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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-27">Predigten 1915</title>
        <title type="content">Predigt: Lukas 12,32: "Gottes Vorhut"</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Lukas 12,32: "Gottes Vorhut", 14. Februar 1915</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/27008 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1915, hrsg. v. Schmidt, Hermann (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 1996, S. 52–68.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/27008</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1915</title>
          <title type="text">Predigt: Lukas 12,32: "Gottes Vorhut"</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Schmidt, Hermann</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">1996</date>
          <biblScope unit="page">Pp. 52-68</biblScope>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- The first digital edition (data from xml and database) -->
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          <title type="edition">Princeton Barth Project edition</title>
          <title type="text">electronic edition of Karl Barth, Gesamtausgabe I.27, Predigten 1915, neujahr</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>James R. Adair, Jr.</editor>
          <editor>Timothy J. Finney</editor>
          <editor>Christian Kelm</editor>
          <pubPlace>Princeton</pubPlace>
          <publisher>Alexander Street Press</publisher>
          <date type="publication">2001</date>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Gottes Vorhut [Predigt über Luk. 12,32], in: Neue Wege. Blätter für religiöse Arbeit Jg. 9 (1915), S. 89–97 </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Lk 12,32: "Gottes Vorhut", 14. Februar 1915. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1700">KBA 1237</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1915-02-14">14. Februar 1915</date>
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        <language ident="ger">German</language>
        <language ident="gre">Greek</language>
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          <term>sermon</term>
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      <div type="sermon">
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        <div type="opener">
      <head>
                        <idno>[259]</idno>
                    </head>
          <head type="header">Gottes Vorhut<note xml:id="n01">
                            <p>Am <ref type="kba-objects-id" target="8727">15.2.1915</ref> fragte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bei <persName ref="kbga-actors-330">L. Ragaz</persName> an,
      ob die Predigt zum Abdruck in den «<orgName ref="kbga-actors-4867">Neuen
        Wegen</orgName>» evtl. geeignet sei. «Mir persönlich ist es einigermaßen
      erwünscht, nochmals zu Worte zu kommen, als ich durch jenen Kriegsbrief an <persName ref="kbga-actors-329">Rade</persName> in den Ruf
      eines schrecklichen Streithahns gekommen bin, und das möchte ich wirklich nicht sein.» Zur
      Predigt selbst schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>: «Sie war die letzte einer Reihe von Predigten, in denen ich
      versuchte, zu zeigen, wie unsre Zeit als eine besondere Gottesreichszeit aufgefaßt und erlebt
      werden müsse.» <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> «Kriegsbrief» (<bibl corresp="kbga-bibls-966"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> / <persName ref="kbga-actors-329">M. Rade</persName>,
         <hi rend="italic">Ein Briefwechsel</hi>, hrsg. von Chr. Schwöbel,
         Gütersloh
                        1981, S. 95–98) war in Neue Wege. Blätter für
        religiöse Arbeit, Jg. 8 (1914), S. 429–432 veröffentlicht worden.</bibl>
      Die Predigt über <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.12.32">Lk. 12,32</ref> erschien
            dann in: <bibl corresp="kbga-bibls-2011">Neue Wege …, Jg. 9
        (1915), S. 89–97.</bibl> Dem im folgenden dargebotenen Text liegt die
            Druckfassung zugrunde. <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> hat sich auf <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bitte hin zu dieser Predigt geäußert
       (<bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p036#p036">S. 36–38</ref></bibl>). Übrigens
      sprechen von da an die Freunde gerne von der «kleinen Herde» im Blick auf die einsichtigen
      Glieder der Kirche (<bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="3047#p059">S. 59</ref>.<ref type="pub" target="../volume/03/p116#p116">116</ref>.<ref type="pub" target="3143">175</ref>
        u.ö.</bibl>).</p>
                            <p>Bei der Anfertigung der Reinschrift für den Druck hat <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zahlreiche Veränderungen
      vorgenommen. Um dem Leser einen Einblick in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Arbeitsweise zu geben, weisen wir die
      Abweichungen vollständig nach. Reine Erweiterungen gegenüber dem Predigtmanuskript sind in
      gesetzt. Veränderungen sind in einem ersten durch Buchstaben gekennzeichneten Apparat
      dokumentiert. Vernachlässigt wurden Unterstreichungen im <ref corresp="B">Mskr.</ref>. Die zwischen mitgeführten
      Seitenzahlen sind die des Erstdrucks.</p>
                        </note>
                    </head>
          <dateline>Predigt, gehalten in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> am <date when="1915-02-14">14. Februar 1915</date>
                    </dateline>
          <epigraph>
            <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.12.32">Lukas 12,32</ref>
          <quote>Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.</quote>
                        </cit>
          </epigraph>
          <salute>Liebe Freunde!</salute>
        </div>
        <div type="main">
        <p>In den großen Frühlingszeiten des Reiches Gottes sammelt und bildet sich die «kleine Herde».
     Das sind die Menschen, bei denen es dann auch Gottesfrühling wird mitten im Weltwinter<note place="footnote" n="a" type="textcritical" xml:id="na">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… auch Frühling wird mitten im Winter, der scheinbar die Welt
       beherrscht.»</note>. Die bereit sind und den erlösenden Ruf Gottes hören und aufstehen.<note place="footnote" n="b" type="textcritical" xml:id="nb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Die bereit waren und aufstanden, als der erlösende Ruf Gottes
         kam.»</note> In denen etwas ist, das sich jubelnd dem kommenden Neuen entgegenstreckt.<note place="footnote" n="c" type="textcritical" xml:id="nc">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «In denen etwas jubelnd dem kommenden Neuen sich entgegenstreckt.»</note>
               <pb xml:id="p053" ed="pga"/> Die sich ergreifen und verändern lassen von der Macht des guten Geistes, der sich auf einmal
     wieder fühlbar macht und die Seelen und die Menschen gewinnen möchte für sein Befreiungswerk.
     Die sich beugen unter die Gerichte des Ewigen, die in solchen Zeiten sich vollziehen unter
     Sturm und Grausen, und unter die Offenbarungen seiner Güte, die sich da auftun wie strahlender
     Sonnenaufgang. Die sich von dem Ernst und von der Seligkeit des nahen Gottesreiches so erfüllen
     lassen, wie das überhaupt unvollkommenen, sündigen Menschenkindern geschehen kann<note place="footnote" n="d" type="textcritical" xml:id="nd">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… sündigen Menschen möglich ist.»</note>. Das sind die Menschen, die dann
          wieder als Saat dienen müssen für Gottes Zukunft. Mit ihnen arbeitet er<note place="footnote" n="e" type="textcritical" xml:id="ne">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «…arbeitet dann Gott…»</note> weiter, wenn die besonderen Zeiten vorüber sind. Eine
     «kleine Herde», die den Ruf vernommen hat, ein paar Tausend Menschen hier und dort, die die
     Quellen des Lebens entdeckt und daraus getrunken haben<note place="footnote" n="f" type="textcritical" xml:id="nf">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die zu den
      Quellen des Lebens gekommen sind, die ihre Grundmauern tiefer und fester gelegt haben».</note>
     — sie sind der Ertrag Gottes von solchen Gerichts- und Offenbarungszeiten; den wirft er dann
     wieder hinein in den Strom der Geschichte<note place="footnote" n="g" type="textcritical" xml:id="ng">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… der Geschichte, der
       weiterrauscht,».</note> und gibt ihm damit neue Richtung und neue Kraft<note place="footnote" n="h" type="textcritical" xml:id="nh">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gewalt».</note>. Sie werden die verborgenen Ecksteine, mit denen Gott weiterbaut. Sie
     sind die auserlesene Vorhut Gottes, die stürmend voraneilen muß, um noch größeren Siegen
     vorzuarbeiten<note place="footnote" n="i" type="textcritical" xml:id="ni">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… den Weg zu bereiten».</note>.</p>
          <p>Eine kleine Herde!<note place="footnote" n="j" type="textcritical" xml:id="nj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… Herde, eine geringe Anzahl!»</note> Wie
            wunderbar ist ⌜doch⌝ Gott, daß er es immer wieder gerade so und nicht anders machen will.<note place="footnote" n="k" type="textcritical" xml:id="nk">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «macht!»</note> Wir denken es uns so<note place="footnote" n="l" type="textcritical" xml:id="nl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Das
            Menschenherz denkt es sich …»</note> ganz anders aus. Wir meinen: ein großes allgemeines <pb ed="A" n="90"/> Verstehen und Ergreifen des Ewigen und Göttlichen sollte die Folge solcher Gottesreichszeiten
     sein. Wie ein Regen sollte sich die Güte Gottes ergießen über alles Land. Wie ein Feuer sollte
     seine Herrlichkeit Alles erfassen und verzehren. Die Menschenseelen weit und breit müßten in
     Dankbarkeit und Empfänglichkeit sich ihm zuneigen, willig werden, sich ihm zu öffnen und in
     seinen Dienst zu treten. Jauchzet dem Herrn, alle Welt! [<ref type="can" subtype="bible" target="Ps.98.4">Ps. 98,4</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.100.1">100,1</ref>]. Ja, haben wir denn nicht recht, wenn wir das er<pb xml:id="p054" ed="pga" break="no"/>warten?<note place="footnote" n="m" type="textcritical" xml:id="nm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «O, was wir da erwarten und hoffen, ist wohl wahr.»</note> O
            ja: dieses Sich-sammeln<note place="footnote" n="n" type="textcritical" xml:id="nn">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Dieses Sammeln …»</note> und
     Sich-wieder-finden aller Menschenseelen, dieses Zurückströmen alles Lebens zu seinem Urquell,
     dieses allgewaltige Durchdringen der Gottesgnade<note place="footnote" n="o" type="textcritical" xml:id="no">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der ewigen
      Gottesgnade».</note> bis in die hoffnungslosesten, bösesten Winkel und Ecken, bis in die
     tiefsten Abgründe der Welt, dieses Jubeln und Jauchzen aller Kreatur vor dem Vater des Lichts
     [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jak.1.17">Jak. 1,17</ref>] — das ist das
          geheimnisvolle Ende der Wege Gottes<note xml:id="n02">Anspielung auf das bekannte Wort von <persName ref="kbga-actors-306">Fr.
