Vorwort
VORWORT
In Abteilung I der Gesamtausgabe sind bisher zwei vollständige Jahrgänge — 1913 und 1914 — von Predigten des jungen Safenwiler Pfarrers
Seit dem Übergang vom Safenwiler Pfarramt ins akademische Lehramt (Oktober 1921) hatte Barth keinen amtlichen und regelmäßigen Predigtauftrag mehr. Doch hat er seiner berühmt gewordenen Erklärung, daß die Wurzel seiner Theologie «das spezifische Pfarrerproblem der Predigt» sei1, auch in der Weise die Treue gehalten, daß er Einla|VIIIdungen zum Predigen, wann immer sein sonstiges Arbeitspensum es zuließ, gern Folge leistete. Aus den Jahren 1921 bis 1964 liegen rund 130 Predigten
Eine eigenständige Periode ist dieser letzte Zeitabschnitt nicht allein dadurch, daß ein längeres Fernbleiben von der Kanzel sie von der vorangehenden trennt, sondern viel mehr noch durch den neuen und von nun an (bis auf wenige Ausnahmen) kaum noch gegen einen anderen vertauschten, ja allen anderen ausdrücklich vorgezogenen Predigtort: die
In dem vorliegenden Band gehen die beiden Predigtsammlungen Den Gefangenen Befreiung
In einem zweiten Teil sind, wie generell für Abteilung I der Gesamtausgabe vorgesehen, die aus derselben Periode stammenden, für verschiedene Publikationsorgane verfaßten Artikel zu kirchlichen Feiertagen gesammelt. Sind sie durch den Bandtitel «Predigten» strenggenommen nicht miterfaßt, so wirken sie doch insofern auf die Namensgebung des Bandes ein, als sich durch sie die hintere zeitliche Begrenzung von 1964 auf 1967 verschiebt: Der letzte der Artikel, gleich der letzten Predigt zum Osterfest entstanden, ist drei Jahre jünger als diese.
Im dritten Teil werden Vorworte Barths zu Sammelbänden, die durch Übernahme ihres Inhalts in die Gesamtausgabe aufgelöst werden, abgedruckt: dasjenige zu der ersten der beiden genannten Predigtsammlungen — die zweite erschien ohne Vorwort — und das zu dem 1963 im
Im Anhang endlich werden (vor den «Nachbemerkungen» von M. Schwarz zu Den Gefangenen Befreiung) zwei der schon im ersten Teil |X des Bandes enthaltenen Predigten in leicht abweichender Textform noch einmal wiedergegeben: in wörtlicher Reproduktion des gesprochenen Wortlauts nach den — einzig von diesen beiden Predigten existierenden — akustischen Aufzeichnungen. Manchem Leser mag es lieb sein, außer der von
Mit dem Vorliegen jener beiden Predigten in akustischen Aufzeichnungen schließt sich im übrigen auch der Kreis von Dokumenten, die das Entstehen einer Predigt dieser Periode von der Vorbereitung am Schreibtisch bis zur Druckfassung in der regelmäßigen Abfolge von meistens neun Phasen belegen.
- Barth notierte die Predigt handschriftlich in Stichworten. In dieser Erstgestalt ist nur eine Predigt (5. August 1956) erhalten geblieben.
- Er schrieb die Stichworte mit der Maschine in das Konzept (in der Regel 3 oder 4, bisweilen auch 2 oder 5 Blätter des Formats DIN A 5), das er auf die Kanzel mitnahm.
- Er versah das maschinenschriftliche Konzept mit handschriftlichen Korrekturen (meist Zusätzen) sowie oftmals mit Unterstreichungen mit blauem und rotem Farbstift. Die Konzepte sind bis auf vier Ausnahmen sämtlich erhalten.
- Anhand dieser Stichworte formulierte er die Predigt auf der Kanzel im einzelnen frei.
- Während der Predigt nahm seine Mitarbeiterin
Charlotte von Kirschbaum , die ihn stets in die Gottesdienste begleitete, ein Stenogramm auf. (Von den Stenogrammen scheint keines erhalten zu sein.) - Gewöhnlich noch am selben Sonntag schrieb sie das Stenogramm in normaler Handschrift aus.
- Diese handschriftliche Ausarbeitung versah Barth wiederum mit handschriftlichen Korrekturen. Zwei Predigten (14. August 1955 und 14. Juli 1959) sind in dieser Fassung erhalten.
