Predigt: Jakobus 1,13-18
Wir haben es heute mit einem schweren Text zu tun und mit einem schweren Gegenstand; und wir Alle müssen uns recht Mühe geben, damit wir ihn gut verstehen.
Es handelt sich, wie ihr gehört habt, um die Frage, ob denn die Versuchung zum Bösen
auch von Gott komme. Es scheint, dass diese Frage bei den ersten Christen öfters ist
verhandelt worden. Sie mussten sich gegen die Einrede verwahren: Wenn denn
Gott Alles in Allem ist [vgl.
Denn in der merkwürdigen Frage, die
So die weitverbreitete moderne Ansicht. Der Mensch ist eine hilflose, kleine Schraube, eingespannt in einen ungeheuren Mechanismus. Und ich wiederhole es: es ist sachlich gleichgiltig, ob man nun über diesen Mechanismus das Wort «Gott» schreibt oder das Wort «Natur», ob man also sagt: Gott versucht den Menschen zum Bösen, oder ob man sagt: die Natur macht ihn zu dem, was er ist. Die Meinung ist beide Mal dieselbe: Der Mensch kann nichts tun zu dem, was er ist. Es gibt keine Freiheit. Es gibt keine Verantwortlichkeit.
Ja, meine Freunde, das tönt nun vielleicht Alles immer noch recht philosophisch und abstrakt. Aber ich hoffe, ihr
habt doch mit mir die Erkenntnis, dass die Angelegenheit, um die es sich
handelt, ungemein praktisch ist. Es ist für die Gestaltung unsres Lebens
durchaus nicht gleichgiltig, ob wir uns so oder so entscheiden. Ein Knabe
aus unsrer deutschen Schule, den ich jüngst wegen schlechtem Betragen zur
Rede stellte, hat mir freundlich lächelnd geantwortet: Was wollen Sie? Ich
bin einmal so. Das ist meine Natur! Und wir brauchen nur einmal darauf zu
achten, wie oft wir uns selbst über dem Gedanken ertappen: Ich bin einmal
so! Das ist meine Natur! Wenn wir uns so freundlich lächelnd vor uns selbst
und den andern entschuldigen, so mag daran freilich die Theorie
Aber wir müssen nun der Sache gleich näher treten. Und weil die Sache uns Menschen von heutzutage weniger in der Form der Frage, ob Gott zum Bösen versuche, bekannt und dringlich ist, als in Form der Redensart und der Stimmung: Ich bin einmal so! Das ist meine Natur, so wollen wir zunächst von diesem letztern Punkt ausgehen, Ist jene Redensart giltig oder nicht? Ist das Böse an uns und das Gute eine Naturerscheinung wie Regenwetter und Sonnenschein, oder ist der Mensch in diesen Dingen frei und darum verantwortlich?
Wir können dazu gleich den schönen Gedanken ins Auge fassen, den
Sind sie Licht, um wieviel mehr Gott, der sie geschaffen.
Nein, in viel höherm Maße, meint Jakobus. Denn bei den Lichtern des Himmels
ist beständig Veränderung und Wechsel. Das Licht des Tages, die Sonne, und
das Licht der Nacht, der Mond [vgl.
Bleiben wir einmal bei dem Bilde von den Lichtern des Himmels stehen. Wenn
ich recht sehe, so ist darin eine Beziehung verborgen, die dem Jakobus noch
nicht bekannt sein konnte, weil sie dem Altertum überhaupt noch nicht bekannt war. Wie steht’s
denn nach den Anschauungen unsrer Astronomen mit der Veränderlichkeit dieser
Lichter? Offenbar liegen doch die Dinge so, dass bei all den Bewegungen der
Himmelskörper von einer
Veränderung dieser selbst nicht die Rede sein kann, sondern immer nur von
einer Veränderung der Ansicht, die wir davon haben. Die Sonne verändert sich nicht, wenn wir sagen, dass sie
auf- oder untergeht, wohl aber verändert sich unsre Ansicht davon. Der Mond
ist immer derselbe, ob wir ihn nun als Vollmond oder als Halbmond sehen oder
ob er uns sogar völlig unsichtbar wird. Der Komet, von dem man jetzt so viel
redet,4 war eben derselbe, auch als er noch einige
Millionen Kilometer weiter von unsrer Erde entfernt und folglich für uns
unsichtbar war. Es handelt sich also bei dem Wechsel, dem die Gestirne
anscheinend unterworfen |353 sind, tatsächlich nur um den
Wechsel der Anschauung, die wir Menschen auf der Oberfläche unsres kleinen
Gestirns von den Dingen haben. Und wenn somit die teilweise oder ganze
Dunkelheit, in die sich die Gestirne nach bestimmten
Gesetzen hüllen, eine Sache unsrer menschlichen Anschauung ist, die nichts
zu tun hat mit einer wirklichen Veränderung, so gilt dasselbe, wenn wir vom
Licht der Sonne, des Mondes,
der Sterne reden. Wir sehen sie als Lichter, weil wir gewohnt sind, sie
nicht anders wahrzunehmen als mittelst unsrer Augen. Aber dass wir sie in
dieser Weise wahrnehmen, das ändert nichts an ihrem Vorhandensein und an
ihrem Wesen.
