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        <title type="volume" n="vol-57">Gespräche 1948–1952</title>
        <title type="content">Pressekonferenz in Amsterdam</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Pressekonferenz in Amsterdam, in: Gespräche 1948–1952, 24. August 1948</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/57007 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Gespräche 1948–1952, hrsg. v. Pfenninger, Michael (Gesamtausgabe, Abt. IV), Zürich 2025, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/57007</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Gespräche 1948–1952</title>
          <title type="text">Pressekonferenz in Amsterdam</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Pfenninger, Michael</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2025</date>
          <!--position within a volume-->
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): , [Protokoll:] Press Conference Tuesday August 24th, 1948, 24. August 1948. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/90712">KBA 44800</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1948-08-24">24. August 1948</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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              <head type="sub">5</head> 
                <head>PRESSEKONFERENZ IN AMSTERDAM</head>
                
                    <head>1948</head>
                    <div type="abstract">
                    <p>Vom <date to="1948-09-04" from="1948-08-22">22. August bis 4. September 1948</date> tagte in <placeName ref="kbga-places-82">Amsterdam</placeName> die <orgName ref="kbga-actors-10502">Weltkirchenkonferenz</orgName>, an der es zur Gründung des <orgName ref="kbga-actors-6077">Ökumenischen Rates der Kirchen</orgName> kam. Sowohl im Vorfeld als auch auf der Tagung selbst war <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> prominent beteiligt: Er nahm mit einer eigenen Ausarbeitung an einer der vier die Gegenstände der Tagung vorbereitenden Kommissionen teil,<note xml:id="n01">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5562"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche – die lebendige Gemeinde des lebendigen Herrn Jesus Christus</hi>, in: <hi rend="italic">Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan</hi>, Bd. 1: <hi rend="italic">Die Kirche in Gottes Heilsplan. Oekumenische Studien</hi>, durchgeführt unter den Auspizien des Oekumenischen Rates der Kirchen und herausgegeben von der Studienkommission des Oekumenischen Rates in Genf, Genf 1948, S. 71–79</bibl>.</note> hielt am <date when="1948-08-23">23. August</date> den Eröffnungsvortrag<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-5564"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan. Vortrag, gehalten an der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam, 23. August 1948</hi>, Zollikon-Zürich 1948</bibl>.</note> sowie am <date when="1948-09-01">1. September</date> einen weiteren Vortrag vor den in Amsterdam anwesenden Reformierten.<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-5565"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName><hi rend="italic">, Unsere reformierten Kirchen und der Weltrat der Kirchen. Ansprache Karl Barths bei einer Sonderversammlung der Reformierten in Amsterdam am 1. September 1948</hi>, in: K. Barth / <persName ref="kbga-actors-3154">J. Daniélou</persName> / <persName ref="kbga-actors-297">R. Niebuhr</persName>, <hi rend="italic">Amsterdamer Fragen und Antworten</hi> (ThExh.NF 15), München 1949, S. 11–15</bibl>.</note> Außerdem wirkte er in zwei Arbeitsgruppen mit: In der von ihm mit vorbereiteten Sektion I: «Die Kirche in Gottes Heilsplan» und in einer Unterabteilung des Komitees IV mit dem Thema «Leben und Arbeit der Frauen in der Kirche».<note xml:id="n04">Zu <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Wirken in <placeName ref="kbga-places-82">Amsterdam</placeName> vgl. ausführlich <bibl corresp="kbga-bibls-310">Th. Herwig, <hi rend="italic">Karl Barth und die Ökumenische Bewegung. Das Gespräch zwischen Karl Barth und Willem Adolf Visser ’t Hooft auf der Grundlage ihres Briefwechsels 1930–1968</hi>, Neukirchen-Vluyn 1998, S. 128–194</bibl>.</note>
                    </p>
