Predigt: Jakobus 5,7-8
Wie kommt die Mahnung zur Geduld in diese schöne Weihnachtszeit? Gewiss haben Viele von euch heute etwas ganz Anderes erwartet. Man könnte sagen, es sei so gar nichts Festliches in diesem nüchternen Wort: Seid geduldig! und neben dem großen Weihnachtsevangelium könnte einem diese Belehrung fast nebensächlich erscheinen. Aber ich glaube, wir wollen uns das besser überlegen. Wenn wir uns gut besinnen, müssen wir uns sagen, dass die Geduld durchaus nichts Nebensächliches ist, sondern etwas sehr Großes und Weites, in dem viel Anderes enthalten ist. Und auch das ist nicht wahr, dass diese Mahnung nicht passe zu der Weihnachtsfreude und Weihnachtsstimmung, die uns jetzt stärker oder schwächer Alle erfüllt. Oder habt ihr nicht auch etwas gespürt von dem festlichen, gehobenen, geheimnisvoll freudigen Ton, in dem
Es gibt ja so Viele und sicher auch unter uns, die können gerade die Weihnacht nie so recht aus ganzem Herzen mitfeiern. Nicht aus Gleichgiltigkeit, im Gegenteil, sie empfinden eine tiefe Sehnsucht: wenn ich mich doch auch so recht freuen könnte über die Botschaft: |575 Christ ist geboren!1 Sie haben wie eine Art Heimweh nach der Weihnachtsfreude ihrer Kinderzeit, die sie jetzt vielleicht an ihren eigenen Kindern wieder wahrnehmen. Aber sie selber kommen nicht dazu. Es ist auch nicht Unglaube, wenigstens nicht das, was man gewöhnlich so nennt. Sie wissen, dass es etwas Schönes und Großes ist, was uns die Weihnacht bringt, die Kunde, dass Gott sich unser annehmen will, dass er uns einen Führer und Heiland gesandt, der uns von Sünde und Tod befreien soll. Sie ahnen etwas von dem großen Licht, das da auch in ihr Leben hineinleuchten will. Aber es scheint in Wirklichkeit nicht für sie. Sie fühlen sich vom Heiland wie getrennt, und alle Weihnachtslieder und Weihnachtslichter können daran nichts ändern. Es ist etwas zwischen ihnen und Gott, der sie berühren möchte. |
Freilich nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern im Grunde immer. Ich las jüngst die Lebensbeschreibung eines jungen Mannes, mit dem ich noch Student gewesen bin und der dann durch Selbstmord geendigt hat.2 Es heißt dort von ihm, er habe eigentlich immer gelebt wie unter einer Glasglocke, er habe wohl Alles gesehen, was um ihn her vorgegangen sei, und habe sich seine Gedanken darüber gemacht, aber die Wellen des Lebens hätten ihn nie selbst berührt, er habe nichts wirklich erlebt, sondern er sei immer abgetrennt, einsam gewesen innerlich, wie in einer Gefängniszelle, obwohl es ihm durchaus nicht an Menschen fehlte, die ihm nahe standen und die ihn liebten. Aber er konnte sie nicht lieben, er konnte sich überhaupt nirgends gänzlich hingeben, er verdurstete, nicht aus Mangel an Wasser, aber weil er nicht trinken konnte. Das wurde zur tiefsten Ursache seines Untergangs. Es gibt viele solche Menschen. Wir haben uns wohl Alle schon zu Zeiten so unter der abschließenden Glasglocke gefühlt, so dass wir wohl sehen, aber nicht zugreifen und empfangen konnten. Und in der fröhlichen, seligen Weihnachtszeit empfindet man es dann besonders schmerzlich, so abgeschlossen zu sein. Die Ursache eines so traurigen Zustandes liegt immer darin, dass wir keine Geduld haben. Es hat sich irgend etwas zwischen Gott und uns hineingeschoben, so dass wir ihn eine Weile nicht mehr zu sehen vermögen, so dass seine Hand uns |576 gleichsam einen Augenblick loslässt. So etwas kommt wirklich oft vor im Leben, eine Art Entfernung, Entfremdung von Gott und seinen Gütern. |
Auch für die Leser des Jakobusbriefs gab es solche Zeiten, wo sie unter schlechten, mächtigen Leuten und andern Übeln viel zu leiden hatten. Die Sonne Gottes schien sich zu verdunkeln. In solchen Zeiten heißt es: Warten, Ausharren, bis Gott sich über das trennende Hindernis hinweg wieder kundtut: ich bin immer noch da! bis wir seine Stimme wieder zu hören und seine Hand wieder zu fassen vermögen. Darum ermahnt dort
