19. Mai 1963

Traget! Predigt über Galater 6,2

234
TRAGET!
Unser Vater im Himmel! Unser Leben ist so verwirrt: zeige uns die Ordnung, die du ihm gegeben hast und neu geben willst! Unsere Gedanken sind so zerstreut: sammle du sie um deine Wahrheit! Unser Weg liegt so dunkel vor uns: geh uns voran mit dem auch uns verheißenen Licht! Unser Gewissen klagt uns an: laß uns erkennen, daß wir aufstehen dürfen, um dir und unserem Nächsten zu dienen! Unser Herz ist unruhig in uns1: Herr, gib uns deinen Frieden!
Du bist die Quelle alles Guten, bist selber das Gute, neben dem es kein anderes gibt. Um das noch gründlicher zu verstehen, noch aufrichtiger zu bekennen, sind wir in dieser Morgenstunde zusammengekommen. Du willst es ja nicht so haben, daß ein Jeder für sich dich suche und allein mit seinen Problemen fertig zu werden unternehme. Du willst, daß wir in unserem Elend und in unserer Hoffnung ein einiges Volk von Brüdern2 seien. Als solches Volk geben wir uns jetzt die Hand, um dir gemeinsam zu danken und unsere immer wieder so leeren Hände gemeinsam nach dir auszustrecken. Mach du recht, was wir auch bei diesem unserem Sonntagswerk verkehrt machen mögen! Rede du selbst so mit uns, daß wir dich in unserer ganzen Schwachheit hören dürfen, können und müssen!
Im Namen und auf Geheiß unseres Herrn Jesus, deines lieben Sohnes: Unser Vater …!
Galater 6,2
Traget ein Jeder die Lasten des Anderen! Damit werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
98 Meine lieben Brüder!

In Deutschland gab es früher — ich weiß nicht, ob es heute noch so ist — gewisse merkwürdige Eisenbahnwagen 4. Klasse, in denen z. B. die |235 Bauern, wenn sie auf den Markt fuhren, ihre Tragkörbe, Säcke und dergleichen ausbreiten und aufstellen konnten und die darum auch nach außen die Aufschrift trugen: «Für Reisende mit Traglasten». Solche «Reisende mit Traglasten» zu sein, ist wohl uns allen bestimmt. Die Einen wissen es, die Anderen nicht. Die Einen sind es offen, die Anderen im Verborgenen. Die Einen merken es erst später, wenn sie in die Jahre kommen, von denen wir sagen: «Sie gefallen uns nicht» [vgl. Pred. 12,1], die Anderen bekommen es schon von Jugend an zu spüren. Mit munteren Gesichtern sind es die Einen, mit bösen und traurigen die Anderen. Aber Alle sind es. Das scheint aufs erste Anhören nicht schön zu sein. Und nun verfolgt uns das schon in unserem Text bis in diesen Sonntagmorgen hinein — in sehr seltsamer Form sogar: «Traget ein Jeder die Lasten des Anderen!» Aber Achtung: damit dürfte nun gerade etwas sehr Schönes gemeint sein. Lautet doch die Fortsetzung verheißungsvoll genug: «Damit werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.» — Wir wollen darüber nachdenken, was uns mit dem allem gesagt ist.

Fangen wir, wie es bei der Auslegung der Bibel öfters ratsam ist, mit dem Ende an, um dann von da aus den Anfang zu verstehen!

Von einem «Gesetz» ist da die Rede. Auch das tönt nicht eben gut, weil es uns unangenehm an Buchstaben, Sätze, Paragra99phen erinnert, an die man sich halten sollte, die man aber vielleicht lieber gelegentlich übertritt oder doch umgeht, wobei man leicht mit ihnen in Konflikt kommen und von ihrer gewaltigen Macht überfahren werden kann. Aber hier ist nicht von irgend einem, sondern von einem sehr besonderen, nämlich von dem «Gesetz Christi» die Rede. Beachten wir sofort, daß es nicht heißt: ihr sollt es erfüllen — wobei dann die Frage offen bleibt, ob wir das tun wollen oder auch nur können. Es heißt, wie wenn das das Natürlichste von der Welt wäre: ihr werdet es erfüllen. Und bedenken wir, was unser Herr Jesus selbst von diesem seinem Gesetz gesagt hat: «Nehmet auf euch mein Joch …, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen … Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht» [Mt. 11,29f.]. Das verändert das Bild. Da wird offenbar von Niemandem zu viel verlangt. Da besteht kein Grund zur Auflehnung. Da wird auch Niemand überfahren. Da scheint es eine gute, fröhliche Sache zu sein, gehorsam zu werden. Da schmeckt es nach Freiheit.

