14. Februar 1915

Predigt: Lukas 12,32: "Gottes Vorhut"

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[259]
Gottes Vorhut1
Lukas 12,32
Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.
Liebe Freunde!

In den großen Frühlingszeiten des Reiches Gottes sammelt und bildet sich die «kleine Herde». Das sind die Menschen, bei denen es dann auch Gottesfrühling wird mitten im Weltwintera. Die bereit sind und den erlösenden Ruf Gottes hören und aufstehen.b In denen etwas ist, das sich jubelnd dem kommenden Neuen entgegenstreckt.c |53 Die sich ergreifen und verändern lassen von der Macht des guten Geistes, der sich auf einmal wieder fühlbar macht und die Seelen und die Menschen gewinnen möchte für sein Befreiungswerk. Die sich beugen unter die Gerichte des Ewigen, die in solchen Zeiten sich vollziehen unter Sturm und Grausen, und unter die Offenbarungen seiner Güte, die sich da auftun wie strahlender Sonnenaufgang. Die sich von dem Ernst und von der Seligkeit des nahen Gottesreiches so erfüllen lassen, wie das überhaupt unvollkommenen, sündigen Menschenkindern geschehen kannd. Das sind die Menschen, die dann wieder als Saat dienen müssen für Gottes Zukunft. Mit ihnen arbeitet ere weiter, wenn die besonderen Zeiten vorüber sind. Eine «kleine Herde», die den Ruf vernommen hat, ein paar Tausend Menschen hier und dort, die die Quellen des Lebens entdeckt und daraus getrunken habenf — sie sind der Ertrag Gottes von solchen Gerichts- und Offenbarungszeiten; den wirft er dann wieder hinein in den Strom der Geschichteg und gibt ihm damit neue Richtung und neue Krafth. Sie werden die verborgenen Ecksteine, mit denen Gott weiterbaut. Sie sind die auserlesene Vorhut Gottes, die stürmend voraneilen muß, um noch größeren Siegen vorzuarbeiteni.

Eine kleine Herde!j Wie wunderbar ist ⌜doch⌝ Gott, daß er es immer wieder gerade so und nicht anders machen will.k Wir denken es uns sol ganz anders aus. Wir meinen: ein großes allgemeines 90 Verstehen und Ergreifen des Ewigen und Göttlichen sollte die Folge solcher Gottesreichszeiten sein. Wie ein Regen sollte sich die Güte Gottes ergießen über alles Land. Wie ein Feuer sollte seine Herrlichkeit Alles erfassen und verzehren. Die Menschenseelen weit und breit müßten in Dankbarkeit und Empfänglichkeit sich ihm zuneigen, willig werden, sich ihm zu öffnen und in seinen Dienst zu treten. Jauchzet dem Herrn, alle Welt! [Ps. 98,4; 100,1]. Ja, haben wir denn nicht recht, wenn wir das er|54warten?m O ja: dieses Sich-sammelnn und Sich-wieder-finden aller Menschenseelen, dieses Zurückströmen alles Lebens zu seinem Urquell, dieses allgewaltige Durchdringen der Gottesgnadeo bis in die hoffnungslosesten, bösesten Winkel und Ecken, bis in die tiefsten Abgründe der Welt, dieses Jubeln und Jauchzen aller Kreatur vor dem Vater des Lichts [vgl. Jak. 1,17] — das ist das geheimnisvolle Ende der Wege Gottes2. Aber der Weg dahin ist anders, als wir es uns ausmalen möchten. Da klopft Gott an bei den Menschen einer Zeit mit einer seiner großen, freundlichen Tatenp, und wir meinen, er tue es so deutlichq, daß die Völkerweltr, daß das ganze Dorf es merken müßte. Aber gerade das geschieht nicht; sondern nun ist’ss, wie wenn eine merkwürdige Art von Auslese stattfinden würde, die von den Vielent nur Wenige trifft. Sie richtet sich nicht nach der Bildung der Menschen, — denn auch unter den sogenannten Gebildeten sind ganz Wenige, die merken und verstehen und aufstehenu. Sie richtet sich noch weniger nach Stand und Vermögenv, — denn immer bleibt’s wahr, daßw die Reichen es ungeheuer schwer haben, ins Reich Gottes einzugehen, zu groß sind für sie die Hindernisse [vgl. Mk. 10,24f. par.]. Und auch nach der Frömmigkeit und Gerechtigkeit der Leute richtet sich diese Auswahl nicht, danach am allerwenigsten. Kaum kann uns etwas gefährlicher sein in den großen Gotteszeiten, als wenn wir bereits bekehrt und brav sindx. Die Auswahl |55 der «kleinen Herde» richtet sich nicht nach menschlichen Merkmaleny und Unterschieden. Wer da meint: ich bin sowieso dabei kraft meiner Herkunft, meiner Vergangenheit, meines Charakters, meiner Leistungen, der ist sicher nicht dabeiz. Da gilt nur eins: Eine große innere Bedürftigkeit, eine große Freiheitaa von allen politischen, gesellschaftlichen, religiösenab und persönlichen Schachteln, Schubladen und Schablonen, ein großer Willeac, freudig von vorn anzufangen (und wenn du vielleicht schon lange auf stolzer Höhe gestanden wärest!), einead große ernsthafte Absicht, dem Ruf Gottes wirklich Gehör zu gebenae, ihm nicht gleich wieder durch eigenes Bedenken, Besserwissen und Schwatzen dreinzureden und die Arbeit zu verderben. Solche Menschen werden zur «Kleinen Herde» gesammelt in den Zeiten des Gottesreiches. Hier Einer und don Einer. Hier ein Einsamer, der wohl gar meint, er sei ganz allein, dort ein paar Freunde, die sich darüber freuen, daß sie sich ⌜so gut⌝ verstehen, ein junger Mensch, ein Mann in voller Arbeitskraft, eine feine stille Frauenseele, ein alter müder ⌜und doch fröhlicher⌝ Lebenswanderer, ein Kind — am meisten Kinder und Junge vielleicht, ⌜weil⌝ die noch nicht abgestumpft ⌜und enttäuscht⌝ und abgeschlossen und ein91geschachtelt sind. Hier ein paar und dort ein paar. Aber kein Verein, keine «Gemeinschaft», keine Kirche, keine Partei. Wenn man «Gemeinschaften» und Parteien gründet, dann ist das gewöhnlich ein Zeichen, daß die geheimnisvolle Segenszeit schon vorbei ⌜ist⌝, daß auf den Frühling der Sommer gefolgt ist. Diese Dinge müssen ja auch sein, aber was sich da sammelt, das ist ⌜dann⌝ gewöhnlich schon nicht mehr die ⌜einfältige⌝, kraftvolle, selige kleine Schar der wirklich Erwachten und Lebendigen. Nichts Äußerliches zeichnet dieaf aus. Kaum daß man ihnenag vielleicht eine gewisse gleichmäßige Ruhe, eine |56 gewisseah durch nichts zu unterdrückende innere Heiterkeit anspürt, eine etwas geschlossenereai Energie ihres Denkens, einen etwas größeren Zugaj in der Auffassung des Lebens und seiner Fragen. Aber die meisten um sie herum merken ihnen überhaupt nichts besonderes an. Sie halten ihnen mit Genugtuung und Wonne vor, daß sie denn doch auch ihre persönlichen Fehler hätten. Sie stellen mit weisem Gesicht ihre Wunderlichkeit und Überspanntheit fest. Sie schütteln freundlich oder unfreundlich den Kopf über sie. ⌜Sie haben das dringende Bedürfnis, sie immer wieder zu widerlegen⌝. Geradeak wie die meisten eben überhaupt nichts merken von der Besonderheit der Zeiten, in denen jene Wenigenal zu solch besonderen Menschen werden. Sie leben und denken weiter wie gewohnt⌜, trösten sich mit den alten Tröstern⌝ und sind ganz erstaunt über den Gedankenam, daß es anders sein könnte.

