7. Mai 1911

Predigt: Johannes 8,34.36

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Johannes 8,34.36
Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.
So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.
Liebe Freunde!

Vor acht Tagen, als eben die Wogen der Erregung wegen des Kursaals am Höchsten gingen,1 hat die bekannte hiesige Zeitung «Le Genevois» einen Artikel gebracht,2 dessen Inhalt ich euch in Kürze mitteilen will. «Kann man von einer Kuh den Gesang der Nachtigall erwarten?», hieß es da. «Oder kann man einen Vogel melken? Ebenso wenig darf man vom Menschen ein moralisches Leben verlangen. Es liegt nun einmal in seiner Natur die Neigung zum Alkohol, zur Sinnlichkeit und zum Hazardspiel. Que voulez vous y faire?3 Es ist so. Die übergroße Mehrzahl der Menschen will4 nun einmal nichts davon wissen, dass man sich das Leben versauern müsse, um am Tag nach seinem Tod mit der Freude anzufangen. Die sogenannten moralischen Gesetze haben immer nur dazu gedient, diesen Tatbestand zu verschleiern. Moralisch leben würde nur heißen, seinen Neigungen im |144 Geheimen zu frönen. Wir sind eben nur zur Heuchelei fähig. Und darum heißt Moral predigen nichts Anderes, als uns zu immer ärgeren Heuchlern zu machen. Mehr kommt bei der Moral und dem Predigen nicht heraus.» – |

Man kann dem Mann dankbar sein, dass er so deutlich geredet hat. Was er geschrieben hat, ist aber auch sonst bemerkenswert. Er anerkennt zuerst gleichsam ganz von Weitem, dass ein Leben, nach den sittlichen Gesetzen eingerichtet, an sich denkbar und lebenswert wäre. Aber dann fügt er rasch hinzu: Lasst uns in Ruhe damit, wir kommen tatsächlich ohne Wein, Weib und Spiel doch nicht aus und wollen lieber das eingestehen, als Sittlichkeit heucheln. Ich sage, das heißt deutlich und mit einer gewissen erfreulichen Ehrlichkeit geredet, wie es nicht immer der Fall ist bei denen, die für Interessen und Instinkte von der Art kämpfen, wie sie der «Genevois» und seine Freunde von der Gasse damals vertreten haben. Aber ich weiß einen andern Mann, der in jenen Tagen noch einen Schritt weiter gegangen ist. Aus dem Munde des höchsten Magistrats unsres Kantons5 konnte man inmitten von 8000 beifalltobenden Menschen den Standpunkt vertreten hören, es handle sich in dem Kampf für Tingeltangel und Rösslispiel nicht nur um die Interessen der vielleicht an sich ein wenig bedauerlichen Schwachheit der menschlichen Natur, wie es jener Artikelschreiber hinstellt, sondern um das herrliche Prinzip der Freiheit und des Fortschritts. Diese Prinzipien seien erschüttert worden durch das Verbot des Absinths.6 Heute greife man uns den Cercle des étrangers7 an, morgen werde man uns mit Maßregeln gegen die öffentlichen Häuser kommen.8 Gegen Alles das gelte es nun aufzustehen wie ein Mann. Also wieder diese Dreieinigkeit von Alkohol, Hazard und |145 Sinnlichkeit. Der «Genevois» erklärt sie als unvermeidliche Neigungen unsrer Natur, der Herr Staatsratspräsident stempelt sie zu bedrohten Heiligtümern eines freien Volkes. Man will nicht nur machen, was man will, sondern sieht die wahre Freiheit und den wahren Fortschritt darin, dass jeder immer mehr machen kann, was er will, während alle Einschränkung9 dieser Freiheit unserer hellen Zeiten unwürdig ist und in die finstere Epoche Calvins gehört.

Was haben wir dazu zu sagen, meine Freunde? Wir haben dazu zu sagen, was Jesus dazu gesagt haben würde: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht, wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Wir wiederholen dies Wort nicht, weil es in der Bibel steht, und auch nicht darum, weil wir als Mômiers10, und wie man uns sonst noch genannt hat, einmal gewöhnt sind, so zu reden, sondern weil in diesem Wort ein ewiges Gesetz des menschlichen Lebens enthalten ist, gegen das man protestieren, lärmen, pfeifen und Brandreden halten und dem man sich doch nicht entziehen kann, weil es sich an den Menschen vollzieht mit derselben Exaktheit und Sicherheit, mit der es nach den Gesetzen der sichtbaren Natur Herbst und Frühling wird.

