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        <title type="volume" n="vol-05">Predigten 1914</title>
        <title type="content">Predigt: Markus 4,3-9 (Konfirmation)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Markus 4,3-9 (Konfirmation), 10. April 1914</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/5018 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1914, hrsg. v. Fähler, Ursula / Fähler, Jochen (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1999, S. 175–187.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1914</title>
          <title type="text">Predigt: Markus 4,3-9 (Konfirmation)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Fähler, Ursula</editor>
          <editor>Fähler, Jochen</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1999</date>
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.5, Predigten 1914, sermon 214</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mk 4,3-9 (Konfirmation), 10. April 1914. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1656">KBA 1192</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1914-04-10">10. April 1914</date>
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            <head type="event">Konfirmation</head>
          <epigraph>
            <cit>
              <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.4.3 Mk.4.9">Markus 4,3–9</ref>
              <quote>… und Etliches fiel auf gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und
                        wuchs …</quote>
            </cit>
          </epigraph>
          <salute>Meine lieben Konfirmanden!</salute>
        </div>
        <div type="main">
        <p>Von Gott, dem Säemann, von seiner wunderbaren Saat und von dem, was aus ihr werden
               soll, wollen wir heute noch einmal miteinander reden. Das Gleichnis schildert das
               Menschenleben, auch euer Leben, und wenn ihr es versteht, dann versteht ihr auch, was
               diese heutige Weihestunde für euch zu bedeuten hat.</p>
        <p>
                        <hi rend="italic">Es ging ein Säemann aus zu säen …!</hi> Der Säemann ist der Verborgene,
               den noch niemand gesehen hat, der Lebendige, der doch in jeder Menschenseele, ob alt
               oder jung, sich kundtut, der Heilige, vor dem unsere besten Tugenden nicht bestehen
               können, der Vater, der uns liebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, obwohl wir seiner nicht
               wert sind. Der Säemann ist der, der zu euch redet in eurem Gewissen, den ihr hört,
               wenn ihr dem tiefsten, natürlichsten Zug eueres Herzens folgt, der auch euch am
               deutlichsten und herrlichsten erschienen ist in Jesus Christus. Gott ist der Säemann,
               und sein Acker ist die Welt. Immer wieder geht er durch die Menschheit und wirft
               köstlichen Samen in die Furchen. Unruhig läßt er sie werden, die Menschen, so daß
               ihnen das Oberflächliche,
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                Äußerliche nicht genügen kann, daß sie nach tiefen, ernsten Dingen suchen und fragen
               müssen. Das heilige Gesetz seines Willens tut er ihnen kund, daß sie erschrecken,
               wenn sie abgewichen und versunken sind, und sehnsüchtig rufen lernen: Vergib uns
               unsere Schulden! und: erlöse uns von dem Bösen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.11 Mt.6.12">Mt. 6,11f.</ref>]! Licht läßt er es werden in ihren Seelen, so
               daß es ihnen klar wird: was für eine große, herrliche Sache ist doch das Leben, wie
               unendlich viel darf ich tun und erleben, und Alles, Alles muß mir zum Besten dienen
               [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.28">Röm. 8,28</ref>], wenn ich es
               recht aufnehme. Stark läßt er sie werden, die Menschen, daß sie in seiner Kraft
               lernen, die Widerwärtigkeiten des Lebens ertragen, die Versuchungen überwinden, den
               guten Kampf des Glaubens kämpfen und ergreifen das ewige Leben, zu dem sie berufen
               sind [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Tim.6.12">1.Tim. 6,12</ref>].
               Leiden und Kreuz auch schickt er ihnen, nicht um sie zu plagen, sondern weil er sie
               so lieb hat, weil er weiß, daß nichts so großen Segen hat, als wenn ein Mensch durch
               dunkle Täler wandern muß. Genossen und Freunde sendet er den Menschen, daß sie
               einander an der Hand halten und sich lieb haben, treue Weggefährten, daß sie einander
               helfen, einander Freude machen sollen. Feinde schickt er uns, solche, die uns nicht
               verstehen, und solche, die uns hassen, damit wir lernen sollten, uns selbst zu
               überwinden und auch Anderen ihre Schulden zu vergeben. Und dann kommen von ihm die
               großen Führer, die edlen Geister der Menschheit, an denen Tausende und Millionen
               emporsehen, nach ihnen sich richten können, jeder wieder mit einer besonderen
               Botschaft, jeder der Träger einer ganz besonderen Gnade. Und dann läßt er die ganze
               Menschheit große, ungeheure Schicksale erleben, endlos scheinen die Menschen in die
               Irre zu gehen, oft ist Alles bedeckt von Blut und Finsternis, Gewalt und Torheit
               herrschen auf der Erde. Aber es ist nur Schein. Er leitet das Ganze auf wunderbaren
               Wegen, er führt die Völker langsam aufwärts von Stufe zu Stufe, er läßt es langsam
               hell werden in ihren Gedanken und Verhältnissen, er läßt seine heiligen Ordnungen
               langsam hervortreten und zur Geltung kommen in ihrem Leben, in der Weltgeschichte.