Die Meisten! Ja, was ist denn mit den Meisten? Das ist doch ganz sicher, daß sie auch Gottes Kinder sind und daß sie der Vater um kein Stäublein weniger lieb hat als jene, die er sich zur kleinen Herde sammelt. Das ist sicher, daß auch sie der Ehre und Herrlichkeit Gottes dienen müssen, daß auch sie auf ihre Weise ihm unverloren sindan. Vielleicht, daß sie an Rechtschaffenheit, Tüchtigkeitao ⌜und Gescheitheit⌝ und anderen guten Eigenschaften jenen Wenigen weit überlegen sind: nun, alles wirklich Gute ist in seinem Ursprung von Gott und kann darum auch in seinem Ziel schließlich nur für Gott sein.ap Vielleicht, daß sie ⌜gerade⌝ durch ihre Trägheit und ihren Widerstand helfen müssen, die Kräfte Gottes zu vermehren: Gott braucht ja in seinem großen Haushalt auch die Pharisäer und Sadduzäer und Römer, auch den Professor, der sich selber verurteilt hat, immer nur an den Schalen zu |57 nagenaq, und den sicheren Mann in seiner Villa3 und den gedankenlosen Haufen, der nur «Kreuzige ihn» rufen kann [Mk. 15,13f. par.]. Für Gott ist auch alles Bremsen und Widerreden und absichtliche Mißverstehen nicht verloren.ar Vielleicht, daß sie ihre Seligkeit bereits genossen, ihren Dienst bereits getan haben: sie waren lebendige, wache Menschen, fruchtbarer Gottessame in einer früheren Zeit des Himmelreichsas, und nun können sie sich in die neue Zeit nicht mehr finden, können es nicht glauben, daß Gott auch noch andere Worte habe als die, die sie einst gehört haben. Schade, wenn es so ist, aber für Gott⌜, der der Anfang und das Ende ist [vgl. Apk. 1,8]⌝, können sie darum nicht verloren seinat. Vielleicht, daß der Augenblickau des Erwachens und Aufstehens 92 ihrer erst wartet, daß diese Zeit eben noch nicht ihre Zeit ist, daß ihre Zeit aber auch kommt, größer und klarer sogar, als was jetzt istav. Es ist ein unangenehmer Gedanke, aber wir müssen ihm ehrlich in die Augen sehen: die «kleine Herde» von heute kann zur großen Masse von morgen gehören, die nichts versteht und zweifelt und kritisiert. Zu oft schon ist’s so gegangen. Eben darum kann und wird auch das Umgekehrte geschehen, daß die Toten von heute morgen auferstehen.aw Doch was wollen wir lange raten und studieren4 darüber! Wie unnütz ist das, wenn wir daran denken, wie mannigfaltig die Wege Gottes zu uns Menschen sindax. Wir brauchen uns um «die Meisten», die jetzt schlafen und schlafen wollen, wahrhaftig nicht den Kopf zu zerbrechen. Gott ist hinter |58 ihnen und über ihnen und vor ihnen und weiß schon, was er mit ihnen im Sinne hat, und es wird sicher etwas Göttlichesay sein. Er hat sie und sie haben ihn auf ihre Art.az Nur eins haben sie nicht: sie sind jetzt, in der Zeit des nahen Gottesreiches, keine Samenkörner für Gottes Zukunft, keine Ecksteine, auf denen Gott nun weiterbauen könnte, keine Vorhutsoldaten, die er nun weit voran ins Feindesland treiben könnte in seinem heiligen Krieg. Das scheint nun einmal Gottes wunderbare Ordnung und unbegreifliche Absicht so zu sein, daß er dazu immer nur Einige aufruft, Andere, Viele, die Meisten aber nicht.

Einstba waren diese Einigen die paar Jünger Jesu ⌜und ihre Nachfolger⌝. Aus der ganzen wimmelnden Masse von Fischern und Zöllnern und Soldaten, Bürgern und Bauern in Galiläa und Jerusalem nur die paar, Petrus, Johannes, Jakobus und wie sie alle hießen, und mit der Zeit noch Einige dazu. Und ⌜dann⌝ aus alle den Hunderttausenden der großen syrischen, griechischen, römischen Städte ein paar Hundert, ⌜ein paar Tausend,⌝ die sich zu den ersten Gemeindenbb der Christen zusammenfanden.bc «Sehet an eure Berufung, liebe Brüder,bd nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen, sondern was töricht und was schwach ist vor der Welt, und das Unedle und Verachtete vor der Welt, das hat Gott erwählt!» [vgl. 1.Kor. 1,26–28]. Was für eine unscheinbare Sache nach Zahl und Art.be ⌜Aber von diesen Leuten hat ein alter Dichter, der sie gut verstand, geschrieben:⌝

Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme,
Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt,
Ein Funke und Flämmlein aus göttlicher Flamme,
Die oben Jerusalem freundlich gesäugt.5

