Predigt: Hesekiel 13,1-16: "Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht"
Liebe Gemeinde! Ich muß euch heute Antwort geben auf einen Wunsch an micha, den ihrb auf dem Herzen ⌜und fast auf den Lippen⌝ habt. Ich spüre ihn euch anc, ohne daß ihr es mir offen ⌜und wörtlich⌝ sagt. Neun Zehntel der Gemeinde ohne Unterschied der Familie, des Standes, der Partei oder der Religion haben diesen Wunschd.
46Ihr habt den Wunsch, ich möchte ein falscher Prophet sein. Und nun fragt ihr miche im Stillen, die Einen freundlich ⌜und wohlmeinend⌝, die anderen zornig ⌜und erbittert⌝, warum ich euch diesen Wunschf nicht erfülle.
Das ist eine Angelegenheit zwischen euch und mir, aber auch zwischen uns zusammen und Gott, die einmal zur Erledigung kommen muß. Ich weiß zwar zum Voraus, daß wir sie nicht in dieser Stunde erledigen werden. Denn ich habe es nun zu oft erfahren, wie federleicht ihr Alles nehmt, was hierg gesagt wird. Ich muß es auch heute euch überlassen, was ihr mit dem machen wollt, was ich sage.
Ich aber muß ⌜nun⌝ mein Gewissen befreien und euch die Antwort geben, die ich euch schuldig bin. Die Antwort lautet: ich kann kein falscher Prophet sein. Ich möchte es manchmal wohl. Aber Gott stellt sich mir in den Weg, und es geht nicht. Ich kann euren Wunsch nicht erfüllen. Ihr müßt etwas Anderes von mir wünschen und erwarten.
Ihr habt vorhin gehört, wie ein falscher Prophet aussieht: Er folgt seinem eigenen Geist und hat keine Gesichte. Er tritt nicht vor die Lücken und macht sich nicht zur Hürde um das Haus Israel und steht nicht im Streit am Tage des Herrn. Er spricht: der Herr hat’s gesagt, wo ihn doch der Herr nicht gesandt hat. Er weissagt Lügen ⌜und predigt das, da nichts daraus wird⌝. Er sagt: Friede!, wo doch kein Friede ist. Er tüncht die Wandh, die das Volk sich gebaut hat, mit losem Kalk. ⌜Und so verführt er das Volk Gottes.⌝
Ich will euch das alles in unsere Sprachei übersezten: Der falschej Prophet ist der Pfarrer, der es den Leuten recht 6 machtk. Er ist dafür da, um von Gott zu zeugenl⌜, aber er sieht Gott nicht und will ihn nicht sehen, weil er zu viel Anderes sieht⌝. Erm folgt seinen eigenen mensch|47lichen Gedanken, bleibt innerlich ein ruhiger, bequemer und sicherer Mann, vermeidet gewandt allen Anstoß, hofft und erwartet wenig oder nichts von Gott.n Er kann schweigen und sich stille halten, ⌜auch⌝ wenn er ⌜noch so deutlich⌝ sieht, wie die Menschen sich selber im Lichte stehen mit verkehrtem Denken, Meinen, Rechnen und Träumen, weil sie es ohne Gott machen wollen.o Er zieht sich immer gerade dann zurück, wenn es darauf ankäme, hervorzutretenp. Er läßt sich nennen: einen Prediger des Evangeliums, einen Seelsorger, einen Diener Gottes, aber er ist ja doch nur ein Angestellter der Menschen. Er träumt davon, er rede im Namen Gottes, aber er redet ja doch nur im Namen der Kirche, im Namen der öffentlichen Meinung, im Namen der «anständigen Leute», im Namen seiner eigenen kleinen Person.q Er weißr, daß jetzt und in alle Zukunft alle Wege, die nicht mit Gott anfangen, keine Wege sind. Aber er will sichs und die Anderen nicht zu stark stören ⌜und denkt⌝ und sagtt: wir wollen recht vorsichtig und ⌜immer⌝ «zufrieden» unsere jetzigen Wege weiter gehen, es wird dann schon einmal irgendwie gut kommen. Er weißu, daß Gott den Menschen helfen will aus ihrer Gottlosigkeit und daß der Kampf ⌜der Geister⌝, den das bedeutet, einmal durchgekämpft sein muß. Aber er predigtv den «Frieden», jaw den Frieden zwischen Gott und der unerlösten Welt, die in uns und um uns ist, ⌜als ob daraus etwas werden,⌝ als ob