Predigt Nr. 50 · 9. Oktober 1910

Predigt: Markus 4,26-29

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Markus 4,26–29
Jesus sprach: So steht es mit dem Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen aufs Land geworfen hat, und nun schläft er und steht wieder auf Nacht und Tag, und der Same geht auf und wächst empor, er weiß nicht, wie es geschieht. Von sich selber bringt die Erde Frucht, zuerst das Gras, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, sofort schickt er die Sichel, denn die Ernte ist da.
Liebe Freunde!

Das ist wieder ein prächtiges Gleichnis, für das wir Jesus und dem Evangelisten, der es uns aufbehalten hat, recht dankbar sein müssen. Schon rein vom literarischen Standpunkt aus: Es ist eine Frische und Unmittelbarkeit des Sehens und Empfindens darin, wie sie ähnlich höchstens in gewissen Gedichten Goethes zu finden ist. Bei der Art, wie uns Jesus da erzählt, was ein Bauer ganz selbstverständlich alle Jahre erlebt, muss uns ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit ergreifen gegenüber dem Getöse und der Unbeständigkeit, dem Laufen und Reden, der Aufregung und der Langeweile der alltäglichen Welt, die uns umgibt. Da ist’s uns, als ob wir einen Blick täten in eine andre Welt, etwas von ewigem Sonntagsfrieden umgibt uns, und wir möchten sagen wie die Jünger auf dem Berg der Verklärung: hier ist gut sein, lasset uns Hütten bauen, hier wollen wir bleiben [vgl. Mk. 9,5 par.].

Wirf ab, mein Herz, was dich kränket,
Wirf ab, mein Herz, was dir bange macht.1

609 Jenseits von dem, was uns kränkt und bange macht, ist eine schönere, bessere Welt, die uns nicht enttäuscht, und wenn wir nicht für immer dorthin gehen und dort bleiben können, so wollen wir doch unsre Blicke dorthin richten wie der Wanderer in der Wüste nach der Oase und uns daran freuen, dass es so etwas gibt und dass wir manchmal dort ausruhen dürfen.

Aber so hat es doch Jesus nicht gemeint. Wenn er gesagt hat: so steht es mit dem Reiche Gottes, dann hat er nicht von einer Oase geredet, nicht von einem freundlichen Schattenplatz in der Sonnenhitze des Lebens, wo man hineilt und alles Andre abwirft, sondern von unserm Leben selbst hat er geredet, mit all seiner Sonnenhitze, mit seinem Gepäck und seiner Mühsal, von unserm Leben, das so werden soll wie das Reich Gottes. Ich sagte es schon das letzte Mal: Das ist gerade das Feine und Tiefe an seinen Gleichnissen, dass es da ganz deutlich ist, dass das Evangelium uns nicht aus dem Leben herausführt, sondern ins Leben hinein.2 Die Erde, die von sich selber Frucht bringt nach dem ewigen Gesetz der schöpferischen Natur, das ist Welt, so gut wie die Menschen und Dinge und Ereignisse, die uns verdrießen und ängstigen, und es handelt sich jetzt bloß darum, dass wir verstehen, welche von diesen scheinbar getrennten Welten die wirkliche Welt ist, die Gotteswelt, in der wir atmen und leben und sein wollen. Ein Christ sein heißt, die Welt vom Reiche Gottes aus verstehen, und darum ist ein Christenmensch ein Mensch, der zu leben weiß in der Welt. Und das ist Christentum, wenn der ewige Sonntagsfriede den Montag und die ganze Woche ergreift und erfüllt. Da wird das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit, das Andere nur in einzelnen poetischen und religiösen Augenblicken erfüllt, zum Grundton des ganzen Lebens. Da wird das innere Leben der Seele mit Gott, das Mancher nur wie eine leichte Beute meint an sich reißen und genießen zu können, zu einem Besitz, um den es freilich zu kämpfen gilt, aber es ist ein Kampf mit Siegesgewissheit. Die hochgehenden Wogen der Lebensfreude und Gottesfreude werden zum ruhig und breit dahinflutenden Strom der Ewigkeitsgewissheit, die Wellenberge der religiösen Begeisterung und die Wellentäler der religiösen Enttäuschung ebnen sich zur schönen, ruhigen Gleichmäßigkeit einer stillen Freude am Herrn. Es ver|610schwindet dann der fatale Widerstreit zwischen Sonntagsgedanken und Werktagsgedanken, zwischen Innenleben und Außenleben, zwischen Gott und Welt. Es bekommt dann jeder Augenblick unsres weltlichen Lebens den göttlichen Gehalt, der es verursacht, dass er uns nicht nur erträglich wird, sondern dass wir uns seiner freuen und dankbar sein dürfen, gleichviel ob es ein Augenblick des Schmerzes oder der Freude ist. Das Evangelium führt uns ins Leben hinein, sagte ich, und das tut es, weil es uns zeigt, dass Gott – das will sagen: die Gerechtigkeit, die Liebe, die Güte – die Macht ist in allem Wirklichen, in der Welt und im Leben, das uns umgibt. Diese Gewissheit bringt die Sicherheit und den Ausgleich, die Freude und die Dankbarkeit in unser Leben, nach denen alle Menschen unbewusst und bewusst Verlangen haben, weil es die Bestimmung jedes Menschen ist, so und nicht anders zu leben. Aber wenn wir Verlangen haben nach dem ewigen Sonntagsfrieden, dann müssen wir uns vom Evangelium dahin führen lassen. Wenn wir sehen wollen, dass Gott die Macht in der Welt ist, dann muss er die Macht in uns geworden sein. Jesus konnte an der Welt diese selbstverständliche Freude haben, weil seine Freude an Gott es gar nicht anders zuließ. Eins ist vom Andern nicht zu trennen; durch das Eine müssen wir uns zum Andern leiten lassen. Jesu Gleichnis vom selbstwachsenden Samen kann uns diesen Dienst tun, weil es ein Widerschein ist von ihm selbst, in dem der Friede und die Sicherheit, davon es redet, Tatsache, Wahrheit war. Wenn wir aber seinen Widerschein sehen, sehen wir ihn selbst, und wenn wir ihn selbst sehen, so ist uns geholfen.

