Predigt: Jakobus 3,18
Was wir heute zusammen überlegen wollen, kann als Fortsetzung und Vertiefung
unsrer Lektion über die Bildung vom letzten Sonntag verstanden werden.
Wir haben dort gesehen, dass der Mensch gebildet wird, wenn sein Horizont
sich erweitert, wenn er sein natürliches, vereinzeltes Dasein verlässt, um
auf die Höhe des allgemein Giltigen und Wertvollen zu steigen, wenn sein
Verstand und Wille die Gedanken und Zwecke der menschlichen Gemeinschaft
erfasst, um ihnen Alles das an unserm Wesen und unsern Interessen
unterzuordnen, was bloß natürlichen und bloß privaten Charakter trägt. Wenn
der Mensch den Menschen sich hingibt, das ist Bildung. Und wenn wir
uns eine Menschheit denken, die so gebildet wäre, das wäre das
Reich Gottes, das Reich der Solidarität und des gemeinsam aufwärts
strebenden Lebens, das wäre die Erfüllung der Botschaft: Friede auf Erden
und den Menschen ein Wohlgefallen [
Aber wir stoßen bei diesem Gedanken gleich zu Anfang auf einen sehr ernsten Punkt, den wir das letzte Mal schon berührt haben, den wir aber noch einmal in eingehende Erwägung ziehen müssen. Dass der Mensch sich den Menschen hingebe, dass er seine Spezialinteressen unterordne, vielleicht opfere dem Allgemeinen, das sei Bildung, d. h. aber das sei die von Gott gewollte Gestaltung unsres Lebens. So sagten wir.
Aber wer darüber nachgedacht hat, der hat vielleicht nicht nur gefunden, es
sei unendlich schwer, dieses Ziel anzustreben, sondern er hat
sich vielleicht auch gefragt, ob es denn auch recht sei, ob wir
die Aufgabe unsres Lebens nicht in einer ganz andern Richtung zu suchen
haben, nicht im Interesse für das, was außer uns ist, sondern
im Interesse für unser Inneres, nicht in der Welt, sondern im
eigenen Her|550zen, nicht im Allgemeinen
und Gemeinsamen, sondern im Speziellen und Speziellsten. Findet nicht der
religiöse Mensch, der Christ, die Wahrheit und das Leben in einer Tatsache,
die nicht von dieser Welt ist, und besteht diese Tatsache nicht in dem engen
und ausschließlichen Verkehr zwischen Gott und der Seele, der Seele und
Gott?1 Ihr kennt jene
furchtbar ernste Mahnung Jesu: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze
Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele, und was kann der Mensch
geben, dass er seine Seele wieder löse? [
Ist da jene Bildung fürs Allgemeine, wie wir sie das letzte Mal geschildert, nicht ein gefährlicher Abweg? Führt sie nicht gerade dazu, dass der Mensch sein Besonderes, seine Seele verliere, dass er dazu komme, sich selbst zu vermissen, dass er nicht bleibe, wie er ist?
Ich habe schon das letzte Mal kurz angedeutet, dass dieser Gegensatz doch nur
scheinbar ist, dass er sich auflösen lässt. Der kurze Text aus Jakobus, den
ihr gehört habt, zeigt uns, dass er auch dieser Meinung gewesen ist:
Die Frucht der Gerechtigkeit wird im Frieden ausgesät denen, die
Frieden halten. Also: im rechten Frieden mit den Menschen, gerade
in jener Bildung fürs Allgemeine wird und wächst auch der Friede der Seele, findet der Mensch
sich selbst, sein Eigenstes
|551 und Besonderstes. Und Beides ist nicht zweierlei,
sondern die zwei Seiten des einen Friedens mit Gott, der höher
ist als alle Vernunft [vgl.
Wir wollen dem heute etwas genauer nachgehen und versuchen, die Brücke zu finden zwischen dem Frieden mit der Welt und dem Frieden mit sich selbst, zu verstehen, wie das Allgemeine Suchen und das Besondere Finden zusammengehen und letzten Endes eins und dasselbe sind.
Wir wenden uns zuerst nach innen, zu uns selbst und fragen uns, wie wir unser eigenes Leben als gebildete Menschen einzurichten und zu beurteilen haben. Da wird es sich bereits zeigen müssen, ob der rechte Friede mit der Welt, d. h. die gebildete Richtung unsres Geistes auf das, was außer uns ist, für uns selbst, für die Seele, die Persönlichkeit, Verlust oder Gewinn bedeutet.
Gebildet ist der Mensch, der objektiv wird, sagten wir vor acht Tagen. Das Wort objektiv ist euch Allen bekannt: es bedeutet: überlegen, beherrschend, verständnisvoll, sachgemäß. Und zwar ist das die Objektivität des Gebildeten, dass er sich selbst gegenüber objektiv werde und urteilen lerne, also unabhängig, überlegen, sachgemäß über sich selbst. Es ist Mancher objektiv oder sachgemäß in allerlei Einzelkenntnissen, die allermeisten Menschen sind z. B. erschreckend sachgemäß in Geldsachen. Aber Bildung ist das noch nicht. Denn die Bildung fängt erst da an, wo der Mensch seinem Stoff gegenüber überlegen, d. h. aber unabhängig ist, wo er antworten kann auf die Fragen: woher, wozu, wohin mit den Kenntnissen über dies und das, mit dem Geld, mit alledem, dessen Gebrauch ich verstehen und einzurichten weiß. Darauf weiß aber nur der zu antworten, der sich gebildet hat, will sagen: mit Willen und Bewusstsein eingegliedert in die großen Gemeinschaftsformen des Menschenlebens. Als Glied seiner Familie, seines Berufes und Vaterlandes oder als kleines und kleinstes Atom der wissenschaftlichen oder künstlerischen Welt kommt er zum Bewusstsein seiner selbst, wird er sich seines Ortes im Universum bewusst, an dem er unentbehrlich ist, und damit wird ihm sein eigenes Leben verständlich und übersichtlich. Je mehr er sich empfangend |552 und schaffend einordnet als dienendes Glied in ein Ganzes, desto mehr bekommt er jene Fähigkeit, sein eigenes Dasein, seinen Wert und Unwert richtig abzuschätzen, desto mehr wächst seine Objektivität nicht nur den Dingen, sondern sich selbst gegenüber, und dies Letztere ist erst die Objektivität der wahren Bildung. Der Vorgang ist sehr einfach und leicht verständlich. Wenn ich a-tätig eintrete in einen-a der Arbeitskreise der Menschheit, nicht weil ich muss, sondern weil ich will, dann mache ich ein Erlebnis von fundamentaler Wichtigkeit, nämlich die Erfahrung, dass ich Mitarbeiter habe. Da arbeiten nebeneinander und miteinander Frau und Magd, Meister und Geselle, Lehrer und Schüler je in denselben Kreisen und an denselben Aufgaben. Es kann nicht anders sein, als dass man dabei das Tun der Andern mit Sachkenntnis beobachtet. Und nun muss es sich zeigen, ob wir uns bilden wollen oder ob wir noch nicht gemerkt haben, dass wir noch ungebildet sind. Das Letztere würde man daran erkennen, dass wir von vornherein meinen, wir selbst machten’s natürlich am besten und die Andern seien nur Stümper gegen uns. Der Weg der Bildung ist der andre: wenn wir uns nämlich einen Spürsinn ausbilden, in unserm engern oder weitern Kreis Menschen zu entdecken, die uns überlegen sind. Wenn ich merke: der ist weiter als ich und der und der und der, wenn ich auf die Schranken meines eigenen Könnens und Wissens stoße und sie nicht vertusche, sondern konstatiere: Da ist eine Schranke, darüber bin ich noch nicht hinweg, aber darüber muss ich hinweg, dorthin, wo die Andern sind, die dies besser können und verstehen, damit werde ich objektiv.3 Das will sagen: ich bekomme die Fähigkeit, mich selbst gleichsam mit beiden Händen vor mich hinzuhalten und von allen Seiten zu besehen. Ich kann dann zu mir selbst sagen: Also hier fehlt dir etwas gänzlich, hier bist du rückständig, hier oberflächlich, hier geht es gerade so an, und hier könnte es besser sein. Das ist die Objektivität der Allgemeinbildung, meine Freunde, man bekommt sie nicht auf einmal, auch hat sie keiner ganz, aber es kann |553 sie jeder sich aneignen, wenn er ernst damit macht, in seinem kleinen oder großen Kreis nicht bloß ein Arbeiter zu sein, sondern ein Mitarbeiter.