      Chr. Oetinger</persName>: «Leiblichkeit ist das Ende des Werkes GOttes, wie aus der Stadt GOttes klar
            erhellet Offenb. 20» (<bibl corresp="kbga-bibls-2009"><hi rend="italic">Biblisches und Emblematisches
         Wörterbuch, dem Tellerischen Wörterbuch und Anderer falschen Schrifterklärungen entgegen
         gesezt</hi>, o. O. 1776, S. 407</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gebraucht dieses Zitat — mit der
      Abweichung: «Wege» statt «Werke» — häufig.</note>. Aber der Weg dahin ist anders, als wir es
     uns ausmalen möchten. Da klopft Gott an bei den Menschen einer Zeit mit einer seiner großen,
     freundlichen Taten<note place="footnote" n="p" type="textcritical" xml:id="np">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «mit irgend einer seiner Taten der Größe und
       Freundlichkeit».</note>, und wir meinen, er tue es so deutlich<note place="footnote" n="q" type="textcritical" xml:id="nq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «so
         lebendig und deutlich».</note>, daß die Völkerwelt<note place="footnote" n="r" type="textcritical" xml:id="nr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «daß die
      Millionen, daß die Völker».</note>, daß das ganze Dorf es merken müßte. Aber gerade das
            geschieht nicht; sondern nun ist’s<note place="footnote" n="s" type="textcritical" xml:id="ns">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «sondern es ist».</note>,
            wie wenn eine merkwürdige Art von Auslese stattfinden würde, die von den Vielen<note place="footnote" n="t" type="textcritical" xml:id="nt">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «von den Vielen, Vielen».</note> nur Wenige trifft. Sie richtet sich nicht
     nach der Bildung der Menschen, — denn auch unter den sogenannten Gebildeten sind ganz Wenige,
     die merken und verstehen und aufstehen<note place="footnote" n="u" type="textcritical" xml:id="nu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «aufwachen».</note>. Sie
            richtet sich noch weniger nach Stand und Vermögen<note place="footnote" n="v" type="textcritical" xml:id="nv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Reichtum».</note>,
            — denn immer bleibt’s wahr, daß<note place="footnote" n="w" type="textcritical" xml:id="nw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wahr, was Jesus schon vor
      2000 Jahren gesagt hat, daß …»</note> die Reichen es ungeheuer schwer haben, ins Reich Gottes
     einzugehen, zu groß sind für sie die Hindernisse [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.10.24 Mk.10.25">Mk. 10,24f.</ref> par.]. Und auch nach der Frömmigkeit und Gerechtigkeit
     der Leute richtet sich diese Auswahl nicht, danach am allerwenigsten. Kaum kann uns etwas
     gefährlicher sein in den großen Gotteszeiten, als wenn wir bereits bekehrt und brav sind<note place="footnote" n="x" type="textcritical" xml:id="nx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «als wenn wir zu den Frommen und Braven gehören».</note>. Die Auswahl
            <pb xml:id="p055" ed="pga"/> der «kleinen Herde» richtet sich nicht nach menschlichen Merkmalen<note place="footnote" n="y" type="textcritical" xml:id="ny">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «Klassen».</note> und Unterschieden. Wer da meint: ich bin sowieso dabei kraft meiner
     Herkunft, meiner Vergangenheit, meines Charakters, meiner Leistungen, der ist sicher nicht
     dabei<note place="footnote" n="z" type="textcritical" xml:id="nz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der gehört sicher nicht dazu».</note>. Da gilt nur eins: Eine
            große innere Bedürftigkeit, eine große Freiheit<note place="footnote" n="aa" type="textcritical" xml:id="naa">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Da gilt nur eins: die
      innere Bereitschaft zur Demut und zum Lernen, die Freiheit…»</note> von allen politischen,
            gesellschaftlichen, religiösen<note place="footnote" n="ab" type="textcritical" xml:id="nab">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «kirchlichen».</note> und persönlichen
            Schachteln, Schubladen und Schablonen, ein großer Wille<note place="footnote" n="ac" type="textcritical" xml:id="nac">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der
      Wille».</note>, freudig von vorn anzufangen (und wenn du vielleicht schon lange auf stolzer
            Höhe gestanden wärest!), eine<note place="footnote" n="ad" type="textcritical" xml:id="nad">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «die».</note> große ernsthafte Absicht,
            dem Ruf Gottes wirklich Gehör zu geben<note place="footnote" n="ae" type="textcritical" xml:id="nae">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wirklich nachzugehen».</note>,
     ihm nicht gleich wieder durch eigenes Bedenken, Besserwissen und Schwatzen dreinzureden und die
     Arbeit zu verderben. Solche Menschen werden zur «Kleinen Herde» gesammelt in den Zeiten des
     Gottesreiches. Hier Einer und don Einer. Hier ein Einsamer, der wohl gar meint, er sei ganz
     allein, dort ein paar Freunde, die sich darüber freuen, daß sie sich ⌜so gut⌝ verstehen, ein
     junger Mensch, ein Mann in voller Arbeitskraft, eine feine stille Frauenseele, ein alter müder
     ⌜und doch fröhlicher⌝ Lebenswanderer, ein Kind — am meisten Kinder und Junge vielleicht, ⌜weil⌝ die
     noch nicht abgestumpft ⌜und enttäuscht⌝ und abgeschlossen und ein<pb ed="A" n="91" break="no"/>geschachtelt sind. Hier ein paar
     und dort ein paar. Aber kein Verein, keine «Gemeinschaft», keine Kirche, keine Partei. Wenn man
     «Gemeinschaften» und Parteien gründet, dann ist das gewöhnlich ein Zeichen, daß die
     geheimnisvolle Segenszeit schon vorbei ⌜ist⌝, daß auf den Frühling der Sommer gefolgt ist. Diese
     Dinge müssen ja auch sein, aber was sich da sammelt, das ist ⌜dann⌝ gewöhnlich schon nicht mehr
     die ⌜einfältige⌝, kraftvolle, selige kleine Schar der wirklich Erwachten und Lebendigen. Nichts
     Äußerliches zeichnet die<note place="footnote" n="af" type="textcritical" xml:id="naf">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «diese kleine Schar».</note> aus. Kaum daß
            man ihnen<note place="footnote" n="ag" type="textcritical" xml:id="nag">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «ihr».</note> vielleicht eine gewisse gleichmäßige Ruhe,
     eine
            <pb xml:id="p056" ed="pga"/> gewisse<note place="footnote" n="ah" type="textcritical" xml:id="nah">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «gewisse stille, …»</note> durch nichts zu unterdrückende
            innere Heiterkeit anspürt, eine etwas geschlossenere<note place="footnote" n="ai" type="textcritical" xml:id="nai">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «eine gewisse
              geschlossene».</note> Energie ihres Denkens, einen etwas größeren Zug<note place="footnote" n="aj" type="textcritical" xml:id="naj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «einen gewissen großen Zug»; Druck: «ein etwas größerer Zug», Korrektur vom Hrsg.</note> in
     der Auffassung des Lebens und seiner Fragen. Aber die meisten um sie herum merken ihnen
     überhaupt nichts besonderes an. Sie halten ihnen mit Genugtuung und Wonne vor, daß sie denn
     doch auch ihre persönlichen Fehler hätten. Sie stellen mit weisem Gesicht ihre Wunderlichkeit
     und Überspanntheit fest. Sie schütteln freundlich oder unfreundlich den Kopf über sie. ⌜Sie
     haben das dringende Bedürfnis, sie immer wieder zu widerlegen⌝. Gerade<note place="footnote" n="ak" type="textcritical" xml:id="nak">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «… merken ihnen überhaupt nichts Besonderes an, außer daß sie sie vielleicht für ein wenig
      wunderlich und überspannt halten und zeitweilig freundlich über sie den Kopf schütteln —
      gerade …»</note> wie die meisten eben überhaupt nichts merken von der Besonderheit der Zeiten,
            in denen jene Wenigen<note place="footnote" n="al" type="textcritical" xml:id="nal">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Einzelnen».</note> zu solch besonderen Menschen
          werden. Sie leben und denken weiter wie gewohnt⌜, trösten sich mit den alten Tröstern⌝ und sind
