegen Jak.br Chr. Iselin, Ludwig Frey und dem Antistes Hieronymus Burckhardt an dem Prozess gegen den Diakon J. J. Wettstein86, den berühmten Bibeltextkritiker, jedenfalls anfänglich beteiligen konnte und mochte, ist unter diesen Umständen nicht so verwunderlich. Der ursprüngliche theologische Liberalismus hatte an offenkundigen Heterodoxien von der Art, wie Wettstein sie sich zu Schulden kommen ließ – er hatte es sich z. B. geleistet, das Verhältnis der Personen in der göttlichen Trinität mit dem zwischen einem Basler «Hauptpfarrer» zu seinen «Helfern», die doch ebenfalls «Herr Pfarrer» genannt würden, zu vergleichen!87 – gerade keinen Geschmack. In ganz ähnlicher Weise haben z. T. noch viel später das Genf Turrettinis und das Neuenburg Ostervalds ihr orthodoxes Gesicht gegen d’Alembert, Voltaire, Rousseau und Andere zu wahren bs-für nötig und möglich gehalten-bs.88 Die Theologen dieser Schule wollten noch immer keine Arianer, Sozinianer usw. sein, auch als sie es faktisch längst waren, und sie waren dabei insofern durchaus nicht unehrlich, als ihr ursprüngliches Anliegen tatsächlich durchaus nicht diese Richtung hatte. bt-Harnacks Verhalten im «Fall Jatho» (1909) darf hier gewiss als weitere historische Parallele angeführt werden (vgl. Agnes von Zahn-Harnack, Adolf von Harnack 1936, S. 391f. 📖)89.-bt ↩
*18
Die neue Theorie über theoria und praxis befindetbv sich bei W[erenfels] z. B. De recto theologi zelo (II 22f.), De rat. uniendi eccles. prot. (II 118f.), De theol. theor. et pract. (II 252f.) 📖 ausführlich angegeben und entwickelt.90↩
*19
Auch an der weiteren Diskussion dieses einen ihm wirklich interessanten Punktes – der Gnadenlehre (s. u.) – hat W[erenfels] sich schließlich in einem längeren Gesang als desinteressiert erklärt:bw
Tua Deus de gratia
Mihi disputare non lubet,
Et disputare non vacat.
Sat est mihi cognoscere
Et usque persentiscere
Non posse me vel horulam
Tuo carere spiritu
…
(III 358 📖).91↩
*20
Vgl. De controversiis theologicis (I 391f.), De recto theologi zelo (II 25) und das Epigramm III 364 📖.92↩
*21
Vgl. Cur incitamenta … (I 154), De controversiis (I 396bx), De recto theol. zelo (II 28f.) 📖.93 ↩
*22
In der Schrift by-De logomachiis (III 1f. 📖) hat-by der Verfasser verraten, dass er nicht nur die coccejanischen (S. 23f.) und jansenistischen (S. 36) Streitigkeiten des 17.,94 sondern auch die trinitarischen des vierten Jahrhunderts (S. 10f.) unter diesem Gesichtspunkt betrachtet hat. – W[erenfels] hat in dieser Schrift den originellen Vorschlag gemacht, der alle wissenschaftlichen Diskussionen verwirrenden Vieldeutigkeit aller Begriffe durch die Erstellung eines Universallexikonsbz zu begegnen.95 Er hat nicht ausdrücklich erklärt, dassca dieses sich auch auf die Theologie erstrecken solle, wir haben aber keinen 193 Grund, dies nicht anzunehmen. Welche völligecb Ahnungslosigkeit über die Entstehung und Natur theologischer Zwiespältigkeiten – als ob diese in lauter leidigen sprachlichen Missverständnissen cc-ihr Wesen-cc hätten! – wird man ihm dann aber zuschreiben müssen!↩
*23
Vgl. bes. die Schrift De controversiis (I 375f.) 📖.97↩
*24
Vgl. die Epigramme III 348 und 372 📖.98 ↩
*25
Werenfelsens abrupter Rückzug aus dem Prozess gegen J. J. Wettstein (vgl. den schon erwähnten Brief an seine Kollegen bei Hagenbach a.a.O 📖., dazu Budé III 260 📖)99 ist nicht unbegreiflicher als seine anfängliche Mitwirkung bei dieser Sache. Wir wissen aus einem Brief des späteren Bürgermeisters Joh. Kaspar Escher in Zürich an Turrettini vom 28.5.1732 (Budé I 378), dass Iselin, Frey und H. Burckhardt sich damals bitter darüber beklagten, von W[erenfels] im Stich gelassen zu sein.100 Sie sollen ihm sogar une lettre qui me paraît insolente geschrieben haben, von der wir wieder aus jenem Brief Werenfelsens selber wissen, dass sie ihn beträchtlich in der Andacht seiner Feier der Osterkommunion gestört habe.101 Die persönliche Gereiztheit besonders Iselins gegenüber Wettstein erklärt nicht genügend, warum ihre Wege und die Werenfelsens damals so auseinandergingen. ch-In Wirklichkeit hat eben W[erenfels]-ch konsequenter als sie nach Maßgabe der ihnen allen gemeinsamen theologischen Voraussetzungen zu handeln gewusst. Als vernünftige Orthodoxe mussten sie zwar zunächst gegen Wettsteins offenkundig vorliegende Heterodoxienci Front machen, konnten und durften sie aber dieser Ablehnung nicht die Folge geben, die der einmal in Bewegung befindliche juristische Apparat zu verlangen schien. Diese Theologie forderte genau die Zwiespältigkeit, in der W[erenfels] damals zuerst Ja und dann Nein sagte. cj-Wieder darf hier vergleichsweise an Harnack: diesmal an sein Verhalten im «Fall Traub» (1912) im Unterschied etwa zu dem von Julius Kaftan erinnert werden (A. v. Zahn-H. a.a.O. S. 402f 📖.)102.-cj↩
*26
K. R. Hagenbach, J. J. Wettstein S. 122 📖.103 ↩
*27
Epist. familiaris II 398 📖.104↩
*28
K. R. Hagenbach, J. J. Wettstein, S. 83 📖.105↩
*29
Vgl. die Anmerkung [*]20 u. [*]21 angegebenen Stellen, außerdem das Epigramm III 366 📖.106 In der Schrift De triplici teste (I 167f.) hat W[erenfels] übrigens eine an sich durchaus brauchbare Reihe von Gesichtspunkten zur Würdigung des Begriffs der kirchlichen Autorität zusammengestellt.107↩
*30
Vgl. die zwei Schriften De ratione uniendi ecclesias protestantes (II 61f. u. 81f.) und die Theses de gratia convertente (141f.) 📖. Der Hinweis, den W[erenfels] hier S. 104f. gibt,108 dürfte auch unter anderen als den Werenfelsischen Voraussetzungen bemerkenswert sein: Lutheraner und Reformierte sollten, statt sich gegenseitig des Rationalismus anzuklagen, darauf achten, dass offenbar dasselbe Geheimnis des Glaubens, das bei den ersten seinen besonderen Sitz in der Abendmahlslehre habe, bei den zweitencs das Geheimnis der Prädestinationslehre sei.↩
*31
Hierher gehören die Schriften Pro plebe Christiano (I 1f.), De iure in conscientias (I 41f.),cu De ministris … admittendis (121f.cv) 📖,109 welch letztere im damals noch orthodoxeren Zürich eine Weile bedroht war, unterdrückt zu werden. W[erenfels] reagierte darauf mit einem Distichon, das er wohl um seiner besonderen Bosheit willen nicht in die gedruckte Sammlung seiner Epigramme aufgenommen, sondern dem Genossen in Genf nur brieflich mitgeteilt hat:
Nostrum condemnat scriptum Clerus Tigurinus.
Gaudeo et hinc scriptum suspicor esse bonum.