236 Das Gesetz Christi ist in der Tat das Gesetz der freien und befreienden Gnade Gottes. Jesus Christus hat es (darum heißt es sein Gesetz) aufgerichtet und in Kraft gesetzt. Das geschah aber in dem, was er als Gottes Sohn und Gesandter und in seinem Namen für die Welt, nämlich zu ihrer Versöhnung mit Gott, und für einen Jeden von uns, nämlich zu seinem Heil, getan hat und noch tut. Er tat und tut es aber als der große, der unvergleichliche, der in seiner Art einzige wirkliche Lastträger. So hat ihn Johannes der Täufer gesehen: «Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt» [Joh. 1,29]. Es geschah, daß alle Sünden, alle Übertretungen, Verfehlungen, Verirrungen, Verkehrtheiten der ganzen Welt aller Zeiten und Länder (mit Einschluß der unsrigen!) ihm aufgeladen wurden, als ob er sich ihrer schuldig gemacht hätte. Es geschah, daß er nicht 100 klagte angesichts dieses Meeres von Greueln und nicht aufbegehrte gegen solche unerhörte Zumutung, sondern diese ganze Last willig auf sich nahm, unsere Sünde seine Sünde, unseren Jammer seinen Jammer sein ließ. Es geschah, daß er diese ganze Last trug: «hinauftrug ans Kreuz», wie es an einer anderen Stelle [1.Petr. 2,24] heißt. Es geschah, daß er sie, indem er am Kreuz starb, wegtrug, abschaffte, auslöschte — die Welt und uns alle von ihr befreite. Das geschah.

Es geschah aber noch mehr: eben als dieser große Lastträger und so als der Vollstrecker der allmächtigen Liebe, in der Gott die Welt und uns geliebt hat [vgl. Joh. 3,16], ist er auferstanden von den Toten, lebt, leuchtet und regiert er nun für immer, in Ewigkeit. Als Dieser wurde und ist er Herr und Herrscher, König und Richter: nicht als ein gewaltsamer Eroberer, sondern als dieser große Lastträger. Als solcher hat er die Welt zu seinem Reich und Eigentum gemacht und uns alle zu Genossen dieses Reiches berufen. Eben als solcher sagt er, was Ordnung und Unordnung ist, entscheidet er über Recht und Unrecht, Gut und Böse. Eben als solcher gibt er der Welt und uns sein Gesetz. Als unser Befreier also wurde und ist er unser Gesetzgeber. Und was sein Gesetz von uns will, uns vorschreibt und gebietet, ist schlicht: daß wir als die durch Ihn, den großen Lastträger, Befreiten leben dürften und sollten. Darum nennt er sein Joch sanft und seine Last leicht. Darum folgt dem Aufruf, sein Gesetz zu halten, sofort die Verheißung: «So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.»

237 Aber nun zum Anfang unseres Textes und also zu uns kleinen Lastträgern! Wir können und werden immer nur kleine Lastträger sein: mit ihm nicht zu vergleichen — weder in dem, was wir sind, noch in dem, was wir tun dürfen und können. Kein Gotteswerk wird das sein, sondern immer nur ein sehr bescheidenes und sehr brüchiges Menschenwerk. Was wir zu 101 tragen bekommen, wird ja nie die Last der Sünde der ganzen Welt sein: an gewissen dunklen Schatten eines kleinsten Teils der Last, die Er trug und trägt, werden wir genug zu tragen haben. Auch nur sie zu beseitigen, ist uns nicht aufgegeben: uns kommt nur zu, als die durch Ihn Befreiten mit diesen Schatten umzugehen. Das aber kommt uns zu. Und das ist es, was das Gesetz Christi, was Er, der große, von uns kleinen Lastträgern will, was er uns vorschreibt und gebietet.