          ganz erstaunt über den Gedanken<note place="footnote" n="am" type="textcritical" xml:id="nam">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «darüber».</note>, daß es anders sein
     könnte.</p>
        <p>Die Meisten! Ja, was ist denn mit den Meisten? Das ist doch ganz sicher, daß sie auch Gottes
     Kinder sind und daß sie der Vater um kein Stäublein weniger lieb hat als jene, die er sich zur
     kleinen Herde sammelt. Das ist sicher, daß auch sie der Ehre und Herrlichkeit Gottes dienen
     müssen, daß auch sie auf ihre Weise ihm unverloren sind<note place="footnote" n="an" type="textcritical" xml:id="nan">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «daß er auch
      sie irgendwie findet auf ihre Weise».</note>. Vielleicht, daß sie an Rechtschaffenheit,
          Tüchtigkeit<note place="footnote" n="ao" type="textcritical" xml:id="nao">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «an Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit».</note> ⌜und
          Gescheitheit⌝ und anderen guten Eigenschaften jenen Wenigen weit überlegen sind: nun, alles
     wirklich Gute ist in seinem Ursprung von Gott und kann darum auch in seinem Ziel schließlich
     nur für Gott sein.<note place="footnote" n="ap" type="textcritical" xml:id="nap">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «und alles Gute ist von Gott und kann darum für
       Gott nicht verloren sein.»</note> Vielleicht, daß sie ⌜gerade⌝ durch ihre Trägheit und ihren
     Widerstand helfen müssen, die Kräfte Gottes zu vermehren: Gott braucht ja in seinem großen
     Haushalt auch die <term ref="kbga-terms-808">Pharisäer</term> und Sadduzäer und Römer, auch den Professor, der sich selber
     verurteilt hat, immer nur an den Schalen zu
          <pb xml:id="p057" ed="pga"/> nagen<note place="footnote" n="aq" type="textcritical" xml:id="naq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «auch die nörgelnden Professoren hinter ihren Büchern in
      Basel».</note>, und den sicheren Mann in seiner Villa<note xml:id="n03">Am
        21.5.1915 unterschrieb der Zürcher Eisenhändler <persName ref="kbga-actors-640">Richard Kisling</persName> einen
        freundlichen Brief an seinen Schwager <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, diesen Ausdruck aufgreifend: «der sichere Mann in
      seiner Villa».</note> und den gedankenlosen Haufen, der nur «Kreuzige ihn» rufen kann 
      [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.15.13 Mk.15.14">Mk. 15,13f.</ref> par.]. Für Gott ist auch alles
          Bremsen und Widerreden und absichtliche Mißverstehen nicht verloren.<note place="footnote" n="ar" type="textcritical" xml:id="nar">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «Für Gott ist nichts verloren.»</note> Vielleicht, daß sie ihre Seligkeit bereits genossen,
     ihren Dienst bereits getan haben: sie waren lebendige, wache Menschen, fruchtbarer Gottessame
     in einer früheren Zeit des Himmelreichs<note place="footnote" n="as" type="textcritical" xml:id="nas">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gottesreichs».</note>, und
     nun können sie sich in die neue Zeit nicht mehr finden, können es nicht glauben, daß Gott auch
     noch andere Worte habe als die, die sie einst gehört haben. Schade, wenn es so ist, aber für
     Gott⌜, der der Anfang und das Ende ist [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.1.8">Apk. 1,8</ref>]⌝, können sie darum nicht verloren sein<note place="footnote" n="at" type="textcritical" xml:id="nat">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «für Gott
       verloren können sie darum nicht sein».</note>. Vielleicht, daß der Augenblick<note place="footnote" n="au" type="textcritical" xml:id="nau">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Moment».</note> des Erwachens und Aufstehens <pb ed="A" n="92"/> ihrer erst wartet, daß
     diese Zeit eben noch nicht ihre Zeit ist, daß ihre Zeit aber auch kommt, größer und klarer
     sogar, als was jetzt ist<note place="footnote" n="av" type="textcritical" xml:id="nav">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «daß aber einmal eine Gotteszeit auch für sie
      kommen wird, größer vielleicht und reicher als das, was wir jetzt zu sehen und zu erleben
      vermögen».</note>. Es ist ein unangenehmer Gedanke, aber wir müssen ihm ehrlich in die Augen
     sehen: die «kleine Herde» von heute kann zur großen Masse von morgen gehören, die nichts
     versteht und zweifelt und kritisiert. Zu oft schon ist’s so gegangen. Eben darum kann
     und wird auch das Umgekehrte geschehen, daß die Toten von heute morgen auferstehen.<note place="footnote" n="aw" type="textcritical" xml:id="naw">Anstelle der letzten 3 Sätze heißt es im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Vielleicht, daß die, die jetzt
      zu den wenigen Erwählten gehören, einmal vor ihnen stehen werden als solche, die zu den
      ‹Meisten› gehören und nicht verstehen können.»</note> Doch was wollen wir lange raten und
      studieren<note xml:id="n04">= grübeln.</note> darüber! Wie unnütz ist das, wenn wir daran
          denken, wie mannigfaltig die Wege Gottes zu uns Menschen sind<note place="footnote" n="ax" type="textcritical" xml:id="nax">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… die
      Wege Gottes zu den Menschen sind und wie groß seine Güte gegen uns».</note>. Wir brauchen uns
     um «die Meisten», die jetzt schlafen und schlafen wollen, wahrhaftig nicht den Kopf zu
     zerbrechen. Gott ist hinter
     <pb xml:id="p058" ed="pga"/> ihnen und über ihnen und vor ihnen und weiß schon, was er mit ihnen im Sinne hat, und es wird
          sicher etwas Göttliches<note place="footnote" n="ay" type="textcritical" xml:id="nay">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «etwas Gutes, Göttliches».</note> sein. Er hat
          sie und sie haben ihn auf ihre Art.<note place="footnote" n="az" type="textcritical" xml:id="naz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gott hat sie, und sie haben Gott
      auf ihre Weise.»</note> Nur eins haben sie nicht: sie sind jetzt, in der Zeit des nahen
     Gottesreiches, keine Samenkörner für Gottes Zukunft, keine Ecksteine, auf denen Gott nun
     weiterbauen könnte, keine Vorhutsoldaten, die er nun weit voran ins Feindesland treiben könnte
     in seinem heiligen Krieg. Das scheint nun einmal Gottes wunderbare Ordnung und unbegreifliche
     Absicht so zu sein, daß er dazu immer nur Einige aufruft, Andere, Viele, die Meisten aber
     nicht.</p>
          <p>Einst<note place="footnote" n="ba" type="textcritical" xml:id="nba">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Zur Zeit Jesu».</note> waren diese Einigen die paar Jünger
          Jesu ⌜und ihre Nachfolger⌝. Aus der ganzen wimmelnden Masse von Fischern und Zöllnern und
     Soldaten, Bürgern und Bauern in <placeName ref="kbga-places-780">Galiläa</placeName> und <placeName ref="kbga-places-37">Jerusalem</placeName> nur die paar, <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName>, <persName ref="kbga-actors-1073">Johannes</persName>, <persName ref="kbga-actors-2294">Jakobus</persName>
          und wie sie alle hießen, und mit der Zeit noch Einige dazu. Und ⌜dann⌝ aus alle den
          Hunderttausenden der großen syrischen, griechischen, römischen Städte ein paar Hundert, ⌜ein
          paar Tausend,⌝ die sich zu den ersten Gemeinden<note place="footnote" n="bb" type="textcritical" xml:id="nbb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «zu den kleinen
            Gemeindlein».</note> der Christen zusammenfanden.<note place="footnote" n="bc" type="textcritical" xml:id="nbc">Im <ref corresp="B">Mskr.</ref> steht der Passus
      «Aus der ganzen wimmelnden Masse…» hinter dem jetzt folgenden Pauluszitat.</note> «Sehet an
            eure Berufung, liebe Brüder,<note place="footnote" n="bd" type="textcritical" xml:id="nbd">Im <ref corresp="B">Mskr.</ref> steht hier noch: «…, konnte noch der
      Apostel <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> an die korinthischen Christen schreiben».</note> nicht viel Weise nach dem
     Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen, sondern was töricht und was
     schwach ist vor der Welt, und das Unedle und Verachtete vor der Welt, das hat Gott erwählt!»