*   *   *

Das Wort «Sünde» ist meines Wissens in den Kämpfen, die uns bewegt haben und noch bewegen, weder von der einen noch von der andern Seite gefallen. Und doch habe ich noch keine Angelegenheit des öffentlichen Lebens hier oder anderswo erlebt, wo man mit solcher Bestimmtheit und Klarheit wie diesmal sagen konnte: es handelte sich um einen Kampf für oder gegen die Sünde. – |

In andern Fällen sind oft Recht und Unrecht wunderlich genug auf beide Seiten verteilt, so dass es einem anständigen und feinfühligen Menschen schwerfallen muss, Partei zu ergreifen, will er sich nicht selber einseitig und borniert vorkommen. Man vertritt in solchen Fäl|146len seine Sache gegen Gegner, die man zwar als im Irrtum befindlich, aber als ehrenhafte und edelgesinnte Menschen beurteilen kann. Man kämpft in solchen Fällen mit dem stillen Bewusstsein, dass, unter einem bestimmten Gesichtspunkt gesehen, auch der Gegner Recht hat, man sagt sich vorsichtig: meine Ideen sind zwar meine Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit. Man fühlt sich im letzten Grund mit dem Gegner einig darin, dass man mit ihm das Rechte will und streitet bloß um die richtige Form, das Rechte auszudrücken und durchzusetzen. Ich denke da besonders an Kämpfe auf geistigem Gebiet, an den Streit der sogenannten Weltanschauungen, an die sogenannten Atheisten, Materialisten und «Ungläubigen», an Leute wie Nietzsche, mit denen sich mancher Pfarrer alle Sonntage meint herumschlagen zu müssen. Ich glaube nicht, dass dabei etwas Anderes herauskommt, als dass die Zuhörer das Gefühl bekommen: gottlob, ich bin weder ein Zöllner und Sünder noch ein Atheist und Ungläubiger, und dieses Gefühl ist jedenfalls im Evangelium nicht als christlich vorgesehen. Es handelt sich da um verschiedene Anschauungen, nicht um die Stellung zur ewigen Wahrheit. Denn diese Wahrheit ist keine Anschauungsweise, meine Freunde, sondern ein Zustand der Seele, eine Lebensrichtung. Es gibt sogenannte Ungläubige, die diese Lebensrichtung haben, und es gibt sogenannte Gläubige, die sie durchaus nicht haben. – |

In dem Fall dagegen, von dem wir reden, kann von einer bloßen Verschiedenheit der Anschauungsweise, von einem gleichberechtigten, eventuell besseren Gegner in keinem Sinn die Rede sein, sondern hier handelt es sich klipp und klar darum, was gelten soll in unserm privaten und öffentlichen Leben, die Sünde oder die Wahrheit. Es heißt jetzt nicht für oder gegen Nietzsche und Häckel11 und die moderne Ethik, sondern für oder gegen die Sünde. Eben weil die Frage aber so heißt, sollen wir von vornherein dagegen geschützt sein, dass wir uns als Pharisäer neben unsre Gegner stellen mit dem zufriedenen Gefühl: Ich gerecht, du ungerecht. Ich kann zu dem Materialisten Häckel sagen: ich habe Recht und du hast Unrecht, aber ich kann nicht zu einem Menschen, den ich sündigen sehe, sagen: ich bin ge|147recht und du bist ungerecht. Wenn es heißt: für oder gegen die Sünde, dann ist unsre eigene Person in keinem einzigen Fall geborgen im Schatten frommer Denkungsart, sondern sie ist durchaus mit in Frage. Wir haben es deshalb hier weder mit den Herren Staatsräten, noch mit dem Genfer Gassenpöbel, noch mit den Croupiers und Hintermännern des Kursaals als solchen zu tun, sondern einzig und allein mit der Sünde, die sich da in so selten deutlicher Weise Luft gemacht hat und in der wir ebensowohl unsre als ihre Sünde zu erkennen haben. Denn es ist die Sünde und nichts Anderes, was sich da Luft gemacht hat, daran ist keinen Augenblick zu zweifeln. Die Sünde aber ist nicht das fatale Hirngespinst einiger Mômiers, die das Leben nicht kennen, sondern die sehr reale Macht der Gedankenlosigkeit, der Faulheit und der Selbstsucht, die wir alle Tage an uns selbst und an Andern wahrnehmen können, wie sie an der Arbeit ist, die Menschen zu entmündigen, ihren Geist und Körper zu zerrütten, den Fortschritt und das höhere Leben der Völker zu hemmen und zu zerstören. Nenne man sie mit einem andern Namen, diese Macht, wenn man will, aber mache man sich klar, dass sie da ist.

