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        <title type="volume" n="vol-56">Predigten 1912</title>
        <title type="content">Predigt: Matthäus 25,1-13</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Matthäus 25,1-13, 8. Dezember 1912 – kein Datum</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/56052 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1912, hrsg. v. Busch, Eberhard / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2022, S. .</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/56052</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1912</title>
          <title type="text">Predigt: Matthäus 25,1-13</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2022</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">52</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mt 25,1-13 (2. Advent), 8. Dezember 1912. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1586">KBA 1122</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" from="1912-12-08">8. Dezember 1912 – kein Datum</date>
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          <term>sermon</term>
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                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, den <date when="1912-12-08">8. Dezember 1912</date>
                    </dateline>
                    <epigraph>
                        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.25.1 Mt.25.13">Matthäus 25,1–13</ref>
                            <quote>
                                ... um Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; geht aus, ihm entgegen! .... Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird.
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                    <salute>Liebe Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                    <p>
                        <hi rend="italic">Der <term ref="kbga-terms-1991">Herr kommt</term>!</hi> verkündigt uns dieses Gleichnis Jesu. Es ist ein rechtes Adventsgleichnis. Es ist voll von jener Erwartung und Spannung und <term ref="kbga-terms-949">Sehnsucht</term>, die vornüber geneigt der <term ref="kbga-terms-890">Zukunft</term> entgegensieht und entgegeneilt. Wir sprachen am letzten Sonntag davon. Christen sind <term ref="kbga-terms-1988">Hoffnungsmenschen</term>. Sie blicken nicht rückwärts, sondern vorwärts. Das Beste, Größte, Göttliche, die Herrlichkeit haben sie noch nicht, sondern sie warten darauf. <hi rend="italic">Morgen</hi>glanz der Ewigkeit!<note xml:id="n01">
                            <p> Choral von <bibl type="song" corresp="kbga-songs-57">
                                    <persName ref="kbga-actors-2060">Chr. Knorr von Rosenroth</persName> (GERS 43; RG 572; EG 450)</bibl>.</p>
                        </note> singen sie, und die weichende Dämmerung, das wachsende Licht sind ihnen die liebsten Bilder für das, was ihr Innerstes bewegt. Diese Hoffnung hat Jesus dargestellt in den zehn Jungfrauen. Sie haben das Ehrenamt, mit angezündeten Lampen in der Hand den Bräutigam zu begrüßen vor seinem Hause, wenn er zurückkehrt mit der Braut, die er im<note place="footnote" n="a" type="textcritical" xml:id="na">
                            <p> <ref corresp="A">Mskr.</ref>: «ihm»; von den Hrsg. korrigiert.</p>
                        </note> Hause ihrer Eltern abgeholt. Auf die Begrüßung soll dann das nächtliche Hochzeitsfest folgen. Wenn man will, ist die erwartungsvolle Freude dieser Mädchen ein bescheidenes Bild für eine so große Sache wie die <term ref="kbga-terms-1989">christliche Hoffnung</term>. Aber umso besser können wir fassen, was Jesus sagen wollte. So erwartet ein lebendiger Mensch das kommende <term ref="kbga-terms-1567">Heil</term>, wie Mädchen den Beginn eines schönen Festes erwarten. Und so lauscht er mit Augen und Ohren in die Zukunft, ob sich noch nichts zeigen wolle, wie jene zehn dort in die Finsternis hinausspähen, wo der ersehnte Hochzeitszug bleiben möge. Und die christliche Hoffnung ist kein leerer Wahn, kein Hangen und Bangen ohne Ziel und Erfüllung. Gottes <term ref="kbga-terms-72">Verheißungen</term> sind wahr, seine <term ref="kbga-terms-106">Herrlichkeit</term> kommt, der Morgenglanz der <term ref="kbga-terms-1247">Ewigkeit</term> verwandelt sich in Tageshelle. <pb xml:id="p552" ed="pga"/> Gerade wie sich um Mitternacht ein Geschrei erhebt unter dem zuschauenden Volk und den wartenden Mädchen ankündigt: Siehe, der Bräu<pb xml:id="p553" ed="pga" break="no"/>tigam kommt, geht aus, ihm entgegen!</p>
