Predigt Nr. 6 · April 1908

Predigt: Markus 10,42-45

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Markus 10,42–45
Und Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisset, dass die, welche als Herrscher der Völker gelten, sie unterjochen und ihre Großen Gewalt ausüben über sie. So soll es bei euch nicht sein: sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei der Knecht von Allen. Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben dahinzugehen zum Lösegeld für Viele.2
Liebe Freunde!

Wir stehen wieder vor der Zeit, in der wir uns des Leidens und Sterbens Jesu erinnern. Folgen wir dabei nur einem alten Brauch der Kirche, oder ist uns das, was wir in diesen Wochen hören und singen, innerer Besitz, eine Kraft Gottes, selig zu machen? [vgl. 1.Kor. 1,18] Es ist eine alte Botschaft, die du da hörst, dir vielleicht nur zu bekannt von Jugend auf. Du ärgerst dich nicht über das Wort vom Kreuz, aber es bringt dir auch nichts, das dich einen Moment nur in Erstaunen setzte. Nicht wahr, liebe Freunde, solche Stimmungen der Gleichgiltigkeit gerade in diesen Tagen kennen wir alle? Sie hängt zusammen mit einer tiefgehenden Unklarheit über die Bedeutung des Todes, dessen wir da gedenken. Es sind Viele unter uns, und es sind nicht die Schlechtesten, denen das, was sie einst im Katechismus gelernt, fremd geworden, sie wissen selbst nicht wie. Und wieder Andre bringen es nicht weiter als zu frommer Rührung über das Leiden des Heilands. |49 Wie dem nun sei bei dir und mir, ich glaube, es tut uns Allen not, uns anhand des einfachen Wortes des Evangeliums zu vergegenwärtigen, was Jesu Sterben uns zu sagen hat. Die Geschichte und das Leben zeigen uns, dass Tausende der Besten aller Zeiten in diesem Tod ihren einzigen Trost für Leben und Sterben3 gefunden haben und noch finden. Das Alte ist vergangen, siehe es ist Alles neu geworden [2.Kor. 5,17], bezeugen sie uns im Aufblick zu dem Mann am Kreuz. Wohlan, wir wollen uns das Wesen dieses Sterbens zu vergegenwärtigen suchen, damit auch uns die Augen aufgehen für die Neuschöpfung, die Gott hier in das Leben der Menschheit und jedes Einzelnen unter uns hineingestellt hat.

A.

