Predigt Nr. 49 · 25. September 1910

Predigt: Matthäus 13,45-46

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Matthäus 13,45–46
Das Himmelreich ist gleich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Als er aber eine kostbare Perle fand, verkaufte er Alles, was er hatte, und kaufte sie.
Meine Freunde!

Ihr habt’s gehört: ein Kaufmann geht auf Reisen, um Perlen einzukaufen. Er findet im Besitz eines andern eine Perle, deren Wert er so hoch einschätzt, dass er sein ganzes Vermögen zu Geld macht, und er erwirbt sie. Das ist die Geschichte, die Jesus einmal erzählt hat mit dem Hinzufügen: So ist das Himmelreich, so geht’s zu, wenn das in Kraft und Gewalt tritt. Es ist eine sehr ordinäre Geschichte. Denn auch das, was dabei die Meisten von uns auf den ersten Blick befremden könnte, das hitzige Vorgehen des Kaufmanns, der Alles auf eine Karte setzt, ist in Wirklichkeit nichts Außerordentliches. Wer etwas davon weiß, wie es auf der Börse oder auch nur im Betrieb eines En gros-Geschäftes2 zugeht, würde uns davon erzählen können, dass |594 dort dergleichen scheinbar oder wirklich gewagte Unternehmungen sehr oft vorkommen. Der Grundsatz: «Ohne großes Risiko keinen großen Gewinn» ist da weiter nichts Wunderbares. Und darum ist er eine banale Erscheinung, dieser Kaufmann, der da seinem Profit in etwas auffälliger Weise nachgeht. Wenigstens hat man sich daran gewöhnt, das Geschäftsleben, seine Sorgen und Aufregungen banal und reizlos, wo nicht unschön zu finden. Auch bei vielen von denen, die mitten drin stehen, kann man bemerken, dass sie sich von ihrem Beruf innerlich leer gelassen fühlen, dass sie ihn betreiben, weil es eben so sein muss, während sie das eigentliche Leben anderswo suchen. Um wieviel mehr die Andern, die das Kaufmannsleben nur von außen sehen, das Büroleben, die Gleichgiltigkeit gegen alle geistigen Werte, das ewige Sich-Drehen um Geld und Gewinn, das der Beruf mit sich bringt. Denen müssen «Geschäft» und «Schönheit» als unvereinbare Begriffe erscheinen, und es ist schon viel, wenn sie anerkennen, dass «Geschäft» und «Aufrichtigkeit» miteinander bestehen können. Und so braucht es schon merkwürdige Augen, um in dem alltäglichen Bild jenes Kaufmanns etwas Besonderes zu sehen. Der Mann geht eben seinem Geschäft nach. Er wendet sein Vermögen an die Perle nicht aus künstlerischem Vergnügen an dem kleinen Gegenstand, sondern weil er hofft, dadurch mehr als das aufs Spiel Gesetzte wieder einzubringen. Das ist gemeine Wirklichkeit und nichts dahinter.

Aber nun hat Jesus solch merkwürdige Augen gehabt, die doch etwas dahinter fanden, nicht trotzdem, sondern gerade weil es ordinäre, banale Wirklichkeit ist. Er hat im Geschäftsleben etwas gesehen, und zwar nicht irgend etwas, sondern das Himmelreich. Mit der höhern und intimern Wertung des Kaufmannsberufs, wie sie sich auch in andern seiner Gleichnisse zeigt, steht er ja nicht allein. Ich erinnere an Gustav Freytags berühmten Roman «Soll und Haben»,3 der, als er erschien, Vielen vorgekommen ist wie eine Offenbarung der eigentümlichen Poesie des Bürolebens. Und in neuester Zeit war es besonders Friedrich Naumann, der darauf aufmerksam gemacht hat, dass in |595 dem Leben und Weben von Industrie und Handel, von Produktion und Geschäft eine innere Schönheit und Bedeutsamkeit verborgen sei, die man nur wahrnehmen müsse.4 Uns ist es heute selbstverständlich geworden, im Bilde der schaffenden Natur Worte des Lebens zu lesen, weil uns ein Jahrhundert und mehr von großen und kleinen Dichtern dazu erzogen hat. Aber auch die Natur in diesem Sinn hat erst entdeckt werden müssen, das Mittelalter wusste mit verschwindenden Ausnahmen noch nichts von der Natur, seine Malerei und seine Dichtung schweigen davon, und es war eine große Neuerung für das Bewusstsein der Menschen, als es im 17. und 18. Jahrhundert anders wurde. Vielleicht bereitet sich in Bezug auf die Würdigung der menschlichen Arbeit eine ähnliche Veränderung vor. Und man kann sagen, dass in dieser wie in jener Hinsicht ein sehr moderner Zug durch die Reden Jesu geht. Er hat weder die Natur noch die Kultur gering geachtet, wie es viele Christen heimlich oder offen meinen tun zu müssen, sondern er hat sie ohne weiteres als Transparente betrachtet, durch die er beständig das ewige Licht leuchten sah. Das Himmelreich ist gleich… pflegte er zu sagen, und dann zeichnete er mit sicherer Hand ein Stück Leben, Naturleben oder Menschenleben, und sagte dazu: so geschieht’s, so geht’s zu, das ist die Wirklichkeit, wie ihr sie alle vor Augen habt. Warum seid ihr so unverständig und seht nicht die Wirklichkeit Gottes? Sie offenbart sich in dem, was ist, damit ihr erkenntet das, was werden soll. Sie offenbart sich in Tatsachen, damit Tatsachen in euch entstünden. Nichts ist bezeichnender für Jesus als der Umstand, dass er das, wozu er die Leute führen wollte, nicht einkleidet in romantische Märchenerzählungen, wie es wohl die alten Griechen taten, sondern in einfache Berichte über das wirkliche Leben, die jedermann auf ihre Logik und Zuverlässigkeit prüfen konnte. |596 Man kann diesen Realismus modern nennen, man tut aber besser, es umgekehrt auszudrücken. Das menschliche Bewusstsein besinnt sich heutzutage wieder auf die gesunde, nüchterne und doch echt künstlerische Welt- und Lebensbetrachtung, wie sie für Jesu einzigartiges Selbstbewusstsein schon vor 2000 Jahren selbstverständlich war.

