Predigt Nr. 39 · 5. Mai 1910

Predigt: Johannes 6,66-69 (Konfrmation)

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Konfirmation1
Johannes 6,66–69
Von da an zogen viele der Jünger Jesu sich zurück und wandelten nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt, dass du bist der Heilige Gottes.
Meine lieben jungen Freunde!

Ich weiß es und ihr wisst es auch, dass man nach alter Anschauung und Sitte gewohnt ist, die Feier, die wir heute zusammen begehen, zu betrachten als den Übergang und Eintritt aus den Reihen der Kinder in die Reihe der Erwachsenen. Dieser ernste Gedanke ist euch gewiss von euren lieben Eltern und Freunden in diesen Tagen mannigfach nahegelegt worden, wenn nicht in ausdrücklichen Worten, so doch im Blick ihrer Augen und im Druck ihrer Hände, die euch getroffen und berührt haben, wie nur das Auge und die Hand des Vaters und der Mutter uns Menschen an den Wendepunkten des Lebens treffen und berühren kann. Sorgende Liebe und freundschaftliche Aufmunterung ist in ihren Worten, im Blick ihrer Augen, in ihrem Händedruck gelegen, mit denen sie heute euren Weg begleitet haben, und ihr habt es empfunden, dass sie euch damit so oder so sagen wollten, dass es ein wichtiger Weg sei, den ihr gegangen seid, weil es der Weg ist, der über die Grenze zweier Lebensalter führt. – |

Aber ich denke, dass auch ohne das in den letzten Wochen und Monaten die Erwägung euch beschäftigt hat, klar und deutlich die |440 einen, unbewusst und verborgen die andern, dass das goldene Traumland der Kindheit unwiderruflich hinter euch liegt, vor euch aber das eigentliche Leben, das Leben der Erwachsenen mit all seinen harten Realitäten, seinen Erwartungen und Enttäuschungen, seinen Aufregungen und Mattigkeiten, seinen Kämpfen und Leiden. Den «Eintritt ins Leben» pflegt man darum die Konfirmation und die Konfirmationszeit zu nennen.

Ich sage euch auch: Ja, so ist es; Kinder seid ihr nun gewesen und Erwachsene sollt ihr werden. Aber wenn ich euch das sage, wünsche ich euch und mir, dass es mir gelingen möchte, euch in dieser Stunde noch einmal von der Oberfläche in die Tiefe zu führen, vom äußern Schein und Wort zur innern Wahrheit. Das und nichts Anderes ist der Sinn und Zweck des nun hinter euch liegenden Unterrichts in der christlichen Religion gewesen. Denn das ist christliche Religion, wenn die frohe Botschaft des verborgenen lebendigen Gottes die Kraft und die Freude des inwendigen Menschen wird. Und das sind gute Menschen, das sind Christen, die gelernt haben, von der Oberfläche ihres Daseins vorzudringen zur Tiefe des Lebens, das darunter schlummert, vom Schein zur Wahrheit, vom Vergänglichen zum Unvergänglichen. Solche Menschen und Christen sollt ihr sein und immer mehr werden.

Und darum wollen wir ihn recht und ernsthaft verstehen, diesen «Eintritt ins Leben», den das Alter, in dem ihr steht, und dieser Tag insbesondere für euch bedeuten soll. – |

Man kann darunter verstehen, dass von jetzt an die Arbeit und Sorge erwachsener Menschen auch euch erfüllen und beschäftigen soll. Bei Vielen von euch ist das längst der Fall, und sie wissen, was das bedeutet, und auch die andern werden in der Tat über kurz oder lang diesen Weg anzutreten haben. Aber es ist eine ganz andre Frage, ob diese Veränderung eures Daseins den Namen «Eintritt ins Leben» verdienen kann. Denn wir sehen unzählige Erwachsene, die seit Jahrzehnten in diesem Dasein der Arbeit und der Sorge drinstehen, aber wenn man näher zusieht, entdeckt man, dass sie in Wirklichkeit Kinder geblieben sind nach wie vor, Kinder nicht im guten Sinn, sondern im schlimmen, bedenklichen. Ihnen ist Arbeit und Beruf das, was den meisten Kindern Schule und Schulaufgaben sind, etwas, was man möglichst rasch erledigt, um es los zu sein. Wenn man sie aber fragt: Lieber Freund, was ist der Sinn und Wert deiner Arbeit, was wiegt |441 dein Leben abgesehen vom wöchentlichen Ertrag deines Geschäftes und Berufes?, dann bleiben sie sprachlos, weil sie wie die Kinder nie danach gefragt haben, dann steht man vor der großen Null, vor der Gedankenlosigkeit und Gesinnungslosigkeit. Kindische Erwachsene! Wenn ihr solche werden wollt, dann hat es keinen Sinn, vom «Eintritt ins Leben» zu reden, denn der Ausdruck «Leben» ist mir für einen solchen Zustand zu gut. – |

