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      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-53">Predigten 1907–1910</title>
        <title type="formal">Predigt Nr. 7</title>
        <title type="content">Markus 9,38-40</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Markus 9,38-40, 3. Juni 1908</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/53009 (Stand: 25. August 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Predigten 1907–1910, hrsg. v. Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. I), Zürich 2018, S. .</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/53009</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Predigten 1907–1910</title>
          <title type="text">Predigt Nr. 7: Markus 9,38-40</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2018</date>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">9</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Predigt: Mk 9,38-40 (Hom. Sem.), 3. Juni 1908. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1449">KBA 985</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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        <date type="creation" when="1908-06-03">3. Juni 1908</date>
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        <language ident="ger">German</language>
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          <term>sermon</term>
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            <div type="sermon"> 
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                <div type="opener">
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                        <idno>7</idno>
                    </head>
                    <dateline> Homiletische Übungen, <placeName ref="kbga-places-41">
                            <hi rend="italic">Marburg</hi></placeName>, <date when="1908-06-03">3. Juni 1908</date><note xml:id="n01">Im
                            Sommersemester 1908 besuchte Barth ein Homiletisches Seminar bei
                            <persName ref="kbga-actors-1422">Ernst Christian Achelis</persName> (1838–1912; seit 1882 Prof. für
                            Praktische Theologie in Marburg).</note>
                    </dateline>
                    <epigraph>
                        <cit> <ref type="can" subtype="bible" target="Mk.9.38 Mk.9.40">Markus 9,38–40</ref>
                       
                            <quote>
                                <hi rend="text-recte">
                                    <persName ref="kbga-actors-1073">Johannes</persName> sprach zu ihm<note type="textcritical" n="a" xml:id="na"> Im Mskr. nachträglich mit Bleistift
                                            unterstrichen.</note>: Meister, wir sahen Einen auf deinen Namen Dämonen
                                    austreiben, und wir wehrten es ihm, weil er uns nicht
                                    nachfolgt. Da antwortete Jesus: Wehret ihm nicht! Denn
                                    Keiner, der auf meinen Namen Wunder tut, wird so bald Übles
                                    von mir reden. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns.</hi>
                            </quote>
                        </cit>
                    </epigraph>
                
                <salute>Liebe Freunde!</salute>
                </div>
                <div type="main">
                <p> Wir stehen vor <term type="Sachen" key="Pfingsten">Pfingsten</term>. Noch
                    wenige Tage, so wird von allen Kanzeln der Christenheit die Kunde<note type="textcritical" n="b" xml:id="nb"> Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.</note>
                     ertönen vom heiligen <term type="Sachen" key="Heiliger Geist">Geist</term>, den Gott einst über die erste Ge<pb ed="A" rend="hidden" n="2"/>meinde ausgegossen und der auch bei uns Einkehr halten will, vom
                    Geist der <term type="Sachen" key="Heiliger Geist, Geist der Wahrheit">Wahrheit</term>, der uns froh und frei macht. – |</p>
                <p>Es gibt viele Christen, die mit einer gewissen <hi rend="italic">Wehmut</hi> diese
                    Botschaft hören: «Ach ja damals! Wäre es doch heute wie einst! Wir leben in
                    einer Zeit der geringen Dinge!» Und dann weisen sie uns hin auf die traurige
                    Lage des Reiches <term type="Sachen" key="Reich Gottes">Gottes</term>, auf
                    das Überhandnehmen des <term type="Sachen" key="Unglaube, in der Kirche">Unglaubens</term> auch in der Kirche selbst, auf den Rückgang der
                    Frömmigkeit und Rechtschaffenheit, auf die allgemeine Verwirrung der <term type="Sachen" key="Gewissen, Verwirrung">Gewissen</term>.</p>
                <p>Andre aber sind nicht beim Klagen stehen geblieben. Sie wollten und wollen
                    das Kommen des Geistes <hi rend="italic">erzwingen</hi>. Das sollst du tun, <term type="Sachen" key="Christentum">Christenheit</term>, und Jenes lassen,
                    predigen uns die Einen. Diese <term type="Sachen" key="Humanität">Humanitätsgedanken</term> und jenes soziale System musst du auf den
                    Schild erheben, <pb ed="A" rend="hidden" n="3"/> wenn dir nicht Verkümmerung
                    drohen, der Geist nicht von dir weichen soll! Und noch drastischer meinen
                    wieder Andre, durch Nachahmung urchristlicher Erscheinungen eine <term type="Sachen" key="Heiliger Geist, Ausgießung">Geistesausgießung</term>
                    <pb xml:id="p057" ed="pga"/> «machen» zu können. Dieses <rs type="place" ref="kbga-places-189">Land</rs> hat ja im vergangenen Jahr
                    merkwürdige Beispiele davon erlebt.<note xml:id="n02">Auf
                        Vermittlung des Hamburger Strandmissionars <persName ref="kbga-actors-9143">Emil Meyer</persName> (1869–1949) und des späteren
                        Leiters der deutschen Pfingstbewegung, <persName ref="kbga-actors-9144">Jonathan Paul</persName> (1853–1931), waren 1906/07
                        zwei Zungenrednerinnen zuerst in <placeName ref="kbga-places-90">Hamburg</placeName>, später auch in <placeName ref="kbga-places-238">Kassel</placeName> aufgetreten. Zwar kam es schnell zu einem Ende der
                        «zum Teil sehr stürmischen Kasseler Bewegung», doch hielten «die Kreise
                        um Paul, der seit dem 15. Sept[ember] 1907 selbst in Zungen redete, auch
                        sang», an der «Göttlichkeit der neuen Geistestaufen fest» (<bibl corresp="kbga-bibls-2486">P. Fleisch, Art.