     [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.1.26 1.Kor.1.28">1.Kor. 1,26–28</ref>]. Was für eine unscheinbare Sache nach Zahl und Art.<note place="footnote" n="be" type="textcritical" xml:id="nbe">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Was
       für eine durch und durch unscheinbare Sache, von außen betrachtet!»</note> ⌜Aber von diesen
          Leuten hat ein alter Dichter, der sie gut verstand, geschrieben:⌝ 
          <q rend="poem">
                            <lg>
            <l>Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme,</l>
            <l>Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt,</l>
            <l>Ein Funke und Flämmlein aus göttlicher Flamme,</l>
            <l>Die oben Jerusalem freundlich gesäugt.<note xml:id="n05">Aus der <bibl corresp="kbga-songs-69" type="song">4. Strophe des Liedes «Es glänzet der Christen inwendiges Leben» von <persName ref="kbga-actors-2243">Chr. Fr. Richter</persName>; die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zitierte Originalfassung findet sich z.B. in: <hi rend="italic">Gesangbuch für die evangelisch-reformierte Gemeinde zu Lübeck</hi>, Lübeck 1832, Nr. 221, 3; andere Textfassungen: GERS (1952) 307, 3 und EKG 265, 4.</bibl>
                                    </note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
            </p>
        <p>
                        <pb xml:id="p059" ed="pga" rend="noPipe"/> Ja, innerlich sind das schon lange nicht mehr die sonnenverbrannten<note xml:id="n06">In der
          <bibl type="song" corresp="kbga-songs-69">1. Strophe</bibl> des in <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref> genannten Liedes: «… obgleich sie von außen die Sonne
      verbrannt».</note>, arbeitsmüden, sündigen, törichten Menschlein, als die sie äußerlich
     anzusehen sind, sondern sie leben ganz und gar von der Verheißung: Es ist eures Vaters Wille,
     euch das Reich zu geben! Innerlich triumphieren sie<note place="footnote" n="bf" type="textcritical" xml:id="nbf">Im <ref corresp="B">Mskr.</ref> steht hier noch:
      «bei aller Schwachheit».</note>, weil in ihnen eine neue Welt angebrochen ist, und diese neue
     Welt wollen und werden sie nun fröhlich und siegesgewiß hinaustragen in die arme alte Welt da
     draußen. Denn ihnen geht ja einer voran als ein rechter Freudenmeister<note place="footnote" n="bg" type="textcritical" xml:id="nbg">
                            <p>
                                <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «als Meister, als ein Freudenmeister»<note xml:id="n07">Vgl. die letzte Strophe
       des Liedes <bibl corresp="kbga-songs-70" type="song">«Jesu, meine Freude» von <persName ref="kbga-actors-5696">J. Franck</persName> (Nr. 240; GERS [1952] 280; EG 396)</bibl>.</note>.</p>
                        </note>, in dem ist ihnen <pb ed="A" n="93"/> ein anderes Leben wunderbar aufgegangen<note place="footnote" n="bh" type="textcritical" xml:id="nbh">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «in dem ihnen ein neues wunderbares Leben aufgegangen ist».</note>, der hat Liebe und Frieden
          in ihre Seelen gesenkt<note place="footnote" n="bi" type="textcritical" xml:id="nbi">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der Liebe und Frieden in ihre Herzen gesenkt
            hat».</note> in überreicher Fülle, der steht vor ihnen<note place="footnote" n="bj" type="textcritical" xml:id="nbj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der vor ihnen
      steht».</note>, wie er sein Kreuz getragen und Gott gehorcht hat, als ein Held, der sie selber
          zu Helden macht<note place="footnote" n="bk" type="textcritical" xml:id="nbk">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «gemacht».</note>. Von Haus aus sind sie es ja nicht:
     Es ist viel Unklarheit und Widerspruch in ihren Köpfen. Feigheit und gelegentliche arge
     Inkonsequenzen waren durchaus möglich bei ihnen. Nicht einmal einig waren sie untereinander,
     man denke! Zwischen <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName> und <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> war eine breite Kluft, und mitunter kam’s zu
     fatalen Szenen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.2.14">Gal. 2,14</ref>]. Gut,
     daß wir nicht Alles wissen! Aber es war ihnen einfach eine Freude, das Werk Jesu fortzusetzen,
     so gut sie es konnten<note place="footnote" n="bl" type="textcritical" xml:id="nbl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «können».</note>. Alles verlassen sie und folgen
          ihm nach, lassen als Kinder des Vaters Licht<note place="footnote" n="bm" type="textcritical" xml:id="nbm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «als die Kinder des
            Vaters sein Licht».</note> leuchten vor den Leuten, wie ihr Meister<note place="footnote" n="bn" type="textcritical" xml:id="nbn">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «wie es Jesus».</note> sie geheißen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.5.16">Mt. 5,16</ref>], gehen hierhin und dorthin zu <term ref="kbga-terms-783">Juden</term> und <term ref="kbga-terms-109">Heiden</term><note place="footnote" n="bo" type="textcritical" xml:id="nbo">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «zu den
      Juden und zu den Heiden».</note>, sagen es ihnen, was sie wissen, mühen sich endlos, ihnen
     allen das Geheimnis des Lebens entdecken zu helfen, das sie
     <pb xml:id="p060" ed="pga"/> selbst entdeckt haben, werden verachtet und ausgelacht und verfolgt und nehmen das hin, als ob
          es nicht anders sein könnte<note place="footnote" n="bp" type="textcritical" xml:id="nbp">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «als ob es selbstverständlich
       wäre».</note>, gehen fröhlich weiter als die Musikanten des lieben Gottes<note xml:id="n08">Als Musikanten des lieben Gottes = <foreign xml:lang="lat">ioculatores Domini</foreign> wollte <persName ref="kbga-actors-555">Franz von Assisi</persName> seine Brüder
         wirken sehen. In: <bibl corresp="kbga-bibls-119">
                                <hi rend="italic">Der Römerbrief (Erste Fassung)
         1919</hi>, hrsg. von H. Schmidt (Gesamtausgabe, Abt. II), <ref type="pub-" target="../volume/16/p569#p569">S.
           569</ref></bibl>, stellt <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> den lateinischen Ausdruck neben den deutschen und gibt
      dadurch den Ursprung zu erkennen. Dort auch der Beleg.</note>, die sich nicht wundern, wenn
     Viele kein Musikgehör haben, so leid es ihnen tut um sie. Werden schließlich fast Alle irgendwo
     totgeschlagen oder hingerichtet mit ihrer frohen Botschaft, weil man die ⌜ja natürlich⌝ nicht
     brauchen kann in der Welt. Das war die kleine Herde von damals. ⌜Sie war eben keine «Auslese der
     Tüchtigsten und Besten»<note xml:id="n09">Anspielung auf die Lehre von <bibl corresp="kbga-bibls-2008">
                                <persName ref="kbga-actors-2013">Ch. Darwin</persName> in seinem
      Buch <hi rend="italic">On the Origin of Species by Means of Natural
         Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life</hi>,
         London 1859 (Über die Entstehung
         der Arten im Thier und Pflanzen-Reich durch natürliche Züchtung, oder Erhaltung der
         vervollkommneten Rassen im Kampfe um’s Daseyn,
           Stuttgart 1863)</bibl>.</note>, sonst wäre es ihnen anders gegangen.⌝ Ist’s
          ⌜denn⌝ an ihnen wahr geworden, was ihnen verheißen war: Der Vater will euch das Reich geben!?