Und nun brauchen wir bloß dies von Jakobus gebrauchte Bild von den Sternen in der vertieften Auffassung, die uns heute möglich ist, anzuwenden, so stehen wir mitten in der Frage drin, die uns heute beschäftigt, und vielleicht haben wir dann den wichtigsten Schlüssel zu ihrer Lösung in Händen. Ich meine das so: Wenn das wahr ist, dass die Veränderlichkeit der Gestirne in Wirklichkeit die Veränderlichkeit des Menschen ist, der sie beobachtet, so dürfen wir etwas Ähnliches annehmen von dem grenzenlosen Mechanismus der Naturwelt überhaupt, von dem ja die Sternenwelten nur ein für uns besonders eindrucksvoller Teil sind. Wenn uns gesagt wird, die Menschen seien bloße Schräubchen und Spulen in diesem Mechanismus der Natur, die ebenso willenlos hier zum Guten und dort zum Bösen bestimmt seien, so könnte es sein, dass es in Wirklichkeit mit diesem Guten oder Bösen, zu dem die Natur uns angeblichc zwingt, steht wie mit dem |354 Licht und dem Dunkel der Gestirne, dass es nämlich – nicht Sache der Anschauungsweise diesmal –, aber Sache der Willensentscheidung des Menschen ist. Es könnte so sein, sage ich, aber es könnte nicht nur, sondern es ist so. Was ist es denn mit diesem Mechanismus der Naturwelt, der angeblich gute und böse Menschen hervorbringen soll mit der gleichen Notwendigkeit, mit der er Schafe, Apfelbäume und Leoparden hervorbringt? Ja, ich bitte euch, wie kommen denn solche Dinge wie Gut und Böse überhaupt in diesen Mechanismus der Natur hinein? Für die Naturwissenschaft gibt es wohl Pflanzen und Tiere von tausend Arten und unter den Menschen Neger und Chinesen, Gesunde und Kranke, Krüppel und Normale. Aber eine naturwissenschaftliche Beschreibung des Guten und des Bösen gibt es nicht. Die besten Fernrohre und Mikroskope haben weder am Himmel noch auf Erden etwas dergleichen wahrgenommen. Wer von einem Menschen sagt, er sei von Natur gut oder von Natur böse, der steht auf der gleichen Stufe mit dem, der behaupten wollte, der Mond sei eine Sichel, weil er in der dritten Woche des Monats aussieht wie eine Sichel. Wer sauber und exakt denkt, der wird sagen müssen, dass weder das Gute noch das Böse der Natur an sich selber zuzuschreiben ist. Sondern wenn diese Dinge Wirklichkeit sind und nicht bloß eine Illusion, wie man auch schon gemeint hat,6 so müssen sie anderswoher kommen.