So müssen wir nun auch das Bild vom Kaufmann verstehen. Jesus hat da hineingegriffen ins volle Menschenleben, das jeder lebt und das doch nicht jedem bekannt ist, und wo er es packte, fand er es interessant,5 interessant genug, um es seinen Leuten zu zeigen: Seht ihr ihn, wie er die kostbare Perle entdeckt? Und seht ihr ihn, wie er Alles dafür einsetzt, nachdem er sie gefunden? So geht’s zu, wo das Himmelreich gesucht und gefunden wird. Und nun wollen wir es auch versuchen, dies Bild mit den hellsehenden Augen Jesu zu sehen.

Die erste Merkwürdigkeit dieses Bildes fand er in dem Vorgang, da der Kaufmann beim Suchen nach guten Perlen auf eine solche von unermesslichem Wert stößt. Er sieht ihn bei Perlenfischern und Juwelieren seine Einkäufe machen, sieht, wie sein Vorrat allmählich wächst und wie er doch unermüdlich weiter geht. Und nun legt ihm eines Tages einer seiner Geschäftsfreunde eine Perle in die Hand, deren Beschaffenheit ihn erst stutzig macht, er sieht näher hin, und fieberhaft a-läuft es ihm in den Kopf-a, dass, was er da vor Augen hat, mehr wert ist als Alles, was er bis jetzt gesehen und gesammelt. Dieser gespannte Übergang vom Suchen zum Finden, vom Guten zum Besten, hat Jesus Freude gemacht, und er sagte davon: Das Himmelreich ist dem gleich.

Er war also offenbar der Meinung, es liege in diesem an sich nicht außerordentlichen Vorgang die Beziehung auf ein menschliches Grunderlebnis, und indem er seine Zuhörer auf den Vorgang aufmerksam machte, wollte er sie einladen, dies Erlebnis selbst zu machen. Das Erlebnis besteht darin, dass die Menschen Gott entdecken, sein Leben, seinen Ernst, seine Freundlichkeit, seine Wirksamkeit. Und das ist nicht bloß eine Möglichkeit und ein frommer Wunsch, |597 sondern eine Tatsache, wie die Entdeckung des Kaufmanns eine Tatsache ist. Denn das Himmelreich ist da, nicht als eine schöne Sehnsucht fürs Jenseits, nicht von Menschen ausgedacht und konstruiert, sondern von Gott auf die Erde unter die Menschen gestellt, und die Stürmer reißen es an sich, wie Jesus ein andermal gesagt hat [vgl. Mt. 11,12], die Hungernden und Dürstenden, die Suchenden und Verlangenden strecken die Hand danach aus in heißer Entdeckerfreude wie der Kaufmann nach der kostbaren Perle.

Die Menschen, die so etwas erlebt haben – und Alle sollen es erleben, meine Freunde, denn Gottes ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit [Mt. 6,13] – das sind Menschen, die gute Perlen gesucht haben. Ohne das wäre die Entdeckung der wertvollsten Perle im Gleichnis unverständlich. Sie kommt dem Kaufmann ganz ungewollt und unerwartet, wie sich ja im Geschäftsleben solche Überraschungen etwa einstellen, aber die Überraschung trifft ihn mitten im Geschäftsleben, an der Arbeit, und sie gehört, obwohl überraschend, in sein Fach. Und dieser Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart im Bilde des entdeckenden Kaufmanns ist es, der Jesus Freude gemacht hat. Es ist wichtig, dass wir das beachten. Denn man hört das Gleichnis oft so erklären und anwenden, als ob der Kaufmann vorher Nüsse gesucht habe und dabei plötzlich auf eine Perle gestoßen sei. Man sagt dann, das seien die Menschen, die dem Reichtum und der Weltlust nachjagten, also Dingen, die eigentlich wertlos seien, und dabei dann das Evangelium als das Einzige, Notwendige entdeckten. Aber es steht etwas Anderes da. Und es geht auch bei der Entdeckung Gottes, die Jesus im entdeckenden Kaufmann abgebildet sah, anders zu.