Was ist das, Geduld? Wir wollen nicht an etwas Zahmes, Lahmes denken bei diesem Wort. Es gibt Menschen, die sind zwar träg und unbeweglich und regen sich über nichts auf, aber von der rechten Geduld wissen sie doch gar nichts, und es gibt Andre, die sind lebhaft, |577 feurig, raschen Geistes, und doch sind sie voll von der echten, rechten Geduld. Die Worte, die in der deutschen Bibel übersetzt sind: so seid nun geduldig! lauten eigentlich: so habt nun einen großen Sinn!3 Und an diese Bedeutung wollen wir uns halten. Geduld haben heißt einen großen Sinn, heißt große Gedanken haben. Ungeduld ist immer etwas Kleinliches, Kindisches, Kurzsichtiges. Wir stoßen uns an jenen Hindernissen des Lebens, wir nehmen sie auf, «als widerfahre uns etwas Seltsames», wie es anderswo in der Bibel heißt [
Und nun ist die Geduld, der große Sinn, so recht das Gegenteil davon. Auch wenn wir geduldig sind, spüren wir die Hindernisse, das Peinliche und Schwere des Lebens. Aber wir kleben nicht daran. Wir sehen sie, aber unsre Blicke werden nicht gefangen von ihnen. Wir leiden unter ihnen, aber sie dürfen uns nicht so in Anspruch nehmen, als gäbe es außer ihnen nichts Anderes mehr in der Welt. Wir lassen uns nicht festnageln auf den Gedanken: es geht mir bös! Sondern wir wissen, dass es etwas gibt, das größer und wichtiger ist als das, was uns jetzt so unangenehm vorkommt. Wie man über die Vorberge hinweg die weißen Schneeberge sieht, so sehen wir über das Schmerzliche der Gegenwart hinweg auf das Gute, das uns die Zukunft sicher bringen muss, wenn wir nur in der Gegenwart nicht von Gott lassen. «Wir wissen, dass dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sind, die an uns soll geoffenbart werden», so hat
578 Aber wir können dann noch weiterdenken. Das Gute folgt nicht erst auf das Böse. Wir können zur Einsicht kommen, dass schon das, was uns jetzt böse scheint für uns, uns in Wirklichkeit gut ist. Geduld ist nicht bloß die Aussicht auf eine bessere Zukunft! Die rechte Geduld ist die ernste Anerkennung: Es ist gut so, wie es ist! Nicht als ob wir immer verstehen könnten, warum es gut ist – das können wir in sehr vielen Fällen durchaus nicht. Aber das ist die rechte Geduld, dass wir Alles ansehen mit dem Gedanken, mit der Frage: Wozu ist es gut? statt uns über das Traurige oder Verdrießliche dabei aufzuhalten. Das können wir. Auch im schwersten Unglück fehlt es doch nie an Anzeichen, die Gott uns gibt, damit wir es glauben und behaupten sollen: es ist gut so! Es kommt nur darauf an, dass wir diese Anzeichen wahrnehmen. Es hat Einer das feine Wort ausgesprochen: Jede Wolke hat ihren silbernen Rand.4 Von Gottes Seite ist Alles licht! Ja, das ist’s. Jede Wolke hat ihren silbernen Rand und verrät dadurch, dass hinter ihr etwas Anderes ist, nämlich die leuchtende Sonne. Die Geduld hält sich nicht an die schwarze Wolke, sondern sie späht nach dem silbernen Rand, und wenn er noch so dünn und fein wäre. Er muss da sein. Denn von Gottes Seite ist Alles licht. Das schwarze Dunkel der Wolke ist nur ihre eine Seite. Sie hat eine andre Seite, da ist sie blendend weiß und schön. Das heißt geduldig sein, wenn man fest an die andre Seite denken kann, auch ohne dass man sieht, oder wenn nur eine Andeutung davon, ein silberner Rand von uns aus zu sehen ist. |
Ihr versteht nun, dass die Geduld wirklich in einem großen Sinn besteht. Ja, es braucht einen großen, königlichen, beherrschenden Sinn, um an den Übeln des Lebens nicht anzurennen, sondern darüber hinwegzusehen, von der Gegenwart auf die Zukunft, von dieser Seite auf die andre, sich nicht irre machen zu lassen durch das, was vor Augen ist, sondern sich festzuhalten an dem, was versprochen ist. «Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht dessen, das man hoffet, und |579 nicht zweifeln an dem, was man nicht siehet», heißt es im Hebräerbief [
