<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-56049">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-56">Predigten 1912</title>
        <title type="content">Predigt: Galater 6,7-8</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Galater 6,7-8, 17. November 1912</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/56049 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1912, hrsg. v. Busch, Eberhard / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2022, S. .</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/56049</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Predigten 1912</title>
          <title type="text">Predigt: Galater 6,7-8</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Busch, Eberhard</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2022</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">49</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Gal 6,7-8, 17. November 1912. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1583">KBA 1119.1</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1912-11-17">17. November 1912</date>
      </creation>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>sermon</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-08-25T09:04:38+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-08-25T09:04:38+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
        <body>
            <div type="sermon">
            <pb xml:id="p510" ed="pga"/>
                <div type="opener">
                    <head>
                        <idno>141</idno>
                    </head>          
                    <dateline>
                        <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName>, Sonntag, den <date when="1912-11-17">17. November 1912</date>
                    </dateline>
                    <epigraph>
                        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.6.7 Gal.6.8">Galater 6,7–8</ref>
                            <quote>
                                Irret euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten. Was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                    <salute>Liebe Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                    <p>Gott lässt seiner nicht spotten! – Über der <term ref="kbga-terms-378">Welt</term> und über unserm <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> waltet und wirkt von <term ref="kbga-terms-1247">Ewigkeit</term> her das unzerbrechliche <hi rend="italic">Gesetz</hi> <term ref="kbga-terms-485">seiner Gerechtigkeit</term>. Verstehen werden wir es niemals können, aber anerkennen müssen wir es, sobald wir auch nur einen Augenblick ernsthaft über uns selbst nachdenken, verehren dürfen wir es, wenn wir erschüttert danach verlangen, uns unter <term ref="kbga-terms-264">Gottes Gebote</term> zu beugen, liebend umfassen dürfen wir dieses Gesetz, vertrauensvoll uns darauf stützend, jubelnd es verherrlichen, wenn wir in der <term ref="kbga-terms-757">Nachfolge</term> Jesu <term ref="kbga-terms-1055">Gottes Kinder</term> geworden sind. Es ist zu gleicher Zeit das Allerunbegreiflichste und das Allersicherste, das wir uns denken können. – |</p>
                    <p>Dieses Gesetz der Gerechtigkeit Gottes ordnet von Ewigkeit zu Ewigkeit <hi rend="italic">zwei große Reiche</hi>, hier das <term ref="kbga-terms-1947">Reich des Bösen</term>, <term ref="kbga-terms-1906">der Finsternis</term>, des Verderbens, des <term ref="kbga-terms-177">Todes</term>, dort das <term ref="kbga-terms-1948">Reich des Guten</term>, <term ref="kbga-terms-1946">des Lichtes</term>, des Wachstums, des <term ref="kbga-terms-56">Lebens</term>. Beide Reiche sind einander so ungleich als möglich. Feindselig stehen sie einander gegenüber. Keine Versöhnung kann es zwischen ihnen geben, sondern nur die Vernichtung des einen und den Sieg des andern. Aber in einem sind sich die beiden Reiche gleich. Sie sind Beide in Gottes Hand. <term ref="kbga-terms-1037">Gott ist Herrscher</term> im Reich des Bösen wie im Reich des Guten. Das <term ref="kbga-terms-180">Gesetz</term> <term ref="kbga-terms-485">seiner Gerechtigkeit</term> gilt hier wie dort. Seine Ordnung triumphiert auf dieser wie auf jener Seite. Unser Verstand mag zerbrechen über der Frage, wie das möglich sei, aber die Tatsache, dass es so ist, kann nicht zerbrochen werden. Hier wie dort gilt die Ordnung, dass jede Ursache ihre eigenartige Wirkung hat, in jedem Reich nach seiner besondern Weise, und von dieser Ordnung gibt es keine Ausnahmen. Fest geschlossen sehen wir hier die <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-340">Wahrheit</term></hi>, den <term ref="kbga-terms-376">Gehorsam</term>, den <term ref="kbga-terms-1885">guten Willen</term>, die <term ref="kbga-terms-1453">Treue</term>, die <term ref="kbga-terms-593">Liebe</term>, den <term ref="kbga-terms-589">Frieden</term>, die <term ref="kbga-terms-1458">Freude</term>, das <term ref="kbga-terms-56">Leben</term>. Eins folgt aus dem andern. Eins reiht sich ans andre, greift ins andre ein, wie die im Feuer geschmiedeten Glieder einer eisernen Kette. Diese Notwendigkeit, kraft derer der Weg von der Wahrheit zur Liebe und von der Liebe zum Leben führen muss, ist <term ref="kbga-terms-485">Gottes Gerechtigkeit</term> im <term ref="kbga-terms-1948">Reiche des Guten</term>, <term ref="kbga-terms-1946">des Lichts</term>. Und ebenso fest geschlossen sehen wir dort die <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1573">Lüge</term></hi>, den <term ref="kbga-terms-785">Ungehorsam</term>, die Verlotterung, die Untreue, den <term ref="kbga-terms-1637">Hass</term>, die Unruhe, das Entsetzen, den <term ref="kbga-terms-177">Tod</term>. Wieder folgt eins aus dem andern, wieder greift eins ins andre, wie die Glieder einer Kette ineinander greifen. Und diese Notwendigkeit, die von der Lüge zum Hass führt und vom Hass zum Tod, ist <term ref="kbga-terms-485">Gottes Gerechtigkeit</term> im <term ref="kbga-terms-1947">Reiche des