Predigt Nr. 44 · 17. Juli 1910

Predigt: Jakobus 3,1-12

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Jakobus 3,1–12
Es dränge sich nicht jedermann dazu, Lehrer zu sein, meine Brüder. Ihr sollt wissen, dass wir ein umso strengeres Urteil empfangen werden. Denn wir fehlen vielfach alle miteinander. Wer aber beim Reden nicht fehlt, der ist ein vollkommener Mann, der kann auch den ganzen Leib im Zaume halten. Seht, den Pferden legen wir das Gebiss an, damit sie uns gehorchen, und so lenken wir ihren ganzen Körper. Seht euch auch die Schiffe an; trotz ihrer Größe und trotz heftiger Winde, die sie treiben, werden sie von einem ganz kleinen Steuerruder gelenkt, wohin es das Belieben des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Gib acht, wie ein winziges Feuer einen großen Wald in Brand setzt. Auch die Zunge ist solch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge tritt unter unsern Gliedern als die Macht auf, die den ganzen Leib befleckt und die Lebensbahn entzündet, während sie selbst von der Hölle entzündet ist. Denn jede Art von Säugetieren und Vögeln, von Schlangen und Seetieren wird gezähmt und ist gezähmt worden durch die menschliche Natur, die Zunge hingegen kann kein Mensch zähmen,dies ruhelose Übel voll todbringenden Giftes. Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind. Aus demselben Munde geht Segen und Fluch hervor. Es sollte nicht so sein, meine Brüder! Sprudelt etwa die Quelle aus derselben Öffnung süßes und bitteres Wasser? Kann etwa, meine Brüder, der Feigenbaum Oliven hervorbringen oder der Weinstock Feigen? Und keine Salzquelle kann süßes Wasser hervorbringen.
Meine Freunde!

Der erste der vorgelesenen Verse ist einer der geeignetsten Texte für die Predigten, die ein Pfarrer immer wieder sich selbst halten muss: «Es dränge sich nicht jedermann dazu, Lehrer zu sein. Ihr sollt wissen, dass wir ein umso strengeres Urteil empfangen werden.» Es scheint, dass unter den Christen, an die Jakobus sich richtete, Manche waren, |516 die sich leichtfertig und eingebildet zum Predigtamt drängten, die sich gerne damit wichtigmachten, der Gemeinde ihre tiefen oder weniger tiefen religiösen Ideen vorzutragen, so dass die Verkündigung des Evangeliums drohte, zu einem gebildeten Religionsgeschwätz zu entarten. Jakobus bemerkt dazu: Achtung! Wer viel und wer nun gar berufsmäßig über Gott redet, der hat ein umso strengeres Gericht zu erwarten, mit dem wird es umso genauer genommen. Viel lebendiger auch und eindrücklicher als Andre erfährt er an sich das Gericht Gottes, die Scheidung und Entscheidung über den Wert oder Unwert seines Lebens. Ich sage: Das geht uns an, und jeder Pfarrer wird es euch aus eigener innerer Erfahrung bezeugen, dass, was Jakobus sagt, ohne Weiteres und unmittelbar wahr ist. Indem wir und je mehr wir über Gott reden, steht die ernste, ja furchtbare Seite im Wesen Gottes dringender und gewaltiger vor uns als vor andern Menschen, dringender und lebendiger sind wir vor die Tatsache gestellt: «Uns bleibt ein Erdenrest, zu tragen peinlich».1 Denn indem wir von der ewigen Wahrheit reden, werden wir uns der Kluft bewusst, die zwischen menschlicher und göttlicher Wahrheit scheinbar unüberbrücklich gesetzt ist, und wir leiden darunter, dass unsre Aufgabe notwendig über unsre Kraft geht. Darin besteht das strengere Gericht, das wir erfahren. Ein Theologe, der sich jenem Gericht entziehen wollte und jenem innern Konflikt ausweichen, der wäre kein rechter Theologe, heute weniger als je.

Aber ich will nicht näher auf diesen ersten Vers eintreten. Was darin gesagt ist und was ich darin gelesen habe, hat für euch nicht die dringliche Bedeutung wie für mich. Denn wenn uns da gesagt wird: es dränge sich nicht jedermann dazu, Lehrer zu sein, so wäre es heute weitesten Kreisen gegenüber eher nötig, das Gegenteil zu betonen: Ihr dürft euch nicht der Aufgabe entziehen, mitzuhelfen das Evangelium zu verkündigen. Es ist ja wohl aus den Zeitungen bekannt, dass die Zahl der Theologiestudierenden gegenwärtig überall hinter dem Bedürfnis zurückbleibt, besonders auffallend und beängstigend in den protestantischen Kirchen von Frankreich, aber auch in Deutschland und bei uns in der Schweiz.2 Ebenso steht es in der Heidenmission:3 |517 Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige [Mt. 9,37]. Wo bleiben da unsre jungen Leute, unsre jungen Männer und Mädchen, und zwar meine ich jetzt, die die Kirche besuchen und an ihrem Christentum überhaupt etwas haben, nicht die andern. Man kann gerade auf diesem Gebiet heutzutage so ziemlich jedermann brauchen, der aufrichtig und guten Willens ist. Aber wo bleiben die jungen Christen? Drängt euch nur wieder etwas mehr dazu, Lehrer zu sein! Und ich will bei dem Anlass gleich noch etwas Spezielleres und Aktuelleres sagen, das ihr mir nicht übel nehmen werdet. Im letzten Herbst wurde mehrfach der Appell an unsre Gemeinde gerichtet, es möchte sich jemand als Gruppenleiterin an unsrer Sonntagsschule beteiligen. Da handelte es sich doch noch lange nicht um eine welterschütternde und aufreibende Arbeit für das Reich Gottes, aber es hat sich niemand gefunden,4 bis wir uns nun auf andre Weise geholfen haben. Dergleichen ist nicht gerade ein Ruhmeszeugnis für das religiöse Leben einer Kirche, und es zeigt eben, dass die Mahnung des Jakobus heute umgekehrt ausgesprochen werden müsste.