               Das Dunkel verzieht sich wie eine Staubwolke, das
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                Unrecht und die Lüge müssen fliehen vor ihm. Er wird Meister. Gott stellt Recht und
               Wahrheit, Liebe und Güte in unser Leben, in die Welt hinein, immer wieder,
               unermüdlich, in immer neuer Fülle. Gott ist der Säemann, der ausging, von Ewigkeit
               her ausging zu säen. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Wer Augen hat zu sehen, der
               sehe!</p>
        <p>Doch nun wollen wir von euch selber reden. Gott ist als Säemann auch durch euer Leben
               gegangen. Als ihr <hi rend="italic">noch klein wart</hi>, da hat er durch den
               geheimnisvoll verschneiten Wald, durch den Blumenschmuck der Matten, durch die
               untergehende Sonne in ihrer Pracht zu euch geredet. Ihr konntet ihn noch nicht
               erkennen, ihr konntet nur ahnen und fühlen, daß etwas Hohes, Feierliches, Heiliges
               hinter dem Leben verborgen sein müsse. Dann haben eure Eltern euch die ersten
               Begriffe von Gut und Bös gegeben, und euer Gewissen hat ihnen geholfen, ihr habt
               gemerkt, daß Gott allerlei von uns fordert. Einige von euch haben schon in jungen
               Jahren viel Schweres durchmachen müssen, die haben Gott von einer ganz neuen Seite
               kennen gelernt, eben als den, der uns Kreuz und Leid schickt zu unserem Besten, auch
               wenn ihr das kaum schon so aufgefaßt habt. Ihr alle aber habt trotz allerlei Anderem
               eine Jugend mit viel Sonnenschein erleben dürfen. Wenn ihr Freude gehabt habt, wenn
               ihr eure Kenntnisse habt erweitern dürfen, wenn ihr die ersten Anfänge von
               Lebenserfahrung habt sammeln dürfen in den Jahren, die jetzt hinter euch liegen, was
               war denn das Anderes als Gott der Vater, der euch lieb hat und da mit euch geredet
               hat auf die mannigfaltigste Weise: in der stillen Natur draußen, im Schulhaus, in den
               Stunden der Einsamkeit, wo es euch war, als wachse und werde in euch etwas Hohes,
               Geheimnisvolles, das ihr kaum zu fassen vermochtet. Das war immer Gott, der Säemann,
               der durch euer Leben gegangen ist. Guten Samen hat er ausgeworfen bei euch allen,
               viel ist verborgen in den Furchen und drängt dem Licht entgegen, was ihr jetzt kaum
               ahnt. Freut euch über Alles, was ihr empfangen habt, denkt nach darüber und seid
               dankbar dafür.</p>
        <p>Und dann kam eure <hi rend="italic">Unterweisungszeit</hi> — eine Saatzeit ganz be<milestone xml:id="m12" unit="page"/><pb xml:id="p178" ed="pga" break="no"/>sonderer Art, die jetzt abgeschlossen hinter euch liegt. Ihr seid mir ein besonders
               lieber Jahrgang gewesen, und es tut mir leid, euch ziehen lassen zu müssen. Ich
               hoffe, daß auch euch diese zwei Jahre nicht zu lang vorgekommen sind. Ich hoffe, daß
               ihr manchmal mit Freude zurückdenken möget an all die Stunden, in denen wir im Schein
               der Morgensonne im Wald da droben oder in unserem freundlichen Unterweisungszimmer
               von den höchsten Fragen des Lebens zusammen geredet haben. Wir sind Freunde geworden
               in dieser Zeit, nicht wahr, und haben uns verstehen gelernt. Aber das alles ist ja
               nicht die Hauptsache an dieser Zeit. Sondern das war ihr Zweck und Sinn, daß da
               Gottes Wort in euer Leben, in eure Herzen hineinkommen sollte, so gut eben Menschen
               einander Gottes Wort vermitteln können. Eine solche Unterweisung ist notwendig etwas
               Unvollkommenes. Ich muß zurückdenken an so Manches, was ich euch vielleicht nicht
               deutlich und nicht eindrücklich und nicht vollständig genug gesagt habe. Und ihr müßt
               sicher auch zurückdenken an Stunden, wo ihr gleichgültig oder zerstreut zugehört und
               so durch eure eigene Schuld nicht empfangen habt, was ihr hättet empfangen können.