es einen solchen Frieden geben könnte. Er weiß, daß es seine Pflicht ist, den neuen Willen, das neue Leben, die Gott schaffen |48 will, auszurufen, daß man es hört. Aber er läßtx das Furchtwesen, das Lügenwesen, das Eitelkeitswesen, das Mammonswesen, das Gewaltswesen ruhig stehen – das ist die Mauer, die das Volk sich gebaut hat⌜, die lottrige, brüchige, schiefe Mauer⌝ – und tüncht sie vielmehr noch mit dem losen, sanften, tröstenden Kalk der Religiony zu seiner eigenen und jedermanns Erbauung und Befriedigung.z So sieht ein falscher Prophet aus, und ich weiß, daß ich eure Gedanken ausspreche, wenn ich euch sage: ihr habt den Wunsch an mich, ein solcher falscher Prophet möchte ich seinaa.
Ich will euch diesen euren Wunsch noch genauer zu erklären suchen.
7 Das Christentum, die Religion istab den Meisten von euch lieb und wichtig, nämlich als ein schöner Schmuck des Lebens, den ihr nicht vermissen möchtet. Ihr habt Freude an eurem Kirchlein da auf dem Berg, das euch schon von weitem an die Heimat und an viel Liebes und auch ein klein wenig an den lieben Gott erinnert; aber ihr möchtet, daß dieses ⌜Kirchen⌝haus schön ruhig und harmonisch neben den anderen ⌜großen und wichtigen⌝ Häusern stehe, die sonst in der Gemeinde sind, z. B. neben dem Schulhaus, neben den Wirtshäusernac, vor Allem neben den Fabriken; ihr möchtet mitad schönem inneren Gleichgewicht von einem dieser Häuser ins andere hinübergehenae und mit ruhigstem Gewissen hier und da und dort dabei sein können; es ist euer dringendster Wunsch an die Kirche, ⌜auch wenn ihr sonst gar nichts von ihr wünscht,⌝ daß durch sie dieses Gleichgewicht⌜, das ihr «Frieden» nennt,⌝ nicht gestörtaf [werde], daß trotz der Kirche alle «zufrieden» sein können. Ihr wollt ⌜auch recht⌝ gerne einen Pfarrer im Dorfe haben und habt euch jaag große |49 Mühe gegeben, bis
Und nun erfüllt es euch mit Unruhe, daß ihr immer deutlicher sehenar müßt, wie es anders geht, als ihr es euch denktas. Ihr fangt an, zu merken, daß das Christentum sich weigert, unser Leben zu schmücken, daß es unserem Leben gegenübertritt und uns vor die Frage stellt: Entweder – Oder? Du oder ich? Ihr fangt an, zu merken, daß die Kirche kein Haus ist ⌜still⌝ neben den anderen Häusernat. Man kann nicht so ⌜ganz⌝ ruhig hin- und hergehenau von da nach dort. Durch das, was hier geschieht und zum Vorschein kommt, wird das sonstige Dasein und Treiben bedenklich aus dem Gleichgewicht gebracht, unser ruhiges Gewissen in fataler Weise gestört. ⌜Der Geist, der sich hier regen möchte, will sich in keiner Weise mehr verwechseln lassen mit dem Geist in den anderen Häusern.⌝ Ihr fangt an, zu merken: einen Pfarrer im Dorf haben, das heißt ja eine ewige Unruhe im Dorfe haben, einen Menschen, der in der unangenehmsten Weise immer wieder Alles in Frage stellen und auf alle Fragen unvermuteteaw Antworten geben muß, einen Menschen, von dem man eigentlich nie weiß, wie man mit ihm dran ist, etwa wie mit einer Sternschnuppe, von der man auch nicht weiß: woher? und wohin?ax Ihr fangt an, zu merken, daß es eine große und gefährliche Sache ist, wenn die Bibel wirklich aufgeht, und nun wollen nicht nur Genuß und Erbauung sich einstellen, nun wollen dieay lebendigen Gotteskräfte, die darin schlummern, sich nicht in die Vergangenheit und nicht ins Land
⌜Seht,⌝ das alles fangt ihr nun an zu merken, und es versetzt euch in Unruhe. Und ihr vergleicht damit das Bild von Pfarrer, Kirche, Bibel und Religion, das ihr euch gemacht habt, und so kommt ihr auf den Wunsch, ich möchte doch anders sein, ich möchte doch eurem Bilde entsprechenbc.