59 Ja, innerlich sind das schon lange nicht mehr die sonnenverbrannten6, arbeitsmüden, sündigen, törichten Menschlein, als die sie äußerlich anzusehen sind, sondern sie leben ganz und gar von der Verheißung: Es ist eures Vaters Wille, euch das Reich zu geben! Innerlich triumphieren siebf, weil in ihnen eine neue Welt angebrochen ist, und diese neue Welt wollen und werden sie nun fröhlich und siegesgewiß hinaustragen in die arme alte Welt da draußen. Denn ihnen geht ja einer voran als ein rechter Freudenmeisterbg, in dem ist ihnen 93 ein anderes Leben wunderbar aufgegangenbh, der hat Liebe und Frieden in ihre Seelen gesenktbi in überreicher Fülle, der steht vor ihnenbj, wie er sein Kreuz getragen und Gott gehorcht hat, als ein Held, der sie selber zu Helden machtbk. Von Haus aus sind sie es ja nicht: Es ist viel Unklarheit und Widerspruch in ihren Köpfen. Feigheit und gelegentliche arge Inkonsequenzen waren durchaus möglich bei ihnen. Nicht einmal einig waren sie untereinander, man denke! Zwischen Petrus und Paulus war eine breite Kluft, und mitunter kam’s zu fatalen Szenen [vgl. Gal. 2,14]. Gut, daß wir nicht Alles wissen! Aber es war ihnen einfach eine Freude, das Werk Jesu fortzusetzen, so gut sie es konntenbl. Alles verlassen sie und folgen ihm nach, lassen als Kinder des Vaters Lichtbm leuchten vor den Leuten, wie ihr Meisterbn sie geheißen [Mt. 5,16], gehen hierhin und dorthin zu Juden und Heidenbo, sagen es ihnen, was sie wissen, mühen sich endlos, ihnen allen das Geheimnis des Lebens entdecken zu helfen, das sie |60 selbst entdeckt haben, werden verachtet und ausgelacht und verfolgt und nehmen das hin, als ob es nicht anders sein könntebp, gehen fröhlich weiter als die Musikanten des lieben Gottes8, die sich nicht wundern, wenn Viele kein Musikgehör haben, so leid es ihnen tut um sie. Werden schließlich fast Alle irgendwo totgeschlagen oder hingerichtet mit ihrer frohen Botschaft, weil man die ⌜ja natürlich⌝ nicht brauchen kann in der Welt. Das war die kleine Herde von damals. ⌜Sie war eben keine «Auslese der Tüchtigsten und Besten»9, sonst wäre es ihnen anders gegangen.⌝ Ist’s ⌜denn⌝ an ihnen wahr geworden, was ihnen verheißen war: Der Vater will euch das Reich geben!? Wenn wir als trockene, unbeteiligte Zuschauerbq ihr Schicksal und Ende ansehen, könnten wir mit Fug und Rechtbr daran zweifeln. Sie selber haben freilichbs nicht daran gezweifelt. In ihnen war bei allen Unvollkommenheiten und Leiden die Freudigkeit und Seligkeitbt des gegenwärtigen Gottesreiches. Sie hätten mit niemand getauscht. Sie dachten mit Stolzbu an das Wort Jesu: Wahrlich, ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr gesehen habt, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr gehört habt, und haben es nicht gehört! [Lk. 10,24]. Und auch in ihrem Wirken war die Klarheit und Kraft des gegenwärtigen Gottesreiches.bv Von ihrem Wirken ist ja die ungeheuerste Entwicklungbw in der |61 Geschichte der Menschheit ausgegangen, ⌜allem Anschein zum Trotz,⌝ unter den Folgenbx ihres Wirkens stehen wir bis heute, undby vielleicht will die Ernte der Saat, die sie ausgeworfen, erst recht beginnenbz. Ja, ihnen war das Reich gegeben von ihrem Vater, dieser kleinen Herde von damals! O diese glücklichen Wenigen! Diese seligen Helden und Stürmer und Dränger!10 O die armen Meisten von damals, die von dem allem nichts fanden und gewannen! O die Armen, die nicht bereit waren, als das Reich Gottes ihnen so nahe kam, die für das Göttliche anca Jesus, für das Wunderbare an dem Leben, das von ihm ausging, keine Augen und Ohrencb hatten! Die es nicht fassen konnten, daß ein neuer Tag Gottes angebrochen sei, denen die Worte Jesu als schöne, aber unbegreiflich unbequeme 94 Ideale vorkamencc, die sich gegenüber der lauten, freundlichen Ankündigung der neuen Welt mit klugen Gründen und Unterscheidungen verschanzten!cd Die Armen! Es wäre ja für Keinen von ihnen, von all den Vielen, viel zu Vielen ein Hindernis dagewesen — es ist für keinen Menschen ein Hindernis da! —, auch Einer zu werden von der kleinen Herde, von der fröhlichen Vorhut Gottes. Aber es gab’s ihnen nicht zu.11 Sie wagten den Sprung nicht. Sie blieben alle, wie sie waren. Und so mußten die Jünger Jesu, ohne Grollce und Verachtung, aber in tiefem, bitterem Ernst zu ihnen sagencf: Ihr sollt wissen, daß euch das Reich Gottes nahe gewesen ist! [Lk. 10,11]. Gewesen ist! Unseren herrlichen Posten und Dienst könnt ihr nun nicht mit uns teilen. Ihr könnt nicht, weil ihr nicht wollt!

