Predigt: Matthäus 25,1-13
Der Herr kommt! verkündigt uns dieses Gleichnis Jesu. Es ist ein rechtes Adventsgleichnis. Es ist voll von jener Erwartung und Spannung und Sehnsucht, die vornüber geneigt der Zukunft entgegensieht und entgegeneilt. Wir sprachen am letzten Sonntag davon. Christen sind Hoffnungsmenschen. Sie blicken nicht rückwärts, sondern vorwärts. Das Beste, Größte, Göttliche, die Herrlichkeit haben sie noch nicht, sondern sie warten darauf. Morgenglanz der Ewigkeit!1 singen sie, und die weichende Dämmerung, das wachsende Licht sind ihnen die liebsten Bilder für das, was ihr Innerstes bewegt. Diese Hoffnung hat Jesus dargestellt in den zehn Jungfrauen. Sie haben das Ehrenamt, mit angezündeten Lampen in der Hand den Bräutigam zu begrüßen vor seinem Hause, wenn er zurückkehrt mit der Braut, die er ima Hause ihrer Eltern abgeholt. Auf die Begrüßung soll dann das nächtliche Hochzeitsfest folgen. Wenn man will, ist die erwartungsvolle Freude dieser Mädchen ein bescheidenes Bild für eine so große Sache wie die christliche Hoffnung. Aber umso besser können wir fassen, was Jesus sagen wollte. So erwartet ein lebendiger Mensch das kommende Heil, wie Mädchen den Beginn eines schönen Festes erwarten. Und so lauscht er mit Augen und Ohren in die Zukunft, ob sich noch nichts zeigen wolle, wie jene zehn dort in die Finsternis hinausspähen, wo der ersehnte Hochzeitszug bleiben möge. Und die christliche Hoffnung ist kein leerer Wahn, kein Hangen und Bangen ohne Ziel und Erfüllung. Gottes Verheißungen sind wahr, seine Herrlichkeit kommt, der Morgenglanz der Ewigkeit verwandelt sich in Tageshelle. |552 Gerade wie sich um Mitternacht ein Geschrei erhebt unter dem zuschauenden Volk und den wartenden Mädchen ankündigt: Siehe, der Bräu|553tigam kommt, geht aus, ihm entgegen!
Wenn wir diese Botschaft hören: der Herr kommt! so wollen wir nicht nur an das Weltende denken, an den Tag, wo unser Himmel und unsre Erde vergehen werden. Gewiss, ein solcher Tag kommt, aber die Verheißung: der Herr kommt! erfüllt sich nicht erst an diesem Tage. Wer sie nur auf das Weltende bezieht, der wartet nicht in der rechten Weise. Er wird ins Grübeln und Studieren verfallen darüber, ob dieser jüngste Tag noch fern oder schon nah sei. Er wird in jedem Erdbeben und in jedem großen Krieg gleich ein Anzeichen des nahen Endes zu finden meinen. Als das Jahr 1000 nach Christi Geburt zu Ende ging, da glaubte halb
Der Herr kommt schon jetzt und ist schon längst gekommen in den großen Erlebnissen der Menschheit. Wenn seine Stimme laut wird im Sturm der Zeiten, wenn er wieder etwas offenbart von seinem Wesen in den Ereignissen der Weltgeschichte, wenn er seine Ziele und Wege den Menschen zeigt in den verworrenen Führungen der Geschichte, das ist etwas von seinem Kommen. Es ist etwas wie ein ungeheurer göttlicher Wellenschlag, der durch die wechselnden Zeiten hindurchgeht: Jede solche Woge bringt uns etwas Neues, Besonderes von Gott, jede will uns aufheben, tragen, mitnehmen, wie wenn wir ein kleines Boot wären, das auf dem Sande aufgelaufen ist. Und wenn eine solche Woge gegen uns kommt, dann heißt es auch für uns: Siehe, der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen! So kam vor 400 Jahren die Reformation über die Menschheit. Gott kündigte sich an in einer Weise, wie es vorher noch nie geschehen war, als der Gott der reinen, tiefen Wahrheit. Es ging wie ein Rauschen durch den Wald, dass auch das kleinste Gräslein es spüren musste. Der Bräutigam kam. Und