                    <p>Wenn wir diese Botschaft hören: der Herr kommt! so wollen wir nicht nur an das <term ref="kbga-terms-1007">Weltende</term> denken, an den Tag, wo unser Himmel und unsre Erde vergehen werden. Gewiss, ein solcher Tag kommt, aber die <term ref="kbga-terms-72">Verheißung</term>: der Herr kommt! erfüllt sich nicht erst an diesem Tage. Wer sie nur auf das Weltende bezieht, der wartet nicht in der rechten Weise. Er wird ins Grübeln und Studieren verfallen darüber, ob dieser <term ref="kbga-terms-1075">jüngste Tag</term> noch fern oder schon nah sei. Er wird in jedem Erdbeben und in jedem großen Krieg gleich ein Anzeichen des nahen Endes zu finden meinen. Als das Jahr 1000 nach Christi Geburt zu Ende ging, da glaubte halb <placeName ref="kbga-places-204">Europa</placeName>, nun stehe der <term ref="kbga-terms-1546">Weltuntergang</term> bevor, und vielleicht werden unsre Kindeskinder im Jahre 2000 Ähnliches erleben. Über solchen Gedanken und Vermutungen versäumt man sehr oft, sich auf das wirkliche <term ref="kbga-terms-1991">Kommen des Herrn</term>, das wir sicher erleben können, vorzubereiten. Und wenn man einmal dahintergekommen ist, dass alle solche Berechnungen auf Einbildung beruhen, dann zuckt man zuletzt wohl noch die Achsel und das Kommen des Herrn wird einem gleichgiltig, weil man sich denkt: nach den bisherigen Erfahrungen spricht 100 gegen 1 dafür, dass ich das so wenig erlebe als die Unzähligen, die es bisher bald auf diesen, bald auf jenen Tag erwartet haben. Wir wollen das Weltende nicht in die vorderste Linie stellen, wenn wir vom Kommen des Herrn reden. Ob wir das Weltende erleben, ist sehr unsicher, das Kommen des Herrn dagegen erleben wir Alle sicher, wenn auch in andrer Weise.</p>
                    <p>Der Herr kommt schon jetzt und ist schon längst gekommen in den großen <hi rend="italic">Erlebnissen der <term ref="kbga-terms-402">Menschheit</term></hi>. Wenn seine Stimme laut wird im Sturm der Zeiten, wenn er wieder etwas offenbart von seinem Wesen in den Ereignissen der <term ref="kbga-terms-398">Weltgeschichte</term>, wenn er seine Ziele und Wege den Menschen zeigt in den verworrenen Führungen der Geschichte, das ist etwas von seinem Kommen. Es ist etwas wie ein ungeheurer göttlicher Wellenschlag, der durch die wechselnden Zeiten hindurchgeht: Jede solche Woge bringt uns etwas Neues, Besonderes von Gott, jede will uns aufheben, tragen, mitnehmen, wie wenn wir ein kleines Boot wären, das auf dem Sande aufgelaufen ist. Und wenn eine solche Woge gegen uns kommt, dann heißt es auch für uns: Siehe, der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen! So kam vor 400 Jahren die <term ref="kbga-terms-61">Reformation</term> über die Menschheit. Gott kündigte sich an in einer Weise, wie es vorher noch nie geschehen war, als der Gott der reinen, tiefen <term ref="kbga-terms-340">Wahrheit</term>. Es ging wie ein Rauschen durch den Wald, dass auch das kleinste Gräslein es spüren musste. Der Bräutigam kam. Und <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> und <persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName> und <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName> und viele Andre hatten gewartet, und jetzt nahmen sie ihre Lampen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Und wieder, wenn auch ganz anders, wurde es <term ref="kbga-terms-1975">Adventszeit</term>, als die <term ref="kbga-terms-1990">große Revolution</term> kam.<note xml:id="n02">
                            <p> Gemeint ist die <term ref="kbga-terms-1990">Französische Revolution 1789</term>.</p>