- XINach der korrigierten Handschrift stellte
Charlotte von Kirschbaum eine maschinenschriftliche Reinschrift her. - Diese Reinschrift wurde von Pfarrer
Schwarz abgeholt und in die Strafanstalt gebracht, wo sie von einem Häftling auf Matrizen abgeschrieben und vervielfältigt wurde. Die Vervielfältigung wurde in der Strafanstalt an alle Interessenten verteilt und vonBarth an Bekannte verschickt. Sie lag auch dem Druck in den zahlreichen Einzelveröffentlichungen und in den beiden Sammelbänden5 zugrunde.
Seit etwa 1962 war Charlotte von Kirschbaum gesundheitlich nicht mehr in der Lage, in der gewohnten Weise an der Textherstellung mitzuwirken. Mangels eines Stenogramms arbeitete Barth nun nach gehaltener Predigt anhand seiner Stichworte eine endgültige Fassung selbst handschriftlich aus. In dieser Form sind vier Predigten (31. Dezember 1962, 24. Februar, 19. Mai und 24. Dezember 1963) vorhanden.
Von den Textstufen 1, 2/3, 6/7 sowie von Barths eigenen nachträglichen Ausarbeitungen wird diesem Band (im Anschluß an das Vorwort) je ein Blatt im Faksimile beigegeben. Die Textstufe 4 ist durch den Anhang repräsentiert.
Zum Technischen der Edition ist noch folgendes zu sagen.
Orthographie und Interpunktion wurden nach den für die Gesamtausgabe gültigen Regeln durchgehend korrigiert. Das legte sich um so mehr nahe, als in den bisherigen Druckausgaben — entsprechend der geschilderten stufenweisen Entstehung der Endfassung, die Barth nicht mehr im einzelnen zu überwachen pflegte — in beiderlei Hinsicht weitgehende Regellosigkeit und ein ständiger Wechsel im Grade der Angleichung an Barths persönliche Gepflogenheiten herrschen. So wurde z. B. statt der regellos alternierenden Formen «anderen»/«andern», «unseren»/«unsern» usw. stets die erstere Version eingeführt, «irgend ein» u. ä., wie Barth es zu tun pflegte, getrennt geschrieben. Barths spezifische Praxis der Großschreibung gewisser Worte, die nach Duden klein zu schreiben wären, wurde auch dort durchgeführt, wo es in der ursprünglichen Druckfassung nicht geschehen ist.6 Die Zeichensetzung |XII wurde vereinheitlicht und im Interesse der Lesbarkeit — in diesem Fall ohne Rücksicht auf
Zwischen senkrechten Strichen in den Text eingefügt wurden die Seitenzahlen je einer früheren Druckausgabe. Sie bezeichnen jeweils den Beginn einer neuen Seite der früheren Ausgabe und beziehen sich bei den Predigten auf die beiden Sammlungen Den Gefangenen Befreiung
Wo größere Absätze (mit einer Leerzeile) eingeführt wurden, die in der älteren Druckfassung fehlen, und wo umgekehrt solche Absätze eliminiert wurden, ist es jeweils in Angleichung an die aus dem Stichwortkonzept ersichtliche Gliederung Barths geschehen.
Bibelstellenangaben sowie eine syntaktisch notwendige Textergänzung (S. 187) in eckigen Klammern wurden vom Herausgeber hinzugefügt. In den Gebeten wurde auf diese Zusätze verzichtet. Doch sind unverkennbare Anspielungen auf biblische Texte innerhalb der Gebete im Bibelstellenregister mit verzeichnet.
Die Anmerkungen stammen ausnahmslos vom Herausgeber.
Auf den Stichwortkonzepten sind meist die in den Gottesdiensten gesungenen Lieder notiert. Sie werden jeweils am Schluß der Predigten im Kleindruck mitgeteilt. Die Liednummern beziehen sich dort wie in den Anmerkungen, wo nicht anders angegeben, auf das 1952 eingeführte Gesangbuch der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz
XIIIAbweichend davon werden in den Anmerkungen Kirchenliedzitate stets nach den beiden genannten Gesangbüchern nachgewiesen, sofern beide das betreffende Lied enthalten.
Die Namen der Dichter von Liedern, die gesungen wurden, aber nicht in der Predigt erwähnt sind, bleiben im Namenregister unberücksichtigt.
Das Begriffsregister möchte u. a. dazu beitragen, den Gebrauch dogmatischer Topoi in den Predigten leichter auffindbar zu machen. Daher sind darin auch einzelne Stichworte aufgenommen, die in den Predigten nicht wörtlich so vorkommen, und sind verwandte Gedanken gelegentlich unter einem gemeinsamen Stichwort subsumiert.
Für wertvolle Hilfe beim Lesen der Korrekturen habe ich Herrn Pfarrer i. R. Helmut Goes und meiner Frau zu danken.