(21. März 1720, Budé III 426 📖)110. Auch das Epigramm III 414 könnte sich auf diese Sache beziehen.111
Werenfelsens Lieblingsargument in dieser Angelegenheit war der Hinweis auf den einfachen Landpfarrer, dessen Bedürfnisse so ganz andere seien als die des streitbaren Universitätstheologen. Vgl. De scopo doctoris (II 3f., 13f.), De ratione uniendi … (II 95), De theor. et pract. (II 258f.)112 u. ö.cw
1723 wurde die Verpflichtung auf die helvetische Konsensformel in Basel aufgehoben.113↩
*32
Es findet sich III 362 📖.114 – W[erenfelsens] hermeneutische Grundsätze sind entwickelt in den Schriften De scopo interpretis (I 397f.), Lectiones hermeneuticae (II 291f.), De regula … Verba s. Scr. tantum significare … (II 328f.). Vgl. auch die Schrift De triplici teste (I 157f., bes. 179f.).115↩
*33
Es ist im Einzelnen erwähnenswert, dass W[erenfels] hinsichtlich der physikalischen «Irrtümer» der biblischen Autoren die sogenannte Akkommodationstheorie der späteren rationalistischen Exegese (II 318 📖) und dass er den entscheidenden Satz der Theorie Adolf Jülichersdc über die Gleichnisse Jesu (II 317) vorweggenommen hat.117↩
*34
II 309 📖.118↩
*35
Hoc est corpus meum (I 230 📖).119↩
*36
I 179f., II 292f., 309 📖dl.120↩
*37
De praestantia relig. in S. Scr. revelatae (I 67, 73), Monitum de praedestinatione (II 280) 📖.121↩
*38
III 369 📖 vgl. 410.123 ↩
*39
De triplici teste (I 184) 📖.124↩
*40
Cur incitamenta … (I 155), De scopo interpretis (I 408), De iustificatione (II 145), Lectiones hermen. (II 312) 📖.126↩
*41
Theses de gratia convertente (II 141f.), De iustificatione (II 144f.), De libertate hominis (II 269), Quomodo Adamus … labi potuerit (II 275f.) 📖.127↩
*42
Scrupulus de praedestinatione (II 133f.), dazu: Monitum de praedestinatione (II 278). 📖 Vgl. E. Vischer, Werenfelsiana S. 64f 📖ef.128↩
*43
W[erenfels]eh hat vom Willen Gottes kühnlich, und von keiner Erinnerung an Luther gestört, gelehrt, dass er erfüllbar sei (Sermons S. 256f. 📖)ei.129 ↩
*44
Nach Coroll. de certitudine salutis (II 48f.) 📖 ist die Heilsgewissheit eine zusätzliche Gnade, die dem Menschen zuteil oder auch nicht zuteil werden kann, indem sie nicht wesentlich zur fides salvifica gehört. Im Zweifelsfall, der der Fall der meisten Menschen sein dürfte, empfiehlt es sich, sich für unwiedergeboren zu halten.130↩
*45
De private peccatorum confessione (II 282f.) 📖.131 ↩
*46
Brief an Turrettini vom 25. März 1716 (Budé III 423 📖), vgl. E. Vischer, Werenfelsiana S. 59f. Hier S. 62 📖ek das klassische Wort Werenfelsens zu dieser Sache: «Dem Publico und menschlichem Geschlecht ist man zu dienen schuldig; aber seiner eigenen Seele und Heils Sorge geht allem vor».132 ↩
*47
Adversus carnalem securitatem (II 35) 📖.133 ↩
*48
E. Vischer, Die Lehrstühle und der Unterricht … S. 50 📖, vgl. Budé III 207 📖.135↩
*49
Man vergleiche Werenfelsensep Meditation über den 3. Psalm (II 51f.) 📖 eq-mit dem Kommentar Calvins zum nämlichen-eq Text,136 um sich zu überzeugen, auf wessen Seite hier die Treue gegenüber dem, was dasteht, auf wessen Seite dagegen die im Text gesuchten und gefundenen eigenen dogmata sichtbar werden.er – Ich stelle die beiden Auslegungen in kurzer Zusammenfassung ihres Inhalts137 nebeneinander:
Calvin (C. R. 31,52f. 📖) Werenfels
David erleidet verdiente Strafe. Aber indem er sich demütigt, empfängt er Vergebung und hält sich daran, dass Gott für ihn und gegen seine Feinde ist. Von Allen verlassen bringt er seine Klage vor Gott, mit dessen Gericht und Gnade seine Feinde nicht rechnen. Nicht mehr um seine Sünde kann es jetzt gehen, sondern nur noch um die Bewährung seiner unverdienten, aber gewissen Erwählung in einer Hoffnung ohne Zaudern. Im Tumult seiner Bedränger ruft er also den Namen Gottes an und hört er Gottes Antwort von dessen Tempel, von der Bundeslade, 203 von der Stätte der offenbarten Verheißung her. So ruht er friedlich und sicher mitten in den Schrecken des Todes, nicht in einem Rausch menschlicher Sicherheit, wohl aber im Vertrauen auf die unendliche Macht Gottes, gegen die die ganze Welt nichts vermag. Und eben aus dieser Ruhe heraus bittet er umso flehentlicher und dankt er Gott als einer, der seine Hilfe schon erfahren hat. Gott wird sich ihm nicht versagen; er wird auch seine Widersacher zerstreuen, so gewiss seine Sache die der ganzen Gemeinde Gottes ist, die von ihrem Herrn nicht verlassen werden kann, die durch seine Gnade immer wieder frei sein wird. Die dem David durch Nathan angedrohte Strafe ist nun her­ein­ge­brochen. Hüten wir uns vor der Verstockung, die Gottes Gerichte nicht fürchtet! Hüten wir uns vor dem subtilen Atheismus, der in den Leiden, die uns durch Menschen bereitet werden, nur an die Menschen und nicht an die strafende Hand der Vorsehung denkt! So verkennt der fleischliche Mensch die Güte und Weisheit Gottes auch in dem Unglück, das der Gemeinde und den Frommen widerfährt. Der Psalm aber bietet uns ein exemplum plane admirabile et heroicum des wahren 203 Gottvertrauens, das sich auf die Erinnerung früher erfahrener göttlicher Hilfe gründet, das den Menschen in Gott ruhen und ihn überall dessen Finger erkennen lässt. Sed eheu! quam rara est in orbe haec fiducia! Auf alles andere eher als auf Gott setzt der Mensch sein Vertrauen. Deo non confidimus: das ist die Wurzel aller Laster und Sünden. Wir leben, auch wenn wir Gott nicht leugnen, als ob Gott nicht existierte. Wie ungleich dem David ist doch der größte Teil der heutigen Christen! Um seines Gottvertrauens fähig zu sein, müssten wir mit David Freunde Gottes sein als dessen, der uns allein ein mächtiger, treuer, ständiger, liebender Freund in Wahrheit sein kann.
↩

Textkritische Fußnoten

a
Der Untertitel fehlt im Mskr.↩
b-b
Im Mskr. hervorgehoben.↩
c
Fehlt im Mskr. ↩
d-d
Mskr.: «(Opusc. III 1f.)».↩
e
Mskr.: «W[erenfels]».↩
f
Fehlt im Mskr.↩
g-g
Fehlt im Mskr. ↩
h
Fehlt im Mskr. ↩
i-i
Im Mskr. hervorgehoben.↩
j
Mskr.: «von den barbarischen Quaestionen».↩
k
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
l-l
Fehlt im Mskr. ↩
m
Mskr.: «Buddeus in Jena».↩
n
Im Mskr. folgt bereits hier das im Druck ans Ende des Satzes gerückte Beispiel: «etwas weltförmiger auch der Tübinger Christoph Matthäus Pfaff».↩
o
Mskr.: «Offenbarung, Geschichte und Gegenwart»↩
p-p
Im Mskr. mit Bleistift, also nachträglich geschriebener Einschub.↩
q-q
Mskr.: «dürften hier tiefer gesehen haben als ­Troeltsch».↩
r
Im Mskr. ist die im Druck vorgezogene Parenthese «– F. Chr. Baur … H. Hoffmann –» hier eingefügt.↩
s
Mskr.: «A. F. Stolzenburg».↩
t-t
Mskr.: «sich (a.a.O. 17,35) bei der Lektüre von Buddeus und Pfaff gelegentlich an A. Ritschl und R. Seeberg erinnert fühlt, Schleiermacher 433; Ritschl 35,436; Seeberg 17,433».↩
u
Mskr.: «ihr, wenn man sie studiert».↩
v
Im Mskr. hervorgehoben.↩
w
Im Mskr. hervorgehoben.↩
x
Mskr.: «‹interessanteren›».↩
y
Mskr.: «die Gewalt».↩
z-z
Mskr.: «Chr. Matth. Pfaff und J. J. Zimmermann».↩
aa-aa
Mskr.: «21. Okt.».↩
ab-ab
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
ac-ac
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
ad-ad
Fehlt im Mskr. ↩
ae
Mskr.: «vgl. den psychologisch ebenfalls leicht problematischen Brief».↩
af-af
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
ag
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
ah
Mskr.: «zweideutig».↩
ai
Mskr.: «interessanten».↩
aj
Mskr.: «geworden».↩
ak
Mskr.: «empirisch».↩
al-al
Mskr.: «Orthodoxie vom Schlage eines Werenfels».↩
am
Fehlt im Mskr. ↩
an
Mskr.: «modernen».↩
ao
Mskr.: «auch unter».↩
ap
Mskr.: «verlängern».↩
aq
Mskr.: «die unerreichte».↩
ar
Im Mskr. ist das einzutragende Zitat durch «…» angedeutet.↩
as-as
Fehlt im Mskr. ↩
at-at
Fehlt im Mskr. ↩
au
Der Satz ist im Mskr. nachträglich mit Bleistift umformuliert aus: «Warum haben sie uns eigentlich nicht … aufmerksam gemacht?»↩
av-av
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift hinzugefügt.↩
aw
Mskr.: «seiner».↩
ax
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
ay
Fehlt im Mskr. ↩
az
Mskr.: «Bindungen und Zwängen».↩
ba
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
bb
Fehlt im Mskr.↩
bc
Mskr.: «‹Väter›».↩
bd
Im Mskr. ist der im Druck am Ende stehende Nebensatz «obwohl […] nicht gefehlt hat» hier in Parenthese eingefügt.↩
be
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
bf
Mskr.: «vernünftig»↩
bg
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
bh
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
bi
Mskr.: «‹christliche›».↩
bj-bj
