17. November 1912

Predigt: Galater 6,7-8

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Galater 6,7–8
Irret euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten. Was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
Liebe Freunde!

Gott lässt seiner nicht spotten! – Über der Welt und über unserm Leben waltet und wirkt von Ewigkeit her das unzerbrechliche Gesetz seiner Gerechtigkeit. Verstehen werden wir es niemals können, aber anerkennen müssen wir es, sobald wir auch nur einen Augenblick ernsthaft über uns selbst nachdenken, verehren dürfen wir es, wenn wir erschüttert danach verlangen, uns unter Gottes Gebote zu beugen, liebend umfassen dürfen wir dieses Gesetz, vertrauensvoll uns darauf stützend, jubelnd es verherrlichen, wenn wir in der Nachfolge Jesu Gottes Kinder geworden sind. Es ist zu gleicher Zeit das Allerunbegreiflichste und das Allersicherste, das wir uns denken können. – |

Dieses Gesetz der Gerechtigkeit Gottes ordnet von Ewigkeit zu Ewigkeit zwei große Reiche, hier das Reich des Bösen, der Finsternis, des Verderbens, des Todes, dort das Reich des Guten, des Lichtes, des Wachstums, des Lebens. Beide Reiche sind einander so ungleich als möglich. Feindselig stehen sie einander gegenüber. Keine Versöhnung kann es zwischen ihnen geben, sondern nur die Vernichtung des einen und den Sieg des andern. Aber in einem sind sich die beiden Reiche gleich. Sie sind Beide in Gottes Hand. Gott ist Herrscher im Reich des Bösen wie im Reich des Guten. Das Gesetz seiner Gerechtigkeit gilt hier wie dort. Seine Ordnung triumphiert auf dieser wie auf jener Seite. Unser Verstand mag zerbrechen über der Frage, wie das möglich sei, aber die Tatsache, dass es so ist, kann nicht zerbrochen werden. Hier wie dort gilt die Ordnung, dass jede Ursache ihre eigenartige Wirkung hat, in jedem Reich nach seiner besondern Weise, und von dieser Ordnung gibt es keine Ausnahmen. Fest geschlossen sehen wir hier die Wahrheit, den Gehorsam, den guten Willen, die Treue, die Liebe, den Frieden, die Freude, das Leben. Eins folgt aus dem andern. Eins reiht sich ans andre, greift ins andre ein, wie die im Feuer geschmiedeten Glieder einer eisernen Kette. Diese Notwendigkeit, kraft derer der Weg von der Wahrheit zur Liebe und von der Liebe zum Leben führen muss, ist Gottes Gerechtigkeit im Reiche des Guten, des Lichts. Und ebenso fest geschlossen sehen wir dort die Lüge, den Ungehorsam, die Verlotterung, die Untreue, den Hass, die Unruhe, das Entsetzen, den Tod. Wieder folgt eins aus dem andern, wieder greift eins ins andre, wie die Glieder einer Kette ineinander greifen. Und diese Notwendigkeit, die von der Lüge zum Hass führt und vom Hass zum Tod, ist Gottes Gerechtigkeit im Reiche des Bösen, der Finsternis. Es gibt keine Ausnahme von dieser Ordnung, keine einzige. Wohl mag es uns oft im Leben vorkommen, als seien die beiden Reiche wunderlich vermischt, wohl mögen uns die beiden Ketten oft sonderbar verschlungen vorkommen. Sie gehen doch niemals ineinander über. Böses und Gutes rinnen immer wieder auseinander wie Wasser und Öl. Gutes wird nicht böse und Böses wird nicht gut. Licht kann nicht Finsternis erzeugen und noch nie hat die Finsternis Licht geboren. Gottes unerschütterliche Ordnung lässt es nicht zu, weder dem einen noch dem andern. Gottes Gerechtigkeit lässt es nicht zu. Denn wenn auch nur ein einziges Mal aus Gut Böse oder aus Böse Gut werden dürfte, dann wäre zwischen den beiden Reichen die Brücke der Versöhnung geschlagen, dann wäre nicht abzusehen, weshalb der Gegensatz, der Krieg zwischen hüben und drüben, noch fortbestehen müsste. Gott will aber diesen Gegensatz und Krieg, er will, dass Licht und Finsternis kämpfen, und nicht, dass sie einig werden sollen. Es ist müßig zu fragen: warum? So wenig wir darauf antworten können, so wenig können wir uns die Welt und unser Leben denken ohne den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Wir können nur ahnend begreifen, dass durch diesen Kampf die Welt ihr Ziel und unser Leben seinen Sinn erhält, dass durch diesen Kampf, in diesem Kampf die Ehre Gottes in der Welt und in unserm persönlichen Leben offenbart werden muss. Weil Gott diesen Kampf will, darum darf es zwischen Gut und Böse keine Versöhnung geben, darum müssen die beiden Reiche fest in sich selbst geschlossen bleiben. Darum darf keine der beiden Ketten reißen. Aus Licht wird Licht. Aus Finsternis wird Finsternis. Die Wahrheit strebt dem Leben, dem Himmel entgegen, das Ende der Lüge ist der Tod und die Hölle. Es gibt keine Ausnahmen.