          Wenn wir als trockene, unbeteiligte Zuschauer<note place="footnote" n="bq" type="textcritical" xml:id="nbq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Zuschauer oder
            Leser».</note> ihr Schicksal und Ende ansehen, könnten wir mit Fug und Recht<note place="footnote" n="br" type="textcritical" xml:id="nbr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «vielleicht».</note> daran zweifeln. Sie selber haben freilich<note place="footnote" n="bs" type="textcritical" xml:id="nbs">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «sicher».</note> nicht daran gezweifelt. In ihnen war bei allen Unvollkommenheiten und
          Leiden die Freudigkeit und Seligkeit<note place="footnote" n="bt" type="textcritical" xml:id="nbt">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «In ihrer Seele war bei allen
      Leiden und Anfechtungen und Unvollkommenheiten die Seligkeit und Freudigkeit …»</note> des
          gegenwärtigen Gottesreiches. Sie hätten mit niemand getauscht. Sie dachten mit Stolz<note place="footnote" n="bu" type="textcritical" xml:id="nbu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Mit Stolz dachten sie».</note> an das Wort Jesu: Wahrlich, ich sage euch,
     viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr gesehen habt, und haben es nicht gesehen, und
     hören, was ihr gehört habt, und haben es nicht gehört! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.24">Lk. 10,24</ref>]. Und auch in ihrem Wirken war die Klarheit und Kraft des
          gegenwärtigen Gottesreiches.<note place="footnote" n="bv" type="textcritical" xml:id="nbv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Und in ihrem Wirken muß die Klarheit und
      Kraft gelegen sein, ohne die wir uns das Gottesreich nicht denken können.»</note> Von ihrem
          Wirken ist ja die ungeheuerste Entwicklung<note place="footnote" n="bw" type="textcritical" xml:id="nbw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «denn von ihrem Wirken ist
      ja eine der ungeheuersten Entwicklungen».</note> in der
          <pb xml:id="p061" ed="pga"/> Geschichte der Menschheit ausgegangen, ⌜allem Anschein zum Trotz,⌝ unter den Folgen<note place="footnote" n="bx" type="textcritical" xml:id="nbx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «den segensreichen Folgen».</note> ihres Wirkens stehen wir bis heute,
          und<note place="footnote" n="by" type="textcritical" xml:id="nby">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «ja».</note> vielleicht will die Ernte der Saat, die sie
          ausgeworfen, erst recht beginnen<note place="footnote" n="bz" type="textcritical" xml:id="nbz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «erst jetzt so recht
      beginnen».</note>. Ja, ihnen war das Reich gegeben von ihrem Vater, dieser kleinen Herde von
          damals! O diese glücklichen Wenigen! Diese seligen Helden und Stürmer und Dränger!<note xml:id="n10">Vgl. die Predigt vom 24. Januar über <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.11.12">Mt. 11,12</ref>, s. oben <ref type="pub" target="../volume/27/p022#p022">S. 22–33</ref>.</note> O die armen Meisten von damals,
     die von dem allem nichts fanden und gewannen! O die Armen, die nicht bereit waren, als das
     Reich Gottes ihnen so nahe kam, die für das Göttliche an<note place="footnote" n="ca" type="textcritical" xml:id="nca">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «in».</note>
          Jesus, für das Wunderbare an dem Leben, das von ihm ausging, keine Augen und Ohren<note place="footnote" n="cb" type="textcritical" xml:id="ncb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «kein Auge und Ohr und Gefühl».</note> hatten! Die es nicht fassen
     konnten, daß ein neuer Tag Gottes angebrochen sei, denen die Worte Jesu als schöne, aber
     unbegreiflich unbequeme <pb ed="A" n="94"/> Ideale vorkamen<note place="footnote" n="cc" type="textcritical" xml:id="ncc">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «oder denen die Worte Jesu
      unbegreiflich hart und seine Nachfolge schrecklich unbequem und schwer vorkamen».</note>, die
     sich gegenüber der lauten, freundlichen Ankündigung der neuen Welt mit klugen Gründen und
     Unterscheidungen verschanzten!<note place="footnote" n="cd" type="textcritical" xml:id="ncd">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «der neuen Welt des Friedens und der
      Kraft verschanzten mit einem unwirschen, grollenden: Wir wollen nicht, wir brauchen das
      nicht!»</note> Die Armen! Es wäre ja für Keinen von ihnen, von all den Vielen, viel zu Vielen
     ein Hindernis dagewesen — es ist für keinen Menschen ein Hindernis da! —, auch Einer zu werden
     von der kleinen Herde, von der fröhlichen Vorhut Gottes. Aber es gab’s ihnen nicht
      zu.<note xml:id="n11">= Aber sie brachten es nicht über sich.</note> Sie wagten den Sprung
          nicht. Sie blieben alle, wie sie waren. Und so mußten die Jünger Jesu, ohne Groll<note place="footnote" n="ce" type="textcritical" xml:id="nce">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Groll und Haß».</note> und Verachtung, aber in tiefem, bitterem Ernst zu
          ihnen sagen<note place="footnote" n="cf" type="textcritical" xml:id="ncf">Im <ref corresp="B">Mskr.</ref> steht hier noch: «wie ihr Meister sie gelehrt
      hatte».</note>: Ihr sollt wissen, daß euch das Reich Gottes nahe gewesen ist! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.11">Lk. 10,11</ref>]. Gewesen ist! Unseren herrlichen Posten
     und Dienst könnt ihr nun nicht mit uns teilen. Ihr könnt nicht, weil ihr nicht wollt!</p>
        <p>Wie ist’s, meine Freunde, wenn Gott nun im Gewitter des Völker<pb xml:id="p062" ed="pga" break="no"/>krieges auch wieder eine Gottesreichszeit hat anbrechen lassen für uns? Unser Nachdenken über
     den Sinn der gegenwärtigen Ereignisse hat uns in der letzten Zeit immer wieder vor diese
     bedeutungsschwere Tatsache geführt.<note place="footnote" n="cg" type="textcritical" xml:id="ncg">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Wir sind nun seit einer Reihe von
      Sonntagen immer wieder vor diese gedanken- und bedeutungsvolle Tatsache geführt
      worden.»</note> Mir ist es sicher, daß das<note place="footnote" n="ch" type="textcritical" xml:id="nch">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «es».</note> eine Tatsache
     ist. Einer ganzen Anzahl Menschen in allen Ländern ist es auch sicher. Und ich hoffe im
     stillen, daß es auch Einigen von euch sicher geworden ist, daß diese Zeit nicht nur eine
     schwere und ernste Zeit ist, wie man etwa sagt, nicht nur eine interessante Zeit, in der es
     viel zu hören, zu denken und zu reden<note place="footnote" n="ci" type="textcritical" xml:id="nci">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «viel zu denken und zu reden und
       zu hören».</note> gibt, ⌜auch⌝ nicht nur eine Zeit großer Aufgaben und Pflichten, sondern ⌜vor
          allem⌝ eine Gotteszeit in ganz besonderem Sinn. Ein Wendepunkt im Fluß der
          Geistesgeschichte<note place="footnote" n="cj" type="textcritical" xml:id="ncj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Geschichte».</note> Ein Tag, an dem Gott sich
     anschickt, ein Neues zu schaffen, indem er uns durch das Gericht seine Verheißungen lebendig
     macht. Nun ist wieder einmal Saatzeit für bessere zukünftige Ernten, Grundsteinlegung für neue
     Bauten, nun werden wieder Vorposten ausgesandt.<note place="footnote" n="ck" type="textcritical" xml:id="nck">Anstelle der letzten beiden
      Sätze steht im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Ein Tag, an dem Gott wieder einmal Saaten auswirft für bessere
      zukünftige Ernten, Ecksteine legt für neue Bauten, Vorhuten aussendet zu gewaltigen,
      unabsehbaren Eroberungen.»</note> Gottes Reich<note place="footnote" n="cl" type="textcritical" xml:id="ncl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Sein Reich».</note>
          ist ⌜wieder einmal⌝ nahe herbeigekommen. Wie wird es nun sein? Nun braucht es wieder<note place="footnote" n="cm" type="textcritical" xml:id="ncm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wieder einmal».</note> Menschen, die den Ruf Jesu vernehmen und vernehmen
          wollen.<note place="footnote" n="cn" type="textcritical" xml:id="ncn">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: « …die seinen Ruf vernehmen und vernehmen wollen, den Ruf
      Jesu: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.6">Joh. 14,6</ref>].»</note> Denn wer unsere Zeit versteht, der weiß, daß nun
     gerade wieder Jesus entscheidend zum Wort kommt, Jesus mit seiner Botschaft von der
     unbedingten, grenzenlosen Majestät und Güte Gottes gegenüber allem Menschenwesen.<note place="footnote" n="co" type="textcritical" xml:id="nco">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Denn nie ist es so deutlich gewesen wie jetzt, daß dieser selbe Jesus von
      Nazareth, der in jener alten Zeit den Menschen das Reich Gottes nahebrachte, wahrhaftig der
      Welt Heiland ist.»</note> Menschen ⌜braucht es nun⌝, die bereit sind, auf den Ruf Jesu<note place="footnote" n="cp" type="textcritical" xml:id="ncp">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «auf diesen Ruf».</note> zu antworten mit Gehorsam und Vertrauen. Die zur
     Klarheit gekommen sind darüber, daß die Ordnungen dieser jetzigen Menschen<pb xml:id="p063" ed="pga" break="no"/>welt in ihren Grundlagen sinnlos und verbrecherisch sind, und zur Entschlossenheit dazu,
          innerlich nichts mehr mit ihnen gemein zu haben<note place="footnote" n="cq" type="textcritical" xml:id="ncq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Menschen braucht es
      jetzt, die sich klar davon überzeugen, daß die Verhältnisse und Ordnungen der Welt, in der wir
      leben, in ihren Grundlagen sinnlos und verbrecherisch sind und daß wir innerlich nichts mit
      ihnen gemein haben können …»</note>, weil sie stracks gegen alles Recht und alle Liebe sind.