Genauso steht es aber, wenn man sagen wollte, der «Eintritt ins Leben» bestehe darin, dass ihr von jetzt an von Rechts wegen an den Vergnügen der Erwachsenen teilnehmen dürft. Das mag dazu gehören, ich denke, ihr freut euch darauf, und es fällt mir wahrhaftig nicht ein, es euch zu missgönnen. Wohl aber sollt ihr euch klar darüber sein, dass das noch nicht erwachsen sein und ins Leben eingetreten sein bedeutet, wenn ihr von nun an bei allerlei von dem, was man die heitere Seite des Lebens zu nennen pflegt, dabei sein dürft. Denn ihr könnt euch alle Tage davon überzeugen, dass da auch unzählige Kindsköpfe dabei sind. Wie ihrer Arbeit der innere Wert und Inhalt fehlt, so auch ihrem Vergnügen, wir stoßen von der andern Seite noch einmal auf die große Sinnlosigkeit.

Arbeit ist gut und Vergnügen ist gut, aber ihr sollt nicht meinen, dass ihr damit ins Leben eintretet, dass ihr von nun an immer mehr an Beidem teilnehmt, wie die Erwachsenen es tun. Denn Arbeit und Vergnügen sind dann gut, wenn sie die Arbeit und das Vergnügen guter, rechter, reifer und reiner Menschen sind. Sonst sind beide ein sinnloses und wertloses Getriebe, das sich von dem Betriebe des Tier- und Pflanzenlebens nicht wesentlich unterscheidet, gleichviel ob es sich dabei um feine oder grobe Arbeit, um feines oder grobes Vergnügen handelt. Und darum sage ich, dass ihr nur dann jetzt wirklich ins Leben eintretet, ins wirkliche, wertvolle Leben nämlich, wenn ihr angefangen habt, solche gute und reife Menschen zu werden, Menschen, die das Ziel ihres Daseins gesehen haben, obwohl es ein unsichtbares, verborgenes Ziel ist, und die sich zur Wanderung danach anschicken, Menschen des innern Gehorsams und Menschen der innern Kraft.

Als ihr klein wart, haben eure Eltern euch taufen lassen auf den Namen Jesu, zum Zeichen dessen, dass sie wollten, dass solche Menschen |442 aus euch würden, Menschen, die einmal in das wirkliche, wertvolle, verborgene Leben eintreten sollten. Denn Alles, was man sagen kann über den rechten, reifen Menschen, wie er sein sollte, kann man zusammenfassen in dem Namen Jesus. Sein Leben ist ein solches wertvolles Leben gewesen, weil es ein Leben des Gehorsams und der Liebe war. Anders als sein Leben können wir uns auch das verborgene Leben Gottes nicht vorstellen, in ihm ist es offenbar geworden für uns Alle. Und darum habt ihr in der christlichen Taufe die Versicherung empfangen, dass ihr Gottesmenschen werden sollt und werden dürft, d. h. aber Menschen, die gesinnt sind, wie Jesus Christus auch war [vgl. Phil. 2,5], und die eben darum wertvolle, wirklich lebendige Menschen sind. Denn ihr seid durch die Taufe aufgenommen in die christliche Kirche, d. h. in den Bereich und Zusammenhang der Menschen, die die Wahrheit von Christus empfangen haben und die sie weitergeben an die Andern. a-Die Wahrheit-a ist auch an euch weitergegeben worden durch Eltern und Lehrer, die euch erzogen und euren Charakter gebildet haben, durch eure Verwandten und Freunde, durch all die Bekannten und Unbekannten, durch die Menschen und Verhältnisse, in deren Mitte ihr aufgewachsen seid und die eure Entwicklung bestimmt haben. In christlicher Luft, in einem Zusammenhang des Lebens, der durch das Evangelium von Jesus so oder so bestimmt ist, seid ihr herangewachsen, das eine mehr, das andere weniger, das eine bewusst, das andere unbewusst. In dem, was euch die christliche Gemeinschaft gegeben hat an Erziehung, Anregung, Belehrung auf mancherlei Weise, darin habt ihr also das empfangen und sollt es fernerhin empfangen, was euch in der Taufe auf den Namen Jesu in eurer Kindheit versprochen worden ist. Ihr habt es empfangen nicht durch euren Entschluss, nicht durch euer Verdienst, sondern durch Gottes freie Gnade, der euch durch eure Umgebung gemacht hat zu dem, was ihr geworden seid, und der euch fernerhin machen will zu dem, was ihr werden sollt.