Wie ist’s, meine Freunde, wenn Gott nun im Gewitter des Völker|62krieges auch wieder eine Gottesreichszeit hat anbrechen lassen für uns? Unser Nachdenken über den Sinn der gegenwärtigen Ereignisse hat uns in der letzten Zeit immer wieder vor diese bedeutungsschwere Tatsache geführt.cg Mir ist es sicher, daß dasch eine Tatsache ist. Einer ganzen Anzahl Menschen in allen Ländern ist es auch sicher. Und ich hoffe im stillen, daß es auch Einigen von euch sicher geworden ist, daß diese Zeit nicht nur eine schwere und ernste Zeit ist, wie man etwa sagt, nicht nur eine interessante Zeit, in der es viel zu hören, zu denken und zu redenci gibt, ⌜auch⌝ nicht nur eine Zeit großer Aufgaben und Pflichten, sondern ⌜vor allem⌝ eine Gotteszeit in ganz besonderem Sinn. Ein Wendepunkt im Fluß der Geistesgeschichtecj Ein Tag, an dem Gott sich anschickt, ein Neues zu schaffen, indem er uns durch das Gericht seine Verheißungen lebendig macht. Nun ist wieder einmal Saatzeit für bessere zukünftige Ernten, Grundsteinlegung für neue Bauten, nun werden wieder Vorposten ausgesandt.ck Gottes Reichcl ist ⌜wieder einmal⌝ nahe herbeigekommen. Wie wird es nun sein? Nun braucht es wiedercm Menschen, die den Ruf Jesu vernehmen und vernehmen wollen.cn Denn wer unsere Zeit versteht, der weiß, daß nun gerade wieder Jesus entscheidend zum Wort kommt, Jesus mit seiner Botschaft von der unbedingten, grenzenlosen Majestät und Güte Gottes gegenüber allem Menschenwesen.co Menschen ⌜braucht es nun⌝, die bereit sind, auf den Ruf Jesucp zu antworten mit Gehorsam und Vertrauen. Die zur Klarheit gekommen sind darüber, daß die Ordnungen dieser jetzigen Menschen|63welt in ihren Grundlagen sinnlos und verbrecherisch sind, und zur Entschlossenheit dazu, innerlich nichts mehr mit ihnen gemein zu habencq, weil sie stracks gegen alles Recht und alle Liebe sind. Die davon durchdrungen sind, daß mit Gewalt weder Rechtcr geschaffen ⌜noch Recht geschützt⌝ werden kann und daß die Torheit, sich gegeneinander zu waffnen, um miteinander auszukommen, notwendig endigen muß in solchencs Katastrophen des Hasses und der Vernichtung, wie wir sie jetzt erleben. Die den heiligen Respekt vor dem Mammon gründlichct verlernt haben, weil sie es jetzt gesehen haben, wie der nicht Heil, sondern Unheil schafft und darum nicht Gott sein kann neben 95 Gott.cu Und mag die Vernunft unscv noch so lange sagen, wie tief diese Ordnungen wurzeln in fast unerschütterlichen «Verhältnissen», in der «Wirklichkeit»cw, daß wir uns ihnencx unterwerfen müssen — ⌜mögen wir uns ihnen vorläufig unterwerfen, wir können sie nicht anerkennen, nicht innerlich ernst nehmen,⌝ nicht an sie glauben, weil wir an Gott glauben müssen.cy ⌜Denn Gott offenbart sich uns jetzt in der schrecklichen «Wirklichkeit» der Menschenwelt, nicht damit wir sie anerkennen, sondern damit wir dazu kommen, ihn wieder zu anerkennen, der uns im Evangelium seine wunderbare Welt erschlossen hat.⌝ Menschen braucht es nun, die an die Wirklichkeit der Gotteswelt glauben, in ihr ihren Standort nehmen und darum innerlich frei sind von der Gefangenschaft der Vergangenheit und Gegenwart.cz So habenda die ersten |64 Christen in einer ebenso finstern Welt wie die unsrige gebetetdb: es vergehe diese Welt und es komme dein Reich!12 Sie lebten in der Hoffnung. In ihrer Hoffnung und nur in ihr hatten sie Gottvertrauen, Stärke im Leiden, Gewissenstrost, Freiheit zu gutem Tun. Wird es uns auch wieder geschenkt werden, so in der Hoffnung zu leben — zu leben und nicht bloß neben allerlei Götzendienst auch noch eine Hoffnung zu haben? —, in der Hoffnung zu leben und nicht in einer Religiosität, die mit dem Gott und Vater, den uns Jesus erschlossen, eigentlich gar nichts zu tun hat? Das ist die große, tiefe Frage unserer Zeit, ob Gott nun Menschen finden wird, die sich solches Leben in der Hoffnung schenken lassen. Wenn Gott uns irgend etwas zu sagen hat durch diesen Krieg, so ist es doch das, daß er wahr machen willdc, was er verheißen hat. Daß diese ganze Welt voll Mißtrauen und Militär und Haß und Interessenpolitik und sogenannter Vaterlandsliebe eigentlich und wirklich einedd Unmöglichkeit ist, die abgelöst und überwunden werden muß durch das Leben der Kinder Gottes, die allesamt Brüder sind, ⌜einfach⌝ weil sie ⌜allesamt⌝ einen Vater haben.de Hervorbrechen willdf Gottes Gerechtigkeit ⌜aus unseren Konfusionen⌝ wie die Morgenröte aus der Finsternis [vgl. Jes. 58,8]. Zerbrechen müssendg die Ketten der Schuld, die die Menschheit seufzend von Jahrhundert zu Jahrhundert schleppte. Wahrhaftig sollen die Reiche dieser Welt Gottes und seines Christus werden [vgl. Apk. 11,15]. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunfdbt [Phil. 4,7], will den inneren und äußeren Krieg, in dem wir |65 lebten, aufhebendh. Mit solcher Hoffnung sind die ersten Christen zu den Juden und Heiden gegangen ⌜und hatten ihnen damit etwas zu bieten und zu bringen. Denn an Religiositäten von allen Sorten, an Tröstern und Krücken und farbigen Brillen, um sich in dieser Welt zurechtzufinden, fehlte es denen durchaus nicht, wohl aber an der Hoffnung auf einen Sieg, der diese Welt überwindet. Und so ist es heute wieder.⌝ Nun braucht und fordert Gott Menschen, diedi angesichts des furchtbaren Resultats, das die Ordnungen der Menschenweltdj gezeitigt haben, ihre Zuversicht auf ihndk setzen und von ihm, und das heißt von der Beugung unter seinen heiligen Willen, der uns in Christus offenbar ist, etwas Anderes, Besseres erwarten. Was für eine wundervolle große Zeit, 96 wo Gott solche Menschen fordern — und schaffen will!dl Wo Christus wieder nach Freiwilligen ruft wie in den alten Heldenzeiten des Glaubens! Wo das Himmelreich wieder gestürmt werden kann [vgl. Mt. 11,12] durch ernste, freudige Entscheidungen in der Tiefe der Seele, Entscheidungendm für den lebendigen Gott, gegen die toten Götzen der Menschenwelt. Und wenn nun Gott wieder Propheten, Apostel und Märtyrer brauchen und ihnen rufen sollte? Wenn wir nur wahrheitsmutige, unerschrockene Zeugen werden für die höhere Welt, die sich jetzt ankündigt!dn Es wird ⌜auch so⌝ nicht leicht sein, wirklich als Vorpostendo Gottes in die nächste Zeit hinein zu gehen. Da wird Alles wieder kommen wie ehemals. ⌜Es wird an Sünden, Verkehrtheiten und Kleinlichkeiten derer nicht fehlen, die jetzt Gottes Ruf vernehmen und weitergeben möchten, und darum dann auch nicht an Kritik und weisen |66 Sprüchen von allen Seiten.⌝ Verachtung, Ausgelachtwerden, Mißerfolg über Mißerfolg, das muß ja alles so sein.dp Die Mächtedq dieser Welt werden jetzt so wenig wie damals freiwillig das Feld räumen und werdendr den nicht ungestraft lassen, der ihnen die Freiheit und die Hoffnung entgegenstellt. Darüber soll sich niemand täuschends Aber bei dem allem werden diese Vorposten Gottes dann auch wieder erfahren, wie ihnen des Vaters Wille das Reich gibt, wie sie seine Gegenwart erleben dürfen in einer unbeschreiblichen Freudigkeit, in einer großen Kraft im Beruf ihres Glaubens, in erneuernden, reinigenden, heiligenden, verwandelnden Wirkungen, die von ihnen ausgehen werden. Das ist noch nie anders gewesen.dt