Es fällt uns heute schwer, zu ermessen, von welch umstürzender Bedeutung die verlesenen Worte des Herrn für seine Zeitgenossen in Israel a-sein mussten-a. Auch in ihnen lebte ja der Gedanke einer solchen Neuschöpfung, er war es, der das Volk zusammenhielt in den Zeiten des äußern Drucks und der äußern Zerklüftung. Der Propheten Mund hatte es verkündigt: Jahwe wird auf Zion sitzen und Gericht halten über die Völker in Gerechtigkeit [vgl. Jes. 2,3f.]. Und je länger, je mehr hatte sich diese Hoffnung zu der Erwartung verdichtet: wir, das auserwählte Gottesvolk, werden die Heiden beherrschen und die Größten sein auf der bewohnten Erde, wie jetzt die Römer und mehr als sie. Auch im Jüngerkreis Jesu spiegelten sich solche Gedanken wider: Sie hatten die Botschaft gehört vom Königreich Gottes, das nun anbrechen sollte, und, wie konnte es anders sein: sie, die ersten Träger solcher Botschaft mussten die Größten sein in diesem Reiche. Die Söhne des Zebedäus sprachen es nur aus, was ihrer Aller Hoffnung war: Gib uns, dass wir sitzen Einer zu deiner Rechten und Einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit [Mk. 10,37 par.]. Sie hatten ihn missverstanden. Die Herrscher der Völker sind es, die auf Thro|50nen sitzen, die unterjochen, Gehorsam fordern und Gehorsam erzwingen. Gerade so soll es bei euch nicht sein. Ja, ihr sollt groß sein, aber groß im Dienen, ihr sollt die Ersten sein, aber als die Knechte Aller. Eine Umwälzung aller Begriffe lag in solchen Worten. Das ganze Altertum wusste es nicht anders, als dass Knecht, Sklave sein das denkbar größte Unglück für den freien Mann bedeutete – und hier verheißt Jesus den Seinen eben das als Erfüllung des wahren Willens Gottes. Die Weltreiche eines Nebukadnezar4, eines Alexander5, eines Augustus6 erfüllten die Gedankenwelt jener Zeit. Herrschen, mächtig sein, die Welt zu seinen Füßen liegen sehen, das waren ihre Ideale. So soll es bei euch nicht sein, antwortet Jesus. Und dann das Unbegreiflichste: er selbst, der sich ihnen in weihevoller Stunde mitgeteilt als der Gesalbte Gottes, er, von dem sie die Wiederherstellung des Reiches Davids erwarteten, er sagte von sich, er sei gekommen, nicht zu herrschen, sondern zu dienen, ja, sein Leben hinzugeben. Sterben! der Messias, der Davidssohn sterben! Es war nicht zum ersten Mal, dass er ihnen das ankündigte, aber sie hatten ihn nie verstanden. «Das widerfahre dir nur nicht!» [Mt. 16,22], war ihre Antwort gewesen, ja, gerade an ein solches Wort hatten die Zebedäussöhne ihre Bitte um das Sitzen zur Rechten und Linken angeknüpft. Sein Leben dahingeben zum Lösegeld für Viele! Was sollten sie damit machen? Auch das ein Wort, das sie zunächst einfach nicht verstanden. Der Tod des Messias war und blieb ihnen ein dumpfes Rätsel, sie sind auseinandergescheucht, als er Wirklichkeit wurde, wie eine versprengte Herde. Die Botschaft hatten sie gehört, aber unverständlicher als je klang es in ihren Ohren: nicht herrschen, dienen! Sein Leben dahinzugeben zum Lösegeld für Viele… Dann wurde es plötzlich anders, der Meister offenbarte sich ihnen als der Auferstandene, sie erlebten selige Tage im klaren Bewusstsein seiner Nähe: Gott hatte gesprochen, und die menschlichen Dunkelheiten zergingen wie die Nebel vor der Morgensonne. Wie einfach und selbstverständlich erschien ihnen nun im Lichte des |51 Neuen das Vorangegangene: Ja, des Menschen Sohn musste sterben, sein Leben ist das Lösegeld für Viele, für Alle, die in ihm Gottes Angesicht schauen. Mit dieser einfachen Kunde sehen wir sie hinausziehen unter die Völker, auf diese Botschaft gründete sich die junge Gemeinde. Wir hören die Predigt eines Paulus, eines Petrus, eines Johannes, später eines Augustin und Luther und zahlloser Anderer bekannter und unbekannter Jünger Jesu; wo immer warmes Leben aus Gott pulsierte, da stand auch das Wort vom Kreuz im Mittelpunkt, in mancherlei Zungen und mancherlei Deutung verkündigt, und doch immer dasselbe Wort. Die Kirche Christi, die unsichtbar in den Herzen Unzähliger lebt, steht noch heute auf dem Felsboden seines Kreuzes.

B.

Liebe Freunde! Ich glaube, es geht uns mit dem Verständnis des Todes Jesu vielfach gerade wie den Jüngern vor seiner Auferstehung. Wir hören den Schall der Worte: Erlösung, Versöhnung, Friede mit Gott, aber sie bleiben uns innerlich fremd, wir dringen nicht durch zu der Wirklichkeit, die dahinter steht. Sieh, was dort am Ostermorgen im Großen geschehen ist, das muss sich bei dir und mir wiederholen, bevor wir das Wort vom Kreuz aufnehmen können: Gott muss sprechen! Und Gott will zu dir sprechen, wenn du Ohr und Herz auftust, ihn zu hören, wenn du dich ernstlich besinnst auf das, was deinem Leben erst Wert geben kann. Von da aus wollen wir zunächst zu der Forderung Jesu, die unser Textwort enthält, zurückkehren. Ihr wisset, dass die, welche als Herrscher der Welt gelten, und ihre Großen unterjochen und Gewalt ausüben. |