518 Aber die Gedanken unsres Textes führen uns heute in andrer Richtung, und es soll genügen, dass jene Mahnung des ersten Verses auch im umgekehrten Sinn wenigstens zum Ausdruck gekommen ist. Nach jenem kurzen Wort an die Zudringlichen, die alle gerne predigen möchten, entwirft nämlich Jakobus das berühmte Gemälde von der ebenso großen als gefährlichen Wirksamkeit der menschlichen Zunge im Allgemeinen. Habt ihr schon daran gedacht, will er jenen sagen, dass das Reden schon an sich und im Privatgebrauch eine gefährliche und zweischneidige Sache ist, und nun wollt ihr gar noch berufsmäßige Redner werden? Und so kommt er dazu, eine Rede über das Reden zu halten, und die geht ja nun wohl Alle an, nicht bloß die Pfarrer, und sie gilt auch im 20. wie im 1. Jahrhundert, genauso gut und genau in dem gleichen Sinn. Mit dieser Rede über das Reden wollen wir uns heute beschäftigen.

Die Zunge ist ein kleines Glied und richtet große Dinge an! Dies Wort aus unserm Text hat ja beinahe sprichwörtliche Bedeutung erlangt. Und es ist nicht zu bestreiten: Wenn wir zunächst einmal ganz absehen von der Frage, wieviel Böses und Gutes durch das Mittel der Rede in der Welt geschaffen wird – auf alle Fälle ist die Zunge, ist das Reden die Großmacht im Leben der Menschen. Wenn man eine Aufzählung der eigentlich wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte machen wollte, so würde vielleicht eine Geschichte der menschlichen Zunge herauskommen. Denn auch bei den Vorgängen, wo auf den ersten Blick scheinbar einfach die rohe Gewalt der Waffen oder heutzutage die feinere Gewalt des Geldes die Geschichte gelenkt hat, auch da würde ein Ohr, das zu hören vermöchte, was in den Geschichtsbüchern nicht erzählt ist, im Hintergrunde die Betriebsamkeit von allerlei Zungen vernehmen, von Männerzungen und besonders auch Frauenzungen. Das eine Mal mögen’s Ströme von Worten gewesen sein, die geflossen sind, schäumend und sprudelnd, bis die Dämme gebrochen waren – man kennt ja das –, das andre Mal bloß ein kleiner, scharfer, giftiger Pfeil, der wohlgezielt dieselbe Wirkung tut. Das eine Mal das wohldurchdachte Gebäude edler philosophischer Beredsamkeit, das andre Mal der gewöhnliche Dorfklatsch, wie ihn die Menschheit von Anfang an geklatscht hat und wie er im klassischen Athen ebenso wohl zu Hause war wie im heutigen Genf. Das eine Mal die |519 wortkargen Sprüche einsamer Helden und Denker, die in ihrem Innern ihre eigene Welt aufgebaut und deren Zunge dann in das Orchester der Menschheit eingegriffen hat wie silberne Posaunen aus einem fernen Jenseits. Das andre Mal das Geschwätz, das Shakespeare in einem seiner Stücke als selbständige Person, mit 1000 Zungen bemalt, die Bühne hat betreten lassen und das dort von sich selber sagt, es sei ein Musikinstrument,

Das Argwohn, Eifersucht, Vermutung bläst
Und von so leichtem Griffe, dass sogar
Das Ungeheuer mit zahllosen Köpfen,
Die immer zänkische, wandelbare Menge
Drauf spielen kann.5

Ich weiß schon: all die Zungen, die nun seit den Tagen Adams auf unsrer alten Erde ununterbrochen in Bewegung gewesen sind, Zungen von Chinesen und Ägyptern, Juden und Griechen, Deutschen, Franzosen und Schweizern, das waren Alles die Zungen von Menschen mit Gedanken und Gefühlen, und was sie redeten, war nur der abgeleitete Fluss der verborgenen, unterirdischen Quelle unzähliger menschlicher Innenleben, deren Inhalt uns ein Geheimnis wäre, auch wenn uns ihre Worte irgendwie erhalten wären. Und insofern wäre eine Geschichte der Zunge noch lange keine erschöpfende Weltgeschichte. Aber das ist sicher, dass wir den Gang der Geschichte ganz anders verstehen und überblicken könnten, wenn wir Einsicht hätten in die verborgene Arbeit der Zungen, denn die Zungen sind, wenn nicht die Ursache selbst, so doch immer das erste und naheliegendste Mittel gewesen, durch das die Menschen ihr Geschick und das der Andern bestimmt und in Bewegung gebracht haben. – |