Erstens als die Macht der Gedankenlosigkeit. «Sie wissen nicht, was sie tun», haben wir am Karfreitag gehört.12 Die Sache, von der wir reden, bietet gerade für diese Seite der Sünde das schlagendste Beispiel. Wer es einmal beobachtet hat, mit welch steinerner Gleichgiltigkeit der Croupier am Spieltisch seine Arbeit besorgt, weiß, was ich meine. Und der Mann ist schließlich nur ein Symbol des Ganzen. Die Gedankenlosigkeit ist ja geradezu das Prinzip des Hazardspiels. Zum Sport braucht’s Übung und Gewandtheit, zum Schachspiel braucht’s Nachdenken und Aufmerksamkeit, sogar zum Kartenspiel ist einige Geistesgegenwart nötig, aber wenn einer bei Rössli und Boule angelangt ist, so heißt das, dass er seinen Geist in die Ferien geschickt hat, wenn er überhaupt welchen hatte, denn dazu braucht’s nichts, aber auch gar nichts als ein tüchtiges Stück Geld und den nötigen Stumpfsinn, um ein Vergnügen zu finden an dem Bauen auf die Wechselfälle des blinden, törichten Zufalls. Man kann das harmlos finden, man kann sagen, es liege eine Erholung für den angestrengten Geist in zeitweiliger völliger Gedankenlosigkeit. Aber man möge sich einmal |148 fragen, wie oft die Fehltritte unsres Lebens damit angefangen haben, dass wir beschlossen, nur einmal so recht gedankenlos zu sein. Wir tun diesen Schritt von der Würde unsrer Menschheit herunter nie ungestraft; es ist tatsächlich die Sünde, die schon hier anfängt. Und was die Erholung betrifft, die angebliche, so ist es eine merkwürdige Tatsache, dass nicht die großen, vielbeschäftigten Denker, sondern gerade die’s am Wenigsten nötig hätten, ihre Erholung darin suchen, die Vernunft in dieser oder jener Weise zeitweilig zu beurlauben. Sehen etwa die Leute, die den Kursaal besuchen, die vornehmen und die geringen, sehen sie aus, als ob sie an Überanstrengung ihres Geistes litten? Und wir, wenn wir uns in anderer Weise laufen lassen, wenn wir uns dem Zufall überlassen, den Launen unsrer Leidenschaften, dem Hin- und Hergeschwätz der Mitmenschen, dem Getriebe des Lebens, statt uns zusammenzunehmen und über unser Leben zu herrschen, geschieht das, weil wir in solchen Augenblicken zu viel oder zu wenig Geist und Gedanken haben? Machen wir uns doch nichts vor! Wir wissen ganz gut und ganz abgesehen von allen Moralgesetzen, dass das nicht so sein sollte, und wenn wir’s doch tun, so geschieht es uns ganz recht, wenn wir uns selber wie jener Artikelschreiber mit der Kuh vergleichen, die keine Nachtigall ist. In der Tat. Das Bild ist gut gewählt.

Zweitens ist die Sünde die Macht der Faulheit. Die gehört mit der Gedankenlosigkeit eng zusammen. Im Kursaal und sonst. Die Leute, die sich um die Roulette versammeln, sind entweder solche, die soviel Geld haben, dass sie nicht mehr wissen, was damit anfangen, oder solche, die zu wenig haben und sich auf mühelose Weise welches verschaffen möchten. Auf alle Fälle sind sie Faulenzer: sie warten darauf, dass der Zufall ihnen etwas gebe, statt zu arbeiten. Das ist wieder menschlich ungemein verständlich, darin hat der Artikelschreiber ebenfalls recht. Wenn wir uns laufen lassen, wie ich sagte, dann heißt das eben, dass wir die Dinge an uns herankommen lassen, statt selbst die Dinge in Angriff zu nehmen. Wir sagen dann auch: «que voulez vous y faire? wir sind einmal so!», lassen uns treiben und beeinflussen und tyrannisieren von unsern Instinkten und erwarten von ihren Zufälligkeiten das große Glück. Wenn ich zu Hause sitze und ins Blaue starre, ob mir eine gute Predigt vielleicht durch den Geist zugetragen werde, statt mich hinzusetzen und zu arbeiten, dann heißt das, dass |149 ich Roulette spiele, auf Deutsch, dass ich faul bin. Wenn ein Arbeiter sein Geld ins Wirtshaus trägt und denkt, in kranken oder alten Tagen werde sich die Sache dann schon von selbst machen, dann heißt das wieder Roulette spielen, auf Deutsch: faul sein. Wenn eine Mutter es versäumt, ihre Kinder nicht nur zu nähren und zu kleiden, sondern zu Menschen zu erziehen, die etwas taugen, in der Hoffnung, das werde sich dann schon finden, wenn sie größer seien, die spielt Roulette, die ist auf Deutsch faul. Wir spielen, meine Freunde, überall da, wo wir uns leben lassen, statt selber zu leben.13 Und wir sind in diesem Spiel Spieler und Rössli zugleich: wir setzen unser Glück auf den Zufall und wir werden herumgewirbelt, dass es eine Art hat, und es geschieht uns recht so. Ein solches Leben nennt die Bibel Sünde, weil es der Tod des Lebens ist.

