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Lieber Herr Kollege Bultmann!
Schönen Dank für das H. W.-Lied! Leider kann ich Ihnen die Tübinger Sachen nicht zugänglich machen, da ich sie selber nur vorübergehend einsehen konnte. Es handelt sich um ein mir neues kleines Scriptum von Kittel zum Arierparagraphen und um ein Schreiben des Dekans Wehrung, in welchem dieses Scriptum als einhelliger Ausdruck der Überzeugungen der Fakultät in die Hände der sämtlichen ausländischen Theologieprofessoren gelegt wird.
Ich wurde am Dienstag früh von Pfarrer Jacobi1 in Berlin Hals über Kopf dorthin berufen zur Beratung über die durch den bekannten Sportpalastskandal geschaffene neue Lage.2 Wollen Sie Herrn von Soden sagen,
140 1. daß es mir wünschenswert erscheint, daß unsere Erklärung möglichst bald erscheint. Die Reichskirchenregierung hat sich ja nun plötzlich in die Toga der Orthodoxie gehüllt3, und gerade in diesem Zustand sollte sie nun von uns begrüßt werden.
2. daß ich den am Sonntag mehrfach erwähnten «Brüderrat» des Pfarrernotbundes aus der Nähe kennen gelernt habe und zu diesem Gremium, besonders auch zu seinem Führer Niemöller4 sehr wenig Vertrauen gewinnen konnte. Wenn das etwa nach einem Sturz der D. C.- Herrlichkeit die zukünftigen Bischöfe werden sollten, so wird wenig geholfen sein.
Unter den Marburger Kollegen, die nachträglich lieber nicht mit unterschreiben wollen, ist hoffentlich Herr Wünsch.5 Er ist der einzige, mit dem ich meinerseits nicht allzu gerne Schulter an Schulter an die Öffentlichkeit trete.
Mit freundlichem Gruß!