Liebe Freunde! Nicht wahr, wir kennen diesen Ton auch in unsrer Zeit!? Es brauchte nicht jener Lehre mancher Naturwissenschaftler, dass das Leben aller Kreatur erfüllt und bedrängt sei durch den Kampf ums Dasein.7 Streben, Vorwärtskommen, Etwas Gelten bei den Leuten, diese Ziele erfüllen ja das Leben viel zu Vieler. Der eifert nach |52 Ämtern und Würden in Staat und Gemeinde, der nach Ruhm und Anerkennung für die Werke seines Geistes, der vielleicht nur nach einem braven Geldsack; das Gemeinsame bei Allen ist, dass sie etwas sein und gelten wollen vor den Andern und – auch das gehört zu solchem Kampf ums Dasein, dass sie Andere, Schwächere oder Bescheidenere bei Seite schieben: Heb dich weg, damit ich mich hinsetze! Jesus sagt: So soll es bei euch nicht sein! Ein folgenschweres Wort: Im Reich des allein Wirklichen gibt es keine Herrscherstühle! Verstehen wir uns recht: Jener Trieb nach äußerem Vorwärtskommen gehört mit zur gesunden gottgegebenen Natur des Menschen, ja er enthält eine Pflicht, denn auch im äußern Leben sind uns keine Pfunde zum Vergraben gegeben [vgl. Mt. 25,25 par.]: wir sollen arbeiten, wir sollen uns anstrengen auch hier, wir sollen uns und den Unsrigen eine angemessene Existenz sichern. Mit Mönchstum und Tagedieberei hat jenes Reich der Wirklichkeit nichts zu schaffen. Aber jener äußere Kampf ums Dasein soll nicht zum Inhalt unsres Lebens werden, so gewiss der äußere Kampf um die Beherrschung der Welt [vgl. Gen. 1,28] das gottgewollte Gefäß dieses Inhalts ist. Wie Viele sehen wir, und wir selber gehören immer auch ein wenig zu den Vielen, meine Freunde, die sich in ihrem Denken und Tun nur bewegen zwischen Arbeit und Vergnügen wie unsre alte Erde zwischen den beiden Polen. Das ist der Geist oder Nicht-Geist, von dem Jesus sagt: so soll es bei euch nicht sein! Frage dich selbst, ist ein solches Leben wert gelebt zu werden, ist es nicht wie ein Rahmen ohne Bild oder eben ein Gefäß ohne Inhalt? Sieh, um uns diesen Inhalt zu schenken, hat Gott den Herrn Jesum in die Welt gesandt; denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und vergäße darob des Wertvollsten, das er besitzt, seines inwendigen Lebens? [vgl. Mk. 8,36 par.]

So soll es bei euch nicht sein! Ja, ihr sollt groß werden, ihr sollt die Ersten sein, aber ihr sollt diese Größe nicht in der Welt suchen, sollt über ihrer Beherrschung im Großen und Kleinen das nicht außer Acht lassen, das euer Dasein erst wirklich im höchsten Sinn macht. Das Reich Gottes hat Jesus diese Wirklichkeit genannt. Und nun seht, das ist das große Geheimnis, das nicht erkannt, sondern nur erlebt werden kann: das Reich Gottes ist Dienen. Solange du nur dich selbst siehst und suchst, solange weißt du noch nicht, was wirkliche Größe ist. Soll ich euch an die Geschichte erinnern? Welches waren die Leute, die die |53 Menschheit wirklich vorwärts gebracht haben? Etwa die großen Egoisten, Alexander, Cäsar8 oder Napoleon9? Waren es nicht vielmehr die zahllosen Männer und Frauen, die in mancherlei Weise, im stillen Arbeitszimmer des Gelehrten, im Staub der Schulstube oder am Bett des Kranken das Ihre getan haben im Dienst der Andern? Und nun erinnere dich deines eigenen Lebens. Selbst wenn du vielleicht, ehrlich gestanden, dein ganzes Sinnen und Trachten auf die Welt und ihre Güter gerichtet hast, bist du glücklich, wirklich glücklich, wenn du nicht wenigstens ein Wesen besitzest, für das du denken und arbeiten, mit dem du dein Glück teilen kannst?