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt; dort «Nennung» statt «Erwähnung».↩
bk
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
bl
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift eingefügt.↩
bm-bm
Mskr.: «der eigentliche Text, den er gelesen hat, nicht die Bibel und das kirchliche Dogma waren, sondern das moralische Lebensgefühl seiner Zeit, zu dem ihm nun – seine Regel für den Gebrauch der Bibel lautete allerdings anders – Bibel und Dogma, auf alle Fälle den Kommentar liefern sollten und mussten». Der im Druck in Klammern und im Mskr. in Parenthese gesetzte Teil ist im Mskr. nachträglich eingefügt.↩
bn
Fehlt im Mskr. ↩
bo-bo
Mskr.: «dieses Ausdrucks».↩
bp
Mskr.: «modernen Protestantismus».↩
bq
Im Mskr. hervorgehoben.↩
br
EvTh 3 (1936) 📖: «Joh.»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. geändert.↩
bs-bs
Mskr.: «versucht».↩
bt-bt
Fehlt im Mskr. ↩
bu
Mskr.: «praxis».↩
bv
Mskr.: «findet».↩
bw
Im Mskr. wird der Gesang nicht zitiert, die Seitenangabe folgt, ohne eingeklammert zu sein.↩
bx
Mskr.: «377f».↩
by-by
Mskr.: «De logomachiis eruditorum Opusc. III 1f, die den Grund zu W.s Berühmtheit legte, hat».↩
bz
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ca
Mskr.: «ob».↩
cb
Im Mskr. hervorgehoben.↩
cc-cc
Mskr.: «ihren Grund».↩
cd-cd
Fehlt im Mskr.↩
ce-ce
Mskr.: «materiell-theologische».↩
cf
Fehlt im Mskr.↩
cg
Mskr.: «Stellungnahme aber».↩
ch-ch
Mskr.: «Werenfels hat».↩
ci
Mskr.: «Häresien».↩
cj-cj
Fehlt im Mskr.↩
ck
Mskr.: «ging ja».↩
cl
EvTh 3 (1936) 📖: «möchte»; von den Hrsg, in Übereinstimmung mit dem Mskr. korrigiert.↩
cm
Mskr.: «gerade auch».↩
cn-cn
Mskr.: «zur Abwertung der Lehre».↩
co-co
Mskr.: «meinte offenbar, er sagte aber nicht».↩
cp-cp
Mskr.: «er sagte».↩
cq
Mskr.: «mit der menschlichen».↩
cr
Fehlt im Mskr. ↩
cs
Mskr.: «letztern».↩
ct-ct
Mskr.: «offener Anwalt».↩
cu
Im Mskr folgt: «De fide haereticus servanda (Op. II 332f) und». – Gemeint ist: S. Werenfels, Oratio de fide haereticus servanda; qua demonstratur, Eccelsiae Romanae injuriam non fieri, cum dicitur contrariam huic doctrinam & praxin in ea saepe obtinuisse, in: ders., Opuscula II, S. 332–342. 📖↩
cv
EvTh 3 (1936) 📖: «221f.»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. geändert.↩
cw
Im Mskr. sind dieser vorletzte und der letzte Absatz der Anmerkung umgekehrt angeordnet.↩
cx-cx
Mskr.: «Das Epigramm, in welchem er».↩
cy-cy
Fehlt im Mskr.↩
cz-cz
Mskr.: «an sich Wahre, Fromme und Nützliche».↩
da-da
Fehlt im Mskr. ↩
db-db
Im Mskr. ohne Hervorhebungen.↩
dc
Mskr.: «A. Jülichers».↩
dd-dd
Fehlt im Mskr. ↩
de
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
df
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
dg
Fehlt im Mskr. ↩
dh-dh
Mskr.: «ist».↩
di
Mskr.: «keine».↩
dj-dj
Fehlt im Mskr. ↩
dk
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
dl
EvTh 3 (1936) 📖: «III 109»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. und aufgrund der inhaltlichen Evidenz geändert. Der Fehler lässt sich leicht als Hörfehler («drei-hundertneun») beim Diktat erklären.↩
dm
Mskr.: «verkündigten».↩
dn
Fehlt im Mskr. ↩
do-do
Mskr.: «den Sündenfall».↩
dp-dp
Mskr.: «neue Grenze».↩
dq
Mskr.: «dass».↩
dr-dr
Fehlt im Mskr.↩
ds
Mskr.: «beschaffenen».↩
dt
Mskr.: «der Werenfelsschen».↩
du
Mskr.: «in der».↩
dv
Mskr.: «alle eigenen».↩
dw
Fehlt im Mskr. ↩
dx
Mskr.: «lehren»↩
dy
Im Mskr. hervorgehoben.↩
dz
Mskr.: «bessern».↩
ea
Mskr.: «‹Väter›».↩
eb-eb
Mskr.: «auch».↩
ec
Fehlt im Mskr. ↩
ed-ed
Mskr.: «zu führen gesucht: ob denn der Nicht-Wiedergeborene untätig auf seine Berufung oder Verstockung zu warten und also seine Erwählung oder Verwerfung passiv über sich ergehen zu lassen habe».↩
ee
Mskr.: «nottut».↩
ef
EvTh 3 (1936) 📖: «62f.»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. und aufgrund der Platzierung des Gemeinten im Vischer-Text geändert.↩
eg
Fehlt im Mskr. ↩
eh
Mskr.: «Er».↩
ei
Die Literaturangabe fehlt im Mskr.↩
ej-ej
Fehlt im Mskr. ↩
ek
EvTh 3 (1936) 📖: «S. 63»; von den Hrsg. in Übereinstimmung mit dem Mskr. und dem Fundort des Zitats geändert.↩
el
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
em-em
Mskr.: «sie».↩
en
Mskr.: «Aber wie».↩
eo
Mskr.: «die seelsorgerlich-pädagogische Idee».↩
ep
Mskr.: «zu dieser Frage seine».↩
eq-eq
Mskr.: «etwa mit dem Kommentar Calvins zum selben».↩
er
Im Mskr. endet die Anmerkung hier.↩
es-es
Mskr.: «anders sie».↩
et-et
Mskr.: «besser verstand und versteht».↩
eu-eu
Im Mskr. ohne Hervorhebungen.↩
ev-ev
Mskr.: «wird man sich wohl, wenn».↩
ew
Mskr.: «wenn».↩
ex-ex
Mskr.: «hat, nur ärgern».↩
ey-ey
Fehlt im Mskr.↩
ez-ez
Mskr.: «zur Besinnung».↩
fa
Mskr.: «ganz, ganz».↩

Sachfußnoten

1
Ernst Stae­helin (1889–1980), seit 1927 Prof. für neuere Kirchen- und Dogmengeschichte in Basel.↩
2
Brief Barths an Stae­helin vom 24.8.1935 (KBA 9235.248).↩
3
An diesem Paragraphen arbeitete er schon im November 1934 (vgl. den Brief Ch. v. Kirschbaums an E. Thurneysen vom 12.11.1934: «[…] während Karl ununterbrochen über Offenbarung und Religion nachdenkt» [KBA 9270.639; Bw.Th. III, S. 752 📖]), konnte den ausgearbeiteten Text aber aufgrund seiner Suspendierung erst im Wintersemester 1935/36 in Basel lesen. Die für diese Vorlesung relevanten Seiten finden sich KD I/2, S. 313–317 📖. Dort sieht Barth die Theologie der vernünftigen Orthodoxie am Beginn der «Trauergeschichte der neueren protestantischen Theologie» stehen (S. 315).↩
4
Prot.Theol., S. 124–126 📖. – Schon im Rahmen dieser Arbeit hatte Barth sich mit einem Werk beschäftigt, auf das er auch im vorliegenden Text häufiger Bezug nimmt: P. Wernle, Der schweizerische Protestantismus im XVIII. Jahrhundert, Bd. 1: Das reformierte Staatskirchentum und seine Ausläufer (Pietismus und vernünftige Orthodoxie); Bd. 2: Die Aufklärungsbewegung in der Schweiz; Bd. 3: Religiöse Gegenströmungen. Die Ausstrahlungen der französischen Revolution auf Schweizerboden, Tübingen 1923–1925 📖. Er schrieb dazu: «Sehr enge Gefechtsfühlung habe ich dabei wieder einmal mit unserem alten Freund oder Feind Wernle gehabt.» Dessen «großes Werk über das 18. Jahrhundert» sei «wegen mancherlei Stoffdarreichung sehr dankenswert, aber man könnte schon fast heulen beim Gedanken, wieviel fabelhaftes Material er unter den Händen gehabt hat und mit welcher theologischen Uneinsicht er es verarbeitet hat» (Brief an E. Thurneysen vom 23.12.1932 [KBA 9270.580; Bw.Th. III, S. 319 📖]).↩
5
Brief an Anna Barth vom 16.10.1935 (KBA 9235.305).↩
6
Von Barths Arbeit an der Antrittsvorlesung schreibt Ch. von Kirschbaum in ihrem Taschenkalender erstmals am 26.3.1936; weitere Einträge finden sich am 3.4. und vom 9.–11.4., bevor es am 18.4.1936 heißt: «Wir tippen die Vorlesung über Werenfels!» Das sicher als Vorlage des Druckes dienende Tskr. ist nicht erhalten.↩
7
Brief E. Wolfs an Barth vom 2.5.1936 (KBA 9336.274).↩
8
Vgl. Taschenkalender Ch. von Kirschbaum, Eintrag vom 28.4.1936 bewahrte einen dieser Fehldrucke auf in seiner Ausgabe von: S. Werenfels, Opuscula theologica, philosophica et philologica, Band I, Basel 1782 📖. – Das Adelsgeschlecht Bärenfels gehört zu den alten Basler Herrschaftsfamilien und stellte über Jahrhunderte die Schultheiße für Kleinbasel. Es mag die Verwechslung begünstigt haben, dass sich zu dieser Zeit die Räume der Theologischen Fakultät noch in einem Gebäude an der Ecke Martinsgasse / Stapfelberg befanden, das man in Basel seit dem 18. Jahrhundert als «Bärenfelserhof» kannte (vgl. https://unigeschichte.unibas.ch/behausungen-und-orte/universitaetsgebaeude-der-moderne/weitere-gebaeude/stapfelberg; zuletzt aufgerufen am 21.6.2020 📖).↩
9
Paul Wernle (1872–1939), seit 1905 Prof. für neuere Kirchengeschichte und Dogmengeschichte in Basel, 1928 krankheitshalber emeritiert.↩
10
P. Wernle, Die vernünftige Orthodoxie. Zur Basler Antrittsvorlesung Karl Barths: «Samuel Werenfels und die Theologie seiner Zeit», in: KBRS 92 (1936), 11.6.1936, S. 185f., dort S. 186 📖. Wernle fuhr fort (ebd.): «Die Bibel hat eben nicht nur ein Gesicht, und es ringen in ihr verschiedene Geister miteinander. […] Der Geist des Jakobusbriefes ist ein anderer als der des Paulus. […] Wenn wir recht haben, so wäre nun auch der Geist einer vernünftigen Orthodoxie biblisch begründet. […] Wie einst im Urchristentum Paulus und die Johanneer, trotz ihres überragenden Geistes, durch Schriften wie Jakobus, die Pastoralbriefe, die apologetische Literatur abgelöst worden waren, so rückten nun zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in den schweizerischen Städten Männer der vernünftigen Orthodoxie auf den Plan, […]. Damit schloß sich der Ring des älteren Kreises mit dem jüngeren. Wir aber möchten allen Biblizisten zurufen: Lest eure Bibel gründlicher und unvoreingenommener.»↩