Aber nun wisst ihr, dass ein wertvolles, reifes Leben nur da sein kann, wo ein Mensch in eigener Überzeugung, in freiem Entschluss, der aus seinem Innersten hervorgeht, das ergreift und festhält und betätigt, was er von den Andern empfangen hat. Solche Überzeugung |443 und Freiheit kann man vom Kinde noch nicht verlangen. Wohl aber macht sie das Wesen des erwachsenen Menschen aus. Was der Mensch empfangen hat von den andern, das soll er nun entfalten und weitergeben, um selbst wieder ein wertvolles Glied der christlichen Gemeinschaft zu werden, der er sein Bestes verdankt. Er soll bewusster Täter des Worts werden aus einem unbewussten Hörer [vgl. Jak. 1,22], wie die Kinder es sind. Er soll das, was Gottes Gnade ihm geschenkt und anvertraut hat, in seinem Leben zur Erscheinung bringen durch freie Entscheidung der Gedanken und des Willens. Und weil Alles, was Gott dem Menschen schenkt durch die mannigfache Wirkung der Gemeinschaft, in der er geboren und aufgewachsen ist, weil all das hinausläuft auf das Eine, uns zu Gottesmenschen zu machen, die gesinnt sind, wie Jesus Christus auch war, eben darum kann das, was sich in der freien Entscheidung des erwachsenen Menschen entfalten soll, nichts Anderes sein, als dass er nun frei und bewusst ein solcher Gottesmensch werde, der Gott vertraut, der ihm so viel anvertraut hat, und der eben darum die Andern liebt, wie uns Christus geliebt hat [vgl. Joh. 13,34]. Ihr wisst schon, dass diese Entscheidung nicht ein für allemal vollzogen werden kann. Zu groß und zu wichtig ist die Angelegenheit, um die es sich handelt. Wir sind nicht Gottesmenschen, sondern wir werden es, indem wir unermüdlich wandern den Weg des Vertrauens und der Liebe. Aber die freie Entscheidung, die wir da immer wieder vollziehen, bringt die christliche Gemeinde im Zeichen zum Ausdruck, indem sie ihre erwachsenen Glieder versammelt zur Feier des Abendmahls. Denn indem wir uns da dankbar des Todes Christi erinnern, der uns den Weg des Lebens gewiesen und eröffnet hat, bekennen und bezeugen wir, dass wir ihm angehören wollen, d. h. dass wir von seiner Art und Gesinnung sein möchten im Gehorsam gegen Gott und in der Liebe zu den Brüdern. Ihr sollt heute die Erlaubnis empfangen zum Zutritt zu dieser schönen und bedeutungsreichen Feier, und die christliche Gemeinde erklärt damit, dass sie euch nun als selbständige Menschen und Christen betrachten will, die anfangen, nicht mehr bloß zu empfangen, sondern selbst etwas zu sein und zu werden für sich und die Andern.

Aber was wir da von euch erwarten und was Gott von euch erwartet, dazu können und wollen wir euch nicht zwingen, und Gott will es |444 auch nicht. Denn ich wiederhole es: wertvolle Menschen, Gottesmenschen sind nur die freien Menschen. Gott will nicht, dass wir Knechte seien, denen ein Joch aufgelegt ist von allerlei Lehren und Geboten, sondern Kinder [vgl. Gal. 4,7; 5,1], die in selbstverständlicher Dankbarkeit ihn ihren Vater nennen und in selbstverständlichem Gehorsam seinen Willen zum ihrigen werden lassen, von Tag zu Tag reiner und besser. Ich hoffe, wenn euch etwas eindrücklich geblieben ist von dem nun hinter euch liegenden Unterricht, so ist es das gewesen, dass im Reich des lebendigen Gottes die Freiheit das oberste Gesetz ist, weil die rechte Freiheit und der rechte Gehorsam nicht zweierlei sind, sondern eins und dasselbe. Ich erinnere euch heute noch einmal daran, im Sinn und Geist der Verfassung unsrer Genfer Kirche, die es «ihren Mitgliedern zur Pflicht macht, sich persönliche und wohlbegründete Überzeugungen zu bilden».2