                        «Pfingstbewegung«, in: RGG<hi rend="sup">2</hi> IV,
                        Sp. 1153–1155, dort Sp. 1153</bibl>). Im Dezember 1907 schließlich
                        warnte man auf einer «Konferenz in <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName> […], mit
                        Zustimmung der Zungenleute, vor falschen Gaben und beschloß Schweigen in
                        der Presse für ein Jahr. Nach dessen Ablauf begann mit einer Konferenz
                        in Hamburg die eigentliche P[fingstbewegung], charakterisiert durch
                        betonte Nüchternheit und eine gewisse Organisation» (ebd.).</note>
                    </p>
                <p>Liebe Freunde! Jene Wehmut, die im Grunde<note type="textcritical" n="c" xml:id="nc"> Im Mskr. nachträglich mit Bleistift unterstrichen.</note>
                     Mangel an Gottvertrauen ist, und dieser Geist des Zwingens, der Gott
                    meistern will, sind nicht die Stimmungen, in denen wir Christen den <term type="Sachen" key="Pfingsten">Pfingsttagen</term> entgegen gehen wollen.
                    Es waren auch nicht die Stimmungen der <hi rend="italic">ersten <term type="Sachen" key="Christen, frühe">Christen</term></hi>, als sie auf den Geist
                    warteten. War doch ihr Herz erfüllt von der großen, freudigen Gewissheit:
                    Christus lebt, der Christus, der ihnen den <term type="Sachen" key="Heiliger Geist, Tröster">Tröster</term> verheißen hatte [vgl. 
                        <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.16">Joh. 14,16</ref>]. Und sie
                    wussten es nicht anders, als dass dieser verheißene <term type="Sachen" key="Heiliger Geist, freies Geschenk">Geist</term> ein freies Geschenk
                    der <term type="Sachen" key="Gnade, Gottes G.">Gnade</term> sei.</p>
                <p> <pb ed="A" rend="hidden" n="4"/> Und doch waren sie auf Pfingsten vorbereitet; wir
                    lesen es in der Apostelgeschichte: <hi rend="italic">sie waren stets beieinander
                        einmütig mit Beten und Flehen</hi> [<ref type="can" subtype="bible" target="Act.1.14">Act. 1,14</ref>].</p>
                <p>
                    <term type="Sachen" key="Einmütigkeit">Einmütig</term>! Auch jene Männer und
                    Frauen, die auf Pfingsten warteten, wussten von allerlei Verschiedenheiten
                    der Art und Denkweise: neben den stürmisch-entschlossenen <rs type="person" ref="kbga-actors-6559 kbga-actors-1073 kbga-actors-2294">Zebedäussöhnen</rs>
                    hatte der sich selbst so
                    oft ungleiche <persName ref="kbga-actors-1814">Petrus</persName>, hatte der
                    bedächtige <persName ref="kbga-actors-3001">Thomas</persName> seinen
                    guten Platz. Aber sie waren einmütig im Glauben an den himmlischen <term type="Sachen" key="Gott, Vater">Vater</term>, dessen <term type="Sachen" key="Gott, Güte">Güte</term> sie vertrauten, einmütig in der Liebe zum
                    Herrn <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Herr">Jesus</term>, der sie
                    den Vater schauen gelehrt, einmütig in der Hoffnung auf den <term type="Sachen" key="Heiliger Geist">Geist</term>, der sie auch fernerhin
                    in alle <term type="Sachen" key="Wahrheit">Wahrheit</term> führen sollte
                    [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Joh.16.13">Joh. 16,13</ref>]. Und
                    über diesem großen gemeinsamen Besitz lernten sie, <pb xml:id="p058" ed="pga"/>
                    jeder seine Besonderheiten, wenn nicht zu überwinden, so doch <pb ed="A" rend="hidden" n="5"/> zurückzustellen.</p>
                <p>Von der</p>
              
                    <q rend="block">
                        <lg>
                            <l>
                                <hi rend="italic">Einmütigkeit im Namen Jesu</hi><note type="textcritical" n="d" xml:id="nd"> Im Mskr. doppelt unterstrichen.</note>
                                </l>
                        </lg>
                    </q>
            
                    
                <p rend="noindent">wollen wir heute reden.</p>
                <p>Menschliche Rechthaberei (I), aber auch echter frommer Eifer widerstehen
                    dieser Einmütigkeit (II). Beide müssen zurücktreten vor Gott, der größer ist
                    als wir (III). Im Geist der <term type="Sachen" key="Einmütigkeit">Einmütigkeit</term> wollen wir <term type="Sachen" key="Pfingsten">Pfingsten</term> feiern!</p>
