Predigt Nr. 5 · 25. August 1907

Predigt: Markus 6,32-34

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Markus 6,32–34
Sie gingen aber zu Schiff bei Seite an einen einsamen Ort. Und viele sahen sie hingehen und merkten es und liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor. Und er stieg heraus und sah die Menge des Volks und hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Liebe Zuhörer!

Vielleicht kennen Einige unter euch jenes Werk des holländischen Malers Rembrandt1, das lange Zeit unter dem Namen «Hundertguldenblatt»2 bekannt war, weil der für das 17. Jahrhundert unerhörte Preis von 100 Gulden dafür gezahlt worden ist. Es stellt Christus dar, umgeben von Hilfesuchenden aller Art. Von der rechten Seite naht ein langer Zug Leidender, gestützt, getragen und gefahren von ihren Angehörigen; wir sehen hoffnungsvolle und gläubige neben matten und verzweifelnden Augen zum Heiland aufblicken, alle voll brennender Erwartung: wird er mir helfen? Eine alte Frau erhebt flehend ihre Hände, während eine andere hilflos nach dem Saum seines Kleides tastet. Ein junges Weib bringt ihm soeben ihr todkrankes Kind, und Jesus ist im Begriff, es mit der einen Hand zu berühren, während seine erhobene Linke zeigt, dass er gerade redet, Worte redet, die in seinem Munde Taten sind. – |

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Abb. 2: Rembrandt van Rijn, «Christus, dem die kleinen Kinder gebracht werden», 1647/49 (Wikimedia Commons).

Und noch interessanter ist die Gruppe zur Linken. Das sind keine Kranken, sondern äußerlich gesunde Männer jedes Alters a-und Standes-a. Auch sie sind gekommen, um den merkwürdigen Rabbi von Nazareth zu sehen und zu hören, und in ihren Gesichtern spiegeln sich ihre Gedanken. Da sind wieder Gläubige, Schwärmer, Gleichgiltige, Spötter, Selbstzufriedene, Gerechte und Ungerechte, Freunde und Feinde. Jesus blickt hoheitsvoll und beherrschend über sie alle hin, und ein eigentümlicher, scharfer Lichtreflex liegt über der ganzen Szene.

Und nun eine besondere Merkwürdigkeit dieses wunderbaren Bildes. Es ist eine Äußerlichkeit, aber, wie ich glaube, nicht unwichtig. Wir bemerken, dass der Maler sich sichtlich bemüht hat, seinem Gegenstand auch äußerlich gerecht zu werden durch Anpassung an die orientalische Umgebung. Die Personen, die wir da sehen, sind in phantastische Mäntel und Kleidungsstücke gehüllt und tragen Turbane und Hüte nach Art der Juden des Mittelalters. Aber wenn wir |39 dann genauer zusehen, so entdecken wir, dass der Künstler in scheinbarem Widerstreit damit die Gesichter der Dargestellten aus seiner eigenen Umgebung genommen hat. So mögen die Kranken und Bettler auf den Straßen der holländischen Seestädte ausgesehen haben, so die vornehmen, satten Kaufleute, die Magistrate und Ratsherren von dazumal. Diese Leute sehen wir da um Jesus versammelt, europäische Menschen des 17. Jahrhunderts in der Tracht des Morgenlandes! Ich glaube, das ist weder Zufall noch künstlerische Laune, sondern ein Gedanke kommt darin zum genialen Ausdruck: Was Jesus dem leidenden und irrenden Judenvolk seiner Zeit sein wollte, das kann und will er den Menschen aller Völker und Zeiten sein: der Heiland, will sagen der Mann, der Heil bringt, Rettung aus Not und Sünde.

Äußere Not und inwendig Sünde, ja diese Mächte hat es allerorts und zu allen Zeiten gegeben. Man hat diese Mächte wegtäuschen und wegdisputieren wollen, und unzählige Menschen halten es mit ihnen so wie der Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, wenn der Jäger kommt; sie schließen die Augen zu und behaupten dann: es gibt keine Not, es gibt keine Sünde. Und trotz Allem sind sie da, und furchtbar werden wir oft plötzlich an ihr Dasein erinnert.

