Predigt Nr. 7 · 3. Juni 1908

Markus 9,38-40

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Markus 9,38–40
Johannes sprach zu ihma: Meister, wir sahen Einen auf deinen Namen Dämonen austreiben, und wir wehrten es ihm, weil er uns nicht nachfolgt. Da antwortete Jesus: Wehret ihm nicht! Denn Keiner, der auf meinen Namen Wunder tut, wird so bald Übles von mir reden. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns.
Liebe Freunde!

Wir stehen vor Pfingsten. Noch wenige Tage, so wird von allen Kanzeln der Christenheit die Kundeb ertönen vom heiligen Geist, den Gott einst über die erste Gemeinde ausgegossen und der auch bei uns Einkehr halten will, vom Geist der Wahrheit, der uns froh und frei macht. – |

Es gibt viele Christen, die mit einer gewissen Wehmut diese Botschaft hören: «Ach ja damals! Wäre es doch heute wie einst! Wir leben in einer Zeit der geringen Dinge!» Und dann weisen sie uns hin auf die traurige Lage des Reiches Gottes, auf das Überhandnehmen des Unglaubens auch in der Kirche selbst, auf den Rückgang der Frömmigkeit und Rechtschaffenheit, auf die allgemeine Verwirrung der Gewissen.

Andre aber sind nicht beim Klagen stehen geblieben. Sie wollten und wollen das Kommen des Geistes erzwingen. Das sollst du tun, Christenheit, und Jenes lassen, predigen uns die Einen. Diese Humanitätsgedanken und jenes soziale System musst du auf den Schild erheben, wenn dir nicht Verkümmerung drohen, der Geist nicht von dir weichen soll! Und noch drastischer meinen wieder Andre, durch Nachahmung urchristlicher Erscheinungen eine Geistesausgießung |57 «machen» zu können. Dieses Land hat ja im vergangenen Jahr merkwürdige Beispiele davon erlebt.2

Liebe Freunde! Jene Wehmut, die im Grundec Mangel an Gottvertrauen ist, und dieser Geist des Zwingens, der Gott meistern will, sind nicht die Stimmungen, in denen wir Christen den Pfingsttagen entgegen gehen wollen. Es waren auch nicht die Stimmungen der ersten Christen, als sie auf den Geist warteten. War doch ihr Herz erfüllt von der großen, freudigen Gewissheit: Christus lebt, der Christus, der ihnen den Tröster verheißen hatte [vgl. Joh. 14,16]. Und sie wussten es nicht anders, als dass dieser verheißene Geist ein freies Geschenk der Gnade sei.

Und doch waren sie auf Pfingsten vorbereitet; wir lesen es in der Apostelgeschichte: sie waren stets beieinander einmütig mit Beten und Flehen [Act. 1,14].

Einmütig! Auch jene Männer und Frauen, die auf Pfingsten warteten, wussten von allerlei Verschiedenheiten der Art und Denkweise: neben den stürmisch-entschlossenen Zebedäussöhnen hatte der sich selbst so oft ungleiche Petrus, hatte der bedächtige Thomas seinen guten Platz. Aber sie waren einmütig im Glauben an den himmlischen Vater, dessen Güte sie vertrauten, einmütig in der Liebe zum Herrn Jesus, der sie den Vater schauen gelehrt, einmütig in der Hoffnung auf den Geist, der sie auch fernerhin in alle Wahrheit führen sollte [vgl. Joh. 16,13]. Und über diesem großen gemeinsamen Besitz lernten sie, |58 jeder seine Besonderheiten, wenn nicht zu überwinden, so doch zurückzustellen.

Von der

Einmütigkeit im Namen Jesud

wollen wir heute reden.

Menschliche Rechthaberei (I), aber auch echter frommer Eifer widerstehen dieser Einmütigkeit (II). Beide müssen zurücktreten vor Gott, der größer ist als wir (III). Im Geist der Einmütigkeit wollen wir Pfingsten feiern!