Die Zunge ist die große Gestalterin des Menschenlebens. Wenn ihre Arbeit in den großen Geschicken der Welt nur verborgen erscheinen mag, so ist sie jedenfalls offenkundig im Leben des einzelnen Menschen. Durch die Zungen der Mitmenschen werden wir, was wir sind. Ein Kind, das in einem Kreis aufwächst, in dem der Dorfklatsch das Tischgespräch ist, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit auch ein |520 Klatscher oder eine Klatscherin werden, wenn nicht das andre Extrem eintritt, dass es gerade durch seine Umgebung in die Einsamkeit und Schweigsamkeit, in die Gedanken getrieben wird. So oder so sind die Zungen der Andern für seine Entwicklung höchst bedeutungsvoll geworden. Ich kam einmal in eine Familie, wo ich schon vor der Türe deutlich hörte, wie Mann und Frau einander die größten Grobheiten an den Kopf warfen. Als ich eintrat, wurde es zuerst ganz still, und dann hub das Ehepaar einmütig an, sich gar kläglich über ihren Knaben zu beschweren, der seinem Bruder immer so rohe Worte gebe.

Ein jeder ziehe selbst den Schluss,
Was das für Segen bringen muss.6

Und wie die Zungenarbeit unsrer Mitmenschen unser Leben im Allgemeinen formiert, unsern Charakter beeinflusst und bildet, der Begleitungsmusik in einem Konzert vergleichbar, die den Solostimmen ihren Charakter gibt, weil sie ihr Hintergrund ist, so schwellt sie manchmal an, verlässt den Hintergrund, tritt tätig handelnd in unser Leben hinein und gibt ihm vielleicht gerade auf seinen Höhepunkten die entscheidende Richtung. Ein Wort, ein Wort ist so oft der erste Ring in der Kette unsrer Geschicke, ein Wort, das der andre vielleicht absichtslos hingeworfen, vielleicht planvoll überlegt hineingestellt hat in das unentschiedene Schwanken und Wanken unsrer Gefühle und Stimmungen. Da schießen die Kristalle zusammen wie in der Retorte des Chemikers, und unser inneres und äußeres Leben wird ein ganz, ganz anderes Gebilde, als es ohne jenes Wort geworden wäre. Die Zunge ist ein kleines Glied und richtet große Dinge an! – |

Aber die größten Dinge in unserm Leben richten nicht die Zungen der Andern an, sondern das kleine Werkzeug, das wir angeblich selbst in der Gewalta haben, mit dem wir scheinbar nur in das Leben der Andern eingreifen, ohne dass wir selbst dadurch Andre würden. Ich will nicht erst von den zahllosen Fällen reden, wo unsre eigene Zunge bedacht oder unbedacht unserm Leben die Richtung gibt, wo wir |521 Entscheidungen fällen für immer, wo wir uns Andre zu Freunden oder Feinden machen, wo unsre Worte wirken wie die Lawinen im Alpenland, wo sie Gefährten finden und mitreißen, wo sie Ursache sind im Guten oder Bösen, wo sie ein tausendfaches donnerndes Echo wecken, von dem wir selbst nichts ahnten, als wir sie aussprachen. Die Zunge ist das Zünglein an der Waage unsres Lebens, ganz abgesehen von all den Wirkungen auf das äußere Leben unser selbst und der andern. Denn der Klang des Wortes mag wohl im Ohr verhallen, vielleicht von Keinem gehört als von uns selbst, es ist deshalb doch nicht ungesprochen, und wir selbst sind nachher nicht mehr dieselben wie vorher. Schon das Kind, wenn es sich zum ersten Mal ein Wort oder eine Redensart erlaubt, von der es weiß, dass sie verboten sind, tritt damit in einen ganz neuen Zustand ein, es spürt heimlich, dass es mit dem Wort über eine Grenze gegangen ist. Und ist es uns nicht auch schon so gegangen, dass wir uns selbst plötzlich in einem ganz neuen Licht erschienen, wenn wir aus eigenem Mund einen Gedanken, eine Stimmung ausgesprochen hörten, vielleicht oberflächlich und zufällig, aber nachher haben die sich verdichtet zu Überzeugungen oder zu dumpfen, hartnäckigen Gefühlen, von denen wir nicht mehr loskamen, weil wir selbst uns willentlich oder unwillentlich daran gebunden durch unsre Worte?