                <div>
                    <head>I</head>
                    <p rend="noindent">
                            <hi rend="italic">Meister, wir sahen Einen auf deinen Namen Dämonen
                            austreiben, und wir wehrten es ihm, weil er nicht mit uns
                            zog!</hi> Wir können uns denken, mit welch gerechter Entrüstung
                            <persName ref="kbga-actors-1073">Johannes</persName> diese
                        Nachricht Jesus brachte. Sie waren ja Zeugen gewesen der Taten des Herrn
                        gerade an denen, die der Volksglaube besessen dachte. Unzählige dankten
                        ihm <pb ed="A" rend="hidden" n="6"/> ihre Befreiung vom Banne der finstern
                        Krankheitsmächte. Land auf, Land ab erzählte man sich die wunderbaren
                        Ereignisse. Und sie, die <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term>,
                        hatten sie miterlebt im frohen Bewusstsein: <hi rend="italic">wir</hi> sind seine
                        besten Freunde, <hi rend="italic">wir</hi> folgen ihm nach, <hi rend="italic">wir</hi> haben
                        ihn ganz verstanden! – Und nun dieser Fremde, der mit Anrufung
                        des Namens Jesu Taten vollbrachte wie dieser, und zwar sichtlich nicht
                        ohne Erfolg – das durfte nicht sein, das musste verhindert
                        werden! Wir wissen nicht, wie es um die Gesinnung jenes Mannes
                            stund<note xml:id="n03">Veraltet für: «stand».</note>, ob
                        seine Anrufung des Namens Jesu nur aus der abergläubischen Praxis der
                        Ärzte jener Zeit stammte oder aus einem tiefern Gefühl von der Größe
                        Jesu. Auch Johannes fragte nicht lange nach seiner Gesinnung. Er war
                        aufgebracht, «<hi rend="italic">weil er uns nicht <term type="Sachen" key="Nachfolge">nachfolgte</term></hi>». <hi rend="italic">Uns!</hi>
                        Denn <hi rend="italic">wir</hi> sind doch die, die <pb ed="A" rend="hidden" n="7"/> Jesus recht nachfolgen. Wer mit ihm zu tun haben will, der muss darum
                        auch <hi rend="italic">uns</hi> nachfolgen!</p>
                    <p>Liebe Freunde! Kennt ihr den Geist, der so redet? Seht hinaus in unsre
                            <term type="Sachen" key="Christentum, zeitgenössisches">
                                <hi rend="italic">Christenheit</hi></term>
                            <hi rend="italic">:</hi> wo wird
                            <hi rend="italic">nicht</hi> so geredet?, möchte man fragen! <pb xml:id="p059" ed="pga"/> «Weil er <hi rend="italic">uns</hi> nicht nachfolgt», so hören wir
                        es schallen vom <term type="Sachen" key="Papst">Lenker</term> des
                        Schiffleins <term type="Sachen" key="Kirche, römisch-katholische">Petri</term> bis hinunter zum Haupt der kleinsten <term type="Sachen" key="Sekten">Sekte</term>. Hier eine Kirche und da
                        eine Gemeinschaft, hier ein Bekenntnis und dort eine Verfassung, hier
                        ein Priester und dort ein Prophet, und von allen Seiten tönt es
                        vorwurfsvoll: <hi rend="italic">Wir</hi> haben den <term type="Sachen" key="Glaube, christlicher">Christenglauben</term>, der immer, der
                        überall, der von Allen geglaubt worden ist oder geglaubt werden sollte.
                        Warum folgt ihr <hi rend="italic">uns</hi> nicht nach?</p>
                    <p>Ja, steht es innerhalb unsrer evangelischen <term type="Sachen" key="Kirche, evangelische">
                                <hi rend="italic">Kirche</hi></term> besser? Wohl
                        sind die alten Haderquellen zwischen <term type="Sachen" key="Lutheraner / Luthertum">lutherisch</term> und <pb ed="A" rend="hidden" n="8"/>
                        <term type="Sachen" key="Reformierte / Reformiertentum">reformiert</term> versiegt, aber dafür haben sich neue aufgetan,
                        und wieder sind wir heute so weit, dass ein Teil dem Andern die
                        Gemeinschaft des Glaubens aufkündigt:<note xml:id="n04">Gemeint ist wohl der seit den 1870er Jahren schwelende <term type="Sachen" key="Apostolikumsstreit">«Apostolikumsstreit»</term> um die Geltung der altkirchlichen
                            Bekenntnisse in den deutschen Landeskirchen (vgl.<bibl corresp="kbga-bibls-940">
                                     H.-M. Barth, Art.