                    <p>Am Tag nach seinem Eröffnungsvortrag wurde Barth an einer auf Englisch geführten Pressekonferenz zu verschiedenen Themen befragt. An <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> schrieb er: «Gestern nach der Vormittagssitzung<note xml:id="n05">Gemeint ist eine Sitzung der Sektion I.</note> musste ich in das Kreuzfeuer einer Pressekonfe<pb xml:id="p040" ed="pga" break="no"/>renz (mehr als 100 Leute!), die mich nicht nur again and again photographierten, sondern mir auch ergänzende Fragen stellten. <orgName ref="kbga-actors-10503">Associated Press</orgName> hat das Gespräch korrekt und gut formuliert wiedergegeben. [...] Ein Sowjetkorrespondent ist übrigens auch auf dem Plan und war gestern in der Pressekonferenz, wo ich wegen der Stelle über Eigentum, Kapital etc. befragt wurde!»<note xml:id="n06">Postkarte <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> vom <date when="1948-08-25">25.8.1948</date> (<idno type="kba-objects-identifier">KBA 9272.291</idno>); vgl. die Abschrift in <idno type="kba-objects-identifier">KBA 9248.239</idno>.</note>
                    </p>
                    <p>Ein Exemplar des von unbekannter Hand angefertigten und von der Agentur <orgName ref="kbga-actors-10503">Associated Press</orgName> verbreiteten englischsprachigen Original-Protokolls der Pressekonferenz wurde <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> übermittelt.<note xml:id="n07"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 44800</idno>; Typoskript, 4 Seiten.</note> Im Folgenden wird als Editionstext eine deutsche Übersetzung dieses Protokolls wiedergegeben; die englischsprachige Original-Version findet sich im Anhang des Bandes.<note xml:id="n08">Siehe unten, <ref type="pub" target="../volume/57/p415#p415">S. 415–417</ref>.</note>
                    </p>
                </div>
                <div>
                
                    <head>Pressekonferenz, Dienstag, <date when="1948-08-24">24. August 1948</date></head>

                    <sp>
                        <speaker>Erste Frage:</speaker> 
                        <p>Sie sagten gestern, wir seien nicht hier in Amsterdam, um Programme und allgemeine Prinzipien aufzustellen, sondern um konkreten <term ref="kbga-terms-376">Gehorsam</term> zu praktizieren.<note xml:id="n09">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5564"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Unordnung</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n02">Anm. 2</ref>), S. 19</bibl>: «Es wird […] das Reich, das wir der Welt anzeigen, das Reich <hi rend="italic">Gottes</hi> und nicht das Reich irgendwelcher von uns für gut gehaltenen Ideen und Prinzipien sein müssen. Unser Ja und unser Nein zum Tun der Gesellschaft und der Staaten sei das Ja oder Nein des Evangeliums und nicht das Ja oder Nein irgendeines Gesetzes! Wir werden uns auf nichts als auf den Gehorsam gegen die konkreten Gebote des lebendigen gegenwärtigen Herrn Jesus Christus festlegen können.»</note> Ich möchte Sie gerne bitten, bezüglich dieses «konkreten Gehorsams» etwas konkreter zu werden und uns zu sagen, was das konkret bedeutet.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> <p>Das ist ein Missverständnis. Ich habe nicht gesagt, wir seien hier in <placeName ref="kbga-places-82">Amsterdam</placeName>, um konkreten Gehorsam zu <hi rend="italic">praktizieren</hi>, sondern um uns darin zu üben, konkret <term ref="kbga-terms-376">gehorsam</term> zu sein. Wir kommen hier in Amsterdam als Christen zusammen, die in sehr unterschiedlichen Situationen leben, und wir sind hier, um einander zu hören und voneinander zu lernen, wie wir uns unter diesen Umstän<pb xml:id="p041" ed="pga" break="no"/>den verhalten sollen. Ich bin absolut gegen allgemeine Prinzipien.<note xml:id="n10"> Dieser Satz ist in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> <idno type="kba-objects-identifier">Protokoll-Exemplar</idno> handschriftlich unterstrichen.</note> Wir müssen uns immer hic et nunc <term ref="kbga-terms-26">entscheiden</term>, im Moment und in der Situation, in der wir uns befinden, aber ich denke, wir haben voneinander zu lernen, was es wirklich heißt, gehorsam zu sein.</p>
                    </sp>
                    <p><lb/></p>
                    <sp>