Ich meine, Jakobus hat die Sache richtig gesehen. Durch ein kleines Instrument, das Gebiss, lenkt der Reiter einen ganzen Gaul, durch eine kleine Einrichtung, das Steuerruder, lenkt der Steuermann ein ganzes großes Schiff gegen Wind und Wellen – durch ein kleines Glied, die Zunge, lenkt und entscheidet man ein ganzes Menschenleben mit all seinen Folgen und Komplikationen. Wer lenkt? Wer entscheidet? Ist die Sache hier auch so einfach wie dort? Sind wir der Reiter und der Steuermann unsres Lebens oder führt ein andrer die Zügel und das Steuer, und wir sind das Rösslein, das geritten wird, und das Schiff, das gelenkt wird, wohin Wind und Steuermann es wollen? Den Jakobus scheint diese Frage zunächst gar nicht zu interessieren: er redet von «der Zunge», wie wenn sie eine selbständige dämonische Macht wäre, die den Menschen gar nicht nötig hat, um wirksam zu sein. Und so konstatiert er einfach: die Zunge wirkt, sie ist ein kleines Glied, aber sie richtet große Dinge an.

522 Und nun geht es weiter, wie wenn sich das von selbst verstünde: Ein winziges Feuer setzt einen großen Wald in Brand. Auch die Zunge ist solch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge tritt unter unsern Gliedern als die Macht auf, die den ganzen Leib befleckt und die Lebensbahn entzündet. – Waldbrand! Welt voll Ungerechtigkeit! Befleckung! Das Alles sei die Zunge. Das tönt nicht gut. Das muss uns bedenklich machen, nachdem wir gesehen, wie wirkungskräftig und folgenschwer die Arbeit der Zunge im Leben ist.b

Das ist uns ja wohl Allen schon vorgekommen, dass wir in gewissen Lebenslagen hätten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen mögen, wenn wir des Unheils gewahr wurden, das durch die Zunge und nur durch die Zunge unter den Menschen angerichtet war und angerichtet zu werden drohte. Wenn wir dann so leidenderweise vielleicht stundenlang zuhören mussten, wie an der Wahrheit vorbei oder um die Wahrheit herum geredet wurde, ein schreckliches Gemisch von Einsicht und Unverstand, dann war es uns wohl auch schon zu Mute, in den Seufzerc eines Dichters einzustimmen:

Mich ängstet das Verfängliche
Im widrigen Geschwätz
Und mich befällt das bängliche,
Das graugestrickte Netz.7

Das graugestrickte Netz, von dem da die Rede ist, das sind eben die Worte, die sich enger und enger zusammenziehen: Schaden anrichtend, Missverständnisse weckend, Vertrauen und Vernunft zerstörend. Und fast machtlos stehen wir dann da, wie man eben vor einem Waldbrand steht. Riesengroß, hoffnungslos ist das Unheil da, und was |523 will es helfen, einzelne Worte zu bekämpfen, zu widerlegen, mit der Wahrheit dem Irrtum zu begegnen? Es gibt Menschen, vielleicht sind es die allermeisten Menschen, die eine wahrhafte Fertigkeit und Virtuosität besitzen, zurückzukommen auf ihr erstes Wort, wenn man Vernunft gesprochen stundenlang.8 Die unvernünftigen, schädlichen Worte wachsen fortzu nach, man mag widerlegen, wie man will, wie die Köpfe der lernäischen Schlange unter dem Schwerte des Herkules nachwuchsen, er mochte ihrer abschlagen, soviel er wollte.9 Eine Welt voll Ungerechtigkeit wächst aus der nimmermüden Arbeit der Zungen. Es ist bedenklich, aber es ist nicht zu leugnen, dass es so ist; wer es gelernt hat, den Reden der Mitmenschen zuzuhören, nachdenklich und aufmerksam, der weiß es:

Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
Viel Redensarten, wenig Klarheit.10

Denn man spürt hinter den Worten und Redensarten die dumpfen, dicken Vorurteile. Und wenn ein Mensch ein Vorurteil hat, so will das sagen, dass er in bestimmten Richtungen und Angelegenheiten nicht mehr urteilen, nicht mehr Wahrheit und Klarheit reden kann, weil sein Urteil schon vorher da ist, weil er aufgehört hat, die Wahrheit zu suchen, sondern im Wahn lebt, sie bereits restlos zu besitzen, weil er einmal irgend eine Erkenntnis oder Lebensregel oder Stimmung in sich aufgenommen hat, die wohl einmal wahr und lebendig gewesen sein mag, die aber sofort hart und hölzern und unerfreulich wird, sobald der Mensch sich dabei zur Ruhe setzt und von da aus nun redet |524 und deklamiert, als habe er nichts mehr zu lernen. Je frecher und üppiger sich in einem Menschen die Unkrautpflanze des Vorurteils festgewurzelt und ausgebreitet hat, desto sicherer und bestimmter pflegt er freilich zu urteilen, aber gerade diese unverschämte Sicherheit macht sein Urteil unbeträchtlich und wertlos. Denn durch diese Sicherheit des Redens, wie die meisten Menschen sie haben, entsteht jenes graugestrickte Netz, aus dem es kein Entrinnen gibt. Sokrates ist mit gutem Grund der Meinung gewesen, die Weisheit und Wahrheit fange in einem Menschen dann an, wenn er wisse, dass er nichts wisse,11 mit andern Worten: wenn er lerne, auf seine Vorurteile zu verzichten. Vorher ist all unser Reden eine Spiegelfechterei, an die nur wir selbst glauben und die unter denen, die sie anhören müssen, nicht Segen, sondern Verwirrung anstiftet. Vorher ist und bleibt unsre Zunge eine Welt voll Ungerechtigkeit, ein Schadenfeuerlein, das Wälder verwüstet.