               Und selbst [wenn] bei unserem Unterricht auf meiner Seite und auf eurer immer Alles
               in Ordnung gewesen wäre — ich habe euch von Anfang an gesagt, daß ich euch die
               Religion und das wahrhaftige, glückliche Leben nicht lehren könne, wie man euch Lesen
               und Rechnen gelehrt hat. Sondern wenn etwas von diesen Dingen Wahrheit geworden ist,
               ein kleiner Anfang davon, in eurem inneren Leben, dann ist das ein geheimnisvolles,
               ich möchte sagen: wunderbares Geschenk Gottes an euch gewesen. Nicht mein Reden und
               nicht euer Zuhören hat es schließlich getan, sondern Gott selber, der durch mein
               Reden und euer Zuhören Zugang sucht zu euren Seelen. Aber eben darum ist die
               Unterweisungszeit doch eine Saatzeit, eine göttliche Saatzeit gewesen für euch. Wir
               können jetzt von allem bloß Menschlichen, Unvollkommenen in dieser Zeit absehen und
               müssen schließlich doch sagen: Gott ist da an uns herangekommen, hat sich uns gezeigt
               als der Herr unseres Lebens, der uns zu sich hin geschaffen hat und ohne den unser
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                Herz unruhig ist, bis daß es ruhe in ihm.<note xml:id="n01">Vgl. Predigt 210 vom <date when="1914-03-22">22. März 1914</date>, <ref type="pub" target="5014#fn_n06">Anm. 6, S. 136</ref>.
               </note> Er hat sich uns gezeigt als der Vater, der nicht will, daß wir verloren
               gehen, sondern daß wir das ewige Leben haben [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.3.16">Joh. 3,16</ref>].
               Als der Freund, der uns immer und immer an der Seite steht mit Rat und Tat, mit Licht
               und Kraft für die kleinen wie für die großen Fragen und Angelegenheiten unseres
               Lebens. Als unser Richter oft, der uns schwere Stunden des unruhigen Gewissens
               durchmachen läßt, der uns an den bösen Früchten unseres bösen Tuns zeigt, daß er
               seiner nicht kann spotten lassen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.6.7">Gal. 6,7</ref>]. Aber immer und in Allem als die unendliche ewige
               Liebe. So ist Gott herangekommen an unsere Seelen in der Unterweisungszeit. Wir haben
               gemeinsam gestaunt über die Größe unserer menschlichen Lebensaufgaben, die so
               unendlich schwer und gerade darum auch so unendlich herrlich sind. Wir haben
               gemeinsam geklagt über die Größe unserer menschlichen Schwäche, die wir uns immer
               wieder eingestehen müssen, wenn wir nicht unehrlich sein wollen. Wir haben uns
               gemeinsam gefreut über die Größe der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, der uns
               den Weg zeigt, wie wir an unseren Lebensaufgaben arbeiten und gegen unsere Schwäche
               kämpfen sollen. Und dann sind wir immer wieder hineingetreten in unser Leben und
               haben gesehen, wie es in allen Punkten durchleuchtet werden muß vom Licht Gottes, wie
               es gar nichts geben darf, was von Gott unberührt bleiben dürfte, wie wir Jesu Jünger
               sein sollen am Werktag wie am Sonntag, im Familienkreis, bei der Arbeit und unter den
               Kameraden.</p>
        <p>So hat Gott mit uns geredet in der Unterweisungszeit. Ich bilde mir nicht ein, daß
               ihr Alles behalten habt, was euch gesagt worden ist, ich weiß sogar, daß ihr viele
               Einzelheiten jetzt schon wieder vergessen oder doch nicht mehr deutlich im Gedächtnis
               habt, und je mehr nun die Zeit vorwärts schreitet, je weiter die Unterweisung hinter
               euch liegt, desto mehr wird das der Fall sein. Aber das ist mir auch gar nicht die
               Hauptsache, was ihr im Kopf behaltet von dem Gehörten: wenn ihr nur den starken
               allgemeinen
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                Eindruck bekommen habt in dieser Zeit, mehr im Herzen und Gewissen als im Kopf: Gott
               ist heilig und gut, das Leben verlangt viel von mir, ich bin schwach, aber in Jesus
               habe ich einen guten Führer, und so will ich denn in Gottes Namen und in Jesu