                        </note> Sie war ein Gewitter mit Donner und Blitz und Hagel, und Viele sahen damals und sehen heute noch nur die Zerstörungen, die es angerichtet. Und doch war Gottes Stimme auch in dem Gewitter wie einst am Berge <placeName ref="kbga-places-865">Sinai</placeName> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.19.16 Ex.19.18">Ex. 19,16–18</ref>], und sie sprach das ewige Wort von der <term ref="kbga-terms-114">Freiheit des Gewissens</term> und des <term ref="kbga-terms-1299">Gedankens</term>. Und die es hörten, die nahmen es auf und beugten sich unter das <term ref="kbga-terms-387">Gericht</term> und freuten sich über die Segnungen, die für die <term ref="kbga-terms-1709">Völker</term> und für die einzelnen Menschen darin enthalten waren. Und in unserm Jahrhundert erlebt die <term ref="kbga-terms-402">Menschheit</term> etwas derartiges in der <term ref="kbga-terms-1476">sozialen Bewegung</term>. Trotz allem Unerfreulichen und Törichten und Gefährlichen, das doch dabei ist, verkündigt sie die Botschaft von der <term ref="kbga-terms-283">Gerechtigkeit</term> in einem Sinn und mit einer Macht, wie sie noch keine frühere Zeit gehört hat Und viele lebendige Menschen spüren, dass das eine göttliche Woge ist, und lassen sich mit Freuden von ihr ergreifen und begrüßen das Neue, Besondere, das Gott da unserm Geschlecht zu sagen hat. Aber auch ein Ereignis wie der <term ref="kbga-terms-1982">gegenwärtige Krieg</term><note xml:id="n03">
                            <p> Gemeint ist der <term ref="kbga-terms-1982">Erste Balkankrieg</term>, der im Oktober 1912 mit der Kriegserklärung <orgName ref="kbga-actors-9124">Montenegros</orgName> an das <orgName ref="kbga-actors-9075">Osmanische Reich</orgName> begonnen hatte; vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/56/p544#fn_n03">S. 544f., Anm. 3.</ref>
                            </p>
                        </note> gehört zu den Erlebnissen, in denen der Herr kommt, uns packt und zu uns redet: was morsch und faul ist, muss zerbrechen, allen menschlichen Erwartungen entgegen. Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben [<ref type="can" subtype="bible" target="Spr.14.34">Spr. 14,34</ref>]. Was wird uns die <term ref="kbga-terms-890">Zukunft</term> bringen? Gott sei Dank, Eines wissen wir: Gott wird nie aufhören, zu der Menschheit zu kommen und zu ihr zu reden: seine <term ref="kbga-terms-1786">Strafen</term> und seine <term ref="kbga-terms-1450">Freundlichkeit</term>, sein <term ref="kbga-terms-809">Zorn</term> und seine <term ref="kbga-terms-36">Gnade</term>, seine <term ref="kbga-terms-485">Gerechtigkeit</term> und seine <term ref="kbga-terms-482">Langmut</term> werden immer wieder wirksam sein im Lauf der <term ref="kbga-terms-398">Geschichte</term>.</p>
                    <p><pb xml:id="p554" ed="pga" rend="noPipe"/> Ein anderes <term ref="kbga-terms-1991">Kommen des Herrn</term> vollzieht sich in den <hi rend="italic">persönlichen <term ref="kbga-terms-1902">Lebenserfahrungen</term></hi> eines jeden von uns. Im Grunde müssten wir ja sagen, dass unser ganzes Leben ohne die Ausnahme auch nur eines Augenblicks ein Kommen des Herrn ist. Denn unsre Zeit und unser Geschick steht ja ganz in seiner Hand, und so hätte uns im Grunde jeder Augenblick etwas von ihm zu sagen und zu bringen: eine Aufgabe, eine Frage, eine Strafe, einen Trost, eine Kraft. Aber so sicher es so sein müsste, wir sind doch noch nicht so weit. Sondern auch in unserm <term ref="kbga-terms-459">persönlichen Leben</term> können wir jenen Wellenschlag beobachten. Gott redet zu uns und wirkt an uns in Abschnitten, in einzelnen hervorragenden Ereignissen. Wenn wir älter und reifer werden, merken wir vielleicht in zunehmendem Maß, dass Gott beständig zu uns kommt und keine Lücken und Pausen macht. |</p>
                    <p>Ich denke daran, wenn etwa ein Mensch in jungen oder alten Jahren vor eine ihm ganz neue <term ref="kbga-terms-1482">Pflicht</term> gestellt wird. Er muss etwas übernehmen, vielleicht einen <term ref="kbga-terms-1461">Beruf</term> oder einen Liebesdienst Andern gegenüber, und er tut es unter schweren Sorgen, entweder weil er etwas dahinten lassen muss dafür, an dem sein Herz hängt, oder weil er sich unsicher und schwach fühlt, das Neue anzugreifen. Und doch spürt er: ich muss! Es heißt: Pflicht! und er kann links und rechts nicht ausweichen, ohne ein Unrecht zu begehen. Ja, da heißt es nun: Siehe, der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen! In einer solchen Pflicht kommt Gott in dein Leben und ruft dir. Oder er kommt durch irgend ein <term ref="kbga-terms-603">Leiden</term>, das er uns auferlegt. Er kommt sehr oft gerade auf diese Weise. Da werden wir plötzlich in unserem gewöhnlichen Lauf gehindert durch irgend etwas Unbegreifliches, das uns in die Quere kommt, vielleicht Widerstand von Menschen, vielleicht Ungunst der Verhältnisse, vielleicht <term ref="kbga-terms-1774">Krankheit</term>. Ja, da suchen wir freilich gewöhnlich nicht Gott in diesen Dingen, sondern eher den <term ref="kbga-terms-441">Teufel</term>, und doch ist Gott auch darin, ganz sicher. Unzählige Menschen haben das erkannt und bekannt, dass ihnen das Leiden, schweres Leiden ganz einfach nötig gewesen, dass das Leiden das trefflichste Instrument gewesen sei, durch das Gott an ihnen gearbeitet habe. Und so heißt’s gerade dem Schweren, was jedes <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> bringt, entgegensehen mit dem Gedanken: jetzt ist die Stunde da! der Bräutigam kommt, auf, ihm entgegen! Und sehr oft heißt es das, wenn ein <term ref="kbga-terms-800">anderer Mensch</term> unsern Lebensweg kreuzt. Das ist auch ein sehr häufiger Weg, den Gott <pb xml:id="p555" ed="pga"/> einschlägt, dass er uns einen Andern zuschickt, um uns irgendetwas zu sagen oder anzutun, was wir gerade nötig haben. So braucht er uns gegenseitig für einander. Wir sollten es immer als eine bedeutungsvolle Stunde ansehen, wenn wir wieder einen neuen Menschen kennenlernen: Dieser Mensch kann dein Schicksal werden, im Guten oder im Bösen. Vielleicht ist er zu dir gekommen, damit dir eine Türe aufgetan werde, vielleicht ist er dir ein Bringer von Glück und Frieden und Seligkeit. Aber vielleicht steht es auch umgekehrt: Gott will dich auf die Probe stellen durch ihn, er will dir zeigen, wo du nicht hingehen sollst. Du sollst gereinigt werden, indem du dich von ihm scheidest. So kommt Gott auf mancherlei Weise in unserm Leben, befehlend, fragend, helfend. Gehet aus, ihm entgegen!</p>
                    <p>Der <term ref="kbga-terms-1991">Herr kommt</term> in den großen Menschheitserlebnissen. Er kommt in unsern persönlichen Erfahrungen. Er kommt aber auch auf eine andre Weise, und sie ist wohl die gewaltigste. Er kommt <hi rend="italic">im Tode</hi>. Der <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> ist das Allerallgemeinste, was es in der <term ref="kbga-terms-402">Menschheit</term> gibt, und zugleich eine persönliche <term ref="kbga-terms-131">Erfahrung</term>, die ganz sicher jedes Einzelne von uns machen muss. Jetzt scheint er noch aus weiter Ferne erst zu reden. Wir lesen von den Zehntausenden, die von <term ref="kbga-terms-1283">Krieg</term> und <term ref="kbga-terms-1774">Krankheit</term> und Hunger dahingerafft werden wie von etwas ganz Ungeheuerlichem und Unmöglichem. Aber schon richtet sich die Frage auch an uns: wird Alles das nicht schon morgen an unsre eigene Türe klopfen? Wird nicht auch <term ref="kbga-terms-1358">unser Volk</term> plötzlich in seiner Gesamtheit dem Geheimnis des Todes in die Augen sehen müssen, wie es jetzt andern ganzen Völkern ergangen ist? Und was wir da im Großen, Ganzen erleben, das erleben wir immer wieder im Einzelnen: heute vernimmst du die Todesnachricht aus dem Hause deines Nachbars, morgen legst du selber dich krank zu Bette, übermorgen – ja, wer ist denn sicher, meine Freunde? Wer kann da sagen, mich trifft’s nicht, wenn wir sehen müssen, wie es beständig rechts und links einschlägt?</p>
                    <q rend="block">
                        <lg>
                            <l>Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!</l>
                            <l>Hin geht die Zeit, her kommt der Tod.</l>
                            <l>Ach, wie geschwinde, wie behände</l>
                            <l>Kann kommen meine Todesnot!<note xml:id="n04">
                                    <p> Beginn eines Chorals von <bibl type="song" corresp="kbga-songs-105">
                                            <persName ref="kbga-actors-5858">Ä. J. von Schwarzburg-Rudolstadt</persName> (GERS 324; RG 754; EG 530)</bibl>.</p>
                                </note>
                            </l>
                        </lg>
                    </q>
                    <p><pb xml:id="p556" ed="pga"/> Was ist denn das Besondere, Einzigartige am Tode und das, was gerade dieses <term ref="kbga-terms-1991">Kommen Gottes</term> vor allem Andern auszeichnet? Nun, ganz einfach: der <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> ist das stärkste, radikalste Mittel, durch das uns Gott an seine Gegenwart erinnert, durch das er uns sagt, dass wir ganz in seiner Hand sind. Nirgends wird es uns so zum Bewusstsein gebracht, wie selig <hi rend="italic">und</hi> wie furchtbar es ist, in die Hände des <term ref="kbga-terms-1711">lebendigen Gottes</term> zu fallen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.10.31">Hebr. 10,31</ref>], wie im Tode. Zuerst übt Gott im Tode seine <term ref="kbga-terms-99">unumschränkte Herrschermacht</term>. Ihm gegenüber muss aller Schein zerbrechen, als könnten die Menschen in Wirklichkeit ihre eigenen Wege gehen. Der <term ref="kbga-terms-1397">Gottesleugner</term> und der <term ref="kbga-terms-1573">Lügner</term> und der stumpfsinnige <term ref="kbga-terms-1992">Genussmensch</term> sind dem Todesgesetz in gleicher Weise unterworfen wie der aufrichtige Jünger Jesu. Als der kalte Tod des russischen Winters an die Arbeit gehen durfte, da war es mit der Kriegskraft <persName ref="kbga-actors-292">Napoleons</persName> zu Ende.<note xml:id="n05">
                            <p> Der Rückzug der <orgName ref="kbga-actors-9129">Grande Armée</orgName>
                        <persName ref="kbga-actors-292">Napoleons</persName> aus <placeName ref="kbga-places-297">Russland</placeName> war ein in der <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> präsent gebliebenes Ereignis: In der Schlacht an der <placeName ref="kbga-places-1104">Beresina</placeName> (<date to="1812-11-28" from="1812-11-26">26.–28.11.1812</date>) deckten vier zur napoleonischen Armee verpflichtete Schweizer Regimenter unter hohen Verlusten den Übergang über den Fluss. Am Vorabend der Schlacht stimmte Oberleutnant <persName ref="kbga-actors-2916">Thomas Legler</persName> sein Lieblingslied «Unser Leben gleicht der Reise» an, das seitdem als «Beresina-Lied» bekannt ist; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1419">R. Buehler, Art. «Beresina», in: Schweizer Lexikon 91, Bd. 1, S. 479</bibl>.</p>
                        </note> Als die <term ref="kbga-terms-1993">Erde bebte unter <placeName ref="kbga-places-1059">Messina</placeName></term>,<note xml:id="n06">
                            <p> Am <date when="1908-12-28">28. Dezember 1908</date> zerstörte ein Erdbeben weite Teile von <placeName ref="kbga-places-1059">Messina</placeName> und anderen Städten; dem Beben und dem darauf folgenden Tsunami fielen nach Schätzungen zwischen 70 000 und 100 000 Menschen zum Opfer.</p>
                        </note> da waren die Menschen des 20. Jahrhunderts so hilflos wie die Wilden 3000 Jahren früher. Und als das Meer die «<term ref="kbga-terms-1424">Titanic</term>» verschlang mit ihren Hunderten von Passagieren,<note xml:id="n07">
                            <p> Zum Untergang der «Titanic» am <date when="1912-04-15">15. April 1912</date> vgl. ausführlich oben, <ref type="pub" target="../volume/56/p156#p156">S. 156–167</ref>, Barths Predigt vom <date when="1912-04-21">21. April 1912</date>.</p>
                        </note> da war die ganze moderne <term ref="kbga-terms-405">Technik</term> wertloses Spielzeug geworden. Und so geht es jedem Einzelnen von uns. Wir mögen gegen Gott vornehmen, was wir wollen, wir mögen uns schützen und einwickeln und flüchten vor ihm, wie wir wollen – wir entkommen ihm doch nicht. Im Tode erreicht er uns. Uns zur Freude oder uns zum Leid? Das ist die große Frage. Der <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> kann ein Triumph sein. Wenn er uns mit einem tätigen, <term ref="kbga-terms-1994">gottgerechten Leben</term> überrascht, wenn er der Abschluss, die Ernte ist nach einer langen, gesegneten <term ref="kbga-terms-1976">Arbeitszeit</term>, wenn er uns erlöst aus allerlei Übeln des Leibes und der Seele, dann ist der Tod ein freudiger Gast, eine rechte <pb xml:id="p557" ed="pga"/> Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand [<ref type="can" subtype="bible" target="Weish.3.1">Weish. 3,1</ref>]. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben [<ref type="can" subtype="bible" target="Apk.14.13">Apk. 14,13</ref>]. |</p>
                    <p>Aber wie kann man denn das ohne Zweifel und Einschränkung sagen? Wer von uns wagte, das von sich zu behaupten: ich werde eine reife Ähre sein, wenn meine Stunde einmal gekommen ist, ich werde selig sterben? Nein, solange wir hier leben, müssen wir uns vor Augen halten, dass der Tod auf alle Fälle ein Abschluss ist, dass es dann zum Vorschein kommen muss, was unser <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> wert gewesen ist. Da wird jede Unwahrheit und jede Schlechtigkeit, und sei sie noch klein und fein, jede vergeudete Stunde und jedes törichte Wort ihr Gewicht bekommen und gegen uns Zeugnis ablegen. <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> bedeutet <term ref="kbga-terms-387">Gericht</term>, Verantwortung, Rechenschaft, und wir sollten uns nicht einbilden, dass das etwas Harmloses sei, wenn dieser endgiltige Schluss da ist und wenn nun die Frage an uns kommt: Was hast du zu bringen, Mensch, aus der <term ref="kbga-terms-1008">Zeit</term> in die <term ref="kbga-terms-1247">Ewigkeit</term>? Was hast du gewonnen und was verloren? Was hast du gebaut und was zerstört? Was bist du geworden in den 30 oder 60 oder 80 Jahren deines Lebens? – |</p>
                    <p>Seht, meine Freunde, so kommt der Herr im Tode zu uns: als Herrscher, als Seligmacher, als Richter, Alles miteinander. Er kommt, und wir können und müssen es mit aller Sicherheit sagen: der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen!</p>
                    <p>Wir wollen nun den zweiten Gedanken des Gleichnisses betrachten, und der lautet: <hi rend="italic">Bereit sein!</hi> Bereit sein auf das <term ref="kbga-terms-1991">Kommen des Herrn</term>! darum wachet! sagt Jesus am Schluss des Gleichnisses, und er meint damit: passet auf! seht euch vor! lasst euch nicht überrumpeln! Unter den zehn Jungfrauen waren fünf, die hatten sich nicht vorgesehen. Sie hatten wohl Öl in ihren Lampen, sie hatten ja den guten Willen, ihr Ehrenamt würdig auszuüben. Aber sie meinten, da handle es sich nur darum, hinzustehen und sein Licht leuchten zu lassen, sie rechneten nicht damit, dass es wirklich gelten werde, zu warten und auch nach der Wartezeit immer noch bereit zu sein. Die andern fünf hatten nicht nur Öl in ihren Lampen, sondern auch Vorrat dazu, sie waren wirklich und nicht nur zum Schein in Bereitschaft. Jesus wollte damit sagen, dass die <term ref="kbga-terms-1989">christliche Hoffnung</term> wirklich Erwartung ist. Und Erwartung kommt von Erwarten. Der kommende Herr muss erwartet werden. Und nicht, wenn es uns beliebt, sondern wenn er <pb xml:id="p558" ed="pga"/> wirklich kommt, gilt es, ihm zur Verfügung zu stehen. Und weil wir sein Kommen nicht kennen, heißt es bereit sein, gerüstet auf alle Fälle. Wachet, denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des <term ref="kbga-terms-1263">Menschen Sohn</term> kommen wird. Jawohl, da eröffnet sich uns erst die ganze Bedeutung der <term ref="kbga-terms-1995">Adventsbotschaft</term>, wenn es uns klar wird, dass es gilt, bereit zu sein wartend, bereit zu sein auf das Kommen des Herrn. Dieses ungewisse Wann? ist es, das die Sache so ernst macht. Wenn wir vorauswissen könnten, was kommt und wann es kommt, es wäre Alles ganz anders. |</p>
                    <p>Denkt euch, wir könnten wissen: morgen um diese Zeit muss ich sterben. Da wollten wir wohl bereit sein, da könnten wir wie jene Jungfrauen mit brennender Lampe dastehen. Aber etwas ganz Anderes ist es, monate- und jahrelang, ein Leben lang zu leben in dem Gedanken: heute oder morgen kann der <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> da sein als Bote der <term ref="kbga-terms-1037">Herrschaft</term>, der <term ref="kbga-terms-1269">Erlösung</term>, des <term ref="kbga-terms-388">Gerichtes Gottes</term>. Denkt euch, wir könnten wissen: heute Abend werde ich ein Erlebnis machen, da werde ich alle Energie, alle Festigkeit, alles Vertrauen nötig haben. Dann könnten wir uns rüsten, uns zusammennehmen, wie man sagt, und gefasst dem Abend entgegengehen. Aber das Schwierige ist, dass solche Erlebnisse, in denen der Herr zu uns kommt, sich nicht ankündigen, sondern sie sind da, bevor wir es uns gedacht, und oft erkennen wir sie erst, wenn sie vorüber sind. Vorrat haben, auch wenn man nicht sicher weiß, ob man es braucht, gleichsam geladen sein mit Energie, Festigkeit, Vertrauen, Klugheit, für <hi rend="italic">alle</hi> Fälle, das würde heißen, bereit sein. Wenn die <term ref="kbga-terms-1709">Völker</term>, wenn die <term ref="kbga-terms-402">Menschheit</term> sich auf Tag und Stunde rüsten könnte für die kommenden Ereignisse, aber so denkt jedes Geschlecht: uns trifft’s nicht mehr, und nach uns die Sündflut!<note xml:id="n08">
