Predigt: Markus 4,3-9 (Ostern)
«Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?» Diese bange, ratlose Frage kennen wir auch. Diese Frage müssen wir kennen, wenn uns die frohe Osterbotschaft etwas bedeuten soll. Auf den Ostertag bringen die meisten Zeitungen schöne religiöse Leitartikel. Es ist ein alter Brauch so. Auf die Festzeiten erinnern sich auch die Zeitungen wieder einmal daran, daß [es] einen lieben Gott gibt. In diesen Leitartikeln steht dann gewöhnlich viel vom Gesang der Amsel, von Knospen und Blüten, von der wiedererwachenden Natur. Es nimmt mich wunder, wieviele von den Tausenden von Zeitungslesern landauf landab beim Lesen von solchen Artikeln etwas verspüren von Trost und Kraft, etwas verspüren von der erlösenden Macht der Osterbotschaft. Mir kommt es immer ein wenig grausam vor, den Menschen so den Frühling vorzuhalten, die Auferstehung der Natur nach dem langen Winterschlafe. Was sollen wir denn damit, bloß damit? Freilich ists wahr: das ist ein wunderbarer, herrlicher Vorgang, was wir jetzt da draußen sich vollziehen sehen, wie sich Alles zu regen beginnt unter den Wirkungen der Frühlingssonne, wie jeder Baum und jedes Beet bereits die ersten Spuren des neuen keimenden Lebens zeigt, wie in Feld und Wald an die Stelle des trüben, winterlichen Graus lebhaftere Farben zu treten beginnen. Ja, das ist wunderbar, und wir wollen unsere Augen weit auftun, um dieses ganze Frühlingswunder recht tief in uns aufzunehmen. Aber das ist es ja gerade: die Natur aufersteht, die Natur zeigt sich eben jetzt wieder von ihrer herrlichsten Seite: als unendliches, unwiderstehliches Leben, |189 in der Natur nehmen wir gerade jetzt wieder Gott wahr — das wußten schon unsere heidnischen Vorfahren, von ihnen stammt ja das Osterfest, das ursprünglich ein reines Naturfest war und erst später mit dem Fest der Auferstehung Christi verbunden worden ist.
Aber wie steht es denn mit uns Menschen? müssen wir uns fragen, gerade wenn wir Gottes wunderbares Walten in der Natur sehen. Ist denn bei uns auch ein solches Leben und Blühen, ein solches Wiedererwachen und Auferstehen? Ist es denn für uns so selbstverständlich, daß wir [an] all dem Glück und all der Schönheit, die jetzt da draußen im Werden ist, teilnehmen werden? Denn damit werden wir uns doch nicht begnügen wollen, daß wir jetzt wieder draußen arbeiten und spazierengehen können. Das ist Alles recht schön, aber was hilft es uns, wenn wir den Winter in der Seele mit hinaustragen? Was wir brauchen, ist ein Lebensfrühling, eine Lebensauferstehung. Kennen und haben wir so etwas? Wenn wirs nicht kennen und haben, dann stehen wir eigentlich im Frühling der Natur da wie arme Kinder, die der Weihnachtsbescherung der Reichen durchs Fenster zusehen dürfen. Wir müssen die Amsel beneiden um ihren sorglosen Jubel und den Baum und das Gras um ihr saftiges, unaufhaltsames Treiben und die weißen Wölklein am Himmel um ihren heiteren, hohen Weg. Die haben es gut! Die sind wahrhaftig auferstanden! Die wissen, was Leben ist. Wer aber wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Wer aber bringt uns Auferstehung, Auferstehung, die wir nicht bloß mit ansehen, sondern selber erleben dürfen, wir Menschen so gut wie die Vögel, die Mücken, die Bäume, die Blumen?!