Und die Sünde ist drittens die Macht der Selbstsucht. Und damit kommen wir zur Hauptsache. Selbstsüchtig ist der Mensch, der sich selbst für den Rheinstrom hält und Alles Andre, Menschen und Dinge, für die Flüsse und Bäche, die nur dazu da sind, den Rhein immer breiter und majestätischer werden zu lassen. Die allermeisten von uns sind solche Menschen, und dass es so ist, das ist das schwere Leiden, an dem wir laborieren. Wir betrachten die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, nicht als selbständige Wesen, nicht in ihrem eigenen Wert. Statt dass wir ihnen Respekt und Interesse entgegenbringen, fragen wir: was werde ich von ihnen haben? und behandeln sie demgemäß. Wenn wir berufen sind, irgend eine Stellung unter den Andern einzunehmen, dann fragen wir nicht: Was kann ich jetzt für Andere, für das Ganze tun?, sondern wir betrachten die Sache ganz unter dem Gesichtspunkt unsrer persönlichen Zänkereien und Stänkereien. Die Sünde, von dieser Seite gesehen, ist immer eine Sorte Größenwahn, und es leidet Mancher daran, der sich für geistig sehr normal hält. Und jetzt ist’s, wie wenn man diesen Größenwahn der Selbstsucht express noch in einem Treibhaus kultivieren wollte, wenn man die Leute zu einem Spiel verführt, dessen ganze Pointe darin besteht, dass neun verlieren, damit einer gewinne. Gerade als ob wir’s nötig hätten, uns noch extra zu der Lebensrichtung erziehen zu lassen, |150 die spricht: Die Andern da sollen nur tapfer ihre Fränkli einsetzen, sie sollen nur arbeiten, sich plagen, mir schon recht, die Hauptsache ist, dass ich womöglich der bin, der zum Schluss einkassiert. Als ob wir’s nötig hätten, uns so recht wie auf dem Theater den Gedanken vordemonstrieren zu lassen, dass das große Glück des Lebens darin bestehe, dass einem der große Croupier des sogenannten Schicksals Geld und Ehre und Vergnügen und Annehmlichkeiten aller Art zuspiele, während die neun andern lange Gesichter machen können. Ich habe es nicht nötig, es erst noch zu beschreiben, wie klein und erbärmlich und verächtlich der Mensch vor sich selbst und den Andern wird, wenn ihn diese Lebensrichtung und dieser Gedanke beherrschen. Ihr wisst das selber.

Und nun? Haben wir im Hazardspiel, dessen Erhaltung die 8000 vom vorletzten Freitag um der Würde Genfs willen gefordert haben, haben wir darin eine Erscheinungsform der Sünde vor uns oder ist das eine diskutierbare Frage? Ich meine, wer – nicht die Andern! sondern: sich selbst zu beurteilen weiß, der weiß auch, was er davon zu halten hat. Er wird darin die Motive der Gedankenlosigkeit, der Faulheit, der Selbstsucht wiedererkennen, die er in seinem eigenen Innern zum Schaden seiner Seele, seines Lebens wirksam sieht, er wird sich sagen: Dies Ding gehört zu den Dingen, die nicht sein sollen, und er wird demgemäß Partei ergreifen. Denn hier ist der Punkt erreicht, wo die Neutralität eine Unwahrhaftigkeit würde.

*   *   *

Aber wir müssen der Sache noch weiter nachgehen. Jesus hat gesagt: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Und weil man die Lebenswahrheit dieses Wortes an der Affäre, von der wir reden, studieren kann, wie sonst kaum in dieser Klarheit, darum habe ich sie auf die Kanzel gebracht. Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht! Jesus hat nicht gesagt: wer Sünde tut, dem geht’s schlecht, wer Sünde tut, der kommt in die Hölle oder dergleichen. So würde ein moderner Evangelist reden. Jesus sieht die Strafe der Sünde darin, dass der, der sie haben wollte, sie haben muss. So hat auch Paulus am Anfang des Römerbriefs die Folge der Sünde darin gefunden, dass Gott die Menschen dahingegeben hat in ihrer Herzen Gelüste [vgl. Röm. 1,24]. Die |151 Sünde ist ihre eigene Strafe. Ich glaube, solange wir das nicht verstanden und uns angeeignet haben, wissen wir noch gar nicht, was es mit der Sünde auf sich hat und warum wir gegen sie Ernst machen müssen. Wir werden dann immer offen oder heimlich argumentieren wie jener wunderbare Philosoph im «Genevois», es lohne sich nicht, es sich wegen der Aussicht auf den Lendemain de la mort hier sauer werden zu lassen.14 Wir müssen aber einsehen, dass es tatsächlich die Sünde ist, die unser Leben sauer und erbärmlich macht und dass das Gericht über die Schlechtigkeit nicht hintendrein kommt, sondern in der Schlechtigkeit selbst liegt, dadurch eben, dass sie den Menschen schlecht macht. Es braucht zu dieser Einsicht keine einzige theologische Argumentation, sondern wir können einfach die Tatsachen unsres Falles reden lassen.

