Pressekonferenz in Amsterdam
PRESSEKONFERENZ IN AMSTERDAM
1948
Vom 22. August bis 4. September 1948 tagte in
Am Tag nach seinem Eröffnungsvortrag wurde Barth an einer auf Englisch geführten Pressekonferenz zu verschiedenen Themen befragt. An
Ein Exemplar des von unbekannter Hand angefertigten und von der Agentur Associated Press verbreiteten englischsprachigen Original-Protokolls der Pressekonferenz wurde
Pressekonferenz, Dienstag, 24. August 1948
Sie sagten gestern, wir seien nicht hier in Amsterdam, um Programme und allgemeine Prinzipien aufzustellen, sondern um konkreten Gehorsam zu praktizieren.9 Ich möchte Sie gerne bitten, bezüglich dieses «konkreten Gehorsams» etwas konkreter zu werden und uns zu sagen, was das konkret bedeutet.
Das ist ein Missverständnis. Ich habe nicht gesagt, wir seien hier in
Was denken Sie über Dr. Dodds gestrigen Vortrag?11
Aus technischen Gründen konnte ich nicht alles verstehen, was Dr.
Ich möchte Dr. Barth fragen, ob er es wirklich so meinte, als er sagte, wir dürften uns nicht darum sorgen, ob die Zahl der Christen zu- oder abnimmt.12
Als Vorsitzender kann ich keine Frage zulassen, die Zweifel daran ausdrückt, ob unsere Redner wirklich meinen, was sie sagen.
Was die allgemeine Frage «Meine ich wirklich, was ich sage?» betrifft, so möchte ich sie nicht beantworten, aber ich denke, ich werde die konkrete Frage beantworten, die mir gestellt wurde. Was ich gesagt ist habe, ist nur das, was die Bibel und insbesondere das |42 Neue Testament sagen. Wir finden dort kein Wort darüber, dass die Zahl der Christen stets zunimmt, bis sich jeder Christ nennt. Im Gegenteil, die Bibel und das Neue Testament sagen vielmehr, es könne auch nur eine kleine Herde sein [vgl.
Sie haben in ihrem Vortrag Rom und Moskau sehr nah zusammengerückt.14 Ist das nicht recht gewagt und kann zu Fehldeutungen führen? Was denken Sie über den enzyklischen15 Brief der römisch-katholischen Bischöfe, der in den katholischen Kirchen der Niederlande am letzten Sonntag verlesen wurde und der die Amsterdamer Konferenz betrifft?16
Um die zweite Frage zuerst zu beantworten, kann ich nur sagen, dass ich diesen Brief noch nicht gesehen habe. Und zur ersten Frage möchte ich sagen: «Nicht ich bin es, der Rom und Moskau eng zusammengerückt hat». Sie haben es selbst getan, indem sie die Einladung zur
Sie sagten, Sie seien erstaunt, dass in all den Dokumenten der dritten Sektion kein Wort zu den Problemen des Privateigentums, des Geldes, des Kapitals und so weiter zu finden sei.17 Wussten Sie nicht, dass diese Frage als so wichtig angesehen wird, dass sie in einem eigenen Band behandelt werden soll?
Ich muss die Dokumente kommentieren, die wir bekommen haben. Ich habe all die Papiere in den vier Bänden, die wir im letzten Jahr erhalten haben, sehr ernsthaft studiert und kann nicht umhin, heute zu wiederholen, was ich gestern gesagt habe. Ich finde es ziemlich erstaunlich, dass es einen ganzen Band von Papieren über die gesellschaftliche Ordnung und Unordnung in der Welt gibt,18 in dem das Problem des Privateigentums und so weiter nicht behandelt wird. Das ist, was ich sagen wollte, und ich denke, es sollte wirklich behandelt werden.
Denken Sie nicht, dass diese Spezialfragen beiseitegelassen wurden, weil sie in den Dokumenten der
Wir leben nicht mehr im Jahr 1937, sondern im Jahr 1948. Die Frage stellt sich heute in einer neuen Weise, in neuen Umständen und in einem neuen Kontext. Ich bin nicht der Meinung, dass man einfach auf Antworten verweisen kann, die vor elf Jahren gegeben wurden. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man über soziale Fragen sprechen kann, ohne dieses Thema ernsthaft zu berücksichtigen.
Vielleicht darf ich als Vorsitzender der Studienkommission etwas dazu sagen. Ich verstehe nicht ganz, was Dr. Barth meint, denn ich denke, dass es in diesem Band viele Bezüge auf Geld, Eigentum, Kapital usw. gibt. Ich denke, wenn man einen Rotstift nähme und durch den englischen Text ginge, fände man jedes dieser Wörter zehn oder zwölf Mal.
Um deutlich zu machen, was ich meine, möchte ich Folgendes sagen: Wenn sich hier zum ersten Mal in der Geschichte die gesamte Christenheit trifft, um über die Frage der gesellschaftlichen Ordnung und Unordnung in der Welt zu sprechen, dann sollte die Botschaft einer solchen Versammlung die Qualität und die Tiefe des Kommunistischen Manifests von 1848 haben.21 An diesem Vergleich wird die Welt abwägen und messen, was wir sagen. Es reicht daher meiner Meinung nach nicht, wenn das Wort «Geld» in diesem Band zwölfmal vorkommt und das Wort «Eigentum» zehnmal. Was wir brauchen, ist eine grundlegende Antwort auf die Herausforderung, vor die der Sozialismus und der Kommunismus uns stellen. Was wir im dritten Band finden, ist lediglich ein soziologischer Aufsatz, aber keine echte Antwort auf das Problem des Kommunismus. Wenn wir den Ernst dieser Herausforderung nicht begreifen, dann wird unsere Antwort auf der anderen Seite, d. h. der sozialistischen und kommu|45nistischen Seite, sicherlich nicht gehört werden. Lassen Sie mich nur ein Wort hinzufügen. Ich habe nicht gesagt und denke auch nicht, dass ich selbst in der Lage wäre, die Antwort zu geben, die wir brauchen, und ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob die Kirche von heute dazu in der Lage ist, aber ich bin ganz davon überzeugt, dass wir, wenn wir zur Frage der gesellschaftlichen Ordnung sprechen wollen, eine Antwort auf die Probleme geben müssen, die der Sozialismus und der Kommunismus in unserer Zeit aufwerfen.