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Ihr Manuskript traf mich 1 1/2 Stunde, bevor ich von einem kohlbrüggianischen Fabrikanten
im Auto von Göttingen nach Elberfeld entführt wurde, wo ich meine
Anti-Petersoniade ein zweites Mal steigen ließ unter großem Zulauf des rheinischen Klerus
und sonstigen theologisch interessierten Publikums.1 Nun sitze ich schon bald 3 Tage in dem Pfaffen und Wiedertäufernest Münster, das
mir der liebe Gott zunächst als Heimat zugewiesen hat. Es läßt sich wohl leben hier.
Vorläufig muß ich |59 es als Junggeselle tun. Des Verdrusses mit
Verkaufen und Kaufen ist noch immer kein Ende. Bald werde ich Erfahrungen genug gesammelt
haben, um, wenn alle Stricke reißen, selbst Häusermakler werden zu können.
Mit Peterson ist es mir unterdessen so gegangen: mein Vortrag über «Kirche und Theologie»
wurde mir unter den Händen ebenfalls zu einer Auseinandersetzung mit unserm Freund mit den
violetten Strümpfen2. Sie verhält sich zu der
Ihrigen so wie ein weiterer Kreis zu einem engeren bei gleichem Mittelpunkt. Ihre Arbeit
hat den Vorzug größerer Akribie im Einzelnen. Beide sind aber sicher nebeneinander nicht
nur möglich, sondern nützlich, ja notwendig. Merz hat die meinige sofort nach dem 7. Oktober eingefordert und abschreiben
lassen; sie ist vermutlich schon im Druck. Ich habe ihm nun gestern die Ihrige angemeldet
und ihm die Wahl gelassen, sie beide entweder in einer Broschüre oder
gleichzeitig im nächsten Heft von Zw.d.Z. erscheinen zu lassen. Vermutlich wird er das
zweite wählen.3 Kaiser4 läßt sich auf
Broschüren nicht gerne ein, und in Zw.d.Z. wird die Sache sicherer und weiter hin gelesen.
Die Thurneysencitate müssen Sie, eventuell unter Anzeige an den Autor, ruhig stehen lassen. In meinem Römerbrief sind auch ganze halbe Seiten von Thurneysen!!5 Wir sind doch nicht so. Alles in Ihrem Aufsatz ist sehr gut an seinem Platz; nur
eine kleine historische Anmerkung habe ich mir erlaubt. Der lutherische Bekenntnis-Begriff
ist eine merkwürdig schillernde Sache wie die lutherische Dogmatik
überhaupt. In Remscheid, wo ich auch war, hat Loew Ihren Aufsatz gelesen und rief laut: Gut, gut! Der Violette soll
nur zusehen, wie er sich unserem Kreuzverhör entzieht. Auch ich habe ihn so glimpflich als
möglich behandelt, am Anfang sogar einen heftigen Vorstoß gegen die Leute (gemeint:
Stange6, Hirsch, Althaus7 …) gemacht, die ihn mit Totschweigen oder
Gelächter erledigen wollen. Ich sah ihn noch mehrmals |60 in
Göttingen. Wir wurden menschlich wieder gute Freunde, aber der Eindruck, daß W.i.Th?8 einer tollen Caprice
entsprungen ist und (trotz des Ernstes der aufgeworfenen Probleme) ein sträflich
leichtsinnig hingeworfenes Gemächte, verstärkte sich.
Mit herzlichen Grüßen und Wünschen für das Semester
Ich bin neugierig, wie es Gogarten bei seinen
ersten Schritten auf dem akademischen Glatteis gehen wird.9
Ihnen einen einseitig beschriebenen Brief zu schicken10, werde ich mich bei
der Verwendung, die Sie von solchen Scriptis machen, für alle Zeiten schwer hüten.11