               Nachfolge in dieses Leben hineingehen — wenn euch nur das als Eindruck und Entschluß
               geblieben ist, dann hat der Unterricht seinen Zweck erfüllt, dann hat Gott mit euch
               geredet und ihr habt ihn gehört, Gott hat seinen guten Samen ausgeworfen in eure
               Seelen. Und wenn dann eben der Eine oder der Andere von euch in dieser oder jener
               Lebenslage in den künftigen Jahren sich noch einmal erinnert: da hat man uns schon in
               der Unterweisung darauf aufmerksam gemacht, da hat man uns einen Rat gegeben, den ich
               jetzt ausführen will: dann umso besser. Gott sei Dank, es sind sicher viel mehr
               Samenkörner in den Furchen verborgen, als wir Menschen wahrnehmen können.</p>
        <p>Aber wenn nun auch die Unterweisungszeit für immer zu Ende ist, Gott <hi rend="italic">hört darum nicht auf</hi>, als Säemann durch euer Leben zu gehen. Die
               Unterweisung, die ich euch geben konnte, ist nun zu Ende, die Unterweisung, die das
               Leben euch gibt, die beginnt nun erst, und sie ist noch viel schöner und
               reichhaltiger als jene andere! Gott fängt nun erst recht an, mit euch zu reden. Ihr
               werdet nun erst so recht zu der Erkenntnis kommen, daß das Leben etwas Ernstes und
               Schweres ist. Ihr werdet erst jetzt so recht einen Begriff davon bekommen, wie hoch
               und heilig die Wahrheit und die Liebe ist, wie selig ein Leben in ihrem Dienst, wie
               unglücklich ein Leben ohne sie. Ihr werdet erst jetzt so recht merken, wie tief die
               Not ist, die die Menschen sich selber bereiten durch die Sünde, vielleicht müßt ihrs
               am eigenen Leibe merken! So Manches, von dem wir geredet, Manches, wozu ich euch
               ermuntert und Manches, von dem ich euch abgeraten habe, wird jetzt erst dann so recht
               Fleisch und Blut gewinnen. Für die Herrlichkeit Jesu vor Allem, von dem wir so viel
               geredet, können und werden euch erst jetzt, mit der wachsenden Lebenserfahrung, die
               Augen ganz aufgehen. Freut euch auf das Leben, in das ihr nun als erwachsene Menschen
               hineintreten sollt, es wird eine große Saatzeit sein. Gott
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                wird nicht aufhören, zu euch zu reden. Jedes Jahr, das er euch erleben läßt, jeder
               neue Mensch, den er euch über den Weg führt, die frohen Erfahrungen und die
               traurigen, die freudigen, gehobenen Stunden und die Zeiten der Niedergeschlagenheit,
               sie alle werden besondere Botschaften von ihm an euch enthalten. Wenn ihr jubeln
               möchtet vor Freude über die Größe und Schönheit des Lebens und wenn ihr seufzen
               möchtet: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.22.2">Ps. 22,2</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.27.46">Mt. 27,46</ref>], wenn ihr treu und gelassen eurer Pflicht
               nachgeht und wenn ihr matt die Hände sinken laßt, wenn ihr unter Menschen seid und
               wenn es still ist um euch her, immer wird Gott euch nahesein und wird köstlichen
               Samen auswerfen in eure Herzen. Es wird keinen Augenblick und keinen Ort geben in
               eurer Zukunft, wo Gott nicht wäre. Immer begleitet er euch, immer redet er euch,
               immer läßt ers Licht werden auf eurem Weg, immer hält er euch, wenn ihr straucheln
               wollt.</p>
        <p>Ihr jungen Menschenkinder, wenn wir euch das so recht klar und gewiß machen könnten,
               wie müßtet ihr euch heute freuen auf die Zukunft, in die ihr hineingeht, auf Alles,
               was sie euch bringen wird. In Allem, was sie euch bringen wird, wird ja ein Wort
               Gottes an euch verborgen sein. Wie müßten dann wir, eure Eltern und Lehrer, heute
               getrost und ruhig sein beim Gedanken an euch. Es wird ja in Allem, was euch
               widerfahren wird, guter Gottessame, Worte Gottes, Worte des ewigen Lebens für euch
               verborgen sein. Gott wird euch in alle Wahrheit leiten [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.16.13">Joh. 16,13</ref>].</p>
        <p>Warum können wir nicht so sicher und getrost uns darauf verlassen heute, wir, eure