Die Menschen, die Gott finden mit dem freudigsten Erstaunen über eine Tatsache, die ihre kühnsten Ahnungen übertrifft, das sind Menschen, die schon vorher etwas tatsächlich Gutes gesucht haben, wie der Mann dort seine Perlen. Es war nicht Gott, was sie suchten, von ihm wussten und ahnten sie nichts. Sie kannten vielleicht das Wort «Gott», sie bestritten die Möglichkeit nicht, dass es so etwas geben könne, aber was sie suchten, war etwas Anderes. Es war etwas Großes und Gutes, und wie jene andern Perlen des Kaufmanns gleicher Art und Natur waren wie die wertvollste, die er später fand, so war das, was sie suchten und fanden, in innigster Beziehung zu Gottes Art und |598 Wesen, aber sie wussten von dieser Beziehung nichts, weil sie von Gott nichts wussten. Und darum begnügten sie sich mit dem Andern und suchten seiner immer mehr habhaft zu werden. Die Bibel nennt dieses Andere, das wir Menschen suchen, bevor wir Gott gefunden haben oder wenn uns der gefundene Gott wieder undeutlich wird, die «eigene Gerechtigkeit» [vgl. Röm. 10,3]. Heutzutage würde man dieselbe Sache vielleicht «persönliches Leben» nennen.6 In uns erwacht das Streben, etwas zu werden und zu sein, etwas Beständiges, Daseiendes zu erwerben, was auch im Unglück, auch angesichts des Todes Wert und Geltung behält. Wir haben gemerkt, dass das etwas Inneres sein muss, dass es darin bestehen muss, dass die Vernunft in unserm Denken und Handeln das Regiment übernimmt, dass wir nach ihren ewigen Gesetzen vorwärtsschreiten. Bevor diese Gesetze in uns erwachen und befehlen, sind wir noch Kinder, Träumende, Schlafwandelnde. Indem sie ihre Existenz in uns kundgeben, fangen wir an zu leben im eigentlichen Sinn. Unser Leben bekommt Ziele und Aufgaben, wir nehmen uns zusammen, was wir tun und denken, tun und denken wir zur Vertiefung und Bereicherung und Erweiterung unsrer Persönlichkeit. Wir sehen das vor uns, wozu gerade wir bestimmt sind, und unsre Bestimmung wird unser Lebensinhalt. Das heißt seine Gerechtigkeit suchen. Und das ist doch wahrhaftig kein wertloses Treiben, sondern gerade das, was wir sollen, das, wozu wir geschaffen sind. Gott aber hat den Menschen geschaffen nach seinem Bilde [Gen. 1,27], und in diesem unserm Suchen sucht er uns, das ist er, der uns da in der Arbeit hat. Es sind gute Perlen, die eigene Gerechtigkeit, das werdende Leben der Persönlichkeit. Wie der Kaufmann nicht auf der faulen Haut lag, sondern an der Arbeit war, als er die kostbare Perle fand, so müssen die Menschen zu solchem Suchen erst geweckt und erzogen werden, wenn Gottes Reich für sie Sinn und Wert bekommen soll. Es hat seinen guten Grund, dass weder unter den Indianern noch unter den Negern ein Jesus aufgetreten ist, sondern unter den Juden, unter dem Volk, das wie kein anderes in diesem Verlangen nach Gerechtigkeit lebte. Ein Mensch, der Gott finden will, muss den guten Perlen nachgegangen sein, muss ernst gemacht haben mit sich selbst, und wenn das nur darin bestünde, dass er gelernt hat, sich selbst und |599 seine innere Lage richtig zu beurteilen. Vorher erscheint ihm Gott nicht als der Lebendige, Allmächtige.

