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Vielen Dank, daß ich, wie mir Bielfeld schreibt1, vom 6. zum 7. II. bei Ihnen zu Gaste sein kann. Zu Ihrem durch Bielf. vermittelten Vorschlag Folgendes: natürlich will ich alles vermeiden, was Ihnen unzweckmäßig dünkt. Es ist mir also sehr recht, wenn Sie meinen öffentlichen Vortrag2 durch ein Korreferat ergänzen und dann keine Debatte stattfindet. Aber daran wird doch festgehalten, daß am folgenden Tage in kleinem Kreise eine Aussprache stattfindet! Unter dieser Voraussetzung habe ich den Vortrag angenommen; denn ich komme nicht, um meine Weisheit vorzutragen, sondern εἰς λόγον δόσεως καὶ λήμψεως3. Zu |40 diesem Zweck werden mit mir auch einige Marburger Studenten und Heidegger kommen, und uns allen liegt an der Aussprache. — Nun wollen Sie für Ihr Korreferat möglichst bald meinen Vortrag! Ich weiß nicht, ob ich diesen Wunsch erfüllen kann; denn vorläufig existiert er nur in der Form einiger aphoristischer Notizen. Ich werde vor hiesigen und Gießener Kollegen hier am 1. II. über das gleiche Thema reden; vorher kann ich Ihnen jedenfalls nichts senden. Auch nachher habe ich noch genug damit zu tun, kann Ihnen aber wohl, denke ich, eine ausführliche Disposition schicken und hoffe, daß Ihnen das recht ist. Im übrigen werde ich nicht von den mutmaßlichen Differenzen zwischen Ihnen und mir ausgehen, sondern von einem geschichtlichen Rückblick, um die grundsätzliche Frage nach der Möglichkeit des Verständnisses der Geschichte überhaupt zu stellen und dann die Frage einer theologischen Exegese zu erörtern. Die theologische Exegese ist, um in Ihrer Sprache zu reden, eine ‹unmögliche Möglichkeit›4, — so etwa voraussichtlich der Gang meines Referats. Soweit ich im öffentlichen Vortrag auf die Differenzen mit Ihnen komme, wird es voraussichtlich nebenbei geschehen (d. h. sofern es expreß geschieht, denn implicite geschieht es natürlich durchweg; aber wer wird das merken?). — Gestern redete Brunner5 hier über den Menschen im humanistischen und im reformatorischen Sinn. Sehr schwach, geradezu blamabel. Heidegger hat ihn fürchterlich mitgenommen. — Hoffentlich geht es bei Ihnen gut.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus