6. Oktober 1920

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Heute ist Wolf Meyer bei uns eingetroffen — gänzlich unvermutet. Er kam direkt von Georg Merz. Natürlich um von uns zu euch weiterzureisen. Persönlich ein netter, sympathischer Mann, freilich bei weitem nicht von der Aufgeschlossenheit und inneren Nähe uns gegenüber wie Georg Merz. Er scheint irgendwo zwischen Georg Merz und den Patmosleuten zu Hause zu sein, ist aber unvoreingenommener uns gegenüber, als ich dachte. Er bringt Bericht von Marburg.1 Es muß dort ein wildes Durcheinander geherrscht haben. Bei einem Haar wäre Ragaz dort eingetroffen. Er habe sich telegraphisch erkundigt, wer von Schweizern sonst noch komme.

Am Freitag fahren wir zu Wieser nach Wattwil, wo wir mit Lukas Christ und Gogarten zusammentreffen werden. Ein seltsamer Kreis. Wenn nur etwas dabei herausschaut, überhaupt bei allen diesen Besuchen. Nach dieser ganzen deutschen Besuchswelle sehen wir uns hoffentlich wieder einmal in Frieden.

Herzlich
Eduard