                            «Apostolisches Glaubensbekenntnis II. Reformations- und Neuzeit»,
                            in: TRE 3, 1978, S. 554–566, dort S. 560–562)</bibl>.</note>
                        Ihr seid keine Christen, ihr folgt <hi rend="italic">uns</hi> nicht nach, ihr
                        bekennt nicht, was <hi rend="italic">wir</hi> bekennen.</p>
                    <p>Und wie machen es endlich die Christen in ihrem <hi rend="italic">persönlichen <term type="Sachen" key="Leben, persönliches">Leben</term></hi>
                            <hi rend="italic">?</hi> Es ist dasselbe Bild, nur
                        unendlich viel mannigfacher. Höre einmal zu, wie Einer über das <term type="Sachen" key="Christentum">Christentum</term> des Andern redet,
                        oder vielmehr: höre dir selbst einmal zu, wenn du das tust! Der ist mir
                        zu altgläubig, dieser zu liberal, dieser zu pietistisch, jener zu
                        weltlich, dieser zu hochkirchlich und jener zu persönlich! Ich anerkenne
                        vielleicht, dass alle diese <term type="Sachen" key="Christentum, Richtungen">Leute</term> ihre guten und tüchtigen
                        Seiten haben – aber als Christen, nein gerade als Christen will
                        ich mit ihnen nicht Hand in Hand gehen. Diese Stimmung ist in
                            <hi rend="italic">allen</hi> Schichten der christlichen <term type="Sachen" key="Gesellschaft, christliche">Gesellschaft</term> verbreitet!</p>
                    <p> <pb ed="A" rend="hidden" n="9"/>Lieber Freund! Besinne dich ernstlich auf
                        dich selbst, und du wirst dir sagen müssen: auch ich habe nur zu oft
                        andre Christen missachtet oder doch krumm angesehen gerade wie dort der
                        Jünger <persName ref="kbga-actors-1073">Johannes</persName>,
                        nur weil sie nicht «mir nachfolgten», d. h. weil meine Art, Jesu zu
                        dienen, nicht die ihre war, weil <hi rend="italic">meine</hi> Anschauungen,
                            <hi rend="italic">mein</hi> Standpunkt und wie oft: <hi rend="italic">meine</hi>
                        Professoren, <hi rend="italic">meine</hi> Propheten nicht <hi rend="italic">ihre</hi>
                        Anschauungen, <hi rend="italic">ihr</hi> Standpunkt, <hi rend="italic">ihre</hi>
                        Professoren, <hi rend="italic">ihre</hi> Propheten waren. Wir wollen uns vor
                        dieser Selbstanklage nicht durch das schöne Wort <term type="Sachen" key="Toleranz">«<hi rend="italic">Toleranz</hi>»</term> decken! Die es am
                        meisten im Munde führen, die sogenannten «Weitherzigen», in deren Köpfen
                        und Herzen und Bü<pb xml:id="p060" ed="pga" break="no"/>chern und Zeitungen ein bisschen
                            <term type="Sachen" key="Rechtgläubigkeit">Rechtgläubigkeit</term>,
                        ein bisschen <term type="Sachen" key="Philosophie, Aufklärungsphilosophie">Aufklärungsphilosophie</term>, ein bisschen <term type="Sachen" key="Katholizismus">Katholizismus</term> und <term type="Sachen" key="Aberglaube">Aberglaube</term> nebeneinander Platz haben gleich
                        den Tieren in <persName ref="kbga-actors-2233">Noahs</persName> Arche [vgl.