512 Irret euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten! Mitten inne zwischen den beiden Reichen steht der Mensch. Nein, die Grenzlinie zwischen beiden läuft mitten durch seine Seele. Da ist ein Bezirk, in der Bibel das «Fleisch» genannt. Vielleicht werden wir den Ausdruck besser übersetzen: das Ich. Das ist das Wirrwarr von Bedürfnissen, Wünschen unda Befürchtungen, in denen der Mensch nur an sich selbst denkt, an seine Befriedigung, seine Neigungen, seine Ruhe. Das ist das Natürliche im Menschen. Das Natürliche ist an sich nichts Böses. Wenn es vom Geist überwunden und regiert wird, ist es gut. Aber das Böse schlummert im Natürlichen. Es ist der Bezirk in der Seele des Menschen, wo das Reich der Finsternis seine Station hat. Wenn ein Mensch es mit seinem Fleisch hält, mit seinem Ich, wenn das Fleisch herrscht und der Geist gehorcht, dann hat sich der Mensch auf die Seite dieses Reiches gestellt. Auf der andern Seite ist in der Seele des Menschen ein Bezirk, der heißt in der Bibel: «Geist». Das ist der Trieb nach dem Großen, nach dem Vollkommenen, nenne man es nun Wahrheit oder Güte oder Schönheit oder, wie man immer will. Das ist das Überlegene, Höhere, Übernatürliche im Menschen. In allen Menschen ist «Geist», gerade wie in allen Menschen «Fleisch» ist. Und dieser Trieb ist an sich noch nicht gut, wie der Fleischestrieb an sich noch nicht böse ist. Aber das Gute schlummert darin. Das Reich des Lichts hat hier seinen Posten in der Seele des Menschen. Und wenn ihm nun der Mensch gehorsam ist, wenn er sich auf seine Seite schlägt, wenn er es mit dem «Geist» hält, dann hat er sich eben damit auch auf die Seite jenes Lichtreiches gestellt. – |

Nach Gottes Ebenbild ist der Mensch geschaffen [vgl. Gen. 1,27]. Gottes Gerechtigkeit verordnet, dass zwischen Licht und Finsternis Kampf sein soll. So soll auch im Leben der Menschen Kampf sein zwischen den beiden Reichen. Wir Alle können aus Erfahrung wissen, dass das so ist: Auch in den Zeiten, wo wir unserm Fleisch, unsrer tierischen Natur, unserm Ich ganz die Zügel haben schießen lassen, wo wir also auf Seite des Bösen traten, auch in solchen Zeiten wurden wir beunruhigt durch Angriffe von der Seite des Lichtreiches. Der Geist, der Trieb nach Vollkommenheit oder, wie man auch sagen könnte: das Gewissen stachelte und plagte uns und sagte uns: es soll |513 nicht sein. Und umgekehrt: auch in Zeiten, wo wir dem Geist gehorsam waren, wo wir ein gutes Gewissen hatten, folgte uns doch wieder das Böse in Gestalt unsres natürlichen Wesens. Unser Fleisch, unser Ich packte uns an im Auftrag des Reiches der Finsternis. Wir sind im Kampfe Tag und Nacht,1 gleichviel ob wir uns gerade auf bösen oder guten Wegen befinden. Wir erkennen darin Gottes Gerechtigkeit, die nicht will, dass wir jemals ohne Kampf seien. |

