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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-53">Predigten 1907–1910</title>
        <title type="formal">Predigt Nr. 39</title>
        <title type="content">Predigt: Johannes 6,66-69 (Konfrmation)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Predigt: Johannes 6,66-69 (Konfrmation), 5. Mai 1910</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/53041 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1907–1910, hrsg. v. Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2018, S. .</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/53041</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1907–1910</title>
          <title type="text">Predigt Nr. 39: Predigt: Johannes 6,66-69 (Konfrmation)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2018</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">41</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Joh 6,67-69 (Konfirmation, Himmelfahrt), 5. Mai 1910. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1482">KBA 1017</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1910-05-05">5. Mai 1910</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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                        <placeName ref="kbga-places-67">
                            <hi rend="italic">Genf</hi></placeName>, <term type="Sachen" key="Himmelfahrt / Auffahrt">Himmelfahrt</term>, den <date when="1910-05-05">5. Mai 1910</date>
                    </dateline>
                        <head type="event">
                        <term type="Sachen" key="Konfirmation">Konfirmation</term><note xml:id="n01">Am <term type="Sachen" key="Himmelfahrt /Auffahrt">Himmelfahrtstag</term> 1910
                            konfirmierte Barth 31 Konfirmanden und Konfirmandinnen, die er vom
                            26. Oktober 1909 an unterrichtet hatte. In Barths Präparationsheft
                            spiegelt sich die Arbeit der 42 Unterrichtsstunden
                            (<bibl corresp="kbga-bibls-1641">Konfirmandenunterricht 1909–1921, S. 1–55</bibl>). –
                            Zu den Konfirmandinnen dieses Tages gehörte auch <persName ref="kbga-actors-26">Nelly Hoffmann</persName> (1893–1976), Barths spätere
                            Ehefrau.</note>
                        </head>
                    <epigraph>
                        <cit>
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.6.66 Joh.6.69">Johannes 6,66–69</ref>
                      
                            <quote>
                                <hi rend="italic" resp="kb">Von da an zogen viele der <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term> Jesu sich
                                    zurück und wandelten nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu
                                    den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm
                                    <persName ref="kbga-actors-1814">Simon Petrus</persName>:
                                    Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen <term type="Sachen" key="Ewiges Leben">Lebens</term>; und wir
                                    sind zum <term type="Sachen" key="Glaube">Glauben</term>
                                    gekommen und haben erkannt, dass du bist der Heilige <term type="Sachen" key="Jesus Christus">Gottes</term>.</hi>
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
             
                <salute>Meine lieben jungen Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                <p>Ich weiß es und ihr wisst es auch, dass man nach alter Anschauung und Sitte
                    gewohnt ist, die <term type="Sachen" key="Konfirmation">Feier</term>, die
                    wir heute zusammen begehen, zu betrachten als den Übergang und Eintritt aus
                    den Reihen der Kinder in die Reihe der Erwachsenen. Dieser ernste Gedanke
                    ist euch gewiss von euren lieben Eltern und Freunden in diesen Tagen
                    mannigfach nahegelegt worden, wenn nicht in ausdrücklichen Worten, so doch
                    im Blick ihrer Augen und im Druck ihrer Hände, die euch getroffen und
                    berührt haben, wie nur das Auge und die Hand des Vaters und der Mutter uns
                    Menschen an den Wendepunkten des <term type="Sachen" key="Leben, Wendepunkte">Lebens</term> treffen und berühren kann.
                    Sorgende Liebe und <pb ed="A" rend="hidden" n="2"/> freundschaftliche
                    Aufmunterung ist in ihren Worten, im Blick ihrer Augen, in ihrem Händedruck
                    gelegen, mit denen sie heute euren Weg begleitet haben, und ihr habt es
                    empfunden, dass sie euch damit so oder so sagen wollten, dass es ein
                    wichtiger Weg sei, den ihr gegangen seid, weil es der Weg ist, der über die
                    Grenze zweier Lebensalter führt. – |</p>
                <p>Aber ich denke, dass auch ohne das in den letzten Wochen und Monaten die
                    Erwägung euch beschäftigt hat, klar und deutlich die <pb xml:id="p440" ed="pga"/>
                    einen, unbewusst und verborgen die andern, dass das goldene Traumland der
                        <term type="Sachen" key="Kindheit">Kindheit</term> unwiderruflich hinter
                    euch liegt, vor euch aber das eigentliche Leben, das Leben der Erwachsenen
                    mit all seinen harten Realitäten, seinen Erwartungen und Enttäuschungen,
                    seinen Aufregungen und Mattigkeiten, seinen Kämpfen und Leiden. Den
                        «<hi rend="italic">Eintritt ins Leben</hi>» pflegt man darum die Konfirmation und
                    die <term type="Sachen" key="Konfirmation, Eintritt ins Leben">Konfirmationszeit</term> zu nennen.</p>
                <p> Ich sage euch auch: Ja, so ist es; <term type="Sachen" key="Kinder">Kinder</term> seid ihr nun gewesen und <term type="Sachen" key="Erwachsene">Erwachsene</term> sollt ihr werden. Aber wenn ich euch
                    das sage, wünsche ich euch und mir, dass es mir gelingen möchte, euch in
                    dieser Stunde noch einmal von der Oberfläche in die Tiefe zu führen, vom
                    äußern Schein und Wort zur innern <term type="Sachen" key="Wahrheit">Wahrheit</term>. Das und nichts Anderes ist der Sinn und Zweck des nun
                    hinter euch liegenden Unterrichts in der christlichen <term type="Sachen" key="Konfirmandenunterricht">Religion</term> gewesen. Denn das ist
                    christliche <term type="Sachen" key="Religion, christliche">Religion</term>,
                    wenn die frohe Botschaft des verborgenen lebendigen <term type="Sachen" key="Gott, lebendiger">Gottes</term> die Kraft und die Freude des
                    inwendigen Menschen wird. Und das sind gute Menschen, das sind Christen, die
                    gelernt haben, von der Oberfläche ihres Daseins vorzudringen zur Tiefe des
                        <term type="Sachen" key="Leben, Tiefe">Lebens</term>, das darunter
                    schlummert, vom Schein zur Wahrheit, vom Vergänglichen zum Unvergänglichen.
                    Solche Menschen und <term type="Sachen" key="Christen">Christen</term> sollt
                    ihr <pb ed="A" rend="hidden" n="3"/> sein und immer mehr werden.</p>
                <p>Und darum wollen wir ihn recht und ernsthaft verstehen, diesen «Eintritt ins
                    Leben», den das Alter, in dem ihr steht, und dieser <term type="Sachen" key="Konfirmation, Eintritt ins Leben">Tag</term> insbesondere für euch
                    bedeuten soll. – |</p>
                <p>Man kann darunter verstehen, dass von jetzt an die <term type="Sachen" key="Arbeit">
                            <hi rend="italic">Arbeit</hi></term> und Sorge erwachsener <term type="Sachen" key="Erwachsene, Arbeit und Sorge">Menschen</term> auch
                    euch erfüllen und beschäftigen soll. Bei Vielen von euch ist das längst der
                    Fall, und sie wissen, was das bedeutet, und auch die andern werden in der
                    Tat über kurz oder lang diesen Weg anzutreten haben. Aber es ist eine ganz
                    andre Frage, ob diese Veränderung eures Daseins den Namen «Eintritt ins
                    Leben» verdienen kann. Denn wir sehen unzählige Erwachsene, die seit
                    Jahrzehnten in diesem Dasein der Arbeit und der Sorge drinstehen, aber wenn
                    man näher zusieht, entdeckt man, dass sie in Wirklichkeit Kinder geblieben
                    sind nach wie vor, Kinder nicht im guten Sinn, sondern im schlimmen,
                    bedenklichen. Ihnen ist <term type="Sachen" key="Arbeit">Arbeit</term> und
                        <term type="Sachen" key="Beruf">Beruf</term> das, was den meisten
                    Kindern Schule und Schulaufgaben sind, etwas, was man möglichst rasch
                    erledigt, um es los zu sein. Wenn man sie aber fragt: Lieber Freund, was ist
                    der Sinn und Wert deiner <term type="Sachen" key="Arbeit, Wert">Arbeit</term>, was wiegt <pb xml:id="p441" ed="pga"/> dein Leben abgesehen
                    vom wöchentlichen Ertrag deines Geschäftes und Berufes?, dann bleiben sie
                    sprachlos, weil sie wie die Kinder nie danach gefragt haben, dann steht man
                    vor der großen Null, vor der Gedankenlosigkeit und Gesinnungslosigkeit.
                    Kindische <term type="Sachen" key="Erwachsene, kindische">Erwachsene</term>!
                    Wenn ihr solche werden wollt, dann hat es keinen Sinn, vom «Eintritt ins
                    Leben» zu reden, denn der Ausdruck «Leben» ist mir für einen solchen Zustand
                    zu gut. – |</p>
                <p>Genauso steht es aber, wenn man sagen wollte, der «Eintritt ins Leben»
                    bestehe darin, dass ihr von jetzt an von Rechts wegen an den <term type="Sachen" key="Vergnügen">
                            <hi rend="italic">Vergnügen</hi></term> der <term type="Sachen" key="Erwachsene, Vergnügen">Erwachsenen</term> teilnehmen
                    dürft. Das mag dazu gehören, ich denke, ihr freut euch darauf, und es fällt
                    mir wahrhaftig nicht ein, es euch zu missgönnen. <pb ed="A" rend="hidden" n="4"/>
                    Wohl aber sollt ihr euch klar darüber sein, dass das noch nicht erwachsen
                    sein und ins Leben eingetreten sein bedeutet, wenn ihr von nun an bei
                    allerlei von dem, was man die heitere Seite des Lebens zu nennen pflegt,
                    dabei sein dürft. Denn ihr könnt euch alle Tage davon überzeugen, dass da
                    auch unzählige Kindsköpfe dabei sind. Wie ihrer Arbeit der innere Wert und
                    Inhalt fehlt, so auch ihrem <term type="Sachen" key="Vergnügen, wertloses">Vergnügen</term>, wir stoßen von der andern Seite noch einmal auf die
                    große Sinnlosigkeit.</p>
                <p>
                    <term type="Sachen" key="Arbeit">Arbeit</term> ist gut und <term type="Sachen" key="Vergnügen">Vergnügen</term> ist gut, aber ihr sollt
                    nicht meinen, dass ihr damit ins Leben eintretet, dass ihr von nun an immer
                    mehr an Beidem teilnehmt, wie die <term type="Sachen" key="Erwachsene">Erwachsenen</term> es tun. Denn Arbeit und Vergnügen sind
                        <hi rend="italic">dann</hi> gut, wenn sie die Arbeit und das Vergnügen guter,
                    rechter, reifer und reiner <hi rend="italic">Menschen</hi> sind. Sonst sind beide ein
                    sinnloses und wertloses Getriebe, das sich von dem Betriebe des Tier- und
                    Pflanzenlebens nicht wesentlich unterscheidet, gleichviel ob es sich dabei
                    um <term type="Sachen" key="Arbeit, feine">feine</term> oder grobe <term type="Sachen" key="Arbeit, grobe">Arbeit</term>, um <term type="Sachen" key="Vergnügen, feines">feines</term> oder grobes <term type="Sachen" key="Vergnügen, grobes">Vergnügen</term> handelt. Und darum sage ich,
                    dass ihr nur dann jetzt wirklich ins Leben eintretet, ins wirkliche,
                    wertvolle <term type="Sachen" key="Leben, wertvolles">Leben</term> nämlich,
                    wenn ihr angefangen habt, solche <term type="Sachen" key="Mensch, guter">gute</term> und reife <term type="Sachen" key="Mensch, reifer">Menschen</term> zu werden, Menschen, die das Ziel ihres Daseins gesehen
                    haben, obwohl es ein unsichtbares, verborgenes Ziel ist, und die sich zur
                    Wanderung danach anschicken, Menschen des innern <term type="Sachen" key="Mensch, innerer Gehorsam">Gehorsams</term> und Menschen der innern
                        <term type="Sachen" key="Mensch, innere Kraft">Kraft</term>.</p>
            
                <p rend="margin-top">Als ihr klein wart, haben eure Eltern euch <term type="Sachen" key="Taufe">
                            <hi rend="italic">taufen</hi></term> lassen auf den
                    Namen <hi rend="italic">Jesu</hi>, zum Zeichen dessen, dass sie wollten, dass
                        <hi rend="italic">solche</hi> Menschen <pb xml:id="p442" ed="pga"/> aus euch würden,
                    Menschen, die einmal in das wirkliche, wertvolle, verborgene Leben eintreten
                    sollten. Denn Alles, was man sagen kann über den rechten, reifen Menschen,
                    wie er sein sollte, kann man zusammenfassen in dem Namen Jesus. Sein Leben
                    ist ein solches wert<pb ed="A" rend="hidden" n="5"/>volles Leben gewesen,
                    weil es ein Leben des <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Gehorsam">Gehorsams</term> und der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Liebe">Liebe</term> war. Anders als sein Leben
                    können wir uns auch das verborgene Leben Gottes nicht vorstellen, in ihm ist
                    es offenbar geworden für uns Alle. Und darum habt ihr in der christlichen
                    Taufe die Versicherung empfangen, dass ihr Gottesmenschen werden sollt und
                    werden dürft, d. h. aber Menschen, die gesinnt sind, wie Jesus Christus auch
                    war [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Phil.2.5">Phil. 2,5</ref>], und
                    die eben darum wertvolle, wirklich lebendige Menschen sind. Denn ihr seid
                    durch die Taufe aufgenommen in die christliche <term type="Sachen" key="Kirche, christliche">Kirche</term>, d. h. in den Bereich und
                    Zusammenhang der Menschen, die die Wahrheit von Christus empfangen haben und
                    die sie weitergeben an die Andern. <anchor type="note" xml:id="fn-a"/>Die Wahrheit<note type="textcritical" n="a" xml:id="na" target="fn-a"> Im Mskr. mit Bleistift korrigiert aus: «Sie».</note>
                    <term type="Sachen" key="Wahrheit"/> ist auch an euch weitergegeben
                    worden durch Eltern und Lehrer, die euch erzogen und euren Charakter
                    gebildet haben, durch eure Verwandten und Freunde, durch all die Bekannten
                    und Unbekannten, durch die Menschen und Verhältnisse, in deren Mitte ihr
                    aufgewachsen seid und die eure Entwicklung bestimmt haben. In christlicher
                    Luft, in einem Zusammenhang des Lebens, der durch das <term type="Sachen" key="Evangelium">Evangelium</term> von Jesus so oder so bestimmt ist,
                    seid ihr herangewachsen, das eine mehr, das andere weniger, das eine
                    bewusst, das andere unbewusst. In dem, was euch die christliche <term type="Sachen" key="Gemeinschaft, christliche">Gemeinschaft</term>
                    gegeben hat an Erziehung, Anregung, Belehrung auf mancherlei Weise, darin
                    habt ihr also das empfangen und sollt es fernerhin empfangen, was euch in
                    der <term type="Sachen" key="Taufe">Taufe</term> auf den Namen Jesu in eurer
                        <term type="Sachen" key="Kindheit">Kindheit</term> versprochen worden
                    ist. Ihr habt es empfangen nicht durch euren Entschluss, nicht durch euer
                    Verdienst, sondern durch Gottes freie <term type="Sachen" key="Gnade, Gottes freie G.">Gnade</term>, der euch durch eure Umgebung
                    gemacht hat zu dem, was ihr geworden seid, und der euch fernerhin machen
                    will zu dem, was ihr werden sollt.</p>
                <p>Aber nun wisst ihr, dass ein wertvolles, reifes Leben nur da sein kann, wo
                    ein Mensch in eigener Überzeugung, in freiem <pb ed="A" rend="hidden" n="6"/>
                    Entschluss, der aus seinem Innersten hervorgeht, das ergreift und festhält
                    und betätigt, was er von den Andern empfangen hat. Solche Überzeugung <pb xml:id="p443" ed="pga"/> und Freiheit kann man vom Kinde noch nicht verlangen.
                    Wohl aber macht sie das Wesen des erwachsenen <term type="Sachen" key="Erwachsene, eigene Überzeugung">Menschen</term> aus. Was der Mensch
                    empfangen hat von den andern, das soll er nun entfalten und weitergeben, um
                    selbst wieder ein wertvolles Glied der christlichen Gemeinschaft zu werden,
                    der er sein Bestes verdankt. Er soll bewusster Täter des <term type="Sachen" key="Christen, Täter des Wortes">Worts</term> werden aus einem
                    unbewussten <term type="Sachen" key="Christen, Hörer des Wortes">Hörer</term> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Jak.1.22">Jak. 1,22</ref>], wie die Kinder es sind. Er soll das, was Gottes <term type="Sachen" key="Gnade, Gottes G.">Gnade</term> ihm geschenkt und
                    anvertraut hat, in seinem Leben zur Erscheinung bringen durch freie <term type="Sachen" key="Entscheidung">Entscheidung</term> der Gedanken und
                    des Willens. Und weil Alles, was Gott dem Menschen schenkt durch die
                    mannigfache Wirkung der Gemeinschaft, in der er geboren und aufgewachsen
                    ist, weil all das hinausläuft auf das Eine, uns zu Gottesmenschen zu machen,
                    die gesinnt sind, wie Jesus Christus auch war, eben darum kann das, was sich
                    in der freien Entscheidung des erwachsenen Menschen entfalten soll, nichts
                    Anderes sein, als dass er nun frei und bewusst ein solcher Gottesmensch
                    werde, der Gott vertraut, der ihm so viel anvertraut hat, und der eben darum
                    die Andern <term type="Sachen" key="Nächstenliebe">liebt</term>, wie uns
                    Christus geliebt hat [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.13.34">Joh. 13,34</ref>]. Ihr wisst schon, dass diese Entscheidung nicht ein für
                    allemal vollzogen werden kann. Zu groß und zu wichtig ist die Angelegenheit,
                    um die es sich handelt. Wir sind nicht <term type="Sachen" key="Christen, werden Gottesmenschen">Gottesmenschen</term>, sondern wir
                        <hi rend="italic">werden</hi> es, indem wir unermüdlich wandern den Weg des
                    Vertrauens und der Liebe. Aber die freie Entscheidung, die wir da immer
                    wieder vollziehen, bringt die christliche Gemeinde im Zeichen zum Ausdruck,
                    indem sie ihre erwachsenen Glieder versammelt zur Feier des <term type="Sachen" key="Abendmahl">
                            <hi rend="italic">Abendmahls</hi></term>. Denn indem
                    wir uns da dankbar des Todes <term type="Sachen" key="Kreuz / Kreuzestod">Christi</term> erinnern, der uns den Weg des Lebens gewiesen und
                    eröffnet hat, bekennen und bezeugen wir, dass wir ihm angehören wollen,
                    d. h. dass wir <pb ed="A" rend="hidden" n="7"/> von seiner Art und Gesinnung sein
                    möchten im Gehorsam gegen Gott und in der Liebe zu den Brüdern. Ihr sollt
                    heute die Erlaubnis empfangen zum Zutritt zu dieser schönen und
                    bedeutungsreichen Feier, und die christliche Gemeinde erklärt damit, dass
                    sie euch nun als selbständige Menschen und Christen betrachten will, die
                    anfangen, nicht mehr bloß zu empfangen, sondern selbst etwas zu sein und zu
                    werden für sich und die Andern.</p>
                <p rend="margin-top">Aber was wir da von euch erwarten und was Gott von euch
                    erwartet, dazu können und wollen wir euch nicht zwingen, und Gott will es
                        <pb xml:id="p444" ed="pga"/> auch nicht. Denn ich wiederhole es: wertvolle
                    Menschen, Gottesmenschen sind nur die freien <term type="Sachen" key="Menschen, nur freie M. sind Gottesmenschen">Menschen</term>. Gott
                    will nicht, dass wir Knechte seien, denen ein Joch aufgelegt ist von
                    allerlei Lehren und Geboten, sondern <term type="Sachen" key="Mensch, Kind Gottes">Kinder</term> [vgl.  <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.4.7">Gal. 4,7</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.5.1">5,1</ref>], die in selbstverständlicher Dankbarkeit ihn
                    ihren <term type="Sachen" key="Gott, Vater">Vater</term> nennen und in
                    selbstverständlichem Gehorsam seinen <term type="Sachen" key="Wille Gottes">Willen</term> zum ihrigen werden lassen, von Tag zu Tag reiner und
                    besser. Ich hoffe, wenn euch etwas eindrücklich geblieben ist von dem nun
                    hinter euch liegenden <term type="Sachen" key="Konfirmandenunterricht">Unterricht</term>, so ist es das gewesen, dass im Reich des lebendigen
                        <term type="Sachen" key="Reich Gottes">Gottes</term> die Freiheit das
                    oberste Gesetz ist, weil die rechte <term type="Sachen" key="Freiheit, rechte">Freiheit</term> und der rechte <term type="Sachen" key="Gehorsam, rechter">Gehorsam</term> nicht zweierlei
                    sind, sondern eins und dasselbe. Ich erinnere euch heute noch einmal daran,
                    im Sinn und Geist der Verfassung unsrer <term type="Sachen" key="Genf, Kirchenverfassung">Genfer</term> Kirche, die es «ihren
                    Mitgliedern zur Pflicht macht, sich persönliche und wohlbegründete
                    Überzeugungen zu bilden».<note xml:id="n02">In der
                            «Déclaration<hi rend="italic">»</hi> der Verfassung von 1908, die sich auch in
                        der Fassung von 2012 findet, heißt es: «L’Eglise nationale
                        protestante de Genève […] fait un devoir à chacun de ses membres
                        de se former des convictions personnelles et réfléchies»
                            (<bibl corresp="kbga-bibls-2749"><hi rend="italic">Constitution de l’Eglise protestante de Genève</hi>,
                        o. O., o. J. [Genf 2012], S. 6</bibl>).</note>
                    </p>
                <p>Und darum lege ich euch heute mit allem Ernst und Nachdruck die Frage vor,
                    die Jesus an seine <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term> gerichtet
                    hat: <hi rend="italic">Wollt ihr auch weggehen?</hi> Aus dem Textwort, das ich
                    verlesen habe, hören wir, dass damals Viele, die einmal Jünger Jesu gewesen
                    waren, anfingen, sich von ihm zurückzuziehen und andere Wege zu gehen. Wir
                    können das gut begreifen: Der <pb ed="A" rend="hidden" n="8"/> Weg Jesu, das will
                    sagen: der Weg des lebendigen, wertvollen Menschen ist niemals ein leichter,
                    ebener Rosenpfad gewesen. Leicht und eben und mit Rosen bestreut sind die
                    Wege der Oberflächlichkeit und der <term type="Sachen" key="Gleichgültigkeit">Gleichgiltigkeit</term>, die sich jetzt auch vor
                    euch auftun, meine lieben Konfirmanden, ob ihr sie gehen wollt. Mit dem Weg
                    Jesu, der zum inwendigen <term type="Sachen" key="Leben, inneres">Leben</term> führt, steht es anders. Denn es gilt von Jesus das Wort,
                    das <persName ref="kbga-actors-764">Friedrich Schiller</persName> einem seiner Helden in den Mund gelegt hat: Wer mit mir
                    geht, der sei bereit zu sterben!<note xml:id="n03">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2689">
                                <persName ref="kbga-actors-764">Fr. Schiller</persName>,
                            <hi rend="italic">Wallensteins Tod</hi>, dritter Aufzug, dreiundzwanzigster
                        Auftritt (ders., Sämtliche Werke, Bd. 2, München 1962<hi rend="sup">3</hi>, S. 495f.)</bibl>:
                            <q rend="block">
                                <lg>
                                    <l>Bedenket, was ihr tut. Es ist nicht wohlgetan, </l>
                                    <l>Zum Führer den Verzweifelnden zu wählen. </l>
                                    <l>Ihr reißt mich weg von meinem Glück, wohlan, </l>
                                    <l>Der Rachegöttin weih ich eure Seelen! </l>
                                    <l>Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben, </l>
                                    <l>Wer mit mir geht, der sei bereit zu sterben!</l>
                                </lg>
                            </q>
                        </note> Der sei bereit, sich selbst einzusetzen zu einem Kampf, in
                        <pb xml:id="p445" ed="pga"/> dem es nur Siegen oder Unterliegen gibt! Der sei
                    bereit zum Opfer! Ich weiß, dass ihr mich recht versteht: Man hat oft
                    gesagt, das Christentum sei nur für die, die ihren Verstand opfern wollten
                    und könnten. Das ist nicht wahr, das wäre ein ganz nutzloses und
                    unwahrhaftiges Opfer, denn das würde uns auch keinen Schritt helfen, Jesus
                    ähnlicher, d. h. neue, wertvolle Menschen zu werden. Denn Jesus hat nicht
                    seinen Verstand zum Opfer gebracht, sondern sich selbst, als er sah, dass
                    das der Wille <term type="Sachen" key="Wille Gottes">Gottes</term> war. Mit
                    dem alten, kleinen <term type="Sachen" key="Ich / das Ich">
                            <hi rend="italic">Ich</hi></term> soll es ein Ende nehmen, das sich aus all den
                    verborgenen und offenkundigen <term type="Sachen" key="Stimmungen">Stimmungen</term>, <term type="Sachen" key="Gefühle">Gefühlen</term>,
                    Wünschen und Neigungen zusammensetzt, die unser Dasein wertlos machen. An
                    seine Stelle soll Gott treten, der uns sagt: nicht Stimmungen, sondern <term type="Sachen" key="Gehorsam">Gehorsam</term>, nicht Wünsche, sondern
                    Wille, nicht Neigungen, sondern <term type="Sachen" key="Nächstenliebe">Liebe</term> zu den andern. Das ist’s. Das ist der Weg Jesu
                    gewesen. Das ist Jesus Christus, gestern und heute derselbe und in Ewigkeit
                    [<ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.13.8">Hebr. 13,8</ref>]. Und das
                    haben damals viele, die sich auch zu seinen <term type="Sachen" key="Jünger">Jüngern</term> rechneten, erkannt und haben zu sich selbst gesagt:
                    Nein, das Alles passt mir im Grunde nicht; sie zogen sich von ihm zurück, um
                    in Zukunft einen Weg zu gehen, der nicht so Schweres von ihnen verlange. Und
                    als sie Alle gegangen waren, einer nach dem andern, da richtete Christus an
                    die Zurückbleibenden die <pb ed="A" rend="hidden" n="9"/> Frage: Wollt ihr auch
                    weggehen? Man hat gesagt, es liege ein Ton wehmütigen Verzichtes in diesen
                        Worten.<note xml:id="n04">Vgl. z. B. <bibl corresp="kbga-bibls-1052">
                                <persName ref="kbga-actors-221">S. Kierkegaard</persName>, <hi rend="italic">Einübung in
                            das Christentum</hi> (1850) (Gesammelte Werke, Bd. 9), Jena 1912,
                        S. 87</bibl>: «Und wie jenes wehmütige Wort ‚selig, wer sich nicht an mir
                        ärgert’, so folgt auch hier ein ähnliches, indem Christus zu den Zwölfen
                        sagt: wollt ihr auch weggehen? […] Und deshalb klingt dieses
                        Wort: wollt ihr auch weggehen? so bewegt, es klingt so leidend, fast als
                        wollte er sagen: soll ich denn, der ich kam, um alle zu retten, ich,
                        dessen Liebe kein, kein Mensch faßt, soll es mit mir dahin kommen, daß
                        es keinen gibt, für den ich zur Rettung werde.»</note> Aber ich glaube,
                    Gott verzichtet auf keinen <term type="Sachen" key="Gott, verzichtet auf niemanden">Menschen</term>, auch auf die
                    nicht, die meinen, sich von ihm zurückziehen zu können. Jedenfalls hat Jesus
                    nicht einmal auf die verzichtet, die ihn ans <term type="Sachen" key="Kreuz / Kreuzestod">Kreuz</term> gebracht haben, sondern er hat für
                    sie gebetet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun [<ref type="can" subtype="bible" target="Lk.23.34">Lk. <pb xml:id="p446" ed="pga"/> 23,34</ref>]. Und ich denke,
                    Jesus ist auch in diesem <term type="Sachen" key="Gebet">Gebet</term> das
                    getreue Abbild seines <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Abbild seines Vaters">Vaters</term> gewesen. Wohl
                    aber ist die Frage: Wollt ihr auch weggehen? eine notwendige Prüfung und
                    Sichtung derer gewesen, die nun aus freiem Entschluss und Willen bei ihm
                    bleiben, die seinen Weg gehen wollten. Keine überflüssige Sichtung, denn
                    unter den Zwölfen, die da blieben, war <anchor type="note" xml:id="fn-b"/>immer noch<note type="textcritical" n="b" xml:id="nb" target="fn-b"> Im Mskr. mit Bleistift korrigiert aus: «auch».</note>
                    <persName ref="kbga-actors-2301">Judas</persName>, der ihn später
                    verriet. Wir hören leider nicht, dass er mit einem offenen Ja hervorgetreten
                    und dann seiner Wege gegangen sei wie die Andern. Es wäre ihm besser gewesen
                    so. In der Frage Jesu lag also die Aufforderung zur <term type="Sachen" key="Entscheidung">Entscheidung</term>, die Aufforderung zur Klarheit,
                    die er ein ander Mal mit dem Worte aussprach: Wer nicht für mich ist, der
                    ist wider mich [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.12.30">Mt. 12,30</ref>
                    par.]. Und seine Frage war darum die <hi rend="italic">Frage nach der <term type="Sachen" key="Überzeugung">Überzeugung</term></hi>, die heute
                    auch an euch ergeht. Aber ich füge gleich hinzu: nicht als ob diese Frage
                    heute euch gestellt und damit für morgen und übermorgen und immerdar
                    erledigt wäre, sondern das ist die Bedeutung dieses Tages, dass diese Frage
                    von jetzt an immer vor eurem innern Auge stehen soll, prüfend und ernsthaft,
                    die Frage: Wollt ihr auch weggehen?</p>
                <p>Denn wir stehen alle Tage vor der Tatsache, die Jesus und seine zwölf <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term> dort erlebt haben, vor der
                    Tatsache, dass Viele weggehen und andre Wege einschlagen. Ich denke jetzt
                    nicht daran, dass Tausende und Hunderttausende von Männern und Frauen, die
                    auch einmal konfirmiert worden sind, auch einmal den Entschluss
                    ausgesprochen haben, nun selbständige Kinder <term type="Sachen" key="Mensch, Kind Gottes">Gottes</term> zu werden, seitdem die Kirche
                    nur noch von außen oder höchstens zu <term type="Sachen" key="Weihnachten">Weihnacht</term> und <term type="Sachen" key="Ostern">Ostern</term>
                    <pb ed="A" rend="hidden" n="10"/> und <term type="Sachen" key="Himmelfahrt / Auffahrt">Himmelfahrt</term> von innen wiedergesehen
                    haben oder für die gar wie für <persName ref="kbga-actors-637">Gottfried Keller</persName> die <term type="Sachen" key="Konfirmation">Konfirmation</term> deshalb ein Fest war, weil sie an
                    diesem Tag zum letzten Mal in der Kirche waren.<note xml:id="n05">Über den Gottesdienst, der zum Abschluss seines Konfirmandenunterrichts
                        stattfand, heißt es in <bibl corresp="kbga-bibls-2690">
                                <persName ref="kbga-actors-637">G. Keller</persName>, <hi rend="italic">Der grüne Heinrich [Erste Fassung]</hi>
                        (1854; ders., Sämtliche Werke in acht Bänden, Berlin 1961, Bd. 3),
                        S. 382 (zweiter Band, siebtes Kapitel)</bibl>: «Ich war schon in der Frühe
                        guter Laune, noch ein paar Stunden, und ich sollte frei sein von allem
                        geistigen Zwange, frei wie der Vogel in der Luft! Ich fühlte mich daher
                        mild und versöhnlich gesinnt und ging zur Kirche, wie man zum letzten
                        Mal in eine Gesellschaft geht, mit welcher man nichts gemein hat, daher
                        der Abschied aufgeweckt und höflich ist.»</note> Ich denke nicht an sie,
                    und ich schelte sie nicht.<note type="textcritical" n="c" xml:id="nc"> Im Mskr. folgt, von Barth eckig eingeklammert und mit blauem
                            Stift durchgestrichen: «Die Kirche mag nämlich selbst schuld sein,
                            dass sie der Kirche den Rücken gekehrt haben, und wenn es sich
                            einmal zeigen sollte, dass Gott für sein großes Werk von den
                            Menschen bessere Werkzeuge hat als Kirche und Pfarrer, dann werden
                            die ernsten Pfarrer die ersten sein, die sagen: Lass fahren dahin,
                            das Reich muss uns doch bleiben!» (vgl. <bibl type="song" corresp="kbga-songs-59">die Schlusszeilen der
                            vierten Strophe des Liedes «Ein feste Burg ist unser Gott» von 
                                <persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName></bibl>: «Lass
                            fahren dahin, / sie haben’s kein’ Gewinn. / Das Reich
                            muss uns doch bleiben» <bibl type="song" corresp="kbga-songs-59">[GERS 157; RG 32; EG 362]</bibl>).</note>
                    </p>
                
                <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p447" ed="pga"/> Die Frage Jesu, die ich an euch zu richten habe, ist eine tiefere und
                    ernsthaftere. Unter den Vielen, die einmal konfirmiert worden sind, waren
                    Unzählige, in denen war ein verheißungsvoller Anfang zu einem rechten und
                    wertvollen <term type="Sachen" key="Leben, wertvolles">Leben</term>. Sie
                    haben freudig und aufrichtig bekannt und versprochen, diesen von Gott
                    gegebenen Samen zum fruchttragenden Baum werden zu lassen, und ihre Eltern
                    haben mit Stolz und Freude auf sie gesehen, wie eure Eltern und Freunde
                    heute auf euch sehen. Aber wenn man sie über ein paar Jahre wieder gesehen
                    oder von ihnen gehört hat, dann war das alte Volkslied an ihnen Wahrheit
                    geworden:</p>
                    <q rend="block">
                        <lg>
                            <l>Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht</l>
                            <l>Wohl über die schönen Blümelein.</l>
                            <l>Sie sind verwelket, verdorret.</l>
                            <l>……</l>
                            <l>Sie liefen weit ins fremde Land,</l>
                            <l>Sie hatten weder Glück noch Stern,</l>
                            <l>Sie sind verdorben, gestorben.<note xml:id="n06">Erste
                                    und dritte Strophe eines Volksliedes (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2691">L. Erk / Fr. M.
                                    Böhme [Hrsg.], <hi rend="italic">Deutscher Liederhort</hi>, Bd. I,
                                    Leipzig 1893, S. 588</bibl>), das von <persName ref="kbga-actors-1035">Heinrich Heine</persName> als
                                    «wirkliches Volkslied», das er «am Rheine» gehört habe, in
                                    seine Gedichte unter der Rubrik «Tragödie» aufgenommen wurde
                                    (<bibl corresp="kbga-bibls-2692"><persName ref="kbga-actors-1035">H. Heine</persName>, Werke und Briefe in zehn Bänden, hrsg. von H.