I

Meister, wir sahen Einen auf deinen Namen Dämonen austreiben, und wir wehrten es ihm, weil er nicht mit uns zog! Wir können uns denken, mit welch gerechter Entrüstung Johannes diese Nachricht Jesus brachte. Sie waren ja Zeugen gewesen der Taten des Herrn gerade an denen, die der Volksglaube besessen dachte. Unzählige dankten ihm ihre Befreiung vom Banne der finstern Krankheitsmächte. Land auf, Land ab erzählte man sich die wunderbaren Ereignisse. Und sie, die Jünger, hatten sie miterlebt im frohen Bewusstsein: wir sind seine besten Freunde, wir folgen ihm nach, wir haben ihn ganz verstanden! – Und nun dieser Fremde, der mit Anrufung des Namens Jesu Taten vollbrachte wie dieser, und zwar sichtlich nicht ohne Erfolg – das durfte nicht sein, das musste verhindert werden! Wir wissen nicht, wie es um die Gesinnung jenes Mannes stund3, ob seine Anrufung des Namens Jesu nur aus der abergläubischen Praxis der Ärzte jener Zeit stammte oder aus einem tiefern Gefühl von der Größe Jesu. Auch Johannes fragte nicht lange nach seiner Gesinnung. Er war aufgebracht, «weil er uns nicht nachfolgte». Uns! Denn wir sind doch die, die Jesus recht nachfolgen. Wer mit ihm zu tun haben will, der muss darum auch uns nachfolgen!

Liebe Freunde! Kennt ihr den Geist, der so redet? Seht hinaus in unsre Christenheit : wo wird nicht so geredet?, möchte man fragen! |59 «Weil er uns nicht nachfolgt», so hören wir es schallen vom Lenker des Schiffleins Petri bis hinunter zum Haupt der kleinsten Sekte. Hier eine Kirche und da eine Gemeinschaft, hier ein Bekenntnis und dort eine Verfassung, hier ein Priester und dort ein Prophet, und von allen Seiten tönt es vorwurfsvoll: Wir haben den Christenglauben, der immer, der überall, der von Allen geglaubt worden ist oder geglaubt werden sollte. Warum folgt ihr uns nicht nach?

Ja, steht es innerhalb unsrer evangelischen Kirche besser? Wohl sind die alten Haderquellen zwischen lutherisch und reformiert versiegt, aber dafür haben sich neue aufgetan, und wieder sind wir heute so weit, dass ein Teil dem Andern die Gemeinschaft des Glaubens aufkündigt:4 Ihr seid keine Christen, ihr folgt uns nicht nach, ihr bekennt nicht, was wir bekennen.

Und wie machen es endlich die Christen in ihrem persönlichen Leben ? Es ist dasselbe Bild, nur unendlich viel mannigfacher. Höre einmal zu, wie Einer über das Christentum des Andern redet, oder vielmehr: höre dir selbst einmal zu, wenn du das tust! Der ist mir zu altgläubig, dieser zu liberal, dieser zu pietistisch, jener zu weltlich, dieser zu hochkirchlich und jener zu persönlich! Ich anerkenne vielleicht, dass alle diese Leute ihre guten und tüchtigen Seiten haben – aber als Christen, nein gerade als Christen will ich mit ihnen nicht Hand in Hand gehen. Diese Stimmung ist in allen Schichten der christlichen Gesellschaft verbreitet!

Lieber Freund! Besinne dich ernstlich auf dich selbst, und du wirst dir sagen müssen: auch ich habe nur zu oft andre Christen missachtet oder doch krumm angesehen gerade wie dort der Jünger Johannes, nur weil sie nicht «mir nachfolgten», d. h. weil meine Art, Jesu zu dienen, nicht die ihre war, weil meine Anschauungen, mein Standpunkt und wie oft: meine Professoren, meine Propheten nicht ihre Anschauungen, ihr Standpunkt, ihre Professoren, ihre Propheten waren. Wir wollen uns vor dieser Selbstanklage nicht durch das schöne Wort «Toleranz» decken! Die es am meisten im Munde führen, die sogenannten «Weitherzigen», in deren Köpfen und Herzen und Bü|60chern und Zeitungen ein bisschen Rechtgläubigkeit, ein bisschen Aufklärungsphilosophie, ein bisschen Katholizismus und Aberglaube nebeneinander Platz haben gleich den Tieren in Noahs Arche [vgl. Gen. 6,19f.], sind oft in Wirklichkeit die, die am schnellsten bereit sind, über Andre herzufallen unter der Losung: Freiheit, die ich meine!5 Nein, dieser farblose Begriff allgemeiner Toleranz trägt zu sehr den Stempel der Studierstube, es fehlt ihm von Hause aus zu sehr an Klarheit und Grundsätzlichkeit, als dass er im Stande wäre, den alten Adam der Rechthaberei und Selbstbewunderung, den wir Alle in uns tragen, wirklich zu überwinden.