Wir haben aber auch einen Helfer! Es ist der lebendige Gott, der in Jesus von Nazareth zu uns geredet hat. Wir alle sind krank an jenen Übeln. Siehe, hier fragt dich Gott: Willst du gesund werden? [Joh. 5,6]

I

– – er sah die Menge des Volks und hatte Mitleid mit ihnen. Krankheit und Tod, Hunger und Elend, das hat es im jüdischen Volk zur Zeit Jesu gegeben wie heute. Liebe Freunde! Soll ich euch davon reden, was irdische Not ist? Es sind Viele unter euch, die das besser tun könnten als ich, weil sie nicht am Studiertisch darüber nachgedacht, sondern sie an sich selbst und an andern hundertfältig erfahren haben. Not ist es, wenn der Vater und Ernährer einer zahlreichen Familie todkrank darniederliegt, Not ist es, wenn durch plötzliche, schwere Ereignisse der Ertrag vieler vergangener und zukünftiger Jahre auf einmal vernichtet wird, Not ist es, wenn es vorkommt, dass eine Frau, ein Mädchen 15 Stunden täglich arbeiten muss, um damit einen gan|40zen Franken zu verdienen!3 Ihr, die ihr das nie erfahren habt, seid ihr vom Glück so abgestumpft, dass euch kein bitteres und wehmütiges Gefühl wenigstens ergreift, wenn ihr an das denkt, was so viele andere um euch täglich durchzukämpfen haben? Ja,

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,4

der kennt das nicht, ja der will es so oft nicht kennen, schilt wohl noch über die Begehrlichkeit der armen Leute. Es ist der ewige Seufzer der notleidenden Menschheit, dem der Prediger Salomo Ausdruck gibt, wenn er sagt: «Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne, und siehe, da waren Tränen derer, so Unrecht litten und hatten keinen Tröster, und die ihnen Unrecht taten, waren zu mächtig, dass sie keinen Tröster haben konnten. Da lobte ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebenden, die noch das Leben hatten; und besser denn alle beide ist, der noch nicht ist und des Bösen nicht innewird, das unter der Sonne geschieht» [Pred. 4,1–3]. Nicht wahr, lieber Freund, so hast du auch schon gedacht?! Es ist menschlich, aber doch sollst du dabei nicht stehen bleiben. Ich möchte dir vor Allem Eines zu bedenken geben – nicht ein Trost soll es sein, aber es kann dich freier machen gegenüber deiner Not –, du bist mit deinem Leiden nicht allein, ja es gibt Tausende in allen Ländern, denen es noch schlimmer geht als dir. Denke an die, die Tag für Tag in den Tiefen der Bergwerke ihr Brot zu verdienen haben, oder an die, die im Rumpf der Ozeandampfer an der Maschine stehen, denke an die Hunderttausende von Fabrikarbeitern, die in den großen Städten in Mietkasernen zusammengepfercht ein freudloses Dasein führen, ohne Licht und Sonne. Wer dort gewisse Arbeiterquartiere gesehen hat, |41 möchte sich wünschen, man könnte ihre Bewohner auf eine unsrer Alpen verpflanzen, wo auch Armut und Elend ist, aber doch Luft und Freiheit! Warum sage ich dir dies alles, lieber Freund?! Um dir zu zeigen, dass du und deine Not nur ein kleiner Teil bist einer ungeheuren Gesamt-Not, einer Not, die da ist, seit es Menschen gibt, einer Not, die als die soziale Frage in unsern Tagen das Interesse und die Arbeit der Besten in Anspruch nimmt.5 Auf der einen Seite der Reichtum, das Kapital, das sich bei einzelnen Wenigen immer mehr anhäuft, auf der andern Seite die Armut in tausend Formen und Abstufungen, die immer schärfer und bitterer werden! Sieh, das ist die Not, die Not der Menschheit, die nach Erlösung seufzt, – das ist die eine Gruppe auf dem Rembrandt-Bild, das ich euch beschrieben habe.