Aber nun könnte jemand einwenden, das sei wieder einmal Rabulistik und Philosophie, die die Dinge auf den Kopf stelle. Er würde uns z. B. entgegenhalten, dass es nachgewiesen sei, dass gewisse Menschen durch Trunksucht und andere Entartung ihrer Eltern und Voreltern zu Verbrechern geradezu prädestiniert seien, dass die Moralität des Menschen aufs Innigste zusammenhänge mit dem Klima, in dem er lebe, mit der Nahrung, die er genieße, mit der Umgebung, in der [er] aufgewachsen sei, kurzum mit Dingen, an denen sein Wille nichts ändern könne, weil sie naturgesetzlich so sein müssen, wie sie sind. |355 Und folglich stamme das Gute und das Böse eben doch aus der Natur. Gemach, lieber Freund, wenn du das zugibst, dass man von böser oder guter Natur so wenig reden kann wie von hölzernem Eisen, so brauchst du dir nur noch zu überlegen, was denn das sagen will, wenn wir von Gut und Böse reden, so wirst du vielleicht trotz jenen Beispielen meiner Ansicht sein, dass das Böse und das Gute anderswoher kommen als aus dem, was wir die Natur nennen. Es mag in weitgehendem Maß richtig sein, dass gewisse Menschen durch Vererbung einen natürlichen Hang zu allerlei Lastern bekommen haben oder z. B. durch das Klima, in dem sie leben, einen Hang zur Faulheit (wie die Italiener) oder durch viel Fleischnahrung ein hitziges und unbeständiges Wesen. Aber es hat doch seinen guten Grund, dass wir in solchen Fällen eine gewisse Scheu tragen, mit der Bezeichnung «böse» Menschen für die Betreffenden zur Hand zu sein. Ebenso wie wir zögern, einen andern, der durch gute und glückliche Umgebung und Lebensumstände nie in die Lage gekommen ist, Dinge zu tun, die man böse heißt, deshalb schon einen guten Menschen zu nennen. Offenbar liegt eben das Gute und das Böse tatsächlich in etwas Anderem als in dend Erscheinungen des menschlichen Lebens, die zum Naturgebiet gehören. Das Böse ist etwas Anderes als eine Krankheit unsrer Natur, und das Gute ist etwas Anderes als ihre Gesundheit. Freilich äußert sich das Böse sofort auch als Krankheit unsrer Natur, als Faulheit, als Liederlichkeit, als Unsittlichkeit, als Trunksucht, als Verbrechen, aber wenn wir diese Dinge böse nennen, so meinen wir damit doch etwas Anderes als die betreffenden äußern Lebenserscheinungen, die wir ja auch beim Tier wahrnehmen können. Böse ist die Gesinnung, die sie hervorbringt. Und wiederum muss sich das Gute äußern in guten Taten aller Art, als Arbeitsamkeit, als Ernst, als Gehorsam, als Selbstzucht, aber wenn wir alle diese Dinge gut nennen, so geschieht es doch nur insofern, als wir sie uns denken müssen als aus einer guten Gesinnung hervorgegangen.
Gut und Böse gibt es offenbar nicht auf dem Gebiet der Natur und der Naturerkenntnis, wohl aber auf dem Gebiet der Gesinnung und der Selbsterkenntnis. Und wie geht das zu, wenn wir da auf diese Dinge stoßen? Das geht so zu, dass wir anfangen, uns selbst zu be|356urteilen, d. h. nach dem Wert oder Unwert unsres Daseins und unsrer Handlungen uns zu fragen. Solange wir uns zu diesem Tun nicht aufgerafft haben, solange steht es freilich so um uns, dass wir an unserm eigenen Wesen und an dem der andern nichts wahrnehmen können als Natur. Das Sprüchlein: Ich bin einmal so! ist dann oberste Lebensregel. Solange sind wir tatsächlich nichts als Schräubchen an dem ungeheuren Mechanismus der Natur. Wir bemerken weder Gutes noch Böses an uns, sondern lauter Natur, d. h. aber, wir sind überhaupt noch nicht Menschen geworden, sondern wir sind noch Pflanzen oder Tiere. – |
Ein Mensch wird einer dann, wenn er lernt, zu sich selber sagen: halt!, ich bin etwas Besonderes; halt!, ich bin nicht bloß eine Spule in einer Maschine, die abläuft, solange der Faden währt. Mein Leben hat eine Aufgabe, mein Leben hat ein Ziel; und wenn er sich nun fragt: wie verhält sich mein Dasein, mein Denken, Handeln, Fühlen zu diesem Ziel? Wie stand es gestern, heute mit mir, wie wird’s morgen stehen? Und nun scheidet sich die gleichgiltige Masse unsres natürlichen Lebens in Gut und Böse durch die Entscheidung unsres Willens für oder gegen, so wie es von unsrer Anschauungsweise abhängt, ob die Himmelskörper über uns Licht sind oder Dunkel.
