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Zweierlei Veranlassung führt mich zum Schreiben:
1.) Nach Semesterschluß würden v. Soden und
ich gerne mit Ihnen und den gleichgesinnten Kollegen in Bonn zusammen kommen. Als |141 «Gleichgesinnten»
werden wir von hier jedenfalls Schlier
mitbringen. Wir warten, bis Hermelink nach
Italien abgereist ist (am 1.
März)1, damit uns seine Teilnahme nicht in Verlegenheit bringt. Daß wir Balla, Wünsch
und Heiler nicht auffordern werden, werden Sie
verstehen. Ich bin auch dafür, Frick daheim zu
lassen.2 Wie stehen Sie zur Personalfrage? Und ferner: welcher Tag, bzw. welche beiden Tage
sind Ihnen passend? Als Ort habe ich — in Erwiderung Ihres Besuches — Bonn vorausgesetzt. Aber es versteht sich von selbst,
daß uns Marburg ebenso lieb ist, falls Ihnen
das angenehmer sein sollte, — oder auch ein in der Mitte gelegener Ort. — Wir stehen in
der ersten Märzhälfte zur Verfügung und hoffen, daß das auch Ihnen paßt. Es wäre wegen
etwaiger Beschlüsse bedauerlich, wenn wir die Besprechung etwa gar auf das Ende der Ferien
verschieben müßten. (Von Mitte März bis Mitte April bin ich voraussichtlich für 4 Wochen
in Wiesbaden3; v. Sodens Ferienpläne stehen noch nicht fest).
2.) Pfarrer Lic. Jacob aus Noßdorf bei Forst (Lausitz) schickte mir ein Manuskript «Christl. Verkündigung u. polit.
Existenz»4 und bittet mich, ihm zur Veröffentlichung zu helfen. Der Furche-Verlag hat den
Druck wegen der zu großen Aktualität (!) abgelehnt. Ich weiß nun nichts Besseres als Ihre
Schriftenreihe «Theol. Exist. heute
📖», in die ja |142 auch
Wolf eingedrungen ist5, sodaß offenbar grundsätzliche
Bedenken gegen die Mitarbeit anderer Autoren nicht bestehen. Um Zeit zu sparen, wage ich,
Ihnen das Manuskript, ohne Ihre Antwort abzuwarten, zuzuschicken, und bitte deshalb um
Verzeihung.
Vielleicht kennen Sie Jacob als Verfasser des
«Gewissensbegriffs in der Theologie Luthers»
(1929 bei Mohr-Siebeck).6 Sie werden eine Aversion dagegen haben, weil diese Schrift die
Heideggersche Schulung deutlich zeigt. Ich
bitte Sie, diese Aversion jedenfalls nicht zum Grund der Absage werden zu lassen; daß die
Heideggersche Schulung nicht in die Reihen
der «Deutschen Christen» führt, werden Sie ja
zugeben. Und das Manuskript, um das es sich jetzt handelt, «heideggert» auch nicht. Es
entspricht in seinem Stile wohl nicht den bisherigen Heften der «Theol. Ex.
📖»; aber das tut
Wolfs Heft ja auch nicht. Jedenfalls scheint
mir in Jacobs Aufsatz Notwendiges ausgezeichnet
gesagt zu sein, und nach meiner Meinung würde er in Ihrer Sammlung auch in seiner Eigenart
gut am Platze sein. — Ich habe meinerseits Jacob, da ich in seinem Aufsatz das Positive
gegenüber dem Kritischen nicht hinreichend zur Geltung gebracht finde, dringend gebeten,
den Aufsatz zusammen mit einem Vortrag über Luthers Verhältnis zum Staat7 zu
publizieren. Dieser würde jenen ausgezeichnet ergänzen; er ist eine ausgezeichnete
Leistung. Wenn Jacob dem zustimmt, und wenn Sie
überhaupt geneigt sind, auf die Sache einzugehen, würde ich Jacob veranlassen, Ihnen den
Luther-Vortrag zu schicken.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus.
Das Manuskript schicke ich besonders.
Ist Lieb noch in Bonn?8