Bösen</term>, <term ref="kbga-terms-1906">der Finsternis</term>. Es gibt keine Ausnahme von dieser Ordnung, keine einzige. Wohl mag es uns oft im Leben vorkommen, als seien die beiden Reiche wunderlich vermischt, wohl mögen uns die beiden Ketten oft sonderbar verschlungen vorkommen. Sie gehen doch niemals ineinander über. <term ref="kbga-terms-174">Böses</term> und <term ref="kbga-terms-829">Gutes</term> rinnen immer wieder auseinander wie Wasser und Öl. Gutes wird nicht böse und Böses wird nicht gut. Licht kann nicht Finsternis erzeugen und noch nie hat die Finsternis Licht geboren. <term ref="kbga-terms-1353">Gottes unerschütterliche Ordnung</term> lässt es nicht zu, weder dem einen noch dem andern. Gottes Gerechtigkeit lässt es nicht zu. Denn wenn auch nur ein einziges Mal aus Gut Böse oder aus Böse Gut werden dürfte, dann wäre zwischen den beiden Reichen die Brücke der Versöhnung geschlagen, dann wäre nicht abzusehen, weshalb der Gegensatz, der Krieg zwischen hüben und drüben, noch fortbestehen müsste. <hi rend="italic">Gott will</hi> aber diesen Gegensatz und Krieg, er will, dass Licht und Finsternis kämpfen, und nicht, dass sie einig werden sollen. Es ist müßig zu fragen: warum? So wenig wir darauf antworten können, so wenig können wir uns die <term ref="kbga-terms-378">Welt</term> und unser <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> denken ohne den ewigen <term ref="kbga-terms-1949">Kampf zwischen Gut und Böse</term>. Wir können nur ahnend begreifen, dass durch diesen Kampf die Welt ihr Ziel und unser Leben seinen <term ref="kbga-terms-57">Sinn</term> erhält, dass durch diesen Kampf, <hi rend="italic">in</hi> diesem Kampf die <term ref="kbga-terms-28">Ehre Gottes</term> in der Welt und in unserm <term ref="kbga-terms-459">persönlichen Leben</term> offenbart werden muss. Weil Gott diesen Kampf will, darum darf es zwischen Gut und Böse keine Versöhnung geben, darum müssen die beiden Reiche fest in sich selbst geschlossen bleiben. Darum darf keine der beiden Ketten reißen. Aus <term ref="kbga-terms-1904">Licht</term> wird Licht. Aus <term ref="kbga-terms-1905">Finsternis</term> wird Finsternis. Die Wahrheit strebt dem Leben, dem <term ref="kbga-terms-966">Himmel</term> entgegen, das Ende der Lüge ist der Tod und die <term ref="kbga-terms-711">Hölle</term>. Es gibt keine Ausnahmen.</p>
                    <p><pb xml:id="p512" ed="pga" rend="noPipe"/>
                        <hi rend="italic">Irret euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten!</hi> Mitten inne zwischen den beiden Reichen steht der Mensch. Nein, die <term ref="kbga-terms-1950">Grenzlinie</term> zwischen beiden läuft mitten durch seine <term ref="kbga-terms-356">Seele</term>. Da ist ein Bezirk, in der <term ref="kbga-terms-110">Bibel</term> das «<hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1861">Fleisch</term></hi>» genannt. Vielleicht werden wir den Ausdruck besser übersetzen: das <term ref="kbga-terms-1628">Ich</term>. Das ist das Wirrwarr von Bedürfnissen, Wünschen und<note place="footnote" n="a" type="textcritical" xml:id="na">
                            <p> Ein zweites, überzähliges «und» im <ref corresp="A">Mskr.</ref> wurde von den Hrsg. gestrichen.</p>
                        </note> Befürchtungen, in denen der Mensch nur an sich selbst denkt, an seine Befriedigung, seine Neigungen, seine Ruhe. Das ist das <term ref="kbga-terms-1080">Natürliche im Menschen</term>. Das Natürliche ist an sich nichts Böses. Wenn es vom <term ref="kbga-terms-841">Geist</term> überwunden und regiert wird, ist es gut. Aber <term ref="kbga-terms-174">das Böse</term> schlummert im Natürlichen. Es ist <hi rend="italic">der</hi> Bezirk in der Seele des Menschen, wo das Reich der Finsternis seine Station hat. Wenn ein Mensch es mit seinem Fleisch hält, mit seinem Ich, wenn das Fleisch herrscht und der Geist gehorcht, dann hat sich der Mensch auf die Seite dieses Reiches gestellt. Auf der andern Seite ist in der Seele des Menschen ein Bezirk, der heißt in der Bibel: «<hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-841">Geist</term></hi>». Das ist der Trieb nach dem Großen, <term ref="kbga-terms-1952">nach dem Vollkommenen</term>, nenne man es nun <term ref="kbga-terms-340">Wahrheit</term> oder <term ref="kbga-terms-475">Güte</term> oder <term ref="kbga-terms-1626">Schönheit</term> oder, wie man immer will. Das ist das Überlegene, Höhere, Übernatürliche im Menschen. In allen Menschen ist «Geist», gerade wie in allen Menschen «Fleisch» ist. Und dieser <term ref="kbga-terms-1952">Trieb</term> ist an sich noch nicht gut, wie der <term ref="kbga-terms-1861">Fleischestrieb</term> an sich noch nicht böse ist. Aber <term ref="kbga-terms-829">das Gute</term> schlummert darin. Das <term ref="kbga-terms-1946">Reich des Lichts</term> hat hier seinen Posten in der <term ref="kbga-terms-356">Seele</term> des Menschen. Und wenn ihm nun der Mensch gehorsam ist, wenn er sich auf seine Seite schlägt, wenn er es mit dem «Geist» hält, dann hat er sich eben damit auch auf die Seite jenes Lichtreiches gestellt. – | </p>
                    <p>Nach <term ref="kbga-terms-1951">Gottes Ebenbild</term> ist der Mensch geschaffen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.1.27">Gen. 1,27</ref>]. <term ref="kbga-terms-485">Gottes Gerechtigkeit</term> verordnet, dass zwischen Licht und Finsternis <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1949">Kampf</term></hi> sein soll. So soll auch im Leben der Menschen Kampf sein zwischen den beiden Reichen. Wir Alle können aus Erfahrung wissen, dass das so <hi rend="italic">ist:</hi> Auch in den Zeiten, wo wir unserm Fleisch, unsrer tierischen Natur, unserm Ich ganz die Zügel haben schießen lassen, wo wir also auf Seite des Bösen traten, auch in solchen Zeiten wurden wir beunruhigt durch Angriffe von der Seite des Lichtreiches. Der <term ref="kbga-terms-841">Geist</term>, der <term ref="kbga-terms-1952">Trieb nach Vollkommenheit</term> oder, wie man auch sagen könnte: das <term ref="kbga-terms-596">Gewissen</term> stachelte und plagte uns und sagte uns: es soll <pb xml:id="p513" ed="pga"/> nicht sein. Und umgekehrt: auch in Zeiten, wo wir dem Geist gehorsam waren, wo wir ein gutes Gewissen hatten, folgte uns doch wieder das Böse in Gestalt unsres natürlichen Wesens. Unser Fleisch, unser Ich packte uns an im Auftrag des Reiches der Finsternis. Wir sind im Kampfe Tag und Nacht,<note xml:id="n01">