Ich sagte, der Anfang der Sünde überhaupt und in diesem besonderen Fall sei die Gedankenlosigkeit. Nun ist der Gewalthaufe gekommen, die obersten Magistrate der Republik haben sich an die Spitze gestellt und haben erklärt: diese Sache ist unser Palladium und Heiligtum, diese Sache ist unsre Sache. Was ist der Erfolg gewesen: Ein Triumph der Gedankenlosigkeit, der unsre Stadt vor der ganzen Schweiz lächerlich gemacht hat. Ich brauche bloß an die von jedem Sinn und Witz verlassenen Refrains und Laterneninschriften zu erinnern, an denen das Volk sich an jenem Abend erfreut hat, an das blöde Evangelium von den Mômiers, denen man das Handwerk legen müsse, während einige noch hellere Geister verlangten, man müsse sie ins Wasser werfen, an den stürmischen Beifall, den diese für die Dummen berechnete Parole bei den Tausenden gefunden hat. Ich erinnere daran, wie man während zweieinhalb Stunden Reden gehalten hat, ohne einen einzigen wirklichen Gedanken vorzubringen, sondern lauter Phrasen und Gewäsch, das das Papier nicht wert war, das man nachher damit bedruckt hat. Ich erinnere an das Wort eines höchstgestellten Magistraten, den sein Alter hätte klüger machen dürfen, es sei der Tag dieser Demonstration das Herrlichste, was er in seiner 40jährigen Karriere erlebt.15 Wahrhaftig, es hat sich da gezeigt, dass |152 eine gedankenlose Sache auch nur gedankenlos vertreten werden kann, dass, wer Sünde tut, der Sünde Knecht ist. Es ist nicht nötig, für Alles das noch eine besondere Strafe in Aussicht zu nehmen. Wer so lebt und redet und handelt wie diese Leute, der ist gestraft genug. Es ist die Selbstauflösung des Lebens in der traurigsten Form, was sich da gezeigt hat. Und täuschen wir uns nur nicht. Wir vollziehen dieselbe Selbstauflösung an uns in den Momenten und Zeiten unsres Lebens, wo wir uns in irgend einer Weise in einen Geisteszustand begeben, der darin besteht, dass der Geist aufhört. Indem wir’s taten, empfanden wir das Gericht, das in unsrer Tat lag. Es ist noch nie etwas Gutes aus solchen Momenten hervorgegangen, wohl aber sind es die dunklen Flecken in unsrer Vergangenheit, und ihre Spuren reichen hinein in unsre Gegenwart und Zukunft; denn wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

Die zweite Seite der Sünde, die ich nannte, war die Faulheit. Sie besteht darin, dass wir unser Leben vom Zufall regieren lassen, statt vom guten Willen, das heißt von dem lebendigen Gott. Und wieder besteht nun die Strafe dafür recht eigentlich darin, dass Gott uns und unser Tun ganz gehörig dem Zufall überlässt, dass er seinen Geist der Vernunft und des Wollens von uns zurückzieht und uns, wie ich schon sagte, während wir zu spielen meinten, selbst zu Spielbällen werden lässt. Oder heißt das nicht zum Spielball werden, wenn man, um seine Sache zu vertreten, dazu verurteilt ist, stundenlang hinter einer Trommel und einer Laterne herzulaufen, in dumpfem Drang einer unterbewussten Erregung, wenn man dazu verurteilt ist, sich aus einer Persönlichkeit in ein Stück von 8000 zu verwandeln, einen Abend lang als einer von 8000 nicht zu denken oder zu arbeiten, sondern sich heranzitieren, sich in Vorurteilen bestärken, sich als ein Stück Sturmbock für die wohlbewussten Interessen einiger Faiseurs16 gebrauchen zu lassen? Heißt das nicht, für seine Faulheit mit Faulheit bestraft wer|153den, wenn die, die für die Andern verantwortlich sein sollten, selber hineingerissen werden in die dumpfen Instinkte der Masse, wenn aller Unterschied verloren geht zwischen Führenden und Geführten, weil in Wirklichkeit keiner führt, sondern beide geführt und zwar an der Nase geführt werden, die Unteren von den Oberen und die Oberen von den Untern? Von einem faulen Baum sind nur faule Früchte zu erwarten [vgl. Mt. 7,18]. Die Faulheit verteidigen, heißt selber faul werden. Was der Mensch säet, das wird er ernten [Gal. 6,7], und wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