               älteren Freunde, die das Leben schon etwas besser kennen als ihr? Warum könnt ihr
               selber nicht ganz so sicher und freudig in eure Zukunft blicken, wie wir es da gesagt
               haben? Das Gleichnis Jesu sagt es uns. Es erzählt uns nicht nur von dem nimmermüden,
               überreichen Säemann, der von Ewigkeit her ausgeht und guten Samen in die
               Menschenherzen wirft, sondern auch davon, <hi rend="italic">wie es nun mit dem guten Samen
                  geht</hi> auf dem großen Acker der Welt. Aus all dem, was Gott redet und tut,
               sollte etwas werden, wachsen und entstehen, nicht wahr? Gott spielt nicht, sondern
               Gott arbeitet. Auf die gute Aussaat muß eine gute Ernte fol<pb xml:id="p182" ed="pga" break="no"/>gen. Was ist das für eine Ernte? Gott will, daß in der Welt und durch uns Menschen
               sein Wille geschehe, daß sein Reich, seine Herrschaft bei uns und durch uns
               aufgerichtet werde, daß sein Leben, sein Geist, seine Art uns erfüllen und in unserem
               Leben zum Vorschein kommen. Er will das, weil er weiß, daß wir nicht ohne ihn sein
               können, daß wir tief unglücklich sind, solange wir es ohne ihn machen wollen — weil
               er weiß, daß es unseres Lebens Bestimmung ist, teilzunehmen an seiner Wahrheit und
               Klarheit. Sein Ziel ist, uns zu sich zu ziehen, uns ihm selber ähnlich zu machen, uns
               selig zu machen in der vollen Lebensgemeinschaft mit ihm. Und darum geht er als
               Säemann durch die Welt und durch das Leben von einem jeden von uns. Jeder noch so
               kleine Schritt vorwärts, den wir tun diesem Ziele entgegen, ist ein Stück von der
               Ernte, auf die er wartet: <q rend="block">
                            <lg>
                                <l xml:space="preserve">Wir sollen nicht verloren werden,</l>
                                <l xml:space="preserve">Gott will, uns soll geholfen sein.</l>
                                <l xml:space="preserve">Deswegen kam sein Sohn auf Erden</l>
                                <l xml:space="preserve">und nahm hernach den Himmel ein.</l>
                                <l xml:space="preserve">Deswegen klopft er für und für</l>
                                <l xml:space="preserve">so stark an unsres Herzens Tür’.<note xml:id="n02"><bibl type="song" corresp="kbga-songs-80">Lied 229 (EKG  269) «Ich habe nun den Grund gefunden …» von <persName ref="kbga-actors-1396">J. A. Rothe</persName> (1688–1758), Strophe 3.</bibl></note></l>
                            </lg>
                        </q>
                    </p>
               <p>Gott der Säemann ist durch eure Jugendzeit gegangen. Die Ernte, die er von euch
               erwarten durfte, war, daß ihr ihm eure Herzen öffnen, daß ihr seine freundliche
               Stimme hören und in eurer Seele widerhallen lassen [solltet], daß euer Gewissen ihm
               antworten, euer Gemüt und Wille sich zu ihm neigen sollte. Gute Früchte des
               Gehorsams, des Fleißes, des Friedens, der Aufrichtigkeit sollten wachsen aus dem
               guten Samen. Fragt euch selber, was aus der Aussaat eurer Jugendzeit geworden ist in
               eurem bisherigen Leben. Gott der Säemann ist durch eure Unterweisungszeit gegangen.
               Die Ernte, die er heute erwartet, ist nicht ein stolzes, vollkommenes Christentum,
               aber ein ernster, heiliger Entschluß, für das wahre Christentum reif zu werden, eine
               große, starke Sehnsucht
               <pb xml:id="p183" ed="pga"/>
                nach seinem Frieden, der höher ist als alle Vernunft [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.7">Phil. 4,7</ref>], ein freudiges, aufrichtiges
               Bekenntnis eures Vertrauens und Gehorsams zu ihm, ein Bekenntnis, das nicht nur von
               den Lippen kommt, sondern aus dem Herzen, das man nicht nur mitspricht, weil es bei
               der Konfirmation so der Brauch ist, sondern das aus eigener Einsicht und eigenem
               Willen kommt, so weit ihr bei euren jungen Jahren schon Einsicht und Willen zu dieser
               heiligsten Sache des Lebens haben könnt. Das ist die Ernte, die heute da sein soll.
