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Ihr Brief machte mir Schmerz.1 Daß ich eine private Zusammenkunft vor Ihrem Vortrage vorschlug, beruht einfach darauf, daß Brunner, der als Einziger auf meine
erste Anfrage antwortete2 (Sie, Thurneysen und
Gogarten antworteten gar nicht; sollte etwa
eine Karte an Sie nicht angekommen sein?), mir mitteilte, daß er nur am 25. und 26.
Oktober in Marburg sein könne, — und daß
andrerseits die Zusammenkunft der alten Marburger nur am Montag, den 27. beginnen konnte (nicht meinetwegen,
sondern der Auswärtigen wegen). Nach dem, was Sie schreiben, muß nun ja die Zusammenkunft
der στῦλοι ausfallen bzw. vertagt werden. Ich
werde das gleich Brunner und Thurneysen mitteilen. Natürlich ist es ein böser
Streich, den Gogarten uns gespielt hat, dadurch
daß er plötzlich und unerwartet sein Kommen sowohl für die Zusammenkunft κατ᾽ ἰδίαν3 wie für die größere
absagte. Aber wir können unmöglich um deswillen die ganze Tagung absagen. Die Einladungen
(von denen ich eine einlege4) sind längst versandt; die Anmeldungen
sind eingegangen (Urlaubsgesuche um dieser Tagung willen bei manchen) — das kann nicht
rückgängig gemacht werden, zumal ich auf Reisen bin und erst am 23. oder 24. nach
Marburg zurückkehre.
Daß Sie der Verabredung treu bleiben, haben wir natürlich nicht in der Hand. Ich bitte
Sie sehr, den Teilnehmern nicht die Enttäuschung zu bereiten, daß Sie dann nicht da sind.
Wenn meine früheren Anfragen |112 und Mitteilungen in Ihnen die
Vorstellung erweckten, daß die Hauptsache in Marburg die Zusammenkunft mit Gogarten, Brunner und Thurneysen sei, so muß ich Sie um Entschuldigung
bitten. In meinen Vorstellungen war die Zusammenkunft der alten Marburger mit Ihnen und die Aussprache mit Ihnen ebenso
wichtig, und ich habe in der Erinnerung, daß ich Sie eben dazu in erster Linie gebeten
hatte, — freilich unter der Voraussetzung der Teilnahme Gogartens. Rechnen Sie uns das Ausbleiben Gogartens nicht als Schuld an! Und erwägen Sie, ob es nicht auch fruchtbar
sein könnte, mit uns Marburgern, die wir es
uns seit Jahren wünschen, in ein rechtes Gespräch zu kommen!
Erschreckt hat mich freilich Ihr Satz, daß es einer 14tägigen Vorbereitung bedürfe. Ich
möchte danach glauben, daß Sie sich die Art unseres Zusammenseins nicht ganz richtig
vorstellen. Es geht höchst ungezwungen zu; wir rauchen dabei, sitzen um einen Tisch; ein
Rednerpult gibt es nicht. Ihr «Vortrag» kann also die zwangloseste Form haben! Die Sache,
um die es sich handelt, haben Sie ja oft genug für Ihre Dogmatik durchdacht; können Sie
nicht einfach auf Grund Ihres Dogmatik-Manuskripts einige Thesen formulieren, die Sie dann
gesprächsweise erläutern? Dann kann es Sie doch nicht eine Vorbereitung von 14 Tagen
kosten!
Also bitte, lassen Sie uns nicht im Stich; wir würden das schwer empfinden.
Meine Frau, die mich begleitet, grüßt Sie und die Ihre mit mir!