⌜Aber eben:⌝ darauf muß ich euch leider diebd Antwort geben, daß dieses euer Bild genau dem Bilde des falschen Propheten entspricht und daß es mir darum unmöglich ist, eurem Wunsche zu entsprechen. Ich möchte euch gerne auch dasbe etwas näher erklären.
Laßt mich euch zuerst das sagen, daß ich eure Unruhe sehr wohl verstehe. Ich bin wahrhaftig selber genug davon beunruhigt, daß ich so denken und reden muß; es ist mir selber von Monat zu Monat wieder |52 etwas Neues und Unerhörtes, ⌜daß Gott in solcher Weise allein recht haben und gerecht sein will.⌝ Ich möchte dieser Einsicht oft am liebsten entrinnen, weil sie mir viel zu hoch und zu schwer ist. ⌜Alles das, was ihr jetzt als «gegen» euch gerichtet empfindet in meiner Stellung und in meinen Worten,⌝ das richtet sich wahrhaftig «gegen» mich und mein Leben, lange bevor es sich «gegen» euch und euer Leben richtet.bf Gerade was euch jetzt so plagt ⌜an mir⌝, das plagt mich zuerst, daß Gottes Wort unser Leben und unsere Welt, unsere Gedanken und Gewohnheiten, unser Tun und Lassen, unsere Gerechtigkeit und unsere Ungerechtigkeit in ihrembg ganzen Zusammenhang einfach nicht so gelten lassen kann, wie sie sind, daß es auch nicht nur so ein wenig ⌜erbauliches⌝ Öl tröpfeln will in unser altes Wesen hinein⌜, daß es bedeutet: ein neuer Weg und ein neues Ziel, ein neuer Geist und eine neue Kraft, eine neue Freudigkeit und ein neues Wollen, die verborgene Wahrheit des Herzens, die ans Licht will, der Sieg von 10 Gott her im Menschen⌝. Es stellt uns vor die Entscheidungbh: entweder mit Gott⌜, mit dem lebendigen Gott,⌝ zu einem wirklichen Leben oder ohne Gott⌜, mit unseren Götzen,⌝ in das Sinnlose, Tote hineinbi. Meint ihrbj, daß ich nicht auch darunter leide, wenn ich es ⌜nun einmal⌝ so ansehen muß, daß mich das nicht auch plagt, verurteilt, beschämt, je mehr ⌜und je tiefer⌝ es mir klar wirdbk, daß es wirklich so ist? Ja, ich darf nun die Sache schon einmalbl umkehren und euch ⌜einmal⌝ allen Ernstes fragen, ob es euch wohl auch schonbm so geplagt hat, wie es mich manchmal plagt?
