Predigt Nr. 41 · 5. Juni 1910

Predigt: Jakobus 2,8-13 (II)

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Jakobus 2,8–131 (II)
Meine Freunde!

Wir haben uns vor 14 Tagen mit der Frage nach dem Wesen des königlichen Gesetzes beschäftigt, von dem in unsern Textworten die Rede ist. Wir fanden es in der Pflicht der Liebe, in deren Befolgung und Erfüllung ein Menschenleben allein a-sinnvoll und wertvoll-a werden kann. Wir standen vor dem merkwürdigen Punkt in der Entwicklung des innern Lebens, den wir passieren müssen, wenn es gut kommen soll, dem Punkt, wo der Gehorsam verschlungen werden soll von der Freiheit und wo umgekehrt die Freiheit sich doch wieder zu nichts Anderem gestalten kann und soll als zum Gehorsam im höchsten oder im tiefsten Sinn. Die Pflicht der Liebe, der gegenüber Freiheit und Gehorsam eins und dasselbe werden sollen in uns, das ist das königliche Gesetz. So hat es Jesus gelebt und gelehrt und hat uns damit das Höchste und Letzte gesagt, was Gott uns zu sagen hat. So haben wir es überkommen als ein vielfach verschüttetes und verborgenes und doch unverwelkliches und unverlierbares Erbe b-der Reformation und des deutschen Idealismus-b . So erwächst unserm Geschlecht angesichts dieses Königsgesetzes die Aufgabe:

Was du ererbt von deinen Vätern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen.2

Aber es scheint, dass der Weg, den ich vor 14 Tagen eingeschlagen habe, um euch diese Gedanken deutlich zu machen, an verschiedenen Stellen über Stock und Stein geführt hat, denn es ist mir von verschiedenen Seiten gesagt worden, die Predigt sei schwer oder gar nicht verständlich gewesen.3 Nebenbei gesagt: Ich bin für solche Einwände |471 und Beschwerden sehr empfänglich und dankbar. Je weniger wir hier oben theologische Selbstgespräche halten und je mehr ihr alle mitdenken und mitsuchen helft, umso besser auch für uns Alle. Was nun diesen besondern Fall anlangt, so war ich einen Augenblick recht verblüfft darüber, dass euch die Sache offenbar nicht so klar und selbstverständlich vorgekommen ist wie mir. Aber bei näherer Besinnung musste ich mir dann sagen, dass eure widerstrebende Empfindung doch ganz normal und erklärlich sei. Erstens darum, weil das 19. Jahrhundert, dessen Kinder wir Alle sind, in Bezug auf diese Gedanken vielfach c-ein Jahrhundert des Rückschritts, der Reaktion gewesen ist-c, bei allen Fortschritten der Wissenschaft und der Technik. Wenn wir über Gesetz und Freiheit nachdenken und reden, dann geht es uns ungefähr so, wie wir auch unwillkürlich denken und sagen, dass die Sonne sich um die Erde drehe, trotzdem wir wissen, dass seit der Entdeckung des Kopernikus nicht daran zu zweifeln ist, dass das Umgekehrte richtig ist. So können wir es auch nicht denken und fassen, dass d-das ganze Gesetz aus der ganzen Freiheit hervorgehen soll-d und die ganze Freiheit wieder aus dem ganzen Gesetz, obwohl die einfache Besinnung auf die Art Jesu uns sagt, dass es so und nicht anders sein muss. Aber die Schwierigkeit der Sache beruht, wie ich meine, zum Wenigsten auf der Schwierigkeit der Gedanken. Man kann e-die Zusammenhänge-e, die ich das letzte Mal zu entwickeln versucht habe, durchgedacht und verstanden haben, f-um nachher-f zu entdecken, dass der Berg der eigentlichen Schwierigkeit immer noch vor einem liegt. Ich gestehe euch offen, dass es mir selbst so geht. Man hat sich die Gedanken der innern Freiheit und des innern Gesetzes angeeignet, man merkt deutlich: nun bin ich auf der richtigen Spur, in dieser Richtung geht der Weg, der zu Gott führt, man freut sich, die Spuren dieses Weges deutlich wiederzufinden bei den Führern und Helden der Menschheit, man spürt etwas von dem Rauschen des verborgenen |472 Stromes der Wahrheit, der unter dem Geröll und Geschiebe des Menschenlebens und der Menschengeschichte seinen ewigen Gang geht. Aber nun kehrt man aus den Gedanken über die geheimnisvolle Herrlichkeit des lebendigen Gottes zurück zu den Gedanken des Alltags, wie man aus der Kirche oder aus den Feierstunden in der Naturwelt zurückkehrt zu den Bedürfnissen und Angelegenheiten des häuslichen oder beruflichen Lebens, die man am Morgen hinter sich gelassen hatte. Man erfährt dann an sich selbst etwas von dem spöttischen Doppelsinn des Wortes, das Goethe den Faust beim Anblick der feiernden Menge am Sonntagnachmittag ausrufen lässt:

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie Alle ans Licht gebracht.4

Das Licht, in das wir da gebracht sind, ist aber nichts Anderes als das nüchterne Tageslicht g-des sogenannten wirklichen Lebens-g mit den unerträglichen Komplikationen und Widersprüchen, in das es unser Denken und Handeln sofort wieder versetzt. Für die einen wird dann angesichts dieses Tageslichtes das ewige Licht Gottes eine schöne, freundliche Erinnerung, die aber nur in der Kirchen ehrwürdiger Nacht noch Bedeutung hat, während draußen andre Gesetze gelten. Die andern kommen doch nicht davon los, dass das, was sie erkannt und gesehen, das ewige Licht war, d. h. das Licht, das unser ganzes Leben bestrahlen und erfüllen soll, aber umso gewaltiger erhebt sich vor ihnen die Aufgabe, das ganze Gesetz und die ganze Freiheit in ihrem ganzen Leben zu würdiger Gestaltung zu bringen. Jedenfalls stehen wir Alle, gerade wenn wir die Aufgabe, die uns obliegt, durchschaut und verstanden haben, vor der bohrenden und peinlichen Frage: Was nun? Die Schwierigkeit dieser Frage besteht aber gerade darin, dass es eine Frage des Willens und Lebens ist, viel mehr als eine Frage des reflektierenden Verstandes. Ich meine mich nicht zu täuschen, wenn ich sage, das ist im letzten Grund die Schwierigkeit, die Manchen von euch unsre letzte Betrachtung hat schwer verständlich oder unverständlich erscheinen lassen, und ich wiederhole es, dass ich diese Schwierigkeit ebenso lebhaft empfinde wir ihr. Eben darum aber |473 sage ich zum Voraus, dass ihr auch heute keine restlos befriedigende Antwort erwarten dürft. Es steht bei diesem Gegenstand so, wie es in unsrer evangelischen Kirche bei allen ernsthaften und großen Gegenständen steht und stehen muss: Die endgiltige, restlos befriedigende Predigt muss jeder sich selbst halten, und je gründlicher er es damit nimmt, desto mehr wird er entdecken, dass dazu nicht mehr und nicht weniger als ein ganzes Menschenleben von Nöten ist. Das ewige Licht soll heraus aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht und hinein ins wirkliche Leben, um da das wirkliche, giltige Licht zu werden, von dem das Tageslicht nur ein schwacher Widerschein ist. h-Gott soll Mensch werden-h . Diese Aufgabe ist nicht zu lösen mit Predigen und Zuhören, sondern nur dadurch, dass man sie tut und lebt. Ich will versuchen, dazu noch einige i-Hilfslinien zu ziehen-i, die Zeichnung müsst j-ihr selbst anlegen und ausführen-j.

Zuerst ist zu reden von der Anwendung und Erfüllung des Gesetzes der Freiheit, dann von dem Gericht und Urteil, dem Gott uns gemäß eben diesem Gesetz der Freiheit unterwirft. So entspricht es den Gedanken unsres Textes, und so entspricht es zweifellos auch der Ordnung der Sache. Man könnte dieselbe Ordnung auch so ausdrücken: wir beschäftigen uns mit dem Charakter unsres Handelns, dann mit dem Wert oder Unwert, der ihm im Lichte der Ewigkeit zukommt. Beide Mal haben wir es also mit der k-Naturgeschichte des guten Willens-k zu tun, dessen Reinheit und allgemeine Giltigkeit wir das letzte Mal betrachtet haben.

Wenn wir uns heute über Anwendung und Erfüllung des Gesetzes besinnen wollen, dann tritt uns gleich am Anfang unsres Textabschnitts und am Anfang unsrer eigenen innern Erfahrung die Sünde entgegen, dort das Wort und hier die Sache. Wenn ihr Ansehung der Person übt, dann tut ihr Sünde, sagt uns Jakobus. Wenn ihr Halbe seid und nicht Ganze, dann tut ihr Sünde, sagt uns die innere Erfahrung, wenn wir wenigstens gelernt haben, aufmerksam uns selbst zu beob|474achten. Ich habe vor einigen Wochen in Zürich eine Predigt gehört, in der sich der Redner eine halbe Stunde lang bemühte zu beweisen, es sei nichts mit diesem Gedanken der Sünde, es handle sich dabei um einen traurigen Irrtum, den die Reformatoren und später besonders die Pietisten aus dem finstern Mittelalter übernommen hätten. Im religiösen Leben der Gegenwart sei vielmehr der sogenannte Optimismus am Platz, man müsse nicht zurückblicken auf so düstere Sachen wie Schuld und Sünde, sondern vorwärts auf die guten Dinge, die man erst tun und erleben wolle. Entwicklung, das sei das wahre Evangelium.5 Das war nun Alles sehr gut gemeint, aber ich muss gestehen, dass ich es mit denkbar geringster Erbauung mitangehört habe, denn wenn in dem berühmten religiösen Leben der Gegenwart etwas nötig ist, so ist es das, dass man einander nicht so ungereimte und oberflächliche Dinge vortrage und dass man merkt, wie töricht es ist, immer zuerst nach der Modernheit und dann erst nach der Wahrheit eines Gedankens zu fragen. In diesem Fall speziell liegt die Sache doch recht einfach. Ich habe euch das letzte Mal am Schluss in Anlehnung an Luther den innern Zustand eines Menschen geschildert, in dem das Gesetz der Freiheit regiert. Freie Königskinder nennt der Reformator die rechten Menschen und Christen.6 Aber nun mussten wir eben konstatieren, dass dieser Zustand bei uns keineswegs erreicht ist, vielmehr als eine Aufgabe vor uns liegt. So hat auch Luther seine Schilderung verstanden. Warum entspricht die Wirklichkeit dem Ideal nicht? Warum sind wir nicht, was wir sein sollen? Die Sünde steht im Weg, sagte schon Paulus, sagte Luther, sagten die Pietisten, sagten alle |475 Leute, die den Dingen auf den Grund gingen und nicht obenhin redeten. Sie meinten damit den bösen Willen, der im Menschen ist und der es nicht zur Anwendung und Erfüllung des Gesetzes kommen lässt oder doch nur zu Halbheiten. Wenn man dem lieber einen andern Namen gibt, so ist nichts dagegen zu haben, aber um die Sache selbst soll man sich nicht drücken wollen. Denn es ist durchaus nicht gleichgiltig, ob man meint, man könne sich zum ganzen rechten Menschen entwickeln wie der Schmetterling aus der Puppe, oder ob man merkt, dass es da Widerstände zu überwinden und zu brechen gibt. Wo kein Gegensatz und keine Frage ist, da ist auch keine Aufgabe, wo aber keine Aufgabe ist, da ist auch keine Antwort. Nimmt man es aber mit der Wahrheit genau, so wird wohl auch der rechte Optimismus dabei nicht zu kurz kommen.

So wollen wir versuchen, die Wurzeln dieses Gegensatzes in uns bloßzulegen, und wenn uns das gelingt, dann sehen wir vielleicht auch den Weg zu seiner Überwindung. Die Erkenntnis l-des Negativen und des Positiven-l darf eben in den letzten großen Fragen des innern Lebens nicht nebeneinander stehen, sondern es muss die positive Erkenntnis aus der negativen hervortreten wie bei der photographischen Platte, von der wir bei einem frühern Anlass geredet.7

Jakobus charakterisiert die Sünde oder die Übertretung des Gesetzes dadurch, dass er sagt, der Mensch fehle dabei in einem Stücke, er mache irgend eine Ausnahme von der Regel. Er richtet seine Mahnung an Leute, die das ganze Gesetz zu halten, ja die als Christen auch das königliche Gesetz der Liebe zu erfüllen meinen. Aber ihr übt Ansehung der Person, sagt er ihnen, und meint damit jene unterschiedliche Behandlung des Armen und des Reichen im Gottesdienst. Es handelt sich also bei dem einen Stück, in dem sie fehlen, um eine ganz geringfügige Sache, jene kleine Szene war vielleicht gar nicht von Allen bemerkt, jedenfalls von den Wenigsten überlegt worden. Da könnte es wohl erstaunenm, dass Jakobus mit so grobem Geschütz kommt und gleich das Wort Sünde braucht, dass er gleich auf die oberste Instanz |476 verweist, auf Gott und sein Gesetz, statt ihnen vielleicht eine Belehrung über christliche Schicklichkeit zu geben. Dass er fortfahren kann, wie wenn es sich um Mord oder Ehebruch handeln würde: Der da sprach: Du sollst nicht ehebrechen, sprach auch: Du sollst nicht töten. Wenn du nun zwar nicht ehebrichst, tötest aber, so bist du ein Übertreter des Gesetzes geworden. Wie gesagt: Die feierliche und umständliche Behandlung einer so unbeträchtlichen Angelegenheit kann uns auf den ersten Blick fast schwerfällig und überflüssig vorkommen. Wozu der Lärm? denken wir, der arme Mann, der dort keinen Stuhl bekam, hat die kleine Unbequemlichkeit gewiss längst verschmerzt, und es ist kein Unglück daraus entstanden. Aber wenn wir so reden, so beweist das nur, dass wir n-noch vorkopernikanisch denken-n, wie ich das am Anfang nannte, dass wir noch meinen, die Sonne bewege sich um die Erde, dass wir noch der Ansicht sind, Gottes Gesetz sei eine Tafel von zehn oder hundert oder tausend Geboten. Dass man Mord und Ehebruch mit starken Worten tadelt, das begreifen und billigen wir; denn da handelt es sich um das 6. und 7. Gebot, die im 20. Kapitel des 2. Buches Mose deutlich, schwarz auf weißes Papier gedruckt, vorliegen [Ex.20,13f.]. Und diese Dinge sind überdies durch ein gewisses moralisches Allgemeingefühl als böse bezeichnet und werden als böse empfunden von jedermann. Aber in welchem Gebot, auf welcher Tafel, in welcher Gesetzessammlung steht etwas geschrieben oder gedruckt davon, dass man Reiche und Arme gleich behandeln solle, wenn es sich um das Anbieten eines Sitzplatzes handelt? Und welches moralische Allgemeingefühl enthält Vorschriften über so bestimmte Punkte? Und nun geht Jakobus hin und nennt das Vorgehen der Christen, das ihm in diesem bestimmten Punkt missfällt, mit dürren Worten Sünde, nennt die Christen selbst Übertreter des Gesetzes und droht ihnen nachher mit Gottes Gericht. Ist das nicht kleinlich und pedantisch?, müssen wir da denken. Wo käme man hin, wenn man so subtil und streng sein wollte?

Meine Freunde! Wenn wir diesen unsern vorkopernikanischeno Widerspruch gegen die Gedanken des Jakobus recht deutlich aussprechen und vor uns hinhalten, wie ich’s eben getan habe, dann sind |477 wir vielleicht auf dem Wege, die Natur der Sünde und eben damit dann die Natur des Gesetzes der Freiheit und des Gehorsams, denp es fordert, recht zu verstehen. Es ist nämlich offenbar, dass wir bei diesem Widerspruch heimlich die Vorstellung eines Gesetzes haben, das etwas ganz Anderes ist als das Gesetz der Freiheit, das aus dem Glauben an Gott hervorgeht. Wir denken uns dies Gesetz dann etwa so: Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht das und das und das; dazu kommen gewisse Gebote des moralischen und konventionellen Allgemeingefühls: man soll arbeiten, nicht unmäßig sein, Wohltätigkeit üben und das und das und das. Diese sittlichen Gebote und Forderungen stehn nun in unserm Innern. Man könnte sie mit den Maschen eines großen Fischernetzes vergleichen. Da kommt die Versuchung zu irgend einem groben und deutlichen Vergehen in unser Leben; davor werden wir durch die Maschen des Netzes glücklich bewahrt, das 6., 7. oder 8. Gebot oder die allgemeine moralische Gewöhnung hindern uns nachzugeben. Aber nun kommt ein Fall, der eine feinere sittliche Unterscheidung erfordern würde, ein Gründling gleichsam, der nun zwischen den Maschen des Netzes ungehindert durchschwimmt, weil sie für ihn zu groß sind;8 er ist weder in den Zehn Geboten noch in irgend einer Sammlung von Gesetzen und Regeln vorgesehen, und so entscheiden wir dann nach Belieben ohne Halt und q-Orientierung an einer objektiven Größe-q. Ihr wisst aber, dass gerade jene feineren sittlichen Entscheidungen zwischen Gut und Böse im Leben der Meisten von uns viel häufiger sind als die andern, bei denen man sein Handeln einfach nach Schnur und Regel bestimmen kann. Es gibt da freilich Unterschiede unter den Menschen: Bei den einen ist das Netzwerk der moralischen Regeln, nach denen sie sich richten wollen, enger, feiner gestrickt, detaillierter, bei den Andern sind bloß einige grobe, große Maschen da, die dann entsprechend auch nur für die ganz großen Fische genügen. Aber das ist doch bei Allen gleich: Der freie Raum zwischen den Maschen ist unendlich viel größer als r-der Flächenraum, den die Schnüre des Netzes |478 zu bedecken vermögen-r, oder um das Gleichnis anzuwenden: Weitaus der größte Teil unsres Denkens und Handelns ist keineswegs durch das Gesetz bestimmt, sondern wir entscheiden da nach s-Motiven und Regeln, die mit dem Gesetz des Guten-s nichts zu tun haben. Ich will gar nicht erst davon reden, dass es oft genug vorkommt, dass auch die groben und feinen Maschen, wie sie da sind, sich auseinander zu biegen verstehen und einen großen Fisch durchlassen, bevor wir’s uns gedacht.

Ich halte mich nur an die Tatsache, dass das Gesetz, das wir dann in unserm Leben gelten lassen, aus einer Reihe von Geboten und Verboten besteht, denen wir Gehorsam leisten, während wir das Übrige, was durch diese Gebote und Verbote nicht bestimmt ist, der freien Entscheidung überlassen. Solcher Gehorsam hat nun zweifellos seinen hohen und guten Wert bei der Erziehung der Kinder, denen durch ausdrückliche Bestimmungen über das, was sie tun und lassen sollen, die selbständige Entscheidung vorläufig abgenommen werden soll und die durch den ihnen so auferlegten äußern Gehorsam zum innern Gehorsam, der frei und selbständig entscheidet und handelt, erst gebildet und entwickelt werden sollen. Ja, ich gehe noch weiter und sage, dass es auch für den erwachsenen Menschen gut und wünschenswert ist, wenn ihm eine Reihe der wichtigsten sittlichen Gedanken gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen sind, als t-sittliches Knochengerüst-t, möchte ich sagen. Und wie die Naturwissenschaftler uns belehren, dass das Skelett der Tiere umso feiner und komplizierter wird, je höher ein Tier in der Stufenleiter der natürlichen Entwicklungsreihe steht, so kann man wohl auch die Kulturhöhe eines Menschen ermessen an der u-Ausgebildetheit und Feinheit seines moralischen Knochengerüsts-u, an seinem fertigen Besitz ausdrücklicher sittlicher Forderungen und Schranken.

Aber nun wohlverstanden: Wie das Knochengerüst der unentbehrliche Halt des Körpers ist, aus dessen Lebenskräften es geworden und gewachsen ist, so ist es v-für sich allein betrachtet das Symbol des Todes-v. |479 Und wie das Netzwerk der bestimmten sittlichen Gebote und Verbote für die Erziehung und Entwicklung des innern Lebens im Menschen und in der Geschichte der Völker gut und nötig ist, so ist es für sich allein gesehen ein w-Zeichen des Todes und nicht des Lebens-w. Denn das ist der Tod, wenn ein Mensch, der nicht mehr Kind, sondern zu bewusstem Dasein erwacht ist, sagt: ich will gut sein, will das Gesetz Gottes erfüllen, und meint damit die grobe oder feine Reihe von Geboten und Verboten, die seiner Zeit und seiner Kulturhöhe entspricht. Wenn der Gehorsam gegen das Gesetz für ihn bedeutet: sich einrichten nach jenen Geboten und Regeln. Ich habe am Bilde vom Fischernetz erläutert, wie das dann zugeht, wie der weitaus größte Teil unsres Lebens von den Maschen dieses Netzes von Geboten und Regeln naturgemäß nicht erreicht wird und wie die kleinen, manchmal auch die großen Fische das Netz passieren trotz der Maschen. Einen solchen Fall haben wir z. B. in der im Jakobusbrief erwähnten Szene vom Armen und Reichen vor uns, von der den Christen zu ihrem und unserm Erstaunen gesagt wird, dass dabei gesündigt worden sei, während sie und wir befriedigt konstatieren zu können glaubten, es sei doch noch lange keines der Zehn Gebote verletzt dadurch, dass einem armen Mann kein Stuhl angeboten wird.

Was ist denn das, was Jakobus hier Sünde nennt und von dem ich soeben gesagt habe, dass uns dabei der Tod im Nacken sitzt, wenn wir so argumentieren? Es ist das: All die guten Gebote und Verbote, nach denen wir uns da einrichten oder einzurichten behaupten, stehen dabei in unserm innern Leben als ein fremdes Element, dem wir uns zwar unterwerfen, das wir uns aber nicht angeeignet haben. Wir gehorchen ihnen zwar, aber wir gehorchen ihnen, wie die Schulkinder den Ordnungen der Schule und des Lehrers gehorchen, nämlich so, dass unser innerster Wille eigentlich auf ganz Anderes gerichtet ist als auf diesen Gehorsam, so, dass der x-verborgene Motor unsres-x Lebens sein Wirkungsfeld keineswegs in diesem Gehorsam sucht und findet, wenn wir uns auch nicht oder nur selten mit ihnen in Widerspruch setzen. Wir denken uns dann unwillkürlich, dass diese Gebote nichts mit unsern eigentlichen Intentionen und Interessen zu tun haben, sie |480 gehören nicht zu uns, sondern wir finden uns mit ihnen ab, eben wie ein Schulkind sich mit den Geboten und Verboten seines Lehrers abfindet. Wir führen doppelt Buch: in der einen Rechnung stehen die sittlichen Forderungen und Schranken, die uns durch unsre Erziehung und Umgebung selbstverständlich auferlegt sind und denen wir uns ebenso selbstverständlich für gewöhnlich nicht entziehen, in der andern stehen wir selbst mit dem, was uns eigentlich beschäftigt und interessiert. Mit einem Wort: Die sittlichen Gebote, die wir kennen und für gewöhnlich auch anerkennen, sind nicht unser Eigentum, und der Gehorsam, den wir ihnen leisten, ist nicht der Gehorsam unsres Willens, unsrer Persönlichkeit.