                            <p> Aus Strophe 1 des Liedes <bibl type="song" corresp="kbga-songs-88">«Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn» von <persName ref="kbga-actors-1389">Fr. Oser</persName> (GERS 83; EG 377 [dort: «Zieh an …»])</bibl>: 
                        <q rend="block">
                                    <lg>
                            <l>Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn,</l> 
                            <l>Wohl auf! und hilf uns streiten!</l> 
                            <l>Noch hilfst du deinem Volke gern,</l> 
                            <l>Wie du getan vor Zeiten!</l> 
                            <l>Wir sind im Kampfe Tag und Nacht,</l> 
                            <l>O Herr, nimm gnädig uns in acht</l> 
                            <l>Und steh’ uns an der Seiten!</l>
                                    </lg>
                                </q>
                            </p>
                        </note> gleichviel ob wir uns gerade auf bösen oder guten Wegen befinden. Wir erkennen darin Gottes Gerechtigkeit, die nicht will, dass wir jemals ohne Kampf seien. |</p>
                    <p>Aber wir wissen <hi rend="italic">mehr als das</hi>. Wir wissen nicht nur, dass wir zum <term ref="kbga-terms-1949">Kampf</term> bestimmt sind zwischen Gut und Böse. Das wäre eine ganz verzweifelte Lage. Wir stünden dann zwischen Gut und Böse fast wie einer, der vom fallenden Weh<note xml:id="n02">
                            <p> Das «fallende Weh» ist ein älterer Ausdruck für Epilepsie.</p>
                        </note> bald so, bald so verzogen und geschüttelt wird. <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> hat es im selben Galaterbrief beschrieben, wie das ist, wenn wir nur das wissen, dass wir kämpfen müssen für das Gute gegen das Böse: Das Fleisch gelüstet wider den Geist, schreibt er, und der Geist wider das Fleisch – dieselbigen sind widereinander, dass ihr nicht tut, was ihr wollt! [<ref type="can" subtype="bible" target="Gal.5.17">Gal. 5,17</ref>] Damit kämen wir nicht weiter. Nun hat uns aber Gott in Jesus Christus versichert, dass der Kampf des Lichtes gegen die Finsternis ein <hi rend="italic">siegreicher</hi> ist, dass es nicht bleiben soll bei jenem Hin- und Herwogen, sondern dass das Gute schließlich die Oberhand behält. <term ref="kbga-terms-1434">Jesu Leben</term> und <term ref="kbga-terms-129">Jesu Kreuz</term> sagen uns das in ganz unmissverständlicher Weise. Unsre Vernunft könnte uns das niemals beantworten: ob denn schließlich <term ref="kbga-terms-829">das Gute</term> oder <term ref="kbga-terms-174">das Böse</term> triumphieren, welches das Ende jener unbegreiflichen <term ref="kbga-terms-1353">Ordnung Gottes</term> sein werde. Wenn wir auf die andern Menschen sähen, so bekämen wir auch keine Antwort oder vielleicht eine schlimme, denn wenn wir sie ansehen, ohne an Jesus zu denken, müssen wir immer das Böse viel stärker finden als das Gute. Und wenn wir auf uns selbst sehen? Wer wollte da von sich aus wissen und behaupten: ich gewinn’s! der Geist <pb xml:id="p514" ed="pga"/> soll triumphieren in mir! Sieh du zu, dass du nicht schon morgen<note place="footnote" n="b" type="textcritical" xml:id="nb">
                            <p> <ref corresp="A">Mskr.</ref>: «Morgen nicht»; von den Hrsg. korrigiert.</p>
                        </note> wieder vom Fleisch überrumpelt wirst. Wir sind keinen Tag sicher davor. Jesus gibt uns die Zuversicht auf ein gutes Ende des Streits.<note place="footnote" n="c" type="textcritical" xml:id="nc">
                            <p> Barth fügt an dieser Stelle «[7 ¾]» ein; hier und auch im Folgenden geben diese Einfügungen an, zu welcher Uhrzeit er am Samstagabend den Predigttext bis dahin niedergeschrieben hatte.</p>
                        </note> Während wir sonst zittern müssten vor <term ref="kbga-terms-485">Gottes Gerechtigkeit</term> als vor einem schweren, dunklen Geheimnis, wie vor einer dunklen Gewitterwolke, die ebenso gut tödliche Blitze als erwünschen Regen bringen kann, ist uns durch Jesus Einsicht gegeben in das Ende der Wege Gottes. Wenn wir auch nicht wissen oder nur ahnen, warum Gott es gerade <hi rend="italic">so</hi> macht, <hi rend="italic">wie</hi> er es macht, wir kennen doch das Ziel: wir wissen, dass die <term ref="kbga-terms-28">Ehre Gottes</term> sich entfalten wird in einer völligen Überlegenheit des Guten über das Böse, in der Vernichtung des <term ref="kbga-terms-177">Todes</term> durch das <term ref="kbga-terms-56">Leben</term>, in der Überwindung der <term ref="kbga-terms-711">Hölle</term> durch den <term ref="kbga-terms-966">Himmel</term>. Das Leben und Sterben Jesu in seiner Kraft und Hoheit gibt uns gerade darin Einsicht in den Plan Gottes, der seiner Ordnung zu Grunde liegt. Es macht uns zu <term ref="kbga-terms-1055">Kindern Gottes</term>, die sich mit ihres <term ref="kbga-terms-112">Vaters</term> Plänen und Absichten zufrieden geben, auch ohne dass sie in allen Einzelheiten verstehen könnten: warum macht er jetzt so und so! Mit Liebe, mit Vertrauen, mit Jubel dürfen wir erfüllt sein gegenüber den <term ref="kbga-terms-180">Gesetz</term> der <term ref="kbga-terms-485">Gerechtigkeit Gottes</term>, seit uns Jesus so deutlich gemacht, was Gott mit alledem will. Indem wir uns unter seine Führung stellen, sind wir schon jetzt allem Zweifel enthoben, obwohl wir im Kampf noch mitten drin stehen: Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.55">1.Kor. 15,55</ref>] Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat in Jesus Christus! [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.15.57">1.Kor. 15,57</ref>]</p>
                    <p>Aber gerade weil wir so zuversichtlich und freudig sein dürfen gegenüber jener geheimnisvollen <term ref="kbga-terms-1353">Ordnung Gottes</term>, die über den <term ref="kbga-terms-1948">Reichen des Guten</term> und <term ref="kbga-terms-1947">des Bösen</term> waltet, gerade darum trifft uns mit erschütterndstem Ernst die Mahnung: <hi rend="italic">Irret euch nicht, Gott lässt seiner nicht spotten!</hi> Gottes spotten – das würde bedeuten, dass wir seine Ordnung, die wir so gut kennen, irgendwo missachten, dass wir uns dem Kampfe, zu dem wir verpflichtet sind, entziehen wollen, dem <term ref="kbga-terms-1898">Kampfe</term>, dessen herrliches Ende wir doch kennen. Ich las einmal von einem deutschen Soldaten, der in der siegreichen Schlacht bei <placeName ref="kbga-places-1092">Wörth</placeName> <pb xml:id="p515" ed="pga"/> 1870 in einem plötzlichen Anfall von Feigheit hinter seinen vorwärtsstürmenden Kameraden zurückblieb und sich hinter einem Busch versteckte.<note xml:id="n03">
                            <p> Quelle nicht ermittelt. – Die Schlacht bei Wörth im Unterelsass am <date when="1870-08-06">6. August 1870</date> konnte von den preußisch-deutschen Truppen zwar gewonnen werden und galt als einer der ersten großen Siege im <term ref="kbga-terms-1957">Deutsch-Französischen Krieg 1870/71</term>; aufgrund der «fatalen Vorliebe der Preußen zur Erstürmung starker feindbesetzter Höhen» hatte am Ende die preußisch-deutsche Seite jedoch mehr Tote zu beklagen als die französische, und der Sieg stand lange keineswegs fest: «die preußischen Kolonnen» waren «fast bis zu ihrer Auflösung in das französische Gewehrfeuer gestürmt. […] Ohne die preußische Artillerie wäre die Schlacht zu einem Fiasko geworden»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1350">Kl.-J. Bremm, <hi rend="italic">70/71. Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen</hi>, Darmstadt 2019, S. 90–95, Zitate: S. 94f</bibl>.</p>
                        </note> Einem solchen Flüchtling aus der siegreichen Schlacht, einem solchen doppelt schmachvollen Flüchtling gleichen wir Christen, wenn wir trotz der <term ref="kbga-terms-72">Verheißung</term>, die wir in Jesus haben, den <term ref="kbga-terms-1822">Streit</term> für <term ref="kbga-terms-829">das Gute</term> und gegen <term ref="kbga-terms-174">das Böse</term> gemächlich aufgeben und <term ref="kbga-terms-589">Frieden</term> schließen, statt weiterzugehen. | </p>
                    <p>Wir spotten Gottes auf gar mannigfaltige Weise. Manchmal in offenem <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1953">Trotz</term>:</hi> Es kommt vor, besonders in gewissen Übergangszeiten der <term ref="kbga-terms-881">Jugend</term>, aber auch sonst, dass uns das Böse in gewissen Formen förmlich lieb wird, dass wir in merkwürdiger Verblendung das Schlechte für schön und gut halten, den <term ref="kbga-terms-841">Geist</term> mit dem <term ref="kbga-terms-1861">Fleisch</term> verwechseln. Besonders unter dem Einfluss des Weines können einem solche merkwürdigen Verwechslungen passieren. Es kann aber auch ernsthafter sein: es sind schon Dichter und Philosophen und christliche Sekten aufgetreten, die allen Ernstes zum Beispiel den <term ref="kbga-terms-1932">Ehebruch</term> oder doch die <term ref="kbga-terms-1955">Vielehe</term> oder die sogenannte «<term ref="kbga-terms-1954">freie Liebe</term>» als berechtigt und notwendig hingestellt haben.<note xml:id="n04">
                            <p> In der Neuzeit waren es vor allem Schriftsteller und Philosophen der Aufklärung, auf die dies zutrifft: «bei Schriftstellern wie <hi rend="italic">
                                    <persName ref="kbga-actors-1308">Voltaire</persName></hi> und <hi rend="italic">
                                    <persName ref="kbga-actors-8488">Diderot</persName></hi> besteht, trotz einer gewissen Offenheit für die seelischen Qualitäten der Liebe, die wesentliche Ausrichtung auf die körperliche Befriedigung. […] Die Zerstörung der theoretischen Prinzipien paßte nur zu gut zur praktischen Prinzipienlosigkeit in Liebes-Dingen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem radikalen Sensualismus […] und den erotischen Abenteuern eines <persName ref="kbga-actors-2361">Casanova</persName>: […] Ehe und Liebe gelten […] als unvereinbar. Daß ein Mann seine eigene Frau lieben sollte, erscheint geradezu als lächerlich» (<bibl corresp="kbga-bibls-1349">H. Kuhn / K.-H. Nusser, Art. «Liebe», in: HWP 5, Sp. 290–318, dort Sp. 307f.</bibl>). – Weiter wäre zu nennen der Frühsozialist <persName ref="kbga-actors-2556">Charles Fourier</persName> (1772–1837), der seine Kritik an der klassischen Ehe und seine Ideen zur «neuen Liebeswelt» bündelte in <hi rend="italic">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-1348">Le nouveau monde amoureux</bibl></hi> (ca. 1820); dies Werk blieb zwar zu Lebzeiten unveröffentlicht, die darin enthaltenen Gedanken fanden aber Eingang in andere Werke. Von ihnen wurde auch <persName ref="kbga-actors-2153">August Bebel</persName> (1840–1913) beeinflusst (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1347">A. Bebel, <hi rend="italic">Charles Fourier. Sein Leben und seine Theorien</hi>, Stuttgart 1890</bibl>), von dem es in der «Realencyclopädie» wiederum heißt, bei ihm trete «der Wahn von dem Recht der wechselnden Leidenschaft des Einzelnen gegenüber der objektiven Ordnung der Gesellschaft […] auf, wenn er den Geschlechtstrieb wie jeden andern Naturtrieb behandelt sehen will» (<bibl corresp="kbga-bibls-1346">J. Gottschick, Art. «Ehe, christliche», in: RE<hi rend="sup">3</hi> V, S. 182–198, dort S. 195</bibl>). – Christliche Sekten, die sich für eine Vielehe (für Männer) aussprachen, waren etwa die Wiedertäufer zu Münster oder die Mormonen, die sie allerdings ab ca. 1900 nicht mehr praktizierten.</p>
                        </note> Der Geist, das <term ref="kbga-terms-596">Gewissen</term>, sie wer<pb xml:id="p516" ed="pga" break="no"/>den wie mit einem plötzlichen Ruck ausgeschaltet, und man erklärt: das Fleisch hat Recht. Oder man denke an einen <persName ref="kbga-actors-292">Napoleon</persName> mit seinem ungescheut proklamierten Grundsatz, dass <term ref="kbga-terms-1366">Macht</term> vor <term ref="kbga-terms-337">Recht</term> gehe.<note xml:id="n05">
                            <p> Der Satz «Macht geht vor Recht» wird im Allgemeinen – und unter Gleichsetzung von Macht und Gewalt – dazu verwendet, das Recht des Stärkeren zu umschreiben. Schon <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, der es in der Form «Es gehet gewalt uber recht» in <ref type="can" subtype="bible" target="Hab.1.3">Hab. 1,3</ref> einträgt (WA 19, 359,8), bezeichnet es als ein bekanntes Sprichwort (WA 19, 361,15). Häufig, aber irrtümlich wurde und wird diese Redewendung <persName ref="kbga-actors-500">Otto von Bismarck</persName> zugeschrieben. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-828">Büchmann, S. 453f.</bibl> – Eine ähnlich spezifische Verwendung durch <persName ref="kbga-actors-292">Napoleon Bonaparte</persName>, der zweifellos oft nach diesem Grundsatz handelte, ließ sich nicht ermitteln. Vgl. aber das ihm zugeschriebene, auf das Recht des Stärkeren abzielende: «Die Vorsehung commandire stets das stärkste Bataillon» (<bibl corresp="kbga-bibls-890">K. Fr. W. Wander, <hi rend="italic">Deutsches Sprichwörter-Lexikon</hi>, Bd. 3, Sp. 1520</bibl>).</p>
                        </note> Haben<note place="footnote" n="d" type="textcritical" xml:id="nd">
                            <p> Vor «Haben» ist als Angabe der Uhrzeit «[9]» eingefügt.</p>
                        </note> wir nicht Alle etwa schon das Gute trotzig hingeworfen in dem Gedanken: es geht uns besser, wenn wir’s jetzt einmal mit dem Bösen machen? Die alten Griechen erzählten von den Titanen, die den Himmel mit Gewalt stürmen wollten.<note xml:id="n06">
                            <p> Im zehn Jahre währenden Kampf des <persName ref="kbga-actors-9109">Kronos</persName> gegen <persName ref="kbga-actors-8920">Zeus</persName> standen nach <bibl corresp="kbga-bibls-1344">
                                    <persName ref="kbga-actors-4246">Hesiod</persName>, <hi rend="italic">Θεογονία / Theogonie</hi></bibl>, die meisten Titanen auf Seiten des Kronos und wurden deshalb nach dessen Niederlage in den Tartaros verbannt; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1345">J. Dörig / O. Gigon, <hi rend="italic">Der Kampf der Götter und Titanen</hi> (Bibliotheca Helvetica Romana, 4), Olten / Lausanne 1961</bibl>.</p>
                        </note> Das Evangelium antwortet darauf: Gott lässt seiner nicht spotten! Dieser Weg ist kein Weg! |</p>
                    <p>Manchmal entziehen wir uns der Pflicht mehr <hi rend="italic">unter der Hand</hi>. Wir möchten uns nicht auf die Seite des Bösen schlagen, um keinen Preis, <pb xml:id="p517" ed="pga"/> aber wir erlauben uns sachte da und dort eine Ausnahme von der Regel. O wie unendlich oft haben wir Gottes schon so gespottet: nicht indem wir ihm frech getrotzt hätten, aber indem wir ganz still und gottergeben dachten: Für diesmal! Wir haben dann jeweilen den abenteuerlichen Gedanken, Gott merke es kaum, wenn es nur einmal geschehe! wir denken: da will ich schon davor sein, dass es sich nicht wiederholt, vielleicht breiten wir sogar vorsorglich noch ein schönes Mäntelchen über die böse Sache. Daraus können sogar <term ref="kbga-terms-1683">Gewohnheiten</term> werden, nicht nur zeitweilige, sondern Lebensgewohnheiten. Wir sind fähig, in der wunderbarsten Weise <term ref="kbga-terms-1681">doppelt Buch zu führen</term>.<note xml:id="n07">
                            <p> Der Begriff «<term ref="kbga-terms-1681">doppelte Buchführung</term>» bezeichnet im betrieblichen Rechnungswesen das System, nach dem jeder zu buchende Vorgang doppelt erfasst und kontrollierbar gemacht wird, in einer Gewinn- und Verlustrechnung und in einer Gesamtbilanz. – Barth versteht den Begriff in der Regel anders, negativ konnotiert, nämlich im Sinn von <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.24">Mt. 6,24</ref> als ein nicht eindeutiges, sondern den jeweiligen Opportunitäten und Kontexten angepasstes, unterschiedliches Verhalten.</p>
                        </note> Jesus schon hat von solchen geredet, die Gott dienen wollen und dem <term ref="kbga-terms-1831">Mammon</term> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.24">Mt. 6,24</ref>]. Nun, gerade so kommt es vor, dass wir uns in den höchsten und tiefsten <term ref="kbga-terms-1690">Gedanken</term> und <term ref="kbga-terms-1435">Gefühlen</term> bewegen, aber unsre <term ref="kbga-terms-1635">Leidenschaften</term> und <term ref="kbga-terms-1721">Launen</term> können wir nicht im Zaum halten, dass wir furchtbar fromm sind, aber daneben haben wir ein böses Mundwerk, dass wir schwärmen für <term ref="kbga-terms-851">Nächstenliebe</term> und Gemeinnützigkeit, aber im eigenen Haus sind wir unerträglich für Menschen und Tiere. Das heißt unter der Hand mit dem <term ref="kbga-terms-174">Bösen</term> Frieden machen, unter der Hand Gottes und <term ref="kbga-terms-1353">seiner Ordnung</term> spotten, als könnte etwas <term ref="kbga-terms-829">Gutes</term> daraus kommen. Es kommt aber nichts Gutes daraus. Nicht Gott ist der Verspottete. Wir selbst sind es.</p>