Aber wir wissen mehr als das. Wir wissen nicht nur, dass wir zum Kampf bestimmt sind zwischen Gut und Böse. Das wäre eine ganz verzweifelte Lage. Wir stünden dann zwischen Gut und Böse fast wie einer, der vom fallenden Weh2 bald so, bald so verzogen und geschüttelt wird. Paulus hat es im selben Galaterbrief beschrieben, wie das ist, wenn wir nur das wissen, dass wir kämpfen müssen für das Gute gegen das Böse: Das Fleisch gelüstet wider den Geist, schreibt er, und der Geist wider das Fleisch – dieselbigen sind widereinander, dass ihr nicht tut, was ihr wollt! [Gal. 5,17] Damit kämen wir nicht weiter. Nun hat uns aber Gott in Jesus Christus versichert, dass der Kampf des Lichtes gegen die Finsternis ein siegreicher ist, dass es nicht bleiben soll bei jenem Hin- und Herwogen, sondern dass das Gute schließlich die Oberhand behält. Jesu Leben und Jesu Kreuz sagen uns das in ganz unmissverständlicher Weise. Unsre Vernunft könnte uns das niemals beantworten: ob denn schließlich das Gute oder das Böse triumphieren, welches das Ende jener unbegreiflichen Ordnung Gottes sein werde. Wenn wir auf die andern Menschen sähen, so bekämen wir auch keine Antwort oder vielleicht eine schlimme, denn wenn wir sie ansehen, ohne an Jesus zu denken, müssen wir immer das Böse viel stärker finden als das Gute. Und wenn wir auf uns selbst sehen? Wer wollte da von sich aus wissen und behaupten: ich gewinn’s! der Geist |514 soll triumphieren in mir! Sieh du zu, dass du nicht schon morgenb wieder vom Fleisch überrumpelt wirst. Wir sind keinen Tag sicher davor. Jesus gibt uns die Zuversicht auf ein gutes Ende des Streits.c Während wir sonst zittern müssten vor Gottes Gerechtigkeit als vor einem schweren, dunklen Geheimnis, wie vor einer dunklen Gewitterwolke, die ebenso gut tödliche Blitze als erwünschen Regen bringen kann, ist uns durch Jesus Einsicht gegeben in das Ende der Wege Gottes. Wenn wir auch nicht wissen oder nur ahnen, warum Gott es gerade so macht, wie er es macht, wir kennen doch das Ziel: wir wissen, dass die Ehre Gottes sich entfalten wird in einer völligen Überlegenheit des Guten über das Böse, in der Vernichtung des Todes durch das Leben, in der Überwindung der Hölle durch den Himmel. Das Leben und Sterben Jesu in seiner Kraft und Hoheit gibt uns gerade darin Einsicht in den Plan Gottes, der seiner Ordnung zu Grunde liegt. Es macht uns zu Kindern Gottes, die sich mit ihres Vaters Plänen und Absichten zufrieden geben, auch ohne dass sie in allen Einzelheiten verstehen könnten: warum macht er jetzt so und so! Mit Liebe, mit Vertrauen, mit Jubel dürfen wir erfüllt sein gegenüber den Gesetz der Gerechtigkeit Gottes, seit uns Jesus so deutlich gemacht, was Gott mit alledem will. Indem wir uns unter seine Führung stellen, sind wir schon jetzt allem Zweifel enthoben, obwohl wir im Kampf noch mitten drin stehen: Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? [1.Kor. 15,55] Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat in Jesus Christus! [1.Kor. 15,57]

Aber gerade weil wir so zuversichtlich und freudig sein dürfen gegenüber jener geheimnisvollen Ordnung Gottes, die über den Reichen des Guten und des Bösen waltet, gerade darum trifft uns mit erschütterndstem Ernst die Mahnung: Irret euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten! Gottes spotten – das würde bedeuten, dass wir seine Ordnung, die wir so gut kennen, irgendwo missachten, dass wir uns dem Kampfe, zu dem wir verpflichtet sind, entziehen wollen, dem Kampfe, dessen herrliches Ende wir doch kennen. Ich las einmal von einem deutschen Soldaten, der in der siegreichen Schlacht bei Wörth |515 1870 in einem plötzlichen Anfall von Feigheit hinter seinen vorwärtsstürmenden Kameraden zurückblieb und sich hinter einem Busch versteckte.3 Einem solchen Flüchtling aus der siegreichen Schlacht, einem solchen doppelt schmachvollen Flüchtling gleichen wir Christen, wenn wir trotz der Verheißung, die wir in Jesus haben, den Streit für das Gute und gegen das Böse gemächlich aufgeben und Frieden schließen, statt weiterzugehen. |

Wir spotten Gottes auf gar mannigfaltige Weise. Manchmal in offenem Trotz: Es kommt vor, besonders in gewissen Übergangszeiten der Jugend, aber auch sonst, dass uns das Böse in gewissen Formen förmlich lieb wird, dass wir in merkwürdiger Verblendung das Schlechte für schön und gut halten, den Geist mit dem Fleisch verwechseln. Besonders unter dem Einfluss des Weines können einem solche merkwürdigen Verwechslungen passieren. Es kann aber auch ernsthafter sein: es sind schon Dichter und Philosophen und christliche Sekten aufgetreten, die allen Ernstes zum Beispiel den Ehebruch oder doch die Vielehe oder die sogenannte «freie Liebe» als berechtigt und notwendig hingestellt haben.4 Der Geist, das Gewissen, sie wer|516den wie mit einem plötzlichen Ruck ausgeschaltet, und man erklärt: das Fleisch hat Recht. Oder man denke an einen Napoleon mit seinem ungescheut proklamierten Grundsatz, dass Macht vor Recht gehe.5 Habend wir nicht Alle etwa schon das Gute trotzig hingeworfen in dem Gedanken: es geht uns besser, wenn wir’s jetzt einmal mit dem Bösen machen? Die alten Griechen erzählten von den Titanen, die den Himmel mit Gewalt stürmen wollten.6 Das Evangelium antwortet darauf: Gott lässt seiner nicht spotten! Dieser Weg ist kein Weg! |