Ja, sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben, und Jesus hat diese Not gesehen und erkannt, und es heißt von ihm: er hatte Mitleid mit ihnen, da er die Menge des Volks sah! Und dieses Mitleid war kein bloßes, schwächliches Gefühl, sondern eine Kraft, und ihr wisst, dass diese Kraft geholfen hat. Nun sieh, die Kraft dieses Mitleidens Jesu ist auch auf uns gerichtet, sie will auch uns in unsern heutigen Nöten helfen. Ja, der Name Jesus ist die schließliche Lösung der sozialen Frage, denn das Reich Gottes, das er gepredigt hat, ist das Reich der höchsten Gerechtigkeit, in welchem Alle Brüder sind und wo es keine Ausbeutung und Unterdrückung mehr gibt. Selig sind, die hungert und dürstet nach dieser Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden [Mt. 5,6]. Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken [Mt. 11,28]. – Wahrlich, es ist nicht wohlgetan, die Armen immer wieder damit zu beschwichtigen, Jesus habe nur ihre Seelen retten wollen! Nein, er hat geholfen, der äußern Not geholfen, und helfen will er auch heute, denn unsre sozialen Zustände sind ferne vom Reich Gottes!

42 Aber freilich: Die Hilfe, die Kraft Jesu wirkt von innen heraus. Dem Gichtbrüchigen in Kapernaum hat er zuerst gesagt: Deine Sünden sind dir vergeben! und dann: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe heim! [ Mk. 2,5.11 par.] Er hat sich nicht an die Spitze einer Revolution gestellt, und er würde es heute nicht tun. Er appelliert nicht an die Waffen, sondern an die Gewissen und fordert, dass hier ein Neues beginne bei Allen, bei Hoch und Niedrig, bei Reich und Arm. Hier ist der Grundschaden. Ja, sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben, ein jeder sieht nur das Seine [Jes. 53,6], statt Gottes Sache, will sagen, die Sache der Gesamtheit, der Gemeinschaft. Es fehlt den Menschen ein gemeinsames Ziel, jeder geht seinem Nutzen und Vorteil nach, der in Erwerb und Genuss bestehen soll. Sieh, hier will Jesus eingreifen und heilen. Denn diese allseitige Selbstsucht, dieser Mangel an Gemeinschaft verursacht immer aufs Neue die sozialen Nöte. Wenn an die Stelle der Selbstsucht bei uns Allen das Reich Gottes tritt, dann ist die soziale Frage gelöst. Wenn es einmal Wahrheit wird, dass die Menge der Gläubigen, dass unsre sogenannte christliche Gesellschaft ein Herz und eine Seele wird, dass keiner mehr von seinen Gütern sagt, dass sie sein seien [Act. 4,32], sondern dass jeder sie als unverdiente Gabe Gottes betrachtet, über die er Verantwortung schuldig ist, dann wird es keine Tränen mehr geben [vgl. Apk. 21,4] – aber wir wissen alle, dass wir davon leider noch weit, allzu weit entfernt sind! Esb liegt an uns, diesem Ziele näher zu kommen. Nicht darauf kommt es an, ob du dieses oder jenes glaubst und tust, was man dir vorschreiben kann, sondern darauf, ob dein ganzes Sein, das Innerste deines Herzens auf das Reich Gottes gerichtet ist oder auf dich selbst. Siehe, Jesus klopft bei dir an! [Apk. 3,20] Er hat Mitleiden mit der Menge auch unsres Volkes und mit jedem Einzelnen von uns, er fragt dich heute: Willst du Gott dienen oder dem Mammon? [vgl. Mt. 6,24]

Ja oder Nein?!

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II

– – er hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Auf die äußere Not der Menschen richtete sich dieses Mitleiden Jesu zunächst, wir haben aber bereits gesehen, dass ihre Wurzeln tiefer gehen, als viele Weltverbesserer von heutzutage meinen. Auch das Bild des holländischen Malers deutet das an, denn da sehen wir neben jenen Armen und Kranken eine Männergruppe, die Jesus gleichgiltig, kritisch und zweifelnd gegenübersteht. Es sind solche, denen es äußerlich gut geht, geachtete, ehrbare, wohlhabende und gerechte Leute. Wir wissen, an wen der Künstler bei diesen gedacht hat: es sind die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Angesehenen und Vornehmen im Volke. Nichts fehlt ihnen – als gerade das Eine, das nottut [vgl. Lk. 10,42], und darum gilt ihnen das Mitleid Jesu gerade so wie den andern. Ja, er hat in bitterer Ironie von ihnen gesagt: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht [Lk. 5,31], denn sie haben ihn oft zurückgewiesen – aber seine Sendung c-gilt ihnen so gut wie allen-c Andern.