Wie wird’s nun sein, meine Freunde? Wird Gott solche Freiwillige und Vorposten finden in unserer Zeit? Wird die «kleine Herde» da sein nach dem Völkerkrieg als sein göttlicher Ertrag und als göttliches Werkzeug für die Zukunft?du Und wer wird dann zurdv kleinen Herde gehören, wer zurdw großen Masse, die nichts merkt und weiterschläft? Seht, noch handelt es sich heute nicht darum, etwas zu tun. Noch ist alles viel zu sehr in Verwirrung und im Unklarendx, als daß jetzt schon |67 gesagt werden könnte, was denn geschehen muß als erstedy Tat des Gehorsams gegen das nahe gekommene Gottesreich. ⌜Tröste dich damit, wenn es dir ein Trost ist!⌝ Noch verlangt Gott keine besonderen Entschlüsse und Taten von dir, noch keine Opferdz für sein Reich. Du brauchst in keine Gemeinschaft oder Partei einzutreten.ea. Du brauchst kein Geld wegzugeben. Du brauchst weder dein Geschäfteb, noch deine Familie, noch dein Leben in Gefahr zu bringen. Du brauchst kein Prophet noch Märtyrerec zu werden. Warte auf Gott, wenn du verstehst, daß auf Gott warten wichtiger ist als das größte Tun!ed Nochee handelt es sich «nur» darum, für welchen Glauben du dich entscheiden willst: für den Glauben der kleinen Herde der Einsamen, der Stillen, der Träumer und Törichten oder für den Glauben des großen Heeres der Klugen, Nüchternen und Praktischen?ef Du weißt, wie sich diese beiden Glauben unterscheiden: Der eine ist Glaube an Gott und an die Wahrheit, der andere ist Glaube an die Götzen und an das, was immer so war und 97 immer so sein wird. Nun wähle! Das ist die Entscheidung, die ich heute mir und euch allen vorlegen wollte.

Wir sagen, nicht wahr: es wäre wohl schön! Aber nun fühlen wir beide auf einmal, daß dieser Glaube der kleinen Herde, der «nur» Glaube ist, eigentlich etwas ganz Unheimliches ist. Wir wittern etwas von all dem, was darin schlummert: Unruhe, Widerspruch, Leiden, Kampf, Revolution, Kreuz — und wir erschrecken. Ja, es ist wohl wahr: dieser Glaube der kleinen Herde hat etwas Unheimliches. Aber nun sagt uns Jesus von der anderen Seite nur das Eine: Fürchte dich nicht, du kleine |68 Herde! Und in diesem: Fürchte dich nicht!, wenn wir’s hören, liegt eine Kraft, die uns wirklich vom Schrecken freimacht.eg ⌜Vielleicht, daß wir dann doch mit jenem Sänger des inneren Lebens aus vergangenen Tagen den Mut fassen, zu beten:⌝

O Jesu, verborgenes Leben der Seelen,
Du heimliche Zierde der inneren Welt,
Gib, daß wir die heimlichen Ziele erwählen,
Wenngleich uns die Schmach deines Kreuzes entstellt.
Hier übel genennet
Und wenig gekenneteh,
Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet,
Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet.14

Wenn wir einmal aufrichtig und ernstlich so beten werden, dann ist’s schon erhört, dann sind wir bei denen von der Vorhut Gottes.

