Rudolf Bultmann an Karl Barth
89
Mit herzlichem Dank sende ich Ihnen den Durchschlag Ihres Briefes an
Heute habe ich noch ein anderes Anliegen. Wir werden (vermutlich am 22.-24.
Oktober) unsere traditionelle
Es wird für Sie eine schwere Frage sein, ob Sie Zeit haben, mit uns 2 1/2 Tage lang zu
tagen. Aber vielleicht ist die grundsätzliche Frage für Sie noch wichtiger. Sie standen
früher unserem Kreis mit Mißtrauen gegenüber; insofern mit Recht, als wir in der Tat
meinten, an gewissen theologischen Formulierungen von Ihnen Kritik üben zu müssen.
Insofern aber mit Unrecht, als wir selbst nicht wußten und gerne in der Diskussion mit
Ihnen gelernt hätten, wie weit unsere Kritik zu gehen habe, ja ob nicht die gegenseitige
Kritik weithin oder ganz auf Mißverständnissen beruhe. Jedenfalls haben wir uns nie als
ein Forum betrachtet, vor das Sie als Sichverantwortender geladen werden sollten; und ich
habe fast das Gefühl, daß Sie uns etwas dergleichen zutrauten. Ich hoffe, daß das
Mißtrauen geschwunden ist. Sie sollen uns bußfertig finden angesichts der Sünden, die Sie
uns etwa vorzuwerfen haben und die Sie uns ja offen vorhalten werden. Daß Sie Ihrerseits
ein Mißverständnis zugeben, möchte ich annehmen, nachdem Sie mir in jener bedeutungs|150vollen Nacht vom 11./12. November 19336 gestanden haben, Sie hätten
erwartet, daß ich zu den
Wie steht es also? Ist das Kriegsbeil zwischen uns begraben? und hätten Sie Lust zu
kommen? — Ein Nebenzweck ließe sich damit verbinden, da Ihr Besuch (bei dem natürlich auch
P. S. Ich lege nur