                            <p> Die Redewendung wird auf <persName ref="kbga-actors-9128">Jeanne Antoinette Poisson</persName>, die Marquise de Pompadour (1720–1764), zurückgeführt. Während eines Festes, das durch die Nachricht von der Niederlage bei <placeName ref="kbga-places-1103">Roßbach</placeName> (1757) gestört zu werden drohte, soll sie «Après nous le déluge!» («Nach uns die Sintflut!») ausgerufen haben; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-828">Büchmann, S. 399</bibl>.</p>
                        </note> Und so treffen die Ereignisse doch wieder unvorbereitete Menschen. So ging es vor der <term ref="kbga-terms-61">Reformation</term> und vor der <term ref="kbga-terms-1990">Revolution</term>, vielleicht geht es heute wieder so. Ja, wenn man es zum Voraus wissen könnte, wann Gott zu uns reden will, wenn man sich dann rasch zurechtstellen könnte, sich bereit machen im letzten Augenblick. Aber das geht eben <pb xml:id="p559" ed="pga"/> nicht: Wer im rechten Augenblick sehen, hören und zugreifen will, der muss schon vorher bereit gewesen sein. Und wer keinen Vorrat gehabt hat, dessen Licht leuchtet auch nicht, wenn der Bräutigam kommt. Es ist eine gefährliche Verirrung, wenn die <term ref="kbga-terms-34">katholische Kirche</term> es ihren Mitgliedern so leicht macht, sich auch nach dem gottlosesten Leben noch rasch vor dem Tode durch ein paar Zeremonien die ewige Seligkeit zu sichern, wie sie meinen. So wenig, als man sich während des Lebens, wenn die großen Entscheidungen kommen, rasch, rasch durch eine <term ref="kbga-terms-1996">letzte Ölung</term> darauf vorbereiten kann.<note xml:id="n09">
                            <p> Die <term ref="kbga-terms-1996">Krankensalbung</term> oder heilige Ölung – früher: «Letzte Ölung» genannt – ist eine an <ref type="can" subtype="bible" target="Jak.5.14">Jak. 5,14</ref> orientierte Handlung an Kranken bzw. Todkranken, die u. a. in der römisch-katholischen Kirche als Sakrament gilt.</p>
                        </note> Das Öl muss vorher da sein, sagt uns Jesus im Gleichnis.</p>
                    <p>Aber <hi rend="italic">was ist denn nun die rechte Vorbereitung</hi> auf jenes Kommen des Herrn, das sich so mannigfaltig vollzieht: in der <term ref="kbga-terms-398">Weltgeschichte</term>, in den Geschichten des Einzelnen, im Tod, der uns Alle vor Gott stellt. Nun, darauf können wir prompt und vollständig antworten: Bereit sind wir, wenn wir <hi rend="italic">in der <term ref="kbga-terms-757">Nachfolge Jesu</term> leben</hi>, wenn seine Gedanken unsre Lebensregel, sein Sinn unser Leitstern, sein Bild unser Vorbild ist. Das ist Alles, was wir brauchen. Die innere Einheit mit ihm ist die Zurüstung, mit der wir auf alle Fälle bestehen werden. Das hat seinen sehr einfachen Grund: wenn wir Jesus lieb haben, nicht durch <term ref="kbga-terms-457">fromme</term> Gedanken und Worte und Gefühle, sondern durch unser <term ref="kbga-terms-56">Leben</term>, dann halten wir damit den Schlüssel der Zukunft in unsern Händen. Wir sind dann zum Voraus sicher, dass das Kommen des Herrn uns Ehre und Freude und Seligkeit bringen muss, wie dort die fünf klugen Jungfrauen sich ruhig auf das Fest freuen konnten. Ich sage, wenn wir den <term ref="kbga-terms-775">Glauben an Jesus</term> haben, das heißt, etwas von seinem Sinn, von seinem Gehorsam und seiner Liebe, dann halten wir den Schlüssel der Zukunft in unsern Händen. Mit Jesus kommen wir überall durch. Was auch die Weltgeschichte bringen mag an neuen Gedanken und Ordnungen, was darin ewig und göttlich ist, das ist jesusgemäß. Der Herr, der kommt in die <term ref="kbga-terms-378">Welt</term>, ist ja Jesus selber und sein Geist. Wenn wir uns in seinen Dienst stellen, so sind wir darum auch bereit und würdig für Alles, was die <term ref="kbga-terms-890">Zukunft</term> bringen mag. Wenn die <term ref="kbga-terms-1709">Völker</term> in seine Schule gehen würden, dann dürften sie getrost den kommenden Entwicklun<pb xml:id="p560" ed="pga" break="no"/>gen entgegensehen. Und gerade so steht es mit unsern persönlichen <term ref="kbga-terms-1027">Erfahrungen</term>, in denen sich Gott bei uns ankündigt. Wenn wir mit Jesus gelebt haben<note place="footnote" n="b" type="textcritical" xml:id="nb">