Aber wenn man sagen kann, dass in dem Streben nach der Gerechtigkeit des eigenen Lebens Gott uns sucht, dann heißt das wie gesagt keineswegs, dass wir Gott suchen oder gar Gott finden. Die guten Perlen und die kostbare Perle ist sehr zweierlei. Man kann da sehr schmerzliche Enttäuschungen und deprimierende Erfahrungen machen, wenn man meint, Gott zu finden, zu kennen, zu haben in dem bisschen Gerechtigkeit und höherer Lebensenergie, die man in gewissen Zeiten meint auftreiben zu können. Der Kaufmann wäre ein Narr gewesen, wenn er sich eines Tages eingebildet hätte, eine seiner alltäglichen Perlen sei etwas Besonderes, wie das, was ihm später in die Hände fiel. Gott bewahre uns davor, uns und unser Tun mit Gott und seinem Willen zu verwechseln, es kann und wird uns sonst passieren, dass wir tags darauf in etwas hineingeraten, was mit Gott nicht das Geringste zu tun hat. In diesem Fall waren zur Zeit Jesu die Pharisäer und Schriftgelehrten, und zu dieser Zunft gehören wir, wenn wir meinen, wir seien etwas, wo wir doch nichts sind. Von der Freude jenes Perlensuchers erfahren wir dann nichts. Diese Freude erlebt nur der, der unverdrossen gute Perlen, Gerechtigkeit, persönliches Leben sucht, weiter sucht, immer im Bewusstsein, dass er nichts getan, als was er zu tun schuldig war [vgl. Lk. 17,10].

Das ist nun die Entdeckerfreude, die Jesus im Kaufmann abgebildet sah. Wieder kann ich an die Darstellung Burnands erinnern, die uns diesen entscheidenden Moment schildert.7 Was nicht gesucht noch gekannt war, ist plötzlich da. Das ist die Freude des Gichtbrüchigen in Kapernaum [vgl. Mk. 2,12 par.], die Freude des Zachäus [vgl. Lk. 19,8], die Freude der großen Sünderin [vgl. Lk. 7,37f.]. Das Volk, das im Finstern wandert, siehet ein großes Licht [Jes. 9,1]. Wir entdecken da aber, um es kurz zu sagen, dass Gott gerecht ist und nicht wir. Da ist das Himmelreich, wo das uns aufgeht. Da kann aber auch erst von einem Finden Gottes selbst die Rede sein, vorher haben wir uns bloß Gedanken über ihn gemacht. Vorher sind wir auch niemals frei vom

600

Abb. 4: Eugène Burnand, «Das Gleichnis von der kostbaren Perle» (s. Anm. 7).
Zweifel an diesen Gedanken. Nun zeigt er sich uns als der Lebendige, und er zeigt sich, indem er uns zu verstehen gibt, dass er die Gerechtigkeit ist und nicht wir und unser Tun. Etwas Ähnliches haben ja freilich die alten Israeliten auch schon gekannt und angenommen, wir sehen es als eine tiefe Gewissheit bei einzelnen ihrer Propheten und Psalmisten, aber dann dicht daneben wieder jenes erschütternde Verzagen an Gottes Gerechtigkeit, wovon das Buch Hiob ein Zeugnis ist. Wo die eigene Gerechtigkeit, sei sie so rein als sie wolle, zum tatsächlichen Lebensinhalt wird, da kann Gottes Gerechtigkeit nicht zur Gewissheit werden, und dieser Mangel zeigt sich dann in den Stunden, wo es mit uns selbst und unserm Können zu Ende ist.

Das ist aber die Entdeckung der köstlichen Perle, wenn es uns eines Tages inmitten des redlichen Kampfes um unsres Lebens Vervollkommnung und Gerechtigkeit befreiend ins Herz dringt: Ach, es kommt nicht auf dich an, du kleiner Mensch, dein Wollen und Können, deine Gerechtigkeit und dein persönliches Leben sind hässlich und unbedeutend, darauf kannst weder du selbst noch andre dich |601 stützen, das ist kein Lebensinhalt. Aber nun sieh: die Gerechtigkeit, die du suchtest und ahntest, das ist die ewige Macht, die da ist, weit über deiner Person, ohne deinen Willen, oft gegen deinen Willen. Sie ist das, was allen Dingen zugrunde liegt, auch dir selbst und deinem Suchen. Sie ist Gott, der lebendig ist, auch wenn du tot oder scheintot bist. Du gehörst ihm an, er zieht und trägt und befreit dich, er hat dich berufen aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte [1.Petr. 2,9]. Er kann und er tut, was du nicht kannst und nicht tust, er ist das, was du nicht bist, aber er ist auch die Macht über Alles.

Luft, die alles füllet,
Drin wir immer schweben,
Aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn’ Grund und Ende,
Wunder aller Wunder,
Ich senk’ mich in dich hinunter.8

Und weil er die ewige Allmacht ist, ist er die ewige Liebe, du gehörst zu ihm, und da ist nichts, gar nichts, was von ihm dich scheiden könnte! [vgl. Röm. 8,39]

Das ist das Finden Gottes, wenn wir beim Suchen des eigenen Lebens des ewigen Lebens gewahr werden. Ich wiederhole es: Gott suchen, wie man das heutzutage oft nennt,9 können wir im Grunde nicht. Wir können wohl wie die Athener einen Altar aufrichten mit der Inschrift: dem unbekannten Gotte [vgl. Act. 17,23], aber gefunden wird er wie die kostbare Perle von denen, die ihn nicht suchen, aber ohne Wissen von ihm seinen Willen tun möchten. Denen offenbart er sich und zeigt ihnen, dass sein Wille der ewige, allmächtige, allwirksame ist. Sie verstehen, dass er sie lieb hat und dass sie sicher und gewiss sein dürfen, nicht aus ihrem Verdienst, sondern aus lauter Güte.10