So steht es mit dem Reiche Gottes , wie wenn ein Mensch den Samen aufs Land geworfen hat. Der Same ist gesät, damit fängt das Bild an, das ist die selbstverständliche Voraussetzung. Und es gehört doch mit zur Sache. Das Säen ist bereits geschehen, ruhig und gleichmäßig und leer liegen nun die Furchen des Ackers da. Für den Bauern ist es vorläufig erledigt, ein Unkundiger mag daran vorbeigehen und nichts sehen, der Bauer sieht auch nichts mehr von seiner Saat, aber er weiß, dass sie geschehen ist.

So steht es mit dem Reiche Gottes, sagt Jesus. Reich Gottes heißt Herrschaft der Wahrheit und der Liebe in den Menschen und unter den Menschen. Aus verworrenen und ratlosen Kreaturen werden sie |611 zu Kindern Gottes, die erkennen und die wollen. Aus groben und feinen Egoisten zu Männern und Frauen, denen das Herz und der Kopf weit aufgegangen ist für das Größere, das außer ihnen und über ihnen ist, so weit offen, dass sie in Wahrheit nur noch für dies Größere Gedanken und Willen haben. Nun ist die Menschheit das, was sie sein soll, nun nimmt sie ihre eigentliche Stellung ein in der Schöpfung, nun ist diese Schöpfung, die Welt, zur Welt Gottes geworden, des Gottes, der im Menschen sein Ebenbild hat [vgl. Gen. 1,27]. Denn die Welt ist ja nicht ein Wesen für sich, sondern ewig ein Spiegel dessen, was im Menschen ist; ist Gott im Menschen, dann kann es auch in der Welt kein Übel, keine Sünde, keine Ungerechtigkeit mehr geben, die Zeit der Seufzer und Tränen ist nun vorbei. Das war der Gedanke, den Jesus vom Reiche Gottes hatte, und er hat ihn in die Seele seiner Jünger gepflanzt als die eigentlichste Botschaft, die sie den Menschen bringen sollten. «Dein Reich komme!» [Mt. 6,10 par.] sollten sie beten, und wir sehen daraus, dass Jesus sich nicht dem Irrtum hingab, als sei sein Gedanke schon erfüllt. Das Reich Gottes ist zukünftig, es ist das, was werden soll. Aber ebenso sicher besteht die Freudenbotschaft, das Evangelium, gerade darin, dass es schon da ist. Es ist inwendig in euch! konnte Jesus sagen [Lk. 17,21]. Noch ist die Vollendung nicht da, aber trotzdem sollt ihr nicht auf Wunder und Machttaten warten, um seiner gewiss zu werden, trotzdem sollt ihr es nicht mehr suchen nach der alten natürlichen Weise, durch den Dienst des Buchstabens [vgl. Röm. 7,6]. Setzt jetzt euer ganzes Vertrauen auf den Gedanken, dass es da ist, dem Ungläubigen, dem, der nicht sehen und vertrauen will, freilich unsichtbar, aber das ändert nichts an der Tatsache. Der Same ist aufs Land geworfen.

Wir müssen in die Seele dessen hineinzublicken versuchen, der so gesprochen, um diese Reichsgottesgewissheit zu verstehen. Ich meine, es ist höchst erstaunlich, dass er das so sagen konnte: das Reich Gottes ist schon da, es braucht jetzt nur noch zu wachsen, um vollendet und offenbar zu werden. Denn wenn er auf seine Umgebung sah, so mussten ihm andre Gedanken viel näher liegen. Da waren die herrschenden Kreise der israelitischen Frömmigkeit – heutzutage würde man sagen: die streng christlich gesinnten Kreise. Man weiß, wie Jesus darüber gedacht hat: Gotteserkenntnis und Menschenliebe, Wahrheit und Recht fand er bei ihnen nicht, bei ihnen am allerwenigsten. Und nun |612 trotzdem: Der Same ist aufs Land geworfen! Da waren die großen Massen, die ihm nachfolgten und ihn anstaunten. Da sah er freilich in manches leuchtende und dankbare Auge, da spürte er freilich, dass Viele willig waren, ihm das abzunehmen, was er ihnen brachte. Aber er hat sich doch nicht darüber getäuscht, dass das noch kein Anlass und Grund sei, des Reiches Gottes und seiner Zukunft sicher zu sein. Was man heutzutage so oft tut, das Reich Gottes da zu sehen, wo wohlbesetzte Kirchen und Versammlungen3 sind, das hat Jesus gerade nicht getan, denn er musste an das Samenkorn denken, das freilich zu sprießen beginnt, aber es hat Felsboden unter sich und Dornen über sich, und so ist es ein Beginn ohne Fortsetzung [vgl. Mk. 4,5–7 par.]. Wer konnte wissen, ob es nicht bei den Meisten, bei Allen der zuhörenden Menschen sich so verhielt? Es brauchte eine merkwürdige Zuversicht, trotzdem zu denken und zu sagen: Der Same ist aufs Land geworfen, das Reich Gottes ist da. – |