          Die davon durchdrungen sind, daß mit Gewalt weder Recht<note place="footnote" n="cr" type="textcritical" xml:id="ncr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «daß durch
       Gewalt nie und nimmer Recht».</note> geschaffen ⌜noch Recht geschützt⌝ werden kann und daß die
     Torheit, sich gegeneinander zu waffnen, um miteinander auszukommen, notwendig endigen muß in
     solchen<note place="footnote" n="cs" type="textcritical" xml:id="ncs">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «in entsetzlichen».</note> Katastrophen des Hasses und der
          Vernichtung, wie wir sie jetzt erleben. Die den heiligen Respekt vor dem Mammon gründlich<note place="footnote" n="ct" type="textcritical" xml:id="nct">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «gründlich und für immer».</note> verlernt haben, weil sie es jetzt
     gesehen haben, wie der nicht Heil, sondern Unheil schafft und darum nicht Gott sein kann neben
          <pb ed="A" n="95"/> Gott.<note place="footnote" n="cu" type="textcritical" xml:id="ncu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wie der Mammon nicht dem Heil dient, sondern dem Unheil, und
            darum nicht ein Gott sein kann.»</note> Und mag die Vernunft uns<note place="footnote" n="cv" type="textcritical" xml:id="ncv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Und
      mag uns die sogenannte Vernunft …»</note> noch so lange sagen, wie tief diese Ordnungen
          wurzeln in fast unerschütterlichen «Verhältnissen», in der «Wirklichkeit»<note place="footnote" n="cw" type="textcritical" xml:id="ncw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… daß diese Verhältnisse vorläufig nicht wohl andere sein können und …»</note>, daß
          wir uns ihnen<note place="footnote" n="cx" type="textcritical" xml:id="ncx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «ihnen eben».</note> unterwerfen müssen — ⌜mögen wir uns
          ihnen vorläufig unterwerfen, wir können sie nicht anerkennen, nicht innerlich ernst nehmen,⌝
          nicht an sie glauben, weil wir an Gott glauben müssen.<note place="footnote" n="cy" type="textcritical" xml:id="ncy">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: « — wir sollen
       nicht an sie glauben, wir sollen an Gott glauben, der ganz anders ist als sie.»</note> ⌜Denn
     Gott offenbart sich uns jetzt in der schrecklichen «Wirklichkeit» der Menschenwelt, nicht damit
     wir <hi rend="italic">sie</hi> anerkennen, sondern damit wir dazu kommen, <hi rend="italic">ihn</hi>
          wieder zu anerkennen, der uns im Evangelium seine wunderbare Welt erschlossen hat.⌝ Menschen
     braucht es nun, die an die Wirklichkeit der Gotteswelt glauben, in ihr ihren Standort nehmen
     und darum innerlich frei sind von der Gefangenschaft der Vergangenheit und Gegenwart.<note place="footnote" n="cz" type="textcritical" xml:id="ncz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Es braucht jetzt Menschen, die frei geworden sind von dem Vorurteil, es
      könne nicht anders sein, die es wagen, der Vernunft zum Trotz an den Gott der Liebe und des
      Friedens zu glauben und nur an ihn.»</note> So haben<note place="footnote" n="da" type="textcritical" xml:id="nda">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «standen».</note> die ersten
          <pb xml:id="p064" ed="pga"/> Christen in einer ebenso finstern Welt wie die unsrige gebetet<note place="footnote" n="db" type="textcritical" xml:id="ndb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wie
      die unsere und beteten».</note>: es vergehe <hi rend="italic">diese</hi> Welt und es komme <hi rend="italic">dein</hi> Reich!<note xml:id="n12">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1615">Didache 10,6</bibl>:<foreign xml:lang="grc" rend="Ell">Ἐλθέτω χάρις καὶ
       παρελθέτω ὁ κόσμος οὗτος</foreign>
               </note> Sie lebten in der Hoffnung. In ihrer Hoffnung
     und nur in ihr hatten sie Gottvertrauen, Stärke im Leiden, Gewissenstrost, Freiheit zu gutem
     Tun. Wird es uns auch wieder geschenkt werden, so in der Hoffnung zu leben — zu <hi rend="italic">leben</hi> und nicht bloß neben allerlei Götzendienst auch noch eine Hoffnung zu haben? —, in
     der <hi rend="italic">Hoffnung</hi> zu leben und nicht in einer Religiosität, die mit dem Gott und
     Vater, den uns Jesus erschlossen, eigentlich gar nichts zu tun hat? Das ist die große, tiefe
     Frage unserer Zeit, ob Gott nun Menschen finden wird, die sich solches Leben in der Hoffnung
     schenken lassen. Wenn Gott uns irgend etwas zu sagen hat durch diesen Krieg, so ist es doch
     das, daß er wahr machen will<note place="footnote" n="dc" type="textcritical" xml:id="ndc">Anstelle des Passus ab «Sie lebten in der
      Hoffnung» heißt es im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Es komme <hi rend="italic">dein</hi> Reich! Nun braucht es Menschen,
      die in der Hoffnung leben — darin <hi rend="italic">leben</hi> und nicht bloß neben allerlei
      Götzendienst auch noch eine Hoffnung haben — die Hoffnung, daß Gott wahr machen wird
     …»</note>, was er verheißen hat. Daß diese ganze Welt voll Mißtrauen und Militär und Haß und
          Interessenpolitik und sogenannter Vaterlandsliebe eigentlich und wirklich eine<note place="footnote" n="dd" type="textcritical" xml:id="ndd">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Vaterlandsliebe, daß diese ganze Welt eigentlich eine …»</note>
     Unmöglichkeit ist, die abgelöst und überwunden werden muß durch das Leben der Kinder Gottes,
     die allesamt Brüder sind, ⌜einfach⌝ weil sie ⌜allesamt⌝ einen Vater haben.<note place="footnote" n="de" type="textcritical" xml:id="nde">Im
      <ref corresp="B">Mskr.</ref> folgt hier der Satz: «Menschen braucht’s, die sich nicht mehr mit einer
      Religion begnügen können, die bloß aus Glockengeläut und Predigtworten und sanfter Erbauung
      besteht, sondern die wissen und fest davon überzeugt sind, daß all die wunderbaren Wahrheiten
      dieser Religion Gestalt annehmen müssen in der Gemeinschaft unseres Lebens, im Großen so gut
      wie im Kleinen.»</note> Hervorbrechen will<note place="footnote" n="df" type="textcritical" xml:id="ndf">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «soll».</note> Gottes
          Gerechtigkeit ⌜aus unseren Konfusionen⌝ wie die Morgenröte aus der Finsternis [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jes.58.8">Jes. 58,8</ref>]. Zerbrechen müssen<note place="footnote" n="dg" type="textcritical" xml:id="ndg">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «sollen».</note> die Ketten der Schuld, die die Menschheit seufzend von
     Jahrhundert zu Jahrhundert schleppte. Wahrhaftig sollen die Reiche dieser Welt Gottes und
     seines Christus werden [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.11.15">Apk. 11,15</ref>]. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunfdbt [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.7">Phil. 4,7</ref>], will den inneren und äußeren Krieg, in
     dem wir
          <pb xml:id="p065" ed="pga"/> lebten, aufheben<note place="footnote" n="dh" type="textcritical" xml:id="ndh">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «soll … überwinden».</note>. Mit solcher Hoffnung
          sind die ersten Christen zu den <term ref="kbga-terms-783">Juden</term> und <term ref="kbga-terms-109">Heiden</term> gegangen ⌜und hatten ihnen damit etwas zu
     bieten und zu bringen. Denn an Religiositäten von allen Sorten, an Tröstern und Krücken und
     farbigen Brillen, um sich in dieser Welt zurechtzufinden, fehlte es denen durchaus nicht, wohl