Ich kann euch auch ⌜das⌝ sagen, daß ich mich ⌜auch⌝ schon danach gesehnt habe, ich könnte der Pfarrer sein, wie ihr mich gerne haben möchtet. Ihr braucht es mir nicht erst vorzuhalten, was ich in eurem schönen Pfarrhaus für einbn ruhiges, «zufriedenes», harmloses, glückliches |53 Leben führen könnte ⌜mit meiner Familie⌝. Es wäre dochbo nichts leichter als das, die Dinge ein bißchen gemütlicherbp zu nehmen, schlecht und recht meine gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, mich mit allerlei einzelnen Erfolgen im Unterricht, in der Seelsorge, in christlichen Vereinen zu begnügen und mich daneben etwa mit Tierenbq, Pflanzen und Büchern abzugeben. ⌜Warum denn nicht?⌝ Dann hätte ich keine Unruhe mehr und wäre keine Unruhe mehr für euch. Ich sage euch das nur, damit ihr seht: ich verstehe ⌜wirklich⌝ euren Wunsch nach Ruhe, ⌜denn⌝ ich habe ihn manchmal auch.
Ich verstehe es auch durchaus, daß ihr euch auf allerleibr Weise bemüht, die ⌜gewisse⌝ Beunruhigung⌜, die nun einmal da zu sein scheint,⌝ los zu werdenbs. Ich verstehe euch besser, als ihr meint, aber ich muß euch auch sagen, daß ihr sie⌜, wenn Gott mich nicht verläßt,⌝ nicht los werden könnt, solange ihr mich haben müßt. ⌜Ihr könnt nicht. Seht,⌝ ihr möchtet euch nun z. B. damit beruhigen, daß ihr Alles auf meinen Charakter schiebt.bt ⌜Ich weiß schon, was ihr von mir sagt.⌝ Ihr sagtbu: Der Pfarrer hat eben ⌜auch⌝ einen harten Kopf! oder: er regt sich leicht auf!bv Die Gelehrten nennen das Psychologie, und es hilft sich mancher feine Kopf in ähnlicher Lage damit, daß er schnell etwas Psychologisches vorbringt. Aber ihr werdet sehen, es geht nicht. Ich könnte einen noch viel schlimmeren Charakter haben, und es wäre darum um kein Haar weniger wahr, daß Gott allein recht hat und Meister sein will. Das beunruhigt euch und nicht mein schlimmer Charakter. Mich könnt ihr 11 loswerden, diese Unruhe nicht, denn die kommt nicht aus mir.bw Ihr könnt auch auf |54 Entdeckungen ausgehenbx nach Fehlern und Irrtümern in meinem Benehmen und Verhalten. ⌜Nicht wahr,⌝ ihr fühlt euch wie gerettet, wenn ihr von mir ⌜oder von meiner
Ja glaubt es mir, ich verstehe euren Wunsch, ich möchte ein falscher Prophet sein, weil ihr eben damit alle Unruhe loswerden könntet. Ihr würdet es gerne sehen, wenn meine Sache so recht meine eigene Sache wäre. Ihr könntet mich dann erledigen, wie man eben einen Menschen erledigt, so mirco ein bißchen Kritik und ein bißchen Beifall, ⌜mit ein wenig Freundlichkeit oder ein wenig Feindschaft,⌝ je nachdem. ⌜Dann würde ich es euch recht machen, denn dann wäre ich im Grunde tot für euch.⌝ Aber das geht ⌜nun⌝ eben nicht, so bequem es für mich und euch wäre.cp Ich werde mir 13 im Gegenteil⌜, wenn Gott mich nicht verläßt,⌝ allecq Mühe geben, so dazustehen, daß euch all das persönlich-menschliche Für oder Gegen mit der Zeit einfach langweilig, nebensächlich, überflüssig vorkommtcr, daß aber die andere Frage euch verfolgt und brennt immer mehrcs: gegen oder für Gott!