                                    Kaufmann, Berlin / Weimar 1972<hi rend="sup">2</hi>, Bd. 1,
                                    S. 279f.</bibl>).</note>
                            </l>
                        </lg>
                    </q>
                <p rend="noindent">Ich denke an die Vielen, aus denen erklärte Taugenichtse und
                    Müßiggänger geworden sind, aber ich denke noch viel mehr an die Andern, die
                    viel Zahlreicheren, die mit keinem <term type="Sachen" key="Gesetz, Strafgesetz">Strafgesetz</term> in Konflikt gekommen sind
                    und von denen es trotzdem heißt und heißen muss: Verwel<pb xml:id="p448" ed="pga" break="no"/>ket, verdorret, verdorben, gestorben, weil jener wertvolle Anfang in
                    ihnen verwelkt, verdorrt, verdorben, gestorben ist, weil ihre <pb ed="A" rend="hidden" n="11"/>
                    <term type="Sachen" key="Stimmungen">Stimmungen</term> stärker waren als der
                        <term type="Sachen" key="Gehorsam">Gehorsam</term>, ihre Wünsche stärker
                    als der Wille, ihre Neigungen stärker als die <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term>. Da ist heiß und anspruchsvoll etwas in ihnen
                    aufgestiegen und hat die Herrschaft über ihre Sinne und Gedanken gewonnen,
                    es war nichts vom Gesetz Verbotenes, aber von dem spürten sie zuerst recht
                    deutlich: das ist jetzt das Gegenteil von Gott und von einem wertvollen
                        <term type="Sachen" key="Leben, wertvolles">Leben</term>, das kann
                    niemals dazu dienen, mein Inwendiges reich und stark zu machen, das will
                    mich herabziehen und gemein und gewöhnlich machen. Aber dann haben sie doch
                    nachgegeben, einmal, zweimal, bis die Sinnlosigkeit und Bewusstlosigkeit in
                    Form der <term type="Sachen" key="Eigensucht">Eigensucht</term>, der <term type="Sachen" key="Sinnlichkeit">Sinnlichkeit</term>, der Geldgier
                    Königin wurde über ihr <term type="Sachen" key="Alltagsleben">Alltagsleben</term>. Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht! Das ist
                    das große Weggehen, von dem Jesus geredet hat. Diesen Weg sind die <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term> gegangen, die ihn damals
                    verlassen haben. Sie sind keine Verbrecher geworden, aber arme, wertlose
                    Menschen, die nicht mehr wussten, wozu sie auf der Welt sind, Menschen, die
                    von nun an immer mit der Mehrheit gingen, der sie gleich geworden waren, und
                    die schließlich doch verbohrt und verbittert abseits standen, innerlich leer
                    gelassen von dem, was ihnen so begehrenswert erschienen.</p>
                <p> Es ist das Weggehen von <term type="Sachen" key="Mensch, Abwendung von Gott">Gott</term>, um das es sich handelt. Denn indem sie sich vom <term type="Sachen" key="Gehorsam">Gehorsam</term>, vom Willen, von der <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term> abwenden, wenden sie sich von
                    Gott ab. Ihr könnt diesen Vorgang in unzähligen Formen wahrnehmen, wie ihn
                    dort die zwölf Jünger, die bei Jesus blieben, wahrgenommen haben. Aber dabei
                    kann es nicht bleiben. Sondern nun kommt es an euch selbst: Wollt ihr auch
                    weggehen? Und das ist die Frage, ob ihr überzeugt seid, innerlich überwunden
                    und überwältigt durch die Tatsache, dass <hi rend="italic">Gott da</hi> ist, nicht
                    irgendwo in fernen Himmelshöhen – dort ist er auch, er ist überall
                    und nichts ist ohne ihn –, aber das, worauf es ankommt, ist die
                    Frage, ob er <hi rend="italic">euer</hi> Gott ist, ob er die Macht ist, die eure
                    Gedanken und euren Willen leitet, ob ihr ihn gespürt und erfahren habt, ihr
                    selbst, ihr persönlich, und ob ihr nun willig seid, seine Art auch andern zu
                    spüren und zu erfahren <pb ed="A" rend="hidden" n="12"/> zu geben durch eure Art
                    zu denken, zu reden, zu handeln? Wollt ihr das oder nicht? Wollt ihr bei
                    Jesus bleiben, der wie kein anderer uns gezeigt hat, wie Gott ist und wie
                    wir werden sollen oder – wollt ihr auch weggehen?</p>
                
                <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p449" ed="pga"/> Ich glaube und vertraue euch, dass ihr uns nachher von Herzen antworten
                    werdet: Nein, wir wollen nicht weggehen, ja, wir wollen bei Jesus bleiben.
                    Aber diese gute Antwort ist dann und nur dann wertvoll und wahrhaftig, wenn
                    ihr sie von jetzt an alle Tage und Stunden wiederholt, nicht in Worten, aber
                    in Taten, nicht in <term type="Sachen" key="Bekenntnisse">Bekenntnissen</term>, aber in der innern Art, mit der ihr die Dinge des
                    Lebens aufnehmt und behandelt. Denn Überzeugungen, auch gute Überzeugungen,
                    kann man wohl aussprechen, wie ihr es heute tun sollt, aber dass sie gut und
                    wahr sind, bezeugt und bewährt man, indem man sie lebt. Und darum ist das,
                    was ihr heute feiert, nicht etwa ein Abschluss, sondern ein Anfang; nicht
                    eine gemächliche Ankunft, sondern eine rüstige Ausreise.</p>
                <p rend="margin-top">Ihr feiert den Eintritt ins <term type="Sachen" key="Konfirmation, Eintritt ins Leben">Leben</term>! Ja, indem ihr nun
                    anfangen sollt, selbständig und bewusst für Gott und mit Gott zu leben. Oder
                    wollt ihr auch weggehen? Überlegt euch die schlichten Worte, mit denen 
                        <persName ref="kbga-actors-1814">Simon Petrus</persName> im Namen seiner
                    Mitjünger damals diese Frage beantwortet hat. Macht sie zu euren Worten von
                    jetzt an in der Tiefe eurer Herzen, wie sie hervorgegangen sind aus der
                    Tiefe eines Menschenherzens, in dem eine große Überzeugung lebte.</p>
                <p>
                        <hi rend="italic">Herr, wohin sollen wir gehen?</hi> Das war das erste. Petrus hat es
                    in jenem Augenblick auch klar und deutlich erkannt, dass die, die weggingen,
                    ihr Bestes weggaben, und darum hat er sich ihnen nicht angeschlossen.
