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Es tut mir herzlich leid, Ihre Bitte abzuschlagen, aber ich kann nicht anders. Denn 1.)
bin ich über die Vorgänge in Halle nicht orientiert (eine Presse-Notiz und das kurze Referat Ihrer
Kundgebung widersprechen sich schon; natürlich akzeptiere ich Ihr Referat, würde aber doch
gerne genauer orientiert sein sowohl über Dehns
Verhalten in der ganzen Sache wie über den Wortlaut der Aufforderung der Hallenser Studenten). Und 2.) ist es mir unmöglich,
mich mit Dehn persönlich und sachlich solidarisch zu erklären. Diese allgemeine und
weitgehende Formulie|130rung würde ja besagen, daß ich
Dehns theologische Haltung bejahe; und das kann ich, soweit sie mir bekannt ist,
schlechterdings nicht tun. Die Erklärung würde weiter besagen, daß ich Dehns Berufung in
eine praktische Professur bejahe, — und dagegen habe ich von Anfang an die stärksten
Bedenken gehabt. Ich habe schon seine Berufung nach Heidelberg für einen schweren Fehler gehalten (ungeachtet, daß ich
angesichts des Verlaufs der Sache dort zu Dibelius stehe gegen die andere Fakultät)1 und hielt die Berufung nach Halle für eine Torheit. Soweit ich die
Sache auf Grund meiner Kenntnis von außen beurteilen kann, frage ich mich, ob Dehn den Ruf nicht hätte ablehnen sollen.
Nun bin ich aber mit Ihnen darin ganz einig, daß ich die Hallenser Demonstration ablehne, die ja zweifellos aus
politischen Motiven erfolgt ist, und ebenso darin, daß ich meine, man
sollte in dieser Situation etwas tun. Wenn Sie und K. L.
Schmidt Ihrerseits einverstanden sind, daß die Erklärung anders formuliert
wird, so mache ich gerne mit und werde von Marburg noch mehr Unterschriften gewinnen. Vielleicht genügt zu sagen «…
erklären hiermit, daß sie sich mit dem Verhalten D. Dehns
in dieser Berufungs-Angelegenheit solidarisch erklären». Dazu müßte ich
freilich noch genauer orientiert sein. Aber das wird Ihnen nicht genügen. Kann man nicht
negativ formulieren: «…, daß sie das Verhalten jener Studentengruppe als unsachgemäß
verurteilen und es für eine grobe Verletzung des akademischen Geistes halten, aus
politischen Gründen die Lehrfreiheit eines Professors anzutasten» (oder ähnlich)?
Eile wäre ja not; aber besser eine spätere Erklärung von Vielen als eine frühe von
Wenigen, wenigstens wenn es auf den Eindruck auf die Studentenschaft ankommt, und das tut
es doch wohl.2
131 Bald die Antwort auf Ihren vorigen Brief!3
Mit herzlichem Gruß