Und darum lege ich euch heute mit allem Ernst und Nachdruck die Frage vor, die Jesus an seine Jünger gerichtet hat: Wollt ihr auch weggehen? Aus dem Textwort, das ich verlesen habe, hören wir, dass damals Viele, die einmal Jünger Jesu gewesen waren, anfingen, sich von ihm zurückzuziehen und andere Wege zu gehen. Wir können das gut begreifen: Der Weg Jesu, das will sagen: der Weg des lebendigen, wertvollen Menschen ist niemals ein leichter, ebener Rosenpfad gewesen. Leicht und eben und mit Rosen bestreut sind die Wege der Oberflächlichkeit und der Gleichgiltigkeit, die sich jetzt auch vor euch auftun, meine lieben Konfirmanden, ob ihr sie gehen wollt. Mit dem Weg Jesu, der zum inwendigen Leben führt, steht es anders. Denn es gilt von Jesus das Wort, das Friedrich Schiller einem seiner Helden in den Mund gelegt hat: Wer mit mir geht, der sei bereit zu sterben!3 Der sei bereit, sich selbst einzusetzen zu einem Kampf, in |445 dem es nur Siegen oder Unterliegen gibt! Der sei bereit zum Opfer! Ich weiß, dass ihr mich recht versteht: Man hat oft gesagt, das Christentum sei nur für die, die ihren Verstand opfern wollten und könnten. Das ist nicht wahr, das wäre ein ganz nutzloses und unwahrhaftiges Opfer, denn das würde uns auch keinen Schritt helfen, Jesus ähnlicher, d. h. neue, wertvolle Menschen zu werden. Denn Jesus hat nicht seinen Verstand zum Opfer gebracht, sondern sich selbst, als er sah, dass das der Wille Gottes war. Mit dem alten, kleinen Ich soll es ein Ende nehmen, das sich aus all den verborgenen und offenkundigen Stimmungen, Gefühlen, Wünschen und Neigungen zusammensetzt, die unser Dasein wertlos machen. An seine Stelle soll Gott treten, der uns sagt: nicht Stimmungen, sondern Gehorsam, nicht Wünsche, sondern Wille, nicht Neigungen, sondern Liebe zu den andern. Das ist’s. Das ist der Weg Jesu gewesen. Das ist Jesus Christus, gestern und heute derselbe und in Ewigkeit [Hebr. 13,8]. Und das haben damals viele, die sich auch zu seinen Jüngern rechneten, erkannt und haben zu sich selbst gesagt: Nein, das Alles passt mir im Grunde nicht; sie zogen sich von ihm zurück, um in Zukunft einen Weg zu gehen, der nicht so Schweres von ihnen verlange. Und als sie Alle gegangen waren, einer nach dem andern, da richtete Christus an die Zurückbleibenden die Frage: Wollt ihr auch weggehen? Man hat gesagt, es liege ein Ton wehmütigen Verzichtes in diesen Worten.4 Aber ich glaube, Gott verzichtet auf keinen Menschen, auch auf die nicht, die meinen, sich von ihm zurückziehen zu können. Jedenfalls hat Jesus nicht einmal auf die verzichtet, die ihn ans Kreuz gebracht haben, sondern er hat für sie gebetet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun [Lk. |446 23,34]. Und ich denke, Jesus ist auch in diesem Gebet das getreue Abbild seines Vaters gewesen. Wohl aber ist die Frage: Wollt ihr auch weggehen? eine notwendige Prüfung und Sichtung derer gewesen, die nun aus freiem Entschluss und Willen bei ihm bleiben, die seinen Weg gehen wollten. Keine überflüssige Sichtung, denn unter den Zwölfen, die da blieben, war b-immer noch-b Judas, der ihn später verriet. Wir hören leider nicht, dass er mit einem offenen Ja hervorgetreten und dann seiner Wege gegangen sei wie die Andern. Es wäre ihm besser gewesen so. In der Frage Jesu lag also die Aufforderung zur Entscheidung, die Aufforderung zur Klarheit, die er ein ander Mal mit dem Worte aussprach: Wer nicht für mich ist, der ist wider mich [Mt. 12,30 par.]. Und seine Frage war darum die Frage nach der Überzeugung, die heute auch an euch ergeht. Aber ich füge gleich hinzu: nicht als ob diese Frage heute euch gestellt und damit für morgen und übermorgen und immerdar erledigt wäre, sondern das ist die Bedeutung dieses Tages, dass diese Frage von jetzt an immer vor eurem innern Auge stehen soll, prüfend und ernsthaft, die Frage: Wollt ihr auch weggehen?

Denn wir stehen alle Tage vor der Tatsache, die Jesus und seine zwölf Jünger dort erlebt haben, vor der Tatsache, dass Viele weggehen und andre Wege einschlagen. Ich denke jetzt nicht daran, dass Tausende und Hunderttausende von Männern und Frauen, die auch einmal konfirmiert worden sind, auch einmal den Entschluss ausgesprochen haben, nun selbständige Kinder Gottes zu werden, seitdem die Kirche nur noch von außen oder höchstens zu Weihnacht und Ostern und Himmelfahrt von innen wiedergesehen haben oder für die gar wie für Gottfried Keller die Konfirmation deshalb ein Fest war, weil sie an diesem Tag zum letzten Mal in der Kirche waren.5 Ich denke nicht an sie, und ich schelte sie nicht.c

447 Die Frage Jesu, die ich an euch zu richten habe, ist eine tiefere und ernsthaftere. Unter den Vielen, die einmal konfirmiert worden sind, waren Unzählige, in denen war ein verheißungsvoller Anfang zu einem rechten und wertvollen Leben. Sie haben freudig und aufrichtig bekannt und versprochen, diesen von Gott gegebenen Samen zum fruchttragenden Baum werden zu lassen, und ihre Eltern haben mit Stolz und Freude auf sie gesehen, wie eure Eltern und Freunde heute auf euch sehen. Aber wenn man sie über ein paar Jahre wieder gesehen oder von ihnen gehört hat, dann war das alte Volkslied an ihnen Wahrheit geworden:

Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
Wohl über die schönen Blümelein.
Sie sind verwelket, verdorret.
……
Sie liefen weit ins fremde Land,
Sie hatten weder Glück noch Stern,
Sie sind verdorben, gestorben.6

Ich denke an die Vielen, aus denen erklärte Taugenichtse und Müßiggänger geworden sind, aber ich denke noch viel mehr an die Andern, die viel Zahlreicheren, die mit keinem Strafgesetz in Konflikt gekommen sind und von denen es trotzdem heißt und heißen muss: Verwel|448ket, verdorret, verdorben, gestorben, weil jener wertvolle Anfang in ihnen verwelkt, verdorrt, verdorben, gestorben ist, weil ihre Stimmungen stärker waren als der Gehorsam, ihre Wünsche stärker als der Wille, ihre Neigungen stärker als die Liebe. Da ist heiß und anspruchsvoll etwas in ihnen aufgestiegen und hat die Herrschaft über ihre Sinne und Gedanken gewonnen, es war nichts vom Gesetz Verbotenes, aber von dem spürten sie zuerst recht deutlich: das ist jetzt das Gegenteil von Gott und von einem wertvollen Leben, das kann niemals dazu dienen, mein Inwendiges reich und stark zu machen, das will mich herabziehen und gemein und gewöhnlich machen. Aber dann haben sie doch nachgegeben, einmal, zweimal, bis die Sinnlosigkeit und Bewusstlosigkeit in Form der Eigensucht, der Sinnlichkeit, der Geldgier Königin wurde über ihr Alltagsleben. Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht! Das ist das große Weggehen, von dem Jesus geredet hat. Diesen Weg sind die Jünger gegangen, die ihn damals verlassen haben. Sie sind keine Verbrecher geworden, aber arme, wertlose Menschen, die nicht mehr wussten, wozu sie auf der Welt sind, Menschen, die von nun an immer mit der Mehrheit gingen, der sie gleich geworden waren, und die schließlich doch verbohrt und verbittert abseits standen, innerlich leer gelassen von dem, was ihnen so begehrenswert erschienen.

Es ist das Weggehen von Gott, um das es sich handelt. Denn indem sie sich vom Gehorsam, vom Willen, von der Liebe abwenden, wenden sie sich von Gott ab. Ihr könnt diesen Vorgang in unzähligen Formen wahrnehmen, wie ihn dort die zwölf Jünger, die bei Jesus blieben, wahrgenommen haben. Aber dabei kann es nicht bleiben. Sondern nun kommt es an euch selbst: Wollt ihr auch weggehen? Und das ist die Frage, ob ihr überzeugt seid, innerlich überwunden und überwältigt durch die Tatsache, dass Gott da ist, nicht irgendwo in fernen Himmelshöhen – dort ist er auch, er ist überall und nichts ist ohne ihn –, aber das, worauf es ankommt, ist die Frage, ob er euer Gott ist, ob er die Macht ist, die eure Gedanken und euren Willen leitet, ob ihr ihn gespürt und erfahren habt, ihr selbst, ihr persönlich, und ob ihr nun willig seid, seine Art auch andern zu spüren und zu erfahren zu geben durch eure Art zu denken, zu reden, zu handeln? Wollt ihr das oder nicht? Wollt ihr bei Jesus bleiben, der wie kein anderer uns gezeigt hat, wie Gott ist und wie wir werden sollen oder – wollt ihr auch weggehen?

449 Ich glaube und vertraue euch, dass ihr uns nachher von Herzen antworten werdet: Nein, wir wollen nicht weggehen, ja, wir wollen bei Jesus bleiben. Aber diese gute Antwort ist dann und nur dann wertvoll und wahrhaftig, wenn ihr sie von jetzt an alle Tage und Stunden wiederholt, nicht in Worten, aber in Taten, nicht in Bekenntnissen, aber in der innern Art, mit der ihr die Dinge des Lebens aufnehmt und behandelt. Denn Überzeugungen, auch gute Überzeugungen, kann man wohl aussprechen, wie ihr es heute tun sollt, aber dass sie gut und wahr sind, bezeugt und bewährt man, indem man sie lebt. Und darum ist das, was ihr heute feiert, nicht etwa ein Abschluss, sondern ein Anfang; nicht eine gemächliche Ankunft, sondern eine rüstige Ausreise.

Ihr feiert den Eintritt ins Leben! Ja, indem ihr nun anfangen sollt, selbständig und bewusst für Gott und mit Gott zu leben. Oder wollt ihr auch weggehen? Überlegt euch die schlichten Worte, mit denen Simon Petrus im Namen seiner Mitjünger damals diese Frage beantwortet hat. Macht sie zu euren Worten von jetzt an in der Tiefe eurer Herzen, wie sie hervorgegangen sind aus der Tiefe eines Menschenherzens, in dem eine große Überzeugung lebte.