Oder müssen wir uns nicht so fragen? Es sind solche unter uns, die haben einen Winter voll schwerer Sorgen hinter sich. Viel Trauriges haben sie erleben müssen, manche halbe Nacht haben sie gewacht und nachgedacht über eigenen oder fremden Kummer. Nun kommt der Frühling ins Land mit all seiner Pracht, aber sagt selber: ist ein Leid darum weggeweht? Tragt ihr es nicht noch immer in euch herum? Kann es nicht jeden Augenblick wieder dastehen und eure Seele verfinstern mit seiner Last und Bitter|190keit? O wir möchten ja so gern leben, nicht wahr, fröhlich und kraftvoll leben, wie jetzt da draußen Alles zu leben beginnt, wir tragen eine so große Sehnsucht in uns nach Frieden und Seligkeit, aber wenn nun ein solcher dunkler Punkt da ist in unserem Leben: eine Geldsorge, eine Familiensorge, eine Gemütssorge, was soll uns da der Ruf zur Freude? Wir können ja nicht, wir stehen da wie jene Frauen, die dem Leichnam ihres Herrn die letzte Ehre antun wollten und zum voraus seufzten: es wird nicht gehen! Der Stein auf dem Grab ist zu schwer! Es ist zu schwer, klagst du auch, ich kann es nicht vergessen, ich kann nicht darüber hinwegkommen, kann mich nicht damit abfinden. Mein Unglück liegt schwer und groß meiner Seligkeit im Wege.
Wieder Andere, die haben mit schwierigen, unangenehmen Menschen zu tun, müssen sich vielleicht allerlei Böses sagen und antun lassen, vielleicht fortwährend, immer wieder. Ach, wir glauben es ja schon, nicht wahr, daß Gott unser Vater ist, aber wie kann uns doch oft ein solches anderes Kind des Vaters das Leben im Hause verleiden, wie schwer ist es manchmal, so recht ernst zu machen damit: er ist mein Bruder, sie ist meine Schwester! ich muß ihnen vergeben, ich darf nicht aufhören, ein Licht zu sein in der dunklen Welt, auch wenn der Andere noch so schlimm wäre. Wenns dann so immer weiter geht und immer schlimmer wird statt besser, wenn dann so die große Müdigkeit über uns kommt, daß wir diesem anderen Kind des Vaters im Himmel zuschreien möchten: ich habe dich satt, du, du … mit deinen ewigen Torheiten und Quälereien — wie müssen wir da leiden, leiden je näher uns ein solcher Mensch vielleicht steht. Und nun hören wir von der Auferstehung in der Natur — sehr schön, nicht wahr, aber die schönste Natur könnte einem verleiden, wenn man so jemand neben [?] sich hat oder immer wieder mit einem zu tun haben muß, der es darauf abgesehen hat, Alles in Gift und Galle zu verwandeln. Da stehen wir, ratlos: wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Wer macht, daß da etwas Anderes, Besseres entsteht? Wer erlöst uns von dem Druck, den ein solcher böser, feindseliger Mensch für uns bedeuten kann?
191 O überhaupt, wenn die Menschen einander nicht verstehen, wenn sie so aneinander vorbeidenken und vorbeireden, was ist das für eine Plage! Ja, wenn es noch bleiben würde bei dem «aneinander vorbei», aber es bleibt fast nie dabei, es heißt dann gewöhnlich: gegeneinander. Es ist ja kein Unglück, im Gegenteil, daß es Menschen von verschiedener Denkungsart und Gemütsweise, von verschiedenen Interessen und Richtungen gibt, im Gegenteil, diese Verschiedenheiten könnten die Quelle von viel Reichtum und Glück sein, wenn wir sie recht auffassen würden. Aber wie fassen wir sie auf? Wir meinen: der da drüben, den ich jetzt nicht verstehen kann, der muß ein Böser, Wüster sein, — gegen mich, mir z’Leid redet und handelt er, jetzt will ich auch wieder etwas gegen ihn, ihm z’Leid tun, der solls schon merken. Und dann werden oft bei Anlaß der kleinsten Sachen die größten Kriege geführt, nur weil man sich nicht die Mühe nimmt, einander zu verstehen, auch in der Verschiedenheit zu verstehen. Was ist das für eine Plage! Wie muß da Alles darunter leiden, wenn es so zugeht! Liebe Gemeinde, ich denke jetzt an Manches, was gerade wir im vergangenen Winter miteinander erlebt haben. Wollen wir uns jetzt an der Ostern trösten mit Vogelsang und Blumenduft, um uns dann beim nächsten Anlaß wieder gleich schlecht zu verstehen? Ich meine, gerade wenn man solche Erfahrungen von Unverständnis und Mißverständnis miteinander gemacht und darunter gelitten hat, dann sieht man sich sehnsüchtig nach einer höheren, besseren Botschaft um. Soll es immer so weitergehen? Soll es immer so bleiben, daß die Menschen einander nicht verstehen wollen, daß sie gegeneinander statt miteinander gehen wollen? Verschiedenheiten der Ansichten und der Interessen wird es ja immer geben, auch unter uns, aber was hilft uns hinweg über die unnützen Streitigkeiten, bei denen niemand etwas gewinnt, sondern nur Alle verlieren, über die Schulbubenkämpfe um Kleinigkeiten und Nichtigkeiten, über das Kriegführen mit vergifteten Pfeilen, wo der Haß und die Leidenschaft an die Stelle der ruhigen, klaren Überlegung, an die Stelle der Grundsätze und Überzeugungen tritt, wer befreit uns von alledem? Wer wälzt |192 uns den Stein von des Grabes Tür? Wer bringt uns den Gottesfrieden des gegenseitigen Verständnisses und Zusammenarbeitens?