Manchmal entziehen wir uns der Pflicht mehr unter der Hand. Wir möchten uns nicht auf die Seite des Bösen schlagen, um keinen Preis, |517 aber wir erlauben uns sachte da und dort eine Ausnahme von der Regel. O wie unendlich oft haben wir Gottes schon so gespottet: nicht indem wir ihm frech getrotzt hätten, aber indem wir ganz still und gottergeben dachten: Für diesmal! Wir haben dann jeweilen den abenteuerlichen Gedanken, Gott merke es kaum, wenn es nur einmal geschehe! wir denken: da will ich schon davor sein, dass es sich nicht wiederholt, vielleicht breiten wir sogar vorsorglich noch ein schönes Mäntelchen über die böse Sache. Daraus können sogar Gewohnheiten werden, nicht nur zeitweilige, sondern Lebensgewohnheiten. Wir sind fähig, in der wunderbarsten Weise doppelt Buch zu führen.7 Jesus schon hat von solchen geredet, die Gott dienen wollen und dem Mammon [vgl. Mt. 6,24]. Nun, gerade so kommt es vor, dass wir uns in den höchsten und tiefsten Gedanken und Gefühlen bewegen, aber unsre Leidenschaften und Launen können wir nicht im Zaum halten, dass wir furchtbar fromm sind, aber daneben haben wir ein böses Mundwerk, dass wir schwärmen für Nächstenliebe und Gemeinnützigkeit, aber im eigenen Haus sind wir unerträglich für Menschen und Tiere. Das heißt unter der Hand mit dem Bösen Frieden machen, unter der Hand Gottes und seiner Ordnung spotten, als könnte etwas Gutes daraus kommen. Es kommt aber nichts Gutes daraus. Nicht Gott ist der Verspottete. Wir selbst sind es.

Und noch ein andrer Fall: es kommt vor, dass wir unbewusst jenen Kampf unterlassen. Wir wissen gar nicht mehr, dass wir Böses tun. Böse Gewohnheiten können uns schließlich so ins Blut übergehen, dass wir gar keine Ahnung mehr davon haben, dass etwas nicht in Ordnung sei dabei. Wenn Einer zum Beispiel seit 30 oder 40 Jahren immer ein wenig zu viel getrunken hat, ja, dann ist ihm heute die Empfindung völlig fremd geworden, das sei nicht recht. Er ist wie abgestumpft. Er tut das Böse bewusstlos. Oder wenn eins schlecht erzogen worden ist und lange in schlechter Gesellschaft gelebt hat. Ja, |518 es gibt Menschen, die färben sogar, wenn sie gut erzogen waren, erbärmlich schnell ab von ihrer Umgebung. Sie machen nun dies und jenes mit, sie haben sich an Sachen gewöhnt, die müssten ihnen eigentlich furchtbar sein. Aber sie sind es ihnen durchaus nicht. Sie sind vielleicht noch ziemlich vergnügt dabei. Das kann ganzen Völkern so gehen. Messerstechen ist für einen Italiener etwas ganz Alltägliches, die barbarischen Stierkämpfe sind für die Spanier das liebste Sonntagsvergnügen. Und für viele Deutsche ist das Biertrinken fast eine heilige Sache. Was soll man zu solchen Erscheinungen sagen? Ist das Böse auch noch böse, wenn es unbewusst geschieht? Muss Gott sich das nicht gefallen lassen? Nein, das lässt sich Gott nicht gefallen. Gott lässt seiner nicht spotten, weder durch trotzige noch durch versteckte noch durch unbewusste Abweichung von seiner Ordnung.e