Was aber sind die Lasten, die wir zu tragen bekommen? Schatten nannte ich sie soeben. Man sagt wohl besser: sie sind die Rückstände, die dadurch entstehen, daß es auch in der Welt, deren Sündenlast Jesus Christus doch weg-, hinauf ans Kreuz getragen hat, auch bei uns, den durch Ihn Befreiten, immer wieder zu ganz unzeitgemäßen Rückfällen kommt: zu Rückfällen in die alten, vermoderten Irrtümer und Bosheiten, Verkehrtheiten und Gemeinheiten, in die längst überholten Werke und Gewohnheiten des Hochmuts, der Faulheit, der Lüge. Wie wenn Einer, dessen im letzten Herbst gebrochener Arm3 längst ganz schön kuriert ist, es gelegentlich (etwa wenn das Wetter umschlägt) doch wieder merken muß, daß ihm etwas passiert ist! Da sind sie wieder, ganz unerklärlich und unbegreiflich: die großen und kleinen Sünden, obwohl sie doch durch Jesus Christus längst ins Feuer geworfen und abgetan worden sind, obwohl wir doch ganz einfach und natürlich davon leben dürften, daß sie uns vergeben sind! Da sind sie wieder, die Gespenster — die sinnlos und mutwillig von uns heraufbeschworenen Gespenster — unserer Vergangenheit, der Zeit vor Christi Geburt! Ihre Wirksamkeiten sind die Lasten, die wir zu tragen bekommen.

Aber nun kommen wir erst zum Merkwürdigsten unseres Textes: Nicht unsere eigenen, sondern ein Jeder die Lasten des Anderen zu tragen werden wir geheißen. Sicher sind da auch je 102 unsere eigenen Sünden und also Lasten. Und sicher wäre auch vom Umgang mit ihnen |238 Vieles zu sagen. Nach unserem Text, dem wir jetzt folgen wollen, ist aber nicht die Beschäftigung mit ihnen das Eigentliche und Entscheidende im Gehorsam gegen das Gesetz Christi, besteht dieser vielmehr darin, daß Einer die Lasten des Anderen zu tragen willig und bereit sei und dann auch wirklich trage.

Ja, dieser Andere: dein Mitmensch, dein Nächster, dieser dir nur allzu Nahe, mit dem du jetzt, vielleicht aber auch dauernd, vielleicht dein Leben lang zu leben hast! O dieser Andere mit seinen Rückfällen und Rückständen, in dem ganzen gespenstischen Wesen seiner Art, seines Redens, Tuns und Verhaltens! O wie springt er dir in die Augen, wie betäubt er deine Ohren, wie gibt er dir bis in deine Träume hinein zu denken und alle Hände voll zu tun! O wie geht er dir auf die Nerven! Was ist er doch für ein wüstes Exemplar der Menschheit, die von der ihr geschenkten Freiheit keinen Gebrauch machen mag! Wie lästig ist er dir doch: dieser Mitreisende mit seinen Traglasten, Körben und Säcken! Wie macht er es dir doch so schwer! — Was tun in dieser bösen Sache? Willst du ihn übersehen, ihm aus dem Weg gehen, ihn verachten? Ach, damit änderst du gar nichts: an ihm nicht und für dich auch nicht. Kaum hast du ihn übersehen, so ist er in dieser oder jener Gestalt doch wieder da: wie eine eben verscheuchte Fliege brummend wieder und wieder kommt. Oder willst du ihm vorhalten, was für Einer er ist, dich mit ihm auseinandersetzen, mit ihm zu Boden reden4? Damit magst du dir, wie man es ja gerne tut, ein bißchen Luft machen — aber eben damit nimmst du sie dem Anderen. Er bleibt, der er ist. Auch seine Lasten bleiben. Und es bleibt auch bei der Belästigung, die er dir bereitet. Oder gelüstet es dich, ihn zu strafen, auf den groben Klotz einen groben Keil zu setzen — nach der Melodie: Wie du mir, 103 so ich dir? O weh, wo kommen wir da hin? Ohne eigene Rückfälle, ohne gespensterhafte Worte und Taten deinerseits wird es da bestimmt nicht abgehen. Und darum kann und wird dadurch erst recht nichts anders und besser gemacht. Tatsächlich auf allen diesen Wegen kann und wird nichts herauskommen als dies, daß es sichtbar wird, daß du mindestens ein ebenso wüstes Exemplar der trotz ihrer Befreiung so unfreien Menschheit bist wie der Andere. Was soll damit geholfen sein? Auf allen diesen Wegen kann die Not nur immer noch größer werden.