                    <p>Und noch ein andrer Fall: es kommt vor, dass wir <hi rend="italic">unbewusst</hi> <term ref="kbga-terms-1898">jenen Kampf</term> unterlassen. Wir wissen gar nicht mehr, dass wir <term ref="kbga-terms-174">Böses</term> tun. Böse <term ref="kbga-terms-1683">Gewohnheiten</term> können uns schließlich so ins Blut übergehen, dass wir gar keine Ahnung mehr davon haben, dass etwas nicht in Ordnung sei dabei. Wenn Einer zum Beispiel seit 30 oder 40 Jahren immer ein wenig zu viel getrunken hat, ja, dann ist ihm heute die Empfindung völlig fremd geworden, das sei nicht recht. Er ist wie abgestumpft. Er tut das Böse bewusstlos. Oder wenn eins schlecht erzogen worden ist und lange in schlechter Gesellschaft gelebt hat. Ja, <pb xml:id="p518" ed="pga"/> es gibt Menschen, die färben sogar, wenn sie gut erzogen waren, erbärmlich schnell ab von ihrer Umgebung. Sie machen nun dies und jenes mit, sie haben sich an Sachen gewöhnt, die müssten ihnen eigentlich furchtbar sein. Aber sie sind es ihnen durchaus nicht. Sie sind vielleicht noch ziemlich vergnügt dabei. Das kann ganzen Völkern so gehen. Messerstechen ist für einen Italiener etwas ganz Alltägliches, die barbarischen Stierkämpfe sind für die Spanier das liebste Sonntagsvergnügen. Und für viele Deutsche ist das Biertrinken fast eine heilige Sache. Was soll man zu solchen Erscheinungen sagen? Ist das Böse auch noch böse, wenn es unbewusst geschieht? Muss Gott sich das nicht gefallen lassen? Nein, das lässt sich Gott nicht gefallen. Gott lässt seiner nicht spotten, weder durch trotzige noch durch versteckte noch durch unbewusste Abweichung von <term ref="kbga-terms-1353">seiner Ordnung</term>.<note place="footnote" n="e" type="textcritical" xml:id="ne">
                            <p> Im <ref corresp="A">Mskr.</ref> folgt als Angabe der Uhrzeit: «[10]».</p>
                        </note>
                    </p>
                    <p>Sondern Gottes Ordnung besteht in Kraft, gleichviel wie wir uns dazu stellen. Sie vollzieht sich einfach an uns; wenn wir nicht wollen, dass sie uns zum <term ref="kbga-terms-1051">Segen</term> werde, so wird sie uns eben zum <term ref="kbga-terms-721">Fluch</term>. <hi rend="italic">Was der Mensch säet, das wird er ernten</hi>. Eine Aussaat ist alles unser <term ref="kbga-terms-1501">Denken</term> und <term ref="kbga-terms-1692">Reden</term> und <term ref="kbga-terms-1691">Tun</term>. In jeder Minute bauen wir am Hause unsres Lebens. In diesem Hause müssen wir nachher wohnen, und dann muss es sich zeigen, wie wir gesät haben. Wir lernen heute an der Aufgabe, die wir morgen in der Schule können müssen. Wir sammeln heute die Vorräte, die wir morgen in der Hungersnot verzehren möchten. Wir schmieden heute die Waffen, mit denen wir uns morgen, wenn der Feind da ist, verteidigen möchten. Im Heute liegen die Wurzeln des Morgen. Jetzt, jetzt entscheidet es sich, was du sein wirst. Unser Leben strömt vorwärts und vorwärts. Was wir Gegenwart nennen, ist immer nur Vorbereitung der Zukunft, und was wir als Zukunft erwarten, ist die Vorbereitung neuer Zukunft. Ein Samenkorn, in dem ein zweites verborgen ist, und im zweiten ein drittes und im dritten ein viertes, so liegt jeder Augenblick vor uns. Du benützest ihn – jetzt hast du gesät und entschieden für alle Zukunft. Du benützest ihn nicht: was du von der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück!<note xml:id="n08">
                            <p> Anspielung auf die letzten beiden Zeilen des Gedichtes <bibl corresp="kbga-bibls-1343">«Resignation» von <persName ref="kbga-actors-764">Fr. Schiller</persName> (Erstdruck: 1786; Sämtliche Werke, Bd. 1, München 1962<hi rend="sup">3</hi>, S. 130–133, dort S. 133)</bibl>: 
                        <q rend="block">
                                    <lg>
                            <l>Was man von der Minute ausgeschlagen,</l> 
                            <l>Gibt keine Ewigkeit zurück.</l>
                                    </lg>
                                </q>
                            </p>
                        </note> Du benützest ihn falsch: so ist ein falscher Ton im Zu<pb xml:id="p519" ed="pga" break="no"/>sammenklang deines ganzen Lebens. Glaube nur <hi rend="italic">das</hi> nie: der gegenwärtige Augenblick ist gleichgiltig, ich kann ihn brauchen, wie es kommt! Ich habe das schon an mir selbst erfahren, dass es sich bitter gerächt hat, gerade immer, wenn ich das dachte. <hi rend="italic">Kein</hi> Augenblick ist gleichgiltig, <hi rend="italic">jeder</hi> ist eine Aussaat, <hi rend="italic">jeder</hi> hat auch seine Ernte, früher oder später. Und glaub nur <hi rend="italic">das</hi> nie: Was ich jetzt denke oder tun will, das ist so geringfügig, dass es mir nichts schadet, dass es keine Folgen haben wird. Doch! Verlass dich darauf: Alles hat seine Folgen. Was heute in deinem innersten Herzen vorgegangen, das entscheidet morgen vielleicht über dein Leben. «Du säest einen Gedanken und du erntest eine Tat, du säest eine Tat und du erntest eine Gewohnheit, du säest eine Gewohnheit und du erntest einen Charakter, du säest einen Charakter und du erntest ein Schicksal.»<note xml:id="n09">
                            <p> Der Ursprung dieses vielzitierten Sprichworts ist unklar, es wird zahlreichen Autoren und sogar verschiedenen kulturellen Kontexten zugeschrieben. In der englischen Fassung: «<foreign xml:lang="eng">Sow an act, and you reap a habit. Sow a habit and you reap a character. Sow a character, and you reap a destiny</foreign>», wurde es unter anderem dem englischen Schriftsteller <persName ref="kbga-actors-9108">Charles Reade</persName> (1814–1884) zugeschrieben, aber auch dies ist nicht genauer belegt (<bibl corresp="kbga-bibls-1342">
                                    <ref target="https://beruhmte-zitate.de/autoren/charles-reade">https://beruhmte-zitate.de/autoren/charles-reade</ref>; zuletzt aufgerufen am 28.11.2021</bibl>).</p>
                        </note> Und nun vollzieht sich majestätisch und unerbittlich an uns die <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1353">Ordnung Gottes</term></hi>, dass aus Gutem <term ref="kbga-terms-829">Gutes</term>, aus Bösem aber <term ref="kbga-terms-174">Böses</term> folgt.</p>
                    <p>