                        <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.6.19 Gen.6.20">Gen. 6,19f.</ref>], sind
                        oft in Wirklichkeit die, die am schnellsten bereit <pb ed="A" rend="hidden" n="10"/> sind, über Andre herzufallen unter der Losung: Freiheit, die
                            <hi rend="italic">ich</hi> meine!<note xml:id="n05">Vgl. die erste
                            Strophe des 1815 als Reflex auf die Befreiungskriege verfassten,
                            millionenfach verbreiteten Gedichtes <bibl corresp="kbga-bibls-2487">«Freiheit» von <persName ref="kbga-actors-2107">Max von Schenkendorf</persName>
                            (ders., <hi rend="italic">Gedichte</hi>, Stuttgart / Tübingen 1815,
                            S. 72–75, dort S. 72)</bibl>: 
                            <q rend="block">
                            <lg>
                            <l>Freiheit, die ich meine, / Die mein Herz erfüllt.</l> 
                            <l>Komm mit deinem Scheine, / Süßes Engelbild.</l>
                                    </lg>
                                </q>
                            </note>
                             Nein, dieser farblose Begriff allgemeiner <term type="Sachen" key="Toleranz, farblose allgemeine">Toleranz</term>
                        trägt zu sehr den Stempel der Studierstube, es fehlt ihm von Hause aus
                        zu sehr an Klarheit und Grundsätzlichkeit, als dass er im Stande wäre,
                        den alten Adam der Rechthaberei und Selbstbewunderung, den wir Alle in
                        uns tragen, wirklich zu überwinden.</p>
                </div>
                <div>
                    <head>II</head>
                    <p rend="noindent">Die Lösung des Problems, das uns aus der Tatsache
                        entsteht, dass es verschiedene <term type="Sachen" key="Christentum, Richtungen">Christen</term> gibt, erfordert also
                        eine höhere Einsicht.</p>
                    <p>
                            <hi rend="italic">Jesus aber sagte; Wehret es ihm nicht, denn Niemand kann ein Wunder
                            tun auf meinen Namen und wird so leicht übel gegen mich
                            reden.</hi>
                        </p>
                    <p>Merkwürdig! Jesus vernimmt die Nachricht von dem fremden
                        Geisterbeschwörer, der <pb ed="A" rend="hidden" n="11"/> seinen Namen benutzt,
                        aber er bleibt kühl: er will nicht, dass seine <term type="Sachen" key="Jünger">Jünger</term> Jenen darin hindern, ja er fragt nicht
                        einmal, wie es denn mit seiner Gesinnung stehe. Er vertraut einfach
                        darauf: wer in meinem Namen Wunder tut, <hi rend="italic">der wird schwerlich meinem
                            Namen Unehre machen</hi>.</p>
                    <p>Wir haben von der einen Wurzel der christlichen Un-Einmütigkeit geredet:
                        Sie liegt in der menschlichen Eigenwilligkeit, die nicht dulden will,
                        dass Andre <hi rend="italic">uns</hi> nicht nachfolgen. Jesus deckt in seiner
                        Antwort die andre Wurzel auf, und diese geht tiefer: Die Jünger haben in
                        dem Tun des Geisterbeschwörers eine Verunehrung, einen Missbrauch des
                        Namens <term type="Sachen" key="Jesus Christus, Missbrauch seines Namens">Jesu</term> erblickt.
                        Wir wollen das nicht übersehen! Wer einmal Gott erlebt hat, der wird
                        zunächst immer alle andern möglichen Weisen, ihn zu erleben und
                        anzubeten, als falsch, als Entweihung seines eigenen <pb ed="A" rend="hidden" n="12"/> Heiligtums empfinden. Der Gedanke an Gott ist für ihn un<pb xml:id="p061" ed="pga" break="no"/>zertrennlich von dem Gedanken an die besondere
                            <term type="Sachen" key="Offenbarung, besondere persönliche">Offenbarung</term>, die Gott gerade ihm hat zuteilwerden lassen.
                        Wir beobachten das fast bei allen Menschen, in denen die <term type="Sachen" key="Religion">Religion</term> groß ist: Was sich im
                        Oktober 1529 in den Mauern des <placeName ref="kbga-places-1000">Marburger Schlosses</placeName> abgespielt hat,<note xml:id="n06">Vom 1.–4. Oktober 1529 trafen sich im Marburger Schloss auf Einladung
                            des Landgrafen <persName ref="kbga-actors-319">Philipp von Hessen</persName> (1504–1567) <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, <persName ref="kbga-actors-443">Zwingli</persName>, <persName ref="kbga-actors-272">Melanchthon</persName>,
                                <persName ref="kbga-actors-711">Oekolampad</persName> und weitere führende Reformatoren zum <term type="Sachen" key="Marburger Religionsgespräch">Religionsgespräch</term>.</note> ist davon nur <hi rend="italic">ein</hi>
                        Zeugnis! Ja, und bei den sich befehdenden Kirchen und Gemeinden ist es
                        im Grunde nicht anders: wo starke, lebendige <term type="Sachen" key="Frömmigkeit">Frömmigkeit</term> herrscht, da ist auch immer ein
                        Moment jenes heiligen <term type="Sachen" key="Eifer, heiliger">Eifers</term> um die Ehre <term type="Sachen" key="Ehre Gottes">Gottes</term> darin, der so weit gehen kann, dass er den Andern am
                        liebsten verwehren möchte, sich christlich zu nennen. Wir haben gesehen,
                        wie stark menschlicher <term type="Sachen" key="Mensch, Richtgeist">Richtgeist</term> bei solchem <term type="Sachen" key="Eifer">Eifer</term> beteiligt ist, aber verhehlen wir uns nicht, dass in
                        seinem Gewand auch tiefer Ernst und <term type="Sachen" key="Glaube">Glaube</term> auftritt: auch Jesus war nicht duldsam, als er im
                        Eifer um die Ehre seines <pb ed="A" rend="hidden" n="13"/> <term type="Sachen" key="Ehre Gottes">Vaters</term> die Händler und Wechsler aus dem