Herr, wohin sollen wir gehen? Das war das erste. Petrus hat es in jenem Augenblick auch klar und deutlich erkannt, dass die, die weggingen, ihr Bestes weggaben, und darum hat er sich ihnen nicht angeschlossen. Erstaunt und fast unwillig beantwortet er die Frage Jesu mit der Gegenfrage: Herr, wohin sollen wir gehen? Er sieht nur zwei Wege vor sich: den Weg, den die Vielen gegangen sind, die sich zurückzogen – aber von dem weiß er, dass er ungangbar ist, weil er in dieser oder jener Weise das Leben kostet, das wertvolle, wirkliche Leben nämlich. Der andre Weg ist der Weg der Nachfolge Jesu. Einen dritten Weg kennt er nicht. Einen Weg, der zum Leben führt und doch gemächlicher und bequemer ist als der Weg Jesu, kennt er nicht.

Und d- ich kann auch euch keinen solchen dritten einfacheren-d Weg zeigen, meine lieben Konfirmanden. Ich denke, ihr habt mich in dieser Zeit gut genug kennengelernt, um mir zuzutrauen, dass ich es euch |450 offen gesagt haben würde, wenn ich der Meinung wäre, man könne ein guter, wertvoller Mensch werden auch ohne Jesus, an Jesus vorbei gleichsam. Wo es sich um Gott handelt, da gibt es keine Mittelwege, sondern es gilt da das große Entweder-Oder des Dänen Kierkegaard.7 Man kann ohne Jesus ein reicher Mensch werden, ein angesehener Mensch, ein Mensch, von dem jedermann und vielleicht auch er selbst sagt, er sei glücklich, aber ein Gottesmensch, das will sagen, ein wertvoller, wesentlicher Mensch kann man ohne ihn nicht werden. Herr, wohin sollen wir gehen? Vor uns öffnen sich die Straßen und Wege nach allen Seiten, Straßen von jeder Art, schmale und breite, gerade und krumme, Wege nach oben und Wege nach unten. Es sind viel gute Wege dabei, Wege, die zum Ziel führen, aber wenn es gute Wege sind, sind sie es darum, weil es Seitenwege sind und immer wieder zurückführen in den verborgenen Weg, den der merkwürdige Mann gegangen ist, der vor 2000 Jahren eine kurze Zeit unter den Menschen gelebt hat und von dem damals Einige gesagt haben, durch ihn sei ihnen Gott deutlich und gegenwärtig und unvergesslich geworden.

Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Das sind die großen, unvergesslichen Augenblicke in unserm kleinen Dasein, wenn wir wahrhaftig und aufrichtig sagen dürfen: Das war nun ein Wort ewigen Lebens, das Große, Erstaunliche, Befreiende, das e-da soeben-e mein Inwendigstes berührt und betroffen hat. Darüber komme ich nun nicht mehr hinweg, das ist mir ein Teil, der beste Teil von mir selbst geworden, das ist ewiges Leben, was da in mir erwacht ist. Es war nicht nur etwas Schönes, Gutes und Nützliches, wie es uns auch sonst begegnet und zuteilwird, sondern es war Ewigkeit. Nicht etwas Gutes neben andern guten Dingen, sondern das Gute, hinter dem es etwas Besseres nicht mehr gibt, nicht eine Wahrheit neben andern, sondern die Wahrheit, die letzte, oberste Wahrheit. Wenn das in einem Menschen aufleuchtet oder wenn einem Menschen Gott offenbar und gegenwärtig wird, das sind Worte des ewigen Lebens.

451 Solche Worte haben Petrus und seine Freunde von Christus gehört; Christi ganzes Leben war ein großer, schlichter Fingerzeig auf die Ewigkeit. Die Jünger haben ihn oft nicht verstanden, ganz haben sie ihn erst verstanden, als er nicht mehr bei ihnen war. Aber wenn sie ihn verstanden haben, dann war’s ihnen wie den Kindern am Weihnachtsabend. Sie standen im Dunkeln, aber da und dort sahen sie wie durch eine Spalte in der Tür etwas von dem großen Licht, sie hörten Worte des ewigen Lebens, und darum wollten sie bei Jesus bleiben. – |