602 Wenn man die Evangelien liest, hat man den bestimmten Eindruck, dass die Menschen, denen es dort ging wie dem Kaufmann, vom Suchen zum Finden kamen, wenn sie Jesus kennenlernten. Sie machten mit ihm eine doppelte Erfahrung, zuerst, dass er ihnen in seinem ganzen Wesen turmhoch überlegen sei, und dann, dass ihnen jetzt, wo sie das gesehen, geholfen sei, dass sie jetzt ruhig und sicher werden dürften. Wir können uns das wohl erklären: die zu ihm kamen, das waren solche Perlensucher, nicht solche, die meinten, fertig gesucht zu haben wie die Pharisäer, sondern Hungernde und Dürstende nach der Gerechtigkeit [vgl. Mt. 5,6], solche die sich geistlich arm wussten [vgl. Mt. 5,3], solche, die verzagten an ihrer Bestimmung und zweifelten an sich selbst, ohne dass sie an dem Worte «Gott», das man ihnen vorhielt, Kraft und Freude fanden. Aber nun begegnete ihnen das, wonach sie sich sehnten, ganz anders, viel größer als sie es gesucht, nicht in einem alten oder neuen Buch, an das man zuerst glauben muss, um es zu verstehen, sondern als eine offenkundige Tatsache im Leben eines, der ein Mensch war wie sie auch. Sie konnten es einfach sehen: das ist Gerechtigkeit, was im Innern dieses Mannes waltet, sein Dasein hat den Grund, der uns noch fehlt. Sie spürten ihm an, dass hinter seinem Reden und Tun etwas stand, was größer war als er selbst, das Größte, das es überhaupt geben kann und dem er doch mit Leib und Seele vertrauensvoll angehörte. Und die das sahen, bekamen selbst Vertrauen zu diesem Größern, zu dem Gott, der hinter Jesus stand und dem er diente.

Aber wenn wir verstehen wollen, was im tiefsten Innern dieser Perlenfischer vorging, und wenn wir Verlangen danach tragen, uns selbst in ihre Reihen zu stellen, dann müssen wir auf das andre in der Geschichte vom Kaufmann achten: Er verkaufte Alles, was er hatte, und kaufte die kostbare Perle. Dieser Zug gehört mit dem Vorangehenden unmittelbar und unlösbar zusammen. Auf dem Bilde Burnands11 sieht man es dem Gesichte des Kaufmanns deutlich an, dass die Entdeckung der Perle und der Entschluss sie zu besitzen, koste es, was es wolle, |603 einem und demselben Augenblick angehören. Wie das Finden mit dem Suchen zusammenhängt, so das Haben mit dem Finden. Jesus wollte also nicht sagen: Wenn ihr Gott gefunden habt wie der Mann die kostbare Perle, dann macht es nachher so wie er. Er beschreibt nicht einen Wunsch oder Befehl an seine Leute, sondern eine Tatsache: Wo Gott gefunden wird, da geht’s so zu, da gibt man das hin, was man hat, um Gott zu haben. Und um deutlich zu sein, können wir ergänzen: wo es nicht so zugeht, wo man das, was man hat, nicht verkauft, da ist auch Gott nicht gefunden. Der Kaufmann setzt sein ganzes Vermögen ein, um die Perle zu haben. Und das ist die Wirklichkeit des Himmelreichs.

Wir haben uns eben darauf besonnen, was das war, was jene Menschen, von denen das Neue Testament erzählt, vom Suchen zum Finden kommen ließ, so dass Jesus es als eine vorliegende Tatsache konstatieren konnte: So wird Gott gefunden. Wir haben keine andre Erklärung dafür als den einzigartigen Eindruck von der Person Jesu, den sie gehabt haben müssen. In ihm sahen sie eine bessere Gerechtigkeit als ihre eigene erfüllt gegenwärtig, menschlich nahe und menschlich wirklich, und das machte sie getrost.

Und wenn wir nun diese Erklärung ihrer Finderfreude noch vertiefen, wenn wir zugleich dem eigentlichen Inhalt des Gleichnisses, jenem Übergang vom Finden zum Besitzen, von der Gegenwart zur Zukunft auf den Grund kommen wollen, wenn wir wissen wollen, wie bei uns sich die Dinge gestalten in der Stunde oder den Stunden, da Gott sich von uns finden lässt, dann müssen wir von der Person Jesu gleich noch mehr sagen. Das Evangelium lässt sich von seiner Person nicht trennen, in ihm sahen es jene, in ihm sehen wir es.