Aber da waren doch wenigstens Jesu Jünger, die Zwölfe und die Andern, die ihm nachfolgten, buchstäblich indem sie sein Leben teilten und das mit unzweifelhafter, treuer Anhänglichkeit. War hier das Reich Gottes, von dem Jesus sagte, dass es da sei? Doch wohl nicht, denn auch dieser engste Kreis um ihn bestand keineswegs aus Gottesmenschen. Auf den Erfolg seines Einflusses bei Petrus, bei den Söhnen des Zebedäus hätte Jesus seine Gewissheit Gottes und seines Reiches niemals abstellena können. Denn da musste er nicht bloß bis zuletzt Unarten und Unbesonnenheiten wahrnehmen, sondern ein das Innerste berührendes Manko von Wahrheit und Liebe. Das Reich Gottes in den Jüngern? Sie haben bis zum letzten Lebenstag Jesu gezeigt, dass sie an ein ganz anderes Reich Gottes dachten als er, dass die Verworrenheit und der Egoismus noch immer die herrschende Macht in ihnen war. Wie kommt Jesus trotz Allem zu der ruhigen Gewissheit: Der Same ist gesät, das Reich Gottes ist da?

613 Ich glaube, wir haben die Erklärung dafür in der Tatsache zu suchen, dass Jesus seine Sicherheit und die Sicherheit der Sache Gottes von vornherein nicht auf das abzustellen gedachte, was er durch seine Worte und Taten ausrichtete, auf seinen großen oder kleinen Erfolg bei den Schriftgelehrten, beim Volk, bei seinen Jüngern. Sondern das war seine Sicherheit, dass er dankbar war für das, was Gott tat, der zunächst in ihm sein Reich, Wahrheit und Liebe, Gerechtigkeit und Freude am Leben hatte Wirklichkeit werden lassen. Er sah Gott in sich selber, in seinem Innern. Der Gehorsam, der ihn ganz regierte, ließ eine Unsicherheit in dieser Dankbarkeit nicht zu. Er konnte ohne Übertreibung von sich sagen: Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater [Mt. 11,27 par.], denn es konnte wirklich grundsätzlich nichts geben, was zwischen ihn und seine Gewissheit der Gegenwart Gottes treten konnte. Von diesem Punkt aus, der im Johannesevangelium besonders unterstrichen ist, müssen wir seinen Gedanken vom Reiche Gottes, das da ist, verstehen. Was in ihm, dem Menschen, Wahrheit geworden war, musste auch in den Andern, in den Menschen, Wahrheit werden. Seinen Worten konnten sie widersprechen, ihr Inneres konnte aufs Tiefste verstockt und verdorben sein, das störte doch nicht seine Gewissheit, dass sie ihm vom Vater übergeben seien, dass jetzt das Licht in der Finsternis angezündet sei. Die Dankbarkeit Gott gegenüber siegte in ihm über den Zweifel den Menschen gegenüber. Er trat zu den Menschen nicht als Vertreter seiner Privatsache, seiner religiösen Ideen, sondern als Vertreter der Sache Gottes, er redete wie einer, der Vollmacht hat [vgl. Mt. 7,29]. Und darum wusste er’s: ich wirke, aber das andre ist wichtiger: Gott der Vater wirkt durch mich [vgl. Joh. 5,17 u. ö.], und weil es so ist, ist der Same gesät, das Reich Gottes ist da, und wenn kein anderer Mensch etwas davon wissen und betätigen würde.

Wenn wir verstehen wollen, was das Gleichnis für uns soll, muss die Voraussetzung Jesu die unsrige werden, wir müssen lernen dankbar sein und in den scheinbar leeren Furchen des Ackers den bereits gesäten Samen sehen. Denn wenn wir uns umsehen in unserm eigenen Leben und im Leben der Menschheit, dann scheinen da freilich lauter leere Furchen uns zu umgeben, wie es dort Jesus hätte gehen müssen, wenn er’s gemacht hätte, wie wir’s gewöhnlich machen. Wir möchten etwas sehen, um des Reiches Gottes gewiss zu sein, Erfolge und Wir|614kungen, die uns überzeugen, dass es Wahrheit ist. Statt dessen sehen wir öfters das Gegenteil, und je genauer wir’s mit uns und den Andern nehmen, desto mächtiger zeigt sich dies Gegenteil. Wir erinnern uns an Stunden und Tage, da das Reich Gottes in uns zu sein schien, wo wir etwas spürten von dem Hochgefühl der reinen Hingabe an Gott, der reinen Gemeinschaft mit ihm. Aber das ging vorbei; es liegt hinter uns, eben als eine Oase, die wir wieder verlassen haben. Es kam uns irgendetwas Plattes, Gewöhnliches dazwischen, wir mussten die reine Höhe wieder verlassen und von ferne zusehen, wie andre dort lebten, ja der quälende Verdacht ist uns wohl gekommen, ob der damals erreichte Höhepunkt unsres Innenlebens am Ende keineswegs ein solcher war, sondern ein Stück unfrommer Extrafrömmigkeit wie die des Pharisäers im Tempel [vgl. Lk. 18,11f.]. Was tun bei solchen Rückfällen, die, gleichviel ob sie schwer oder leicht sind, einen aufrichtigen Menschen zu den peinlichsten Selbstentdeckungen führen müssen? Der Same ist gesät? Das Reich Gottes ist da? Das erscheint uns in solchen Augenblicken und Zeiten doch wohl mehr als eine Ironie, als ein schöner Wunsch denn als eine Tatsache. – |