               Fragt euch selber, ob es der Fall ist.</p>
        <p>Und Gott der Säemann wird also auch durch euer ganzes zukünftiges Leben gehen. Dafür
               aber erwartet er Treue von euch, nicht nur ein flackerndes Strohfeuer, sondern
               stille, dauernde Treue. Er erwartet von euch ein tapferes, eifriges Streben nach dem
               Guten, einen entschiedenen Kampf gegen das Schlechte in euch und um euch her, ein
               furchtloses Eintreten für Alles, was wahr ist, edel und schön. Er erwartet von euch,
               daß ihr euch nicht abspenstig machen laßt vom guten Wege, den ihr jetzt betreten, daß
               ihr euch nicht einschüchtern laßt von den Mächten dieser Welt, ganz besonders nicht
               von der Macht des Geldes, daß ihr euch nicht herunterziehen und beschmutzen laßt
               durch all das Unreine, Niedrige, Wüste, das wir ja in der Welt täglich um uns her
               wahrnehmen müssen. Ein Held ist in eurer Seele, in der Seele eines jeden von euch,
               werft den Helden in eurer Seele nicht weg! seid nicht wie die Anderen tot! Freudige,
               kraftvolle Menschen sollt ihr werden, Menschen voll Wahrhaftigkeit und Energie und
               Brudersinn dem Nächsten gegenüber, Ernst machen sollt ihr von einem Jahr zum anderen
               mehr mit Gottes heiligem Willen und Gesetz, beten und arbeiten sollt ihr für das
               Reich Gottes, daß es komme, wirklich und wahrhaftig komme auf unsere arme, durch
               Sünde und Schuld verwüstete Erde. Zurückblicken sollt ihr einmal dürfen, wenn ihr alt
               seid oder wenn Gott euch vorher abruft, auf ein Leben, in dem ihr euch Mühe gegeben
               habt in jeder Beziehung, durch das ihr nicht als schlafende und träumende, sondern
               als wache, denkende, strebende Menschen hindurchgegangen seid. Auch von euch soll es
               einmal heißen können: Ei, du from<pb xml:id="p184" ed="pga" break="no"/>mer und getreuer Knecht, ei, du fromme und getreue Magd, du bist über Wenigem getreu
               gewesen, ich will dich über Viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.25.21">Mt. 25,21</ref>]! Das ist die Ernte,
               liebe junge Freunde, die Gott einmal erwartet von euch für seine Aussaat. Fragt euch,
               und es ist jetzt noch die rechte Zeit dazu, — es ist auch nicht zu spät, aber es ist
               Zeit dazu jetzt! — fragt euch: wie wird die Ernte sein? Was wird Gott bei mir finden
               für den guten Samen, den er mir so unermüdlich und reichlich anvertraut hat?</p>
        <p>Jesu Gleichnis sagt uns, daß es trotz dem guten Samen oft sehr ungute Ernten gibt.
               Einiges fiel auf den Weg am Acker. Da kamen die Vögel des Himmels und fraßen es auf.