Um das recht zu verstehen, müssen wir aber nicht dabei bleiben, auf die Wirkungen und Ursachen des Redens bei den Andern zu achten. Die über das Geschwätz der Mitmenschen am bittersten klagen, sind manchmal die, die am schwersten im gleichen Spital krank sind.d Und wir bekommen überhaupt in den Fragen des innern Lebens nur dann Antwort, wenn wir sie an uns selbst richten. Alles, was wir etwa bei Andern wahrzunehmen meinen, kann uns dazu nur als Vorbereitung dienen. Wenn wir leiden unter dem Verwirrung stiftenden Reden und Dreinreden der Andern, so leiden wir ebenso sehr, e-nein noch viel tiefer-e unter dem, was aus unserm eigenen Munde hervorgeht. Ich sage: wir leiden. Und ich meine das ausnahmslos, obwohl ich weiß, dass die meisten Menschen scheinbar nicht daran denken, sich um die Arbeit ihrer Zunge Sorge zu machen oder gar ein Leiden darin zu erkennen. Man könnte sogar sagen: Die sind am schlimmsten krank, gerade wie das zum Teil die schlimmsten leiblichen Krankheiten sind, die der Kranke jahre- und jahrzehntelang nicht einmal kennt, sondern |525 als harmlosen Bresten12 behandelt. Sie denken dann wohl ab und zu: Heute habe ich etwas Dummes gesagt, wenn nämlich ihr Wort irgendwie offenkundigen Schaden angerichtet hat, aber dass ihr Reden überhaupt dumm ist und Schaden anrichtet vom Morgen bis an den Abend, das merken sie nicht. Das Reden, das gesprochene Wort ist das eine große Mittel, durch das wir Verkehr mit den Menschen haben. In unserm Verkehr mit den Menschen aber entscheidet es sich schlechterdings, was mit uns ist, ob wir Gute oder Böse sind. Ob wir daran auch schon gedacht haben, welch fundamentale Bedeutung unser Reden also für uns selbst hat? dass wir uns auf keinen Fall selbst trösten dürfen: Worte sind Worte, mein Herz bleibt doch gut? Sondern dass Jakobus recht hat, wenn er sagt: Wer beim Reden nicht fehlt, der ist ein vollkommener Mann? Und das heißt doch wohl umgekehrt: Wer im Reden fehlt, sich vergeht und versündigt, der ist solange noch unvollkommen, vor Gott verworfen. All das Unnütze, Kindische, Unlogische, das uns tagaus tagein, jahraus jahrein über die Lippen läuft, das beweist eben doch wohl, dass es in unserm Inwendigen, in der Arche Noah des Herzens, wie der Dichter Spitteler das einmal nennt,13 unnütz, kindisch und unlogisch aussieht. Denn wenn unser Inwendiges, unser Herz es ernst nehmen würde mit der Tatsache, dass in unserm Verkehr mit den Menschen Güte, Liebe und Gerechtigkeit Ursache und Wirkung sein müssen, dann würde doch wohl auch die Arbeit unsrer Zunge, durch die wir mit den Andern verkehren, einen andern Charakter bekommen. Aber das ist eben leider nicht der Fall oder nicht so, wie es der Fall sein sollte. Güte, Liebe und Gerechtigkeit sind nicht die Großmächte unsres Innern, das kommt in der Arbeit unsrer Zunge zum täglichen und stündlichen Ausdruck, und darum sage ich, dass wir an unserm eigenen Reden leiden, viel tiefer als an dem Geschwätz der Andern. Wir leiden daran, gleichviel ob wir’s merken oder nicht. Und das graugestrickte Netz des Geschwätzes, das wir selbst stricken, ist das Schlimmste von Allen.

526 Die Ursache dieses widrigen Zustandes, dass die Zunge eine Welt voll Ungerechtigkeit ist, konnten wir, als wir von den Zungen der Andern redeten, in den Vorurteilen finden, die handgreiflich alle Ungerechtigkeit produzieren. Das Wort «Vorurteil» klingt immerhin noch ziemlich harmlos. Wollen wir jetzt uns selbst beurteilen – und das macht einen großen Unterschied aus – dann müssen wir tiefer gehen und derselben Sache eine schärfere und unfreundlichere Bezeichnung geben. Wir werden dann nämlich die Ursache der Ungerechtigkeit und Schädlichkeit unsres Redens kurz und gut in unsrer innern Faulheit zu suchen haben. Wenn wir einen Andern vor uns haben, der uns durchf vorurteilsvolle Sicherheit seines Redens lästig fällt, so werden wir uns wohl zu hüten haben, ihn gleich als geistig faul, d. h. als unbrauchbar und tot zu verurteilen. Wir sind nicht seine Richter, weil wir unvermögend sind, ihn zu durchschauen. Wohl aber durchschauen wir uns selbst. Wenn nämlich unser eigenes Reden uns lästig fällt und Leiden bereitet, dann schauen wir hinter unsern Vorurteilen die große Faulheit, die darin besteht, dass wir uns innerlich nicht zu entscheiden vermögen zwischen der Wahrheit und der Unwahrheit. Wir sind innerlich untätig, rücken nicht von der Stelle und greifen stattdessen geruhsam nach einem Vorurteil, d. h. nach einer Entscheidung, die wir nicht selbst gefunden und getroffen haben, sondern die uns von Andern zugekommen ist und die nun in unserm Innern liegt wie ein Felsblock auf einer Bergwiese. Wir lassen es damit bewenden, dies Vorurteil zu haben und immer wieder auszusprechen, ja, wenn wir genau zusehen, besteht unser ganzes Inneres aus solchen Vorurteilen, und nun kann es uns schon nicht mehr wundern, dass unser Reden nicht das Mittel ist zu einem rechten, fruchtbaren Verkehr unter den Menschen, sondern das Gegenteil, dass es ungerecht ist und ungerecht macht. Und so kommt’s, dass die Faulheit die Ursache ist unsres Leidens, des Leidens an unserm eigenen Reden.