Sondern Gottes Ordnung besteht in Kraft, gleichviel wie wir uns dazu stellen. Sie vollzieht sich einfach an uns; wenn wir nicht wollen, dass sie uns zum Segen werde, so wird sie uns eben zum Fluch. Was der Mensch säet, das wird er ernten. Eine Aussaat ist alles unser Denken und Reden und Tun. In jeder Minute bauen wir am Hause unsres Lebens. In diesem Hause müssen wir nachher wohnen, und dann muss es sich zeigen, wie wir gesät haben. Wir lernen heute an der Aufgabe, die wir morgen in der Schule können müssen. Wir sammeln heute die Vorräte, die wir morgen in der Hungersnot verzehren möchten. Wir schmieden heute die Waffen, mit denen wir uns morgen, wenn der Feind da ist, verteidigen möchten. Im Heute liegen die Wurzeln des Morgen. Jetzt, jetzt entscheidet es sich, was du sein wirst. Unser Leben strömt vorwärts und vorwärts. Was wir Gegenwart nennen, ist immer nur Vorbereitung der Zukunft, und was wir als Zukunft erwarten, ist die Vorbereitung neuer Zukunft. Ein Samenkorn, in dem ein zweites verborgen ist, und im zweiten ein drittes und im dritten ein viertes, so liegt jeder Augenblick vor uns. Du benützest ihn – jetzt hast du gesät und entschieden für alle Zukunft. Du benützest ihn nicht: was du von der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück!8 Du benützest ihn falsch: so ist ein falscher Ton im Zu|519sammenklang deines ganzen Lebens. Glaube nur das nie: der gegenwärtige Augenblick ist gleichgiltig, ich kann ihn brauchen, wie es kommt! Ich habe das schon an mir selbst erfahren, dass es sich bitter gerächt hat, gerade immer, wenn ich das dachte. Kein Augenblick ist gleichgiltig, jeder ist eine Aussaat, jeder hat auch seine Ernte, früher oder später. Und glaub nur das nie: Was ich jetzt denke oder tun will, das ist so geringfügig, dass es mir nichts schadet, dass es keine Folgen haben wird. Doch! Verlass dich darauf: Alles hat seine Folgen. Was heute in deinem innersten Herzen vorgegangen, das entscheidet morgen vielleicht über dein Leben. «Du säest einen Gedanken und du erntest eine Tat, du säest eine Tat und du erntest eine Gewohnheit, du säest eine Gewohnheit und du erntest einen Charakter, du säest einen Charakter und du erntest ein Schicksal.»9 Und nun vollzieht sich majestätisch und unerbittlich an uns die Ordnung Gottes, dass aus Gutem Gutes, aus Bösem aber Böses folgt.

Wer auf das Fleisch säet, der wird vom Fleisch das Verderben ernten. Das will sagen: indem wir uns der Ordnung Gottes entziehen wollen, ob trotzig oder heuchlerisch oder bewusstlos gilt sich ganz gleich, indem wir uns ihr entziehen und nicht mehr kämpfen wollen, erfasst sie uns wie das Rad einer Maschine und wird uns zum Verderben. Wenn wir mit dem Bösen Frieden machen, wenn wir es offen oder versteckt oder ganz gedankenlos lieb haben, dann heißt das doch, dass wir auf das Fleisch säen. Nicht der Geist, nicht das Gewissen, nicht der Trieb nach Vollkommenheit leitete uns dazu an, sondern auf alle Fälle das kleine, natürliche, tierische Ich. Sowie das aber geschehen ist, sofort haben wir uns auch dem Reiche der Finsternis unterstellt, sofort sind auch wir dem Gottesgesetz unterworfen, das dort waltet so gut wie im Reiche des Lichts. Wie wenn ein Arbeiter von der Trans|520mission10 erfasst wird, so packt uns die Kette des Bösen und reißt uns der verhängnisvollen Stelle entgegen, wo wir zermalmt werden. Meine nur ja nicht, du könnest schon wieder entrinnen. Nein, wo die Lüge einmal ist, die Verleugnung der göttlichen Wahrheit, und wenn es nur in Gedanken wäre, geschweige denn in Worten, da ist auch schon der Ungehorsam, der Abfall von Gottes Gebot tatsächlich vollzogen. Und wo der Mensch ungehorsam ist, ob er es nun deutlich weiß oder nicht, da ist auch sein Wille verdorben, verroht, geknechtet, und wenn er noch so brav und vergnügt aufträte. Und wo der Wille schlecht geworden ist, da geht die Beständigkeit, die Treue verlorenf aus einem Leben; es ist bloßer Schein, wenn ein Mensch mit schlechtem Willen einem andern Menschen oder einer Aufgabe treu zu sein scheint. Ohne Treue aber gibt es auch keine Liebe. Der böse Mensch ist immer allein, er wird zum Feind aller Andern,11 er hat nur noch einen einzigen Freund, sich selbst, und das Hassen wird ihm Bedürfnis. Aber auch die Freundschaft mit sich selbst geht nicht tief – nein, die Gleichgiltigkeit und Abneigung gegen Gott und die Andern wird zu einer tiefen Zwiespältigkeit in sich selbst: nachdem der Anker verloren ist, treibt das Schiff in den Wellen umher: Sorge und Gier und Kummer werden jetzt wirklich haushohe Wellen, und in dieser Unruhe liegt die Verzweiflung verborgen; denn Unruhe ohne Ende, was ist das Andres als Verzweiflung? Wenn das, was man weggeworfen, die Wahrheit, nun wirklich fehlt, wenn die Lüge dagegen sich in ihrer ganzen Trostlosigkeit offenbart hat, ja, was soll dann der Mensch machen? Ist es dann nicht besser, diesem Leben in seiner Wertlosigkeit ein Ende zu machen? Aber ob freiwillig oder unfreiwillig, der Tod |521 wird immer ein furchtbar, grenzenlos düsterer Schluss eines Lebens sein, das im Fleisch, im Ich seinen Ursprung, seinen Inhalt hatte. Selbst wenn ein Mensch von jener Unruhe und Verzweiflung nichts gespürt hat, der Tod muss ihm zur Strafe, zur entsetzlichen Strafe werden, denn gerade das Fleisch, das Ich, nimmt da auf alle Fälle ein klägliches Ende. Wenn das Fleisch das Höchste ist im Leben, so ist die Verwesung das Letzte im Tode. |