[Amen.]15

Textkritische Fußnoten

a
Mskr.: «… auch Frühling wird mitten im Winter, der scheinbar die Welt beherrscht.»↩
b
Mskr.: «Die bereit waren und aufstanden, als der erlösende Ruf Gottes kam.»↩
c
Mskr.: «In denen etwas jubelnd dem kommenden Neuen sich entgegenstreckt.»↩
d
Mskr.: «… sündigen Menschen möglich ist.»↩
e
Mskr.: «…arbeitet dann Gott…»↩
f
Mskr.: «die zu den Quellen des Lebens gekommen sind, die ihre Grundmauern tiefer und fester gelegt haben».↩
g
Mskr.: «… der Geschichte, der weiterrauscht,».↩
h
Mskr.: «Gewalt».↩
i
Mskr.: «… den Weg zu bereiten».↩
j
Mskr.: «… Herde, eine geringe Anzahl!»↩
k
Mskr.: «macht!»↩
l
Mskr.: «Das Menschenherz denkt es sich …»↩
m
Mskr.: «O, was wir da erwarten und hoffen, ist wohl wahr.»↩
n
Mskr.: «Dieses Sammeln …»↩
o
Mskr.: «der ewigen Gottesgnade».↩
p
Mskr.: «mit irgend einer seiner Taten der Größe und Freundlichkeit».↩
q
Mskr.: «so lebendig und deutlich».↩
r
Mskr.: «daß die Millionen, daß die Völker».↩
s
Mskr.: «sondern es ist».↩
t
Mskr.: «von den Vielen, Vielen».↩
u
Mskr.: «aufwachen».↩
v
Mskr.: «Reichtum».↩
w
Mskr.: «wahr, was Jesus schon vor 2000 Jahren gesagt hat, daß …»↩
x
Mskr.: «als wenn wir zu den Frommen und Braven gehören».↩
y
Mskr.: «Klassen».↩
z
Mskr.: «der gehört sicher nicht dazu».↩
aa
Mskr.: «Da gilt nur eins: die innere Bereitschaft zur Demut und zum Lernen, die Freiheit…»↩
ab
Mskr.: «kirchlichen».↩
ac
Mskr.: «der Wille».↩
ad
Mskr.: «die».↩
ae
Mskr.: «wirklich nachzugehen».↩
af
Mskr.: «diese kleine Schar».↩
ag
Mskr.: «ihr».↩
ah
Mskr.: «gewisse stille, …»↩
ai
Mskr.: «eine gewisse geschlossene».↩
aj
Mskr.: «einen gewissen großen Zug»; Druck: «ein etwas größerer Zug», Korrektur vom Hrsg.↩
ak
Mskr.: «… merken ihnen überhaupt nichts Besonderes an, außer daß sie sie vielleicht für ein wenig wunderlich und überspannt halten und zeitweilig freundlich über sie den Kopf schütteln — gerade …»↩
al
Mskr.: «Einzelnen».↩
am
Mskr.: «darüber».↩
an
Mskr.: «daß er auch sie irgendwie findet auf ihre Weise».↩
ao
Mskr.: «an Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit».↩
ap
Mskr.: «und alles Gute ist von Gott und kann darum für Gott nicht verloren sein.»↩
aq
Mskr.: «auch die nörgelnden Professoren hinter ihren Büchern in Basel».↩
ar
Mskr.: «Für Gott ist nichts verloren.»↩
as
Mskr.: «Gottesreichs».↩
at
Mskr.: «für Gott verloren können sie darum nicht sein».↩
au
Mskr.: «Moment».↩
av
Mskr.: «daß aber einmal eine Gotteszeit auch für sie kommen wird, größer vielleicht und reicher als das, was wir jetzt zu sehen und zu erleben vermögen».↩
aw
Anstelle der letzten 3 Sätze heißt es im Mskr.: «Vielleicht, daß die, die jetzt zu den wenigen Erwählten gehören, einmal vor ihnen stehen werden als solche, die zu den ‹Meisten› gehören und nicht verstehen können.»↩
ax
Mskr.: «… die Wege Gottes zu den Menschen sind und wie groß seine Güte gegen uns».↩
ay
Mskr.: «etwas Gutes, Göttliches».↩
az
Mskr.: «Gott hat sie, und sie haben Gott auf ihre Weise.»↩
ba
Mskr.: «Zur Zeit Jesu».↩
bb
Mskr.: «zu den kleinen Gemeindlein».↩
bc
Im Mskr. steht der Passus «Aus der ganzen wimmelnden Masse…» hinter dem jetzt folgenden Pauluszitat.↩
bd
Im Mskr. steht hier noch: «…, konnte noch der Apostel Paulus an die korinthischen Christen schreiben».↩
be
Mskr.: «Was für eine durch und durch unscheinbare Sache, von außen betrachtet!»↩
bf
Im Mskr. steht hier noch: «bei aller Schwachheit».↩
bg
Mskr.: «als Meister, als ein Freudenmeister»7. ↩
bh
Mskr.: «in dem ihnen ein neues wunderbares Leben aufgegangen ist».↩
bi
Mskr.: «der Liebe und Frieden in ihre Herzen gesenkt hat».↩
bj
Mskr.: «der vor ihnen steht».↩
bk
Mskr.: «gemacht».↩
bl
Mskr.: «können».↩
bm
Mskr.: «als die Kinder des Vaters sein Licht».↩
bn
Mskr.: «wie es Jesus».↩
bo
Mskr.: «zu den Juden und zu den Heiden».↩
bp
Mskr.: «als ob es selbstverständlich wäre».↩
bq
Mskr.: «Zuschauer oder Leser».↩
br
Mskr.: «vielleicht».↩
bs
Mskr.: «sicher».↩
bt
Mskr.: «In ihrer Seele war bei allen Leiden und Anfechtungen und Unvollkommenheiten die Seligkeit und Freudigkeit …»↩
bu
Mskr.: «Mit Stolz dachten sie».↩
bv
Mskr.: «Und in ihrem Wirken muß die Klarheit und Kraft gelegen sein, ohne die wir uns das Gottesreich nicht denken können.»↩
bw
Mskr.: «denn von ihrem Wirken ist ja eine der ungeheuersten Entwicklungen».↩
bx
Mskr.: «den segensreichen Folgen».↩
by
Mskr.: «ja».↩
bz
Mskr.: «erst jetzt so recht beginnen».↩
ca
Mskr.: «in».↩
cb
Mskr.: «kein Auge und Ohr und Gefühl».↩
cc
Mskr.: «oder denen die Worte Jesu unbegreiflich hart und seine Nachfolge schrecklich unbequem und schwer vorkamen».↩
cd
Mskr.: «der neuen Welt des Friedens und der Kraft verschanzten mit einem unwirschen, grollenden: Wir wollen nicht, wir brauchen das nicht!»↩
ce
Mskr.: «Groll und Haß».↩
cf
Im Mskr. steht hier noch: «wie ihr Meister sie gelehrt hatte».↩
cg
Mskr.: «Wir sind nun seit einer Reihe von Sonntagen immer wieder vor diese gedanken- und bedeutungsvolle Tatsache geführt worden.»↩
ch
Mskr.: «es».↩
ci
Mskr.: «viel zu denken und zu reden und zu hören».↩
cj
Mskr.: «Geschichte».↩
ck
Anstelle der letzten beiden Sätze steht im Mskr.: «Ein Tag, an dem Gott wieder einmal Saaten auswirft für bessere zukünftige Ernten, Ecksteine legt für neue Bauten, Vorhuten aussendet zu gewaltigen, unabsehbaren Eroberungen.»↩
cl
Mskr.: «Sein Reich».↩
cm
Mskr.: «wieder einmal».↩
cn
Mskr.: « …die seinen Ruf vernehmen und vernehmen wollen, den Ruf Jesu: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben [Joh. 14,6].»↩
co
Mskr.: «Denn nie ist es so deutlich gewesen wie jetzt, daß dieser selbe Jesus von Nazareth, der in jener alten Zeit den Menschen das Reich Gottes nahebrachte, wahrhaftig der Welt Heiland ist.»↩