239 Unser Text zeigt uns einen besseren Weg. Traget, so heißt es, Einer — die Lasten des Anderen!

Der bessere Weg ist das schon darum, weil da ehrlich vorausgesetzt wird, daß der Eine und der Andere sich in demselben Boot befinden, daß sie solidarisch zusammengehören und haftbar sind. Beide sind offenbar Rückfällige und also Lastträger. Beide fallen sich also auch gegenseitig lästig. Und so kann Beiden nur gemeinsam geholfen werden. Eben so kann und soll ihnen aber auch geholfen werden. Gemeinsam und nicht jeder für sich werden sie darum auch angeredet und aufgerufen zu gemeinsamem Tun: Traget!

Und besser ist der hier angezeigte Weg vor allem darum, weil damit Beide zu einem sinnvollen, hilfreichen, verheißungsvollen Tun aufgerufen werden. Nicht zu einem großartigen, nicht zu einem radikal hilfreichen Tun: beseitigen kann ja Keiner die Lasten des Anderen und so auch nicht die Belästigung, die er ihm bereitet. Gerade sie soll er denn auch gar nicht loswerden wollen! Tragen heißt gerade: die gegenseitige Belästigung wechselseitig ertragen, aushalten, über sich ergehen lassen. Tragen heißt: Gebrauch machen von der Erlaubnis und Möglichkeit, sich die erfahrene Belästigung wechselseitig zu verzeihen. Tragen heißt: ein bißchen gütig miteinander umgehen, nicht 104 als mit wüsten und bösen, sondern als mit armen und kranken Menschen — etwa so, wie es zwischen Patienten im gleichen Zimmer eines Spitals das Natürliche ist. Tragen ist also wohl das Gegenteil von Blindheit und Gleichgültigkeit gegenüber den beiderseitigen Rückfällen und Sünden, aber auch das Gegenteil von allem entrüsteten Anklagen und Dreinschlagen bei ihrem Anblick. Tragen besteht in dem Beistand, den man sich damit gegenseitig leistet, daß man sich samt den beiderseitigen Lasten auf- und annimmt als Gefährten auf einem Weg, den man gemeinsam betreten hat und nur gemeinsam weiter und zu Ende gehen kann. Zum Tragen wird dann gewiß ganz besonders auch das gehören, daß man den Balken im eigenen Auge entdeckt und sehr viel interessanter findet als den Splitter im Auge des Bruders [vgl. Mt. 7,3], daß man also bereit wird, die Schuld und also das Bedürfnis nach Verzeihung zehnmal lieber bei sich selbst zu suchen als bei Jenem. Damit hilft man einander und hilft dann doch auch ein Jeder sich selbst. Damit verschafft man sich gemeinsam Luft, während alles Andere nur zu neuer Plage führen kann. Damit verändert sich — nicht Alles, aber Einiges.

240 Es ist schon nur ein kleines Besseres, was wir kleinen Lastträger da wählen und ins Werk setzen dürfen. Dieses kleine Bessere hat aber — wir kommen jetzt noch einmal zum Schluß unseres Textes — die große Verheißung, die alles andere, auch das großartigste Tun nicht hat: Damit werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Indem ihr eure beiderseitigen Lasten gegenseitig tragt, tut ihr nämlich, was seinem Tun als der große Lastträger nicht gleich, wohl aber wie ein Spiegelbild oder Echo entsprechend, ähnlich ist. Man kann es auch so sagen: ihr tut damit im Kleinen und Einzelnen, was er im Großen und Ganzen getan hat und tut — er als der Gottessohn und vollkommene Heiland, ihr als 105 seine sehr unvollkommenen Menschenkinder. Ihr dürft, indem ihr das tut, dieses Tragen übt, dem Gesetz der in ihm erschienenen freien und befreienden Gnade demütig, aber entschlossen gehorsam werden. Ihr lebt und handelt also damit in seiner Gesellschaft, in Gemeinschaft mit ihm, in seiner Nachfolge: als solche, die allem Gespensterwesen, allen ihren Rückfällen zum Trotz durch ihn entlastet, befreit, gerettet, bewahrt sind zum ewigen Leben. Ihr mögt dann wohl einstimmen in das Kirchenlied:

Ich auch auf den tiefsten Stufen,
ich will glauben, zeugen, rufen,
ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König.
Alles sei ihm untertänig!
Ehret, liebet, lobet ihn!5
In der Gemeinschaft und Nachfolge des großen Lastträgers getan, ist es, so klein es ist, im Ansatz und Anfang schon unsere Teilnahme an seiner herrlichen Erfüllung des Gebotes: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!» [Mk. 12,31].
Amen.
Herr, du siehst und kennst den ganzen Jammer auf Erden und im Leben von uns allen: wie wir uns selbst und Andere plagen, wie wir ohne einander und gegeneinander dahinleben, wie wir immer recht haben wollen und gerade damit immer wieder Unrecht tun und Unglück anrichten. Wir danken dir, daß du uns den anderen, den besseren Weg nicht nur gezeigt, sondern eröffnet hast. Gib uns den Mut, |241 ihn zu betreten und zu gehen und so von der uns in der Dahingabe deines lieben Sohnes geschenkten Freiheit Gebrauch zu machen!
106 Gib ihn auch vielen und endlich allen anderen Menschen: den durch eigene oder fremde Schuld Gebundenen hier und überall — den allzu Gottlosen und den allzu Frommen — den Reichen und den Armen — den an Leib und Seele Kranken und Alten und den Gesunden und Jungen, die so leicht vergessen, daß die Reihe auch einmal an sie kommen wird! Gib ihn den Mitgliedern unserer Behörden, Gerichte und Zeitungsredaktionen — gib ihn aber auch jedem einzelnen Bürger in der Erfüllung seiner Pflichten und in der Anwendung seiner Rechte im Staat und in der Gesellschaft! Gib ihn dem Volk und ganz besonders den Pfarrern unserer Kirchgemeinden und kirchlichen Gemeinschaften jeder Art — nicht zuletzt auch dem Papst und den Anderen, die heute in der katholischen Kirche so wichtigen neuen Verantwortungen entgegengehen!6 Laß uns alle, auch wo wir noch nicht eins sind, doch einig werden in der Erkenntnis der Notwendigkeit eines neuen Erwachens und Umkehrens zum Evangelium — in der Freudigkeit, das, was uns überall noch hindert und stört, gegenseitig zu ertragen — in der Bitte um deinen Heiligen Geist, ohne dessen Werk und Beistand das alles nicht geschehen kann! Deiner allertreusten Pflege befehlen wir unsere Wege und was unsere Herzen kränkt.7
Amen.
Lieder:
  • Nr. 40: «Lobe den Herren, o meine Seele» (nach Ps. 146) von J. D. Herrnschmidt, Strophen 1,4–7 (= EKG 198, Str. 1,4–6,8) 🎵
  • Nr. 69: «Für alle Menschen beten wir» von A. Knapp nach J. A. Cramer, Strophen 1–5 🎵
  • Nr. 44: «Nun danket alle Gott» von M. Rinckart, Strophe 2 🎵

Sachfußnoten

1
Vgl. Augustinus, Confessiones I, 1,1 📖: «… fecisti nos ad te; et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.»↩
2
Vgl. den Rütlischwur bei Fr. Schiller, Wilhelm Tell, V. 1448 (Zweiter Aufzug, Zweite Szene) 📖:
Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern …↩
3
Am 16.9.1962 war Barth während eines Ferienaufenthaltes in Walchensee (Oberbayern) gestürzt und hatte sich den rechten Arm gebrochen.↩
4
D.h. ihm schonungslos die Meinung sagen.↩
5
Strophe 11 des Liedes 336 (EKG 96, Str. 10 — mit Textdifferenz) «Jesus Christus herrscht als König» (1758) von Ph. Fr. Hiller (1699–1769) 🎵.↩
6
Am 29.9.1963 begann die zweite Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. (Papst Johannes XXIII. starb am 3.6.1963.)↩
7
Vgl. den Anfang des Liedes 275 (EKG 294) (1653) von P. Gerhardt 🎵:
Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt …
↩