Sollte die Unterscheidung von Gut und Böse, die wir in der
sittlichen Selbstbesinnung vornehmen, eine Fiktion sein, ein
Phantasiegebilde ohne Wirklichkeit? Sollte die Entscheidung
zwischen Gut und Böse, die wir in der sittlichen
Selbstbestimmung vornehmen, eine Illusion sein, ein müßiges
Gedankenspiel? Es wäre freilich so, wenn nur der Natur und dem Naturerkennen
Wahrheit und Wirklichkeit zukäme, wenn der Mechanismus der Notwendigkeit,
von dem wir sprachen, das ganze Leben wäre.
Aber nun stehen die Dinge vielmehr so, dass das, was den Namen Leben
verdient, das, was den Menschen von der Pflanze und vom Tier unterscheidet,
da erst beginnt, wo der Mechanismus der Notwendigkeit mit seinen Gesetzen
aufhört. Durch die schmale Pforte der Selbstbesinnung und Selbstbestimmung
tritt der Mensch ein in das Reich der Freiheit, in dem andre Gesetze gelten als im Reich der
Natur.7 Bist du schon durch diese enge
Pforte |357 gegangen [vgl.
Und nun verhält es sich gerade so, dass das das Böse ist, wenn wir nachsichtig zu uns selbst sagen: ich bin einmal so, und es damit bewenden lassen. Das ist das Böse, wenn wir Naturwesen bleiben wollen, essen, trinken, schlafen, es gut haben, wie die Tiere und Pflanzen in ihrer Weise es auch tun. Die Natur an sich ist nicht böse, behüte, wir haben eben gesehen, warum nicht, wohl aber ist der Mensch böse, der einmal etwas Derartiges wie Selbstbesinnung und Selbstbestimmung angefangen hat und dann doch wieder vorzieht, ein unbewusstes Stück Natur zu bleiben.8 Den Seehund kann man nicht böse nennen, weil er seinen Lebenszweck darin sieht, Fische zu verzehren und an der Sonne zu liegen, und ebensowenig den Neapolitaner, der seine Tage und Jahre auf dieselbe Weise zubringt, denn beide wissen es nicht besser. Wohl aber sind wir zwei, du und ich, böse, wenn wir’s so machen, denn wir wissen es besser, uns ist’s gesagt: Sei ein Mensch und kein Naturwesene.
Und wie das zugeht, wenn wir das Böse tun, d. h., wenn wir es vorziehen, Naturwesen zu sein,
anstatt Menschen zu werden, wie das also in Wirklichkeit zugeht, wenn die
Versuchung über uns kommt,
das können wir nun einfach aus unserm Text
ablesen, besser könnte es gar nicht beschrieben werden. Jeder wird so
versucht, dass er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt
wird. Das bedeutet un|358missverständlich:
sowie du jene Selbstbesinnung und Selbstbestimmung vollzogen hast,
sowie dir das auch nur auf einen Augenblick klar geworden ist, dass du ein
Mensch bist und kein Naturwesen, sofort musst du dir auch eingestehen, wenn
du dir nicht irgend etwas Sentimentales vormachst, dass du an dem Bösen, das
du tust, selbst schuld bist und dass es keineswegs ein Stück deiner Natur
ist. Denn die Begierde, die dich reizt und lockt, das ist doch nichts
Anderes, als dass du Ja sagst zu deiner Natur, wo du Nein sagen solltest.
Z. B. Ja sagst zu der Trägheit, der Sinnlichkeit, dem Egoismus, die dem menschlichen Leib innewohnen. Wer wollte
deshalb dem menschlichen Leibe einen Vorwurf machen und ihn böse nennen
wegen dieser Eigenschaften? Aber dir ist ein Vorwurf zu machen, und du bist
böse zu nennen, wenn du nun selbst träge, sinnlich, egoistisch bist. Nicht
die Natur ist böse, aber deine Begierde nach der Natur, deine falsche,
nachgiebige Stellung zur Natur, die sind böse, und an diesem Bösen bist du selbst schuld.