                            <p> <ref corresp="A">Mskr.</ref>: «hat»; von den Hrsg. korrigiert.</p>
                        </note> und er in uns, dann werden wir mit Ehren und Freuden bestehen, was auch kommen mag. Und ebenso steht es mit dem Tode und dem <term ref="kbga-terms-1268">Gericht</term>, das jenseits des Todes droht. In der <term ref="kbga-terms-757">Nachfolge Jesu</term> kann man auch diesem gewaltigsten <term ref="kbga-terms-1991">Kommen Gottes</term> freudig entgegensehen. Denn seit Jesus gestorben ist, ist der Weg offen, auf dem wir durch den Tod ins Leben eintreten dürfen. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.11.25">Joh. 11,25</ref>]. Wer glaubt, der kommt nicht ins Gericht [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.6.47">Joh. 6,47</ref>]. An ihn glauben, das heißt: ihm im <term ref="kbga-terms-90">Gebet</term> und in der Geduld schlicht nachgehen. Wer das tut, der ist auf den Tod vorbereitet und stirbt selig.</p>
                    <p>Die einfache <term ref="kbga-terms-757">Nachfolge Jesu</term> ist die rechte Vorbereitung auf sein Kommen, auf die großen Fragen, die die <term ref="kbga-terms-398">Geschichte</term> und das <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> und der <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> an uns zu richten haben. Sie ist einfach und doch ist sie gewaltig schwer und dauert lang zu erlernen. Das kann man nicht schnell nachholen im letzten Moment, wenn die Not da ist. Es will gelernt sein in viel Aufmerken und Treue und Ausdauer und Selbstüberwindung. Langsam dringt es ein in die Seelen, noch langsamer in die Völker oder auch nur in die Bevölkerung eines Dorfes. Wir Alle haben noch erstaunlich wenig an uns von der Art Jesu. Und darum stehen wir auch meistens so ungeschickt da, wenn er, der Herr, kommt in großen und kleinen Dingen. Er ist uns neu und ungewohnt, wir wissen nicht, was mit ihm anfangen. Wir stehen verlegen da wie die fünf törichten Jungfrauen mit ihren leeren Lampen.</p>
                    <p>Und nun noch etwas sehr Ernstes zum Schluss. Ich nehme es nicht aus mir selbst, sondern aus Jesu Gleichnis. Es gibt ein <hi rend="italic">Zu spät!</hi> beim Kommen des Herrn. Wenn wir uns von jenen göttlichen Wellen nicht ergreifen lassen, dann bleiben wir eben liegen auf dem Sand mit unserm Schifflein und haben das Nachsehen. Wenn wir die Gelegenheiten vorübergehen lassen, in denen Gott sich uns nahen will in unserm Leben, dann sind das eben verpasste Gelegenheiten, und sie kommen so nicht wieder. Und wenn uns der <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> ereilt hat als <term ref="kbga-terms-1998">Feinde Jesu</term> und seines <term ref="kbga-terms-129">Kreuzes</term>, ja, dann sind wir dem <term ref="kbga-terms-1997">ewigen Gericht</term> verfallen, aus dem wir Menschen jedenfalls keinen Ausweg wissen. Jesus hat dieses «Zu spät!» sehr deutlich ausgesprochen: Die Tür ward verschlossen, <pb xml:id="p561" ed="pga"/> heißt es. Die törichten Jungfrauen möchten von den klugen Öl leihen, aber das verweigern die aus gutem Grund. Sie laufen zum Krämer und holen, aber als sie zurückkommen und Einlass begehren, da antwortet ihnen der Bräutigam: Ich kenne euch nicht! Man darf nicht alle diese Züge der Erklärung ausdeuten und erklären wollen. Man muss das Große Ganze nehmen, was Jesus sagen wollte. Es gibt Momente, wo Gott mit uns fertig ist. Momente, wo wir nur reinen Verlust erleiden. Und die gibt es, wenn wir nicht vorbereitet sind. Solche Momente haben wir Alle auch schon erlebt. Wenn wir uns ihrer mit Beschämung erinnern, wenn wir es mit Schrecken vermeiden möchten, sie in Zukunft wieder zu erleben, dann wollen wir jetzt in dieser <term ref="kbga-terms-1975">Adventszeit</term> unserm Meister neue Treue und bessere Gefolgschaft versprechen. Dann gibt er es uns, wartend bereit zu sein, wenn er <term ref="kbga-terms-271">wiederkommt</term>.</p>
                </div>
                <div type="closer">
                    <salute>Amen.</salute>
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