Und dann denke ich weiter an die unzähligen Menschen, die den Frieden mit sich selber nicht haben. Wir haben im vergangenen Winter den traurigen Fall erlebt, daß Einer aus unserer Mitte freiwillig seinem Leben ein Ende gemacht hat. Das Traurige an einem solchen Fall ist nicht das bittere Ende — die meisten Leute meinen es zwar, aber sie irren sich —, sondern das ist das Traurige, daß man da gewahr wird, wie Viele im Grunde, ohne daß man es ahnt, auf unguten, unglücklichen Wegen gehen, die unglücklich sind, auch wenn es nicht immer zu einem solchen Ende kommt. Wie Viele mögen unter uns sein, die so innerlich tief unglücklich, tief zerrissen sind! Sie sind in irgend einer Richtung in die Irre gegangen, haben sich selbst eine schwere Kette angelegt, und nun reiben sie sich wund an dieser Kette, möchten los davon und können es doch nicht, spüren es, das ist mein Unglück! und haben doch nicht die Kraft, sich zu befreien. Und in ihrer Seele ist eine Sehnsucht, ein brennendes Heimweh, sie sehen Andere, die mit sich selbst besser in Ordnung sind, die Freude haben können an ihrem Leben, und sie möchten sie beneiden, hassen beinahe. Sie vermehren ihre Qual, indem sie ihrer Unzufriedenheit da und dort Luft machen oder indem sie sie zu betäuben suchen. Sie sinken tiefer und tiefer, werden innerlich einsam und einsamer. O ich wiederhole: es braucht dann nicht immer gerade zum Äußersten zu kommen, es kommt ja in den meisten Fällen nicht dazu, aber wie unsäglich traurig ist doch nur schon das, wenn einem Menschen sein Leben innerlich verleidet ist, sein Leben, das kostbare, reiche Ackerfeld, das ihm von Gott zum Pflügen, Säen und Ernten übergeben worden ist. So viel könnte ihm das Leben sein, und er weiß nicht, was damit anfangen, verzehrt sich in einem aufreibenden Krieg mit sich selbst. Heraus, heraus aus diesem Zustand des Unfriedens! seufzt er, wer wird mir heraushelfen? Wo finde ich das Andere, Bessere, das ich nötig habe? Wer wälzt mir den Stein von des Grabes Tür?
193 Und noch Andere sind da, die so seufzen, jetzt in der Schönheit des Frühlings ganz besonders, solche, denen der Tod einen lieben Menschen weggenommen hat. Da draußen wird Alles neu, kommt Alles wieder in wunderbare Fülle, was im Winter starr und tot zu sein schien, Eins ums Andere stellt sich wieder ein wie alle Jahre, aber es ist nicht mehr da, das Andere, das du so gern hattest, das dir so nötig war. O, das Schöne da draußen tut dir wohl, nicht wahr, aber zugleich so weh, — gerade weil es so schön ist, mußt du immer an das denken, was dir fehlt, an die Lücke, die in deinem Leben entstanden ist. Du bist vielleicht gestern abend, vielleicht heute morgen an dem Grabe gestanden, in das du deine Freude und deine Hoffnungen hast legen müssen, hast frische Blumen hingebracht und geseufzt darüber, daß du nicht auf andere Weise dem Verstorbenen nahekommen, ihm etwas Liebes sagen oder tun konntest. Wie soll ich je wiederfinden, was ich verloren habe? wie soll ich je zur Ruhe kommen nach dieser grausamen Erschütterung? wer kann mir helfen? ja: wer wälzt mir den Stein von des Grabes, von dieses Grabes Tür, so daß ich wiederbekomme, was mir genommen ist?