               Einiges fiel ins Steinige, das schoß schnell auf, aber es hatte nicht genügend tiefen
               Boden, um seine Wurzeln in die Tiefe zu senden, darum mußte es absterben, als der
               heiße, trockene Sommer kam. Wieder anderes fiel unter den Samen von Dornen und
               Unkraut, und Dornen und Unkraut wuchsen mit ihm empor und erstickten es, und es
               brachte auch keine Frucht. Ihr wißt, was das alles zu bedeuten hat; ich will es heute
               nicht im Einzelnen ausmalen und anwenden. Es bedeutet kurzum, daß der gute Same
               verloren gehen kann. Nicht an ihm liegt der Fehler, aber an dem Boden, auf den er
               geraten ist. Da hat dann Gott umsonst gesät. Das kann mancherlei Gründe haben, wie es
               im Gleichnis angedeutet ist. Gottes Wort kann an harte Herzen anstoßen, die ihm nicht
               auftun wollen, Gottes Wort kann eindringen und scheinbar Wohnung nehmen, aber dann
               zeigt es sich, daß es nicht langt mit dem Ernst und mit der Treue. Gottes Wort kann
               leben und wachsen und treiben in einem Menschenherzen, aber es ist noch viel Anderes
               da daneben, zuviel Äußerliches, Kleinliches, Menschliches, und da muß es sterben, man
               kann eben nicht zweien Herren dienen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.24">Mt. 6,24</ref>]. Es ist ja im Grunde immer derselbe Vorgang: <q rend="block">
                      <lg>
                                <l xml:space="preserve">Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht</l>
                                <l xml:space="preserve">Wohl über die schönen Blümelein</l>
                                <l xml:space="preserve">Sie sind verwelket, verdorret.</l>
                                <l xml:space="preserve"><pb rend="noPipe" xml:id="p185" ed="pga"/>Sie liefen weit ins fremde Land</l>
                                <l xml:space="preserve">Sie hatten weder Glück noch Stern</l>
                                <l xml:space="preserve">Sie sind verdorben, gestorben!<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-1549"><persName ref="kbga-actors-1035">H. Heine</persName> (1797–1856), Tragödie (in: <hi rend="italic">Neue Gedichte</hi>, zuerst erschienen im <hi rend="italic">Taschenbuch für Damen</hi>, Stuttgart 1829, 65)</bibl>. Der Mittelteil des Gedichtes lautet in der Originalfassung vollständig: <q rend="block"><lg>  <l xml:space="preserve">Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,</l>   <l xml:space="preserve">Er fiel auf die zarten Blaublümelein,</l>   <l xml:space="preserve">Sie sind verwelket, verdorret.</l>   <l xml:space="preserve">Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb,</l>   <l xml:space="preserve">Sie flohen heimlich von Hause fort,</l>   <l xml:space="preserve">Es wußt weder Vater noch Mutter.</l>   <l xml:space="preserve">Sie sind gewandert hin und her,</l>   <l xml:space="preserve">Sie haben gehabt weder Glück noch Stern,</l>   <l xml:space="preserve">Sie sind verdorben, gestorben.</l></lg></q></note></l>
                            </lg>
                        </q>
                    </p>
               <p>Hört ihrs: verdorben, gestorben! Hört ihrs: Gott hat umsonst gesät! O, wie oft
               waren da schon tüchtige, fröhliche Menschen, für Gott bestimmt und für ein schönes,
               ernstes, kraftvolles Leben, und der göttliche Same fiel, fiel auch in ihre Seele,
               aber es wurde nichts daraus, es entstand nicht, was hätte entstehen müssen. Der
               göttlichen Ursache folgte keine göttliche Wirkung. Verdorben, gestorben, auf
               törichte, schlechte Wege gekommen, innerlich und äußerlich, hart und stumpf geworden,
               das Leben genossen und schließlich aus dem Leben geschieden, ohne des Lebens Ziel
               erstrebt und erreicht zu haben. Wie oft schon sind junge Menschen wie ihr heute
               konfirmiert worden, haben vor Gott und den Menschen bekannt: ich will mir Mühe geben!
               und vielleicht war es ihnen auch ernst damit, und doch war in Wirklichkeit Gottes
               Aussaat für sie vergeblich gewesen. Verdorben, gestorben, untergegangen, vielleicht
               nicht gerade in Laster und Schlechtigkeit, aber doch in Gleichgültigkeit und
               Oberflächlichkeit, im Treiben einer eitlen, selbstsüchtigen Welt. Sie wurden, nun sie
               wurden eben wie alle Anderen auch, Dutzendmenschen, Herdenmenschen, Leute, die immer
               mit dem großen Haufen gehen, arme, farblose, charakterlose, gottlose Geschöpfe. Und
               waren doch so gerne in die
               <pb xml:id="p186" ed="pga"/>
                Unterweisung gegangen! Und hatten doch so mit Überzeugung ihr Ja! gesagt auf Gottes
               Frage: Willst du mein Kind sein? Liebe junge Freunde! Ich will euch nicht angst
               machen, ich will euch nicht den heutigen Festtag verderben durch bittere Gedanken.
               Aber nachdenken sollt ihr darüber, daß es auch so gehen kann und unendlich oft schon
               so gegangen ist mit Gottes gutem Samen.</p>
        <p>Was sollen wir tun, wenn wir das einsehen, daß es auch so, so traurig gehen kann?