II

Die Lösung des Problems, das uns aus der Tatsache entsteht, dass es verschiedene Christen gibt, erfordert also eine höhere Einsicht.

Jesus aber sagte; Wehret es ihm nicht, denn Niemand kann ein Wunder tun auf meinen Namen und wird so leicht übel gegen mich reden.

Merkwürdig! Jesus vernimmt die Nachricht von dem fremden Geisterbeschwörer, der seinen Namen benutzt, aber er bleibt kühl: er will nicht, dass seine Jünger Jenen darin hindern, ja er fragt nicht einmal, wie es denn mit seiner Gesinnung stehe. Er vertraut einfach darauf: wer in meinem Namen Wunder tut, der wird schwerlich meinem Namen Unehre machen.

Wir haben von der einen Wurzel der christlichen Un-Einmütigkeit geredet: Sie liegt in der menschlichen Eigenwilligkeit, die nicht dulden will, dass Andre uns nicht nachfolgen. Jesus deckt in seiner Antwort die andre Wurzel auf, und diese geht tiefer: Die Jünger haben in dem Tun des Geisterbeschwörers eine Verunehrung, einen Missbrauch des Namens Jesu erblickt. Wir wollen das nicht übersehen! Wer einmal Gott erlebt hat, der wird zunächst immer alle andern möglichen Weisen, ihn zu erleben und anzubeten, als falsch, als Entweihung seines eigenen Heiligtums empfinden. Der Gedanke an Gott ist für ihn un|61zertrennlich von dem Gedanken an die besondere Offenbarung, die Gott gerade ihm hat zuteilwerden lassen. Wir beobachten das fast bei allen Menschen, in denen die Religion groß ist: Was sich im Oktober 1529 in den Mauern des Marburger Schlosses abgespielt hat,6 ist davon nur ein Zeugnis! Ja, und bei den sich befehdenden Kirchen und Gemeinden ist es im Grunde nicht anders: wo starke, lebendige Frömmigkeit herrscht, da ist auch immer ein Moment jenes heiligen Eifers um die Ehre Gottes darin, der so weit gehen kann, dass er den Andern am liebsten verwehren möchte, sich christlich zu nennen. Wir haben gesehen, wie stark menschlicher Richtgeist bei solchem Eifer beteiligt ist, aber verhehlen wir uns nicht, dass in seinem Gewand auch tiefer Ernst und Glaube auftritt: auch Jesus war nicht duldsam, als er im Eifer um die Ehre seines Vaters die Händler und Wechsler aus dem Tempel trieb [vgl. Lk. 19,45f.].

Haben wir ein Merkmal zur Unterscheidung jener unheiligen Rechthaberei und dieses heiligen Eifers? Jesus hat uns Anleitung gegeben, ein solches Merkmal zu finden: Niemand kann ein Wunder tun auf meinen Namen und wird so leicht übel gegen mich reden! Also: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen [Mt. 7,16]. Wo wir Taten der Liebe sehen, wo Menschen umgewandelt werden aus nichtsnutzigen zu rechtschaffenen Leuten, ja überall, wo ein Mensch freudig und ganz seine Pflicht tut im Aufblick zu unserm Meister, da dürfen wir glauben, dass sein Name nicht verunehrt wird. Von vornherein unmöglich wird diesem Wort Jesu gegenüber wirkliche Feindschaft unter Christen um verschiedener Art willen, aber auch jene vielverbreitete Weise, die im Andern den Menschen zu achten behauptet, dem Christen aber die Gemeinschaft versagt.

Wir müssen aber noch weiter gehen: Liegen denn jene Früchte, jene Wunder immer so offen da, dass wir nur hinzusehen brauchen, um urteilen zu können?! Ist es nicht vielmehr so, dass uns die besten Seiten des Nächsten, seine besten Früchte verborgen sind?

62 Wenn sich das aber so verhält, wollen wir uns da nicht das Wort geben, einander für christliche Brüder anzusehen und als solche zu behandeln, solange wir aus unserm Tun nicht das Gegenteil davon wissen? Könnten sich die Richtungen in unsrer Kirche nicht dazu verstehen, nebeneinander als gleichberechtigte Elemente des protestantischen Gedankens bemüht zu sein, jede ihr Bestes zu leisten, in ihrer Weise? Ja noch mehr: Allzu sehr betrachten wir den Riss, der seit 400 Jahren durch die Christenheit geht, als etwas Selbstverständliches; wir haben uns gewöhnt, ein mitleidiges Lächeln aufzusetzen, wenn je und je Männer auftreten, die helfen möchten, diesen Riss zu überbrücken, eine Gemeinschaft der Liebe und der Arbeit herzustellen zwischen Wittenberg und Rom.