Und dann sehen wir nach links und rechts hinaus, in die Welt der Menschen, z. B. in die Stadt Genf, in der wir leben, und fragen: wo bleibt das Reich Gottes? Viel Gutes, viele Kirchen, viel Wohltätigkeit, viel bürgerliche Rechtschaffenheit, wer wollte daran zweifeln. Aber das Reich Gottes? Das Ende der Verworrenheit in den Köpfen und der Selbstsucht in den Herzen, der Anfang privater und sozialer Gerechtigkeit, Reinheit und Liebe in der Gesellschaft, ein Staat Gottes in tieferem Sinn, als Calvin ihn gedacht?4 Ich meine, es wird Manchem näher liegen, das Umgekehrte zu sagen: Verworrenheit und Selbstsucht nehmen immer mehr zu, Gerechtigkeit, Reinheit und Liebe verschwinden mehr und mehr, hier wie in der ganzen Welt. Und das |615 Reich Gottes? Und der gesäte Same? Wir zucken mit den Achseln, und es sieht aus, als wäre unsre Frömmigkeit hier wie in den Enttäuschungen unsres persönlichen Lebens auf einen toten Punkt geraten. Ein frommer Wunsch auf eine bessere Zukunft mit einem Fragezeichen dahinter scheint das Letzte zu sein.

Aber nun ist es Jesu Voraussetzung, dass es einen solchen toten Punkt nicht geben dürfe, weder bei der Selbstbetrachtung noch bei der Weltbetrachtung. Und sein Evangelium soll auch uns über diese toten Punkte hinweghelfen. Es sagt uns, wie wir es bei ihm selbst sahen: Lass jetzt einmal alle Erwägungen ruhen über das, was du kannst und nicht kannst, über das, was die Menschen sind und nicht sind, sondern fange mit dem an, was du für das Ende hältst, nämlich mit der Dankbarkeit. Zunächst was die Gottesgewissheit deines persönlichen Lebens belangt. Schau einmal an und besinne dich auf Alles das, was dir geschenkt ist, statt auf das, was du getan oder nicht getan hast. Du bist durch die Taufe in die christliche Gemeinde aufgenommen worden. Das ist keine leere Zeremonie gewesen, die dich und dein inneres Leben jetzt nichts mehr angeht. Sondern du sollst dich deiner Taufe freuen; denn da hat Gott dir im Sinnbild erklärt, dass du im Zusammenhang mit Jesus stehen darfst, und dein ganzes bisheriges Leben ist eine Bestätigung dieser Erklärung. Du stehst unter den Wirkungen Jesu. Und das hast du nicht gemacht; ohne dein Zutun bist du gerade in diesen Zusammenhang gekommen, bist du ein Glied am lebendigen Leibe Christi geworden [vgl. Eph. 5,30 u. ö.]. Und darum bist du jetzt mit deinem Verlangen nach Gott nicht auf dich selbst gestellt, das wäre freilich eine üble Lage, sondern du darfst appellieren aufb dein Bürgerrecht im Reiche Christi, d. h. du darfst dich jeden Augenblick vergewissern, dass so etwas wie das Leben und Sterben Jesu, diese Fülle von göttlicher Wirksamkeit möglich war – nicht im Himmel, nicht jenseits deines Lebens, sondern mitten drin, dass da etwas vorhanden und vollbracht ist, was du nicht vollbracht hättest, aber an das du dich nun halten darfst mit trotziger Zuversicht:

Blick’ empor zum Kreuzesstamme:
Kehre wieder, fürchte nicht,
616 Dass der Gnäd’ge dich verdamme,
Dem sein Herz voll Liebe bricht.5

Mach’s wie Jesus selbst, sieh auf das, was größer ist als du und sei ihm gehorsam, dann wirst du vorsichtig werden gegenüber den innern Höhepunkten, von denen wir sprachen, und ruhig gegenüber den innern Tiefpunkten und wirst es verstehen: Der Same ist gesät, das Reich Gottes ist da. |