     aber an der Hoffnung auf einen Sieg, der diese Welt überwindet. Und so ist es heute wieder.⌝ Nun
     braucht und fordert Gott Menschen, die<note place="footnote" n="di" type="textcritical" xml:id="ndi">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Menschen mit solcher Freiheit
      von der alten und solcher Hoffnung auf die neue Welt braucht es jetzt. Menschen mit einem
      Wort, die …»</note> angesichts des furchtbaren Resultats, das die Ordnungen der
          Menschenwelt<note place="footnote" n="dj" type="textcritical" xml:id="ndj">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «das die Ordnungen und Gewohnheiten des bisherigen
            Menschheitslebens jetzt …»</note> gezeitigt haben, ihre Zuversicht auf ihn<note place="footnote" n="dk" type="textcritical" xml:id="ndk">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Gott».</note> setzen und von ihm, und das heißt von der Beugung unter seinen heiligen
     Willen, der uns in Christus offenbar ist, etwas Anderes, Besseres erwarten. Was für eine
     wundervolle große Zeit, <pb ed="A" n="96"/> wo Gott solche Menschen fordern — und schaffen will!<note place="footnote" n="dl" type="textcritical" xml:id="ndl">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Menschen fordert!»</note> Wo Christus wieder nach Freiwilligen ruft wie
     in den alten Heldenzeiten des Glaubens! Wo das Himmelreich wieder gestürmt werden kann [vgl.
      <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.11.12">Mt. 11,12</ref>] durch ernste, freudige
          Entscheidungen in der Tiefe der Seele, Entscheidungen<note place="footnote" n="dm" type="textcritical" xml:id="ndm">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «durch eine
      freudige, ernste Entscheidung in der Tiefe unserer Seele, eine Entscheidung …»</note> für den
     lebendigen Gott, gegen die toten Götzen der Menschenwelt. Und wenn nun Gott wieder Propheten,
     Apostel und Märtyrer brauchen und ihnen rufen sollte? Wenn wir nur wahrheitsmutige,
     unerschrockene Zeugen werden für die höhere Welt, die sich jetzt ankündigt!<note place="footnote" n="dn" type="textcritical" xml:id="ndn">Anstelle der letzten beiden Sätze heißt es im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Wir wollen nicht zu viel sagen, aber
      seht, es könnte doch sein, daß die Zeit nicht so ferne ist, wo auch wieder Propheten und
      Apostel und Märtyrer nötig würden, und wenn nicht das, so doch jedenfalls wahrheitsmutige,
      unerschrockene Zeugen für das Bessere, Höhere, das jetzt überall mit Füßen getreten
      wird.»</note> Es wird ⌜auch so⌝ nicht leicht sein, wirklich als Vorposten<note place="footnote" n="do" type="textcritical" xml:id="ndo">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «als ein Vorposten».</note> Gottes in die nächste Zeit hinein zu gehen. Da wird Alles
          wieder kommen wie ehemals. ⌜Es wird an Sünden, Verkehrtheiten und Kleinlichkeiten derer nicht
     fehlen, die jetzt Gottes Ruf vernehmen und weitergeben möchten, und darum dann auch nicht an
     Kritik und weisen
          <pb xml:id="p066" ed="pga"/> Sprüchen von allen Seiten.⌝ Verachtung, Ausgelachtwerden, Mißerfolg über Mißerfolg, das muß ja
          alles so sein.<note place="footnote" n="dp" type="textcritical" xml:id="ndp">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «wie ehemals: Verachtung, Ausgelachtwerden, Mißerfolge
            und vielleicht auch Bedrohung und Verfolgung».</note> Die Mächte<note place="footnote" n="dq" type="textcritical" xml:id="ndq">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «Denn die Mächte».</note> dieser Welt werden jetzt so wenig wie damals freiwillig das Feld
          räumen und werden<note place="footnote" n="dr" type="textcritical" xml:id="ndr">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «und sie werden».</note> den nicht ungestraft
     lassen, der ihnen die Freiheit und die Hoffnung entgegenstellt. Darüber soll sich niemand
     täuschen<note place="footnote" n="ds" type="textcritical" xml:id="nds">Anstelle dieses Sätzchens ist im <ref corresp="B">Mskr.</ref> zu lesen: «Die alte
      christusfeindliche Losung: wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche! [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.19.14">Lk. 19,14</ref>] wird deutlicher und mächtiger als je
      ertönen, wenn die Menschenwelt merkt, daß es sich jetzt nicht mehr um theologische Dogmen
      handelt, sondern um das Leben selbst, das unter die Herrschaft Gottes kommen soll.»</note>
     Aber bei dem allem werden diese Vorposten Gottes dann auch wieder erfahren, wie ihnen des
     Vaters Wille das Reich gibt, wie sie seine Gegenwart erleben dürfen in einer unbeschreiblichen
     Freudigkeit, in einer großen Kraft im Beruf ihres Glaubens, in erneuernden, reinigenden,
     heiligenden, verwandelnden Wirkungen, die von ihnen ausgehen werden. Das ist noch nie anders
     gewesen.<note place="footnote" n="dt" type="textcritical" xml:id="ndt">Der Schluß des Absatzes lautet im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… dann auch die Wahrheit
      der Verheißung erfahren: Es ist meines Vaters Wille, euch das Reich zu geben. Sie werden in
      unnennbarer Freude und Seligkeit dem Berufe ihres Glaubens folgen. Sie werden etwas erleben
      von dem stolzen Bekenntnis des <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>: Ich vermag Alles durch den, der mich stark macht,
      Christus! [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.13">Phil. 4,13</ref>]. Und es
      werden kräftige Wirkungen von ihnen ausgehen, erneuernd, reinigend, heiligend, verwandelnd,
      Wirkungen, die doch nicht ihre Tat und ihr Verdienst sind, sondern die des Geistes Gottes, der
      in ihnen wirkt und schafft.»</note>
            </p>
        <p>Wie wird’s nun sein, meine Freunde? Wird Gott solche Freiwillige und Vorposten
     finden in unserer Zeit? Wird die «kleine Herde» da sein nach dem Völkerkrieg als sein
     göttlicher Ertrag und als göttliches Werkzeug für die Zukunft?<note place="footnote" n="du" type="textcritical" xml:id="ndu">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Wird
      er sich nun auch wieder seine ‹kleine Herde› sammeln als Ertrag des Völkerkriegs und als
      Werkzeug für seine Zukunft?»</note> Und wer wird dann zur<note place="footnote" n="dv" type="textcritical" xml:id="ndv">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «zu
        dieser».</note> kleinen Herde gehören, wer zur<note place="footnote" n="dw" type="textcritical" xml:id="ndw">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «zu der».</note>
     großen Masse, die nichts merkt und weiterschläft? Seht, noch handelt es sich heute nicht darum,
     etwas zu <hi rend="italic">tun</hi>. Noch ist alles viel zu sehr in Verwirrung und im Unklaren<note place="footnote" n="dx" type="textcritical" xml:id="ndx">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «im Werden».</note>, als daß jetzt schon
          <pb xml:id="p067" ed="pga"/> gesagt werden könnte, was denn geschehen muß als erste<note place="footnote" n="dy" type="textcritical" xml:id="ndy">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
       «nächste».</note> Tat des Gehorsams gegen das nahe gekommene Gottesreich. ⌜Tröste dich damit,
          wenn es dir ein Trost ist!⌝ Noch verlangt Gott keine besonderen Entschlüsse und Taten von dir,
          noch keine Opfer<note place="footnote" n="dz" type="textcritical" xml:id="ndz">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «geschweige denn besondere äußere Opfer».</note> für