Und jetzt wollen wir uns Alle fragen, ob wir diese Geduld haben oder wie viel oder wie wenig wir davon haben. Das ist zum Beispiel ein alter Mann,a der noch bis vor Kurzem nicht genug sein Vergnügen am Leben bekunden konnte. Warum? er hatte sich bis in seine alten Tagen eine ziemlich leidliche Gesundheit erhalten. Aber nun hat ihn vielleicht die Influenza betroffen und, weil er schon so alt ist, etwas heftiger als andre. Und nun ist seine Unruhe groß, und er muss studieren und stellt dem lieben Gott eine detaillierte Rechnung auf: ich war immer ein Braver, ich habe immer den Armen Gutes getan, es konnte sich Niemand über mich beklagen, und nun muss es mir so ergehen? Warum? Warum muss gerade ich so krank werden? Das ist Ungeduld. Der bleibt kleben an dem Unangenehmen der Gegenwart und studiert daran, statt darüber hinauszusehen. Wir haben es wohl Alle schon so gemacht, so oder ähnlich. Und ihr wisst, wie man dann mit jedem Seufzer und Gebrumm nur noch tiefer hineinkommt ins Elend. |
Es braucht nicht so zu sein. Ich kenne einen Andern,b der ist auch in hohem Alter und ist gar nicht immer gesund gewesen und hat überhaupt viel Schweres hinter sich. Aber der hat sich eine Stelle aus der Offenbarung Johannes im 7. Kapitel zur Lieblingsstelle gemacht und kann sie auswendig und sagt sie sich laut auf, wenn er krank im Bett liegen muss, jene Stelle, wo die Rede ist von denen, die da kommen aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und helle gemacht im Blute des Lammes, und wo es dann zuletzt heißt: das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu dem lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen! [
Es gibt aber noch andere solche Lebenshindernisse, für die es Geduld braucht, außer Krankheit und anderm Unglück. Eines der schlimmsten sind widrige Menschen. Das sind Hindernisse, über die wir oft einfach nicht wegkommen, vor denen uns die Geduld ausgeht. Da ist Einer und der hat es darauf abgesehen, dir z’Leid zu werken,5 wo er nur kann. Man hat manchmal solch guten Freund. Du weißt, wo er dir etwas ungünstig auslegen kann, da tut er’s sicher, wo er dir einen Stein in den Weg legen kann, da versäumt er es gewiss nicht. Du siehst es ihm förmlich an, wie er darauf passt,6 dir wieder eine Falle zu stellen. Geduld? Und da ist ein Anderer, und bei dem ist’s nicht Bosheit, sondern boshafte Dummheit, die ihn dazu anleitet, irgend etwas Törichtes immer wieder zu sagen und zu machen. Er kann nichts lernen und will nichts vergessen. Vielleicht ist’s nicht nur Einer so, sondern Viele. Und du ringst die Hände und weißt nicht, wo ein und aus. Geduld? Und wieder ein anderer oder eine andere wären nicht so übel, «nicht die Ungeschicktesten», wie man sagt, sie haben allerlei gute Eigenschaften, man kann mit ihnen reden, aber daneben haben sie etwa vier oder fünf furchtbare Vorurteile und Gewohnheiten, über die sie nicht hinwegkommen und vor denen man wieder steht wie vor der Mauer. Wenn man jung ist, flüchtet man sich und sucht sich andre Gesellschaft, wenn man älter wird, geht das nicht mehr so einfach. Man muss miteinander auskommen. Geduld? Ja, woher nehmen! Nichtwahr, wir wissen das, dass wir solchen widrigen Menschen gegenüber die Geduld sehr schnell verlieren. Auch Solche, die Krankheit und anderes wüstere Unglück wirklich geduldig mit großem Sinn und großen Gedanken zu ertragen wissen, auch solche werden oft sehr rasch nervös und aufgeregt und kleinlich, ungeduldig, wenn nun das |581 Hindernis in böswilligen, blöden oder verstockten Mitmenschen besteht. Wir meinen dann manchmal fast ein göttliches Recht zu besitzen, die Geduld wegzuwerfen. Aber dieses Recht besitzen wir in Wirklichkeit durchaus nicht. Sondern wenn irgendwo, so würde es gerade hier gelten, den widrigen Menschen gegenüber einen großen Sinn zu bewähren. Ich erwähnte schon, dass Jakobus seine Leser zur Geduld ermahnen musste gegenüber der Bedrückung, die sie durch große, vornehme Leute erfahren. |