Wir denken uns ganz schlicht, wie es ihnen gegangen sein mag: Sie hörten ihn, wie er das umständliche Gesetz des Alten Testamentes vereinfachte in das Gebot: Liebe Gott und liebe den Nächsten [vgl. Mk. 12,28–31 par.], und ihnen ging es auf, dass das Gute da ist, wo ein Mensch in einfachem Gehorsam seinen Willen beugt unter das unsichtbare Gesetz. Sie hörten ihn, wie er zu dem reichen Jüngling, der sein Jünger werden wollte, sagte: Gehe zuvor hin und verkaufe, was du hast, und gib es den Armen [Mk. 10,21 par.], und sie verstanden, dass man nicht teilen kann zwischen den Interessen Gottes und den Interessen der Welt, zwischen dem innern und äußern Leben, sondern dass in einem wertvollen Menschen Eines herrschen und das andre dienen muss. Sie hörten ihn, wie er zu der großen Sünderin, die die Andern verurteilten, einfach sagte: gehe hin und sündige hinfort nicht mehr [Joh. 8,11], und sie merkten: vor Gott ist keiner zu schlecht, dass er nicht durch die einfache demütige Regung einer neuen Gesinnung wieder gut und wertvoll werden kann. Sie hörten ihn, wie er zu dem Lahmen in Kapernaum sagte: mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben, und sie sahen, wie er ihn gesund machte [vgl.  Mk. 2,5.11 par.]. Und da erkannten sie, dass da, wo Gott einen Menschen frei gemacht hat vom Bösen und frei zum Guten, die äußere Not ein Ende hat, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen [Röm. 8,28]. Sie haben ihn im Garten Gethsemane beten hören: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe [Mk. 14,36 par.], und wie sie das später überdachten, da wurde ihnen das Geheimnis klar, dass der Weg zum Paradiese über Golgatha geht, der Weg zum Leben durchs Sterben des äußern Menschen.

Und wenn sie seine Worte und Taten hörten und sahen, dann erwachte so oder so immer lebendiger der Eindruck in ihnen: Derf |452 Mann ist innerlich gegründet und verankert im Grunde der Ewigkeit. Das, was wir da sahen und erlebten, das ist die Wahrheit inmitten des Scheins, und das wäre unser Leben und unsre Erlösung, wenn wir gesinnt würden, wie er war. Dieser überwältigende Eindruck, den sie von Jesu Art hatten, ist der Inhalt des Bekenntnisses, das Petrus zuletzt aussprach: Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt, dass du bist der Heilige Gottes.

Und das ist nun das selbständige, bewusste, eigene Christentum, zu dem ihr, meine jungen Freunde, berufen seid, wenn ihr aufrichtig das bekennen könnt: wir sind zum Glauben gekommen. Ihr wisst, was das bedeuten soll: nicht, dass ihr schon vollkommene Menschen seid, das ist Petrus dort auch noch nicht gewesen, und das sind wir Alle noch nicht; auch nicht, dass ihr euch zu Ehren dieses Tages zwingen sollt, eine Lehre über Gott und göttliche Dinge anzunehmen, wohl aber, dass wie ein fernes großes Licht der Eindruck in euch, in euch selbst erwacht ist, dass Gott da ist, wo Jesus ist, dass ein Menschenleben da wirklich und wertvoll wird, wo die Gemeinschaft mit diesem Jesus da ist, das will sagen: ein kleiner Anfang von seinem Vertrauen und von seinem Gehorsam. Wo Jesus und seine Art in einem Menschen anfängt, da fängt Gott an. Das ist der christliche Glaube. Das ist der rechte Eintritt ins Leben, ins selbständige, schaffende, vorwärts drängende Leben, das köstlich und wertvoll sein wird, wenn es Mühe und Arbeit [vgl. Ps. 90,10], wenn es Gehorsam und Liebe sein wird, wie es das Leben Jesu gewesen ist. Wir begrüßen euch heute als erwachsene Mitchristen, nicht als solche, die fertig sind, sondern als solche, die anfangen, als Mitwanderer und Mitstreiter. Denn wir Alle sind unterwegs, wir Alle stehen immer wieder vor dem Eintritt ins Leben. Wir wissen und ihr wisst es auch, wie schwach und unvollkommen wir sind, aber Christus ist da, durch den Gott uns stark und gerecht macht.

Im Namen Christi, durch seine Stärke und Gerechtigkeit, wolle Gott euch den Eintritt schenken ins ewige Leben, heute und allezeit.

Amen.
Lieder:
  • Nr. 235: «Ich weiß, woran ich glaube» von E. M. Arndt, Strophen 1.2.5 (RG 278,1.2.5; EG 357,1.2.4 [mit Textabweichungen]). 🎵
  • 453 Nr. 250: «Wenn ich ihn nur habe» von Fr. von Hardenberg, Strophen 1.2.4. 🎵
  • Nr. 31: «Ach bleib mit deiner Gnade» von J. Stegmann, Strophen 1–3 (RG 342; EG 347 [jeweils mit Textabweichungen]). 🎵
  • Nr. 185: «Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi», 2.Kor. 13,13 (RG 348). 🎵
Lesungstext:
  • Matthäus 7,13–29.

