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Ich begreife und teile Ihren Schmerz, und das gedruckte Programm schaut mich drohend und vorwurfsvoll genug an. Dennoch: nach reiflicher Überlegung kann ich mich nicht entschließen, unter diesen veränderten Umständen, die den Voraussetzungen meiner Zusage von damals wirklich nicht entsprechen, diese aufrecht zu erhalten. Sie wissen, |113 daß ich überhaupt nicht gern auswärtige Vorträge halte. Der Antrieb, Ihnen damals zuzusagen, lag darin, daß ich mich verpflichtet fühlte, mich wegen der Beschwerden, die ich insbesondere Brunner und Gogarten, natürlich auch Ihnen gegenüber, auf dem Herzen habe, Auge in Auge mit denen, die es angeht, zu verantworten. In einem leicht geschürzten Thesenreferat hätte ich das nicht tun können und wollen, sondern es stand mir seit langem die Notwendigkeit einer umfassenden Bearbeitung des ganzen Fragenkomplexes vor Augen, wie ich sie keineswegs aus meinen bisherigen Heften excerpieren kann. Nun der eigentliche Anlaß dazu wegfällt, fehlt es mir einfach am Anlauf, mich hinter diese umfassende Sache zu machen, was ohnehin im Kampf mit einer anderen großen Arbeit geschehen müßte, die mich durch die ganzen Ferien verfolgt hat und die sich immer noch ausgedehnter und schwieriger gestaltet, als ich es vorgesehen hatte.1 Es liegt mir aber auch gar nicht, mit einer lockeren Darbietung, wie Sie vorschlagen, auch nur vor die alten Marburger und neben den sicher schwer bewaffneten Dr. Krüger2 zu treten. Ich wollte auch das entweder recht oder dann lieber gar nicht machen. Quae cum ita sint, lieber gar nicht. Lieber Herr Bultmann, fassen Sie keinen Zorn gegen mich, und erklären Sie auch der «enttäuschten», aber sicher anderweitig zu befriedigenden Versammlung in freundlicher Weise, wie die Dinge gelaufen sind, und daß sie nun eben außer Gogarten auch mich entschuldigen müsse.
Mit herzlichem Gruß