Und das ist sich gleich geblieben bis heute: es gibt keinen Menschen, arm oder vornehm, ungebildet oder gebildet, der es nicht nötig hätte, immer wieder von Jesus Kraft zu empfangen. Das wäre das Reich Gottes, wenn unser äußeres wie unser geistiges Leben an ihm orientiert wäre, aber es fehlt auch dazu viel, sehr viel! Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Ist es nicht eine Lästerung des Geistes unsrer Zeit, wenn man dies Wort auf sie anwendet? Und doch ist es so! Ja, man pflegt sich heutzutage gerne dessen zu freuen und zu rühmen, was unser Jahrhundert geleistet «und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht!»6 Aber sieh einmal hinein in dies geistige Leben der Gegenwart, und welche Zerfahrenheit, Unklarheit, welche Divergenzen wirst du da entdecken, welches Sich-Anklammern an diese oder jene Autorität, die plötzlich auf den Schild gehoben, meist ebenso plötzlich wieder fallen gelassen wird. Ich habe im letzten Winter in der deutschen Reichshauptstadt Berlin die Reichstagswahlen miter|44lebt.7 Die Geister sind aufeinandergeplatzt, aber wahrlich, das sind keine Geister von oben gewesen. Wir alled haben in diesene Wochen mit Schauder gehört, wie Europa in fremden Erdteilen Kultur verbreitet, die Ruinen von Casablanca sind Zeugen davon.8 Nicht wahr:

45 Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige
Stehst du an des Jahrhunderts Neige!9

Nein, meine Freunde, wir wollen bescheidener sein. Unser geistiges Leben hat glänzende Fortschritte gemacht, Wissenschaft und Technik, Handel und Industrie haben sich zu schwindelhafter Höhe heraufgearbeitet, und immer neue Ausblicke tun sich auf nach allen Seiten. Allein alles das sind der Güter höchste noch nicht,10 sondern bloß eine Außenseite. Was helfen sie, wenn unter ihrer Decke der Eigennutz, die Sinnlichkeit, die Eitelkeit, die Borniertheit der Menschen dieselbe bleibt?!

Ja, er hatte Mitleid mit ihnen, und auch wir Menschen von heutzutage haben dieses Mitleid nötig, denn es fehlt uns trotz Allem an hohen gemeinsamen Zielen, an großen Gedanken in den kleinen Sorgen des Tages. Liebe Freunde! Es kann ein Mensch die besten Schulen besucht haben und alle Zeitungen und Bücher lesen und bei alledem ein richtiger Barbar sein. Alle Bildung ist nichts, wenn sie nicht Herzensbildung ist, wenn sie dich nicht gelehrt hat, ein ganzer Mensch, eine Persönlichkeit zu werden. Dass wir das so vielfach nicht sind, ist unser Unglück. Der Kampf, das zu werden, ist unsre Lebensaufgabe. |46 Und sieh, nun tritt Jesus an deine Seite. Du hast jenen Kampf vergeblich gekämpft, aber:

Hier ist der Mann, der helfen kann,
Bei dem nie was verloren.11

Und nun blicke zu ihm auf, ernst und lange, und du wirst ein Geheimnis erfahren, schwer und doch so einfach: Der Weg, ein solcher ganzer Mensch, eine Persönlichkeit zu werden, ist die Liebe, die sich selbst verleugnet, die nicht das Ihre sucht [1.Kor. 13,5], sondern das Heil der Gemeinschaft!

Mein Freund, besinne dich heute darüber, ob ich recht habe, es braucht zu diesem Besinnen keine Bücher und keine Wissenschaft, nur ein Gewissen! Die Liebe, die sich selbst verleugnet – und sieh, da sind wir wieder bei dem angelangt, was wir als die Befreiung von aller irdischen, äußern Not erkannt haben, beim Reiche Gottes, in dem die soziale Frage abgeschlossen ist, weil vollendete Persönlichkeit begonnen hat zu wirken.

Persönlichkeit und Gemeinschaft, Gemeinschaft und Persönlichkeit, sieh, zwischen diesen beiden Polen bewegen sich alle Fragen unsres christlichen Denkens und Lebens. Solange wir hier im Unklaren sind, solange sind wir Schafe ohne Hirten, aber wir brauchen das nicht zu bleiben, denn Jesus Christus hat mit uns nicht nur Mitleiden gehabt wie andre Menschen auch, sondern er hat uns den Weg gewiesen, den wir mit Gottes Hilfe gehen können, wenn wir wollen. Und dieser Weg ist nicht bloß ein schöner Gedanke Jesu, denn er hat ihn in die Tat umgesetzt; du weißt wo: am Kreuz auf Golgatha.