Textkritische Fußnoten

a-a
Im Mskr. mit Bleistift korrigiert aus: «Sie».↩
b-b
Im Mskr. mit Bleistift korrigiert aus: «auch».↩
c
Im Mskr. folgt, von Barth eckig eingeklammert und mit blauem Stift durchgestrichen: «Die Kirche mag nämlich selbst schuld sein, dass sie der Kirche den Rücken gekehrt haben, und wenn es sich einmal zeigen sollte, dass Gott für sein großes Werk von den Menschen bessere Werkzeuge hat als Kirche und Pfarrer, dann werden die ernsten Pfarrer die ersten sein, die sagen: Lass fahren dahin, das Reich muss uns doch bleiben!» (vgl. die Schlusszeilen der vierten Strophe des Liedes «Ein feste Burg ist unser Gott» von M. Luther 🎵: «Lass fahren dahin, / sie haben’s kein’ Gewinn. / Das Reich muss uns doch bleiben» [GERS 157; RG 32; EG 362]).↩
d-d
Alle Unterstreichungen sind im Mskr. nachträglich mit Bleistift vorgenommen.↩
e-e
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
f
Im Mskr. mit blauem Stift nachträglich unterstrichen.↩

Sachfußnoten

1
Am Himmelfahrtstag 1910 konfirmierte Barth 31 Konfirmanden und Konfirmandinnen, die er vom 26. Oktober 1909 an unterrichtet hatte. In Barths Präparationsheft spiegelt sich die Arbeit der 42 Unterrichtsstunden (Konfirmandenunterricht 1909–1921, S. 1–55 📖). – Zu den Konfirmandinnen dieses Tages gehörte auch Nelly Hoffmann (1893–1976), Barths spätere Ehefrau.↩
2
In der «Déclaration» der Verfassung von 1908, die sich auch in der Fassung von 2012 findet, heißt es: «L’Eglise nationale protestante de Genève […] fait un devoir à chacun de ses membres de se former des convictions personnelles et réfléchies» (Constitution de l’Eglise protestante de Genève, o. O., o. J. [Genf 2012], S. 6 📖).↩
3
Vgl. Fr. Schiller, Wallensteins Tod, dritter Aufzug, dreiundzwanzigster Auftritt (ders., Sämtliche Werke, Bd. 2, München 19623, S. 495f.) 📖:
Bedenket, was ihr tut. Es ist nicht wohlgetan,
Zum Führer den Verzweifelnden zu wählen.
Ihr reißt mich weg von meinem Glück, wohlan,
Der Rachegöttin weih ich eure Seelen!
Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben,
Wer mit mir geht, der sei bereit zu sterben!
↩
4
Vgl. z. B. S. Kierkegaard, Einübung in das Christentum (1850) (Gesammelte Werke, Bd. 9), Jena 1912, S. 87 📖: «Und wie jenes wehmütige Wort ‚selig, wer sich nicht an mir ärgert’, so folgt auch hier ein ähnliches, indem Christus zu den Zwölfen sagt: wollt ihr auch weggehen? […] Und deshalb klingt dieses Wort: wollt ihr auch weggehen? so bewegt, es klingt so leidend, fast als wollte er sagen: soll ich denn, der ich kam, um alle zu retten, ich, dessen Liebe kein, kein Mensch faßt, soll es mit mir dahin kommen, daß es keinen gibt, für den ich zur Rettung werde.»↩
5
Über den Gottesdienst, der zum Abschluss seines Konfirmandenunterrichts stattfand, heißt es in G. Keller, Der grüne Heinrich [Erste Fassung] (1854; ders., Sämtliche Werke in acht Bänden, Berlin 1961, Bd. 3), S. 382 (zweiter Band, siebtes Kapitel) 📖: «Ich war schon in der Frühe guter Laune, noch ein paar Stunden, und ich sollte frei sein von allem geistigen Zwange, frei wie der Vogel in der Luft! Ich fühlte mich daher mild und versöhnlich gesinnt und ging zur Kirche, wie man zum letzten Mal in eine Gesellschaft geht, mit welcher man nichts gemein hat, daher der Abschied aufgeweckt und höflich ist.»↩
6
Erste und dritte Strophe eines Volksliedes (vgl. L. Erk / Fr. M. Böhme [Hrsg.], Deutscher Liederhort, Bd. I, Leipzig 1893, S. 588 📖), das von Heinrich Heine als «wirkliches Volkslied», das er «am Rheine» gehört habe, in seine Gedichte unter der Rubrik «Tragödie» aufgenommen wurde (H. Heine, Werke und Briefe in zehn Bänden, hrsg. von H. Kaufmann, Berlin / Weimar 19722, Bd. 1, S. 279f. 📖).↩
7
Vgl. Enten – Eller. Et Livs-Fragment [dt.: Entweder – Oder. Ein Lebensfragment], udgivet af V. Eremita [= S. Kierkegaard], 2 Teile, Kopenhagen 1843; eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 1885 📖.↩