cp
Mskr.: «auf diesen Ruf».↩
cq
Mskr.: «Menschen braucht es jetzt, die sich klar davon überzeugen, daß die Verhältnisse und Ordnungen der Welt, in der wir leben, in ihren Grundlagen sinnlos und verbrecherisch sind und daß wir innerlich nichts mit ihnen gemein haben können …»↩
cr
Mskr.: «daß durch Gewalt nie und nimmer Recht».↩
cs
Mskr.: «in entsetzlichen».↩
ct
Mskr.: «gründlich und für immer».↩
cu
Mskr.: «wie der Mammon nicht dem Heil dient, sondern dem Unheil, und darum nicht ein Gott sein kann.»↩
cv
Mskr.: «Und mag uns die sogenannte Vernunft …»↩
cw
Mskr.: «… daß diese Verhältnisse vorläufig nicht wohl andere sein können und …»↩
cx
Mskr.: «ihnen eben».↩
cy
Mskr.: « — wir sollen nicht an sie glauben, wir sollen an Gott glauben, der ganz anders ist als sie.»↩
cz
Mskr.: «Es braucht jetzt Menschen, die frei geworden sind von dem Vorurteil, es könne nicht anders sein, die es wagen, der Vernunft zum Trotz an den Gott der Liebe und des Friedens zu glauben und nur an ihn.»↩
da
Mskr.: «standen».↩
db
Mskr.: «wie die unsere und beteten».↩
dc
Anstelle des Passus ab «Sie lebten in der Hoffnung» heißt es im Mskr.: «Es komme dein Reich! Nun braucht es Menschen, die in der Hoffnung leben — darin leben und nicht bloß neben allerlei Götzendienst auch noch eine Hoffnung haben — die Hoffnung, daß Gott wahr machen wird …»↩
dd
Mskr.: «Vaterlandsliebe, daß diese ganze Welt eigentlich eine …»↩
de
Im Mskr. folgt hier der Satz: «Menschen braucht’s, die sich nicht mehr mit einer Religion begnügen können, die bloß aus Glockengeläut und Predigtworten und sanfter Erbauung besteht, sondern die wissen und fest davon überzeugt sind, daß all die wunderbaren Wahrheiten dieser Religion Gestalt annehmen müssen in der Gemeinschaft unseres Lebens, im Großen so gut wie im Kleinen.»↩
df
Mskr.: «soll».↩
dg
Mskr.: «sollen».↩
dh
Mskr.: «soll … überwinden».↩
di
Mskr.: «Menschen mit solcher Freiheit von der alten und solcher Hoffnung auf die neue Welt braucht es jetzt. Menschen mit einem Wort, die …»↩
dj
Mskr.: «das die Ordnungen und Gewohnheiten des bisherigen Menschheitslebens jetzt …»↩
dk
Mskr.: «Gott».↩
dl
Mskr.: «Menschen fordert!»↩
dm
Mskr.: «durch eine freudige, ernste Entscheidung in der Tiefe unserer Seele, eine Entscheidung …»↩
dn
Anstelle der letzten beiden Sätze heißt es im Mskr.: «Wir wollen nicht zu viel sagen, aber seht, es könnte doch sein, daß die Zeit nicht so ferne ist, wo auch wieder Propheten und Apostel und Märtyrer nötig würden, und wenn nicht das, so doch jedenfalls wahrheitsmutige, unerschrockene Zeugen für das Bessere, Höhere, das jetzt überall mit Füßen getreten wird.»↩
do
Mskr.: «als ein Vorposten».↩
dp
Mskr.: «wie ehemals: Verachtung, Ausgelachtwerden, Mißerfolge und vielleicht auch Bedrohung und Verfolgung».↩
dq
Mskr.: «Denn die Mächte».↩
dr
Mskr.: «und sie werden».↩
ds
Anstelle dieses Sätzchens ist im Mskr. zu lesen: «Die alte christusfeindliche Losung: wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche! [Lk. 19,14] wird deutlicher und mächtiger als je ertönen, wenn die Menschenwelt merkt, daß es sich jetzt nicht mehr um theologische Dogmen handelt, sondern um das Leben selbst, das unter die Herrschaft Gottes kommen soll.»↩
dt
Der Schluß des Absatzes lautet im Mskr.: «… dann auch die Wahrheit der Verheißung erfahren: Es ist meines Vaters Wille, euch das Reich zu geben. Sie werden in unnennbarer Freude und Seligkeit dem Berufe ihres Glaubens folgen. Sie werden etwas erleben von dem stolzen Bekenntnis des Paulus: Ich vermag Alles durch den, der mich stark macht, Christus! [Phil. 4,13]. Und es werden kräftige Wirkungen von ihnen ausgehen, erneuernd, reinigend, heiligend, verwandelnd, Wirkungen, die doch nicht ihre Tat und ihr Verdienst sind, sondern die des Geistes Gottes, der in ihnen wirkt und schafft.»↩
du
Mskr.: «Wird er sich nun auch wieder seine ‹kleine Herde› sammeln als Ertrag des Völkerkriegs und als Werkzeug für seine Zukunft?»↩
dv
Mskr.: «zu dieser».↩
dw
Mskr.: «zu der».↩
dx
Mskr.: «im Werden».↩
dy
Mskr.: «nächste».↩
dz
Mskr.: «geschweige denn besondere äußere Opfer».↩
ea
Mskr.: «und in keine Partei einzutreten.»13 ↩
eb
Mskr.: «Vermögen».↩
ec
Mskr.: «noch kein Prophet und Märtyrer».↩
ed
Anstelle dieses Satzes heißt es im Mskr.: «Alles derartige Handeln wird dann auch kommen, wenn es an der Zeit ist.»↩
ee
Mskr.: «Für jetzt».↩
ef
Mskr.: «… für den Glauben, der wahrscheinlich auch jetzt wieder der Glaube der kleinen Herde sein wird, der Einsamen, Zerstreuten, Stillen im Land, die Augen und Ohren haben, um zu hören und zu sehen, was Gott jetzt tut — oder für den Glauben, der wahrscheinlich auch jetzt wieder der Glaube der großen Menge sein wird.»↩
eg
Dieser Absatz lautet im Mskr.: «Du sagst: aber ich kann doch nicht so etwas Besonderes sein und glauben. Ich kann doch nicht so anders werden als alle anderen Leute, die eben auch die Welt nehmen und gehen lassen, wie sie ist. Ich kann mich doch nicht so verhaßt und unmöglich machen. Was wird aus meinem Verdienst und Geschäft, aus meiner Familie und meiner Person werden, wenn dann wirklich aus dem Glauben einmal die Tat hervorgehen soll? Das ist schrecklich, das ist schwierig, das ist unmöglich. Du hast zehnmal Recht, wenn du Angst hast. Es ist wahr, es ist schrecklich. Aber nun sagt Jesus von der anderen Seite: fürchte dich nicht, du kleine Herde! Und das ist auch wahr.»↩
eh
Mskr.: «erkennet». So heißt es in neueren Gesangbüchern. Im Druck ist Barth zum ursprünglichen Text: «gekennet» zurückgekehrt.↩