Seht, das ist die Hölle, diese Selbstvernichtung, der wir entgegentreiben, sowie wir auch nur mit der Fußspitze das Reich der Finsternis betreten haben. Das ist der Same, der auf das Fleisch gesät ist und der auf alle Fälle Verderben bringt zur Erntezeit. Wir dürfen nicht denken, dass es auch anders gehen könne, dass aus Lüge jemals Gehorsam gegen Gott oder aus Hass innerer Friede oder aus der innern Unruhe des Gottlosen Seligkeit werden könne. Nein, das sind Dinge aus dem andern Reich, die hier nicht zu finden sind. Als der reiche Mann in der Hölle darum bat, Lazarus möchte den Finger in Wasser tauchen und ihm reichen zur Linderung seiner Qual, da musste ihm gesagt werden, dass zwischen den beiden Welten eine unüberbrückbare Kluft befestigt sei [vgl. Lk. 16,19–24]. Gott lässt seiner nicht spotten. Es ist auf keinen Fall jemals zu erwarten, dass aus Bösem Gutes könnte werden. Wir haben nicht das geringste Recht zu vermuten, es könnte aus Bösem etwas Andres werden als Böses. Wenn wir Böses tun, so sollen wir das klare Bewusstsein haben, das wir uns nicht für ein geringfügiges Fehlerlein, sondern für Tod und Hölle entschieden haben.

Aber etwas Anderes dürfen wir erwarten, auch wenn wir noch so tief gefallen oder gesunken sind: Wer auf den Geist sät, der wird vom Geist das ewige Leben ernten. Nichtwahr, meine Freunde, wir sind auch schon von jener Kette des Bösen erfasst gewesen, wir haben schon gefühlt, wie das ist, wenn man so von der Lüge durch die Untreue dem Hass, der Verzweiflung, dem Tode entgegengeschleudert wird? Einige von uns sind vielleicht auch schon in der Hölle gewesen oder doch nahe daran und wissen genau, was das bedeutet: der Tod ist der Sünde Sold! [Röm. 6,23] Daran ist nichts zu deuten, das ist so. Aber auf den Geist säen dürfen wir, und wenn wir schon im Rachen des Todes wären. Wir dürfen uns zum hundertsten und tausendsten Mal für das Reich des Lichtes entscheiden, wir dürfen den Kampf wieder anfachen, den wir widerspenstig oder heimlich oder unbe|522wusst aufgegeben hatten, und sowie das geschieht, sofort stehen wir auch unter dem Gesetz des Lichtreichs. Mit derselben Majestät und Notwendigkeit folgt aus dem ersten kleinen Schritt der Aufrichtigkeit gegen die Wahrheit Gottes alles Herrliche, das darin gleichsam eingewickelt ist: Gehorsam, Treue, |511 Liebe, Friede, Freude, Leben. Wer auf den Geist sät, der wird vom Geist das ewige Leben ernten. Wer seinem Gewissen wieder folgt, der nimmt damit seinen Platz, seinen Ehrenplatz wieder ein in der Ordnung Gottes. Dasselbe Gesetz, das ihn vorher verurteilte, spricht ihn nun frei, erklärt ihn zum Königskind. Ist das nicht wunderbar? Ja, das ist freilich wunderbar, dass das solche Folgen hat, wenn wir dem Gewissen wieder Recht geben, nachdem lange das Fleisch das große Wort geführt in uns: dass uns der Himmel aufnimmt, nachdem sich schon die Pforten der Hölle geöffnet hatten.g |