                        Tempel trieb [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.19.45 Lk.19.46">Lk. 19,45f.</ref>].</p>
                    <p>Haben wir ein <hi rend="italic">Merkmal zur Unterscheidung</hi> jener unheiligen
                        Rechthaberei und dieses heiligen <term type="Sachen" key="Eifer, heiliger">Eifers</term>? Jesus hat uns Anleitung
                        gegeben, ein solches Merkmal zu finden: <hi rend="italic">Niemand kann ein Wunder
                            tun auf meinen Namen</hi> und wird so leicht übel gegen mich
                        reden! Also: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen [<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.16">Mt. 7,16</ref>]. Wo wir Taten der
                            <term type="Sachen" key="Liebe, Taten der L.">Liebe</term> sehen, wo
                        Menschen umgewandelt werden aus nichtsnutzigen zu rechtschaffenen
                        Leuten, ja überall, wo ein Mensch freudig und ganz seine Pflicht tut im
                        Aufblick zu unserm <term type="Sachen" key="Jesus Christus, unser Meister">Meister</term>, da dürfen wir
                        glauben, dass sein Name nicht verunehrt wird. Von vornherein unmöglich
                        wird diesem Wort Jesu gegenüber wirkliche Feindschaft unter <term type="Sachen" key="Christen, Feindschaft untereinander">Christen</term> um verschiedener Art willen, aber auch jene
                        vielverbreitete Weise, die im Andern den Menschen zu achten behauptet,
                        dem Christen aber die Gemeinschaft versagt.</p>
                    <p> <pb ed="A" rend="hidden" n="14"/> Wir müssen aber noch weiter gehen: Liegen
                        denn jene Früchte, jene Wunder immer so offen da, dass wir nur
                        hinzusehen brauchen, um urteilen zu können?! Ist es nicht vielmehr so,
                        dass uns die besten Seiten des Nächsten, seine besten Früchte
                            <hi rend="italic">verborgen</hi> sind?</p>
                    
                    <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p062" ed="pga"/> Wenn sich das aber so verhält, wollen wir uns da nicht das Wort geben,
                        einander für <hi rend="italic">christliche Brüder</hi> anzusehen und als solche zu
                        behandeln, solange wir aus unserm Tun nicht das Gegenteil davon wissen?
                        Könnten sich die Richtungen in unsrer <term type="Sachen" key="Kirche, evangelische">
                                <hi rend="italic">Kirche</hi></term> nicht dazu
                        verstehen, nebeneinander als gleichberechtigte Elemente des
                        protestantischen Gedankens bemüht zu sein, jede ihr Bestes zu leisten,
                        in ihrer Weise? Ja noch mehr: Allzu sehr betrachten wir den Riss, der
                        seit 400 Jahren durch die <term type="Sachen" key="Christentum, Spaltung">
                                <hi rend="italic">Christenheit</hi></term> geht,
                        als etwas Selbstverständliches; wir haben uns gewöhnt, <pb ed="A" rend="hidden" n="15"/> ein mitleidiges Lächeln aufzusetzen, wenn je
                        und je Männer auftreten, die helfen möchten, diesen Riss zu überbrücken,
                        eine Gemeinschaft der Liebe und der <term type="Sachen" key="Christentum, Gemeinschaft der christlichen Kirchen">Arbeit</term> herzustellen zwischen <term type="Sachen" key="Protestanten / Protestantismus">Wittenberg</term> und <term type="Sachen" key="Katholizismus">Rom</term>.</p>
                    <p>Freilich: der <hi rend="italic">Weg</hi> zur Einigung in den kirchlichen,
                        innerkirchlichen und persönlich-christlichen <term type="Sachen" key="Christentum, Einigung in den Gegensätzen">Gegensätzen</term>
                        ist uns vielfach, vielleicht meistens dunkel. Wir können und können oft
                        bei der Gegenseite trotz allem Guten, das wir ihr zuerkennen, nicht
                        hinweg über unsre Überzeugung: hier wird der Name Jesu nicht geehrt, wie
                        er sollte, sondern verunehrt, hier sind allerlei weltliche Motive an
                        Stelle der <term type="Sachen" key="Religion">Religion</term> getreten,
                        hier liegt mindestens eine Trübung und Entstellung des reinen <term type="Sachen" key="Evangelium">Evangeliums</term> vor. –
                        Aber, meine Freunde, ist denn unser Urteil, selbst unser
                        wohlabgewogenes, wie wir denken objektives, durch bloße Rechthaberei
                        möglichst ungetrübtes <pb ed="A" rend="hidden" n="16"/> Urteil, die letzte
                        Instanz?</p>
                </div>
                <div>
                    <head>III</head>
                    <p rend="noindent">So führt uns unsre Frage über die Grenzen menschlichen
                        Wollens und <term type="Sachen" key="Mensch, Grenze des Erkennens">Erkennens</term> von selbst hinaus.</p>
                    <p>
                            <hi rend="italic">Wer nicht wider uns ist, der ist für uns!</hi>, ruft Jesus seinen
                            <term type="Sachen" key="Jünger">Jüngern</term> zu. Heraus aus eurer
                        wohlgemeinten, aber herzlich kurzsichtigen Ausschließlichkeit! Sehet die
                            <term type="Sachen" key="Gott, Liebe">Liebe</term> des <term type="Sachen" key="Gott, Vater">Vaters</term>, der in jenem Mann
                        auch außer unserm Kreise sichtlich Großes verrichtet. Sein Tun kann
                        nicht Feindschaft sein, drum getrost, auch er kämpft, ohne es selbst zu
                        wissen, in unsern Reihen! Seht, liebe Freunde, so redet der <term type="Sachen" key="Glaube, überwindet die Welt">
                                <hi rend="italic">Glaube</hi></term>, der die <term type="Sachen" key="Welt">Welt</term> überwindet [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Joh.5.4">1.Joh. 5,4</ref>], weil er auf Gott seine Hoffnung setzt.