Und mit der Gottesgewissheit bei der Weltbetrachtung steht es nicht anders. Wir haben hier wie dort dieselbe Orientierung. Unsre Augen sehen Gottlosigkeit und Dekadenz um und um. Man hört manchmal Christen über die Verderbnis der Welt reden, und man spürt es ihnen an, dass es ihnen ist, als seien sie wie auf einer Insel mit ihrem Glauben, rings umher aber Hölle und Satan. Aber unsre Gottesgewissheit soll nicht solches Inselwesen sein, so wenig wie in unserm persönlichen Leben ein Oasenwesen. Von Jesus aus gesehen sieht die Welt und die Menschheit ganz anders aus. Da kann in dem verkommenen Gesellen aus der Hintergasse der Großstadt heimlich mehr Reich Gottes sein, obwohl er in Jahr und Tag keine Kirche betritt, als im Pfarrer, der alle Sonntage auf der Kanzel steht, im verdächtigen Weib von der Straße mehr als in der korrekten Dame der guten Gesellschaft. Da gibt es Recht und Reinheit und Liebe im tiefsten, innerlichsten Sinn an Orten und in Menschen, wovon wir uns nichts träumen lassen. Da gelten ganz andre Maßstäbe, als wir sie anzuwenden pflegen, denn die Furchen sind umgepflügt, und der Same liegt unten. Ja es ist wahr, wir haben es heutzutage im öffentlichen Leben mit einem gewaltigen Kampf gegen Alles, was Christentum und Kirche heißt, zu tun, und die Gleichgiltigkeit von Tausenden und Abertausenden ist die schwerste Waffe in diesem Kampf. Aber ich glaube nicht, dass das Grundgefühl des gläubigen Christen bei diesem Anblick der Gedanke sein darf, es handle sich da um einen Kampf gegen Gott und sein Reich. Denn der Christ steht dem Allem nicht gegenüber als Vertreter seiner Sache, seiner Ideen und Kirchenlehren, sondern als Vertreter Gottes. Er sieht die Dinge unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit, von Jesus aus, wie ich eben sagte, und das macht, |617 dass er auch in denen, die unsre Kirche meiden oder bekämpfen, etwas von dem sieht, was größer ist als sie selbst und als wir. Denn auch da kommen ganz andre Maßstäbe zur Geltung. Auf alle Fälle: Die Dankbarkeit ist größer als der Zweifel. Was in uns Wahrheit und Leben ist, das Größere, Bessere, das wir nicht gemacht, sondern empfangen haben, das muss sich auch in der Welt durchsetzen. Es kann nicht anders. Denn es ist seine Natur, dass es die Welt beherrscht. Der Same ist gesät. Das Reich Gottes ist da, und es muss uns bleiben.6

Ich sagte, das sei die Voraussetzung unsres Gleichnisses. Aber es ist vielleicht seine Eigentümlichkeit, dass in der Voraussetzung schon der ganze Inhalt verborgen ist. Ein Mensch hat den Samen aufs Land geworfen, und nun schläft er und steht wieder auf Nacht und Tag, und der Same geht auf und wächst empor, er weiß nicht, wie es geschieht. Diese Ergänzung, die so selbstverständlich klingt, kann uns auf die Spur helfen, woran es liegt, dass uns die Gewissheit, die Jesu Voraussetzung war, so oft abgeht. Wir machen es nicht, wie es bei dem Naturvorgang, den Jesus schildert, selbstverständlich ist. Wir möchten wissen, wie es zugeht, dass der Same wächst. Es liegt eine Fülle von reifer Lebenskenntnis in diesem Sätzchen: er weiß nicht, wie es geschieht. Damit ist vor allem gesagt, dass das Wachsen des Samens ein Geheimnis ist. Ja, der Landmann oder ein Naturkundiger könnte uns eins nach dem andern die Veränderungen erklären, die mit dem Samenkorn in der Erde vorgehen von der Stunde, da es gesät wurde, bis zur Stunde, da es die erste grüne Spitze über die Erde treibt. Und ebenso können uns Seelen- und Menschenkundige aufs Genaueste sagen, wie es zugeht, was in einem Menschen vorgeht, wenn das Gute, wenn Gott die Gewalt in ihm bekommt. Dort ist von Zellen und Keimblättern die Rede und hier von treibenden Motiven und beseitigten Hemmungen. Aber dass hier wie dort hinter den Worten noch weitere Fragezeichen stehen müssten, das kann man sich nicht verbergen. Was ist die Kraft, die da wirkt zwischen Erde und Samen hin und her? Man mag sie beschreiben bis ins Einzelnste, Grund und |618 Wesen des Vorgangs ist nicht zu beschreiben, wir stehen vor dem Geheimnis der lebendigen Natur, vor dem Geheimnis der ersten Bewegung.7 Und was ist das für eine Energie, die in einem Menschen zu wirken beginnt, der innerlich oder äußerlich ein neues Leben anfängt? Man mag Erklärungen dafür haben: er ist unter diesen oder jenen Einfluss gekommen, er hat einen starken Eindruck erlebt, es sind Erinnerungen aus seinem eigenen Leben wieder mächtig geworden in ihm. Und Ähnliches mag man sagen, wenn man sieht, wie ganze Familien, Stände, Gesellschaftskreise, ganze Völker tiefgehende geistige Veränderungen durchmachen. Aber die Erklärungen, die man da herbeibringt, sind doch wohl in den meisten Fällen mehr weitläufige Beschreibungen. Es steht hinter der Energieentfaltung im geistigen wie im natürlichen Leben das absolute Geheimnis des Anfangs, das durch die exakteste mikroskopische und psychologische Forschung nur weiter zurückverlegt, nicht gelöst werden kann.

