Predigt: Markus 4,3-9 (Konfirmation)
Von Gott, dem Säemann, von seiner wunderbaren Saat und von dem, was aus ihr werden soll, wollen wir heute noch einmal miteinander reden. Das Gleichnis schildert das Menschenleben, auch euer Leben, und wenn ihr es versteht, dann versteht ihr auch, was diese heutige Weihestunde für euch zu bedeuten hat.
Es ging ein Säemann aus zu säen …! Der Säemann ist der Verborgene,
den noch niemand gesehen hat, der Lebendige, der doch in jeder Menschenseele, ob alt
oder jung, sich kundtut, der Heilige, vor dem unsere besten Tugenden nicht bestehen
können, der Vater, der uns liebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, obwohl wir seiner nicht
wert sind. Der Säemann ist der, der zu euch redet in eurem Gewissen, den ihr hört,
wenn ihr dem tiefsten, natürlichsten Zug eueres Herzens folgt, der auch euch am
deutlichsten und herrlichsten erschienen ist in Jesus Christus. Gott ist der Säemann,
und sein Acker ist die Welt. Immer wieder geht er durch die Menschheit und wirft
köstlichen Samen in die Furchen. Unruhig läßt er sie werden, die Menschen, so daß
ihnen das Oberflächliche,
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Äußerliche nicht genügen kann, daß sie nach tiefen, ernsten Dingen suchen und fragen
müssen. Das heilige Gesetz seines Willens tut er ihnen kund, daß sie erschrecken,
wenn sie abgewichen und versunken sind, und sehnsüchtig rufen lernen: Vergib uns
unsere Schulden! und: erlöse uns von dem Bösen [
Doch nun wollen wir von euch selber reden. Gott ist als Säemann auch durch euer Leben gegangen. Als ihr noch klein wart, da hat er durch den geheimnisvoll verschneiten Wald, durch den Blumenschmuck der Matten, durch die untergehende Sonne in ihrer Pracht zu euch geredet. Ihr konntet ihn noch nicht erkennen, ihr konntet nur ahnen und fühlen, daß etwas Hohes, Feierliches, Heiliges hinter dem Leben verborgen sein müsse. Dann haben eure Eltern euch die ersten Begriffe von Gut und Bös gegeben, und euer Gewissen hat ihnen geholfen, ihr habt gemerkt, daß Gott allerlei von uns fordert. Einige von euch haben schon in jungen Jahren viel Schweres durchmachen müssen, die haben Gott von einer ganz neuen Seite kennen gelernt, eben als den, der uns Kreuz und Leid schickt zu unserem Besten, auch wenn ihr das kaum schon so aufgefaßt habt. Ihr alle aber habt trotz allerlei Anderem eine Jugend mit viel Sonnenschein erleben dürfen. Wenn ihr Freude gehabt habt, wenn ihr eure Kenntnisse habt erweitern dürfen, wenn ihr die ersten Anfänge von Lebenserfahrung habt sammeln dürfen in den Jahren, die jetzt hinter euch liegen, was war denn das Anderes als Gott der Vater, der euch lieb hat und da mit euch geredet hat auf die mannigfaltigste Weise: in der stillen Natur draußen, im Schulhaus, in den Stunden der Einsamkeit, wo es euch war, als wachse und werde in euch etwas Hohes, Geheimnisvolles, das ihr kaum zu fassen vermochtet. Das war immer Gott, der Säemann, der durch euer Leben gegangen ist. Guten Samen hat er ausgeworfen bei euch allen, viel ist verborgen in den Furchen und drängt dem Licht entgegen, was ihr jetzt kaum ahnt. Freut euch über Alles, was ihr empfangen habt, denkt nach darüber und seid dankbar dafür.