Freilich: der Weg zur Einigung in den kirchlichen, innerkirchlichen und persönlich-christlichen Gegensätzen ist uns vielfach, vielleicht meistens dunkel. Wir können und können oft bei der Gegenseite trotz allem Guten, das wir ihr zuerkennen, nicht hinweg über unsre Überzeugung: hier wird der Name Jesu nicht geehrt, wie er sollte, sondern verunehrt, hier sind allerlei weltliche Motive an Stelle der Religion getreten, hier liegt mindestens eine Trübung und Entstellung des reinen Evangeliums vor. – Aber, meine Freunde, ist denn unser Urteil, selbst unser wohlabgewogenes, wie wir denken objektives, durch bloße Rechthaberei möglichst ungetrübtes Urteil, die letzte Instanz?

III

So führt uns unsre Frage über die Grenzen menschlichen Wollens und Erkennens von selbst hinaus.

Wer nicht wider uns ist, der ist für uns!, ruft Jesus seinen Jüngern zu. Heraus aus eurer wohlgemeinten, aber herzlich kurzsichtigen Ausschließlichkeit! Sehet die Liebe des Vaters, der in jenem Mann auch außer unserm Kreise sichtlich Großes verrichtet. Sein Tun kann nicht Feindschaft sein, drum getrost, auch er kämpft, ohne es selbst zu wissen, in unsern Reihen! Seht, liebe Freunde, so redet der Glaube, der die Welt überwindet [vgl. 1.Joh. 5,4], weil er auf Gott seine Hoffnung setzt. Ähnlich hat Paulus von Rom aus seinen Philippern geschrieben: «Was tut es? So oder so, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit. Wenn nur Christus verkündigt wird. Und darüber freue ich mich!» [Phil. 1,18].

63 Ja, wo der Glaube auf seinen Höhepunkten steht, da wird immer auch die Freiheit groß sein allen menschlichen Verschiedenheiten in Lehre und Sitte gegenüber, selbst wenn wir sie persönlich als Irrtümer beurteilen müssen. Wahrlich, diese Freiheit darf nicht Gleichgiltigkeit und Verflachung genannt werden, sie ist das Gegenteil davon; denn sie beruht nicht auf einem unbestimmten Glauben, sondern auf dem Glauben an den lebendigen Gott, dessen Wille nur das Gute ist, der aber seinen Geist nicht an eine Form gebunden hat. In dieses Vaters Haus sind viele Wohnungen [Joh. 14,2], und der Reichtum seines Willens, der sich seine Organe schafft, ist größer als unsre kleine Erkenntnis dessen, was gut und fromm und christlich ist!

Wer nicht wider uns ist, ist für uns!

Liebe Freunde! Wenn wir von der hohen Warte dieses Herrenwortes aus in die Fülle der Erscheinungen unsres heutigen Lebens hinausblicken, wenn wir unter diesem Zeichen in die Zukunft unsrer evangelischen Kirche sehen, nicht wahr, dann vergeht es uns von selbst, wehmütig oder drängend und zwängend auf den Geist der Pfingsten zu warten? Augen auf und Herzen auf zu Gott in Einmütigkeit ! Er ist auch da, wo wir ihn nicht zu sehen meinen, und seiner Propheten und Kinder sind mehr, als wir glauben wollen. Was sind unsre Kirchen und Gemeinschaften und Schulmeinungen vor ihm?

Das Haus mag zerfallen.
Was hat’s denn für Not?7

Nicht auf ein neues Pfingsten wollen wir warten, noch dem alten als etwas Vergangenem nachtrauern. Siehe, wenn wir glauben lernen wie Jesus, dann dürfen wir uns des Pfingstgeistes freuen, immer wieder freuen als des Gottes, in dem wir leben, weben und sind. Ja, er ist nicht ferne einem Jeglichen unter uns [vgl. Act. 17,27f.], darum lasst uns um Einmütigkeit beten und glauben für uns Alle, für unsre Kirche, für die Christenheit:

64 Du, Herr, hast selbst in Händen
Die ganze weite Welt,
Kannst Menschenherzen wenden,
Wie es dir wohlgefällt.
So gib doch deine Gnad’
Zu Fried- und Liebesbanden,
Verknüpf in allen Landen,
Was sich getrennet hat!8

So rühme sich keiner eines Menschen! Es ist Alles euer! Es sei Paulus, es sei Apollos, es sei Kephas – Alles ist euer, ihr aber seid Christi. Christus aber ist Gottes! [1.Kor. 3,22f.]