                    Erstaunt und fast unwillig beantwortet er die Frage Jesu mit der Gegenfrage:
                    Herr, wohin sollen wir gehen? Er sieht nur zwei Wege vor sich: den Weg, den
                    die Vielen <term type="Sachen" key="Lebensweg, der Vielen">gegangen</term>
                    sind, die sich zurückzogen – aber von dem weiß er, dass er ungangbar
                    ist, weil er in dieser oder jener Weise das Leben kostet, <pb ed="A" rend="hidden" n="13"/> das wertvolle, wirkliche Leben nämlich. Der
                    andre Weg ist der Weg der <term type="Sachen" key="Nachfolge">Nachfolge</term> Jesu. Einen dritten Weg kennt er nicht. Einen Weg, der
                    zum Leben führt und doch gemächlicher und bequemer ist als der Weg Jesu,
                    kennt er nicht.</p>
                <p>Und <anchor type="note" xml:id="fn-d"/>
                        <hi rend="italic">ich</hi> kann auch <hi rend="italic">euch</hi> keinen
                    solchen <hi rend="italic">dritten einfacheren</hi><note type="textcritical" n="d" xml:id="nd" target="fn-d"> Alle Unterstreichungen sind im Mskr. nachträglich mit
                                Bleistift vorgenommen.</note>
                    <term type="Sachen" key="Lebensweg">Weg</term> zeigen, meine lieben
                    Konfirmanden. Ich denke, ihr habt mich in dieser Zeit gut genug
                    kennengelernt, um mir zuzutrauen, dass ich es euch <pb xml:id="p450" ed="pga"/>
                    offen gesagt haben würde, wenn ich der Meinung wäre, man könne ein guter,
                    wertvoller Mensch werden auch ohne Jesus, an Jesus vorbei gleichsam. Wo es
                    sich um Gott handelt, da gibt es keine <term type="Sachen" key="Gott, keine Mittelwege">Mittelwege</term>, sondern es gilt da das
                    große <term type="Sachen" key="Entscheidung">Entweder-Oder</term> des Dänen
                        <persName ref="kbga-actors-221">Kierkegaard</persName>.<note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-2693">
                                <hi rend="italic">Enten
                            – Eller. Et Livs-Fragment</hi> [dt.: <hi rend="italic">Entweder
                            – Oder. Ein Lebensfragment</hi>], udgivet af V. Eremita [=
                       <persName ref="kbga-actors-221">S. Kierkegaard</persName>], 2 Teile, Kopenhagen 1843; eine deutsche
                        Übersetzung erschien erstmals 1885</bibl>.</note> Man kann ohne Jesus ein
                    reicher Mensch werden, ein angesehener Mensch, ein Mensch, von dem jedermann
                    und vielleicht auch er selbst sagt, er sei glücklich, aber ein <term type="Sachen" key="Mensch, Gottesmensch">Gottesmensch</term>, das will
                    sagen, ein wertvoller, wesentlicher <term type="Sachen" key="Mensch, wertvoller">Mensch</term> kann man ohne ihn nicht werden.
                    Herr, wohin sollen wir gehen? Vor uns öffnen sich die Straßen und Wege nach
                    allen Seiten, Straßen von jeder Art, schmale und breite, gerade und krumme,
                    Wege nach oben und Wege nach unten. Es sind viel gute Wege dabei, Wege, die
                    zum Ziel führen, aber wenn es <hi rend="italic">gute</hi>
                    <term type="Sachen" key="Lebenswege, gute">Wege</term> sind, sind sie es
                    darum, weil es Seitenwege sind und immer wieder zurückführen in den
                    verborgenen Weg, den der merkwürdige Mann gegangen ist, der vor 2000 Jahren
                    eine kurze Zeit unter den Menschen <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Jesus von Nazareth">gelebt</term> hat und von dem
                    damals Einige gesagt haben, durch ihn sei ihnen Gott deutlich und
                    gegenwärtig und unvergesslich geworden.</p>
                <p>Herr, wohin sollen wir gehen? <hi rend="italic">Du hast Worte des ewigen <term type="Sachen" key="Ewiges Leben, Worte des E. W.">Lebens</term></hi>. Das sind die großen, unvergesslichen Augenblicke
                    in unserm kleinen Dasein, wenn wir wahrhaftig und aufrichtig sagen dürfen:
                    Das war nun ein Wort ewigen Lebens, das Große, Erstaunliche, Befreiende, das
                        <anchor type="note" xml:id="fn-e"/>da soeben<note type="textcritical" n="e" xml:id="ne" target="fn-e"> Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.</note>
                     mein Inwendigstes berührt und betroffen hat. Darüber komme ich nun
                    nicht mehr hinweg, das ist mir ein Teil, der beste Teil von mir selbst
                    geworden, das ist ewiges <pb ed="A" rend="hidden" n="14"/> Leben, was da in mir
                    erwacht ist. Es war nicht nur etwas Schönes, Gutes und Nützliches, wie es
                    uns auch sonst begegnet und zuteilwird, sondern es war <term type="Sachen" key="Ewigkeit">Ewigkeit</term>. Nicht etwas Gutes neben andern guten
                    Dingen, sondern <hi rend="italic">das</hi>
                    <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute">Gute</term>, hinter dem es etwas
                    Besseres nicht mehr gibt, nicht eine Wahrheit neben andern, sondern
                        <hi rend="italic">die</hi> Wahrheit, die letzte, oberste <term type="Sachen" key="Wahrheit, letzte">Wahrheit</term>. Wenn das in einem Menschen
                    aufleuchtet oder wenn einem Menschen Gott offenbar und gegenwärtig wird, das
                    sind Worte des ewigen Lebens.</p>
               
                <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p451" ed="pga"/> Solche Worte haben <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName> und
                    seine Freunde von Christus gehört; Christi ganzes Leben war ein großer,
                    schlichter Fingerzeig auf die <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Leben war Fingerzeig auf die Ewigkeit">Ewigkeit</term>. Die <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term>
                    haben ihn oft nicht verstanden, <hi rend="italic">ganz</hi> haben sie ihn erst
                    verstanden, als er nicht mehr bei ihnen war. Aber wenn sie ihn verstanden
                    haben, dann war’s ihnen wie den Kindern am Weihnachtsabend. Sie
                    standen im Dunkeln, aber da und dort sahen sie wie durch eine Spalte in der
                    Tür etwas von dem großen Licht, sie hörten Worte des ewigen <term type="Sachen" key="Ewiges Leben, Worte des E. W.">Lebens</term>, und
                    darum wollten sie bei Jesus bleiben. – |</p>
                <p>Wir denken uns ganz schlicht, wie es ihnen gegangen sein mag: Sie hörten ihn,
                    wie er das umständliche <term type="Sachen" key="Gesetz, alttestamentliches">Gesetz</term> des Alten Testamentes vereinfachte in das Gebot: Liebe
                    Gott und liebe den <term type="Sachen" key="Gebote, Doppelgebot der Liebe">Nächsten</term> [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.12.28 Mk.12.31">Mk. 12,28–31</ref> par.], und ihnen ging
                    es auf, dass das Gute da ist, wo ein Mensch in einfachem <term type="Sachen" key="Mensch, Gehorsam">Gehorsam</term> seinen Willen beugt unter das
                    unsichtbare <term type="Sachen" key="Gesetz, unsichtbares">Gesetz</term>.
                    Sie hörten ihn, wie er zu dem reichen Jüngling, der sein Jünger werden
                    wollte, sagte: Gehe zuvor hin und verkaufe, was du hast, und gib es den
                    Armen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.10.21">Mk. 10,21</ref> par.], und
                    sie verstanden, dass man nicht teilen kann zwischen den Interessen Gottes
                    und den Interessen der Welt, zwischen dem innern und äußern <term type="Sachen" key="Leben, inneres und äußeres">Leben</term>, sondern
                    dass in einem wertvollen Menschen Eines herrschen und das andre dienen muss.