Und da wollen wir innehalten. In wenigen Sonntagen wird das Schweizervolk seinen Bettag begehen.12 Möchte er ein Tag der Einkehr werden, da viele sich fragen: Will ich gesund werden? Eins ist not!! [Lk. 10,42]

47 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; so jemand meine Stimme hören wird und mir auftun, zu dem werde ich eingehen und Abendmahl mit ihm halten und er mit mir [Apk. 3,20].

Liebe Freunde! Das schenke Gott uns allen.

Amen!
Lieder:
  • Nr. 237: «Wie schön leucht’t uns der Morgenstern» von Ph. Nicolai, Strophen 1.2 (RG 653; EG 70 [jeweils mit Textabweichungen]). 🎵
  • Nr. 163: «Eine Herde und ein Hirt» von Fr. A. Krummacher, Strophen 1.2.6 (EKG 220). 🎵

Textkritische Fußnoten

a-a
Im Mskr. mit Bleistift hinzugefügt.↩
b
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift korrigiert aus: «Also es».↩
c-c
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift korrigiert aus: «ist an sie bestimmt so gut wie an alle».↩
d
Im Mskr. nachträglich mit Bleistift hinzugefügt.↩
e
Mskr.: «den diesen»; die nicht vollständig ausgeführte Korrektur aus: «den letzten» wurde von den Hrsg. ergänzt.↩