Und nun haben wir drittens das tiefste Wesen der Sünde in der Selbstsucht gefunden. Und wieder muss es jetzt heißen: Wer selbstsüchtig ist, der ist der Selbstsucht Knecht. Die Selbstsucht straft sich selbst damit, dass sie es schließlich zu nichts Anderem bringt als zu Taten und Worten der Selbstsucht. Indem die Sünde ihren Gipfel erreicht, wird sie ihre eigene Strafe. Das können wir an uns selbst schlechterdings alle Tage erleben. Es mag wohl so aussehen, als ob wir manchmal auch aus selbstsüchtigen Motiven, aus Eitelkeit und Habsucht zum Beispiel, etwas wirklich Gutes ausrichteten; aber tatsächlich ist es nicht so. Auch in den besten Taten, die die Selbstsucht scheinbar hervorbringt, lauert die Schlange, die uns schließlich stechen wird [vgl. Gen. 3,15]. Ich kann mich mein Leben lang scheinbar mit dem Wohl Anderer beschäftigen, wenn ich das doch nur tue, um mich selbst zu kultivieren, so wird das eines Tages zum Vorschein kommen, und ich bin gerichtet. Die Demaskierung bleibt nicht aus, meine Selbstsucht wird eines Tages hüllenlos als Selbstsucht dastehen und daran ihre Strafe finden. Eine solche Demaskierung haben wir in der letzten Woche miterlebt. Oder ist es da etwa nicht zum Vorschein gekommen, dass das bedrohte Heiligtum, um das man jammerte, nichts Anderes als der Geldsack war? Die angeblich angegriffene Freiheit war tatsächlich das angegriffene Interesse. Man redet von öffentlichem Wohl, aber man meint in sehr durchsichtiger Weise sein eigenes Wohl. So haben sich dieselben Leute für den Absinth und für die öffentlichen Häuser zur Wehr gesetzt, angeblich im Namen der Freiheit, in Wirklichkeit, weil man sich nicht in seinen Annehmlichkeiten und in seinen Einnahmen stören lassen wollte. Ganz offen ist es auch diesmal gesagt worden: die dignité de Genève besteht darin, dass wir uns ungeniert lustig machen können und dass die Fremden zu uns |154 kommen, um recht viel Geld da zu lassen. Dem haben alle andern Rücksichten zu weichen. Man will nicht das, was recht ist, man macht nicht die Erziehung der Menschen zum obersten Gesichtspunkt, sondern ihre Belustigung und Bereicherung, man will, was einem passt. Man kommt aus der Selbstsucht nicht mehr heraus, man ist der Sünde Knecht geworden und hat vor den Ohren der ganzen Schweiz bekennen müssen: wir sind das, und wir wollen das bleiben. Wirklich, eine ärgere Strafe als dieser innere Zustand ist nicht wohl auszudenken, und ich meine, sie ist umso ärger, je wohler es den Leuten in diesem Gesinnungssumpf zu sein scheint.

*   *   *

Und nun wollen wir vor diesem Bild der Sünde und Sündenknechtschaft, in dem wir so oder so unser eigenes Bild wiedererkennen, nicht lange Moral predigen. Das Moralische ist selbstverständlich, nämlich die Erkenntnis des Moralischen. Dass es nicht recht ist, gedankenlos, faul und selbstsüchtig zu sein, das braucht nicht bewiesen zu werden, das wissen die Redner und Schreier vom vorigen Freitag ganz genau, das wissen wir Alle. Aber am Tun des Moralischen hapert’s bei ihnen und uns, das ist nicht selbstverständlich. Und darum richten wir jetzt angesichts jenes fatalen Zusammenhanges zwischen Sünde und Sündenknechtschaft, unter dem wir Alle leiden, das Wort auf, das aus diesem Zusammenhang herausführt, weil es uns sagt, wie es zum Tun des Moralischen kommt. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Wenn der Sohn Gottes einen Menschen ergreift, ihn zu seinem Eigentum macht, in ihm redet und handelt, dann ist jene Kette gebrochen, die da heißt:

Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
Dass sie fortzeugend Böses muss gebären.17

Dieser Mensch ist dann nicht mehr unter dem Bann, der mit mathematischer Notwendigkeit böser Ursache böse Wirkung folgen |155 lässt, er ist dann nicht mehr böse und darum des Bösen Knecht. Sondern es ist jetzt eine neue freie Ursache in sein Leben hineingetreten. Und wie die Sünde nur Sünde verursachen kann in hoffnungsloser Logik der Tatsachen, so trägt die neue freie Ursache, die mit dem Sohn Gottes in unser Leben tritt, notwendig die Wirkungen der Freiheit in sich. Die Sünde macht uns zum Knecht der Sünde. Der Sohn Gottes macht uns recht frei.

Er macht uns aber darum frei und er ist darum der Sohn Gottes, weil er selbst frei ist. Was dieses Wort «frei» bedeutet, geht uns auf, wenn wir sein Bild neben unser eigenes, das wir eben kennengelernt haben, stellen. – |

Neben unsre Gedankenlosigkeit die lebendige, ununterbrochene Richtung seines innern Bewusstseins: Ich kenne den Vater [Joh. 10,15]. Dieser eine, Alles umspannende Gedanke ist der Ausgangspunkt wie das Ziel seines Lebens gewesen. Er erkennt den Vater der Gerechtigkeit und der Liebe in seinem eigenen Innern, und von daher bekommt sein Leben Inhalt, Weg und Aufgabe. Er erkennt den Vater im Leben der stummen Natur, in den Vögeln und Lilien, die nicht säen und ernten und doch ihre Nahrung finden [vgl. Mt. 6,26]. Er erkennt ihn in den verborgenen Regungen der Menschenseelen und kann ihnen darum sagen: Ich verurteile dich nicht [Joh. 8,11]! und: Du bist nicht ferne vom Reich Gottes [Mk. 12,34]. Er erkennt ihn aber auch in dem, was wir als ein dumpfes Schicksal beurteilt hätten, in seinem Leiden und Sterben, und sagt von seinem Todesgang, dass er gerade jetzt zu seiner Herrlichkeit eingehe [vgl. Lk. 24,26]. Um diesen einen Gedanken seines Lebens: ich kenne den Vater! hat er wohl gekämpft und gerungen, aber er hat ihn keinen Augenblick in Urlaub geschickt, wie wir es tun, und darum ist sein Leben ein gedankenvolles Leben gewesen. – |