                        <speaker>Zweite Frage:</speaker> <p>Was denken Sie über Dr. Dodds gestrigen Vortrag?<note xml:id="n11"><persName ref="kbga-actors-3161">Charles Harold Dodd</persName> (1884–1973), britischer kongregationalistischer Theologe, 1935–1949 Prof. für Neues Testament an der Universität Cambridge. Dodd sprach am <date when="1948-08-23">23. August 1948</date> anschließend an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ebenfalls zum Thema «Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan»; sein Vortrag ist zusammengefasst in: <bibl corresp="kbga-bibls-5566"><hi rend="italic">Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan</hi>, Bd. 5: <hi rend="italic">Die erste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen</hi>, hrsg. von W. A. Visser ’t Hooft, Genf 1948, S. 38f.</bibl></note></p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> <p>Aus technischen Gründen konnte ich nicht alles verstehen, was Dr. <persName ref="kbga-actors-3161">Dodd</persName> sagte, aber ich glaube sagen zu können, dass wir uns ziemlich nahe sind. Dr. Dodd verwendet eine ganz andere theologische Sprache und kommt von einem sehr anderen theologischen Hintergrund und einer anderen Tradition her, aber ich habe den Eindruck, dass wir eigentlich nicht sehr weit voneinander entfernt sind.</p>
                    </sp>
                     <p><lb/></p>
                    <sp>
                        <speaker>Dritte Frage:</speaker> <p>Ich möchte Dr. Barth fragen, ob er es wirklich so meinte, als er sagte, wir dürften uns nicht darum sorgen, ob die Zahl der Christen zu- oder abnimmt.<note xml:id="n12">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5564"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Unordnung</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n02">Anm. 2</ref>), S. 17</bibl>: «was könnten wir eigentlich dagegen einzuwenden haben, wenn es Gott nun eben gefallen sollte, sein Werk nicht in einer weiteren zahlenmäßigen Vermehrung, sondern umgekehrt in einer energischen zahlenmäßigen Verminderung der sogenannten Christenheit weiter und seinem Ziele entgegenzuführen?»</note></p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-10505">Taft</persName><note xml:id="n13"><persName ref="kbga-actors-10505">Charles P. Taft</persName> (1897–1983), US-amerikanischer Politiker; ab 1947 Präsident des Federal Council of the Churches of Christ in America, 1948 Mitglied im Vorläufigen Ausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen.</note>
                      </speaker> <stage>(lächelnd):</stage>
                       <p> Als Vorsitzender kann ich keine Frage zulassen, die Zweifel daran ausdrückt, ob unsere Redner wirklich meinen, was sie sagen.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker><p> Was die allgemeine Frage «Meine ich wirklich, was ich sage?» betrifft, so möchte ich sie nicht beantworten, aber ich denke, ich werde die konkrete Frage beantworten, die mir gestellt wurde. Was ich gesagt ist habe, ist nur das, was die Bibel und insbesondere das <pb xml:id="p042" ed="pga"/> Neue Testament sagen. Wir finden dort kein Wort darüber, dass die <term ref="kbga-terms-2090">Zahl der Christen</term> stets zunimmt, bis sich jeder Christ nennt. Im Gegenteil, die Bibel und das Neue Testament sagen vielmehr, es könne auch nur eine kleine Herde sein [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.12.32">Lk. 12,32</ref>]. Ich wollte Ihre Aufmerksamkeit auf diese Tatsache lenken und sie angesichts des weit verbreiteten Optimismus bezüglich der <term ref="kbga-terms-2089">Zukunft des Christentums</term> betonen. Ich bin kein Prophet. Ich sage nicht, dass die Zahl zurückgehen wird. Ich sage nur, dass uns die Bibel dazu bringt, mit kleinen Zahlen zu rechnen und uns nicht allzu sehr um sie zu kümmern.</p>
                    </sp>
                     <p><lb/></p>
                    <sp>
                        <speaker>Vierte Frage:</speaker><p> Sie haben in ihrem Vortrag Rom und Moskau sehr nah zusammengerückt.<note xml:id="n14">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5564"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Unordnung</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n02">Amm. 2</ref>), S. 13f.</bibl>: «Möchte uns diese Freiheit dann auch das bedeuten, daß das Seufzen oder die Entrüstung über die Absagen, die wir von den Kirchen von <hi rend="italic">Rom</hi> und von <hi rend="italic">Moskau</hi> erhalten haben, in den Verhandlungen unserer ersten Sektion einen möglichst geringen Raum einnimmt! Warum sollten wir in diesen Absagen nicht schlicht die gewaltige Hand Gottes über uns erkennen? Er gibt uns damit vielleicht ein Zeichen, durch das er uns jeden Wahn nehmen will, als könnten wir hier einen Turm bauen, dessen Spitze bis zum Himmel reicht. […] Und er stellt uns vielleicht gerade damit an einen sehr <hi rend="italic">guten</hi> Ort, daß ausgerechnet <hi rend="italic">Rom</hi> und <hi rend="italic">Moskau</hi> darin einig zu sein scheinen, daß sie von uns nichts wissen wollen. Ich schlage vor, daß wir Gott nun eben auch darin loben und danken wollen, daß es Ihm gefällt, unsern Plänen in so deutlicher Weise in den Weg zu treten!»