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Die Frage, ob ich schon am 25. und 26. Oktober in Marburg sein könne, ist mir ganz neu. Ich hatte bis jetzt wirklich nur um den 27. gewußt, an dem ich den Vortrag zu halten hätte. Nun Sie mich fragen, muß ich antworten: nein, drei Tage sind mir entschieden zu viel. Ich lebe in einem beständigen Gedränge und habe wirklich Anlaß, mit meiner Zeit noch mehr zu geizen als andere Leute. Würde es denn nicht genügen, wenn man auf den 26. abends nach Marburg käme und dann vor der öffentlichen Versammlung eine tüchtige Nachtsitzung hätte? Freilich leuchtet es mir nicht ganz ein, daß Sie sich die Sache offenbar so gedacht haben: Zusammensein in kleinerem Kreise und dann die größere Versammlung mit meinem Vortrag unter Teilnahme derjenigen Häuptlinge, die eben noch da sein werden. Brunner sagte mir in Zürich, daß er am Montag sicher nicht mehr da sein könne. Thurneysen hat es, wenn er überhaupt kommen kann, ebenfalls sehr eilig. Ich muß schon sagen, daß ich eigentlich erwartet hatte, es werde zu einer intimen Aussprache auch auf Grund meines zu haltenden Vortrages kommen, während bei dieser Aufmachung die Pointe des Vortrags für mich fraglich wird. Allein um der ehemaligen Marburger willen würde ich, offen gestanden, bei allem Respekt vor dieser Corona diese saure Pflicht nicht auf mich genommen haben.1 — Lieber Herr Bultmann, wäre es nicht besser, die ganze Geschichte, Natürliche Theologie und Säulenversammlung, auf ein anderes Jahr zu verschieben, wo dann rechtzeitig auf lange Sicht ein Allen passendes Datum zu vereinbaren und das Verhältnis zwischen der öffentlichen und der privaten Zusammenkunft etwas sinnvoll zu ordnen wäre? Es ist mir auf diese Weise gar nicht wohl bei der Aussicht auf diese Tage. Das kommt freilich auch daher, daß ich den Vortrag durchaus noch nicht habe, wohl aber einen Haufen andere Arbeit, und mich |110 unheimlich freuen würde, wenn ich ihn durch höhere Gewalt für dies Jahr los werden könnte. Lassen Sie es sich doch noch einmal durch den Kopf gehen, ob es nicht im Willen der Vorsehung liegen könnte, daß das ganze Gefecht — es finden ja ohnehin viel zu viel Konferenzen statt in der Welt — für diesmal abgeblasen wird.
Mit herzlichem Gruß
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soeben erhalte ich ein Brieflein von Frau Schlier3, die mich freundlich einladet, bei ihr zu herbergen. Zugleich erfahre ich aber auch von ihr, daß Gogarten nicht kommen wird. Nun wird die Sache wirklich sinnlos für mich. Sie werden sich doch erinnern, daß der ganze Auftrag zu diesem Vortrag an mich erging im Zusammenhang mit unserer Korrespondenz über die dermalige verworrene Lage zwischen den Hauptverantwortlichen von Z.d.Z. Ich hatte mir nie etwas Anderes unter diesem Marburger Anlaß gedacht als eben eine Aussprache mit Ihnen, Brunner, Gogarten, die ich mit meinem zufällig vor dem Forum Ihrer Ehemaligen zu haltenden Vortrag einzuleiten habe. Wenn nun Gogarten gar nicht kommt, Brunner vor meinem Vortrag abreist, Thurneysen wahrscheinlich gleichfalls, ja, was hat es dann für einen Sinn, wenn ich mich nun, wo ich sonst alle Hände voll zu tun habe, für mindestens vierzehn Tage in das Dickicht der Vorbereitung dieses Vortrags stürze? Ich bitte Sie dringend, zu bedenken, daß die Unzufriedenheit, die ich Ihnen gegenüber im letzten Winter äußerte, sich doch entscheidend gerade gegen Gogarten richtet. Wenn er nun nicht kommen kann, so fällt der Anlaß der Tagung dahin und scheint der Wink der Vorsehung entscheidend dahin gegeben zu sein, daß sie ein anderes Jahr stattfinden soll.
Nochmals von Herzen