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Mit steifen Fingern — denn ich mußte heute zu Rad hin und zurück nach und von
Kirchhain1, wo ich der
Kreis-Pfarrer-Konferenz von der neuesten Forschung erzählen mußte — will ich noch
schnell ein paar Worte an Sie schreiben. Ich bin so überlastet, daß es mir nicht
möglich ist, Ihnen noch ausführlich von meinem Vortrag zu schreiben. Und ich sehe
keine andere Möglichkeit, als daß ich Ihnen meine erste Skizze des Vortrags2 schicke, die sich
freilich je länger je mehr von seiner definitiven Form (die übrigens noch nicht
vorhanden ist) entfernt, z. T. fragmentarisch, z. T. unsinnig ist, aber Ihnen doch
zeigen wird, in welcher Richtung sich meine Gedanken bewegen, und mit welchen
Begriffen ich arbeite. Ich hoffe, einigermaßen lesbar sind die Blätter; von
ungewöhnlichen Abkürzungen gebrauche ich wohl nur «sd» = sondern u. viell.(= eicht).
Vom Manuskript wird sich der mündliche Vortrag zum Schluß wohl besonders in der
Hinsicht entfernen, daß ich den Zusammenhang bzw. die Identität zwischen historischer
(exegetischer) und systematischer Theologie zu zeigen versuche und damit die
Identität zwischen kritischer Exegese und systematischer Theologie,
die im Un|45terschied von der Predigt stets unabgeschlossen, d. h. kritisch ist. Hier wird
vermutlich ein Unterschied zwischen uns zu Tage kommen: der Unterschied von Predigt
und Theologie. Aber das wird wohl nur der Kundige merken; denn Ihren Namen werde ich
nicht nennen. Ich hoffe durchaus, daß wir eine Front bilden werden.
Und wenn Heidegger wirklich mitfährt, wie ich hoffe, so kann Hirsch etwas erleben.
Dies müssen Sie aber streng vertraulich behandeln. Es wäre überhaupt gut, wenn in
Göttingen sich die Kunde, daß H. mitkommt, nicht verbreitet! — Damit wir vor dem
Vortrag am Abend für alle Fälle noch Zeit zur Verständigung haben, werde ich den
D-Zug am Freitag benutzen, der, wenn ich nicht irre, kurz nach 12 [Uhr] in Göttingen
eintrifft; dann müssen Sie mich freilich fürs Mittagessen mit in Kauf nehmen, d. h.
wenn es Ihrer Frau paßt; sonst finde ich in der ‹Krone› oder sonstwo wohl
Nahrung.
Ich freue mich recht auf das Wiedersehen und hoffe auf eine gedeihliche
Auseinandersetzung!
Herzliche Grüße!