Es ist kein Zufall, dass Jesus diese geheimnisvolle Seite des Reiches Gottes durch die Herbeiziehung jenes Naturvorgangs unterstrichen hat. Die Dankbarkeit gegen das überlegene Wirken Gottes soll dadurch den Charakter der Ehrfurcht bekommen. Wir wissen nicht, wie es geschieht, wenn das Reich Gottes, das da ist, in uns etwas Wirkliches wird, wenn es zur Entfaltung dessen kommt, wozu wir durch die Taufe, durch unser Bürgerrecht im Reiche Christi bestimmt sind, wenn Lebensfreude und ewiger Gehalt in unser Dasein kommt. Denn die Aufrichtigkeit und den Gehorsam, die wir etwa aufgebracht haben, können wir als letzten Grund dafür nicht geltend machen. Das mögen die Keimblätter gewesen sein, die Lebenskraft selbst werden wir ehrlicherweise anderswo suchen müssen. Ehrfurcht kommt nicht uns selbst zu, sondern dem, das uns gemacht zu dem, was wir sind. Wir können die Reihe der Ursachen weiter verfolgen: wir stoßen dann auf unsre Erzieher, auf unsre Eltern, auf unsre Voreltern. Aber das Geheimnis wird mit jedem Schritt dunkler. Wieso stehe gerade ich gerade unter diesem Einfluss, wieso hat er sich bei mir geltend gemacht und bei andern, die ihn auch erfuhren, nicht? Was ging vor |619 zwischen Erde und Samenkorn, nicht einmal, sondern hundert und tausend Mal, bis ich das geworden bin, was ich bin? Ich sage: ich weiß nicht, wie es geschieht, du weißt es auch nicht, keiner weiß es, unser Anfang in Gott ist das Unerforschliche, das wir ruhig zu verehren haben.8 Ehrfurcht, das sei unsre Dankbarkeit gegen den, der uns und alle Menschen zu seinem Reiche, das da ist, berufen hat.

Und diese Ehrfurcht bedeutet nun, dass wir Gott müssen wirken lassen, ohne ihm mit unsern Einfällen und Nachhilfsversuchen dazwischenzukommen. Religion und Frömmigkeit, Leben und Weben im gegenwärtigen Reiche Gottes, das kann man sich nicht machen, das kann man durch keinen Entschluss und innern Anlauf herbeiführen. Aus manchen Äußerungen Jesu kann man vielmehr schließen, dass der fromm ist, der keine Ahnung davon hat, dass er es ist. «Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich» [Mt. 5,3], lesen wir am Anfang der Bergpredigt. Und es wird wohl so sein; es stimmt auffallend zu dem, was hier steht: er weiß nicht, wie es geschieht. Viel Geschraubtes und Unnatürliches, das die Christen um Christi willen meinten tun zu müssen, wäre unterblieben, wenn man auf diesen Zusammenhang zwischen der Dankbarkeit und der Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes mehr geachtet hätte. Vergangene Woche ist ein Bericht durch die Zeitungen gegangen über die Zungenredner an einer sogenannten Pfingstkonferenz in Zürich.9 Da ha|620ben zahlreiche Menschen jedes Alters und Geschlechts stundenlang und tagelang um den heiligen Geist gebetet, um eine sichtbare, körperlich spürbare Wirksamkeit Jesu auf sie. Dergleichen Dinge kann man sich nun sehr wohl suggerieren, d. h. durch kräftige Einbildung herbeiführen, und so ist es geschehen, dass sich die ganze Versammlung unter wunderlichen Schreien und Körperverrenkungen wirklich vom heiligen Geist heimgesucht glaubte. Es soll aber sehr wüst mitanzusehen und anzuhören gewesen sein, und man hat mit Recht gesagt – mag zur Zeit der ersten Christenheit geschehen sein, was wolle –, dass dergleichen Religionsübungen nicht unsres Jahrhunderts Sache sind. Mit dem Glauben ans Evangelium, das uns lehrt, das Unerforschliche ruhig zu verehren, haben sie jedenfalls nichts zu tun, ja sie können uns geradezu als Beispiel dienen dafür, wie man’s nicht machen soll. Diese armen Menschen sind einfach der Idee unterlegen, als ob es unsre Sache sein könne, der Wirksamkeit Gottes entgegenzukommen und nachzuhelfen. Sie wollten wissen, wie es geschieht, wenn der Geist auf einen Menschen kommt, was man da anzustellen hat und wie es nachher zugeht. Unter uns ist schwerlich jemand, der zum Zungenreden Neigung verspürt, aber die Idee, als könne man Gottes Wirksamkeit durchschauen und als müsse man ihr nachhelfen, |621 kennen wir doch Alle. Wir haben immer wieder die Neigung, den Anfang des Reiches Gottes statt in das stille Geheimnis des göttlichen Geistes, der durch die Reihen der Menschen geht und uns führt, in unsre tiefen oder weniger tiefen religiösen Gefühle zu verlegen, die wir aufzusuchen und zu machen haben. Dann machen wir uns vielleicht nicht so lächerlich vor Andern wie die Leute in Zürich, aber wir bewegen uns in derselben unfruchtbaren Illusion wie sie. Wir erwarten dann den Erfolg unsrer Frömmigkeit in bestimmten Erscheinungen unsres innern oder äußern Lebens, der eine in einer fortgesetzten Reihe hoher innerer Gefühle und Gewissheiten, der andre in der Ruhe, Behaglichkeit und Sorglosigkeit seines Daseins, der dritte in noch deutlicheren und erreichbareren Merkmalen der Tatsache, dass er mit Gott in gutem Verhältnis steht. Das Alles hat mit dem Reich Gottes darum nichts zu tun, weil wir da unsre Geister an die Stelle des Geistes Gottes gesetzt haben. Wirc haben unsre Religion gemacht, und wird haben bestimmt, was der Ertrag der Religion sein soll. Seien wir doch froh, dass uns Beides nichts angeht, für unser eigenes Leben nicht und für das der Andern erst recht nicht. Seien wir froh, dass wir es mit einem Gott zu tun haben, der es besser kann als wir, mit einem Gott, dessen Wirksamkeit, dessen Art uns zu finden und zu leiten unerforschlich ist, der aber in Christus und seinem Kreuze sein wirksames Reich aufgerichtet hat, damit wir hinschauen und sicher werden dürfen.