554 Ein anderes Kommen des Herrn vollzieht sich in den persönlichen Lebenserfahrungen eines jeden von uns. Im Grunde müssten wir ja sagen, dass unser ganzes Leben ohne die Ausnahme auch nur eines Augenblicks ein Kommen des Herrn ist. Denn unsre Zeit und unser Geschick steht ja ganz in seiner Hand, und so hätte uns im Grunde jeder Augenblick etwas von ihm zu sagen und zu bringen: eine Aufgabe, eine Frage, eine Strafe, einen Trost, eine Kraft. Aber so sicher es so sein müsste, wir sind doch noch nicht so weit. Sondern auch in unserm persönlichen Leben können wir jenen Wellenschlag beobachten. Gott redet zu uns und wirkt an uns in Abschnitten, in einzelnen hervorragenden Ereignissen. Wenn wir älter und reifer werden, merken wir vielleicht in zunehmendem Maß, dass Gott beständig zu uns kommt und keine Lücken und Pausen macht. |
Ich denke daran, wenn etwa ein Mensch in jungen oder alten Jahren vor eine ihm ganz neue Pflicht gestellt wird. Er muss etwas übernehmen, vielleicht einen Beruf oder einen Liebesdienst Andern gegenüber, und er tut es unter schweren Sorgen, entweder weil er etwas dahinten lassen muss dafür, an dem sein Herz hängt, oder weil er sich unsicher und schwach fühlt, das Neue anzugreifen. Und doch spürt er: ich muss! Es heißt: Pflicht! und er kann links und rechts nicht ausweichen, ohne ein Unrecht zu begehen. Ja, da heißt es nun: Siehe, der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen! In einer solchen Pflicht kommt Gott in dein Leben und ruft dir. Oder er kommt durch irgend ein Leiden, das er uns auferlegt. Er kommt sehr oft gerade auf diese Weise. Da werden wir plötzlich in unserem gewöhnlichen Lauf gehindert durch irgend etwas Unbegreifliches, das uns in die Quere kommt, vielleicht Widerstand von Menschen, vielleicht Ungunst der Verhältnisse, vielleicht Krankheit. Ja, da suchen wir freilich gewöhnlich nicht Gott in diesen Dingen, sondern eher den Teufel, und doch ist Gott auch darin, ganz sicher. Unzählige Menschen haben das erkannt und bekannt, dass ihnen das Leiden, schweres Leiden ganz einfach nötig gewesen, dass das Leiden das trefflichste Instrument gewesen sei, durch das Gott an ihnen gearbeitet habe. Und so heißt’s gerade dem Schweren, was jedes Leben bringt, entgegensehen mit dem Gedanken: jetzt ist die Stunde da! der Bräutigam kommt, auf, ihm entgegen! Und sehr oft heißt es das, wenn ein anderer Mensch unsern Lebensweg kreuzt. Das ist auch ein sehr häufiger Weg, den Gott |555 einschlägt, dass er uns einen Andern zuschickt, um uns irgendetwas zu sagen oder anzutun, was wir gerade nötig haben. So braucht er uns gegenseitig für einander. Wir sollten es immer als eine bedeutungsvolle Stunde ansehen, wenn wir wieder einen neuen Menschen kennenlernen: Dieser Mensch kann dein Schicksal werden, im Guten oder im Bösen. Vielleicht ist er zu dir gekommen, damit dir eine Türe aufgetan werde, vielleicht ist er dir ein Bringer von Glück und Frieden und Seligkeit. Aber vielleicht steht es auch umgekehrt: Gott will dich auf die Probe stellen durch ihn, er will dir zeigen, wo du nicht hingehen sollst. Du sollst gereinigt werden, indem du dich von ihm scheidest. So kommt Gott auf mancherlei Weise in unserm Leben, befehlend, fragend, helfend. Gehet aus, ihm entgegen!
Der Herr kommt in den großen Menschheitserlebnissen. Er kommt in unsern persönlichen Erfahrungen. Er kommt aber auch auf eine andre Weise, und sie ist wohl die gewaltigste. Er kommt im Tode. Der Tod ist das Allerallgemeinste, was es in der Menschheit gibt, und zugleich eine persönliche Erfahrung, die ganz sicher jedes Einzelne von uns machen muss. Jetzt scheint er noch aus weiter Ferne erst zu reden. Wir lesen von den Zehntausenden, die von Krieg und Krankheit und Hunger dahingerafft werden wie von etwas ganz Ungeheuerlichem und Unmöglichem. Aber schon richtet sich die Frage auch an uns: wird Alles das nicht schon morgen an unsre eigene Türe klopfen? Wird nicht auch unser Volk plötzlich in seiner Gesamtheit dem Geheimnis des Todes in die Augen sehen müssen, wie es jetzt andern ganzen Völkern ergangen ist? Und was wir da im Großen, Ganzen erleben, das erleben wir immer wieder im Einzelnen: heute vernimmst du die Todesnachricht aus dem Hause deines Nachbars, morgen legst du selber dich krank zu Bette, übermorgen – ja, wer ist denn sicher, meine Freunde? Wer kann da sagen, mich trifft’s nicht, wenn wir sehen müssen, wie es beständig rechts und links einschlägt?
|556 Was ist denn das Besondere, Einzigartige am Tode und das, was gerade dieses Kommen Gottes vor allem Andern auszeichnet? Nun, ganz einfach: der Tod ist das stärkste, radikalste Mittel, durch das uns Gott an seine Gegenwart erinnert, durch das er uns sagt, dass wir ganz in seiner Hand sind. Nirgends wird es uns so zum Bewusstsein gebracht, wie selig und wie furchtbar es ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen [vgl.
Aber wie kann man denn das ohne Zweifel und Einschränkung sagen? Wer von uns wagte, das von sich zu behaupten: ich werde eine reife Ähre sein, wenn meine Stunde einmal gekommen ist, ich werde selig sterben? Nein, solange wir hier leben, müssen wir uns vor Augen halten, dass der Tod auf alle Fälle ein Abschluss ist, dass es dann zum Vorschein kommen muss, was unser Leben wert gewesen ist. Da wird jede Unwahrheit und jede Schlechtigkeit, und sei sie noch klein und fein, jede vergeudete Stunde und jedes törichte Wort ihr Gewicht bekommen und gegen uns Zeugnis ablegen. Tod bedeutet Gericht, Verantwortung, Rechenschaft, und wir sollten uns nicht einbilden, dass das etwas Harmloses sei, wenn dieser endgiltige Schluss da ist und wenn nun die Frage an uns kommt: Was hast du zu bringen, Mensch, aus der Zeit in die Ewigkeit? Was hast du gewonnen und was verloren? Was hast du gebaut und was zerstört? Was bist du geworden in den 30 oder 60 oder 80 Jahren deines Lebens? – |
Seht, meine Freunde, so kommt der Herr im Tode zu uns: als Herrscher, als Seligmacher, als Richter, Alles miteinander. Er kommt, und wir können und müssen es mit aller Sicherheit sagen: der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen!
Wir wollen nun den zweiten Gedanken des Gleichnisses betrachten, und der lautet: Bereit sein! Bereit sein auf das Kommen des Herrn! darum wachet! sagt Jesus am Schluss des Gleichnisses, und er meint damit: passet auf! seht euch vor! lasst euch nicht überrumpeln! Unter den zehn Jungfrauen waren fünf, die hatten sich nicht vorgesehen. Sie hatten wohl Öl in ihren Lampen, sie hatten ja den guten Willen, ihr Ehrenamt würdig auszuüben. Aber sie meinten, da handle es sich nur darum, hinzustehen und sein Licht leuchten zu lassen, sie rechneten nicht damit, dass es wirklich gelten werde, zu warten und auch nach der Wartezeit immer noch bereit zu sein. Die andern fünf hatten nicht nur Öl in ihren Lampen, sondern auch Vorrat dazu, sie waren wirklich und nicht nur zum Schein in Bereitschaft. Jesus wollte damit sagen, dass die christliche Hoffnung wirklich Erwartung ist. Und Erwartung kommt von Erwarten. Der kommende Herr muss erwartet werden. Und nicht, wenn es uns beliebt, sondern wenn er |558 wirklich kommt, gilt es, ihm zur Verfügung zu stehen. Und weil wir sein Kommen nicht kennen, heißt es bereit sein, gerüstet auf alle Fälle. Wachet, denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Jawohl, da eröffnet sich uns erst die ganze Bedeutung der Adventsbotschaft, wenn es uns klar wird, dass es gilt, bereit zu sein wartend, bereit zu sein auf das Kommen des Herrn. Dieses ungewisse Wann? ist es, das die Sache so ernst macht. Wenn wir vorauswissen könnten, was kommt und wann es kommt, es wäre Alles ganz anders. |
Denkt euch, wir könnten wissen: morgen um diese Zeit muss ich sterben. Da wollten wir wohl bereit sein, da könnten wir wie jene Jungfrauen mit brennender Lampe dastehen. Aber etwas ganz Anderes ist es, monate- und jahrelang, ein Leben lang zu leben in dem Gedanken: heute oder morgen kann der Tod da sein als Bote der Herrschaft, der Erlösung, des Gerichtes Gottes. Denkt euch, wir könnten wissen: heute Abend werde ich ein Erlebnis machen, da werde ich alle Energie, alle Festigkeit, alles Vertrauen nötig haben. Dann könnten wir uns rüsten, uns zusammennehmen, wie man sagt, und gefasst dem Abend entgegengehen. Aber das Schwierige ist, dass solche Erlebnisse, in denen der Herr zu uns kommt, sich nicht ankündigen, sondern sie sind da, bevor wir es uns gedacht, und oft erkennen wir sie erst, wenn sie vorüber sind. Vorrat haben, auch wenn man nicht sicher weiß, ob man es braucht, gleichsam geladen sein mit Energie, Festigkeit, Vertrauen, Klugheit, für alle Fälle, das würde heißen, bereit sein. Wenn die Völker, wenn die Menschheit sich auf Tag und Stunde rüsten könnte für die kommenden Ereignisse, aber so denkt jedes Geschlecht: uns trifft’s nicht mehr, und nach uns die Sündflut!8 Und so treffen die Ereignisse doch wieder unvorbereitete Menschen. So ging es vor der Reformation und vor der Revolution, vielleicht geht es heute wieder so. Ja, wenn man es zum Voraus wissen könnte, wann Gott zu uns reden will, wenn man sich dann rasch zurechtstellen könnte, sich bereit machen im letzten Augenblick. Aber das geht eben |559 nicht: Wer im rechten Augenblick sehen, hören und zugreifen will, der muss schon vorher bereit gewesen sein. Und wer keinen Vorrat gehabt hat, dessen Licht leuchtet auch nicht, wenn der Bräutigam kommt. Es ist eine gefährliche Verirrung, wenn die katholische Kirche es ihren Mitgliedern so leicht macht, sich auch nach dem gottlosesten Leben noch rasch vor dem Tode durch ein paar Zeremonien die ewige Seligkeit zu sichern, wie sie meinen. So wenig, als man sich während des Lebens, wenn die großen Entscheidungen kommen, rasch, rasch durch eine letzte Ölung darauf vorbereiten kann.9 Das Öl muss vorher da sein, sagt uns Jesus im Gleichnis.
