Predigt: Lukas 24,13-35
In tiefer Bekümmernis und Seelennot sind sie über Land gezogen, die beiden Jünger. Es
war jetzt schon der dritte Tag, aber
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ihre Herzen waren noch ganz voll von der großen, schweren Enttäuschung, die sie
erlebt hatten. Jesus von
So ist schon mancher gewandert, durch die schönste Frühlingsnatur gewandert, einsam
oder zu zweien, mit einer großen Betrübnis im Herzen. Oder hat in der Stille
schlafloser Nächte gerungen mit seinem Kummer. Oder bei aller Arbeit ist ihm das
Traurige, das er erlebt hatte, immer wieder durch die Seele gezogen, hat über seinem
Leben gelagert wie eine schwere, schwarze Wolke. Nicht wahr, wir kennen das, wie das
ist, wenn man so studieren muß an etwas, immer wieder studieren, nie fertig wird1 damit. Wie sich einem die Sachen da von immer
neuen Seiten zeigen. Jetzt meint man einen Ausweg, eine Lösung, einen Trost gefunden
zu haben. Aber nein, es ist auch nichts damit. Auch so bleibt die Sache fraglich,
unerfreulich, schlimm. Da wills uns vorkommen, als seien wir in einem tiefen
Bergwerk, und überall zeigen sich neue Treppen und Schächte, die in die Tiefe führen,
und überall müssen wir hinunter, tief, tief hinunter, und wie werden wir den Ausgang
wieder finden? Da gibts keinen Ausgang, denken wir. Da sinds vielleicht traurige
Verhältnisse in der Familie, die dich plagen, Geldsorgen oder Krankheit, oder daß
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du siehst, wie die Leute einander nicht verstehen. Da gibt dir vielleicht ein
Mitmensch durch sein Benehmen so ein rechtes Rätsel zu lösen oder auch ein Kreuz zu
tragen. Da studierst du an dir selber herum, hast eine Absicht, einen Plan im Kopf,
möchtest gerne und weißt doch nicht, ob du darfst und sollst, oder du weißt nicht,
wie anstellen, fürchtest, es könnte dir falsch herauskommen. Vielleicht hast du auch
schon eine Erfahrung gemacht wie die Jünger von
Eines wollen wir vor Allem den Jüngern von Emmaus nachmachen, wenn wir so gleich ihnen an einem Kummer zu studieren haben: Wir wollen reden miteinander über das, was uns drückt. Wir hören von ihnen, daß sie ihre Gedanken miteinander austauschten, und das war gut. Wenn sie geschwiegen hätten, wenn jeder sein Leid bloß so still in sich hineingewürgt hätte, ich glaube, dann wäre ihre Enttäuschung zu einer Verbitterung geworden, und sie hätten dann sicher das große, schöne Erlebnis nicht machen dürfen, das ihnen nachher geschenkt wurde. Das ist das Schlimmste: nicht wenn wir einen Kummer zu tragen haben, sondern wenn wir mit einem Kummer nichts anzufangen wissen, wenn er in uns bleibt und weiter in uns wühlen und bohren darf. Dazu ist er uns ja nicht gegeben, das wäre ein unglücklicher, kranker Zustand unserer Seele. Wir sollen erlöst werden von ihm. Ja, Gott will uns gerade durch ihn seine wunderbaren, freundlichen Wege zeigen. Nein, nur nicht unser Leid begraben in einem bleiernen, tödlichen Schweigen, das ist unnatürlich und muß uns darum auch unglücklich machen. Sondern reden müssen wir, eine Seele müssen wir suchen, der wir uns offenbaren können in sol|203cher Lage. Nicht etwa nur um uns Luft zu machen — das ist ja auch ein menschliches Bedürfnis, nicht wahr, aber das ist nicht die Hauptsache —, sondern weil wir ein Leid, das uns plagt, verarbeiten müssen; wir müssen uns ganz klar werden über das, was uns weh tut. Wir sollen nicht ratlos dastehen und so im allgemeinen einen dumpfen Druck spüren, ein unerklärliches Weh in der Seele, eine tiefe Unzufriedenheit oder Besorgnis, sondern deutlich und lebendig soll das Bild unseres Kummers vor uns stehen. Wir müssen eingesehen haben: so und so stehen die Dinge, so von dieser und so von jener Seite aus gesehen, hier und hier sind die Ursachen, die Alles so traurig gefügt haben. Das heißt ein Leid verarbeiten, und ohne das können wir nicht wahrhaft frei werden davon. Und um dazu zu kommen, müssen wir einander das Wort gönnen, müssen nicht zu stolz sein, zu einem Anderen, dem wir Vertrauen schenken, zu sagen, was uns bange und schwer macht.