Er verkaufte Alles, was er hatte, und kaufte die Perle. Das ist das Geheimnis Gottes, und das ist das Geheimnis der Person Jesu. In seinem Innern war das Himmelreich, und es geschah dort, was er im Tun des Kaufmanns abgebildet fand. Er war der vollkommene Mensch, er war im Besitz aller guten Perlen. Sein inneres Leben war gerecht, d. h. es war zu dem entfaltet, wozu es bestimmt war, es gab da keine Schlacken und Schranken. Er war im höchsten Grad das, was wir eine starke, reiche, in sich geschlossene und doch nach allen Seiten offene Persönlichkeit nennen. Er wusste auch, dass das eine Vollkommenheit, ein Leben göttlicher Art war, d. h. dass es etwas Höheres |604 und Besseres gar nicht geben könne. Aber nun sehen wir mit Staunen, dass er keinen Augenblick daran gedacht hat, sich dieser Tatsache als eines Gutes zu freuen, er wollte nicht Gott genießen, der Alles das in ihm gewirkt, sondern er stellte das Alles als Werkzeug wieder in Gottes Hand, er wollte damit nur Gott dienenb an den Menschen.12 Und das war für ihn nicht, wie es bei uns so oft geht, eine neue raffinierte Weise, seine eigene Person und Gerechtigkeit zu vertiefen, zu bereichern, sondern ihm kam es darauf an, Gott walten zu lassen. Seine Speise war es, nicht selig zu werden, sondern den Willen zu tun des, der ihn gesandt [Joh. 4,34].

Paulus hat an einer berühmten Stelle seines Briefs an die Philipper von ihm gesagt: «Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er’s nicht für einen Raub – für einen persönlichen Gewinn –, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch und an seinem Verhalten als ein Mensch erfunden, erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz» [Phil. 2,6–8]. Das ist das Geheimnis der Person Jesu, und das ist das Geheimnis der kostbaren Perle und ihrer Gewinnung. – |

Das Geheimnis der Person Jesu. Denn was die Menschen dort in Galiläa und Judäa zu ihm hingezogen hat, vom armen Blindgebornen, der ihn anrief: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! [Mk. 10,47] bis zum vornehmen Gelehrten Nikodemus, der des Nachts zu ihm kommt, vorsichtig fragend: Meister, wir wissen, dass du bist ein Lehrer von Gott gekommen [Joh. 3,1f.], was sie anzog und erstauntec und überwältigte, das war jenes Übermächtige, Überpersönliche, absolut Giltige seiner Art, das nur einem Menschen eigen sein kann, der seinen Lebensinhalt darin gefunden, dass er keinen d-eigenen Lebens|605inhalt-d, keine eigene Gerechtigkeit, keine e-persönliche Seligkeit-e mehr will, sondern nur noch Gott, nur noch seinen Willen, seine ewige Gerechtigkeit. Er verkaufte Alles, was er hatte, und kaufte die Perle!

Was genannt mag werden
Droben und auf Erden,
Alles reicht nicht zu.
Einer nur kann geben
Freude, Ruh’ und Leben,
Eins ist not, nur du!
Hab ich dich nur wesentlich,
So mag Leib und Seel’ verschmachten,
Ich will’s doch nicht achten.13

Das war Jesus. Er entäußerte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, bis zu dem Ausruf: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! [Mk. 14,34 par.] Und es war ihm ernst mit diesem Ausruf: Die guten Perlen, Alles, was er hatte, waren verkauft um der einen kostbaren Perle willen. Gottes Gerechtigkeit, Gottes ewiges, inneres Leben waren das Übermächtige in ihm, nicht die Angelegenheiten seiner Seele. Und das haben die Menschen ihm angespürt, damals und seit 2000 Jahren immer wieder. Und die es spürten, sagten: Wir sahen seine Herrlichkeit [Joh. 1,14]. Und Paulus fährt an jener Stelle mit Recht fort: «Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Knie derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters» [Phil. 2,9–11]. Er entäußerte sich selbst, er verkaufte, was er hatte, er ließ Gott wirken. Das ist das Geheimnis seiner Macht, seines Eindrucks.

606 Und das ist das Geheimnis der kostbaren Perle und ihrer Gewinnung für uns Menschen, zu denen er f-als ein älterer Bruder-f gekommen ist und kommt, um uns das Leben zu lehreng. Paulus drückt es dort sehr schlicht aus: Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war [Phil. 2,5]. Das ist das A und Z eines lebendigen Lebens.