Und dann kam eure Unterweisungszeit — eine Saatzeit ganz be|178sonderer Art, die jetzt abgeschlossen hinter euch liegt. Ihr seid mir ein besonders
lieber Jahrgang gewesen, und es tut mir leid, euch ziehen lassen zu müssen. Ich
hoffe, daß auch euch diese zwei Jahre nicht zu lang vorgekommen sind. Ich hoffe, daß
ihr manchmal mit Freude zurückdenken möget an all die Stunden, in denen wir im Schein
der Morgensonne im Wald da droben oder in unserem freundlichen Unterweisungszimmer
von den höchsten Fragen des Lebens zusammen geredet haben. Wir sind Freunde geworden
in dieser Zeit, nicht wahr, und haben uns verstehen gelernt. Aber das alles ist ja
nicht die Hauptsache an dieser Zeit. Sondern das war ihr Zweck und Sinn, daß da
Gottes Wort in euer Leben, in eure Herzen hineinkommen sollte, so gut eben Menschen
einander Gottes Wort vermitteln können. Eine solche Unterweisung ist notwendig etwas
Unvollkommenes. Ich muß zurückdenken an so Manches, was ich euch vielleicht nicht
deutlich und nicht eindrücklich und nicht vollständig genug gesagt habe. Und ihr müßt
sicher auch zurückdenken an Stunden, wo ihr gleichgültig oder zerstreut zugehört und
so durch eure eigene Schuld nicht empfangen habt, was ihr hättet empfangen können.
Und selbst [wenn] bei unserem Unterricht auf meiner Seite und auf eurer immer Alles
in Ordnung gewesen wäre — ich habe euch von Anfang an gesagt, daß ich euch die
Religion und das wahrhaftige, glückliche Leben nicht lehren könne, wie man euch Lesen
und Rechnen gelehrt hat. Sondern wenn etwas von diesen Dingen Wahrheit geworden ist,
ein kleiner Anfang davon, in eurem inneren Leben, dann ist das ein geheimnisvolles,
ich möchte sagen: wunderbares Geschenk Gottes an euch gewesen. Nicht mein Reden und
nicht euer Zuhören hat es schließlich getan, sondern Gott selber, der durch mein
Reden und euer Zuhören Zugang sucht zu euren Seelen. Aber eben darum ist die
Unterweisungszeit doch eine Saatzeit, eine göttliche Saatzeit gewesen für euch. Wir
können jetzt von allem bloß Menschlichen, Unvollkommenen in dieser Zeit absehen und
müssen schließlich doch sagen: Gott ist da an uns herangekommen, hat sich uns gezeigt
als der Herr unseres Lebens, der uns zu sich hin geschaffen hat und ohne den unser
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Herz unruhig ist, bis daß es ruhe in ihm.1 Er hat sich uns gezeigt als der Vater, der nicht will, daß wir verloren
gehen, sondern daß wir das ewige Leben haben [vgl.
So hat Gott mit uns geredet in der Unterweisungszeit. Ich bilde mir nicht ein, daß ihr Alles behalten habt, was euch gesagt worden ist, ich weiß sogar, daß ihr viele Einzelheiten jetzt schon wieder vergessen oder doch nicht mehr deutlich im Gedächtnis habt, und je mehr nun die Zeit vorwärts schreitet, je weiter die Unterweisung hinter euch liegt, desto mehr wird das der Fall sein. Aber das ist mir auch gar nicht die Hauptsache, was ihr im Kopf behaltet von dem Gehörten: wenn ihr nur den starken allgemeinen |180 Eindruck bekommen habt in dieser Zeit, mehr im Herzen und Gewissen als im Kopf: Gott ist heilig und gut, das Leben verlangt viel von mir, ich bin schwach, aber in Jesus habe ich einen guten Führer, und so will ich denn in Gottes Namen und in Jesu Nachfolge in dieses Leben hineingehen — wenn euch nur das als Eindruck und Entschluß geblieben ist, dann hat der Unterricht seinen Zweck erfüllt, dann hat Gott mit euch geredet und ihr habt ihn gehört, Gott hat seinen guten Samen ausgeworfen in eure Seelen. Und wenn dann eben der Eine oder der Andere von euch in dieser oder jener Lebenslage in den künftigen Jahren sich noch einmal erinnert: da hat man uns schon in der Unterweisung darauf aufmerksam gemacht, da hat man uns einen Rat gegeben, den ich jetzt ausführen will: dann umso besser. Gott sei Dank, es sind sicher viel mehr Samenkörner in den Furchen verborgen, als wir Menschen wahrnehmen können.