Nun sind wir aber an dem Punkt, wo wir einen Ausdruck unsres Textes verstehen können, von dem bis jetzt noch nicht die Rede war. Wir hören da nämlich nicht nur das, dass die Zunge den ganzen Leib befleckt, so klein sie ist, und unsre Lebensbahn in Brand setzt, wie |527 einer einen Wald anzündet. Sondern Jakobus fährt kurzerhand weiter: Die Zunge selbst aber ist von der Hölle entzündet. Wenn die Menschen der alten Welt von der Hölle redeten, so dachten sie sie als den unterirdischen Ort der ewigen Flammen, vom Teufel regiert, Alles in Allem den Ort der qualvollen Strafe. Aber nicht nur das: ebenso sehr die gegenwärtige Macht der Verführung, des Bösen. Der Teufel wartet nicht erst, bis der Mensch strafwürdig wird und ihm verfällt, sondern er geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge [1.Petr. 5,8]. So ist es in der alten Lehre von Hölle und Teufel, so wunderlich sie uns vorkommen mag, sinnvoll ausgesprochen, dass das Böse und seine Strafe eins und dasselbe sind. Die Hölle peinigt den Menschen, nachdem sie selbst ihn zum Bösen entzündet. Ihn und besonders seine Zunge, sagt der Text. Er sieht also in der Sünde der Zunge, die uns oft so geringfügig vorkommt, direkt die Wirkung des absoluten, radikalen Bösen. Er sieht in der Ungerechtigkeit des Redens die ewige Vernichtung des Menschen. Denn wenn Jakobus von einer Sünde sagte, sie ist von der Hölle entzündet, dann verstanden seine Leser oder Hörer sofort: Womit der Mensch sündigt, damit wird er auch gestraft. Und so ragt in die scheinbar so äußerliche Angelegenheit des rechten Redens plötzlich die Ewigkeit hinein mit all ihrem Nachdruck und Ernst.

Ich glaube, wir können uns dem nicht entziehen, dass unser Leiden am Reden nicht ein fatales, aber vorübergehendes Übel ist, das sich leicht kurieren lässt, sondern dass die Faulheit, die diesem Leiden zugrunde liegt, ein radikales Böses ist, durch das unser Leben vernichtet wird, wenn nicht eine ebenso radikale Heilung eintritt. Die großen und kleinen Tiere kann man zähmen und abrichten, aber die menschliche Zunge kann man nicht abrichten, die Hölle des radikalen Bösen, die durch sie redet, nicht mit einigen Eimern Wasser auslöschen. Man kann wohl einen Menschen dazu zwingen oder erziehen, z. B. das Lügen oder grobe Redeweisen aufzugeben – das wäre so eine Art Zähmung, aber sie ist nur scheinbar. Das wilde Tier lebt noch und wird wieder ausbrechen, sobald Zwang und Erziehung ihr Ende haben. Und die Zunge wird sich ohnehin, wenn nicht in dieser, so doch in irgend einer andern Richtung als die Welt voll Ungerechtigkeit bewähren, die sie ist. Wahrheit und Unwahrheit stehen in uns im Zwiespalt. Recht und Unrecht stehen sich in unserm Innern gegenüber, |528 Schönheit und Freude gegen Hässlichkeit und Unfreude. Unsre Faulheit aber lässt es dabei bewenden, sie entscheidet sich nicht, wir stehen innerlich müßig. Und weil es so ist, haben wir den andern Menschen nichts zu bieten, und das gottgegebene Mittel dazu, die Rede, wird zum schädlichen Geschwätz. In jenem innern Zwiespalt aber, dem gewaltigen, unnatürlichen Gegensatz in unserm Bewusstsein, da ist die Hölle, ist die Sünde und ist die Strafe. Man redet von doppelzüngigen Menschen. Der Ausdruck ist nicht zutreffend. Das Ungeheuerliche besteht vielmehr darin, dass es dieselbe Zunge ist, die Wahrheit und Unwahrheit, Recht und Unrecht zu reden vermag. Mit diesem kleinen Glied preisen wir den Herrn und Vater, und gleich darauf fluchen wir mit ihm dem Menschen, der nach seinem Ebenbild geschaffen, der unser Bruder ist. Aus demselben Munde geht Segen und Fluch hervor. Es sollte nicht so sein. Indem es aber leider doch so ist, wird uns jenes kleine Glied zum Barometer unsres innern Lebens. Unweigerlich müssen wir aus den schädlichen Unklarheiten und Widersprüchen unsres Redens wahrnehmen, dass wir selbst, wir, die wir reden, bald dem wunderlichen Proteus der griechischen Sage gleichen in seinen Verwandlungen in allerlei Tier- und Menschenformen,14 bald dem unerfreulich konfusen und charakterlosen Kometen Halley, wie wir ihn vor 2 Monaten haben über den Himmel wandern sehen.15 Es sollte nicht so sein. |