Und weil du schuld bist an der Begierde, bist du schuld an alledem, was daraus folgt, wie das B
und das C auf das A folgt. Bist schuld an der
Sünde, die aus der Begierde kommt, d. h.
an der Untätigkeit, der Unreinheit, der Lieblosigkeit, die von da aus deinen
Charakter und dein ganzes Wesen ergreift und verdirbt, bist schuld endlich
am Todf
, der der
Sünde Sold und Ertrag ist [
Das ist die eine Lebensstraße, die du einschlagen kannst – aber du bist verantwortlich dafür, wenn du es tust.
Sage nicht: ich bin einmal so!, und wenn hundert und tausend zur Rechten und zur Linken sich damit das Leben leicht machen wollen. Es ist nicht wahr: du sollst anders sein. Wenn du noch nie davon gehört hast, so mach dir’s jetzt in dieser Stunde klar. Es kommt Alles darauf an, dass du mit der höchst einfachen Sache anfängst, dich zu besinnen und dich zu bestimmen.
359 Aber nun ist das nur die eine der Lebensstraßen, von denen ich sprach, die,
die von der Begierde durch die
Sünde in den Tod führt. Es gibt noch eine andre, und die führt
anderswohin. Die schlägst du dann ein, wenn du beginnst, zu deiner Natur
grundsätzlich Nein zu sagen. Nicht wie die katholischen Mönche und Nonnen,
die vor der Natur davonlaufen wollen durch allerlei willkürliche
Entsagungen. Da steckt wieder die Meinung dahinter, die Natur sei an sich
selbst böse, und der andre Irrtum, solch ein Davonlaufen vor der Natur
sei überhaupt möglich. Nicht doch! Aber so sollst du’s machen, wie
der heilige
Und nun steht’s auch mit diesem Willen, dem guten Willen, so, dass er frei ist und dass du folglich dafür verantwortlich bist, so zu wollen und nicht anders. Denn in der Natur gibt es einen solchen Willen nicht, oder ich wollte den Professor der Naturwissenschaft sehen, der ihn entdeckt hätte. Und weil es dergleichen in der Natur nicht gibt, gibt es auch kein Naturgesetz, das dich zwangsweise daran hindern könnte, dich zu entscheiden.
Und weiter:
Einige von euch wissen vielleicht, wie
Und ein Gott ist, beginnt die nächste Strophe. Wir stehen damit wieder an dem Punkt, von dem wir fragend ausgegangen sind. In der Tat: wo die freie Einfalt des guten Willens ist, da ist Gott. Solange wir bloß reflektieren, wie es in gewissen, angeblich religiösen Poesien geschieht, die Rosensträucher, die Sterne, die Meere, «der Mensch voll Geist, Verstand» müssten doch irgendwo herkommen,13 solange ist uns Gott ein hoher Name, eine sentimentale Überschrift über die Natur, die für unser Leben nicht den geringsten Sinn und Wert hat. Gott ist da, wo unzweideutig seine gute Gabe, seine vollkommene Spende ist, und es ist nichts, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, denn allein ein guter Wille.14 Das ist wahre christliche Gotteserkenntnis, wenn wir fortfahren:
Es ist merkwürdig, aber es ist kein Zufall, wie hier der
größte Dichter des deutschen Idealismus fast wörtlich zusammentrifft mit
Und nun das letzte merkwürdige Wort unsres Textes: Wir sollen eine Art
Erstlingsfrucht sein unter Gottes Geschöpfen. Das ist ein
Geheimniswort. Wir standen und stehen der Natur gegenüber als einem großen
Rätselwesen. Wir wissen von ihr nichts zu sagen, als dass sie das Ackerfeld
ist, auf dem wir zu arbeiten haben, weil nur der Arbeiter ein Mensch ist.
Wohl, wenn Gottes Wille unser
Lebensinhalt wird, dann, erst dann ahnen wir auch in der Natur
ihre Bestimmung. Wir |363 schauen jetzt in einem dunklen Spiegel, dereinst aber
von Angesicht zu Angesicht [
- Nr. 177: «Jehovah, Jehovah» von
G. K. Pfeffel (Strophe 1). - Nr. 235: «Ich weiß, woran ich glaube» von
E. M. Arndt , Strophen 1–3; 4–6 (RG 278; EG 357 [dort ohne Strophe 3]).
Römer 8 .