Ich will euch sogleich ein Merkmal angeben, an dem jeder ohne weiteres
wahrnehmen kann, ob er objektiv und also gebildet ist oder nicht, und für
die, die denken, es bereits zu sein, mag es ein
Gradmesser sein, an dem sie ablesen können, wie weit der Bildungsprozess
fortgeschritten ist. Das Merkmal und der Gradmesser, ob und wieweit du
gebildet bist, besteht in der Frage, ob du Spaß verstehst.4 Das kommt euch vielleicht merkwürdig vor, aber es ist doch so,
ihr könnt euch darauf verlassen. Selbstverständlich meine ich dabei nicht
die Fähigkeit, sich irgendwie zu amüsieren, das kann jeder Trottel. Sondern
es handelt sich um die Frage, ob und wie du es erträgst, dass sich ein
Anderer über dich lustig macht und dass man dich
auslacht. Dass man uns offen und im Ernst schilt und angreift, das lässt
sich ertragen, aber die schwerere Probe ist dagegen die feinere Waffe des
Auslachens, des Spottes. Da gibt’s Menschen, die sind sofort bereit
zu rufen: das geht zu weit, da hört der Spaß auf, da lasse ich mir nicht zu
nahe treten! – oft sind das gerade die, die am liebsten die Batterien
ihres Witzes gegen andere spielen lassen – wieder Andre ziehen sich
offen oder heimlich tief gekränkt in sich selbst zurück wie die Schnecke in
ihr Haus. Ob sie’s so oder so machen, die sind noch ungebildet, die
haben das noch nicht gelernt, sich selbst in beide Hände zu nehmen und
kritisch zu betrachten, sonst würden sie in das Lachen oder Lächeln der
Andern stillvergnügt einstimmen und bei sich selbst denken: du guter Freund,
wenn du mich kenntest, wie ich selbst mich kenne, du würdest viel bessere
und zutreffendere Späße über mich machen, als du’s jetzt tust. Dem
Gebildeten ist seine werte eigene Person nicht so ein mimosenhaftes Heiligtum, das keine Berührung verträgt, denn in dem, was der
Andre da lachend über ihn sagen kann, erkennt er das, was er selbst längst
im Ernst zu sich selbst gesagt hat, und wenn er’s noch nicht getan
hat, wird es ihm ein Anlass sein, es schleunigst zu tun. |554 So ist
Aber das heißt nunb mitnichten, dass er deshalb im Allgemeinen verschwimmt, dass er sich selbst verliert und aufgibt über dem Größeren und Besseren, das er bei andern sieht, dass er den Frieden mit der Welt erkauft mit dem Frieden der Seele. Das gerade Gegenteil: Im Strom der Welt bildet sich der Charakter; wer sich einordnet in den großen Organismus des gemeinsamen Lebens, sich einlebt in die Ge|555danken und Werke der Andern, der wird ein Besonderer, etwas ganz für sich, der erfüllt eben damit seines eigensten Lebens Bestimmung, der wird eine Seele. Man könnte hier wieder von einem Naturgesetz der Geisteswelt reden, das sich auf allen Gebieten bemerkbar macht. Hinaustreten ins Leben der Andern, das heißt hineintreten ins eigene Leben, sich hingeben heißt sich finden, gegen sich selbst objektiv und überlegen werden, das heißt seine Eigenart begründen und entdecken. Du siehst die rollenden Kieselsteine im Bach. Droben in den Bergen waren sie als Felsblock eine einzige unterschiedslose Masse. Da fiel der Felsen zu Tal, zerbarst in tausend Trümmer, das Wasser aber führt sie talabwärts und gibt seitdem in rastlosem Schieben und Schleifen jedem seine besondere Form und Gestalt, also dass keiner ist wie der andre. Wollen wir mit? Wollen wir auch etwas Eigenes und Besonderes werden? Dann heraus aus den muffigen Gedanken und Wünschen der Selbstsucht, die das Merkmal sind der großen unterschiedslosen Masse, dann hinein in das fleißige Rauschen der Lebensbäche! Fürchte du nicht, dabei deine kostbare Seele zu verlieren, fürchte dich nicht, zu kurz zu kommen in der großen einsamen Angelegenheit, die nur dich angeht und den unendlichen Gott und Geist, der aller Wesen Licht und Leben ist.7 Die Welt ist der Ort, wo man seine Seele findet, die Welt ist der Ort, wo wir Augen und Ohren bekommen für Gottes Werke und Worte.
