Brief Nr. 33 · 11. August 1925

Karl Barth an Rudolf Bultmann

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Lieber Herr Bultmann!

Der Ratschlag Ihrer verehrten Gattin, uns durch einen Kilometer Wasser zu trennen, erweist sich nun doch als recht verhängnisvoll. Am kommenden Sonnabend reisen wir nämlich bereits wieder ab, bis dahin gibt es keine reguläre Verbindung von hier nach Langeoog, und was für ein Vermögen eine Extrafahrt dorthin kosten würde, werden Sie drüben selbst erfahren können. So sind wir nun bei solcher Nähe entfernter als in Marburg und Göttingen. Es wäre denn, Sie wüßten einen Weg, hierher zu kommen, z. B. mit Hilfe des Fliegers vom Berliner Lokalanzeiger. Lohnen würde es sich wohl, besonders da auch Wilhelm Loew1 mit Frau hier ist. Peterson2 finde ich nach der 2. Lektüre doch eigentlich übel. Ich bin in Münster nicht praktischer Theologe, wie Sie fürchten, sondern für «Dogmatik und neutestamentliche Exegese». Im Winter lese ich u. A. — erschrecken Sie nicht zu sehr! — 4stündig Johannesevangelium.3 Können Sie mir die Druckbogen Ihres Buches4 zugänglich machen, damit ich über die Mandäer rasch und zuverlässig Bescheid bekomme? Natürlich nicht nur dazu, aber auch dazu!!

Grüßen Sie Ihre Frau, der ich wegen der Befestigung dieser Kluft nun doch ziemlich böse bin, und seien Sie selbst herzlichst gegrüßt von
Ihrem
Karl Barth

Sachfußnoten

1
Siehe Nr. 29, Anm. 3.↩
2
E. Peterson, Was ist Theologie? 📖 Siehe Nr. 31, Anm. 5.↩
3
Der Text dieser Vorlesung, die Barth im Sommersemester 1933 in Bonn wiederholte, wurde aus dem Nachlaß veröffentlicht: K. Barth, Erklärung des Johannes-Evangeliums (Kapitel 1–8), hrsg. von W. Fürst (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1976. 📖↩
4
Bultmanns Kommentar zum Johannesevangelium, in dem die Mandäer und Manichäer-Parallelen mitberücksichtigt wurden, war zwar schon geplant, erschien aber erst 1941. In Bultmanns Jesus-Buch (s. Nr. 30, Anm. 14) wird nur nebenbei (in dem Abschnitt «Johannes der Täufer und Jesus») auf die Mandäer-Frage Bezug genommen. Bultmann hatte jedoch einen längeren Aufsatz geschrieben: Die Bedeutung der neuerschlossenen mandäischen und manichäischen Quellen für das Verständnis des Johannesevangeliums, in: ZNW, Jg. 24 (1925), S. 100–146 (Nachdrucke: s. Nr. 11, Anm. 6) 📖, den er dann im September an Barth schickte; s. Nr. 35.↩