Die Osterbotschaft, die christliche Osterbotschaft, nicht die heidnische, liebe
Gemeinde, gibt uns Antwort auf diese Fragen. Was sagt sie uns? Kurz und gut: der Stein ist abgewälzt, Jesus Christus gestern und heute derselbe
und in Ewigkeit [
Wer Augen hat zu sehen, der sieht schon lange voraus: im Leben dieses Menschen da können alle Anstrengungen der feindlichen Gewalten, da kann schließlich auch Tod und Grab nichts, gar nichts zu bedeuten haben. Da quält Einen die Frage nicht mehr: Wer wälzt den Stein von des Grabes Tür? Denn da mögen die |195 Menschen lange hingehen und ihn ins Grab legen und das Grab verschließen und versiegeln, Gott hat dieses Grab geöffnet, noch bevor es geschlossen war, Gott gibt dem Tode keine Gewalt über diesen seinen Sohn, er lebt und wird leben in Ewigkeit. Die Tat Gottes, die in diesem Leben und Sterben geschah, war etwas so Großes, Kraftvolles, daß sie leuchten und wirken mußte, mochten gleich die Menschen Alles unternehmen, um sie zu löschen und zu hindern, mochte gleich die Welt noch so dunkel und widerspenstig sein. Jesus stand über der Sünde, über der Welt, aber darum stand er auch von vornherein über der Vergänglichkeit, mochte gleich sein Leib ins Grab gelegt werden.
Was haben die Jünger und Jüngerinnen Jesu erlebt von jenem
merkwürdigen dritten Tag seit seinem Tode? Eigentlich nichts Anderes, als daß ihnen
die Augen aufgingen, daß sie begriffen, was sie längst hätten begreifen sollen.
Vorher glaubten sie an die Macht der bösen Welt, jetzt glaubten sie an die Macht
Gottes. Vorher glaubten sie an die Macht des Todes, jetzt glaubten sie an die Macht
des Lebens, des Lebens, das sie in Jesus kennengelernt hatten. Vorher hatten sie nur
das vor Augen, daß das Schlechte es gewonnen hatte auf
Wie ist ihnen das Bewußtsein gekommen in jenen Ostertagen? Durch ein Wunder Gottes,
das ist ganz sicher, aus sich selber hatten sie diese Einsicht nicht gewonnen,
sondern Gott mußte es hell werden lassen vor ihren Augen und in ihren Herzen. Wie das
geschehen ist, das ist allerdings für uns schwer begreiflich, jene Erzählungen des
Neuen Testaments sind in ein fast undurchdringliches Dunkel gehüllt für unsere Augen,
und wir müssen es den
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Gelehrten überlassen, sie im Einzelnen zu erklären. Man tut Unrecht, sich darüber
aufzuregen, ob sie als äußerlich wahrnehmbare oder aber als geistige, innerliche
Vorgänge aufzufassen sind. Man kann sich ruhigen Blutes für das Eine oder das Andere
entscheiden, und es hat fromme Männer gegeben, die das Eine, und fromme Männer, die
das Andere getan haben. Wer den Frieden Gottes kennt und hat, wird sich um die
Auferstehung Jesu nicht zanken mögen. Das, worauf es für uns ankommt, das ist, daß
wir das grenzenlos Neue verstehen, das dort den Jüngern und Jüngerinnen Jesu
aufgegangen ist: das, daß Jesus wahrhaftig Meister sei über Sünde, Welt und Grab,
über Teufel und Tod. Jetzt erst war es ihnen gewiß: Gott war in Christus
[
Und was sagt uns nun die Osterbotschaft? Sie sagt uns: Jesus ist der Anfang eines solchen siegreichen, unvergänglichen Menschenlebens auch für uns, für Alle, die an ihn glauben, für Alle, die sich von ihm durchs Leben und zum Vater führen lassen. Groß und hoch stehen alle jene Fragen und Schwierigkeiten vor uns, von denen wir geredet. Wir sehen um uns her so manches Menschenleben vergiftet, verbittert, verwüstet, zerstört. Wir sehen so viel Unrecht in der Welt, so viel offene und geheime, grobe und feine Gewalttat. Wir sehen so viel Tränen weinen, die wir nicht trocknen können, so viele traurige Tatsachen, vor denen wir mit einem schmerzlichen Achselzucken stehen bleiben müßten, wenn wir nun nicht etwas Höheres kennen würden. Wir kennen aber etwas Höheres, und wir brauchen nicht seufzend vor alledem stehen zu bleiben. Das Höhere ist eben jenes siegreiche, unvergängliche Menschenleben Jesu. Dieses Menschenleben ist Gottesleben, eben weil es so unvergleichlich ist.
