Interview mit der Zeitschrift «Réforme»
INTERVIEW MIT DER ZEITSCHRIFT „RÉFORME“
Während seines Aufenthaltes in
Das Gespräch fand am 1. September 1948 statt, als Barth sich mit
Auszüge aus dem Gespräch mit Barth erschienen gemeinsam mit weiteren Interviews in der Ausgabe vom 11. September 1948;6 dass es sich nur um Auszüge mit den für den Kontext der Tagung relevanten |68 Passagen handelt, geht aus
Ich […] hatte das Privileg, ein ungezwungenes Interview zu führen, bei dem die Wertschätzung der Vorzüge von heißem Kaffee und das Fehlen von Vorzügen von importiertem Bordeaux die unverblümten Worte zu ernsten oder leichtfertigen Fragen, die auf der Konferenz diskutiert wurden, überlagerten.
Aber ich fühle mich nicht in der Lage, es bloß zu berichten. Es braucht die Skizze zur selben Zeit wie die Legende.
Sie stellen eine dumme Überlegung an, Barth erklärt sie für durchaus interessant und klopft, ein wenig nach hinten gelehnt, auf die Armlehne seines Sessels und demonstriert ihnen auf diese Weise das Ausmaß ihrer Dummheit.7
Finet sandte Barth später mehrere Exemplare des Abdrucks zu und bedankte sich im Namen der Zeitschrift bei ihm.8
Im Folgenden dient eine deutsche Übersetzung des Interviews als Editionstext, das französische Original findet sich im Anhang.9 In beiden Fällen wurde auf den Abdruck der das Interview einrahmenden |69 redaktionellen Bemerkungen und weiterer Kommentare im Haupttext verzichtet.10
Karl Barth
[…]11
Ach!12 […], wie mag ich in den ökumenischen Treffen all dieses Reden über Menschen nicht, die dies und das getan haben; und die trübe Geschichte der Vergangenheit, die zu wiederholen man für nützlich hält. All das hat keinen Platz in der Kirche, macht mich unglücklich oder schroff, ist der Kirche, des Wortes… Gottes nicht würdig. Das ist schlechte Ökumene. Soli Deo gloria. […]13
Es gibt aber auch, denn Gott ist barmherzig, eine gute Ökumene: Wenn Menschen zusammenkommen und versuchen, einander zu verstehen, in ihren Uneinigkeiten eine grundlegende Übereinstimmung zu finden und dann in dieser grundlegenden Übereinstimmung die bleibende Uneinigkeit zu entdecken; und wenn sie dann dennoch damit fortfahren, auf diesem schwierigen Weg voranzuschreiten, auf dem Weg der Ökumene.
Ist das nicht ein bisschen enttäuschend für einen Dogmatiker?
Aber hier bin ich nicht Dogmatiker. Wenn ich meine Dogmatik betreibe, sage ich bestmöglich und ohne mich um etwas anderes zu kümmern, was ich glaube… (eine Pause), was ich vom Wort Gottes verstehe. Aber hier müssen wir kein Bekenntnis ablegen. Zum Glück. Wir müssen die anderen Bekenntnisse verstehen, die in einer anderen Sprache versuchen, recht von Jesus Christus zu sprechen, und wir müssen verständlich machen, wie wir recht von Jesus |70 Christus zu sprechen versuchen. Das ist auch sehr gut… für die Bescheidenheit.
Trotzdem zögern Sie nicht, Ihren Standpunkt klar und deutlich darzulegen?
Selbstverständlich, so kennt man mich, so kennt man sich gegenseitig. Und man muss im Chaos der Ökumene nach Klarheit suchen.
Auch gegenüber Rom und Moskau?14
Besonders gegenüber Rom und Moskau. Na, Sie sehen doch auch keinen Kardinal am Präsidententisch neben Pastor
Es waren Rom und Moskau, die sich selbst aus der Konferenz herausgenommen haben, zusammen, auf die gleiche Weise. Ich kann nichts daran ändern.
Berühren wir hier die Politik des Ökumenischen Rates?
Das Wort Politik gefällt mir nicht. Aber der
Nehmen wir ein Beispiel. Sie haben mir gesagt, Sie seien nicht zufrieden mit der Weltpresse, wenn diese über die Arbeit der Konferenz spricht. Aber sind Sie mit «Ihrer» ökumenischen Presse, mit der Presse der Versammlung, so zufrieden? Meinerseits bin ich nicht sehr glücklich damit; sie denkt viel zu sehr an die Welt, an die Propaganda, sie «passt sich an». Nein, das passt mir nicht.
71 […]16
Wie wäre es, wenn wir jetzt über Frauen sprechen würden? Sie haben doch das Komitee geleitet, das die Rolle der Frau in der Kirche untersucht hat?
Nein, nein, es waren die Frauen, welche die Leitung hatten. Ich war bloß Berater aus theologischer Sicht.17 Frauen anleiten kann ich nicht. Oder vielmehr denken die Frauen vielleicht, dass ich es nicht kann, weil ich nichts anderes sagen kann, als was die Bibel sagt: die Genesis und
Die Frauen wollten Entscheidungen, Prinzipien, Gesetze festlegen. So wird die Kirche nicht aufgebaut. Aber die Frauen mögen – sie können es mit Sicherheit – den Beweis des Geistes und der Kraft liefern [vgl.
In den Kirchen?
Wenn wir die Bibel ernst nehmen, können wir nie vorbehaltlos sagen: die Kirchen, oder zumindest setzen wir diese zwei Wörter immer in Anführungszeichen, auch in Bezug auf unsere «lieben reformierten Kirchen». Es geht um die Kirche, diejenige, die jeder in seiner eigenen Kirchgemeinde suchen und finden sollte. Dort lebt, dort existiert die Kirche Jesu Christi. In dieser Perspektive müssen die Frauen den Beweis des Geistes und der Kraft erbringen… und die Männer auch, wenn sie über die Prinzipien, Herrschaften und Grenzen hinausschauen, gemäß unserem reformierten Erbe, das uns verpflichtet, gute «Ökumeniker» zu sein.
Könnten Sie mir also sagen, wie Sie die Arbeit, die jetzt von den Kirchgemeinden, von unseren Kirchgemeinden verlangt wird, in ökumenischer Perspektive sehen?