Aber wenn nun auch die Unterweisungszeit für immer zu Ende ist, Gott hört darum nicht auf, als Säemann durch euer Leben zu gehen. Die
Unterweisung, die ich euch geben konnte, ist nun zu Ende, die Unterweisung, die das
Leben euch gibt, die beginnt nun erst, und sie ist noch viel schöner und
reichhaltiger als jene andere! Gott fängt nun erst recht an, mit euch zu reden. Ihr
werdet nun erst so recht zu der Erkenntnis kommen, daß das Leben etwas Ernstes und
Schweres ist. Ihr werdet erst jetzt so recht einen Begriff davon bekommen, wie hoch
und heilig die Wahrheit und die Liebe ist, wie selig ein Leben in ihrem Dienst, wie
unglücklich ein Leben ohne sie. Ihr werdet erst jetzt so recht merken, wie tief die
Not ist, die die Menschen sich selber bereiten durch die Sünde, vielleicht müßt ihrs
am eigenen Leibe merken! So Manches, von dem wir geredet, Manches, wozu ich euch
ermuntert und Manches, von dem ich euch abgeraten habe, wird jetzt erst dann so recht
Fleisch und Blut gewinnen. Für die Herrlichkeit Jesu vor Allem, von dem wir so viel
geredet, können und werden euch erst jetzt, mit der wachsenden Lebenserfahrung, die
Augen ganz aufgehen. Freut euch auf das Leben, in das ihr nun als erwachsene Menschen
hineintreten sollt, es wird eine große Saatzeit sein. Gott
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wird nicht aufhören, zu euch zu reden. Jedes Jahr, das er euch erleben läßt, jeder
neue Mensch, den er euch über den Weg führt, die frohen Erfahrungen und die
traurigen, die freudigen, gehobenen Stunden und die Zeiten der Niedergeschlagenheit,
sie alle werden besondere Botschaften von ihm an euch enthalten. Wenn ihr jubeln
möchtet vor Freude über die Größe und Schönheit des Lebens und wenn ihr seufzen
möchtet: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [
Ihr jungen Menschenkinder, wenn wir euch das so recht klar und gewiß machen könnten,
wie müßtet ihr euch heute freuen auf die Zukunft, in die ihr hineingeht, auf Alles,
was sie euch bringen wird. In Allem, was sie euch bringen wird, wird ja ein Wort
Gottes an euch verborgen sein. Wie müßten dann wir, eure Eltern und Lehrer, heute
getrost und ruhig sein beim Gedanken an euch. Es wird ja in Allem, was euch
widerfahren wird, guter Gottessame, Worte Gottes, Worte des ewigen Lebens für euch
verborgen sein. Gott wird euch in alle Wahrheit leiten [vgl.
Warum können wir nicht so sicher und getrost uns darauf verlassen heute, wir, eure älteren Freunde, die das Leben schon etwas besser kennen als ihr? Warum könnt ihr selber nicht ganz so sicher und freudig in eure Zukunft blicken, wie wir es da gesagt haben? Das Gleichnis Jesu sagt es uns. Es erzählt uns nicht nur von dem nimmermüden, überreichen Säemann, der von Ewigkeit her ausgeht und guten Samen in die Menschenherzen wirft, sondern auch davon, wie es nun mit dem guten Samen geht auf dem großen Acker der Welt. Aus all dem, was Gott redet und tut, sollte etwas werden, wachsen und entstehen, nicht wahr? Gott spielt nicht, sondern Gott arbeitet. Auf die gute Aussaat muß eine gute Ernte fol|182gen. Was ist das für eine Ernte? Gott will, daß in der Welt und durch uns Menschen sein Wille geschehe, daß sein Reich, seine Herrschaft bei uns und durch uns aufgerichtet werde, daß sein Leben, sein Geist, seine Art uns erfüllen und in unserem Leben zum Vorschein kommen. Er will das, weil er weiß, daß wir nicht ohne ihn sein können, daß wir tief unglücklich sind, solange wir es ohne ihn machen wollen — weil er weiß, daß es unseres Lebens Bestimmung ist, teilzunehmen an seiner Wahrheit und Klarheit. Sein Ziel ist, uns zu sich zu ziehen, uns ihm selber ähnlich zu machen, uns selig zu machen in der vollen Lebensgemeinschaft mit ihm. Und darum geht er als Säemann durch die Welt und durch das Leben von einem jeden von uns. Jeder noch so kleine Schritt vorwärts, den wir tun diesem Ziele entgegen, ist ein Stück von der Ernte, auf die er wartet:
Gott der Säemann ist durch eure Jugendzeit gegangen. Die Ernte, die er von euch
erwarten durfte, war, daß ihr ihm eure Herzen öffnen, daß ihr seine freundliche
Stimme hören und in eurer Seele widerhallen lassen [solltet], daß euer Gewissen ihm
antworten, euer Gemüt und Wille sich zu ihm neigen sollte. Gute Früchte des
Gehorsams, des Fleißes, des Friedens, der Aufrichtigkeit sollten wachsen aus dem
guten Samen. Fragt euch selber, was aus der Aussaat eurer Jugendzeit geworden ist in
eurem bisherigen Leben. Gott der Säemann ist durch eure Unterweisungszeit gegangen.
