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Es war sehr lieb von Ihnen, mich mit dem Separatum Ihres letzten Aufsatzes in der ZThK zu beschenken.1 Ich hatte ihn dort bereits gelesen, habe mir ihn aber nun gerne noch einmal zu Gemüte geführt. Ach, daß wir in der Beurteilung dieser Literatur und2 insbesondere des Werks des Bischofs von Woolwich3 einiger wären! Denken Sie, ich pflege dieses Buch mit Schiller als «Dokument von unsrer Zeiten Schande4 zu verwerfen und seine Entstehungsgeschichte dem Tun eines Mannes zu vergleichen, der hinging, von drei gefüllten Biergläsern (mit den Inschriften R. B., P. T., D. B.5) je den Schaum abschöpfte und die so bewirkte Mischung als den endlich gefundenen theologischen Wundertrank ausgab, als der er denn auch von Hunderttausenden und Aberhunderttausenden von Käufern freudig konsumiert wurde. Aber (mit Fontane): «Ach, lassen wir das, Luise, das ist ein zu weites Feld.»6 Ich sah dieser Tage eine mir bis jetzt unbekannte Darstellung der Nativitas von Botticelli: Oben in bewegtestem Reigen die Engel («Ehre sei Gott …!»), in der Mitte Joseph, Maria, das Kind, Ochse und Esel, unten drei sich je gegenseitig umarmende Menschenpaare, eines davon zwei richtig alte |203 Herren, die sich freundlich anlachen («Friede auf Erden …!»).7 Halten wir es trotz Woolwich etc. wie diese Beiden!
Mit Kummer höre ich, daß Sie gesundheitlich gar nicht gut beieinander seien. Stimmt das? Dann auch in dieser Hinsicht wie in jeder andern meine herzlichsten Wünsche fürs kommende Jahr und in Erinnerung an «die Anfänge der dialektischen Theologie»8 meine freundschaftlichsten Grüße!