Sachfußnoten

1
Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606–1669), einer der bedeutendsten europäischen Maler des Barocks, führender Künstler des «Goldenen Zeitalters» der niederländischen Kunst.↩
2
Siehe Abb. 2. – Die unter dem Namen «Hundertguldenblatt» bekannte Radierung Rembrandts «Christus, dem die kleinen Kinder gebracht werden» oder «Christus heilt die Kranken» (27,8 x 38,8 cm) wurde 1647/49 fertiggestellt. Eine Besprechung findet sich u. a. in: Rembrandts Handzeichnungen und Radierungen zur Bibel, hrsg. von H.-M. Rotermund, Lahr / Stuttgart 1963, S. 182f., Abb. 186 📖.↩
3
Solche Arbeitszeiten waren in den vom 1874 erlassenen Fabrikgesetz betroffenen Arbeitsbereichen nicht mehr möglich (vgl. dazu K. Barth, Die Arbeiterfrage [1913/1914], in: V.u.kl.A. 1909–1914, S. 573–682, dort S. 592f. 📖), konnten aber in der ganz überwiegend von Frauen betriebenen und schlecht bezahlten Heimarbeit durchaus vorkommen, in der um 1900 in der Schweiz noch etwa 90 000 Personen beschäftigt waren. Vgl. exemplarisch: Cl. Hagmayer, Bis dass der Tod euch scheidet. Witwen in der Schweiz um 1900, Zürich 1994, S. 102–104 📖.↩
4
J. W. von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Zweites Buch, Kapitel 13 (Hamburger Ausgabe, Bd. 7, S. 136) 📖.↩
5
Der Begriff «Soziale Frage» oder «Arbeiterfrage» wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als Oberbegriff für die Lage und die zu einem großen Teil katastrophalen Lebensbedingungen der lohnabhängigen Arbeiterschaft in sozialer, ökonomischer, moralischer und politischer Hinsicht verwendet. Damit und mit dem in dieser Problematik enthaltenen gesellschaftlichen Sprengstoff hatte Barth sich bereits im Jahr zuvor in seinem wohl ersten öffentlichen Vortrag überhaupt befasst: K. Barth, Zofingia und Sociale Frage, in: V.u.kl.A. 1905–1909, S. 61–99, dort bes. S. 71–76 📖.↩
6
J. W. von Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, V. 573 (Nacht) 📖.↩
7
Barth war zum Wintersemester 1906/07 nach Berlin gegangen, um dort sein Studium – besonders bei Adolf von Harnack (1851–1930; seit 1888 Prof. für Kirchengeschichte in Berlin) – fortzusetzen. Bei der dort miterlebten vorgezogenen Wahl zum 12. Reichstag handelte es sich um die sogenannte «Hottentottenwahl» vom 25. Januar 1907, der scharfe, zum Teil von nationalistischen Tönen geprägte Auseinandersetzungen vor allem um den Kolonialkrieg in Deutsch-Südwest-Afrika vorausgegangen waren. Der vorherige Reichstag war zuvor aufgelöst worden, weil ein Nachtragshaushalt für diesen Krieg keine Mehrheit gefunden hatte. Die Wahlbeteiligung lag bei einem Rekordwert von knapp 85%. Die Sozialdemokraten, die u. a. gegen den Nachtragshaushalt gestimmt hatten, erlitten trotz leichter absoluter Stimmengewinne eine erhebliche Schlappe: aufgrund der deutlicheren Stimmengewinne im bürgerlichen Lager und der dort erfolgten Stichwahlabsprachen büßten sie beinahe die Hälfte ihrer Mandate ein (43 statt 81). Vgl. Th. Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866–1918, Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie, München 1998, S. 729–731 📖.↩
8
In den Hafenstädten entlang der marokkanischen Küste war es seit der Jahrhundertwende immer wieder zu kleineren Aufständen und Scharmützeln gekommen, da Teile der einheimischen muslimischen Bevölkerung sich zunehmend gegen die Überfremdung durch die in den Städten siedelnden Europäer zur Wehr setzten. Bei von europäischen Arbeitern durchgeführten Ausbauarbeiten am Hafen von Casablanca war es im Juli 1907 erneut zu einem Aufstand gekommen, weil eine benötigte Hilfsbahn quer über einen Friedhof geführt wurde und diesen in den Augen der Einheimischen damit entweihte. Neun Hafenarbeiter wurden in den folgenden Unruhen getötet, das französische Konsulat wurde zeitweise blockiert und das jüdische Wohnviertel geplündert. Weil man der Unruhe anders nicht meinte Herr werden zu können, aber auch um die französischen Interessen in Nordafrika zu wahren und anderen Expeditionstruppen zuvor zu kommen, entschloss sich die französische Regierung daraufhin, zwei Kriegsschiffe und von Algerien her auch Truppenverbände nach Casablanca zu schicken.  Am 5. August begann die Beschießung Casablancas durch die französischen Kriegsschiffe, am 7. August drangen dann auch französische Truppen in die Stadt ein. Nach dem Ende der Kämpfe zählte man zwei getötete französische Soldaten; die Zahl der toten Marokkaner blieb unbekannt, Schätzungen reichen von 1500 (französische Angaben) bis 7000 (marokkanische Angaben). Die Stadt war in großen Teilen zerstört, die europäische, zuvor evakuierte Bevölkerung war nahezu unbeschadet geblieben. Die Vorkommnisse waren der Auftakt zur französischen Unterwerfung des größten Teils Marokkos (vgl. A. Adam, Sur l’action du Galilée à Casablanca en août 1907, in: Revue d l’Occident musulman et de la Méditerranée, Vol. 6 [1969], S. 9–21 📖; G. Mai, Die Marokko-Deutschen. 1873–1918, Göttingen 2014, S. 351–364 📖).↩
9
Eingangszeilen des Gedichts «Die Künstler» von Fr. Schiller (Sämtliche Werke, München 19623, Bd. 1, S. 173–187, dort S. 173) 📖.↩
10
Vgl. Fr. Schiller, Wilhelm Tell, Zweiter Aufzug, Zweite Szene (a.a.O., Bd. 2, S. 959) 📖:
Der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht –
Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr
Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben –
Der Güter höchstes dürfen wir verteidgen
Gegen Gewalt – Wir stehn vor unser Land,
Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!
↩
11
Aus Strophe 2 des Liedes «Such, wer da will, ein ander Ziel» von G. Weißel (RG 276; EG 346) 🎵:
Such, wer da will, / Nothelfer viel, / die uns doch nichts erworben:
Hier ist der Mann, / der helfen kann, / bei dem nie was verdorben. / […].
↩
12
Der Eidgenössische Dank-, Buß- und Bettag wurde seit dem Ende des 18. Jahrhunderts als schweizweiter Feiertag und seit 1832 in der Regel am dritten Sonntag im September begangen. Er fiel damit 1907 auf den 15. September.↩