Die Ernte, die er heute erwartet, ist nicht ein stolzes, vollkommenes Christentum,
aber ein ernster, heiliger Entschluß, für das wahre Christentum reif zu werden, eine
große, starke Sehnsucht
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nach seinem Frieden, der höher ist als alle Vernunft [
Und Gott der Säemann wird also auch durch euer ganzes zukünftiges Leben gehen. Dafür
aber erwartet er Treue von euch, nicht nur ein flackerndes Strohfeuer, sondern
stille, dauernde Treue. Er erwartet von euch ein tapferes, eifriges Streben nach dem
Guten, einen entschiedenen Kampf gegen das Schlechte in euch und um euch her, ein
furchtloses Eintreten für Alles, was wahr ist, edel und schön. Er erwartet von euch,
daß ihr euch nicht abspenstig machen laßt vom guten Wege, den ihr jetzt betreten, daß
ihr euch nicht einschüchtern laßt von den Mächten dieser Welt, ganz besonders nicht
von der Macht des Geldes, daß ihr euch nicht herunterziehen und beschmutzen laßt
durch all das Unreine, Niedrige, Wüste, das wir ja in der Welt täglich um uns her
wahrnehmen müssen. Ein Held ist in eurer Seele, in der Seele eines jeden von euch,
werft den Helden in eurer Seele nicht weg! seid nicht wie die Anderen tot! Freudige,
kraftvolle Menschen sollt ihr werden, Menschen voll Wahrhaftigkeit und Energie und
Brudersinn dem Nächsten gegenüber, Ernst machen sollt ihr von einem Jahr zum anderen
mehr mit Gottes heiligem Willen und Gesetz, beten und arbeiten sollt ihr für das
Reich Gottes, daß es komme, wirklich und wahrhaftig komme auf unsere arme, durch
Sünde und Schuld verwüstete Erde. Zurückblicken sollt ihr einmal dürfen, wenn ihr alt
seid oder wenn Gott euch vorher abruft, auf ein Leben, in dem ihr euch Mühe gegeben
habt in jeder Beziehung, durch das ihr nicht als schlafende und träumende, sondern
als wache, denkende, strebende Menschen hindurchgegangen seid. Auch von euch soll es
einmal heißen können: Ei, du from|184mer und getreuer Knecht, ei, du fromme und getreue Magd, du bist über Wenigem getreu
gewesen, ich will dich über Viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude [vgl.
Jesu Gleichnis sagt uns, daß es trotz dem guten Samen oft sehr ungute Ernten gibt.
Einiges fiel auf den Weg am Acker. Da kamen die Vögel des Himmels und fraßen es auf.