            sein Reich. Du brauchst in keine Gemeinschaft oder Partei einzutreten.<note place="footnote" n="ea" type="textcritical" xml:id="nea">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
      «und in keine Partei einzutreten.»<note xml:id="n13">Am 1. Februar, vor zwei Wochen, war <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
       in die <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratische Partei</orgName> eingetreten.</note>
               </note>. Du brauchst kein Geld
            wegzugeben. Du brauchst weder dein Geschäft<note place="footnote" n="eb" type="textcritical" xml:id="neb">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Vermögen».</note>, noch
     deine Familie, noch dein Leben in Gefahr zu bringen. Du brauchst kein Prophet noch
     Märtyrer<note place="footnote" n="ec" type="textcritical" xml:id="nec">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «noch kein Prophet und Märtyrer».</note> zu werden. <hi rend="italic">Warte</hi> auf Gott, wenn du verstehst, daß auf <hi rend="italic">Gott</hi> warten
            wichtiger ist als das größte Tun!<note place="footnote" n="ed" type="textcritical" xml:id="ned">Anstelle dieses Satzes heißt es im <ref corresp="B">Mskr.</ref>:
              «Alles derartige Handeln wird dann auch kommen, wenn es an der Zeit ist.»</note> Noch<note place="footnote" n="ee" type="textcritical" xml:id="nee">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Für jetzt».</note> handelt es sich «nur» darum, für welchen <hi rend="italic">Glauben</hi> du dich entscheiden willst: für den Glauben der kleinen Herde der Einsamen, der
     Stillen, der Träumer und Törichten oder für den Glauben des großen Heeres der Klugen,
     Nüchternen und Praktischen?<note place="footnote" n="ef" type="textcritical" xml:id="nef">
                            <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «… für <hi rend="italic">den</hi> Glauben, der
      wahrscheinlich auch jetzt wieder der Glaube der kleinen Herde sein wird, der Einsamen,
      Zerstreuten, Stillen im Land, die Augen und Ohren haben, um zu hören und zu sehen, was Gott
      jetzt tut — oder für <hi rend="italic">den</hi> Glauben, der wahrscheinlich auch jetzt wieder der
      Glaube der großen Menge sein wird.»</note> Du weißt, wie sich diese beiden Glauben
     unterscheiden: Der eine ist Glaube an Gott und an die Wahrheit, der andere ist Glaube an die
     Götzen und an das, was immer so war und <pb ed="A" n="97"/> immer so sein wird. Nun wähle! Das ist die
     Entscheidung, die ich heute mir und euch allen vorlegen wollte.</p>
        <p>Wir sagen, nicht wahr: es wäre wohl schön! Aber nun fühlen wir beide auf einmal, daß dieser
     Glaube der kleinen Herde, der «nur» Glaube ist, eigentlich etwas ganz Unheimliches ist. Wir
     wittern etwas von all dem, was darin schlummert: Unruhe, Widerspruch, Leiden, Kampf,
     Revolution, Kreuz — und wir erschrecken. Ja, es ist wohl wahr: dieser Glaube der kleinen Herde
     hat etwas Unheimliches. Aber nun sagt uns Jesus von der anderen Seite nur das Eine: Fürchte
     dich nicht, du kleine
     <pb xml:id="p068" ed="pga"/> Herde! Und in diesem: Fürchte dich nicht!, wenn wir’s hören, liegt eine Kraft, die
          uns wirklich vom Schrecken freimacht.<note place="footnote" n="eg" type="textcritical" xml:id="neg">Dieser Absatz lautet im <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «Du
      sagst: aber ich kann doch nicht so etwas Besonderes sein und glauben. Ich kann doch nicht so
      anders werden als alle anderen Leute, die eben auch die Welt nehmen und gehen lassen, wie sie
      ist. Ich kann mich doch nicht so verhaßt und unmöglich machen. Was wird aus meinem Verdienst
      und Geschäft, aus meiner Familie und meiner Person werden, wenn dann wirklich aus dem Glauben
      einmal die Tat hervorgehen soll? Das ist schrecklich, das ist schwierig, das ist unmöglich. Du
      hast zehnmal Recht, wenn du Angst hast. Es ist wahr, es <hi rend="italic">ist</hi> schrecklich.
      Aber nun sagt Jesus von der anderen Seite: fürchte dich nicht, du kleine Herde! Und das ist
      auch wahr.»</note> ⌜Vielleicht, daß wir dann doch mit jenem Sänger des inneren Lebens aus
          vergangenen Tagen den Mut fassen, zu beten:⌝ 
          <q rend="poem">
                            <lg>
            <l>O Jesu, verborgenes Leben der Seelen,</l>
            <l>Du heimliche Zierde der inneren Welt,</l>
            <l>Gib, daß wir die heimlichen Ziele erwählen,</l>
            <l>Wenngleich uns die Schmach deines Kreuzes entstellt.</l>
            <l>Hier übel genennet</l>
            <l>Und wenig gekennet<note place="footnote" n="eh" type="textcritical" xml:id="neh">
                                        <ref corresp="B">Mskr.</ref>: «erkennet». So heißt es in neueren Gesangbüchern. Im Druck ist <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zum ursprünglichen Text: «gekennet» zurückgekehrt.</note>,</l>
                            </lg>
                        </q>
          <q rend="block">
                            <lg>  
          <l>Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet,</l>
            <l>Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet.<note xml:id="n14">Strophe 7 aus dem oben <ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref> angeführten <bibl type="song" corresp="kbga-songs-69">Lied von <persName ref="kbga-actors-2243">Chr. Fr. Richter</persName></bibl>.</note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
            </p>
        <p>Wenn wir einmal aufrichtig und ernstlich so beten werden, dann ist’s schon erhört,
     dann sind wir bei denen von der Vorhut Gottes.</p>
        </div>
        <div type="closer">
          <salute>[Amen.]<note xml:id="n15">Lieder: <bibl corresp="kbga-songs-71" type="song">Nr. 250: «Wenn ich ihn nur habe» von <persName ref="kbga-actors-1161">Fr. von Hardenberg, gen. Novalis</persName>, Strophen 1.2.4 (= Reichs-Lieder 322)</bibl>;
            <bibl corresp="kbga-songs-65" type="song">Nr. 162: «Wach auf, du Geist der ersten Zeugen» von <persName ref="kbga-actors-2805">K. H. von Bogatzky</persName>, Strophen 1-3 (= GERS [1952] 334,1-3; EG 241,1-3)</bibl>
         <!--<ref type="pub" subtype="bib1-ein1933" target="b0250">Nr. 250</ref> «Wenn ich ihn nur habe» von Fr. von Hardenberg, gen. Novalis, Strophen 1.2.4 (<ref type="pub"><bibl><title level="m">Reichs-Lieder</title> 322</bibl></ref>); <ref type="pub" subtype="bib1-ein1925" target="b0162">Nr. 162</ref>
        «Wach auf, du Geist der ersten Zeugen» von K. H. von Bogatzky, Strophen 1-3 (<ref type="pub"><bibl><title level="m">GERS [1952]</title> 334, 1-3</bibl></ref>; <ref type="pub"><bibl><title level="m">EG</title> 241, 1-3</bibl></ref>).--> — Am <ref type="kba-objects-id" target="8769">30.3.1915</ref>
            schrieb <persName ref="kbga-actors-757">A. Schädelin</persName> aus <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> eine Karte an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>: «Lieber Freund, Ich hab so etwas glaub
        ich noch nicht oft gemacht, aber heute drängts mich, Dir zu danken für Deine famos
        geschriebene Predigt in den <orgName ref="kbga-actors-4867">N. W.</orgName> Wie deutlich steckt das worauf es uns ankommt drin, das
        ‹Von Gott her› [diese 3 Wörter mit griechischem Buchstaben geschrieben]. Ich hab die Wirkung
        an mir selbst verspürt und bin froh daß es Leute gibt, die das so deutlich sagen können
        …»</note>
               </salute>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