Sicher werden dürfen! Das ist der Schluss des Gleichnisses, wie es sein Anfang ist. Von sich selber bringt die Erde Frucht, zuerst das Gras, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht es zulässt, sofort schickt der Bauer die Sichel, denn die Ernte ist da. Die Sicherheit besteht nicht in der Hoffnung oder dem Gefühl, dass aus uns und der Welt doch noch einmal etwas werden könne, sondern die Sicherheit besteht in der Tatsache, dass die Erde, die Samen empfangen hat, von sich selber Frucht bringt. Von sich selber wirkt der gesäte Same, das Reich Gottes. Darauf müssen und dürfen wir unsre Gottesgewissheit abstellene. Der griechische Ausdruck im |622 Neuen Testament für dieses «von sich selber» lautet wörtlich: automatisch, und als Kinder unsrer Zeit verstehen wir, was das sagen will: Weil das Erste geschehen ist, nämlich die Saat, geschieht automatisch, ohne weiteres Zutun von Menschenhand, das Zweite, das Wachsen und Fruchttragen. Weil wir in den Zusammenhang des Lebens und Sterbens Christi gesetzt, weil wir als Glieder seines Leibes geboren sind, braucht es nichts, als dass wir uns dieses Zusammenhangs bewusst werden, so kommt automatisch, von sich selber das Reich Gottes in uns zur Erfüllung. Das bedeutet nicht eine übernatürliche Geistesausgießung mit wunderlichen Extramerkmalen, das bedeutet nicht ein besonderes religiöses Hochgefühl, sondern das bedeutet die Umwandlung unsrer Verworrenheit in die Klarheit des innern Lebens Jesu, unsres Egoismus in seine Offenheit und Willigkeit gegen jedermann, unsrer Ratlosigkeit gegenüber der Welt in die Bestimmtheit seines Willens: Ich wirke, und mein Vater wirket auch [vgl. Joh. 5,17]. Denn wenn wir uns unsres Zusammenhangs mit Jesus bewusst werden, dann hat das mit mysteriösen Gefühlen nichts zu tun – in Gott ist das Mysterium und nicht in uns –, sondern das bedeutet, dass wir hineinversetzt werden in die Gemeinschaft seiner Liebe und Treue, seines Gehorsams und seiner Selbstverleugnung, dass wir mit ihm uns selber, dem Vergänglichen sterben, um mit ihm Gott, dem Unvergänglichen, der Ewigkeit zu leben [vgl. 2.Kor. 4,10f.]. Wir sind seinerzeit bei unsern Betrachtungen des Jakobusbriefs10 öfters auf diesen notwendigen innern Zusammenhang zwischen dem rechten Leben und dem rechten Glauben aufmerksam geworden. Eins ist im andern enthalten, sahen wir. Hier haben wir denselben Vorgang von der andern Seite. Des Zusammenhangs mit Christus, in dem wir stehen, des Reiches Gottes, das da ist, bewusst werden, das heißt teilhaben an Christi Liebe und Gehorsam und nichts Anderes. Von sich selber bringt die Erde Frucht. Von sich selber wird die Anschauung des Herrn Freundlichkeit und Pflichterfüllung.

Und darum darf man den Rückschluss ziehen: wo wirkliche Freundlichkeit und Pflichterfüllung ist, da ist das Reich Gottes. Und wer an seiner Frömmigkeit und an Gottes Wirksamkeit in der Welt zweifelt, dem darf man nun den zweiten Rat geben: Arbeiten und |623 nichtf verzweifeln!11 Die Gewissheit der Prädestination, des rechten Verhältnisses zu Gott, der Wirksamkeit Gottes, man erfährt sie, wie schon Calvin gezeigt hat, indem man gehorsam ist.12 Wo die Frucht ist, da braucht man nicht erst zu fragen, ob denn auch sicher der Same dagewesen sei, es versteht sich einfach von selbst. Wie aber der Same zur Frucht wird, das haben wir gottlob nicht zu kontrollieren und zu lenken. Wir wissen nicht, wie es geschieht, und es ist gut so.

Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.13

Dazu führt uns das Evangelium, und das ist das Evangelium.

Amen.
Lieder:
  • Nr. 272: «Mein Gott, wie bist du so verborgen» von S. Franck, Strophen 1–3 (RG 715,1–3). 🎵
  • Nr. 289: «Nicht menschlicher Rat noch Erdenverstand» von A. Knapp, Strophen 1–3 und 4–6. 🎵
Lesungstext:
  • Johannes 14,1–24.

