Brief Nr. 34 · 22. August 1925

Rudolf Bultmann an Karl Barth

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Lieber Herr Barth!

Schade, daß aus unserm gegenseitigen Besuch nichts wurde. Da mir nun viel daran liegt, Sie noch1 zu sprechen, würde ich gerne auf der Rückreise einen Tag bei Ihnen in Göttingen bleiben; das wäre mutmaßlich am 11.-13. September. Würde Ihnen mein Besuch an einem dieser Tage passen? Die Frage kompliziert sich freilich dadurch, daß ich um ein Nachtquartier nicht nur für mich, sondern auch für eins der Kinder2 bitten müßte, denn meine Frau weigert sich, alleine zu reisen, sodaß wir alle zusammen in Göttingen Station machen müssen. 2 Personen würden bei einer Freundin meiner Frau3 unterkommen; können Sie die beiden andern beherbergen? Schreiben Sie ruhig, wenn das zuviel verlangt ist! ich bemerke dazu nur noch, daß für mich selbstverständlich ein Sopha zur Nachtruhe genügt. — Hoffentlich haben Sie mit den Ihren in Baltrum die erwünschte Erholung gefunden und spüren jetzt die gute Wirkung! — Über Peterson wie über die Mandäer später. Heute nur noch eines. Joh. Müller, dessen «Jesus» ich in einer Anzeige schlecht behandelt habe, schrieb mir einen entrüsteten Brief, in dem er u. a. behauptete, Sie hätten ihm anerkennend über seinen «Jesus» geschrieben.4 Das ist mir rätselhaft. Wie steht es damit? ich wäre für meine Antwort gerne darüber orientiert.

Herzliche Grüße von Haus zu Haus
Ihr
R. Bultmann

Sachfußnoten

1
D.h. vor Barths Umzug nach Münster, der im Oktober 1925 erfolgte. Die Familie kam im März 1926 nach.↩
2
Antje (7 Jahre) und Gesine (5 Jahre). Die dritte Tochter, Heilke (1 1/2 Jahre), war zu Hause geblieben bei der Großmutter.↩
3
Benedicte Henke, Göttingen.↩
4
J. Müller, Jesus, wie ich ihn sehe, in: Grüne Blätter, Jg. 27 (1925), S. 1–96 📖 (später auch als Buch erschienen). Bultmanns heute schwer zugängliche Rezension ist im Anh. 6 nachgedruckt. — Brief Müllers im Anh. 7.↩