Brief Nr. 106 · 3. Januar 1961

Karl Barth an Rudolf Bultmann

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Lieber Herr Bultmann!

Sie sagten im Oktober zu unserm Herrn Ott1, ob es mich wohl freuen könne, einen Gruß von Ihnen zu bekommen. Natürlich wird mich das immer freuen und ehren. So habe ich denn auch sehr gerne empfangen und gelesen, was Sie mir vor der Weihnacht über den Kerygmatischen und den Historischen zugewendet haben.2 Ein wahrer Ehrenfriedhof, auf dem Sie da Ihre sämtlichen Schüler solenn begraben: einen Jeden mit Kreuzlein, Helm und Namensschild! Aber sachlich bin ich natürlich — mutatis mutandis! — ganz auf Ihrer Seite. Was mich betrifft, so werde ich auf Ende des Sommersemesters in den Ruhestand treten und finde das Respektabelste, was bis jetzt gegen mich unternommen worden ist, in der Tatsache der schönen neuen Ausgabe der Schleiermacherschen Glaubenslehre durch Martin Redeker.3 Etwas Entsprechendes werden weder Fuchs noch Ebeling, die mir ja nun so nahe auf den Leib gerückt sind, auf den Plan stellen.4

Mit herzlichem Gruß und allen guten Wünschen
Ihr
Karl Barth

Sachfußnoten

1
Siehe Nr. 100, Anm. 2, und Nr. 104, Anm. 4.↩
2
R. Bultmann, Das Verhältnis der urchristlichen Christusbotschaft zum historischen Jesus 📖; s. Nr. 103, Anm. 28.↩
3
Fr. Schleiermacher, Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt. 7. Aufl. Auf Grund der 2. Aufl. und kritischer Prüfung des Textes neu hrsg. und mit Einleitung, Erläuterungen und Register versehen von M. Redeker, 2 Bde., Berlin 1960. 📖↩
4
Zu Ernst Fuchs s. Nr. 74, Anm. 1. — Gerhard Ebeling (geb. 6.7.1912), 1946 Ordinarius für Kirchengeschichte, 1954–1956 und 1965–1968 für Systematische Theologie in Tübingen, 1956–1965 für Dogmatik, Dogmengeschichte und Symbolik, 1968–1979 für Fundamentaltheologie und Hermeneutik in Zürich , gehörte später zu den Mitherausgebern von Fr. D. E. Schleiermacher, Kritische Gesamtausgabe, Berlin 1980ff. 📖↩