197 Und dieses Hohe, dieses Gottesleben ist für uns da. Es muß hinein in unsere Seelen, hinein in unser Leben, das ist die rechte Antwort auf alle Fragen. Natürlich, solange wir Jesus bloß von ferne betrachten, bloß ihn bewundern, bloß über ihn nachdenken und dergleichen, so lange ist er für uns nicht lebendig, darum auch nicht wirksam, darum auch nicht ein Segenspender. Wir müssen ihn kennen lernen, wie ihn die Jünger an jenem Ostertage kennen lernten, wir müssen das Vertrauen zu ihm fassen, daß wahrhaftig Gott durch ihn redet und bei ihm war, und dann müssen wir ihm gehorchen als dem Boten Gottes an uns. Den christlichen Osterglauben kennt nur der, der diese Umwandlung an sich erfahren hat. Nicht ein vollkommener Mensch braucht er zu sein, aber einer, der einmal Ernst gemacht mit dem Wunsch, Jesus nachzufolgen, d. h. ihm zu gleichen, sich zu Gott und zu den Brüdern so zu stellen, wie er es getan hat. Da muß der eigene Wille, die Eitelkeit, die Leidenschaft daran glauben, da muß ein großer, stiller Gehorsam eingezogen sein in unser Herz. Wo ein Mensch diese Umwandlung durchmacht, der bekommt dann auch die rechte, die wahre Osterfreude. Sein Leben wird eine kleine Fortsetzung des unvergänglichen, siegreichen Lebens Jesu.
Dieses gewaltige «Ich auch!» ist etwas, was uns keine noch so schöne
Naturbetrachtung ersetzen kann. Gott mußte uns in Jesus einen solchen Bruder
schicken, der uns deutlich und unmißverständlich dieses «Ich auch!» zurufen konnte.
«Ich lebe, und ihr sollt auch leben!» [
198 Wenn wir sie gehört haben, dann heißt es auch für uns: Der Stein ist
weggewälzt. Sünde, Not, Welt und Tod verlieren ihre gewaltige Bedeutung. Noch
sind sie da, aber wir glauben nicht mehr an sie. Noch sind sie da, aber wir halten
sie nicht mehr für Götter, die wirkliche Macht über uns haben könnten. Noch seufzen
wir unter den Sorgen und Kummern dieses Lebens, aber sie erdrücken
uns nicht mehr, wir sehen darüber hinaus, wir haben einen festen Grund [?] und Boden
unter den Füßen, wo wir stehen können. Noch leiden wir darunter, wenn man uns Unrecht tut, aber wir sehen Unrecht und Beleidigung, die uns
zugefügt werden, nicht mehr an als etwas Entsetzliches, wir fühlen uns nicht mehr im
Innersten erschüttert, wenn einmal so etwas vorkommt, sondern wir lernen uns darüber
hinwegzusetzen, wir lernen vielleicht sogar allmählich das Schwerste: Böses mit Gutem
vergelten [vgl.
So fällt Licht auf die Schwierigkeiten unseres Lebens von der Osterbotschaft aus. Der
Stein ist weggewälzt für den, der mit Jesus durchs Leben geht. O wenn wir diese
Fragen kennen aus unserem Leben, und wir kennen sie ja alle so gut, wir tragen alle
so viel davon in uns herum, dann wollen wir zu ihm, dem Fürsten des Lebens, gehen, zu
ihm, der größer war als all das, was uns je Mühe macht. Und dann wollen wir mit ihm
gehen und wollen lernen, bescheiden lernen, auch groß zu werden,
auch hineinzuwachsen in das siegreiche, unvergängliche Leben,
auch jubeln zu dürfen mit so vielen seiner Schüler und Freunde:
Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg, der Tod ist verschlungen in den
Sieg. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat in Jesus Christus
[