                        Ähnlich hat <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName> von
                            <placeName ref="kbga-places-53">Rom</placeName> aus seinen Philippern
                        geschrieben: «Was tut es? So oder so, es geschehe zum Vorwand oder in
                        Wahrheit. <pb ed="A" rend="hidden" n="17"/> Wenn nur Christus verkündigt wird.
                        Und darüber freue ich mich!» [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.1.18">Phil. 1,18</ref>].</p>
                    
                    <p> <pb rend="noPipe" xml:id="p063" ed="pga"/> Ja, wo der <hi rend="italic">Glaube</hi> auf seinen Höhepunkten steht, da wird
                        immer auch die <term type="Sachen" key="Freiheit">
                                <hi rend="italic">Freiheit</hi></term> groß sein allen menschlichen
                        Verschiedenheiten in Lehre und Sitte gegenüber, selbst wenn wir sie
                        persönlich als Irrtümer beurteilen müssen. Wahrlich, diese Freiheit darf
                        nicht <term type="Sachen" key="Gleichgültigkeit">Gleichgiltigkeit</term>
                        und Verflachung genannt werden, sie ist das Gegenteil davon; denn sie
                        beruht nicht auf einem <hi rend="italic">unbestimmten</hi> Glauben, sondern auf
                        dem <term type="Sachen" key="Glaube">Glauben</term> an den
                            <hi rend="italic">lebendigen <term type="Sachen" key="Gott, lebendiger">Gott</term></hi>, dessen <term type="Sachen" key="Wille Gottes">Wille</term> nur das <term type="Sachen" key="Gutes / das Gute">
                                <hi rend="italic">Gute</hi></term> ist, der aber seinen
                            <term type="Sachen" key="Gott, Geist Gottes">Geist</term> nicht an
                            <hi rend="italic">eine</hi> Form gebunden hat. In dieses Vaters Haus sind
                            <hi rend="italic">viele</hi> Wohnungen [<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.2">Joh. 14,2</ref>], und der Reichtum seines Willens, der
                        sich seine Organe <hi rend="italic">schafft</hi>, ist größer als unsre kleine
                        Erkenntnis dessen, was gut und fromm und christlich ist!</p>
                    <p>Wer nicht wider uns ist, ist für uns!</p>
                    <p> <pb ed="A" rend="hidden" n="18"/> Liebe Freunde! Wenn wir von der hohen Warte
                        dieses Herrenwortes aus in die Fülle der Erscheinungen unsres heutigen
                        Lebens hinausblicken, wenn wir unter diesem Zeichen in die Zukunft
                        unsrer evangelischen <term type="Sachen" key="Kirche, evangelische">Kirche</term> sehen, nicht wahr, dann vergeht es uns von selbst,
                        wehmütig oder drängend und zwängend auf den Geist der <term type="Sachen" key="Pfingsten, Geist der Pf.">Pfingsten</term> zu
                        warten? Augen auf und Herzen auf zu Gott in <term type="Sachen" key="Einmütigkeit">
                                <hi rend="italic">Einmütigkeit</hi></term>
                            <hi rend="italic">!</hi> Er
                        ist auch da, wo wir ihn nicht zu sehen meinen, und seiner Propheten und
                        Kinder sind mehr, als wir glauben wollen. Was sind unsre Kirchen und
                        Gemeinschaften und Schulmeinungen vor ihm?</p>
                
                        <q rend="block">
                            <lg>
                                <l>Das Haus mag zerfallen.</l>
                                <l>Was hat’s denn für Not?<note xml:id="n07">Vgl. das zur Auflösung der Jenaer Urburschenschaft am
                                        26. November 1819 gedichtete <bibl corresp="kbga-bibls-2488">Lied «Wir hatten gebauet»
                                        von <persName ref="kbga-actors-3658">A. D. von Binzer</persName>
                                            (<hi rend="italic">Allgemeines Deutsches Kommersbuch</hi>,
                                        hrsg. von Fr. Silcher / Fr. Erk, 55.–58. Auflage,
                                        Lahr o. J., S. 196 [Nr. 219])</bibl>, dessen achte und letzte
                                        Strophe lautet: 
                                            <q rend="block">
                                              <lg>