Mit dieser doppelten Buchführung kann nur ein Kind eine Zeit lang froh und zufrieden dahinleben, sobald es heranwächst zum Mann und zur Frau, hört das auf. Denn es erwächst dann zu dem wachen, selbständigen Bewusstsein, das den Menschen vom Tiere oder von der Pflanze unterscheidet. Aber das fällt ihm nicht mühelos in den Schoß als die selbstverständliche Frucht einer natürlichen Entwicklung, sondern es wird für ihn eine Quelle der Beunruhigungen und Kämpfe, aus denen heraus erst das geboren werden und wachsen muss, was des Menschen innere Bestimmung ist. Denn dies Bewusstsein, das den Menschen erst zum Menschen macht, verlangt vor Allem innere Einheit des Denkens und des Willens. Es erträgt es nicht auf die Länge, dass unser Wille im tiefsten Grund seinen eigenen Weg geht, vorbei an jenen sittlichen Geboten, die als ein fremdes Eigentum in unserm innern Leben aufgerichtet sind. Ja, wenn es sich bei diesen Geboten um konventionelle Regeln der Schicklichkeit handeln würde, wie man sie etwa in den sogenannten Anstandsbüchern liest, wie man sie den Kindern durch die Schulordnung beizubringen sucht, oder um die Ordnungen und Formalitäten, wie sie z. B. im geselligen Verkehr der Studenten giltig sind. Dergleichen Regeln wirft man später mehr oder weniger lachend von sich, wenn man dadurch gelernt hat, was sie einem etwa lehren können. Aber etwas Anderes ist es um die sittlichen Gebote, von denen wir hier reden. Von den Zehn Geboten können wir uns nicht in dieser Weise dispensieren, das spüren wir unmittelbar, besonders nicht von den Zehn Geboten in der gereinigten und vertieften Auffassung, die durch das Christentum die unsrige geworden ist. Wir spüren es, wie in diesen schlichten, fast groben Grundzügen eines |481 guten Lebens ein ewiger Besitz der Menschheit niedergelegt ist, den man nicht abschütteln kann, ohne seine Menschenwürde aufzugeben, spüren in diesen Geboten die Majestät des sittlichen Geistes selbst, der man sich nicht entziehen darf, ohne geistlos im schlimmsten Sinn zu werden. Umso schlimmer für uns, wenn wir das spüren und wenn wir dabei doch konstatieren müssen, dass diese Gebote ein Fremdkörper sind in unserm Innern, dass der Strom unsres wirklichen, eigentlichen Lebens mit den kleinen und großen Fischen, die er trägt, zwischen den Maschen ihres Netzes hindurchgeht, dass unser Wille in Wahrheit etwas Anderes ist als Gehorsam gegen ihre Forderungen. Und sowie wir dessen einmal gewahr werden, dass unser Wille und Geist etwas Anderes ist als der gute Wille und Geist, der aus jenen Forderungen unverkennbar zu uns redet, müssen wir auch konstatieren, dass unser Wille böse ist, denn sowie wir auch nur im geringsten Grade auf den guten Willen und Geist aufmerksam geworden sind, müssen wir uns sagen, dass jene Forderungen im Unterschiede zu allen konventionellen Schicklichkeitsregeln nicht in erster Linie unsre Gebärden und Handlungen, sondern uns selbst in Anspruch nehmen, dass wir sie in Wirklichkeit nicht befolgen, solange sie nicht unser Eigentum sind, ja solange sie nicht als absolute und y-kategorische Gebote aus unserm eigenen Innenleben hervorgegangen sind, wie die Knochen wachsen und sich bilden-y aus der Lebenskraft des Körpers heraus. Und wir müssen dann konstatieren, dass unser Wille solange böse, sündig ist, als das Gesetz, dem wir gehorchen wollen, bloß ein Netzwerk ist mit engern oder weitern Maschen und nicht eine eherne Mauer.