Wo uns die größere Gerechtigkeit Gottes begegnet in einer Offenbarung reiner Liebe, die groß ist, weil sie nicht groß sein will, da entdecken wir die kostbare Perle. Vielleicht begegnet uns das, indem wir uns aufmerksam in das Neue Testament versenken, indem uns seine Erzählungen und Gedanken den lebendig vor Augen stellen, von dem es redet. Vielleicht begegnet es uns in Menschen unsrer Umgebung, an denen wir etwas spüren von dem Übermächtigen, das in ihnen lebt, seit sie aufgehört, sich selber zu leben. Vielleicht strahlt es uns entgegen aus einem einzigen Blick eines Menschen, dem auf langer Lebenswanderung Gott zu groß geworden, oder es bannt unser Auge durch einen Satz, eine Wendung eines Briefes, einer Zeitung, eines Buches, die uns in die Hände kommen. Wer könnte und wollte die Möglichkeiten erschöpfen, wie die Perle, wie Gott entdeckt wird. Es ist allemal Leben, das an Jesu Leben entzündet ist, das uns da vor Augen tritt, es ist Christus, der sich selbst entäußert und segnend durch die Zeiten geht als der Herr zur Ehre Gottes des Vaters.

Und wo diese Begegnung stattfindet, da fängt im Menschen das an, was der Apostel nennt: gesinnt werden wie Jesus Christus auch war. Da fängt der Glaube an oder die Nachfolge Jesu. Und das bedeutet, dass er seine Zuversicht und seine Gewissheit nicht mehr auf seine eigene Gerechtigkeit abstellt, sondern auf die Gerechtigkeit Gottes, die größer und weiter und verlässlicher ist als Alles, was er selbst auftreiben könnte. Das bedeutet die Umwertung aller Werte,14 die damit eintritt, dass die Frage: was denke ich? was will ich? sich verwandelt in die Frage: was denkt und will Gott? Das bedeutet, dass Sicherheit in unser Leben kommt, weil unser Leben nicht mehr etwas für sich ist, sondern seinen Gehalt darin findet, ein Stückchen ewiges |607 Leben zu sein. Das bedeutet überhaupt, dass das Ich aus dem Mittelpunkt rückt und Gott und seine Angelegenheiten hinein. Er verkaufte Alles, was er hatte, und kaufte die Perle.

Gottes Gerechtigkeit wird unsre Gerechtigkeit. Das ist das Evangelium. Und damit ist schon gesagt, dass es nun nicht zu Ende ist mit unserm Gerecht-Werden und Lebendig-Werden, mit der Erfüllung unsrer Bestimmung. In der kostbaren Perle ist der Wert der früher gesuchten guten Perlen enthalten, und mehr als das. Unsre Persönlichkeit, der Ansatz dazu, sie wird, was sie werden soll, wenn wir Gott gefunden und Jesus nachfolgen. Ihre Entwicklung geschieht nun nach dem Grundgesetz des Himmelreichs: Wer sein Leben in dieser Welt behalten will, der wird es verlieren, wer es aber verliert um meinet- und des Evangeliums willen, der wird es gewinnen [Mk. 8,35 par.]. Sie wird befreit von all dem Verworrenen, Unguten, Traurigen, das sie erfüllt und erfüllen muss, solange sie im Grunde nur mit ihrer eigenen Verfeinerung und Bereicherung beschäftigt ist. Sie sucht im tiefsten, reinsten Sinn nicht mehr das Ihre, sondern was der Andern, was Gottes ist [vgl. Phil. 2,4]. Sie sagt mit dem Apostel: «Ich lebe, aber doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir» [Gal. 2,20]. Und so erfüllt sie in der höchsten Weise gerade ihre Bestimmung, weil sie gerade ihre Bestimmung im Willen Gottes und nicht in sich selbst gefunden. Wir bekommen das, was wir zu einem guten Leben brauchen: Gehorsam, Pflichttreue, Opfersinn, Vertrauen in die Zukunft, Mut im Leiden, Ruhe im Tode, wenn wir nicht mehr danach fragen, was wir brauchen, sondern was Gott will.

Ihm allein die Ehre!15 Das ist die Botschaft des Himmelreichs.

Amen.
Lieder:
  • Nr. 278: «Gott ist getreu» von E. Liebich, Strophen 1–3 (RG 689 [mit Textabweichungen]). 🎵
  • Nr. 270: «Was Gott tut, das ist wohlgetan» von S. Rodigast, Strophen 1–3 und 4.6 (RG 684; EG 372). 🎵
Lesungstext:
  • Johannes 12,20–36.

Textkritische Fußnoten

a-a
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
b
Im Mskr. nachträglich mit blauem Stift unterstrichen.↩
c
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
d-d
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen; das voranstehende «keinen» wurde mit Tinte und dann auch mit Bleistift unterstrichen.↩
e-e
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen; das voranstehende «keine» wurde mit Tinte und dann auch mit Bleistift unterstrichen.↩
f-f
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
g
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩

Sachfußnoten

1
Barth predigte in der Unabhängigen deutsch-evangelischen Gemeinde in Lausanne in Vertretung des dortigen Pfarrers Wilhelm Arnold (1873–1938). Die Anfrage kam wohl recht plötzlich und verursachte ein wenig Durcheinander. Barth hatte seine am 25. September gehaltene Predigt wie üblich bereits nach Hause geschickt und musste sie nun dringend zurückfordern: «Sendet mir doch umgehend die Predigt wieder, ich muss am Sonntag Arnold in Lausanne vertreten (!!)» (Postkarte an seinen Vater vom 28.9.1910 [KBA 9210.91]). – Vom Tag in Lausanne schrieb Barth dann wenig später: «Sonntags war ich also in Lausanne […]. Die Kirche ist dort platschvoll, besonders beängstigend viel junge Mädchen, da ganze Pensionate hingeführt werden und den Raum im Nu füllen. Auch sonst ein ganz andres Publikum als bei uns, Viele mit der bekannten Kopfneigung. Sie singen aber gut und es ist jedenfalls eine erfreuliche Gemeinde» (Brief an seine Eltern vom 4.10.1910 [KBA 9210.92]).↩
2
Veraltet für: Großhandel.↩
3
G. Freytag, Soll und Haben, Roman in 3 Bänden, Erstausgabe Leipzig 1855. 📖 Der Roman war bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein ein Bestseller und gilt als Beispiel für den bürgerlichen Realismus, aber auch für literarischen Antisemitismus, denn der Antagonist des braven und wohlerzogenen Kaufmanns ist ein als ehrgeizig und morallos beschriebener Jude.↩
4
In seiner Skizze Politik, Idealismus und Christentum bei Friedrich Naumann vom 22. Juli 1914 schrieb Barth zu Naumanns Position: «Das Gedeihen der Industrie ist nicht nur Vorbedingung des ökonomischen Wohls der Massen, sondern auch ihrer persönlichgeistigen Hebung. Entstehung einer neuen spezifisch maschinenzeitalterlichen Persönlichkeit, dargestellt im Unternehmer und im bessern Arbeiter» (V.u.kl.A. 1914–1921, S. 50 📖). Barth bezog sich dabei auf Fr. Naumann, Neudeutsche Wirtschaftspolitik (1906), in: ders., Werke, Bd. 3: Schriften zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, hrsg. von Th. Schieder, Köln und Opladen 1964, S. 71–534, dort S. 86–107.314–323.354–403 📖.↩
5
Vgl.J. W. von Goethe, Faust. Eine Tragödie, V. 167–169 (Vorspiel auf dem Theater) 📖; s. oben S. 381, Anm. 3.↩
6
Zur zeitgenössischen Wertschätzung dieses Begriffs vgl. oben, S. 417f.↩
7
«Das Gleichnis von der kostbaren Perle» (s. Abb. 4), vgl. Die Gleichnisse Jesu. Illustriert von Eugène Burnand, mit Vorwort und Bilderklärungen von D. Koch, Stuttgart [1911]2, S. 71 📖. Vgl. auch oben, S. 581, Anm. 2.↩
8
Aus Strophe 5 des Liedes «Gott ist gegenwärtig» von G. Tersteegen (GERS 174; RG 162,4; EG 165,5). 🎵 ↩
9
Vgl. nur etwa die Buchtitel: P. Rosegger, Der Gottsucher, Leipzig 190320 📖; G. Schüler, Gottsucher Lieder, Leipzig [1908] 📖; W. Richter-Reichhelm, Für Gottsucher. Eine Handreichung für Kleingläubige, eine Stärkung für Schwache und ein Wegweiser für Suchende in Predigten, Gr.-Lichterfelde / Berlin 1904 📖; G. Wagner, Vom Christentum. Kanzelreden, zugleich ein Betrachtungsbuch für Gottsucher, Kempten 1910 📖.↩
10
Vgl. die Auslegung zum Ersten Artikel in: M. Luther, Der kleine Katechismus 📖: «und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit ohn alle mein Verdienst und Wirdigkeit» (BSLK, S. 511,3–5 📖; vgl. BSLK.NE, S. 870,15f.).↩
11
Siehe oben, Anm. 7 und Abb. 4.↩
12
Vgl. W. Herrmann, Der Verkehr des Christen mit Gott. Im Anschluss an Luther dargestellt, Stuttgart / Berlin 19034, S. 170 📖: «Nach der Predigt Jesu kommt der Mensch zu einem Zusammenleben mit seinem Gott in einem Reiche Gottes, das Jesus bringt, das aber auf jeden Fall nur da ist, wo lautere Liebe in Personen auflebt und an Personen wirksam wird. Denn nur in solcher Liebe und solchem Wirken herrscht Gott.»↩
13
Strophe 4 des Liedes «Allgenugsam Wesen» von G. Tersteegen (GERS 247; RG 661). 🎵 ↩
14
Zu diesem Schlagwort Nietzsches vgl. oben, S. 343f., Anm. 12.↩
15
In der lateinischen Form «Soli Deo gloria» ein besonders mit Johannes Calvin und seiner Theologie in Verbindung gebrachtes Motto der Reformation.↩