                    Sie hörten ihn, wie er zu der großen Sünderin, die die Andern verurteilten,
                    einfach sagte: gehe hin und sündige hinfort nicht mehr [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.8.11">Joh. 8,11</ref>], und sie merkten: vor
                    Gott ist keiner zu schlecht, dass er nicht durch die einfache <term type="Sachen" key="Demut">demütige</term> Regung einer neuen Gesinnung
                    wieder gut und wertvoll werden kann. Sie hörten ihn, wie er zu dem <pb ed="A" rend="hidden" n="15"/> Lahmen in <placeName ref="kbga-places-862">Kapernaum</placeName> sagte: mein Sohn, deine Sünden sind dir
                    vergeben, und sie sahen, wie er ihn gesund machte [vgl.  
                    <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.2.5 Mk.2.11">Mk. 2,5.11</ref> par.]. Und da erkannten sie, dass da, wo Gott einen
                    Menschen frei gemacht hat vom <term type="Sachen" key="Böses / das Böse">Bösen</term> und frei zum <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute">Guten</term>, die äußere Not ein Ende hat, denn denen, die Gott lieben,
                    müssen alle Dinge zum Besten dienen [<ref type="can" subtype="bible" target="Röm.8.28">Röm. 8,28</ref>]. Sie haben ihn im Garten <placeName ref="kbga-places-864">Gethsemane</placeName> beten
                    hören: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe [<ref type="can" subtype="bible" target="Mk.14.36">Mk. 14,36</ref> par.], und wie sie das
                    später überdachten, da wurde ihnen das Geheimnis klar, dass der Weg zum
                        <term type="Sachen" key="Paradies">Paradiese</term> über <placeName ref="kbga-places-405">Golgatha</placeName> geht, der Weg zum <term type="Sachen" key="Leben, Weg zum L. durch das Sterben">Leben</term>
                    durchs Sterben des äußern Menschen.</p>
                <p>Und wenn sie seine Worte und Taten hörten und sahen, dann erwachte so oder so
                    immer lebendiger der Eindruck in ihnen: <hi rend="italic">Der</hi><note type="textcritical" n="f" xml:id="nf"> Im Mskr. mit blauem Stift nachträglich unterstrichen.</note>
                    <pb xml:id="p452" ed="pga"/> Mann ist innerlich gegründet und verankert im Grunde
                    der <term type="Sachen" key="Jesus Christus, verankert im Grund der Ewigkeit">Ewigkeit</term>.
                    Das, was wir da sahen und erlebten, das ist die Wahrheit inmitten des
                    Scheins, und das wäre unser Leben und unsre <term type="Sachen" key="Erlösung">Erlösung</term>, wenn wir gesinnt würden, wie er war.
                    Dieser überwältigende Eindruck, den sie von Jesu Art hatten, ist der Inhalt
                    des <term type="Sachen" key="Bekenntnisse, Petrus-Bekenntnis">Bekenntnisses</term>, das <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName> zuletzt aussprach: <hi rend="italic">Wir sind zum Glauben gekommen
                        und haben erkannt, dass du bist der Heilige <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Heiliger Gottes">Gottes</term></hi>.</p>
                <p>Und das ist nun das selbständige, bewusste, eigene Christentum, zu dem ihr,
                    meine jungen Freunde, berufen seid, wenn ihr aufrichtig das bekennen könnt:
                    wir sind zum <term type="Sachen" key="Glaube">Glauben</term> gekommen. Ihr
                    wisst, was das bedeuten soll: <hi rend="italic">nicht</hi>, dass ihr schon vollkommene
                    Menschen seid, das ist Petrus dort auch noch nicht gewesen, und das sind wir
                    Alle noch nicht; auch <hi rend="italic">nicht</hi>, dass ihr euch zu Ehren dieses
                    Tages zwingen sollt, eine Lehre über Gott und göttliche Dinge anzunehmen,
                    wohl aber, dass wie ein fernes großes Licht <hi rend="italic">der</hi> Eindruck in
                    euch, in euch selbst erwacht ist, dass <term type="Sachen" key="Gott, ist wo Jesus Christus ist">Gott</term> da ist, wo Jesus ist,
                    dass ein Menschenleben da wirklich und wertvoll wird, wo die Gemeinschaft
                    mit diesem Jesus da ist, das will sagen: ein kleiner Anfang von seinem
                    Vertrauen und von seinem Gehorsam. Wo Jesus und seine Art in einem Menschen
                    anfängt, da fängt Gott <pb ed="A" rend="hidden" n="16"/> an. Das ist der
                    christliche <term type="Sachen" key="Glaube, christlicher">Glaube</term>.
                    Das ist der rechte Eintritt ins <term type="Sachen" key="Konfirmation, Eintritt ins Leben">Leben</term>, ins selbständige,
                    schaffende, vorwärts drängende Leben, das köstlich und wertvoll sein wird,
                    wenn es Mühe und Arbeit [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.90.10">Ps. 90,10</ref>], wenn es <term type="Sachen" key="Gehorsam">Gehorsam</term> und <term type="Sachen" key="Liebe">Liebe</term> sein
                    wird, wie es das Leben Jesu gewesen ist. Wir begrüßen euch heute als
                    erwachsene Mitchristen, nicht als solche, die fertig sind, sondern als
                    solche, die anfangen, als Mitwanderer und Mitstreiter. Denn wir Alle sind
                    unterwegs, wir Alle stehen immer wieder vor dem Eintritt ins Leben. Wir
                    wissen und ihr wisst es auch, wie schwach und unvollkommen wir sind, aber
                    Christus ist da, durch den Gott uns stark und gerecht macht.</p>
                <p>Im Namen Christi, durch seine Stärke und Gerechtigkeit, wolle Gott euch den
                    Eintritt schenken ins <hi rend="italic">ewige</hi>
                    <term type="Sachen" key="Ewiges Leben">Leben</term>, heute und allezeit.</p>
                </div>  
                <div type="closer">
                        <salute>Amen.</salute>
                </div>
                <div type="songs">
                    <head>Lieder:</head>
                        <listBibl type="songs" rend="simple">
                
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-113">Nr. 235: «Ich weiß, woran ich glaube» von <persName ref="kbga-actors-871">E. M. Arndt</persName>, Strophen
                            1.2.5 (RG 278,1.2.5; EG 357,1.2.4 [mit Textabweichungen]).</bibl>
                        
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-71">
                            <pb xml:id="p453" ed="pga" rend="noPipe"/> Nr. 250: «Wenn ich ihn nur habe» von <persName ref="kbga-actors-1161">Fr. von Hardenberg</persName>, Strophen
                            1.2.4.</bibl>
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-22">Nr. 31: «Ach bleib mit deiner Gnade» von <persName ref="kbga-actors-1409">J. Stegmann</persName>, Strophen
                            1–3 (RG 342; EG 347 [jeweils mit Textabweichungen]).</bibl>
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-29">Nr. 185: «Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi», 2.Kor. 13,13 (RG
                            348).</bibl>
                    </listBibl>
                </div>
                <div>
                    <head>Lesungstext:</head>
                    <list type="simple">
                        <item> <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.13 Mt.7.29">Matthäus 7,13–29</ref>.</item>
                    </list>
                </div>

            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