Zu dieser Erkenntnis hat Jakobus seine Christen aufrufen wollen, als er ihnen sagte, in scheinbar so übertreibender Weise sagte, sie hätten Sünde getan, indem sie dort den Armen und den Reichen in jener Bagatellsache ungleich behandelten. Ihr meint Christen zu sein, sagt er ihnen, ihr meint, Gottes Gesetz zu kennen, aber dabei tut ihr, als ob Gottes Gesetz ein menschliches Gesetzbuch sei, mit dessen Paragraphen man sich gerade so knapp wörtlich abzufinden pflegt, bedacht darauf, die günstigste Auslegung zu finden, z-wenn kein Alinea9 a) und |482 b) da ist-z, die den Fall vorsehen, was ein Christ zu tun habe, wenn ein armer Mann keinen Stuhl hat. Dass Mord und Ehebruch gleicherweise gegen Gottes Gesetz verstoßen, das wisst ihr, aber wenn ihr behauptet, nichts davon zu wissen, wie es mit jener kleinen Unfreundlichkeit steht, weil davon nichts geschrieben und geboten ist, dann tut ihr Sünde, denn das beweist, dass Gottes Gesetz noch nicht die grundgewaltige Einheit eures Lebens geworden ist, eine Einheit, die keine Lücken kennt, weder große noch kleine, sondern dass euer Wille, euer innerstes persönliches Leben noch seine eigenen Wege geht, Wege, die an Gott vorbei führen, und das sind eben die Wege der Sünde.

Meine Freunde! Wenn wir diese Gedanken des Jakobus verstanden haben, wenn wir es empfunden und gemerkt haben, dass er damit das zufriedene Christenleben seiner Leser oder Zuhörer allen Ernstes hat beunruhigen wollen und dass sie auch uns beunruhigen sollen, dann sind wir heute dem Verständnis des Gesetzes der Freiheit vielleicht doch einen Schritt näher gerückt. Denn wenn es des Jakobus Meinung ist, dass das das Wesen der Sünde, des bösen Willens sei, wenn wir Gottes Gebote wörtlichaa nehmen, um sie ab- nicht ernst-ab nehmen zu müssen, so wird er offenbar den Willen gut nennen, der Gottes Gebote ernst nimmt, d. h. der sie versteht und ergreift als den zusammenhängenden lückenlosen Ausdruck des guten göttlichen Geistes, der dann unsern Geistern nicht mehr gegenübersteht als fremdes Element, sondern in ihnen Wohnung genommen hat, so dass es von Tag zu Tag mehr heißen soll: Siehe da, eine Hütte Gottes unter den Menschen! [Apk. 21,3]

So redet und so handelt wie Leute, welche durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen! Die Gedanken über den Wert und Unwert unsres Handelns, die in diesem Satz und dem nächstfolgenden verborgen sind, werden uns das nächste Mal zu beschäftigen haben, so dass wir also ein drittes Mal auf diesen inhaltsreichen Text zurückkommen werden. Wir wollen hoffen, dass sich uns da neue Einblicke in die Tiefe der christlichen Wahrheit auftun.

483 Aber als Abschluss des heute Gesagten und als Überleitung zum nächsten Mal möchte ich euch noch eine kleine, sehr einfache Erinnerung mitteilen, eine Illustration zu der Aufforderung, zu reden und zu handeln wie Leute, die durch das Gesetz der Freiheit sollen gerichtet werden.

Als ich in die Schule und ins Gymnasium ging, da hat sich ein guter Lehrer viele Jahre lang bemüht, mir die Kunst des Geigenspiels beizubringen.10 Aber seine und meine Bemühungen sind leider gescheitert, und ich habe es bis zuletzt nur zu einem unschönen, jämmerlichen Kratzen gebracht. Es zeigte sich nämlich, dass die Arbeit meines rechten Handgelenks, das den Bogen führen sollte, unerfreulich war und blieb. Wer etwas von der Musik versteht, weiß aber, dass gerade auf das Handgelenk ungefähr Alles ankommt. Ich habe die Stellung der Hand und der Finger nachgemacht, wie mein Lehrer es mir zeigte und wie es in den Violinbüchern abgebildet ist, aber es gab doch keinen schönen Ton. Endlich habe ich die Sache aufgegeben und denke noch jetzt mit Beschämung an diese Versuche zurück. Andre lernen das, was ich in sechs Jahren nicht lernte, in einem halben, sie haben’s von innen heraus und machen’s frei und selbstverständlich. So wie’s mir damals gegangen ist, so geht es uns mit Gottes Gesetz, solange unser Gehorsam eine nachgemachte, äußerliche Mechanik ist, deren Sinn uns innerlich fremd ist. Die Gebote und Vorschriften, nach denen wir unser Leben einrichten wollen, mögen trefflich und unübertrefflich sein, solange wir ihrem innern Geist, der sie erst zu einem wertvollen Ganzen macht, heimlich mit verschränkten Armen gegenüberstehen, wie es mir dort mit dem Geist des Violinspiels ergangen ist, solange ist auch unser Gehorsam in Wirklichkeit Tatlosigkeit, in Wirklichkeit Sünde.