Neben unsrer Faulheit, die den Zufall walten lässt statt den guten Willen, stellen wir den Zug seines Charakters, der in dem Wort zum Ausdruck kommt: Ich muss wirken die Werke des, der mich gesandt hat [Joh. 9,4]. Mit diesem Wort ist aller Zufall und alles Sichgehenlassen ausgeschaltet. Es gibt für ihn nur das Regiment Gottes und den guten Willen, und Beides ist für ihn nicht zweierlei: es heißt jetzt nicht mehr Natur hier – Geist dort, Äußeres hier – Inneres dort, denn er hat das Regiment Gottes in seinen Willen aufgenommen, sein Wille ist |156 gut, weil er will, was Gott will, und in diesem freudigen Bewusstsein kann er in tiefster Wahrhaftigkeit sagen: Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater [Mt. 11,27]. Und darum war sein Leben ein Leben der Tat und der Arbeit. – |

Schließlich und zuoberst aber tritt vor unsre Selbstsucht seine Liebe und Selbstverleugnung, die spricht: Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war [Lk. 19,10]. Vor dieser einen Pflicht und Aufgabe gegenüber den Menschen muss nun Alles zurücktreten, was der Versucher auch ihm zugeflüstert, das Verlangen nach Besitz und Ehre, die Furcht vor Verfolgung und Leiden. Er fühlt sich als Schuldner gegenüber den unsterblichen Seelen der Menschen. Er weiß, dass er diese Schuld nur einlösen kann, indem er alle Wünsche für seine Person energisch in die zweite Linie stellt. Er sagt nicht, ich will neben meinen sonstigen Angelegenheiten auch noch ein gutes Werk an den Menschen tun, sondern er gibt sich selbst, er macht das Werk an den Menschen zu seiner Lebensangelegenheit. Es gibt da nicht wie bei uns diese Zweiteilung: Hier ich und dort der Andre, und darum auch nicht unsre Unterscheidung zwischen dem, was mir hilft oder schadet, und dem, was dem Andern hilft oder schadet. Sondern er macht sich mit dem Andern eins. Er wirft das Recht und die Wahrheit, die in ihm leben, ohne Nebengedanken, ohne interessierte Vorsicht und Zurückhaltung hinein in die Seele der Andern, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten, zuletzt in der Tat seines Todes. Und darum ist sein Leben ein Leben der Liebe.

Und nun komme man uns, meine Freunde, mit der Behauptung, Freiheit und Fortschritt bestünden darin, dass man ungeniert gedankenlos, faul und selbstsüchtig sein dürfe!! Wir haben gesehen, wie dieser Satz sich selber richtet, weil, wer Sünde tut, der Sünde Knecht ist. Aber er löst sich auf in Luft und Rauch, wenn wir ihm in Jesus das Bild der Freiheit gegenüberstellen. Und was sollen wir erst sagen zu dem andern, es sei eine Heuchelei, den natürlichen Banden der Freude entgehen zu wollen?! Wahrhaftig, wir können ihn umkehren und sagen: es ist eine Heuchelei, dergleichen zu behaupten. So könnte ein blinder Heide reden oder einer, der die erkannte Wahrheit nicht kennen will. Denn wer von der Tatsache, dass ein Mensch wie Jesus gelebt hat, auch nur hat läuten hören, muss wissen, dass es möglich ist, frei und zwar recht frei zu werden. Das ist ja gerade das, was wir an Jesus |157 haben, dass wir an ihm sehen dürfen, dass ein offenes Nein gegen die Sünde und ein offenes Ja für das Gute auf dieser Erde, in diesem Leben – es handelt sich wahrhaftig bei Jesus nicht um den Lendemain de la mort – möglich und wirklich ist. Indem wir ihn erkennen, macht er uns frei. Um ein Ja und um ein Nein handelt es sich, ich wiederhole es. Wir können es aussprechen, denn der Sohn Gottes ist nicht ferne einem jeglichen unter uns [vgl. Act. 17,27]. Aber wir sollen es auch, wir sollen heraus aus der Heuchelei der Redensarten und Kompromisse, hinein in die ganze Wahrheit, in die rechte Freiheit. Und wenn die Angelegenheit, von der wir sprachen, geholfen hat, uns die Augen zu öffnen für dieses Können und Sollen, dann können wir Gott dankbar sein dafür, dass sie gekommen ist. Wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei.