11
Eberhard Vischer (1865–1946), seit 1902 außerordentlicher, seit 1907 ordentlicher Prof. für alte und mittelalterliche Kirchengeschichte und Neues Testament in Basel.↩
12
Brief E. Vischers an Barth vom 10.5.1936 (KBA 9336.422). Es wird sich dabei um den Stich handeln, den Barth noch in seinem letzten Arbeitszimmer in der Bruderholzallee 26 an der Wand hängen hatte.↩
13
Nicht ausgewiesen werden im Druck aufgelöste Abkürzungen, angeglichene Schreibweisen und solche Abweichungen zu den Literaturangaben Barths, die lediglich der Anpassung und Vereinheitlichung dienen.↩
14
Als «Antistes» wurde von der Reformation bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in den Städten Basel, Schaffhausen und Zürich der Vorsitzende der Pfarrersynode bezeichnet; in der Regel war das Amt verbunden mit der Pfarrstelle an einer Hauptkirche. Vgl. H. Meyer, Art. «Antistes», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Bd. 1, Basel 2002, S. 372 📖.↩
15
Dieser Lehrstuhl wurde 1646 für Johannes Buxtorf d. J. (1599–1664) geschaffen und 1786 umbenannt in Professio theologiae dogmaticae; vgl. A. Stae­helin, Geschichte der Universität Basel 1632–1818, Teil 1: Die Organisation der Universität im 17. und 18. Jahrhundert. Das Leben in den Fakultäten (Studien zur Geschichte der Wissenschaften in Basel, 4), Basel 1957, S. 249.254. 📖↩
16
Hieronymus Burckhardt (1680–1737) wirkte vorher als Pfarrer an verschiedenen Basler Kirchen; Johannes Balthasar Burckhardt (1642–1722), seit 1676 Ratsherr, 1705–1722 Bürgermeister in Basel.↩
17
Peter Werenfels (1627–1703), seit 1675 Antistes und Pfarrer am Basler Münster sowie Prof. für Dogmatik.↩
18
S. Werenfels, Dissertatio de Logomachiis Eruditorum, in: ders., Opuscula III (Anm. 20), S. 1–130. 📖 ↩
19
Die «Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts» war eine 1701 gegründete Missionsgesellschaft der Anglikanischen Kirche; die 1700 gegründete Königlich-preußische Akademie der Wissenschaften war in geistes- und naturwissenschaftlichen Klassen organisiert, die das gesamte Wissen der anbrechenden Aufklärungszeit umfassen sollten.↩
20
S. Werenfels, Opuscula theologica, philosophica et philologica, Ed. nova, Tom. I–III, Basel 1782 📖; ders., Sermons sur des Vérités Importantes de la Religion, Auxquels on ajoûte des Considérations sur la Réünion des Protestans, troisiéme Edition corrigée et augmentée du Sermon sur le Jubilé de la Réformation de Zurich, par J. A. Turrettin, Basel 1720 📖.↩
21
E. de Budé, Lettres inédites de 1686 à 1737 à J. A. Turrettini, théologien genevois, 3 Bde, Paris / Genf 1887 (dort Bd. 3, S. 408–432, der Briefwechsel zwischen Werenfels und Turrettini; dort Bd. 3, S. 463, der Indexeintrag zu Werenfels) 📖; S. Werenfels, Epistola Familiaris ad Cl. virum Joh. Frid. Osterwald, Theologum Neocomensem qua consilii sui rationes de abdicando munero Professorio vindicat (1715), in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 395–400 📖; K. R. Hagenbach, Johann Jacob Wettstein, der Kritiker, und seine Gegner. Ein Beitrag zur Geschichte des theologischen Geistes in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts, in: ZHTh 9 [= NF 3] (1839), S. 73–153, dort S. 139–142. 📖 ↩
22
E. Vischer, Art. «Samuel Werenfels», in: RE3, Bd. 21, S. 106–110 📖; W. Gaß, Geschichte der protestantischen Dogmatik in ihrem Zusammenhange mit der Theologie überhaupt, Bd. 3: Die Zeit des Übergangs, Berlin 1862, S. 281–289 📖; E. Vischer, Die Lehrstühle und der Unterricht an der theologischen Fakultät Basels seit der Reformation, in: Festschrift zur Feier des 450-jährigen Bestehens der Universität Basel, hrsg. von Rektor und Regenz, Basel 1910, S. 111–242 📖; Wernle, Der schweizerische Protestantismus, Bd. 1 (Anm. 4), dort S. 669: Indexeintrag zu Werenfels 📖; E. Vischer, Werenfelsiana, in: K. Schwarber (Hrsg.), Deus Salvator? Festschrift Gustav Binz, zum 70. Geburtstag am 16. Januar 1935 von Freunden und Fachgenossen dargebracht, Basel 1935, S. 55–67 📖.↩
23
«Musikalischer Zusammenklang»; hymnische Darbietung, bei der das Zusammenklingen der Stimmen im Vordergrund steht und nicht einzelne Stimmen.↩
24
S. Werenfels, Mitra Aaronis Capiti Imposita, seu Solennia Actus Inauguralis, in quo Vir Venerandus et Excellentissimus Dn. Hieronymus Burcardus, Ecclesiae Basil. Antistes & Theol. Prof. Die XXV. Junii A. MDCCIX. Corona Doctorali Fuit Redimitus, a Samuele Werenfelsio, S. Theol. Doct. & Prof. Jussu eorum quibus refragari non licuit, in lucem edita, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 343–384. A.a.O., S. 369–384 📖: «Cerimoniae earumque Explicatio. Quae fit a Promotore, posteaquam Candidatus, praestito jurejurando, ad ipsum in Superiorem Cathedram ascendit, et concentus Musicus finitur». Der zitierte Abschnitt aus dem Vorwort findet sich a.a.O., S. 344 (dort ohne Hervorhebung): «Dass der Promotor beim Erklären der vertrauten Symbole nicht festgehalten habe an der Absicht der Lehrenden, sondern sich hier manche Freiheit eingeräumt habe. Er glaubt nämlich gefahrlos dem Standpunkt: Diese Symbole bedeuten so viel, wie sie bedeuten können.» – Für die Übersetzung dieses und der weiteren längeren lateinischen Zitate danken die Hrsg. Frau Mirjam Brockmann (Berlin).↩
25
S. Werenfels, Epistola ad Amicum. De regula illa multis Theologis probata: Verba S. Scripturae tantum significare, quantum significare possunt, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 328–332 📖.↩
26
«Erhöhter Sitz»; ursprünglich der in Hauptkirchen für den Bischof reservierte, gegenüber den übrigen erhöhte Platz. Davon ist abgeleitet die Rede vom Lehrstuhl, den Professoren innehaben und von dem aus sie vortragen.↩
27
Werenfels, Mitra Aaronis Capiti Imposita (Anm. 24), S. 375 📖; dt.: «Gewissenhaft mit Maß, dennoch unverzagt.»↩
28
A.a.O., S. 376 📖; dt.: «Kein Gewicht haben unsere Argumente, wenn das Leben der Lehre nicht antwortet.»↩
29
Vgl. den ausgeführten Überblick in Prot.Theol., S. 115–135 📖, wo sich auch Charakterisierungen nahezu aller im Folgenden erwähnten Theologen finden. Vgl. auch KD I/2, S. 313–317 📖.↩
30
Jean Alphonse Turrettini (1671–1737), von 1697 bis zu seinem Tod Prof. für Kirchengeschichte und Theologie in Genf. Mit Werenfels und Ostervald bildete er das sogenannte «helvetische Triumvirat» der drei großen schweizerischen Theologen der vernünftigen Orthodoxie.↩
31
Jean Frédéric Ostervald (1663–1747), seit 1699 Pfarrer in Neuenburg, dessen kirchliches Leben er durch seine Arbeit mit Studenten, sein Wirken als Pfarrer und seine Schriften prägte. ↩
32
Johann Jakob Zimmermann (1695–1756), seit 1731 Prof. für Theologie in Zürich, dort einer der Wegbereiter der theologischen Aufklärung.↩
33
Johann Franz Buddeus (1667–1729), seit 1705 Prof. für Theologie in Jena, Vermittler zwischen Pietismus und lutherischer Orthodoxie.↩
34
Salomon van Til (1643–1713), 1666–1684 Pfarrer in den Niederlanden, seit 1684 Prof. für Theologie in Dordrecht, seit 1702 in Leiden.↩
35
Johann Georg Walch (1693–1775), Schwiegersohn von J. Fr. Buddeus, seit 1718 Prof. für Theologie in Jena, Herausgeber einer Luther-Werkausgabe, die bis zum Erscheinen der Weimarer Ausgabe den wissenschaftlichen Standard darstellte.↩
36
Johann Lorenz von Mosheim (1693–1755), 1723–1747 Prof. für Theologie in Helmstedt, seit 1747 in Göttingen, wo er als Kanzler maßgeblich am Aufbau der Universität mitwirkte.↩
37
Christoph Matthäus Pfaff (1686–1760), 1717–1756 Prof. für Theologie in Tübingen, 1756–1760 in Gießen.↩
38
Melchior Leydecker (1642–1721), seit 1678 Prof. in Utrecht, Gegner der Föderaltheologie im Anschluss an Johannes Coccejus (1603–1669).↩
39
Valentin Ernst Löscher (1673–1749), letzter großer Vertreter der lutherischen Orthodoxie, 1707–1709 Prof. in Wittenberg, erwarb sich bleibende Bedeutung als Pfarrer, besonders an der Kreuzkirche in Dresden, an die er 1709 berufen wurde.↩
40
Der Arminianismus geht zurück auf die Theologie des Leidener Theologen Jacobus Arminius (1560–1609). Er stellte der supralapsarischen Prädestinationslehre Calvins eine eigene Lehre entgegen, in der er die Möglichkeit bedachte, dass der Mensch das göttliche Gnadengeschenk auch ablehnen könne; vgl. C. Bangs, Art. «Arminianismus», in: RGG4 I, Sp. 772–778 📖.