                                                <l>Das Haus mag zerfallen – was hat’s dann für Not?</l>
                                              <l>Der Geist lebt in uns allen, und unsre Burg ist Gott!</l>
                                            </lg>
                                        </q>
                                    </note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
                
                    <p rend="noindent">Nicht auf ein neues Pfingsten wollen wir warten, noch dem
                        alten als etwas Vergangenem nachtrauern. Siehe, wenn <pb ed="A" rend="hidden" n="19"/> wir <hi rend="italic">glauben</hi> lernen wie Jesus, dann dürfen wir
                        uns des <term type="Sachen" key="Pfingsten, Geist der Pf.">Pfingstgeistes</term> freuen, immer wieder freuen als des Gottes,
                        in dem wir leben, weben und sind. Ja, er ist <hi rend="italic">nicht ferne einem
                            Jeglichen</hi> unter uns [vgl. 
                            <ref type="can" subtype="bible" target="Act.17.27 Act.17.28">Act. 17,27f.</ref>], darum lasst uns um <term type="Sachen" key="Einmütigkeit">Einmütigkeit</term> beten und
                        glauben für uns Alle, für unsre <term type="Sachen" key="Kirche, evangelische">Kirche</term>, für die <term type="Sachen" key="Christentum">Christenheit</term>:</p>
                  
                        <q rend="block">
                            <lg>
                                <l> <pb rend="noPipe" xml:id="p064" ed="pga"/> Du, Herr, hast selbst in Händen</l>
                                <l>Die ganze weite Welt,</l>
                                <l>Kannst Menschenherzen wenden,</l>
                                <l>Wie es dir wohlgefällt.</l>
                                <l>So gib doch deine Gnad’</l>
                                <l>Zu Fried- und Liebesbanden,</l>
                                <l>Verknüpf in allen Landen,</l>
                                <l>Was sich getrennet hat!<note xml:id="n08">
                                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-101">Strophe 6
                                        des Liedes «Zeuch ein zu deinen Toren» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName>
                                        (RG 508,6; EG 133,8)</bibl>; s. unten, Lied.</note>
                                </l>
                            </lg>
                        </q>
                 
                    <p rend="noindent">So rühme sich keiner eines Menschen! Es ist
                            <hi rend="italic">Alles</hi> euer! Es sei <persName ref="kbga-actors-313">Paulus</persName>, es sei <persName ref="kbga-actors-2267">Apollos</persName>, es sei <persName key="Kephas">Kephas</persName> – <hi rend="italic">Alles</hi>
                        <pb ed="A" rend="hidden" n="20"/> ist euer, ihr aber seid
                        <hi rend="italic">Christi</hi>. Christus aber ist <hi rend="italic">Gottes!</hi> 
                        [<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.3.22 1.Kor.3.23">1.Kor. 3,22f.</ref>]</p>
                    </div>  
                    <div type="closer">
                            <salute>Amen!</salute>
                    </div>
                </div>
                <div type="songs">
                    <head>Lied:</head>
                        <listBibl type="songs" rend="simple">
                        <bibl type="song" corresp="kbga-songs-101">Nr. 163 (Hessisches Gesang-Buch<note xml:id="n09">Es
                                handelt sich um das <hi rend="italic">
                                    <bibl corresp="kbga-bibls-2502">Evangelische Kirchengesangbuch für den
                                    Konsistorialbezirk Cassel</bibl></hi>, das Barth auch im Winter
                                1908/09 bei seinen Predigten in <placeName ref="kbga-places-1066">Niedergrenzebach</placeName>
                                benutzte (s. unten, <ref type="pub" target="../volume/53/p127#fn-n4">S. 127, Anm. 4</ref>, und <ref type="pub" target="../volume/53/p138#fn-n9">S. 138,
                                Anm. 9</ref>).</note>): «Zeuch ein zu
                            deinen Toren» von <persName ref="kbga-actors-131">P. Gerhardt</persName>, Strophe 1–4; 5–8 (RG 508,1–8; EG 133,1.2.5–8.10.11).</bibl>
                        </listBibl>
                </div>

            </div>
        </body>
    </text>
</TEI>