Und jener junge Mann, von dem ich erzählte, der sich zuletzt das Leben nahm, litt gerade daran, dass er sozusagen alle Menschen um sich herum verachtete. Er hatte ein außerordentlich scharfes Auge für Alles, was fehlerhaft und lächerlich war an ihnen, und wo wäre Solches nicht zu finden? Er lebte davon zu kritisieren, zu verspotten, das Gemeine und Hässliche herauszufinden und an den Pranger zu stellen. Daran ist er zu Grunde gegangen. Er verrannte sich in eine gewisse Verachtung der Menschheit und wurde dadurch gefühllos und einsam. Er sah wohl die Hindernisse, aber nicht darüber hinweg. Er sah wohl die Bosheit und Dummheit der Menschen, aber er hatte nicht die Geduld, den großen Sinn, nach dem silbernen Rand der Wolken zu spähen. Und damit strafte der Arme sich selbst. Es ist nicht nötig, dass wir in dieser Sache klein denken, wenn es auch wirklich sehr schwer ist, darin groß zu denken. Aber es ist möglich. Auch den widerwärtigsten Menschen kennen wir doch wohl nur von einer Seite. Er hat auch noch eine innere, eine verborgene Seite, eine Seite gegen Gott zu. Da heißt es nun einen großen Sinn haben und über das Böse hinweg an das Gute an und in einem Menschen glauben und sich über jedes Anzeichen davon freuen und sich beständig nach solchen Anzeichen umsehen. Dazu braucht es viel Selbstüberwindung und in manchen Fällen mag es wohl als ganz unmöglich erscheinen. Aber die Erfahrung ist schon oft gemacht worden, dass die Geduld es gewonnen hat auch den allerungefreutesten7 Mitmenschen gegenüber. Wenn man groß von ihnen denkt, kann man das Gute gleichsam aus ihnen hervorholen, fast gegen ihren Willen. Ich weiß wohl, dass es unendlich oft misslingt. Wir wollen dann den Fehler am rechten Ort suchen, wollen es uns zur Regel machen, dass es nicht an den Menschen fehlt, |582 sondern uns an wirklicher Geduld, an tiefer, überwindender Zuversicht zum Guten, Göttlichen in den Andern. Wenn uns ein Mensch zuwider ist und zuwider bleibt, dann wollen wir uns das als eine Niederlage ins Schuldbuch schreiben. Es stimmt dann etwas nicht. Die Geduld müsste es auch da gewinnen. |
Nun noch ein anderes Hindernis oder eine andre Art von Hindernissen: ich meine die, die in uns selbst entstehen. Ich denke da ganz besonders an jüngere Leute, in deren innerm Leben plötzlich eine Art Damm entsteht und den natürlichen Fluss der Entwicklung ganz unbegreiflich verhindert. Wir wollen jetzt nicht davon reden, wie diese Hindernisse entstehen – sie kommen auch bei alten Leuten vor; genug sie sind da, und es entsteht ihnen gegenüber eine ganz merkwürdige Art von Ungeduld, eine ganz lahme, zahme Ungeduld meistens, wo nur der eine Gedanke da ist: es geht nicht! und dieser Gedanke äußert sich in einer stillen, mürrischen oder traurigen Unzufriedenheit. Da ist ein junger Bursche,c gesund und kräftig und nicht ungeschickt, aber sein inneres Hindernis ist eine ungeheure Trägheit. Er mag nicht nachdenken, er mag nichts Bestimmtes wollen, er mag nicht einmal einen Beruf ergreifen. Er wird schließlich wie ein Blatt vom Winde irgendwohin getrieben werden, er verzichtet ja darauf, selbst etwas zu machen aus seinem Leben. Kein Wunder, wenn er immer ein unzufriedenes Gesicht macht. Durch solche geistige Trägheit wird man in der Tat unglücklich. Die Trägheit, die ja uns Menschen allen mehr oder weniger anhaftet, muss mit Geduld, das heißt, durch einen großen, überlegenen Sinn überwunden werden. Man darf nicht davor stehen bleiben und denken: es geht nicht! ich mag eben nicht! |