</note> Ist das nicht recht gewagt und kann zu Fehldeutungen führen? Was denken Sie über den enzyklischen<note xml:id="n15">Im Original fälschlich: «encyclopical» («enzyklopädisch»).</note> Brief der römisch-katholischen Bischöfe, der in den katholischen Kirchen der Niederlande am letzten Sonntag verlesen wurde und der die Amsterdamer Konferenz betrifft?<note xml:id="n16">Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-5567">O. Str. Tomkins, <hi rend="italic">Die Römisch-Katholische Kirche und die ökumenische Bewegung. 1910–1948</hi>, in: R. Rouse / St. Ch. Neill<hi rend="italic">, Geschichte der Ökumenischen Bewegung 1517–1948</hi>, Zweiter Teil (Theologie der Ökumene, Bd. 6), Göttingen 1958, S. 359–384, hier S. 378</bibl>: «Am Sonntag, dem 22. August, während die Vollversammlung tagte, wurde ein Hirtenbrief der römisch-katholischen Bischöfe Hollands in allen ihren Kirchen verlesen. Er legte sorgsam den Grund dar, warum die römisch-katholische Kirche sich nicht an einer solchen Weltkonferenz beteiligen könne. ‹Dieses Abseitsstehen ist nicht in irgendeiner Furcht begründet, Prestige zu verlieren›, sagte der Hirtenbrief und schloß mit einem dringenden Ruf an alle Priester und Gläubigen, sich während jener Tage im Gebet für alle Teilnehmer der Vollversammlung und für die vielen anderen nichtkatholischen Christen zu vereinigen, ‹die liebend nach Einheit suchen, die wahrhaft Christus folgen und in seiner Liebe leben und die, obwohl getrennt von der Herde Christi, doch nach der Kirche, mag es auch oft unbewußt geschehen, als nach dem einzigen rettenden Hafen ausschauen›.»</note> </p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p043" ed="pga" rend="noPipe"/>  <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker><p> Um die zweite Frage zuerst zu beantworten, kann ich nur sagen, dass ich diesen Brief noch nicht gesehen habe. Und zur ersten Frage möchte ich sagen: «Nicht ich bin es, der <term ref="kbga-terms-190">Rom</term> und <term ref="kbga-terms-2091">Moskau</term> eng zusammengerückt hat». Sie haben es selbst getan, indem sie die Einladung zur <orgName ref="kbga-actors-10502">Amsterdamer Konferenz</orgName> abgelehnt haben. Alles, was ich getan habe, war, diese bemerkenswerte Tatsache zu kommentieren.</p>
                    </sp>
                     <p><lb/></p>
                    <sp>
                        <speaker>Fünfte Frage:</speaker> <p>Sie sagten, Sie seien erstaunt, dass in all den Dokumenten der dritten Sektion kein Wort zu den Problemen des Privateigentums, des Geldes, des Kapitals und so weiter zu finden sei.<note xml:id="n17">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5564"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Unordnung</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n02">Anm. 2</ref>), S. 20</bibl>: «Darf man sich nicht wundern, daß der ganze Problemkreis des Eigentums, des Grundbesitzes und der Grundrente, des Kapitals, des Zinses und des Geldes überhaupt im dritten und vierten Band unseres Vorbereitungsmaterials, als wäre dieser Bereich tabu, nicht einmal angerührt, geschweige denn diskutiert und bearbeitet wird?»</note> Wussten Sie nicht, dass diese Frage als so wichtig angesehen wird, dass sie in einem eigenen Band behandelt werden soll?</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> <p>Ich muss die Dokumente kommentieren, die wir bekommen haben. Ich habe all die Papiere in den vier Bänden, die wir im letzten Jahr erhalten haben, sehr ernsthaft studiert und kann nicht umhin, heute zu wiederholen, was ich gestern gesagt habe. Ich finde es ziemlich erstaunlich, dass es einen ganzen Band von Papieren über die gesellschaftliche Ordnung und Unordnung in der Welt gibt,<note xml:id="n18"><bibl corresp="kbga-bibls-5672"><hi rend="italic">Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan</hi>, Bd. 3: <hi rend="italic">Die Kirche und die Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung. Oekumenische Studien</hi>, durchgeführt unter den Auspizien des oekumenischen Rates der Kirchen und herausgegeben von der Studienkommission des Oekumenischen Rates in Genf, Zürich 1948</bibl>.</note> in dem das Problem des <term ref="kbga-terms-1663">Privateigentums</term> und so weiter nicht behandelt wird. Das ist, was ich sagen wollte, und ich denke, es sollte wirklich behandelt werden.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-10505">Taft</persName>:</speaker><p> Denken Sie nicht, dass diese Spezialfragen beiseitegelassen wurden, weil sie in den Dokumenten der <orgName ref="kbga-actors-8609">Konferenz zu Kirchengemeinschaft und Staat in Oxford 1937</orgName> und im Bericht dieser Konferenz sehr ausführlich behandelt wurden?