Die hier beginnende Aufzählung findet sich fast identisch in: K. R. Hagenbach, Die theologische Schule Basels und ihrer Lehrer von Stiftung der Hochschule 1460 bis zu Dewette’s Tod 1849, Basel 1860, S. 36: 📖 «Diese mildere Richtung stand nicht vereinzelt da. Sie war aller Orten in der evangelischen Kirche verbreitet, in den Niederlanden durch den Arminianismus, in Deutschland durch Calixt und die Helmstädter Schule (Spener’s und der Pietisten nicht zu gedenken), in Frankreich durch die Schule von Saumur, in England durch den Latitudinarismus.»↩
41
Der Latitudinarismus gewann ab der Mitte des 17. Jahrhunderts in England große Bedeutung als eine kirchliche Mittelposition. Er vertrat eine «­gemäßigte, konfessionell tolerante und den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft gegenüber aufgeschlossene Lehre» (Gr. Carter, Art. «Latitudinarismus», in: RGG4 V, Sp. 116f., dort Sp. 116 📖).↩
42
Die Universität Helmstedt wurde 1576 im Geiste Philipp Melanchthons (1497–1560) gegründet und entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einem Zentrum der lutherischen Aufklärung; vgl. I. Mager, Art. «Helmstedt, Universität», in RGG4 III, Sp. 1620f. 📖↩
43
Zwischen 1593 und 1685 bestand mit der Akademie von Saumur eine hugenottische Ausbildungsstätte in Frankreich, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Übernahme aufklärerischen Gedankengutes große Wirkung in der reformierten Welt erzielen konnte; vgl. H. Landais (Hrsg.), Histoire de Saumur, Toulouse 1997 📖.↩
44
Der Cartesianismus versuchte, die Grundidee des René Descartes (1596–1650) weiterzudenken, nach der sich der Mensch aus denkender Substanz (res cogitans) und leiblicher Materie (corpuscula) zusammensetzt, wobei die cogitatio die sich selbst gegebene Gottesidee mit einschließt.↩
45
Im engeren Sinn hat der Pietismus seine Ursprünge als religiöse Erneuerungsbewegung im Umfeld von Philipp Jakob Spener (1635–1705), der im Sommer 1670 das Frankfurter Collegium pietatis gründete. Im weiteren Sinn werden schon die erbaulichen Schriften von Johann Arndt (1555–1621) aus den ersten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts dem Pietismus zugerechnet. Als Begründer des reformierten Pietismus gilt Theodor Undereyck (1635–1693), der als Pastor in Bremen ab 1670 große Wirkung entfaltete. Vgl.J. Wallmann, Der Pietismus, Göttingen 2005, S. 21–102. 📖 ↩
46
Erasmus von Rotterdam (1466/69–1536), humanistischer Philosoph, der großen Einfluss auf die schweizerischen Reformatoren, speziell die seines zeitweisen Wohnortes Basel hatte, auch wenn er selbst die Reformation ablehnte.↩
47
Hagenbach, Wettstein (Anm. 21), S. 83 📖: «Das Characteristische dieses theologischen Liberalismus zu Ende des 17en und zu Anfange des 18en Jahrhunderts bis über die Mitte desselben hinaus war vielmehr der Mangel an einem bestimmten Character, eine Characterlosigkeit jedoch, die in einer ehrenwerthen Gesinnung ihren Grund hatte»; J.-E. Choisy, Esquisse de l’histoire religieuse de Genève, Genf 1928, S. 46–48 📖.↩
48
In der Tradition von Christian Wolff (1679–1754) verlagerte sich der Schwerpunkt der Theologie von der Dogmatik in die Ethik: «Der Wolffsche Rationalismus führte zur Preisgabe der Selbständigkeit des Offenbarungsglaubens und zur Aufklärung des orthodoxen Systems. Damit einher ging eine Stärkung der moralisch-praktischen Motive im Bereich einer undogmatischen Frömmigkeit» (J. Stolzenberg, Art. «Wolff, Christian», in: RGG4 VIII, Sp. 1682–1684, dort Sp. 1683 📖).↩
49
Mit dem Namen Neologie wird seit dem 19. Jahrhundert eine theologische Strömung bezeichnet, die sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts bildete und deren Anliegen die Vermittlung modernen Bewusstseins und persönlicher Frömmigkeit war; vgl. A. Beutel, Art. «Aufklärung, II. Theologisch-Kirchlich», in: RGG4 I, Sp. 941–948, dort Sp. 945f. 📖 ↩
50
Ernst ­Troeltsch (1865–1923), führender Vertreter der Religionsgeschichtlichen Schule, 1894–1915 Prof. für Systematische Theologie in Heidelberg, 1915–1923 Prof. für Religions-, Sozial- und Geschichtsphilosophie und christliche Religionsgeschichte in Berlin, 1919–1921 Mitglied der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung, 1920 parlamentarischer Staatssekretär im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. – Vgl. etwa E. ­Troeltsch, Protestantisches Christentum und Kirche in der Neuzeit, in: Die Kultur der Gegenwart, ihre Entwicklung und ihre Ziele, hrsg. von P. Hinneberg, Teil I, Abt. 4: Die christliche Religion mit Einschluss der israelisch-jüdischen Religion, 1. Hälfte: Geschichte der christlichen Religion, Berlin / Leipzig 1906, S. 253–458 📖.↩
51
Vgl. K. Aner, Die Theologie der Lessingzeit, Halle/S. 1929 (Hildesheim 20133), S. 1 📖: «Dies Buch erzählt die Geschichte der Theologie im neologischen Zeitalter, jener mittleren Phase der deutschen Aufklärung zwischen wolffianischen Stadium und dem Rationalismus»; A. F. Stolzenburg, Die Theologie des Jo. Franc. Buddeus und des Chr. Matth. Pfaff. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärung in Deutschland (Neue Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche, 22), Berlin 1926 📖; Wernle, Der schweizerische Protestantismus, Bd. 1 (Anm. 4), S. 468–656 📖.↩
52
Vgl. Wernle, a.a.O., S. 468 📖 (Überschrift des 4. Hauptabschnitts).↩
53
Vgl. etwa ­Troeltsch, Protestantisches Christentum (Anm. 50) 📖; Wernle, Der schweizerische Protestantismus, Bd. 1 (Anm. 4) 📖; F. Chr. Baur, Geschichte der christlichen Kirche, Bd. 4: Kirchengeschichte der neueren Zeit. Von der Reformation bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, hrsg. von F. Fr. Baur, Tübingen 1863 📖; A. Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 2: Der Pietismus in der lutherischen Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts, Erste Abtheilung, Bonn 1884 📖; H. Stephan, Die Neuzeit (Handbuch der Kirchengeschichte für Studierende, Teil 4), Tübingen 1909 📖; H. Hoffmann, Die Aufklärung (Religionsgeschichtliche Volksbücher für die deutsche christliche Gegenwart, Reihe 4: Kirchengeschichte), Tübingen 1912 📖.↩
54
Vgl. Stolzenburg (Anm. 51), S. 433, Anm. 318 📖: «Gegen eben dieselbe falsche innere Einstellung und ihre unvermeidlichen äußeren Konsequenzen richtet sich ja dann 100 Jahre später Schleiermachers Besorgnis, wie sie im Sendschreiben an Lücke zum Ausdruck kommt.» Ebd., Anm. 319, findet sich ein namentlicher Hinweis auf R. Seeberg. Vgl. auch a.a.O., S. 17: «eine Erkenntnis, die ganz modern anmutet und an R. Seeberg erinnert»; S. 35: «Fast wird man schon an die Position Albrecht Ritschls erinnert» (ähnlich S. 436).↩
55
Vgl. S. Werenfels, Dissertatio de Scopo Doctoris in Academia S. Literas Docentis, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 1–20, Zitat dort S. 18 📖; die angegebenen Seiten bei Stolzenburg 📖 (Anm. 51) stehen unter der Kopfzeile: «Das Bewußtsein von einem Wandel der Zeiten» (S. 23).↩
56
Zu Johann Konrad Dippel (1673–1734; evangelischer Theologe und Alchimist, der dem radikalen Pietismus angehörte) und Johann Christian Edelmann (1698–1767; Schriftsteller mit pietistischer Frömmigkeit) vgl. Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 2 (Anm. 53), S. 322–338 bzw. S. 356–359 📖; zu Beat Ludwig von Muralt (1665–1749; pietistischer Autor, der mit seinen Briefen und Schriften vor allem in der Schweiz wirkte) und Marie Huber (1695–1753; seit 1711 in Lyon ansässig, schrieb theologische Werke im Sinne der rationalistischen Frühaufklärung) vgl. Wernle, Der schweizerische Protestantismus, Bd. 1 (Anm. 4), S. 126–128.162–164 bzw. S. 150.498f. 📖 ↩
57
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760), herausragende Persönlichkeit der zweiten Generation des Pietismus. Seine sogenannte Kavaliersreise führte ihn 1720 auch nach Basel, wo er die Bekanntschaft mit Werenfels machte. Die beiden blieben in den folgenden Jahrzehnten in Briefkontakt. Erneut trafen sie sich kurz vor dem Tod von Werenfels, als Zinzendorf im Frühsommer 1740 von Genf kommend durch Basel reiste. Zur Geschichte Zinzendorfs in Basel vgl. J. Chr. Duvernoy, Kurzgefasste Lebensgeschichte Nicolai Ludwigs Grafen und Herrn von Zinzendorf und Pottendorf, Barby 1793 📖; H. Reichel, Die Anfänge der Brüdergemeine in der Schweiz mit besonderer Berücksichtigung der Sozietät in Basel, in: Unitas fratrum, H. 29, Herrnhut 1991, S. 9–127 📖.↩
58
Es handelt sich um die sechste Strophe von: N. von Zinzendorf, Ehren-Gedächtnüß des weyland Summi Theologi Basileensis Hrn. Dr. Samuel Werenfelses, in: ders., Büdingische Sammlung einiger in die Kirchen-Historie einschlagender sonderlich neuerer Schriften, Bd. 1, Leipzig 1742, S. 771–775; im Text ein Auszug aus Strophe 5 📖 (beides zitiert nach der Fassung bei: Hagenbach, Die theologische Schule Basels [Anm. 40], S. 68 📖):
Werenfels geht, und Osterwald
(Munter und freudig) ist gleichwohl alt
Wenn nun der auch hingeht;
Wo sind die Alten
Die über’m Lamm noch steif gehalten?
Kyrieleis.
Vgl. Wernle, Der schweizerische Protestantismus, Bd. 1 (Anm. 4), S. 380 📖: «Einen Augenblick dachte der Graf an den alten Werenfels, ob man ihn nicht zu einem wöchentlichen Ermunterer einsetzen könnte; der alte Herr, mit dem Zinzendorf sich ‹im Lamm› so gut verstand, starb wenige Monate nach des Grafen Abreise.»↩
59
Bernard le Bovier de Fontenelle (1657–1757), französischer Philosoph der Aufklärung.↩
60
Bei Budé (Anm. 21), S. 56f.59 📖, finden sich zwei Briefe von Fontenelle an Turrettini, in denen Fontenelle sich lobend über Werenfels äußert. Den erwähnten Dank formulierte Werenfels in Form eines Epigramms; vgl. S. Werenfels, Fasciculus Epigrammatum in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 337–428, dort S. 384: 📖
Nr. CLXI: Cl. FONTENELLO hos illis praeferenti:
Nostris cedere prisca Fontenellus,
Demonstrare volens, & hic & illic
Conquirit nova praeferenda priscis;
Sed cum se nihil invenire cernit,
Libros impatiens facit, probatque
Nostris cedere prisca Fontenellus.

Nr. CLXII: Ad eundem:
Forsitan exiguum tibi Fontenelle videtur,
Quod capitur sciptis gens quoque nostra tuis.
At, precor, agrestis populi ne despice plausus:
Fallor? an hinc veniet gloria summa tibi?
Talem carminibus quia gentem attraxerat Orpheus,
Illum hodie dicunt allicuisse feras.
↩
61
Voltaire (1694–1778), französischer Philosoph und führender Denker der Aufklärung.↩
62
In der 1723 geschriebenen und 1728 herausgegebenen «Henriade» behandelt Voltaire die Geschichte von Heinrich IV. von Frankreich (1553–1610), der, um die französische Königskrone zu erlangen, 1593 zum Katholizismus konvertierte und im Jahr 1598 das Toleranz-Edikt von Nantes erließ. Vgl. Voltaire, La Henriade, Poeme (Oeuvres complètes de Voltaire, T. 10), Gotha / Basel 1785 📖.↩
63
Werenfels zitiert in der zweiten Zeile den Anfang der Aeneis von Vergil (= Publius Vergilius Maro [70–19 v. Chr.]); dt.: «Klatscht Beifall, ihr sequanischen Nymphen, endlich ist dieser wieder lebendig geworden / und besingt an euren Ufern die Waffentaten und den Mann. / Und zweifelt nicht, dass ihr die Trompete des großen Maro hört, / eine solche kann niemand geringeres als Maro blasen.» – Die Epigramme auf Voltaire finden sich in: Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 414f. 📖:
Nr. XXIII: In Voltairium, cum in Thermis cum Auctore versaretur ipisque suum librum Henriade dictum, obtulisset:
Si non cedere versus hi videntur,
Ipsis grandisoni modis MARONIS;
Non mirum tibi debet hoc videri;
Nam MARO redivivus ipse cantat,
Et hic vincere se, puto, volebat.
Nr. XXIV: Aliud:
Gallia reddiderat terris plerosque Poëtas,
unum non potuiut reddere VIRGILIUM.
Plaudite […].
↩
64
S. Werenfels, Oratio de Comoediis, in: ders., Opuscula III (Anm. 20), S. 314–326 📖.↩
65
Ostervald geht gleich zu Beginn seines genannten Briefes (Budé III [Anm. 21], S. 136–138 📖) auf dieses «unangenehme Ereignis» ein (a.a.O., S. 136).↩
66
«Wenn es jedoch Arbeit ist zu meditieren, bin ich gewiss nicht der Faulste unter den Menschen.» Im von Barth eingangs angeführten Brief an Ostervald (S. Werenfels, Epistola familiaris ad Cl. Virum Joh. Frid. Osterwald, in: Opuscula II [Anm. 20], S. 395–400 📖) findet sich der von Barth wiedergegebene Inhalt unmittelbar vor diesem Zitat (a.a.O., S. 399): «Laboriosissimus non sum, & si cui videor corpusculo laborum non patienti plus indulgere, quam ad sanitatem ejus conservandam est necessarium, facile a me impetrabit, ut hoc inter alia plura peccata mea agnoscam.»↩
67
Brief von Jean Le Clerc (1656–1736) an Turrettini vom 25.10.1715, in: Budé II (Anm. 21), S. 141–143 📖.↩
68
Hagenbach, Wettstein (Anm. 21), S. 139–142, dort S. 140 📖: «Ich habe die noch wenigen übrigen alten Tage, so mir der liebe Gott gelassen, gewidmet einem mir höchst nothwendigen Werke, welches zum wenigsten bei mir erfordert, dass ich von mir ablehne alles, was mich daran hindert, anderwärtig zu stark occupiren, zerstreuen und stören kann.»↩
69
Budé III (Anm. 21), S. 206–210, vgl. dort bes. S. 206f. 📖 ↩
70
Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1688–1740), König von 1701–1713. In Prot.Theol., S. 28 📖, stellt Barth Friedrich Wilhelm I. als einen Vertreter des «aufgeklärten Absolutismus» dar, in dem sich das «Prinzip ‹durch Macht zur Macht›» «rational» ausgelebt habe «in Maßnahmen zum sogenannten ‹Wohl› der Untertanen».↩
71
Vgl. Vischer, Werenfelsiana (Anm. 22), S. 64–67 📖.↩
72
Fr. D. E. Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799), Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 2, hrsg. von G. Meckenstock, Berlin / New York 1984, S. 206–247 📖.↩
73
Vgl. Wernle, Der schweizerische Protestantismus, Bd. 1 (Anm. 4), S. 470 📖: «In dem allen vertritt man eine seltsame Mischung alter und neuer Gedanken, so recht eine Theologie des Uebergangs von der Orthodoxie zur Aufklärung, eine Wahrerin des alten Erbes und Vorbereiterin der Revolution. Die eigentliche Grundrichtung muß als konservativ bezeichnet werden; diese Richtung betrachtete sich selbst durchaus als geradlinige Fortsetzung der Reformation, wobei sie nur Reformation und Humanismus ein wenig verwechselte. Dank ihrer konservativen Haltung vollzog sich die Übersiedlung des Christentums aus der alten in die neue Zeit beinahe reibungslos, jedenfalls ohne alle heftigen Stürme. Man wurde modern wie im Schlaf, und es dauerte lange, bis einige Reaktionsmänner die ungeheure Wandlung klar einsahen und Alarm schlugen.»↩
74
Vgl. Hagenbach, Die theologische Schule (Anm. 40), S. 36 📖.↩
75
Philipp Melanchthons 1521 in Wittenberg erschienene Institutiones Rhetoricae, in denen er häufig auf die klassischen Rhetoren der römischen Antike verweist, waren «von einer einzigartigen Beliebtheit auf einem Markt von hunderten von Lehrbüchern» (W. P. Weaver, Rhetorik, in: Philipp Melanchthon. Der Reformator zwischen Glauben und Wissen. Ein Handbuch, hrsg. von G. Frank, Berlin / Boston 2017, S. 535–546, dort S. 545 📖) und lange ein Standardlehrbuch der Rhetorik. ↩
76
Vgl. etwa aus den «Selbstbetrachtungen» von Marc Aurel (121–180): «Der gebildete und bescheidene Mensch sagt zu der alles spendenden und wieder nehmenden Natur: Gib, was du willst, und nimm, was du willst; doch sagt er dies nicht mit trotzigem Sinne, sondern mit Gehorsam und Gelassenheit» (zit. nach: Des Kaisers Marcus Aurelius Antonius Selbstbetrachtungen, neue Übersetzung mit Einleitung und Anmerkungen von A. Wittstock [Reclams Universal-Bibliothek, 1241/1242], Leipzig o. J., S. 156 📖).↩
77
Amandus Polans von Polansdorf (1561–1610) war seit 1596, Johannes Wolleb (1586–1629), seit 1618 Prof. in Basel. Beide waren bekannte Vertreter der reformierten Orthodoxie.↩
78
François Turrettini (1623–1687), Pfarrer, seit 1653 auch Prof. in Genf, Vertreter der reformierten Orthodoxie, 1675 Mitverfasser der Helvetischen Konsensus-Formel von 1675.↩
79
Bei E. Bloesch, Geschichte der schweizerisch-reformierten Kirchen, Bd. 2, Bern 1899, heißt es im Abschnitt «Die Widersprüche gegen die Konsensusformel» (S. 77–98) 📖: «Wie Samuel Werenfels den – man darf wohl sagen normalen – Fortschritt des Sohnes über den Vater hinaus vorbildlich darstellt, so, merkwürdigerweise, auch Alphons Turretini in Genf, der Sohn jenes Franz Turretini, der als Hauptförderer und Mitverfasser der Consensusformel uns begegnet ist» (S. 85). ↩
80
S. Werenfels, Idée d’un Philosophe, in: ders., Opuscula III (Anm. 20), S. 221–224. 📖 ↩
81
S. Werenfels, Meditatio de Zelo in S. Scriptura ubique conspicuo pro una dei Gloria, in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 117–130 📖.↩
82
Werenfels, Sermons (Anm 20). 📖 ↩
83
Vgl. S. Werenfels, Meditatio de Incitamentis ad Virtutem in Sacra Scriptura propositis, in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 131–146 📖; ders., Appendix ubi excutitur quaestio: Cur haec incitamenta nun plus efficaciae habeant inter Christianos?, in: a.a.O., S. 147–156; ders., Dissertatio de Scopo Doctoris in Academia (Anm. 55); ders., Oratio de Recto Theologi Zelo. Dicta cum auctor rectoris academici munus susciperet, in: a.a.O., S. 21–34; ders., Responsio ad Quaestionem; num theologia sit theoretica, an mere practica, an theoretico-practica?, in: a.a.O., S. 252–257; ders., Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 361. Das möglicherweise gemeinte, in Barths Exemplar mit einem Kreuz markierte Epigramm LIV findet sich a.a.O., S. 361f.: «Utrius error gravior est? ejusne qui ita dicit: / Ut placeam Christo, satis est mihi vivere recte; / Recte praeterea vivere nun opus est. / An ejus qui ita dicit: / Ut placeam Christo, satis est mihi, credere recte; / Recte praeterea vivere non opus est. / Decisio. / Error uterque gravis: sed in uno hoc errat uterque; / Quae Christus junxit, diffocianda putant. / Recte qui credit, vita hoc cupit usque probare; / Qui vivit recte, quod cupit ille, facit.» – A.a.O., S. 421f. findet sich das ebenfalls markierte Epigramm LII. «Quid nomen Christiani ab homine requirat».↩
84
S. Werenfels, Dissertatio de Veritate Miraculorum in Sacra Scriptura narratorum, in: ders, Opuscula I (Anm. 20), S. 79–104 📖; ders., Solutio Quaestionis Num Miracula certa sint Veritatis Signa, in: a.a.O., S. 105–116.↩
85
Vgl. Aner (Anm. 51), S. 158 📖: «Der erste Vorstoß des moralischen Psychologismus gegen die überkommene Lehre hatte das Dogma der Erbsünde zum Ziel.» Vgl. a.a.O., S. 158–164.↩
86
Johann Jakob Wettstein (1693–1754) war zwischen 1717 und 1729 Pfarrhelfer in Basel. Seine textkritische Ausgabe des Neuen Testaments brachte ihn in Konflikt mit der Hochorthodoxie. Den Prozess gegen ihn initiierte Jakob Christoph Iselin (1681–1737; seit 1707 als Prof. in Basel); seine Kollegen Johann Ludwig Frey (1682–1759; seit 1711 Prof. in Basel) und Werenfels sowie H. Burckhardt unterstützen ihn. Wettstein wurde abgesetzt und ging in die Niederlande, wo er seine europaweit beachtete Editionsarbeit am Neuen Testament fortsetzte.↩
87
Vgl. Hagenbach, Wettstein (Anm. 21), S. 116 📖; ebd. heißt es dazu: «Indem Wettstein seinen Lehrbegriff auf der Kanzel zu popularisiren suchte, bediente er sich nicht immer der würdigsten und glücklichsten Bilder.»↩
88
Nachdem die seit 1751 in Paris erscheinende Erstausgabe der Encyclopédie von Denis Diderot (1713–1784) und Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717–1783) 1757 verboten worden war und viele Enzyklopädisten, unter ihnen der aus Genf stammende Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) und Voltaire, verfolgt wurden, erschienen weitere Drucke des Werkes im Ausland. Die Ausgabe Encyclopédie ou Dictionnaire Raisonné des sciences, des arts et des metiers, Genf und Neuchâtel 1777–1779 📖, konnte allerdings nur zensuriert erscheinen: Sie wurde durch die Abschwächung von Spitzenaussagen an orthodoxe Vorstellungen angepasst.↩
89
Der «Fall Jatho» markiert einen Höhepunkt in dem seit den 1870er Jahren schwelenden «Apostolikumstreit» um die Geltung der überkommenen Bekenntnisse in den evangelischen Kirchen. Der Kölner Pfarrer Carl Jatho (1851–1913) vertrat seine von den Bekenntnissen abweichende Überzeugung öffentlich und auch gegenüber seiner vorgesetzten Behörde. Er wurde daher am 23. Juli 1911 nach dem am 16. März 1910 für die Evangelische Kirche der altpreußischen Union erlassenen Kirchengesetz betr. das «Verfahren bei Beanstandung der Lehre von Geistlichen» (AKED 59 [1910], S. 265) 📖 dienstentlassen (vgl. V.u.kl.A. 1909–1914, S. 533f., Anm. 93 📖; M. Wolfes, Art. «Jatho, Karl Wilhelm», in: RGG4 IV, Sp. 392 📖). Im Jahr 1909 – darauf bezieht sich möglicherweise Barths Jahresangabe – hatte Adolf Harnack das Kirchengesetz im Vorfeld verteidigt, weil er irrtümlich davon ausging, dass die nach diesem Gesetz Entlassenen ihren Titel und ihre Pension behalten dürften; so distanzierte er sich später zwar inhaltlich deutlich von Jathos Lehre, sprach sich aber gegen dessen Amtsenthebung aus. Vgl. A. von Zahn-Harnack, Adolf von Harnack, Berlin 1936, S. 391–401 📖; Chr. Nottmeier, Adolf von Harnack und die deutsche Politik 1890–1930. Eine biografische Studie zum Verhältnis von Protestantismus, Wissenschaft und Politik (BHTh 124), Tübingen 2004, S. 282f 📖.↩
90
Vgl. Werenfels, Oratio de Recto Theologi Zelo (Anm. 83), S. 22f. 📖; ders., Dissertatio de Ratione Uniendi Ecclesias Protestantes, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 83–120, dort S. 118f. («Fragmentum Lectionis Eodem Tendens»); ders., Responsio ad Quaestionem; num theologia sit theoretica, an mere practica (Anm. 83).↩
91
S. Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 358: Nr. XXXVI 📖: «Auctor valedicit disputationibus de gratia»; dt.: «Deine Gnade, Gott, / zu erörtern, gefällt mir nicht, / und es steht mir nicht frei, sie zu erörtern. / Es ist mir genug zu erkennen / und ununterbrochen zu empfinden, / dass ich nicht einmal ein Stündchen / deinen Geist entbehren kann / […].»↩
92
Vgl. S. Werenfels, Dissertatio de controversiis theologiscis rite tractandis. Recitata, cum auctor professionem controversiarum auspicaretur, in: ders., Opuscula I, S. 375–396, dort S. 391f 📖; ders., Oratio de Recto Theologi Zelo (Anm. 83), S. 25;ders., Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 364 (dort finden sich sechs Epigramme), vermutlich meint Barth Nr. LXVII: «In studium partium»:
Hic jurat in Papae ratas sententias;
Magister huic Lutherus est, huic Zwinglius;
Nec asseclis Photinus, Arius carent.