Andre sagen: ich kann nicht. Da ist ein junges Mädchen.d Es hat schöne Gaben, es hat auch den Gedanken im Kopf: aus mir könnte etwas werden, und alle Wege sind geebnet, dass das geschehen kann. Das trifft nicht immer Alles zusammen. Aber im letzten Augenblick, wo es sich entschließen und energisch das Neue anpacken sollte, klappt es zusammen wie ein Taschenmesser, zweifelt an seinen Fähigkeiten, an seiner Kraft, das Vorgenommene durchzuführen, und nach kläglichem Zaudern und Zögern heißt es schließlich: nichts! Der kleine ungeduldige Gedanke: ich kann nicht! hat es gewonnen und |583 nicht der große geduldige Gedanke des Zutrauens zu sich selber, den ein Mensch, wenn er ihn einmal aufrichtig gehabt hat, auch behalten darf. Was Wunder, wenn von da eine gewisse stöckische Traurigkeit über einem solchen Leben waltet! |
Und noch ein anderes inneres Hindernis: ein erwachsener Mann, der es gut haben könnte,e er hat auch Freude am Arbeiten und an Selbstvertrauen fehlt es ihm gar nicht, im Gegenteil. Aber der Damm, der bei ihm die natürliche Entwicklung unterbricht, ist ein ganz törichter, gefährlicher Glust8. Er ist ihm zuerst ein paar Mal unterlegen, und dann geschah es öfter, und es wird immer häufiger geschehen, er weiß es. Und er weiß auch, wie gefährlich dieser Glust ist, er sieht an Andern die Folgen, und bereits beginnen sie sich bei ihm selbst zu zeigen. Aber Widerstand leisten? Nein, der Glust ist eben stärker: ich will nicht! Er verrennt sich in dieses: Ich will nicht! von dem er weiß, dass es sein Verderben ist, er leidet darunter, bekommt etwas Misstrauisches, Feindseliges, Trotziges selbst gegen seine nächsten Mitmenschen. Es ist die Gefahr da, dass er sich in sein Hindernis verbohrt und dabei ein trauriges Ende findet. Oder wird er den Ausweg finden, den großen Gedanken, der über den Glust Meister wird, so stark der ist? Gott sei Dank, es sind doch sehr Viele auch vor diesen innern Hindernissen, vor der Trägheit, der Mutlosigkeit, der verirrten Leidenschaft nicht erschreckt, sondern haben gelernt, frei und froh darüber hinwegzusehen. Sie haben es erfahren, dass auch solche innern Dämme oft von Gott selbst in unserm Leben eingerichtet werden als Aufgabe, die wir lösen sollen. Wohl dem, der dann nicht ungeduldig wird und versagt, sondern zur Stelle ist und über das Hindernis in seiner eigenen Seele hinwegsehen und dann auch hinwegschreiten lernt. –
So seid nun geduldig, liebe Brüder! sagt uns Jakobus. O wie Viele leiden bitter darunter, dass sie das nicht vermögen, geduldig, mit großem Sinn den mancherlei Hindernissen des Lebens entgegenzutreten. Was ist das für eine unbefriedigende Weihnachtsfeier, wenn man ein ungeduldiges Jahr, ein Jahr des Aufbegehrens gegen das Unglück, des |584 Zornes gegen die bösen Menschen, der kläglichen Nachgiebigkeit gegen sich selbst hinter sich hat. Ja, haben wir nicht allerlei von solcher Ungeduld hinter uns, meine Freunde! Müssten wir nicht Alle uns da und dort sagen, das geht mich auch an, so habe ich es auch schon gemacht? Wird uns nicht Allen die Weihnachtsfreude vergällt durch den Gedanken an unsre mannigfache Ungeduld? Ja, wir wollen alle diese Fragen ernst nehmen, aber noch wichtiger ist, dass es bei uns anfange, anders zu werden, dass wir die Geduld, den großen, weiten, siegreichen Sinn lernen, wenn wir ihn noch nicht haben. Wenn ein solcher Anfang da ist, dann kann aus unsrer Weihnachtsfreude, der rechten, innerlichen, doch noch etwas werden. Und umgekehrt, die Weihnacht kann uns jetzt gerade zu einem solchen Anfang von Anderswerden helfen. |