Wer beim Reden nicht fehlt, der wäre ein vollkommener Mann. Da mögen wir wohl fragen, mit Recht fragen: wer ist da vollkommen, wenn das das Zeichen der Vollkommenheit ist? Wer darf sagen, dass der Barometer seiner Worte öfter als in einzelnen hohen Augenblicken auf einen gleichmäßig heitern und edlen innern Zustand hinweist? dass seine Rede ihm wirklich ein Mittel ist, fruchtbaren Verkehr und Austausch mit den Menschen zu pflegen, dass das, was über seine Lippen geht, Taten der Liebe und Gerechtigkeit sind? Ich meine: indem wir merken, wie oft wir im Reden fehlen, muss es uns aufgehen, wieviel uns fehlt im Innern. Aber nun dürfen wir eben nicht dabei stehen bleiben, das einzusehen und zu seufzen, dass also keiner vollkommen sein könne. Sondern wenn wir eben in Selbsterkenntnis ei|529nen Blick rückwärts getan haben in die Ewigkeit des Bösen, dürfen und wollen wir im Glauben den Blick nach vorwärts richten in die Ewigkeit des Guten. Denn wir hören eine Stimme, die sagt uns in tiefster Einheitg von Ernst und Liebe: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist [Mt. 5,48]. Und das Wort dieser Stimme ist das Wort der Wahrheit inmitten des unklaren, widerspruchsvollen Getöses der Menschenstimmen. Jesus ist der vollkommene Mann gewesen, und das zeigte sich darin, dass er beim Reden nicht fehlte, dass seine Worte Taten waren, unvergängliche Taten der Kraft Gottes. Und nun hat er durch seine Worte die Menschen eingeladen, zu ihm zu kommen, sein Joch und seine Last auf sich zu nehmen [vgl. Mt. 11,28f.], seine Art mit offenen Augen in sich zu empfangen, zu erwachen aus der Trägheit des innern Zwiespaltes und klar und freudig das eine Lebensziel ins Gesicht zu fassen, Gott, der die Gerechtigkeit und die Liebe ist. Gott! Das ist die große, freudige Ewigkeit, die uns der Blick nach vorwärts eröffnet. Und dies geheimnisvolle Wort Gott bedeutet nicht eine fernentlegene, gleichgiltige Sache, sondern das unsterbliche Leben, in das wir eintreten und untertauchen sollen und dürfen. Ob das eine schöne Illusion ist? Es ist Wahrheit, weil so etwas wie das Leben Jesu Wahrheit sein konnte. Da sollen und dürfen wir heraus aus dem scheinhaften und verfänglichen Wesen aller menschlichen Worte. Da trifft uns ein Lichtstrahl aus dem Innern dessen, der in einem Lichte wohnet, da niemand zu kann [1.Tim. 6,16]. Ob wir dessen fähig sind, sie aufzunehmen? Wir sind es, wenn Gottes Geist uns seufzen und bitten lehrt:

Jesu, gib gesunde Augen,
Die was taugen,
Rühre meine Augen an.
Denn das ist die größte Plage,
Wenn am Tage
Man das Licht nicht sehen kann.16
Amen.
Lieder:
  • Nr. 41: «Wach auf, mein Herz, und singe» von P. Gerhardt, Strophen 1–4 und 6–9 (RG 568; EG 446 [je mit Textabweichungen]). 🎵
  • Nr. 309: «Der du die Wahrheit selber bist» von C. B. Garve, Strophen 1–4 (RG 211 [Textabweichung in Str. 3]). 🎵
Lesungstext:
  • Matthäus 12,22–37.

Textkritische Fußnoten

a
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift ergänzt.↩
b
Im Mskr. notierte Barth zwischen den Absätzen: «[in Marburg! →]». Es ist unklar, ob sich diese Notiz auf den vorangehenden Absatz bezieht oder ob der Pfeil auf den folgenden Absatz oder sogar auf den Beginn der nächsten Mskr.-Seite hinweisen soll. Die Platzierung und der Kontext einer ähnlichen Notiz weiter unten (s. Anm. d) lassen es als wahrscheinlich erscheinen, dass der folgende Absatz gemeint ist.↩
c
Im Mskr. mit Bleistift eingefügt anstelle von: «Angstschrei».↩
d
Hier folgte im Text die Notiz: «[Domi →]», die sich auf die folgenden Sätze bezieht.↩
e-e
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift korrigiert aus: «und vielleicht noch tiefer».↩
f
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift hinzugefügt.↩
g
Im Mskr. ursprünglich: «Einheit und Mischung»; mit Bleistift nachträglich korrigiert.↩