Hominum sequaces hic & illic conspicis.
At CHRISTUS asseclas ubi suos habet,
Veros, sibi soli fideles, asseclas,
Sua audientes dicta, non mortalium,
Nec his nec illis servientes partibus?
↩
93
Vgl. Werenfels, Appendix ubi excutitur quaestio: Cur haec incitamenta (Anm. 83), S. 154 📖; ders., Dissertatio de controversiis theologiscis (Anm. 92), S. 396 📖; ders., Oratio de Recto Theologi Zelo (Anm. 83), S. 28f ↩
94
Vgl. Werenfels, Dissertatio de Logomachiis Eruditorum (Anm. 18), S. 10f.23–25.36 📖. – Ausgehend von den bundestheologischen Überlegungen des Johannes Coccejus wurde darüber gestritten, ob die Betonung der Bundesgeschichte seit Adam und Noah nicht zu einer Herabwürdigung der Bedeutung des Heilsgeschehens Christi führe. Die Jansenistischen Streitigkeiten entzündeten sich an der Theologie von Cornelius Jansen (1585–1638), der, von Augustin ausgehend, die absolute Gnadenbedürftigkeit des Menschen betonte und jede Möglichkeit menschlicher Mitwirkung an der Gnadenerlangung ausschloss.↩
95
Vgl. a.a.O., bes. S. 106f. 📖 ↩
96
Zur Helvetischen Konsensus-Formel, mit der Johann Heinrich Heidegger und François Turrettini versuchten, einen Lehrkonsens bezüglich der Gnadenlehre in der Schweiz durchzusetzen, vgl. oben, S. 127, Anm. 49.↩
97
Werenfels, Dissertatio de controversiis theologiscis (Anm. 92) 📖.↩
98
Bei Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 348, finden sich drei Epigramme «Auctor ad se ipsum» (IV–VI) 📖; a.a.O., S. 372, meint Barth wohl die beiden Epigramme «In obscure loquentem» (CVIIf.).↩
99
Es handelt sich um den oben, Anm. *12 bzw. 68, bereits angeführten Brief vom 17.4.1732 (vgl. Hagenbach, Wettstein [Anm. 21], S. 139–142 📖) sowie um einen Brief von Pierre Roques (1685–1748) an Turrettini vom 7.1.1730, in: Budé III (Anm. 21), S. 258–261 📖.↩
100
Der genannte Brief von Johann Kaspar Escher (1678–1762; Zürcher Politiker und über Jahrzehnte einer der wichtigsten schweizerischen Diplomaten) findet sich in: Budé I (Anm. 21), S. 378f. 📖 ↩
101
Vgl. Hagenbach, Wettstein (Anm. 21), S. 139f 📖: «Dero ganz unvermuthetes mir durch den Pedellum zugeschicktes Schreiben hab’ ich vergangenen Samstag empfangen, eben da ich im Begriff war, mich auf die bevorstehende Communion vorzubereiten, würde auch etwas ruhiger und andächtiger communicirt haben, wann mir der Brief ein paar Tage später zugekommen wäre.»↩
102
Gottfried Traub (1868–1956) hatte Jatho im Disziplinarverfahren (s. oben, Anm. 89) verteidigt und später den altpreußischen Evangelischen Oberkirchenrat massiv angegriffen. Ein daraufhin gegen ihn selbst eingeleitetes Disziplinarverfahren endete mit seiner Amtsenthebung bei gleichzeitigem Entzug der Pensionsansprüche und der Ordinationsrechte. Diesem Urteil, an dessen Ausarbeitung Julius Kaftan (1848–1926) mitgewirkt hatte, widersprach Harnack öffentlich; vgl. Zahn-Harnack (Anm. 89), S. 401–406 📖; Nottmeier (Anm. 89), S. 284 📖.↩
103
Nach Hagenbach, Wettstein (Anm. 21), S. 122 📖, äußerte Werenfels sich während des Wettstein-Prozesses so gegenüber einem Ratsherrn, der diese Aussage wiederum dem Angeklagten mitteilte.↩
104
Vgl. Werenfels, Epistola Familiaris (Anm. 21), S. 398 📖.↩
105
Siehe oben, Anm. 47.↩
106
Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 366, finden sich vier Epigramme; gemeint sein könnte Nr. LXXVI. «Aliud 📖»:
Suspectus es, cum vis videri singula,
Quaecunque Patres tradiderunt, credere:
Qui credit omne, quod cupit, credit nihil.
↩
107
Vgl. S. Werenfels, Dissertatio de Triplici teste de verbo dei Testante, in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 157–186, dort S. 167–171 📖: «De aliis quibusdam Ecclesiae ejusque doctorum circa Scripturam S. Partibus».↩
108
S. Werenfels, Cogitationes generales de Ratione Uniendi Ecclesias Protestantes quae vulgo Lutheranarum & Reformatarum nominibus distingui solent, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 61–80 📖; ders., Dissertatio de Ratione Uniendi (Anm. 90); ders., Scrupulus de Praedestinatione et Gratia, in: a.a.O., S. 133–148, dort S. 141–144: «Theses de Gratia convertente, in quibus protestantes convenire possent.» – Der von Barth genannte Vorschlag findet sich in Werenfels, Dissertatio de Ratione Uniendi, S. 104f ↩
109
S. Werenfels, Dissertatio Apologetica pro Plebe Christiana adversus doctores judicium de dogmatibus fidei illi auferentes, in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 1–40 📖; ders., De Jure in Conscientias ab homine non usurpando, Epistola ad D. D. Nicolaum Wilkens, Hamburgensem, in: a.a.O., S. 41–64; ders., Quaestio de Ministris ad sacrum hoc munus Admittendis, in: ders., Opuscula II, S. 121–132.↩
110
Brief von Werenfels an Turrettini vom 21.3.1720, in: Budé III (Anm. 21), S. 425f., hier S. 426 📖 (dt.: «Unsere Schrift verurteilt der Zürcher Klerus. / Ich freue mich und vermute daher, dass die Schrift gut ist»).↩
111
Vgl. Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 414, Nr. XX. «Aliud» (Nr. XIX trägt den Titel: «In Indices expurgatorios» 📖): «Commendare librum si vis, ne quaere probantes: / Carior hic longe, si prohibetur, erit.»↩
112
S. Werenfels, Dissertatio de Scopo Doctoris in Academia (Anm. 55); ders., Dissertatio de Ratione uniendi (Anm. 90), dort bes. S. 118–120: «Fragmentum lectionis eodem tendens» 📖; ders., Responsio ad Quaestionem; num theologia sit theoretica, an mere practica (Anm. 83).↩
113
Schon 1686 verweigerte Peter Werenfels als Rektor der Universität Basel die Unterzeichnung der Formel; von da an gab es in Basel bereits keine Lehrverpflichtung auf die Formel mehr. 1723 setzte man sie auch förmlich außer Kraft: «Es geschah nach Anhörung eines Gutachtens der Theologen und Professoren in der Versammlung des Grossen Rates vom 1. Juni, mit der Begründung, seit Einführung der Formel sei mehr Streit entstanden als jemals vorher, und seit langen Jahren sei sie ohnehin nicht mehr unterzeichnet worden» (Bloesch [Anm. 79], S. 96f. 📖).↩
114
Barth zitiert das Epigramm hier in der korrekten Form nach Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 362, Nr. LX: «S. Scripturae abusus» 📖 (dt.: «Dies ist ein Buch, in dem jeder seine Lehren sucht. / Es findet auch jeder gleichermaßen seine Lehren.»). Zuvor hatte er dasselbe Epigramm durchweg in einer wohl aus Hagenbach, Die theologische Schule Basels (Anm. 40), S. 39 📖, entnommenen, leicht abweichenden Form zitiert; vgl. V.u.kl.A. 1905–1909, S. 114 📖; Unterricht I, S. 314 📖; Chr.Dogm., S. 524 📖.↩
115
Vgl. Werenfels, Dissertatio de Scopo, quem S. Scripturae Interpres sibi proponere debet. Publice recitata cum auctor professionem Vet. Test. auspicaretur, in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 397–411 📖; ders., Lectiones Hermeneuticae sive de arte interpretandi Scripturam Sacram, in: Opuscula II, S. 291–327; ders., Epistola ad Amicum (Anm. 25); ders., Dissertatio de Triplici (Anm. 107).↩
116
Vgl. aus ApolCA, Abschnitt XII. «De Poenitentia» 📖 (BSLK, S. 279,39 📖; vgl. BSLK.NE, S. 487,34 📖): «Scimus enim eam veram, piam et piis conscientiis utilem esse.»↩
117
Mit Akkommodation wird der Gedanke bezeichnet, dass Jesus und die Apostel sich, um verständlich zu sein, den historischen, sprachlichen und auch geistigen Voraussetzungen – wider besseres eigenes Wissen – angepasst hätten. Mit Hilfe der Akkommodationstheorie «wollte man bei der Einsicht in die historische Bedingtheit der neutestamentlichen Lehrgestalt doch die Autorität Jesu und der Apostel wahren» (P. Althaus, Art. «Akkomodation», in: RGG3 I, Sp. 209 📖). Werenfels, Lectiones hermeneuticae (Anm. 115), S. 318f. 📖, schließt eine ähnliche Überlegung mit diesem Satz: «[…]; necesse igitur fuit ut Scriptores Θεόπνευςοι [sic!] de iis loquerentur, aut secundum rei veritatem, aut secundum communem hominum opinionem».
