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Gut, ich werde, wenn es irgend geht, am 22.-24. Oktober in Marburg sein gänzlich ohne den Drang zu einem Referat, aber gänzlich aufgeschlossen und interessiert, schon weil ich einen Monat vorher im Kanton Neuenburg über dasselbe Thema auf Französisch zu tönen habe1, |151 aber auch darum, weil ich nun wirklich in der Lage bin, ohne Mißtrauen an Ihren Marburger Kreis zu denken.
Seien Sie nun nicht weiter bewegt, daß ich von diesem Mißtrauen in der Tat in dem Maß erfüllt war, daß ich damit gerechnet hatte, Sie bei den D. C. auftauchen zu sehen. Es ist nun einfach durch die Tatsachen bewiesen, daß ich mich in diesem Fall verrechnet hatte und daß also auch in meinem grundsätzlichen Bedenken etwas nicht gestimmt haben kann. Sie müssen mir aber nicht nur das Allgemeine zugeben, daß es in diesem tollen Jahr am Platze war, zunächst einmal Allen Alles zuzutrauen — sondern auch das Besondere, daß Sie es mir nicht leicht gemacht haben, zum vornherein darüber klar zu sein, daß Sie nicht tun würden, was Heidegger nun doch mit Pauken und Trompeten getan hat2 und ebenso Gogarten, den ich für den von Ihnen geschätzten Normaltheologen halten mußte3. Nach meiner Beobachtung war es so, daß alle Leute, die in irgend einem positiven Sinne mit einer natürlichen Theologie oder dgl. arbeiteten, D. C. werden konnten und es dann meistens vorübergehend oder endgültig auch wurden. A posse ad esse valet consequentia. Daß ich Ihnen nun hinsichtlich des esse Abbitte zu tun habe, ist mir deutlich. Aber das Andere werden Sie mir dann noch einmal erklären müssen: inwiefern nun gerade in Ihrer Fundamental|152theologie jenes posse nicht vorlag. Vielleicht werde ich dann bei diesem Anlaß dahinter kommen, was ich an Ihrer Fundamentaltheologie bisher mißverstanden habe, inwiefern ich Sie schon vor 1933 zu Unrecht mit Gogarten in einem Topf gesehen habe.
Den Brief von v. Soden an Kittel haben wir hier gerne gelesen. Er4 hat dann noch einen zweiten langen Brief an mich gerichtet, auf den ich ihm aber nur noch kurz geantwortet habe. Und dann kam von ihm der Vorschlag, diesen ganzen Briefwechsel zu veröffentlichen. Ich hätte von mir aus keine Begierde danach gehabt; aber offenbar findet Kittel das, was er an mich geschrieben hat, so wichtig und so richtig, daß er es nun auch urbi et orbi mitteilen möchte auf der dunklen Folie meiner Antworten. Mag es denn also geschehen.5
Mit herzlichem Gruß an Sie und die Ihrigen