                        <hi rend="italic">Wer auf das Fleisch säet, der wird vom Fleisch das Verderben ernten</hi>. Das will sagen: indem wir uns der Ordnung Gottes entziehen wollen, ob trotzig oder heuchlerisch oder bewusstlos gilt sich ganz gleich, indem wir uns ihr entziehen und nicht mehr kämpfen wollen, erfasst sie uns wie das Rad einer Maschine und wird uns zum Verderben. Wenn wir mit dem Bösen Frieden machen, wenn wir es offen oder versteckt oder ganz gedankenlos lieb haben, dann heißt das doch, dass wir auf das <term ref="kbga-terms-1861">Fleisch</term> säen. Nicht der <term ref="kbga-terms-841">Geist</term>, nicht das <term ref="kbga-terms-596">Gewissen</term>, nicht der <term ref="kbga-terms-1952">Trieb nach Vollkommenheit</term> leitete uns dazu an, sondern auf alle Fälle das kleine, natürliche, tierische <term ref="kbga-terms-1628">Ich</term>. Sowie das aber geschehen ist, sofort haben wir uns auch dem <term ref="kbga-terms-1906">Reiche der Finsternis</term> unterstellt, sofort sind auch wir dem <term ref="kbga-terms-180">Gottesgesetz</term> unterworfen, das dort waltet so gut wie im <term ref="kbga-terms-1946">Reiche des Lichts</term>. Wie wenn ein Arbeiter von der Trans<pb xml:id="p520" ed="pga" break="no"/>mission<note xml:id="n10">
                            <p> Mit Transmission wird ein historisches, in der frühen Industrialisierung verwendetes Riemengetriebe bezeichnet, durch das die zur Verfügung stehende Energie auf mehrere Maschinen gleichzeitig weitergeleitet werden konnte. Standen Arbeitende zu nah an den Leder-, Textil oder Stahlriemen, passierte es leicht, dass Kleidungsstücke oder etwa Haare in die Riemen gerieten, was zu furchtbaren Verletzungen bis hin zum Tode führen konnte.</p>
                        </note> erfasst wird, so packt uns die Kette des Bösen und reißt uns der verhängnisvollen Stelle entgegen, wo wir zermalmt werden. Meine nur ja nicht, du könnest schon wieder entrinnen. Nein, wo die <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1573">Lüge</term></hi> einmal ist, die Verleugnung der <term ref="kbga-terms-1884">göttlichen Wahrheit</term>, und wenn es nur in Gedanken wäre, geschweige denn in Worten, da ist auch schon der <term ref="kbga-terms-785">Ungehorsam</term>, der Abfall von <term ref="kbga-terms-264">Gottes Gebot</term> tatsächlich vollzogen. Und wo der Mensch <hi rend="italic">ungehorsam</hi> ist, ob er es nun deutlich weiß oder nicht, da ist auch sein Wille verdorben, verroht, geknechtet, und wenn er noch so brav und vergnügt aufträte. Und wo der <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1753">Wille schlecht</term></hi> geworden ist, da geht die Beständigkeit, die <term ref="kbga-terms-1453">Treue</term> verloren<note place="footnote" n="f" type="textcritical" xml:id="nf">
                            <p> Im <ref corresp="A">Mskr.</ref> folgt als Angabe der Uhrzeit: «[11]».</p>
                        </note> aus einem <term ref="kbga-terms-56">Leben</term>; es ist bloßer Schein, wenn ein Mensch mit schlechtem Willen einem andern Menschen oder einer Aufgabe treu zu sein scheint. Ohne <hi rend="italic">Treue</hi> aber gibt es auch keine Liebe. Der böse Mensch ist immer allein, er wird zum <hi rend="italic">Feind</hi> aller Andern,<note xml:id="n11">
                            <p> In <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD IV/2, S. 474</bibl>, variiert Barth diesen Gedanken leicht: «Der einsame Mensch ist der potentielle […] <hi rend="italic">Feind</hi> aller anderen.» – Ähnlich, aber ohne Einschränkung, <bibl corresp="kbga-bibls-1341">
                                    <persName ref="kbga-actors-720">Bl. Pascal</persName>, <hi rend="italic">Pensées</hi>, Nr. 455</bibl>: «<foreign xml:lang="fre">car chaque moi est l’ennemi et voudrait être le tyran de tous les autres</foreign>» / «denn ein jedes Ich ist der Feind aller anderen und wäre gern deren Tyrann».</p>
                        </note> er hat nur noch einen einzigen Freund, sich selbst, und das Hassen wird ihm Bedürfnis. Aber auch die Freundschaft mit <hi rend="italic">sich selbst</hi> geht nicht tief – nein, die <term ref="kbga-terms-1471">Gleichgiltigkeit</term> und Abneigung gegen Gott und die Andern wird zu einer tiefen Zwiespältigkeit in sich selbst: nachdem der Anker verloren ist, treibt das Schiff in den Wellen umher: Sorge und Gier und Kummer werden jetzt wirklich haushohe Wellen, und in dieser Unruhe liegt die <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-1956">Verzweiflung</term></hi> verborgen; denn Unruhe ohne Ende, was ist das Andres als Verzweiflung? Wenn das, was man weggeworfen, die Wahrheit, nun wirklich fehlt, wenn die Lüge dagegen sich in ihrer ganzen Trostlosigkeit offenbart hat, ja, was soll dann der Mensch machen? Ist es dann nicht besser, diesem Leben in seiner Wertlosigkeit ein Ende zu machen? Aber ob freiwillig oder unfreiwillig, der <hi rend="italic">
                            <term ref="kbga-terms-177">Tod</term></hi> <pb xml:id="p521" ed="pga"/> wird immer ein furchtbar, grenzenlos düsterer Schluss eines Lebens sein, das im Fleisch, im Ich seinen Ursprung, seinen Inhalt hatte. Selbst wenn ein Mensch von jener Unruhe und Verzweiflung nichts gespürt hat, der Tod <hi rend="italic">muss</hi> ihm zur Strafe, zur entsetzlichen Strafe werden, denn gerade das <term ref="kbga-terms-1861">Fleisch</term>, das <term ref="kbga-terms-1628">Ich</term>, nimmt da auf alle Fälle ein klägliches Ende. Wenn das Fleisch das Höchste ist im Leben, so ist die Verwesung das Letzte im Tode. |</p>
                    <p>Seht, das ist die Hölle, diese Selbstvernichtung, der wir entgegentreiben, sowie wir auch nur mit der Fußspitze das <term ref="kbga-terms-1906">Reich der Finsternis</term> betreten haben. Das ist der Same, der auf das Fleisch gesät ist und der auf alle Fälle Verderben bringt zur Erntezeit. Wir dürfen nicht denken, dass es auch anders gehen könne, dass aus Lüge jemals Gehorsam gegen Gott oder aus Hass innerer Friede oder aus der innern Unruhe des Gottlosen Seligkeit werden könne. Nein, das sind Dinge aus dem andern Reich, die hier nicht zu finden sind. Als der reiche Mann in der Hölle darum bat, <persName ref="kbga-actors-2307">Lazarus</persName> möchte den Finger in Wasser tauchen und ihm reichen zur Linderung seiner Qual, da musste ihm gesagt werden, dass zwischen den beiden Welten eine unüberbrückbare Kluft befestigt sei [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.16.19 Lk.16.24">Lk. 16,19–24</ref>]. Gott lässt seiner nicht spotten. Es ist auf keinen Fall jemals zu erwarten, dass aus Bösem Gutes könnte werden. Wir haben nicht das geringste Recht zu vermuten, es könnte aus Bösem etwas Andres werden als Böses. Wenn wir <term ref="kbga-terms-174">Böses</term> tun, so sollen wir das klare Bewusstsein haben, das wir uns nicht für ein geringfügiges Fehlerlein, sondern für <term ref="kbga-terms-177">Tod</term> und <term ref="kbga-terms-711">Hölle</term> entschieden haben.  </p>