Textkritische Fußnoten

a
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterschlängelt.↩
b
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterschlängetlt.↩
c
Im Mskr. nachträglich mit blauem Stift unterstrichen.↩
d
Im Mskr. nachträglich mit blauem Stift unterstrichen.↩
e
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterschlängelt.↩
f
Im Mskr, nachträglich mit blauem Stift unterstrichen.↩

Sachfußnoten

1
Vgl. den Kehrreim des Liedes «Ein geistlich Abendlied» von G. Kinkel (Gedichte von Gottfried Kinkel, Bd. 1, Stuttgart 1872, S. 191f.) 📖:
Wirf ab Herz, was dich kränket
Und was dir bange macht!
↩
2
Vgl. oben, S. 595f. ↩
3
«Versammlungen» meint die neben dem oder im Gegenüber zum Gemeindegottesdienst stattfindenden Versammlungen pietistischer Gemeinschaften.↩
4
Zur Bezeichnung Genfs in diesem Sinn vgl. die Eingangsverse des Gedichts, das Michel Roset seiner 1562 fertiggestellten Chronik der Stadt Genf beigab (M. Monnier, Genève et ses Poëtes du XVIe siècle a nos jours, Paris / Genève 1874, S. 85) 📖:
Cité de Dieu, Genève renommée
C’est de sa main que fus jadie fondée,
pour quelquefois de son honneur et gloire
Être aux vivants un miroir de mémoire.
↩
5
Aus Strophe 3 des Liedes «Kehre wieder» von K. J. Ph. Spitta (GERS 222; dort: «Dem sein Herz vor Liebe bricht») 🎵.↩
6
Vgl. die Schlusszeile der vierten Strophe des Liedes «Ein feste Burg ist unser Gott» von M. Luther (GERS 157; RG 32; EG 362): «Das Reich muss uns doch bleiben.» 🎵 ↩
7
Der erste Gottesbeweis des Thomas von Aquino schließt von der Tatsache der bewegten Dinge auf Gott als den ersten Beweger (primum movens); vgl. ders., S.Th I, qu.2 a.3 📖: «Ergo necesse est devenire ad aliquod primum movens, quod a nullo movetur, et hoc omnes intelligunt Deum.»↩
8
Vgl. J. W. von Goethe, Maximen und Reflexionen (Hamburger Ausgabe, Bd. 12, München 19737), S. 467 📖: «Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren.»↩
9
Vgl. J. M., Die Zungenredner in Zürich, in: Neue Zürcher Zeitung, 4.10.1910, Jg. 131, Nr. 274, Drittes Morgenblatt, [S. 2] 📖: «Da grüßten nun in diesen Tagen Tausende freudig bewundernd das Luftschiff, das als Zeichen unserer hochentwickelten Kultur von Luzern zu uns herüberflog; aber sie haben keine Ahnung von den unerhörten, mittelalterlich anmutenden Szenen, welche die Zungenredner unter dem Deckmantel christlicher Liebe und Barmherzigkeit und unter Mitwirkung ‚des heiligen Geistes’ hier in Zürich aufführten. […] Ein Abgrund von Aberglaube und Borniertheit tat sich in den geschlossenen Sitzungen vor uns auf. […] Während acht Tagen war man nun dabei […], die Leute für diese geheimen Andachtsstunden zu präparieren. Es war keine Gefahr, daß noch irgendein Funke von Vernunft und Wille in den Menschen lebte […]. Mit gesenktem Haupt, die Augen krankhaft eingedrückt, erwartet man den Geist. […] Das Murmeln, Stöhnen und Seufzen schwillt zu grauenvollem Schreien an, erschütternde Bekenntnisse stammeln die Büßenden. […] Ein grauenvolles Durcheinander von trostlosem Jammern und höchsten Tönen wahnsinniger Freude. Der Geist kämpft furchtbar mit dem Teufel, und endlich stellen sich die ‚Zungen’ ein. Junge, blühende Mädchen und baumstarke Männer gebärden sich ebenso sinnlos wie heulende Weiber. Viele verfallen in hysterische Krämpfe. […] Mit ekelhafter Zudringlichkeit bemühen sich die ‚Heiligen’ um eine alte blinde Frau und um einen kranken, lahmen jungen Menschen. Zwischen Furcht und Hoffnung warten diese inbrünstig betend auf das Wunder der Heilung, das nie geschieht. ‚Gott will dich noch prüfen’, so sucht man die Flehenden und angstvoll Blickenden zu beschwichtigen. […] Wie wenig man in kirchlichen Kreisen von dem wahren Gehalt dieser Pfingstlehre unterrichtet ist, geht daraus hervor, daß […] die französische Kirche am Schanzengraben am vergangenen Sonntag den Gesundbetern zur Abhaltung ihres ‚Gottesdienstes’ geöffnet wurde. Nun sollen Ströme des Geistes über Zürich kommen. Halleluja!» Vgl. auch den Bericht: Die Pfingstbewegung, in: Der Kirchenfreund, 5 (1910), S. 310–313.326–329 📖. – Von den Zusammenkünften derselben 14tägigen Konferenz in Zürich Ende September / Anfang Oktober 1910 berichtet sehr ähnlich auch E. Buchner, Die Pfingstleute, in: ChW 25 (1911), Nr. 2, 12.1.1911, Sp. 29–32. 📖 ↩
10
Vgl. oben, S. 280-393.410-438.454-578.↩
11
Mit den Worten: «Work and despair not» beendete Thomas Carlyle (1795–1881), schottischer Essayist und Historiker, seine Antrittsrede als Rektor an der Universität Edinburgh am 2. April 1866; in der deutschen Übersetzung wurden sie für den Titel einer Sammlung von Carlyles Werken verwendet, die bis 1910 bereits in über 100 000 Exemplare erschienen war: Th. Carlyle, Arbeiten und nicht verzweifeln. Auszüge aus seinen Werken, übers. von M. Kühn / A. Kretschmar, Düsseldorf 1902 📖.↩
12
Vgl. bes. Inst. III,24,3–7 📖.↩
13
Aus Strophe 1 des Liedes «Befiehl du deine Wege» von P. Gerhardt (GERS 266; RG 680; EG 361). 🎵 ↩