Sachfußnoten

1
Am 15.2.1915 fragte Barth bei L. Ragaz an, ob die Predigt zum Abdruck in den «Neuen Wegen» evtl. geeignet sei. «Mir persönlich ist es einigermaßen erwünscht, nochmals zu Worte zu kommen, als ich durch jenen Kriegsbrief an Rade in den Ruf eines schrecklichen Streithahns gekommen bin, und das möchte ich wirklich nicht sein.» Zur Predigt selbst schrieb Barth: «Sie war die letzte einer Reihe von Predigten, in denen ich versuchte, zu zeigen, wie unsre Zeit als eine besondere Gottesreichszeit aufgefaßt und erlebt werden müsse.» Barths «Kriegsbrief» (K. Barth / M. Rade, Ein Briefwechsel, hrsg. von Chr. Schwöbel, Gütersloh 1981, S. 95–98) war in Neue Wege. Blätter für religiöse Arbeit, Jg. 8 (1914), S. 429–432 veröffentlicht worden. 📖 Die Predigt über Lk. 12,32 erschien dann in: Neue Wege …, Jg. 9 (1915), S. 89–97. 📖 Dem im folgenden dargebotenen Text liegt die Druckfassung zugrunde. Thurneysen hat sich auf Barths Bitte hin zu dieser Predigt geäußert (Bw.Th. I, S. 36–38 📖). Übrigens sprechen von da an die Freunde gerne von der «kleinen Herde» im Blick auf die einsichtigen Glieder der Kirche (Bw.Th. I, S. 59.116.175 u.ö.). Bei der Anfertigung der Reinschrift für den Druck hat Barth zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Um dem Leser einen Einblick in Barths Arbeitsweise zu geben, weisen wir die Abweichungen vollständig nach. Reine Erweiterungen gegenüber dem Predigtmanuskript sind in gesetzt. Veränderungen sind in einem ersten durch Buchstaben gekennzeichneten Apparat dokumentiert. Vernachlässigt wurden Unterstreichungen im Mskr.. Die zwischen mitgeführten Seitenzahlen sind die des Erstdrucks. ↩
2
Anspielung auf das bekannte Wort von Fr. Chr. Oetinger: «Leiblichkeit ist das Ende des Werkes GOttes, wie aus der Stadt GOttes klar erhellet Offenb. 20» (Biblisches und Emblematisches Wörterbuch, dem Tellerischen Wörterbuch und Anderer falschen Schrifterklärungen entgegen gesezt, o. O. 1776, S. 407 📖). Barth gebraucht dieses Zitat — mit der Abweichung: «Wege» statt «Werke» — häufig.↩
3
Am 21.5.1915 unterschrieb der Zürcher Eisenhändler Richard Kisling einen freundlichen Brief an seinen Schwager Barth, diesen Ausdruck aufgreifend: «der sichere Mann in seiner Villa».↩
4
= grübeln.↩
5
Aus der 4. Strophe des Liedes «Es glänzet der Christen inwendiges Leben» von Chr. Fr. Richter; die von Barth zitierte Originalfassung findet sich z.B. in: Gesangbuch für die evangelisch-reformierte Gemeinde zu Lübeck, Lübeck 1832, Nr. 221, 3; andere Textfassungen: GERS (1952) 307, 3 und EKG 265, 4. 🎵 ↩
6
In der 1. Strophe 🎵 des in Anm. 5 genannten Liedes: «… obgleich sie von außen die Sonne verbrannt».↩
7
Vgl. die letzte Strophe des Liedes «Jesu, meine Freude» von J. Franck (Nr. 240; GERS [1952] 280; EG 396) 🎵.↩
8
Als Musikanten des lieben Gottes = ioculatores Domini wollte Franz von Assisi seine Brüder wirken sehen. In: Der Römerbrief (Erste Fassung) 1919, hrsg. von H. Schmidt (Gesamtausgabe, Abt. II), S. 569 📖, stellt Barth den lateinischen Ausdruck neben den deutschen und gibt dadurch den Ursprung zu erkennen. Dort auch der Beleg.↩
9
Anspielung auf die Lehre von Ch. Darwin in seinem Buch On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, London 1859 (Über die Entstehung der Arten im Thier und Pflanzen-Reich durch natürliche Züchtung, oder Erhaltung der vervollkommneten Rassen im Kampfe um’s Daseyn, Stuttgart 1863) 📖.↩
10
Vgl. die Predigt vom 24. Januar über Mt. 11,12, s. oben S. 22–33.↩
11
= Aber sie brachten es nicht über sich.↩
12
Vgl. Didache 10,6 📖:Ἐλθέτω χάρις καὶ παρελθέτω ὁ κόσμος οὗτος ↩
13
Am 1. Februar, vor zwei Wochen, war Barth in die Sozialdemokratische Partei eingetreten.↩
14
Strophe 7 aus dem oben Anm. 5 angeführten Lied von Chr. Fr. Richter 🎵.↩
15
Lieder: Nr. 250: «Wenn ich ihn nur habe» von Fr. von Hardenberg, gen. Novalis, Strophen 1.2.4 (= Reichs-Lieder 322) 🎵; Nr. 162: «Wach auf, du Geist der ersten Zeugen» von K. H. von Bogatzky, Strophen 1-3 (= GERS [1952] 334,1-3; EG 241,1-3) 🎵 30.3.1915 schrieb A. Schädelin aus Bern eine Karte an Barth: «Lieber Freund, Ich hab so etwas glaub ich noch nicht oft gemacht, aber heute drängts mich, Dir zu danken für Deine famos geschriebene Predigt in den N. W. Wie deutlich steckt das worauf es uns ankommt drin, das ‹Von Gott her› [diese 3 Wörter mit griechischem Buchstaben geschrieben]. Ich hab die Wirkung an mir selbst verspürt und bin froh daß es Leute gibt, die das so deutlich sagen können …»↩