Es geht nicht anders, weil Gott sich mir in den Weg stellt, sobald ich versuchen wollte, es anders zu machen. Ich kann euch keinen anderen Grund sagen als diesen und muß es nun darauf ankommen lassen, ob ihr |57 ihn versteht oder nicht. Das ist meine Last, daß Religion, Kirche, Bibel, Pfarramt mich bedrängt als eine Gottessache und daß ich sie weder mir selbst noch euch zuliebe als eine Menschensache behandeln kann. Darumct kann ich es euch allen nicht recht machen. Ich möchte, daß ihr mit mir hart anstoßen würdet an diesen letzten, tiefsten Grund unserer gemeinsamen Unruhe: Gott verbietet ⌜es⌝ mir, ein falscher Prophet zu werden, und Gott verbietet es im Grunde auch euch, euch einen solchen an diesecu Stelle zu wünschen.
Wenn ihr mich fragt, woher ich denn wisse, was Gott will, so antworte ich euch: aus den gleichen Quellen, aus denen ihr es sofort auch wissen könnt: aus meinem Gewissen und aus der Bibel. Es wird mircv ganz klar und immer klarer, je besser ich Achtung gebe auf diese Quellencw, daß der Wille Gottes ein neues Leben ist⌜, nicht ein verschönertes und verbessertes altes Leben,⌝ sondern eincx Leben auf neuen Grundlagen. Diese Grundlagen ⌜sind uns allen wohlbekannt, sie⌝ heißen: Recht, Treue, Gemeinschaft, Wahrheit. Unser jetziges Leben hat andere Grundlagen, ich brauche sie nicht zu nennen. ⌜Oder hat der Krieg uns noch nicht deutlich genug gesagt, von welchen Kräften und Mächten unser altes Leben lebt? Oder muß ich erst noch den Finger legen auf bestimmte Erscheinungen im Leben unserer Gemeinde, an denen es zum Vorschein kommt, daß unsere inneren Grundlagen andere sind als die wohlbekannten Grundlagen Gottes?cy Das neue Leben ist uns jetzt verborgen ⌜wie die Saat im winterlichen Acker⌝. Wir sind auf einem großen Irrweg. Und der Irrweg ist uns das Natürliche und Selbstverständliche geworden. Unser tagtägliches gewöhnliches Denken, Reden und Tun offenbart beständig den großen Irrweg.cz ⌜Wir können ja gar nicht anders.⌝ Ein ganzer
⌜Ja,⌝ darf und kann denndf ein armer, sündiger Mensch ⌜da⌝ überhaupt mitreden? Darf und kann sich unsereinerdg anmaßen, Anderen als Führer zu dienen zum Willen Gottes? Soll’s überhaupt so etwas geben wie Pfarrer?dh ⌜Ja, das kann man freilich im Ernst fragen.⌝ Ich möchte darauf die Antwort geben, daß Gott es ganz sicher einmal ohne Pfarrer wird machen können, und er könnte es jetzt schon. Aber wenn und solange es |59 nun einmal ein Pfarramt gibt, muß es den Zweck und Inhalt haben, daß da ungebrochen und unverwässert Zeugnis abgelegt wird vom Willen Gottes über und gegen allen Menschenwillen, daß da das neue Leben angekündigt wird über und gegen das jetzige Leben. Damit kann ich in aller Torheit und Schwachheit Gott und euch dienen. Das hat einen Sinn. Dagegen den Frieden predigen zwischen Gotteswillen und Menschenwillen, dasdi jetzige Leben und das neue Leben sanft und klug miteinander 15 verbinden, die lottrige Mauerdj, die das Volk sich baut, mit losem ⌜Religions⌝kalk übertünchen, es den Leuten recht machen zu wollen, ⌜das hat sicher keinen Sinn.⌝ Ein solcher Pfarrer ist so ziemlich das Gottlosestedk, was man sich denken kann. Er hilft Gott nicht, sondern er legt Gott ein Hindernis in den Weg, das schwerste, mit dem ein Mensch Gott hindern kann.dl Es wäre ihm besser, er würde wenigstens schweigen, wenn er denn nicht mit Gott gehen will. «Also will ich meinen Grimm vollenden an der Wand und an denen, die sie mit losem Kalk tünchen, und will zu euch sagen: Hier ist weder Wand noch Tüncher!»dm
Ich kann diese Last nicht auf mich nehmen. Die andere versuche ich zu tragen, weil Gott sie mir tragen hilft. Den Weg, den ihr mich heimlich möchtet gehen sehen, kann ich nicht gehen, denn dort würde ich Gott nicht mit mir, sondern gegen mich haben.dn
60Und nun wird es sichdo auch für euch darum handeln müssen, eine Entscheidung, eine Wahl zu treffen.