Habt ihr gesehen, wie der fürs Allgemeine Gebildete schon äußerlich sich verrät als einer, der etwas Besonderes geworden ist? Wie seine Züge etwas annehmen, was so zum zweiten Mal nicht zu finden ist, etwas Bestimmtes, Scharfgeschnittenes? Charakterköpfe nennt man das, weil sie sich schon von Weitem abheben und unterscheiden von den Durchschnittsgesichtern des Marktes. Warum gibt es so wenig Charakterköpfe? Im tätigen Leben und Denken und Handeln werden sie geschnitten und bestimmt. Ist es denn wahr, dass die Mehrheit der Menschen formloses Wachs ist, dass sie dem Strom des Lebens lieber vom Ufer aus zusehen?
556 Aber wenn wir unsre Eigenart entdecken und uns deutlich machen durch die
Arbeit an dem, was Allen gemeinsam ist, dann will das mehr sagen, als dass
die Gesichtszüge anders werden, nur ein Abbild und Merkmal ist jenes Äußere
von dem, was innen vorgeht. Da besinnt sich der gebildete Mensch auf das,
was wertvoll ist und dauernd auch an seiner natürlichen geistigen Anlage, an
dem, was er von Vätern und Vorvätern ererbt.
Nicht mehr in blinder Abhängigkeit steht er den Verhältnissen gegenüber,
durch die er geworden, sondern er lernt wählen zwischen dem, was vergänglich
ist wie die Zeit, und dem, was innerlich zu ihm gehört und was er mit sich
nehmen muss auf den weiten Weg, wenn er er selbst bleiben soll. Frei und
selbständig steht er vor den Formen des geistigen Lebens, in denen er
aufgewachsen, nicht um sie in barbarischer Gleichgiltigkeit gegen das, was
geworden ist, abzuwerfen, sondern um sie in freier Aneignung zu eigenen
Lebensgütern zu machen. Im Klang seiner Muttersprache, meine
Freunde!, erkennt ein gebildeter Mensch den Ton seines innersten Wesens. Ihn
preisgeben hieße für ihn, sich selbst preisgeben. Wir haben die Ehre, die
Sprache der Bibel
Und wie das Gut der Muttersprache, so entdeckt der Gebildete den Eigenwert der Sitte und Gewohnheit, in denen er aufgewachsen. Wäre unser Schweizervolk wahrhaft gebildet, es wäre nicht dazu gekommen, dass wir jetzt an den schönsten Punkten unsres Landes statt der in die Landschaft hineingewachsenen Hütten der Bergbewohner unförmliche Hotelpaläste wahrnehmen müssen, die ebenso gut in Paris oder Berlin stehen könnten, man müsste es nicht mitansehen, wie die alten Trachten des Volkes den städtischen Allerweltskleidern das Feld räumen müssen. Wo Bildung ist, da ist auch Heimatschutz,9 eins ist vom Andern nicht zu trennen. Denn Bildung zeigt sich – nicht in der blöden Konservierung alles Alten – aber in der charaktervollen Behauptung dessen, was uns eigentümlich ist. – |
Und nun lasst mich in diesem ungewohnten Zusammenhang auch ein Wort über die Religion sagen. Ich meine jetzt noch nicht das tief innerliche Leben und Erleben des Menschen, der eine Seele geworden – wir reden nachher davon – sondern ich meine die Religion, sofern sie wie Sprache und Sitte ein Teil unsrer angeborenen, von den Vätern überkommenen Art ist, die Religion als christliche Lehre und christliche Sitte. Die Meisten von uns sind geneigt, diese mehr äußern Elemente als etwas eher Zweifelhaftes zu betrachten, wenn nicht, sie dem Strom der Zeit zu überlassen, dass er sie gänzlich wegschwemme. Aber auch die Konservativsten auf diesem Gebiet sind heute mit oder ohne ihren Willen insofern Kinder des neuen Geistes, als sie das |558 eherne Bollwerk der Gewissheit Gottes anderswo suchen als in unveränderlichen heiligen Lehren und Geboten. Es ist gut so, wir wollen den Weg, den wir gegangen sind, nicht zurückgehen. Und doch muss unsre Stellung zu den Gedanken, in denen unsre Väter den Ausdruck ihres Glaubens gefunden, eine andre werden, wenn wir nicht bloß aufgeklärte, sondern gebildete Christen sein wollen. Wir müssen den Zusammenhang wieder entdecken zwischen dem, was sie dachten, und dem, was wir