Wenn das nun schon im äußern Leben so ist, um wieviel mehr, wenn du bis dahin vorzudringen vermagst, im wirklichen Leben des inwendigen Menschen! Wirf den Helden in deiner Seele nicht weg, so wirst du in dir das Reich Gottes entdecken, du wirst schauen, was wirklich Größe ist, und dann ist mit einem Schlag deine Stellung zur Welt eine andre. Nach wie vor stehst du äußerlich in jenem rauen Kampf ums Dasein, dieser Kampf bleibt nach wie vor deine gottgewollte Pflicht, aber dahinter siehst du nun unsichtbar sichtbar etwas Anderes, das wächst und wird in dir und dem du dich entgegenstreckst: der lebendige Gott, der dich zu sich zieht und sein Kind nennt. Und als ein Anderer wirst du unter deinen Mitmenschen stehen, nicht mehr als Einzelner, der andre Einzelne überholen und niederhalten muss um seines einzelnen Wohlergehens halben, sondern als Glied einer unsichtbaren Gemeinschaft, die vorwärts will, Gott entgegen, und dann kannst du nicht mehr anders als dienen, d. h. aber lieben, denn Gottes Größe, die Liebe, ist deine Größe geworden. Und je weiter dir diese Gemeinschaft der Liebe wird, je mehr deiner Mitmenschen du in diesen Kreis deines Dienens zu ziehen vermagst, umso größer wirst du sein, umso mehr wirst du groß sein, Gott nahe. Der aber wird der Größte unter euch sein, der der Knecht von Allen ist. Ein unendlich hohes Ziel hat uns Jesus auch in diesem Worte gesteckt: der Knecht von Allen. Es ist nicht leicht, auch nur seinem Bruder, seinen Eltern, seinem Gatten, seinen Kindern wirklich zu dienen, es |54 ist schwer, seinen Freunden und Bekannten aufrichtig zu dienen, aber es ist unendlich schwer, allen, allen Menschen zu dienen, d. h. aber, ihnen herzliches Wohlwollen entgegenzubringen. Und doch nur um diesen Preis verheißt uns Jesus die Größe, von der er redet.

Wahrlich, es geht uns hier wie bei so manchem andern Wort Jesu: hätten wir nur die Forderung, wir müssten verzweifeln, wenn anders wir sie ernst nehmen. Dienen? Knecht sein? Das sind harte Worte! Du siehst den Preis, aber das Opfer, das verlangt wird, ist dir zu schwer. Du müsstest nicht mehr du selbst sein, wenn du dieses Opfer bringen könntest. Und wenn du dich aufraffst, danach zu streben, so fürchtest du mit Recht, müde zu werden, einen aussichtslosen Kampf mit dir selbst zu kämpfen. Was hilft uns da selbst die Betrachtung des Lebens Jesu, wenn es uns Lehre oder Vorbild bleibt, himmelhoch fern, ewig fremd den Nöten unsres Inwendigen?

C.

Jesus will uns aber mehr sein als Lehrer oder Vorbild: Er gab sein Leben dahin zum Lösegeld.

Worin beruht diese Kraft dieses Todes, an die sich seit den ersten Tagen der Glaube der Christen geheftet hat?

Sieh, Jesus hat ein Leben des Dienens geführt nach dem Willen des Vaters. Dienen war sein Beruf, und er hat ihn erfüllt in einer Vollkommenheit und Reinheit, die über alles Menschenmaß hinausgeht. Derselbe Wille des Vaters, der ihm diesen Beruf des Dienens gegeben, führt ihn nun ans Kreuz, und er hat es auf sich genommen ohne Murren und stirbt, weil er gehorcht. In kindlichem Vertrauen auf Gottes Führung fügt er sich in dieses Schwerste, das bittere, hoffnungslose Ende seines gottgeweihten Lebens. Und dies Vertrauen wurde nicht zuschanden, sondern verherrlicht: nicht blinde Schicksalsmacht, sondern der lebendige Gott führte ihn so und nicht anders, das wissen wir aus der Osterbotschaft.

Lieber Freund! Hat dir dieses Ende dieses Lebens nichts zu sagen? Sieh, ich denke: der Mann, der so stirbt, kann das, was ich nicht kann, den Willen Gottes ganz tun. Was ich nicht vermocht hätte, das hat er in seinem Tod getan, er hat Gott ganz vertraut. Sein großes Vertrauen erhebt und gründet mein kleines Vertrauen auf denselben Vater, der |55 Weg zu ihm ist frei, denn ich weiß, dass Gott den als Kind annimmt, der im Aufblick zu diesem Mann ihm vertraut.