In seinem Exemplar, S. 317, notierte Barth «Jülicher» an den Rand dieses Satzes: «Quod de historiis dicimus, id multo magis de Parabolis verum est. Hic ante omnia scopus cujusque parabolae est considerandus, & non modo, quod huic adversatur, sed etiam, quod ad eum nihil confert, pro sensu loci alieno habendum, quem auctor parabolae nec intenderit, nec intendere potuerit.» – Adolf Jülicher (1857–1938) definierte «das Gleichnis als diejenige Redefigur, in welcher die Wirkung eines Satzes (Gedankens) gesichert werden soll durch Nebenstellung eines ähnlichen, einem andern Gebiet angehörigen, seiner Wirkung gewissen Satzes», und beschrieb den Unterschied zur «Allegorie» dahingehend, «dass jene das ‹Bild› auf den ‹Gedanken› zuschneidet, dies das ‹Bild› in seiner Naturfarbe und allein um derselben willen unverletzt erhält. Wenn im Gleichnis das ‹Bild› seine Schuldigkeit nicht thut, nicht unfehlbar wirkt, so kann des Hauptsatzes Wirkung dadurch nicht gefördert werden, und kein Nutzen ist hier Schaden» (A. Jülicher, Die Gleichnisreden Jesu, Teil 1: Die Gleichnisreden Jesu im Allgemeinen, Freiburg i. B. / Leipzig / Tübingen 18992, S. 80 und S. 81 📖).↩
118
Vgl. Werenfels, Lectiones hermeneuticae (Anm. 115), dort S. 309 📖: «Omnis sensu potuit a S. Scripturae intendi, qui non est absurdus & manifesto verbo Dei contrarius. Dico, qui non est absurdus, ubi intelligo sensum cum sana ratione pugnantem, non vero rationem superantem, sive quem ratio plene non assequitur. Deus enim, qui rexit Scriptores S. cum sibi ipsi adversari nequeat, ita eos rexit, ut nihil dicerent, quod esset illi contrarium, quod Deus ipse iis per sanum rationis usum revelavit; […].»↩
119
Vgl. S. Werenfels, Dissertatio in Verba Domini: Hoc est corpus meum, &c., in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 187–234, dort S. 230 📖: «Forte dicent quidam, examinanda esse omnia fidei dogmata, sed ad normam S. Scripturae, non ad normam rationis. Bene est. Sed quaenam est ista facultas, qua utimur in S. Scripturae interpretanda? num alia, quam qua in aliis nostris judiciis & ratiocinationibus utimur? Hoc sane non magis dici potest, quam nos aliis oculis legere S. Scripturae, quam caeteros libros.»↩
120
Vgl. Werenfels, Dissertatio de Triplici teste (Anm. 107), S. 179–185 📖: «Sectio III. De testimonio Spiritus Sancti»; ders., Lectiones hermeneuticae (Anm. 115), S. 292f.: «Caput Primum. Ubi examinatur, an certi esse possimus de sensu S. Scripturae»; S. 309: «Hic vero quaeri potest, 1. In genere, num sensus aliquis potuerit esse intentus a S. Scriptore, quicunque demum fuerit.»↩
121
Vgl. S. Werenfels, Dissertatio de Praestantia Religionis in S. Scriptura revelatae, hujusque revelationis necessitate, in: ders., Opuscula I (Anm. 20), S. 65–78, dort S. 67 📖: «Nihil hic est repugnans illi de Deo notioni, quam omnibus natura indidit, imo nullam ideam Deo digniorem, summaque ejus majestati gloriosiorem exquisitissima hominum ratio excogitare potuit adhuc, aut cogitando assequi poterit unquam. Si quae hic superant rationis captum; hoc ipsum indicat, librum hunc non esse nudum rationis opus»; ders., Monitum Auctoris ad quosdam dubii de praedestinatione in secundo tomo propositi solutionem tentantes, in: ders., Opuscula II, S. 278–280.↩
122
«Schnöden» = schweizerischer Ausdruck für «spotten».↩
123
Vgl. Werenfels, Fasciculus Epigrammatum (Anm. 60), S. 369, Nr. LXXXIX. «In inimicum rationi 📖»: «Non adeo injustum est, inimicus si Rationi es: / Haec inimica prius coeperat esse tibi»; a.a.O., S. 410, Appendix, Nr. IX. «In inimicum rationis»: «Quod tribuant homines sanae nimium rationi, / Raro conqueritur, qui ratione valet.»↩
124
Das beschriebene Gleichnis findet sich bei Werenfels, Dissertatio de Triplici teste (Anm. 107), S. 183f. 📖↩
125
Der auf den antiken Skeptizismus zurückzuführende Begriff der ἐποχή (Anhalten) kann sowohl «Innehalten» als auch «Zurückhaltung» im Urteil bzw. bei der Zustimmung bedeuten (vgl. M. Hossenfelder, Art. «Epoché I», in: HWP 2 [1972], Sp. 594f. 📖). Im Kontext der von Barth so genannten «historischen Unbefangenheit gegenüber der Heiligen Schrift» wird hier die letztere Bedeutung gemeint sein.↩
126
Vgl. Werenfels, Appendix ubi excutitur quaestio: cur haec incitamenta (Anm. 83), S. 155 📖 (über die «doctrinam de justificatione per fidem» und die Notwendigkeit der «bonorum operum»); ders., Dissertatio de Scopo, quem S. Scripturae interpres (Anm. 115), S. 408f. (Missbrauch der paulinischen Rechtfertigungslehre); ders., Scrupulus de Praedestinatione (Anm. 108), dort S. 144–148: «De gratuita peccatoris justificatione»; ders., Lectiones hermeneuticae (Anm. 115), S. 312 (Beispiel des paulinischen Sündenverständnisses).↩
127
Werenfels, Scrupulus de Praedestinatione (Anm. 108), darin S. 141–144 📖: «Theses de Gratia convertente, in quibus protestantes convenire possent», S. 144–148: «De gratuita peccatoris justificatione»; ders., Dissertatio de libertate hominis ad imputationem actionis requisita, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 269–274; ders., Theses quibus explicatur quo modo Adamus sanctus a deo creatus labi potuerit, in: a.a.O., S. 275–277.↩
128
Werenfels, Scrupulus de Praedestinatione (Anm. 108) 📖; ders., Monitum Auctoris ad quosdam dubii de praedestinatione (Anm. 121); vgl. Vischer, Werenfelsiana (Anm. 22), S. 64–68 📖.↩
129
Werenfels, Sermons (Anm. 20), S. 256–301: «Sermon VII. De la Possibilité de faire la Volonté de Dieu. 📖»↩
130
S. Werenfels, Dissertatio adversus Carnalem Securitatem, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 35–50, dort S. 48–50: Corollaria 📖. Barth referiert vor allem Nr. XV (S. 50): «Certitudo salutis […] non est pars salvificae fidei[…].»↩
131
S. Werenfels, Cogitata de privata peccatorum confessione, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 282–288 📖.↩
132
Der Brief findet sich in: Budé III (Anm. 21), S. 423–425 📖; vgl. Vischer, Werenfelsiana (Anm. 22), S. 59–63, Zitat S. 62 📖 (dort: «menschlichen» und «Sorg»). – Der Begriff «Retraite», der eine im Pietismus verbreitete Frömmigkeitspraxis bezeichnet, entstammt dem Mönchtum und meint dort «als Gegengewicht gegen alle eifrige ‹apostolische› Aktivität» eine (auch bauliche) Möglichkeit «für den Rückzug in stilles Gebet» (F. von Lilienfeld, Art. «Mönchtum II. Christlich», in: TRE 23 [1994], S. 150–193, dort S. 180 📖).↩
133
Werenfels, Dissertatio adversus Carnalem Securitatem (Anm. 130) 📖.↩
134
William Ames / Guilielmus Amesius (1576–1633), englischer puritanischer Theologe, seit 1622 Prof. in Franeker. Gemeint ist: W. Ames, De conscientia et eius iure vel casibus libri quinque, Amsterdam 1630 📖.↩
135
Vgl. Vischer, Lehrstühle (Anm. 22), S. 50 📖: «Nachdem er dann einen über mehrere Jahre sich erstreckenden cursus in theologia morali gehalten hat, repetiert er ihn während drei Jahren. Hierauf unternimmt er, den Studierenden die Pflichten gegen Gott, den Nächsten und sich selbst auseinanderzusetzen und schliesst auch diesen Vorlesungen und Unterredungen nach einigen Jahren ein Repetitorium des Behandelten an. Dann geht er zur Erörterung von Gewissensfragen an Hand des Buches des einstigen Professors in Franecker W. Amesius De conscientia et ejus jure et casibus über.» Vgl. auch den Brief des jüngeren Ostervald an Turrettini vom 1.2.1736, in: Budé III (Anm. 21), S. 206–210, dort S. 207 📖: «et il traite actuellement les cas de conscience».↩
136
S. Werenfels, Meditatio in Psalmum III, in: ders., Opuscula II (Anm. 20), S. 51–60 📖; J. Calvin, In Librum Psalmorum Commentarius 📖 (CR 59 [= Calvini Opera 31]), col. 52–57 📖.↩
137
Es handelt sich um von Barth selbst angefertigte Zusammenfassungen der angegebenen Texte.↩