denken, müssen lernen, die Gedanken der Bibel und der alten Lehre der Kirche liebevoll, von innen heraus zu verstehen und zu begreifen. Was gilt’s, wir werden dabei auf Schritt und Tritt auch in den scheinbar wunderlichsten Formen unsre eigenen Überzeugungen wiederentdecken, und indem wir die Verwandtschaft spüren mit denen, die vor uns gewesen sind, wird unsre eigene Art sich vertiefen und bereichern; wir werden besser wissen, warum wir Christen sind und nicht Muhammedaner oder Buddhisten, und indem wir’s besser wissen, werden wir auch bessere Christen sein. Ein Christentum, das seine geschichtlichen Formen hinter sich werfen will wie eine vertrocknete Schale, wird kulturlos und heimatlos wie der, der seine Sprache und Sitte preisgibt. Erst recht ist es selbstverständlich für einen gebildeten religiösen Menschen einfach unmöglich, seine Konfession mit einer andern zu vertauschen oder auch nur eine Ehe einzugehen mit dem Versprechen, die Kinder in der andern Konfession erziehen zu lassen, wie es hier häufig vorkommt.10 Man kann sein Christentum nicht mit einem andern vertauschen wie man einen Rock wechselt, ohne ein charakterloser Mischling zu werden. Und was hat |559 es für einen Sinn, eine Familie zu begründen, wenn das Beste an meiner Eigenart, meine Religion, in ihr nicht fortbestehen soll? Gerade wir Protestanten sind in diesem Punkt oft so unglaublich oberflächlich und hätten von der Überzeugungstreue von Katholiken und Juden viel zu lernen.
Aber wir wollen diese Linie nicht weiter verfolgen. Wenn Jesus uns davor
warnt, durch einen falschen Frieden mit der Welt
Schaden an unsrer Seele zu nehmen,
und wenn
Aber größer ist das Andre, dass durch die Bildung, durch den rechten Frieden mit der Welt, die Seele, die Persönlichkeit hinauswächst über das, was sie kraft ihrer natürlichen geistigen Anlage ist. Und jenes Erhalten und Pflegen dessen, was wir sind, ist nur dann gut und charaktervoll, wenn es das Zweite ist, wenn vorangegangen ist das c-Größerwerden als wir sind-c, das Anstreben dessen, was wir werden sollen. Und hier nehmen wir den Vorgang der Bildung wahr in seiner reinsten Gestalt.
Von den Soldaten
Und nun denkt euch, was ich da als einen einzelnen Fall schildere,
tausendfältig vermehrt, so habt ihr eine Anschauung von dem Werdegang
menschlicher Bildung. Dein Leben mag immer ein bescheidenes Flüsslein noch
sein, es hat doch die Anlage und Bestimmung, ein
Die Schöpferkraft, die jenes Neue in uns wirkt, ist Gott. Er ist der Herr der
Geisterwelt, deren Bürger wir werden sollen. Er kennt aber auch jeden der
Seinen [vgl.
563 Wir aber kennen als Glieder der christlichen Gemeinde Jesus Christus als den Menschen, dessen Art es ist wie die keines zweiten, die Liebe in uns zu erwecken, die das Eins und Alles ist zur Bildung. Denn in ihm sehen wir das vereint zu unlöslicher Einheit, was bei uns immer noch auseinanderklafft. Er war eine Seele, eine Persönlichkeit, aber er war es, weil er die Welt der Geister in Liebe in sich aufgenommen, weil nichts Menschliches ihm fremd war.16 In ihm war das Urbild, das als fernes Ziel vor unsern Augen steht, gegenwärtige Wirklichkeit, und es war es, weil er nichts für sich selbst sein wollte. Das war Gottes Art, die in ihm sich kundgetan hat. An ihm teilhaben, sein Jünger sein im Geist und in der Wahrheit, das heißt teilhaben an der Schöpferkraft, die uns vorwärts führt, über uns hinaus und doch in uns hinein, zum Frieden mit der Welt und doch in den Frieden der Seele. Und wir rufen Gott an, wenn wir gläubig betend ihn anrufen:
- Nr. 10: «Lobe den Herren, o meine Seele» von
J. D. Herrnschmidt , Strophen 1–3 (RG 99; EG 303). - Nr. 181: «Jesu, Seelenfreund der Deinen» von
M. Hahn , Strophen 1–3. - Nr. 163: «Eine Herde und ein Hirt» von
Fr. A. Krummacher , Strophen 1.3.6.
-
Epheser 4,1–16 .