Einiges fiel ins Steinige, das schoß schnell auf, aber es hatte nicht genügend tiefen
Boden, um seine Wurzeln in die Tiefe zu senden, darum mußte es absterben, als der
heiße, trockene Sommer kam. Wieder anderes fiel unter den Samen von Dornen und
Unkraut, und Dornen und Unkraut wuchsen mit ihm empor und erstickten es, und es
brachte auch keine Frucht. Ihr wißt, was das alles zu bedeuten hat; ich will es heute
nicht im Einzelnen ausmalen und anwenden. Es bedeutet kurzum, daß der gute Same
verloren gehen kann. Nicht an ihm liegt der Fehler, aber an dem Boden, auf den er
geraten ist. Da hat dann Gott umsonst gesät. Das kann mancherlei Gründe haben, wie es
im Gleichnis angedeutet ist. Gottes Wort kann an harte Herzen anstoßen, die ihm nicht
auftun wollen, Gottes Wort kann eindringen und scheinbar Wohnung nehmen, aber dann
zeigt es sich, daß es nicht langt mit dem Ernst und mit der Treue. Gottes Wort kann
leben und wachsen und treiben in einem Menschenherzen, aber es ist noch viel Anderes
da daneben, zuviel Äußerliches, Kleinliches, Menschliches, und da muß es sterben, man
kann eben nicht zweien Herren dienen [
Hört ihrs: verdorben, gestorben! Hört ihrs: Gott hat umsonst gesät! O, wie oft waren da schon tüchtige, fröhliche Menschen, für Gott bestimmt und für ein schönes, ernstes, kraftvolles Leben, und der göttliche Same fiel, fiel auch in ihre Seele, aber es wurde nichts daraus, es entstand nicht, was hätte entstehen müssen. Der göttlichen Ursache folgte keine göttliche Wirkung. Verdorben, gestorben, auf törichte, schlechte Wege gekommen, innerlich und äußerlich, hart und stumpf geworden, das Leben genossen und schließlich aus dem Leben geschieden, ohne des Lebens Ziel erstrebt und erreicht zu haben. Wie oft schon sind junge Menschen wie ihr heute konfirmiert worden, haben vor Gott und den Menschen bekannt: ich will mir Mühe geben! und vielleicht war es ihnen auch ernst damit, und doch war in Wirklichkeit Gottes Aussaat für sie vergeblich gewesen. Verdorben, gestorben, untergegangen, vielleicht nicht gerade in Laster und Schlechtigkeit, aber doch in Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit, im Treiben einer eitlen, selbstsüchtigen Welt. Sie wurden, nun sie wurden eben wie alle Anderen auch, Dutzendmenschen, Herdenmenschen, Leute, die immer mit dem großen Haufen gehen, arme, farblose, charakterlose, gottlose Geschöpfe. Und waren doch so gerne in die |186 Unterweisung gegangen! Und hatten doch so mit Überzeugung ihr Ja! gesagt auf Gottes Frage: Willst du mein Kind sein? Liebe junge Freunde! Ich will euch nicht angst machen, ich will euch nicht den heutigen Festtag verderben durch bittere Gedanken. Aber nachdenken sollt ihr darüber, daß es auch so gehen kann und unendlich oft schon so gegangen ist mit Gottes gutem Samen.
Was sollen wir tun, wenn wir das einsehen, daß es auch so, so traurig gehen kann?
Dann sollen wir uns sagen: es kommt auf mich an, ob es bei mir auch so gehen wird. Es
liegt an mir, dafür zu sorgen, daß es bei mir nicht so gehe. Der Ackerboden kann
nichts dafür, daß er steinig ist oder daß schon Unkraut auf ihn gefallen ist. Ein
Menschenherz aber kann etwas dafür, wenn Gottes guter Same bei ihm verlorengeht. Ein
Menschenherz muß vor Gottes durchdringendem Blick bekennen: es ist meine Schuld. Gott
will, uns soll geholfen sein,4 aber, liebe Konfirmanden, wir sollen das auch wollen. Unser Wille
muß einig werden mit Gottes heiligem Willen. Es liegt eine große Verantwortlichkeit
auf uns, daß das wirklich geschehe. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert
[vgl.
Dann braucht es euch nicht bange zu sein wegen der Ernte, Dann brauchen wir uns nicht zu sorgen: wie wird es ihnen gehen in den Kämpfen und Versuchungen des Lebens? Dann dürft ihr stark, froh und sicher euren Weg antreten, und es wird oft ein schwerer und dunkler, aber auch immer ein guter Weg sein, den ihr geht. Dann werdet ihr hingehen und Frucht bringen, jeder nach seiner Art und nach dem, was ihm verliehen ist, und eure Frucht wird bleiben. Hoffnungsvoll sehen wir euch dann heute eintreten in die Reihen der erwachsenen Glieder der Gemeinde Christi, hoffnungsvoll und freudig, denn von euch heißt es dann: Einiges aber fiel auf gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs.
Das walte Gott, euer und unser Vater!