Ihr könnt, das ist die eine Möglichkeit, den Willen Gottes einmal resolut von euch weisen. Das hätte einen Sinn. Das würde ich gut begreifen.dp Warum sollt⌜et⌝ ihr euch nicht einmal ehrlich gestehen: ich will eben gerade das, was Gott will, nicht!dq, ich will nicht das neue, sondern das jetzige Leben. Warum sollendr nicht noch viel mehr von euch, vielleicht von heute an, den Entschluß fassen: jetzt habe ich aber genug, jetzt gehe ich nie mehr in die Kirche! ⌜Ja,⌝ warum sollte nicht die Gemeinde einmal einfach beschließen: wir schaffen ⌜nun⌝ das Pfarramt ab und machen aus der Kirche einen Turnsaal oder noch eine Fabrik, denn wir haben die Erfahrung gemacht, daß es sich da um eine von Grund aus unangenehme und widrige Sache für uns handelt! Das alles wäre klug und verständigds. Ihr würdet damit zeigen, daß ihr verstanden habt, daß es hier wirklich um ein Entweder – Oder! zu tun ist.dt
Ihr könnt ⌜euch⌝ aber auch, und das ist die andere Möglichkeit, vomdu Willen Gottes einmal überwinden und gefangen nehmen lassen. Ihr könnt mit mir hineinkommen in die große Unruhe, die unvermeidlich istdv, wenn Gott mit uns redet. ⌜Das hat auch einen Sinn.⌝ Ihr könnt mir helfen, die Last zu tragen, daß Gott allein gelten und recht haben will. Ihr könnt mir helfen, zu Gott zu rufen, mich um Gott zu mühen, mich seiner zu freuen, von 16 ihm zu zeugendw. Ihr helft ja dann nicht mir, sondern Gott und euch selbstdx. Ich lade euch auch heute wieder ein, diesen Weg mit mir zu gehen. Lasset euch versöhnen mit Gott! [
Nur den Mittelweg, den goldenen Mittelweg4, könnt ihr nicht gehen. Da widersteht euch nicht euer Pfarrerdz, aber Gott mit aller Kraft. Ihr könnt nicht verlangen, daß man euch von Gott rede und daß man es euch recht mache. Das gibt es nicht.ea Ihr werdet einmal eins von Beiden wählen müssen. Eins von Beiden, aber nicht Beides. Entscheidet euch!eb Und wenn ich denken dürfte, daß ich es heute ⌜einmal⌝ deutlich genug5 gesagt habe und daß ihr mich heute gehört habt, so würde ich jetzt sagen: Entscheidet euch heute!
- Nr. 23 «O Höchster, deine Gütigkeit und deine Wahrheit reicht so weit» von
M. Jorissen nach Ps. 36, Strophen 1.3 (GERS [1952] 10,1.3); - Nr. 25 «Großer Gott, wir loben dich» von
I. Franz nach dem «Te deum laudamus», 4. Jh., Strophe 7-9 (GERS [1952] 59,6-8; EG 331,9-11 mit Textabweichungen).