Freilich, wie dieses schöpferische Vertrauenfassen zu Gott in uns zustande kommt, das ist nicht zu beschreiben, so wenig wie das, was die Jünger in den Tagen der Auferstehung erlebt haben, beides ist Gottes freie Tat, die du nur erfahren kannst. Wer es aber erfahren hat, der wird immer wieder im Bild des Gekreuzigten den höchsten Ausdruck der vertrauenschaffenden Offenbarung der Liebe Gottes erblicken.

Christus gab sein Leben dahin zum Lösegeld für Viele. Sieh, es ist kein Zufall, dass Jesus nicht gesagt hat für Alle. Es hat Zeiten gegeben, wo die Christenheit diese ernste Mahnung vergessen hat, wo sie versucht hat, dem menschlichen Verstande, den auch der Gottesleugner besitzt, klar zu machen, wieso dieser Tod uns zum Heil habe geschehen müssen. Das war nicht die Meinung Jesu. Sein Tod ist Lösegeld für Viele; du weißt, wer die Vielen sind; es sind die, welche gelernt haben, in ihm Gott zu ergreifen.

Und so ist uns das Wort vom Lösegeld endlich eine ernste Erinnerung an das, was nottut. Im Angesicht des Kreuzes Jesu wollen wir uns fragen: Steht bei uns der Geist des Herrschens in Kraft oder der Geist Christi, der Geist des Dienens? Wenn du es ernst nimmst mit diesem Dienen, dann wirst du über kurz oder lang an den Punkt kommen, wo du wie der Reformator Zwingli seufzen musst:

«Herr, nun heb den Wagen selbst!»10

Dann ist die Zeit da, wo du deine Augen erheben darfst zu dem Mann, der vollbracht, was du nicht vollbringen konntest, dann wird dir das Haupt voll Blut und Wunden11 nicht mehr ein Rätsel sein oder ein frommer Gedanke, du wirst mit Allen, die Gott lieb haben, erkennen:

Hier ist heiliges Land! [vgl. Ex. 3,5]
Amen!

Textkritische Fußnoten

a-a
Mskr.: «haben musste»; von den Hrsg. geändert.↩

Sachfußnoten

1
Im KBA finden sich keine Hinweise, wann genau bzw. für welchen Anlass diese Predigt geschrieben wurde und warum sie nicht gehalten wurde. Schon aus den ersten Sätzen ergibt sich, dass sie kurz vor der Karwoche geschrieben sein muss. Karfreitag fiel 1908 auf den 17. April. Der dem von Barth hervorgehobenen Vers entsprechende Vers Mt. 20,28 aus dem Paralleltext zum Predigttext war 1908 Wochenspruch für die am Sonntag Judika (5.4.) beginnende Woche.↩
2
Eigene Übersetzung in Anlehnung an: Das Neue Testament, übers. von C. Weizsäcker, Tübingen / Leipzig 19039, S. 51 📖.↩
3
Vgl. Heidelberger Katechismus, Frage 1 (BSRK, S. 682,20 📖; RefBS II/2, S. 175,32 📖).↩
4
Nebukadnezar II. (um 640–562 v. Chr.), seit 605 v. Chr. babylonischer König.↩
5
Alexander der Große (356–323 v. Chr.), seit 326 v. Chr. König von Makedonien.↩
6
Augustus / Gaius Octavius (63 v. Chr. – 14 n. Chr.), seit 27 v. Chr. römischer Kaiser.↩
7
Vgl. Ch. Darwin, On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, London 1859/61 📖 (dt.: Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, oder die Erhaltung begünstigter Gattungen im Kampf ums Dasein, Halle 1891 📖).↩
8
Julius Caesar (100–44 v. Chr.), römischer Feldherr und Staatsmann.↩
9
Napoleon Bonaparte (1769–1821), französischer General, 1799–1804 Erster Konsul, 1804–1814 und 1815 als Napoleon I. französischer Kaiser.↩
10
Erste Zeile des «Kappeler Liedes» von U. Zwingli: «Her, nun heb den wagen selb!» (ders., Sämtliche Werke VI/5 [CR 93/5], S. 395–398, dort S. 395) 📖. Die hochdeutsche Fassung des Liedes «Herr, nun selbst den Wagen halt!» von Fr. Spitta findet sich in RG 792 und EG 242 🎵.↩
11
Vgl. das Lied «O Haupt voll Blut und Wunden» von P. Gerhardt (RG 445; EG 85) 🎵.↩