                    <p>Aber etwas Anderes dürfen wir erwarten, auch wenn wir noch so tief gefallen oder gesunken sind: <hi rend="italic">Wer auf den Geist sät, der wird vom Geist das ewige Leben ernten</hi>. Nichtwahr, meine Freunde, wir sind auch schon von jener Kette des Bösen erfasst gewesen, wir haben schon gefühlt, wie das ist, wenn man so von der Lüge durch die Untreue dem Hass, der Verzweiflung, dem Tode entgegengeschleudert wird? Einige von uns sind vielleicht auch schon in der Hölle gewesen oder doch nahe daran und wissen genau, was das bedeutet: der Tod ist der Sünde Sold! [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.6.23">Röm. 6,23</ref>] Daran ist nichts zu deuten, das <hi rend="italic">ist</hi> so. Aber auf den <term ref="kbga-terms-841">Geist</term> säen dürfen wir, und wenn wir schon im Rachen des Todes wären. Wir dürfen uns zum hundertsten und tausendsten Mal für das <term ref="kbga-terms-1946">Reich des Lichtes</term> entscheiden, wir dürfen den <term ref="kbga-terms-1898">Kampf</term> wieder anfachen, den wir widerspenstig oder heimlich oder unbe<pb xml:id="p522" ed="pga" break="no"/>wusst aufgegeben hatten, und sowie das geschieht, sofort stehen wir auch unter dem Gesetz des Lichtreichs. Mit derselben Majestät und Notwendigkeit folgt aus dem ersten kleinen Schritt der Aufrichtigkeit gegen die Wahrheit Gottes alles Herrliche, das darin gleichsam eingewickelt ist: Gehorsam, Treue, <pb xml:id="p511" ed="pga"/> Liebe, Friede, Freude, Leben. Wer auf den Geist sät, der wird vom Geist das <term ref="kbga-terms-726">ewige Leben</term> ernten. Wer seinem <term ref="kbga-terms-596">Gewissen</term> wieder folgt, der nimmt damit seinen Platz, seinen Ehrenplatz wieder ein in der <term ref="kbga-terms-1353">Ordnung Gottes</term>. Dasselbe Gesetz, das ihn vorher verurteilte, spricht ihn nun frei, erklärt ihn zum Königskind. Ist das nicht wunderbar? Ja, das ist freilich wunderbar, dass das solche Folgen hat, wenn wir dem Gewissen wieder Recht geben, nachdem lange das Fleisch das große Wort geführt in uns: dass uns der <term ref="kbga-terms-966">Himmel</term> aufnimmt, nachdem sich schon die Pforten der <term ref="kbga-terms-711">Hölle</term> geöffnet hatten.<note place="footnote" n="g" type="textcritical" xml:id="ng">
                            <p> Im <ref corresp="A">Mskr.</ref> folgt als Angabe der Uhrzeit: «[12]».</p>
                        </note> |</p>
                    <p>Wir müssen noch einmal von <hi rend="italic">Jesus</hi> reden, wenn wir dieses Wunderbare begreifen wollen. Das ist eben seine Wirksamkeit, dass er uns die Zuversicht gibt auf ein gutes Ende des <term ref="kbga-terms-1822">Streits</term>, dass er uns, und wenn wir im tiefsten Schlamm steckten, die Hand reicht und uns Mut macht, es noch einmal zu versuchen. Dass er uns <term ref="kbga-terms-1458">Freudigkeit</term> einflößt, auf den <term ref="kbga-terms-841">Geist</term> zu säen, und wenn wir tausendmal auf das <term ref="kbga-terms-1861">Fleisch</term> gesät und Verderben geerntet hätten. Seit Jesus gelebt hat, muss Keiner mehr in Verzweiflung untergehen. Was er uns gebracht hat, das ist <term ref="kbga-terms-390">Gnade</term>, Gnade, die uns vom <term ref="kbga-terms-387">Gericht</term> befreit und die das Gericht überflüssig macht, weil sie uns <term ref="kbga-terms-53">heiligt</term>. Jesus hat uns die Kraft und die Freudigkeit gebracht, auf den Geist zu säen. Denkt an den Gichtbrüchigen in <placeName ref="kbga-places-862">Kapernaum</placeName>! Er hatte vom Fleisch das Verderben geerntet, aber Jesus richtet ihn wieder auf: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.2.12">Mk. 2,12</ref>] Denkt an die Sünderin, von der wir vor acht Tagen sprachen!<note xml:id="n12">
                            <p> Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/56/p499#p499">S. 499–509.</ref> <!--[56048]-->
                            </p>
                        </note> Sie hatte vom Fleisch das Verderben geerntet; Jesus verdammt sie nicht, aber er heißt sie auf den Geist säen: Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr! [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.8.11">Joh. 8,11</ref>] Denkt an den Schächer am Kreuz! Er hatte vom Fleisch das Verderben geerntet, aber noch in letzter Stunde kann Jesus ihm die Zuversicht geben, dass aus dem Geist das ewige Leben wächst: Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.23.43">Lk. 23,43</ref>]. |</p>
                    <p><pb xml:id="p523" ed="pga" rend="noPipe"/> Und wir? Liebe Freunde! Wir wollen uns auch an den rechten Platz rufen lassen von ihm in der majestätischen <term ref="kbga-terms-1353">Ordnung Gottes</term>. Dass aus Bösem <term ref="kbga-terms-174">Böses</term> folgt, das wissen wir, das braucht uns niemand zu sagen. Aber dazu muss er uns anleiten, dass in unserm <term ref="kbga-terms-56">Leben</term> und durch uns in der <term ref="kbga-terms-378">Welt</term> aus Gutem <term ref="kbga-terms-829">Gutes</term> komme, aus der Saat des Geistes die Ernte des <term ref="kbga-terms-726">ewigen Lebens</term>.<note place="footnote" n="h" type="textcritical" xml:id="nh">
                            <p> Im <ref corresp="A">Mskr.</ref> folgt als Angabe der Uhrzeit: «[½ 1]».</p>
                        </note>
                    </p>
                </div>
                <div type="closer">
                    <salute>Amen.</salute>
                </div>
            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