               Dann sollen wir uns sagen: es kommt auf mich an, ob es bei mir auch so gehen wird. Es
               liegt an mir, dafür zu sorgen, daß es bei mir nicht so gehe. Der Ackerboden kann
               nichts dafür, daß er steinig ist oder daß schon Unkraut auf ihn gefallen ist. Ein
               Menschenherz aber kann etwas dafür, wenn Gottes guter Same bei ihm verlorengeht. Ein
               Menschenherz muß vor Gottes durchdringendem Blick bekennen: es ist meine Schuld. Gott
               will, uns soll geholfen sein,<note xml:id="n04">Vgl. <ref type="pub" target="#fn_n02">Anm. 2</ref>.</note> aber, liebe Konfirmanden, wir sollen das auch wollen. Unser Wille
               muß einig werden mit Gottes heiligem Willen. Es liegt eine große Verantwortlichkeit
               auf uns, daß das wirklich geschehe. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert
               [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.12.48">Lk. 12,48</ref>], und uns ist
               viel gegeben. An uns ist es, dafür zu sorgen, daß wir nicht vor Gott dastehen müssen
               wie jener andere Knecht im Gleichnis, der nichts anzufangen wußte mit dem, was ihm
               anvertraut war und nach allerlei Ausreden suchen mußte [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.25.24 Mt.25.26">Mt. 25,24–26</ref>]. Macht es euch ganz
               klar: Gott hat zu euch geredet und redet zu euch, er hat zu euch allen, zu jedem von
               euch gesagt: ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus
               lauter Güte [<ref type="can" subtype="bible" target="Jer.31.3">Jer. 31,3</ref>], —
               nun aber gibt es keine Ausreden, kein: ich kann nicht anders! ich muß oberflächlich,
               einfältig, unaufrichtig, selbstsüchtig sein. Das gibt es nicht! Wenn einmal keine
               Ernte da sein wird, wenn heute, nachdem ihr Gottes Stimme gehört habt, kein Anfang da
               ist von dieser Ernte in eurem Leben, dann seid ihr selber schuld. Nicht wahr, diese
               Schuld wollen wir nicht auf uns nehmen, nicht wahr, wir möchten nicht, daß jenes
               furchtbare: verdorben, gestorben!
               <pb xml:id="p187" ed="pga"/>
                auch von uns gesagt werden müßte. Wohlan denn, so wollen wir zu Gott Ja sagen in
               unserem Innersten, in unserer Seele, das ist noch wichtiger als das laute Ja, das ihr
               nachher aussprechen sollt. Wir wollen Ja sagen zu dem, der uns so viel Gnade
               geschenkt hat. Nicht bloß das Ja eines vorübergehenden frommen Gefühls, nicht wahr!
               Ich möchte, daß es euch jetzt recht nüchtern zu Mute sei, daß der Entschluß, den ihr
               nachher aussprechen sollt, nicht aus irgend einer Aufregung und Aufwallung stamme,
               und wenn sie noch so schön wäre, sondern aus der klaren, einfachen Einsicht: ich
               möchte so denken, leben und tun, wie ich es da ausspreche! Ja sagen zu Gott, das
               heißt ganz einfach annehmen, was er uns geschenkt hat, annehmen mit dem Willen, mit
               dem Herzen, annehmen mit eurer ganzen Person. Tut das, so werdet ihr leben [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.28">Lk. 10,28</ref>]! Tut es heute und
               tut es immer wieder!</p>
        <p>Dann braucht es euch nicht bange zu sein wegen der Ernte, Dann brauchen wir uns nicht
               zu sorgen: wie wird es ihnen gehen in den Kämpfen und Versuchungen des Lebens? Dann
               dürft ihr stark, froh und sicher euren Weg antreten, und es wird oft ein schwerer und
               dunkler, aber auch immer ein guter Weg sein, den ihr geht. Dann werdet ihr hingehen
               und Frucht bringen, jeder nach seiner Art und nach dem, was ihm verliehen ist, und
               eure Frucht wird bleiben. Hoffnungsvoll sehen wir euch dann heute eintreten in die
               Reihen der erwachsenen Glieder der Gemeinde Christi, hoffnungsvoll und freudig, denn
               von euch heißt es dann: Einiges aber fiel auf gutes Land und brachte Frucht, die da
               zunahm und wuchs.</p>
          <p>Das walte Gott, euer und unser Vater!</p>
        </div>
        <div type="closer">
          <salute>Amen.</salute>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