Wir müssen noch einmal von Jesus reden, wenn wir dieses Wunderbare begreifen wollen. Das ist eben seine Wirksamkeit, dass er uns die Zuversicht gibt auf ein gutes Ende des Streits, dass er uns, und wenn wir im tiefsten Schlamm steckten, die Hand reicht und uns Mut macht, es noch einmal zu versuchen. Dass er uns Freudigkeit einflößt, auf den Geist zu säen, und wenn wir tausendmal auf das Fleisch gesät und Verderben geerntet hätten. Seit Jesus gelebt hat, muss Keiner mehr in Verzweiflung untergehen. Was er uns gebracht hat, das ist Gnade, Gnade, die uns vom Gericht befreit und die das Gericht überflüssig macht, weil sie uns heiligt. Jesus hat uns die Kraft und die Freudigkeit gebracht, auf den Geist zu säen. Denkt an den Gichtbrüchigen in Kapernaum! Er hatte vom Fleisch das Verderben geerntet, aber Jesus richtet ihn wieder auf: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! [Mk. 2,12] Denkt an die Sünderin, von der wir vor acht Tagen sprachen!12 Sie hatte vom Fleisch das Verderben geerntet; Jesus verdammt sie nicht, aber er heißt sie auf den Geist säen: Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr! [Joh. 8,11] Denkt an den Schächer am Kreuz! Er hatte vom Fleisch das Verderben geerntet, aber noch in letzter Stunde kann Jesus ihm die Zuversicht geben, dass aus dem Geist das ewige Leben wächst: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein [Lk. 23,43]. |

523 Und wir? Liebe Freunde! Wir wollen uns auch an den rechten Platz rufen lassen von ihm in der majestätischen Ordnung Gottes. Dass aus Bösem Böses folgt, das wissen wir, das braucht uns niemand zu sagen. Aber dazu muss er uns anleiten, dass in unserm Leben und durch uns in der Welt aus Gutem Gutes komme, aus der Saat des Geistes die Ernte des ewigen Lebens.h

Amen.

Textkritische Fußnoten

a
Ein zweites, überzähliges «und» im Mskr. wurde von den Hrsg. gestrichen. ↩
b
Mskr.: «Morgen nicht»; von den Hrsg. korrigiert. ↩
c
Barth fügt an dieser Stelle «[7 ¾]» ein; hier und auch im Folgenden geben diese Einfügungen an, zu welcher Uhrzeit er am Samstagabend den Predigttext bis dahin niedergeschrieben hatte. ↩
d
Vor «Haben» ist als Angabe der Uhrzeit «[9]» eingefügt. ↩
e
Im Mskr. folgt als Angabe der Uhrzeit: «[10]». ↩
f
Im Mskr. folgt als Angabe der Uhrzeit: «[11]». ↩
g
Im Mskr. folgt als Angabe der Uhrzeit: «[12]». ↩
h
Im Mskr. folgt als Angabe der Uhrzeit: «[½ 1]». ↩