Sachfußnoten

1
J. W. von Goethe, Faust. Der Tragödie zweiter Teil, V. 11954f. (Bergschluchten). 📖 ↩
2
In Deutschland hatte sich die Zahl der Theologiestudierenden gegenüber dem hohen Stand von 1890 (4536 im Sommersemester) im Jahr 1905 fast halbiert (2277) und war auch zum Sommersemester 1910 nur leicht wieder gestiegen (2535); vgl. KJ 42 (1915), S. 488 📖. Die Schweizerische Hochschulstatistik / Statistique des Ėtudes Supérieures es Suisse 1890–1935, Bern 1935, S. 11 📖, konstatierte im Gegenüber zum kontinuierlichen Anstieg der Studentenzahlen aller anderen Fakultäten: «Auffällig ist, daß die schweizerischen Studenten der theologischen Fakultät seit den neunziger Jahren überhaupt keinen Zuwachs aufzuweisen haben, wenn man von der Zunahme seit 1932 absieht. Seit 1891/92 ist sogar ein ständiger Rückgang auf die Hälfte bis 1907/08 festzustellen, um erst dann wieder einem langsamen, von erneutem Absinken unterbrochenen Steigen Platz zu machen.»↩
3
Laut J. Richter, Art. «Mission unter den Heiden, protestantische», in: RE3 24 (1913), S. 134–170, dort S. 147 📖, gab es zum Zeitpunkt der Niederschrift insgesamt «14 000 selbständige Missionsarbeiter, zu denen noch 5400 Missionarsfrauen» kamen. Zehn Jahre zuvor war die Rede von einem «Missionspersonal von fast 11 000 Köpfen», unter «Ausschluß der 4350 Missionarsfrauen» (G. Warneck, Art. «Mission unter den Heiden, protestantische», in: RE3 13 [1903], S. 125–171, dort S. 147 📖).↩
4
Vgl. Gemeinde-Blatt für die Deutsche reformierte Gemeinde Genf, Jg. 6, Nr. 32, 2.11.1909, [S. 4] 📖: «In der Kinderlehre ist eine der Gruppenleitungen z. Z. vakant. Wer hilft? Meldungen an Vikar Barth.»↩
5
W. Shakespeare, König Heinrich IV. Zweiter Teil, Prolog (Sämtliche Werke in vier Bänden, hrsg. von A. Schlösser, Berlin 1975, Bd. 3, S. 281 [Übersetzung von A. W. Schlegel]). 📖 ↩
6
J. M. Sailer, Friedrich Christians Vermächtnis an seine lieben Söhne. Deutschen Jünglingen in die Hand gegeben von einem ihrer Freunde, zweite, verbesserte Auflage, Straubin 1825, S. 25 📖 (auch in: ders., Sämtliche Werke, Abt. 3, Bd. 7, neue, revidierte und vermehrte Ausgabe, Sulzbach 1831, S. 269 📖).↩
7
Aus dem Gedicht «Chinesisch-deutsche Jahres- und Tageszeiten XI» von J. W. von Goethe (Erstdruck: 1829; Berliner Ausgabe. Poetische Werke, Bd. 2, Berlin 1966, S. 108) 📖.↩
8
Vgl. Fr. Schiller, Wallensteins Tod, zweiter Aufzug, dritter Auftritt (Sämtliche Werke, Bd. 2, München 19623, S. 440) 📖:
Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig
Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort,
Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang!
↩
9
Die Tötung der neunköpfigen Hydra aus dem Sumpf von Lerna war die zweite der zwölf Aufgaben, die Herakles (lat.: Hercules) im Dienst des Königs Eurystheus von Argos zu erfüllen hatte; vgl. G. Schwab, Die schönsten Sagen des klassischen Alterthums (1837), Stuttgart 18543, S. 199f. (Neuausgabe Köln 1954, S. 105) 📖.↩
10
Vgl. J. W. von Goethe, Faust. Eine Tragödie, V. 170f. (Vorspiel auf dem Theater) 📖:
In bunten Bildern wenig Klarheit,
Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit.
↩
11
Platon, Apologie, 21d 📖; s. oben, S. 199, Anm. 6.↩
12
Veraltet für: Mangel, Gebrechen.↩
13
In der Erzählung «Imago» spricht Carl Spitteler von einem «Rundgang durch die Arche Noah seiner Seele, vom obersten Stock bis in die Kellergewölbe des Unbewußten» (C. Spitteler, Imago, Jena 1907, S. 135f. 📖).↩
14
Vgl. Homer, Odyssee, 4. Gesang, V. 349–570, bes. V. 454–460 📖.↩
15
Siehe oben, S. 352, Anm. 4.↩
16
Strophe 9 des Liedes «Hüter, wird die Nacht der Sünden» von Chr. Fr. Richter (GERS 357 [Z. 1–3 und 4–6 vertauscht und Z. 1 dementsprechend abweichend: «Das ist die größte Plage»]). 🎵 ↩