Und wenn wir durch diese Erkenntnis vor die geheimnisvolle Tatsache geführt werden, dass unser verborgenstes inneres Leben anders |484 sein müsste, damit Gottes Gesetz wirklich von uns angewendet und erfüllt werde, dann stehen wir auf dem Punkte, auf dem uns der tiefe Gedanke des Paulus und der Reformatoren deutlich wird, dass der Mensch gerecht werde allein aus Gnade.

Ich kann nicht selbst der Sünde steuern,
Das ist dein Werk, du Quell des Lichts.
Du musst von Grund aus mich erneuern,
Sonst hilft mein eignes Wirken nichts.
O Geist, sei meines Geistes Leben!
Ich kann mir selbst nichts Gutes geben.11

ac-Die Gnade aber ist die Freiheit-ac.

Amen.
Lieder:
  • Nr. 237: «Wie schön leucht’t uns der Morgenstern» von Ph. Nicolai, Strophen 1–2 (RG 653; EG 70 [mit größeren Textabweichungen]). 🎵
  • Nr. 214: «Aus tiefer Not schrei ich zu dir» von M. Luther, Strophen 1–2 und 3–5 (RG 83; EG 299 [je mit Textabweichungen]). 🎵
Lesungstext:
  • Römer 7.

Textkritische Fußnoten

a-a
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
b-b
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
c-c
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
d-d
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
e-e
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
f-f
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
g-g
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
h-h
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
i-i
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
j-j
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
k-k
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
l-l
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
m
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
n-n
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
o
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
p
Mskr.: «das»; von den Hrsg. geändert.↩
q-q
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
r-r
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
s-s
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
t-t
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
u-u
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
v-v
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
w-w
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
x-x
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
y-y
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
z-z
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
aa
Im Mskr. nachträglich mit blauem Stift unterstrichen.↩
ab-ab
Im Mskr. nachträglich mit blauem Stift unterstrichen.↩
ac-ac
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩

Sachfußnoten

1
Predigttext: s. oben, S. 454. ↩
2
vonJ. W. Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, V. 682f. (Nacht) 📖.↩
3
In den im KBA erhaltenen – wenigen – Briefen, die Barth zwischen dem 22. Mai und dem 5. Juni geschrieben hat, sind solche Einwände gegen die Predigt nicht erwähnt.↩
4
Goethe, Faust (Anm. 2), V. 927f. (Vor dem Tor). 📖 ↩
5
Barth hielt sich vom 15.–18. April 1910 in Zürich auf und notierte am Sonntag, 17. April, in seinen Taschenkalender: «Predigt von Pflüger über neue Moral». Paul Pflüger (1865–1947), war seit 1898 Pfarrer der Arbeitergemeinde Zürich III (Aussersihl); er galt in seiner Gemeinde als «roter Pfarrer», war 1895 als einer der ersten Pfarrer der Schweiz der Sozialdemokratischen Partei beigetreten und betätigte sich seit 1900 in kantonalen und städtischen Ämtern auch politisch. ↩
6
M. Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen, WA 7, 36,20–27 📖: «Und Christus Matt. 17. Da von seynen Jüngern ward tzynß pfennig gefoddert, disputiert er mit St. Peter, ob nit künigs kynder frey weren zynß zu geben, […]. Das ist ein feyn exempell zu dißer lere, da Christus sich und die seynen freye künigs kinder nennett, die keynis dings bedurffen, und doch sich unterlessit williglich, dient und gibt den tzynß.»↩
7
Siehe oben, S. 325f.↩
8
Der Gründling ist ein Karpfenfisch, der ausgewachsen etwa 10 cm groß wird und in nord- und westeuropäischen Flüssen und Seen verbreitet ist.↩
9
«Alinea» (vom Lat.: «a linea») steht in der Typografie für «Absatz», «neue Zeile».↩
10
Zu Barths Geigenunterricht vgl. Busch, S. 37 📖. – Laut Eberhard Busch berichtete Barth ihm über 50 Jahre später folgendes von diesem Unterricht: «Er habe die ihm dabei gestellten Aufgaben nicht recht begriffen und sei auch schlicht faul gewesen. […] – Ob er denn am Ende gar nichts spielen konnte? – Ja, einen gewissen Erfolg hatte die Bemühung doch. Gegen Ende seiner Schulung sei er bis zum E-Dur-Violin-Konzert von Bach vorgedrungen» (E. Busch, Meine Zeit mit Karl Barth. Tagebücher 1965–1968, Göttingen 2011, S. 632 📖).↩
11
Strophe 3 des Liedes «O Gott, o Geist, o Licht des Lebens» von G. Tersteegen (GERS 151; RG 510). 🎵 ↩