Sachfußnoten

1
Aus Strophe 1 des Liedes «Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn» von Fr. Oser (GERS 83; EG 377 [dort: «Zieh an …»]) 🎵:
Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn,
Wohl auf! und hilf uns streiten!
Noch hilfst du deinem Volke gern,
Wie du getan vor Zeiten!
Wir sind im Kampfe Tag und Nacht,
O Herr, nimm gnädig uns in acht
Und steh’ uns an der Seiten!
↩
2
Das «fallende Weh» ist ein älterer Ausdruck für Epilepsie. ↩
3
Quelle nicht ermittelt. – Die Schlacht bei Wörth im Unterelsass am 6. August 1870 konnte von den preußisch-deutschen Truppen zwar gewonnen werden und galt als einer der ersten großen Siege im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71; aufgrund der «fatalen Vorliebe der Preußen zur Erstürmung starker feindbesetzter Höhen» hatte am Ende die preußisch-deutsche Seite jedoch mehr Tote zu beklagen als die französische, und der Sieg stand lange keineswegs fest: «die preußischen Kolonnen» waren «fast bis zu ihrer Auflösung in das französische Gewehrfeuer gestürmt. […] Ohne die preußische Artillerie wäre die Schlacht zu einem Fiasko geworden»; vgl. Kl.-J. Bremm, 70/71. Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen, Darmstadt 2019, S. 90–95, Zitate: S. 94f 📖. ↩
4
In der Neuzeit waren es vor allem Schriftsteller und Philosophen der Aufklärung, auf die dies zutrifft: «bei Schriftstellern wie Voltaire und Diderot besteht, trotz einer gewissen Offenheit für die seelischen Qualitäten der Liebe, die wesentliche Ausrichtung auf die körperliche Befriedigung. […] Die Zerstörung der theoretischen Prinzipien paßte nur zu gut zur praktischen Prinzipienlosigkeit in Liebes-Dingen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem radikalen Sensualismus […] und den erotischen Abenteuern eines Casanova: […] Ehe und Liebe gelten […] als unvereinbar. Daß ein Mann seine eigene Frau lieben sollte, erscheint geradezu als lächerlich» (H. Kuhn / K.-H. Nusser, Art. «Liebe», in: HWP 5, Sp. 290–318, dort Sp. 307f. 📖). – Weiter wäre zu nennen der Frühsozialist Charles Fourier (1772–1837), der seine Kritik an der klassischen Ehe und seine Ideen zur «neuen Liebeswelt» bündelte in Le nouveau monde amoureux 📖 (ca. 1820); dies Werk blieb zwar zu Lebzeiten unveröffentlicht, die darin enthaltenen Gedanken fanden aber Eingang in andere Werke. Von ihnen wurde auch August Bebel (1840–1913) beeinflusst (vgl. A. Bebel, Charles Fourier. Sein Leben und seine Theorien, Stuttgart 1890 📖), von dem es in der «Realencyclopädie» wiederum heißt, bei ihm trete «der Wahn von dem Recht der wechselnden Leidenschaft des Einzelnen gegenüber der objektiven Ordnung der Gesellschaft […] auf, wenn er den Geschlechtstrieb wie jeden andern Naturtrieb behandelt sehen will» (J. Gottschick, Art. «Ehe, christliche», in: RE3 V, S. 182–198, dort S. 195 📖). – Christliche Sekten, die sich für eine Vielehe (für Männer) aussprachen, waren etwa die Wiedertäufer zu Münster oder die Mormonen, die sie allerdings ab ca. 1900 nicht mehr praktizierten. ↩
5
Der Satz «Macht geht vor Recht» wird im Allgemeinen – und unter Gleichsetzung von Macht und Gewalt – dazu verwendet, das Recht des Stärkeren zu umschreiben. Schon Luther, der es in der Form «Es gehet gewalt uber recht» in Hab. 1,3 einträgt (WA 19, 359,8), bezeichnet es als ein bekanntes Sprichwort (WA 19, 361,15). Häufig, aber irrtümlich wurde und wird diese Redewendung Otto von Bismarck zugeschrieben. Vgl. Büchmann, S. 453f. 📖 – Eine ähnlich spezifische Verwendung durch Napoleon Bonaparte, der zweifellos oft nach diesem Grundsatz handelte, ließ sich nicht ermitteln. Vgl. aber das ihm zugeschriebene, auf das Recht des Stärkeren abzielende: «Die Vorsehung commandire stets das stärkste Bataillon» (K. Fr. W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 3, Sp. 1520 📖). ↩
6
Im zehn Jahre währenden Kampf des Kronos gegen Zeus standen nach Hesiod, Θεογονία / Theogonie 📖, die meisten Titanen auf Seiten des Kronos und wurden deshalb nach dessen Niederlage in den Tartaros verbannt; vgl. J. Dörig / O. Gigon, Der Kampf der Götter und Titanen (Bibliotheca Helvetica Romana, 4), Olten / Lausanne 1961 📖. ↩
7
Der Begriff «doppelte Buchführung» bezeichnet im betrieblichen Rechnungswesen das System, nach dem jeder zu buchende Vorgang doppelt erfasst und kontrollierbar gemacht wird, in einer Gewinn- und Verlustrechnung und in einer Gesamtbilanz. – Barth versteht den Begriff in der Regel anders, negativ konnotiert, nämlich im Sinn von Mt. 6,24 als ein nicht eindeutiges, sondern den jeweiligen Opportunitäten und Kontexten angepasstes, unterschiedliches Verhalten. ↩
8
Anspielung auf die letzten beiden Zeilen des Gedichtes «Resignation» von Fr. Schiller (Erstdruck: 1786; Sämtliche Werke, Bd. 1, München 19623, S. 130–133, dort S. 133) 📖:
Was man von der Minute ausgeschlagen,
Gibt keine Ewigkeit zurück.
↩
9
Der Ursprung dieses vielzitierten Sprichworts ist unklar, es wird zahlreichen Autoren und sogar verschiedenen kulturellen Kontexten zugeschrieben. In der englischen Fassung: «Sow an act, and you reap a habit. Sow a habit and you reap a character. Sow a character, and you reap a destiny», wurde es unter anderem dem englischen Schriftsteller Charles Reade (1814–1884) zugeschrieben, aber auch dies ist nicht genauer belegt ( https://beruhmte-zitate.de/autoren/charles-reade; zuletzt aufgerufen am 28.11.2021 📖). ↩
10
Mit Transmission wird ein historisches, in der frühen Industrialisierung verwendetes Riemengetriebe bezeichnet, durch das die zur Verfügung stehende Energie auf mehrere Maschinen gleichzeitig weitergeleitet werden konnte. Standen Arbeitende zu nah an den Leder-, Textil oder Stahlriemen, passierte es leicht, dass Kleidungsstücke oder etwa Haare in die Riemen gerieten, was zu furchtbaren Verletzungen bis hin zum Tode führen konnte. ↩
11
In KD IV/2, S. 474 📖, variiert Barth diesen Gedanken leicht: «Der einsame Mensch ist der potentielle […] Feind aller anderen.» – Ähnlich, aber ohne Einschränkung, Bl. Pascal, Pensées, Nr. 455 📖: «car chaque moi est l’ennemi et voudrait être le tyran de tous les autres» / «denn ein jedes Ich ist der Feind aller anderen und wäre gern deren Tyrann». ↩
12
Siehe oben, S. 499–509. ↩