<note xml:id="n19">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-808"><hi rend="italic">Kirche und Welt in ökumenischer Sicht. Bericht der Weltkirchenkonferenz von Oxford über Kirche, Volk und Staat,</hi> hrsg. von der Forschungsabteilung des Oekumenischen Rates für Praktisches Christentum, Genf 1938, dort S. 158–199</bibl> den Abschnitt «Kirche, Volk und Staat in ihrer Beziehung zur Wirtschaftsordnung».</note></p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><pb xml:id="p044" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker><p> Wir leben nicht mehr im Jahr 1937, sondern im Jahr 1948. Die Frage stellt sich heute in einer neuen Weise, in neuen Umständen und in einem neuen Kontext. Ich bin nicht der Meinung, dass man einfach auf Antworten verweisen kann, die vor elf Jahren gegeben wurden. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man über <term ref="kbga-terms-1477">soziale Fragen</term> sprechen kann, ohne dieses Thema ernsthaft zu berücksichtigen.</p>
                    </sp>
                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-10506">Van Dusen</persName>:<note xml:id="n20"> <persName ref="kbga-actors-10506">Henry P. Van Dusen</persName> (1897–1975), US-amerikanischer presbyterianischer Theologe, 1926 Dozent am Union Theological Seminary in New York, ab 1945 dessen Präsident. Van Dusen nahm als Vertreter der <orgName ref="kbga-actors-10559">Presbyterianischen Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika</orgName> an der <orgName ref="kbga-actors-10502">Weltkirchenkonferenz</orgName> teil und war Vorsitzender der Ökumenischen Studienkommission.</note></speaker>
                        <p> Vielleicht darf ich als Vorsitzender der Studienkommission etwas dazu sagen. Ich verstehe nicht ganz, was Dr. Barth meint, denn ich denke, dass es in diesem Band viele Bezüge auf Geld, Eigentum, Kapital usw. gibt. Ich denke, wenn man einen Rotstift nähme und durch den englischen Text ginge, fände man jedes dieser Wörter zehn oder zwölf Mal.</p>
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                    <sp>
                        <speaker><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>:</speaker> <p>Um deutlich zu machen, was ich meine, möchte ich Folgendes sagen: Wenn sich hier zum ersten Mal in der Geschichte die gesamte Christenheit trifft, um über die Frage der <term ref="kbga-terms-380">gesellschaftlichen</term> Ordnung und Unordnung in der Welt zu sprechen, dann sollte die Botschaft einer solchen Versammlung die Qualität und die Tiefe des <term ref="kbga-terms-2093">Kommunistischen Manifests</term> von 1848 haben.<note xml:id="n21"><bibl corresp="kbga-bibls-5571"><persName ref="kbga-actors-267">K. Marx</persName> / <persName ref="kbga-actors-2021">Fr. Engels</persName>, <hi rend="italic">Manifest der Kommunistischen Partei</hi> (1848), in: MEW 4, Berlin[-Ost] 1959, S. 459–493</bibl>.</note> An diesem Vergleich wird die Welt abwägen und messen, was wir sagen. Es reicht daher meiner Meinung nach nicht, wenn das Wort «<term ref="kbga-terms-1462">Geld</term>» in diesem Band zwölfmal vorkommt und das Wort «<term ref="kbga-terms-1663">Eigentum</term>» zehnmal. Was wir brauchen, ist eine grundlegende Antwort auf die Herausforderung, vor die der <term ref="kbga-terms-437">Sozialismus</term> und der <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> uns stellen. Was wir im dritten Band finden, ist lediglich ein soziologischer Aufsatz, aber keine echte Antwort auf das Problem des Kommunismus. Wenn wir den Ernst dieser Herausforderung nicht begreifen, dann wird unsere Antwort auf der anderen Seite, d. h. der sozialistischen und kommu<pb xml:id="p045" ed="pga" break="no"/>nistischen Seite, sicherlich nicht gehört werden. Lassen Sie mich nur ein Wort hinzufügen. Ich habe nicht gesagt und denke auch nicht, dass ich selbst in der Lage wäre, die Antwort zu geben, die wir brauchen, und ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob die Kirche von heute dazu in der Lage ist, aber ich bin ganz davon überzeugt, dass wir, wenn wir zur Frage der <term ref="kbga-terms-2007">gesellschaftlichen Ordnung</term> sprechen wollen, eine Antwort auf die Probleme geben müssen, die der <term ref="kbga-terms-437">Sozialismus</term> und der <term ref="kbga-terms-880">Kommunismus</term> in unserer Zeit aufwerfen.</p>
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