Amen!
Lied:
  • Nr. 163 (Hessisches Gesang-Buch9): «Zeuch ein zu deinen Toren» von P. Gerhardt, Strophe 1–4; 5–8 (RG 508,1–8; EG 133,1.2.5–8.10.11). 🎵

Textkritische Fußnoten

a
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
b
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
c
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.↩
d
Im Mskr. doppelt unterstrichen.↩

Sachfußnoten

1
Im Sommersemester 1908 besuchte Barth ein Homiletisches Seminar bei Ernst Christian Achelis (1838–1912; seit 1882 Prof. für Praktische Theologie in Marburg).↩
2
Auf Vermittlung des Hamburger Strandmissionars Emil Meyer (1869–1949) und des späteren Leiters der deutschen Pfingstbewegung, Jonathan Paul (1853–1931), waren 1906/07 zwei Zungenrednerinnen zuerst in Hamburg, später auch in Kassel aufgetreten. Zwar kam es schnell zu einem Ende der «zum Teil sehr stürmischen Kasseler Bewegung», doch hielten «die Kreise um Paul, der seit dem 15. Sept[ember] 1907 selbst in Zungen redete, auch sang», an der «Göttlichkeit der neuen Geistestaufen fest» (P. Fleisch, Art. «Pfingstbewegung«, in: RGG2 IV, Sp. 1153–1155, dort Sp. 1153 📖). Im Dezember 1907 schließlich warnte man auf einer «Konferenz in Barmen […], mit Zustimmung der Zungenleute, vor falschen Gaben und beschloß Schweigen in der Presse für ein Jahr. Nach dessen Ablauf begann mit einer Konferenz in Hamburg die eigentliche P[fingstbewegung], charakterisiert durch betonte Nüchternheit und eine gewisse Organisation» (ebd.).↩
3
Veraltet für: «stand».↩
4
Gemeint ist wohl der seit den 1870er Jahren schwelende «Apostolikumsstreit» um die Geltung der altkirchlichen Bekenntnisse in den deutschen Landeskirchen (vgl.H.-M. Barth, Art. «Apostolisches Glaubensbekenntnis II. Reformations- und Neuzeit», in: TRE 3, 1978, S. 554–566, dort S. 560–562) 📖.↩
5
Vgl. die erste Strophe des 1815 als Reflex auf die Befreiungskriege verfassten, millionenfach verbreiteten Gedichtes «Freiheit» von Max von Schenkendorf (ders., Gedichte, Stuttgart / Tübingen 1815, S. 72–75, dort S. 72) 📖:
Freiheit, die ich meine, / Die mein Herz erfüllt.
Komm mit deinem Scheine, / Süßes Engelbild.
↩
6
Vom 1.–4. Oktober 1529 trafen sich im Marburger Schloss auf Einladung des Landgrafen Philipp von Hessen (1504–1567) Luther, Zwingli, Melanchthon, Oekolampad und weitere führende Reformatoren zum Religionsgespräch.↩
7
Vgl. das zur Auflösung der Jenaer Urburschenschaft am 26. November 1819 gedichtete Lied «Wir hatten gebauet» von A. D. von Binzer (Allgemeines Deutsches Kommersbuch, hrsg. von Fr. Silcher / Fr. Erk, 55.–58. Auflage, Lahr o. J., S. 196 [Nr. 219]) 📖, dessen achte und letzte Strophe lautet:
Das Haus mag zerfallen – was hat’s dann für Not?
Der Geist lebt in uns allen, und unsre Burg ist Gott!
↩
8
Strophe 6 des Liedes «Zeuch ein zu deinen Toren» von P. Gerhardt (RG 508,6; EG 133,8) 🎵; s. unten, Lied.↩
9
Es handelt sich um das Evangelische Kirchengesangbuch für den Konsistorialbezirk Cassel 📖, das Barth auch im Winter 1908/09 bei seinen Predigten in Niedergrenzebach benutzte (s. unten, S. 127, Anm. 4, und S. 138, Anm. 9).↩