Amen.
Lieder:
  • Nr. 35: «Dir, dir, Jehovah, will ich singen» von B. Crasselius, Strophen 1–3 (RG 243; EG 328 [jeweils Textabweichungen; in EG: «Dir, dir, o Höchster, will ich singen»]) 🎵
  • Nr. 300: «Schafft mit Ernst, ihr Menschenkinder» von L. A. Gotter, ­Strophen 1.2.5. 🎵
  • Nr. 157: «Ein feste Burg ist unser Gott» von M. Luther, Strophen 2–3 (RG 32; EG 362) 🎵
Lesungstexte:
  • Eph. 4,17–5,16 u. 6,10–17

Sachfußnoten

1
Im April 1911 hatte der Schweizer Bundesrat die Schließung des «Cercle des Ètrangers» im Genfer Kurhaus angeordnet, weil dort entgegen dem Spielbankverbot der Schweizer Bundesverfassung Glücksspiele stattfanden; gegen diese Entscheidung erhob sich in der Genfer Bevölkerung, aber auch in den höchsten politischen Kreisen der Stadt, ein Sturm der Entrüstung. Die Vorgänge und Reden, auf die Barth im Folgenden Bezug nimmt, sind ausführlicher geschildert in zwei Artikeln, die er dazu für die «Basler Nachrichten» und das «Kirchenblatt für die reformierte Schweiz» geschrieben hat: K. Barth, Pour la dignité de Genève, in: V.u.kl.A. 1909–1914, S. 310–319 📖; ders., Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche, in: a.a.O., S. 320–328 📖.↩
2
Ein Abdruck des Artikels Le règne de Tartufe (gez.: Trilby) findet sich a.a.O., S. 323 📖.↩
3
Wörtliches Zitat aus dem in der vorigen Anmerkung genannten Artikel Trilbys, den Barth hier ansonsten in einer freien Übersetzung wiedergibt.↩
4
Mskr.: «wollen».↩
5
Gemeint ist Jules Perréard (1862–1930); 1905–1913 Genfer Großrat, 1906–1912 Regierungsrat, 1911 Präsident des Regierungsrates.↩
6
Ein Absinth-Verbot war am 7. Oktober 1910 in allen Kantonen der Schweiz in Kraft getreten; vgl. J. Grellet, Art. «Absinth», in: HBLS I, S. 71f. 📖↩
7
Siehe oben, Anm. 1.↩
8
In Pour la dignité de Genève (Anm. 1) hatte Barth nach einem gleichnamigen Artikel aus der Genfer Zeitung «La Suisse. Dernières Nouvelles de la Nuit» (Jg. 14, Nr. 101, 29.4.1911, S. 9) 📖 folgenden Satz Perréards zitiert: «demain nous aurons la question des femmes, car nous verrons reprendre la campagne pour la suppression des maisons de tolérance» (V.u.kl.A. 1909–1914, S. 316 📖).↩
9
Mskr.: «Einschränkungen»; von den Hrsg. in Angleichung an die Verben des Satzes geändert.↩
10
«Mucker»; Spottname für die Anhänger der Genfer Erweckungsbewegung. Vgl. V.u.kl.A. 1909–1914, S. 312, Anm. 7 📖, und a.a.O., S. 321: «So hießen bis jetzt die Freikirchlicher und Pietisten – Stündeler würde man in der deutschen Schweiz sagen –, […].»↩
11
Ernst Haeckel (1834–1919), Zoologe, Philosoph und Freidenker, der über seine auf den Ideen Darwins beruhende Abstammungslehre die sozialethische Diskussion um 1900 stark beeinflusste.↩
12
Siehe oben, S. 115-128, die Predigt vom 14. April 1911.↩
13
Was es heißt, selbst zu leben, statt gelebt zu werden, hatte Barth ausführlicher entfaltet in der Predigt vom 26. Februar; vgl. oben, S. 74.↩
14
Vgl. Trilby, Le règne de Tartufe 📖 (Anm. 2): «Déplorable ou non, le fait est que vous n’arriverez jamais à obtenir des hommes qu’ils se rendent l’existence amère afin que le lendemain de leur mort ouvre pour eux une ère de bénédictions et de joies.»↩
15
Vgl. Barth, Pour la dignité de Genève (Anm. 1), S. 317f. 📖: «Endlich der zweite Hauptclou, […]: Henri Fazy, l’honorable magistrat (das sind sie alle, alle ehrenwert). Er ergeht sich in kräftiger Wiederholung des Bernermotivs, des Mômiersmotivs und des Geldsackmotivs und erklärt, daß er […] in den 40 Jahren seiner politischen Karriere keine Manifestation von solcher Pracht wie die heutige erlebt habe.»↩
16
Frz. bzw. veralteter deutscher Sprachgebrauch für: «Macher», «­An­stifter».↩
17
Vgl. Fr. Schiller, Die Piccolomini, 5. Aufzug, 1. Auftritt 📖:
In steter Notwehr gegen arge List
Bleibt auch das redliche Gemüt nicht wahr –
Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.
↩