Aber was ist denn nun die rechte Vorbereitung auf jenes Kommen des Herrn, das sich so mannigfaltig vollzieht: in der Weltgeschichte, in den Geschichten des Einzelnen, im Tod, der uns Alle vor Gott stellt. Nun, darauf können wir prompt und vollständig antworten: Bereit sind wir, wenn wir in der Nachfolge Jesu leben, wenn seine Gedanken unsre Lebensregel, sein Sinn unser Leitstern, sein Bild unser Vorbild ist. Das ist Alles, was wir brauchen. Die innere Einheit mit ihm ist die Zurüstung, mit der wir auf alle Fälle bestehen werden. Das hat seinen sehr einfachen Grund: wenn wir Jesus lieb haben, nicht durch fromme Gedanken und Worte und Gefühle, sondern durch unser Leben, dann halten wir damit den Schlüssel der Zukunft in unsern Händen. Wir sind dann zum Voraus sicher, dass das Kommen des Herrn uns Ehre und Freude und Seligkeit bringen muss, wie dort die fünf klugen Jungfrauen sich ruhig auf das Fest freuen konnten. Ich sage, wenn wir den Glauben an Jesus haben, das heißt, etwas von seinem Sinn, von seinem Gehorsam und seiner Liebe, dann halten wir den Schlüssel der Zukunft in unsern Händen. Mit Jesus kommen wir überall durch. Was auch die Weltgeschichte bringen mag an neuen Gedanken und Ordnungen, was darin ewig und göttlich ist, das ist jesusgemäß. Der Herr, der kommt in die Welt, ist ja Jesus selber und sein Geist. Wenn wir uns in seinen Dienst stellen, so sind wir darum auch bereit und würdig für Alles, was die Zukunft bringen mag. Wenn die Völker in seine Schule gehen würden, dann dürften sie getrost den kommenden Entwicklun|560gen entgegensehen. Und gerade so steht es mit unsern persönlichen Erfahrungen, in denen sich Gott bei uns ankündigt. Wenn wir mit Jesus gelebt habenb und er in uns, dann werden wir mit Ehren und Freuden bestehen, was auch kommen mag. Und ebenso steht es mit dem Tode und dem Gericht, das jenseits des Todes droht. In der Nachfolge Jesu kann man auch diesem gewaltigsten Kommen Gottes freudig entgegensehen. Denn seit Jesus gestorben ist, ist der Weg offen, auf dem wir durch den Tod ins Leben eintreten dürfen. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe [
Die einfache Nachfolge Jesu ist die rechte Vorbereitung auf sein Kommen, auf die großen Fragen, die die Geschichte und das Leben und der Tod an uns zu richten haben. Sie ist einfach und doch ist sie gewaltig schwer und dauert lang zu erlernen. Das kann man nicht schnell nachholen im letzten Moment, wenn die Not da ist. Es will gelernt sein in viel Aufmerken und Treue und Ausdauer und Selbstüberwindung. Langsam dringt es ein in die Seelen, noch langsamer in die Völker oder auch nur in die Bevölkerung eines Dorfes. Wir Alle haben noch erstaunlich wenig an uns von der Art Jesu. Und darum stehen wir auch meistens so ungeschickt da, wenn er, der Herr, kommt in großen und kleinen Dingen. Er ist uns neu und ungewohnt, wir wissen nicht, was mit ihm anfangen. Wir stehen verlegen da wie die fünf törichten Jungfrauen mit ihren leeren Lampen.
Und nun noch etwas sehr Ernstes zum Schluss. Ich nehme es nicht aus mir selbst, sondern aus Jesu Gleichnis. Es gibt ein Zu spät! beim Kommen des Herrn. Wenn wir uns von jenen göttlichen Wellen nicht ergreifen lassen, dann bleiben wir eben liegen auf dem Sand mit unserm Schifflein und haben das Nachsehen. Wenn wir die Gelegenheiten vorübergehen lassen, in denen Gott sich uns nahen will in unserm Leben, dann sind das eben verpasste Gelegenheiten, und sie kommen so nicht wieder. Und wenn uns der Tod ereilt hat als Feinde Jesu und seines Kreuzes, ja, dann sind wir dem ewigen Gericht verfallen, aus dem wir Menschen jedenfalls keinen Ausweg wissen. Jesus hat dieses «Zu spät!» sehr deutlich ausgesprochen: Die Tür ward verschlossen, |561 heißt es. Die törichten Jungfrauen möchten von den klugen Öl leihen, aber das verweigern die aus gutem Grund. Sie laufen zum Krämer und holen, aber als sie zurückkommen und Einlass begehren, da antwortet ihnen der Bräutigam: Ich kenne euch nicht! Man darf nicht alle diese Züge der Erklärung ausdeuten und erklären wollen. Man muss das Große Ganze nehmen, was Jesus sagen wollte. Es gibt Momente, wo Gott mit uns fertig ist. Momente, wo wir nur reinen Verlust erleiden. Und die gibt es, wenn wir nicht vorbereitet sind. Solche Momente haben wir Alle auch schon erlebt. Wenn wir uns ihrer mit Beschämung erinnern, wenn wir es mit Schrecken vermeiden möchten, sie in Zukunft wieder zu erleben, dann wollen wir jetzt in dieser Adventszeit unserm Meister neue Treue und bessere Gefolgschaft versprechen. Dann gibt er es uns, wartend bereit zu sein, wenn er wiederkommt.