Wir Menschen können einander freilich nicht Erlösung verschaffen, können einander
nicht Leid in Freude verwandeln, das kann nur Gott, aber wir können einander dazu
helfen und vorbereiten, uns gegenseitig den Weg ebnen. Man sagt, vier Augen sehen
mehr als zwei, und so können auch zwei Herzen und Gemüter eher über eine Frage des
Lebens die rechte Klarheit gewinnen als eines allein. Wenn einmal die Klarheit da
ist, da kann die Erlösung nicht mehr weit sein. So haben jene zwei Jünger einander
gegenseitig erinnert an Alles, was sie mit Jesus erlebt hatten, an das
unvergleichlich Große, was sie in der vergangenen Zeit hatten sehen und hören dürfen.
Einer half dem Anderen, jeder brachte das Seine hinzu, um das Bild des Meisters
lebendig und deutlich zu machen vor ihrem geistigen Auge. Aber das große Rätsel des
Kreuzes? Vor ihren Herzen zog Alles noch einmal vorüber, wie es gekommen war: wie die
Sünde und Torheit der Menschen aufschäumte und die Oberhand gewann und wie Jesus
gehorsam war und litt. Ja, da stieg ihre Betrübnis noch einmal aufs höchste. Das
Schreckliche, Unbegreifliche an diesem Ende erschütterte ihre Seele noch einmal mit
aller Macht, indem sie es
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so klar vor sich sahen, aber eben diese Klarheit war auch schon die Vorbotschaft der
Freude, die ihnen werden sollte. Laßt uns nach Klarheit ringen, liebe Freunde, wenn
wir traurige Zeiten durchzumachen haben, laßt uns gegenseitig uns beistehen, um zu
solcher Klarheit zu gelangen. Nur nicht das Dumpfe, Unausgesprochene, Versteckte —
dort sind die wahren Feinde unseres Lebens und unseres Glückes. Es gibt auch
Menschen, die einsam zur Klarheit gelangen über das, was ihnen fehlt, die ohne fremde
Hilfe zur vollen Einsicht kommen über ihr Leid und seine Ursachen. Das sind die
Menschen, die die Fähigkeit haben, gleichsam mit sich selbst ein Gespräch zu führen,
sich selber aufzudecken und auszusprechen, was verborgen ist. Aber nicht allzuviele
Menschen sind dazu fähig. Die Meisten von uns werden verbittert und versauert, wenn
sie ihre Fragen und Sorgen allein tragen müssen. Wohl uns, wenn wir einen
Und dann war Jesus auf einmal bei ihnen. Sie hatten ihn nicht kommen sehen, und sie kannten ihn nicht. Ihre Augen waren gehalten, zugehalten, wie es so wunderbar hier heißt. Sie konnten nicht sehen, was eigentlich doch so selbstverständlich war. Und doch war er bei ihnen, ganz in ihrer Mitte, und redete mit ihnen und sie mit ihm. Sie klagten ihm ihr Leid, und er beruhigte sie, daß Alles so sein müsse, daß Gottes Wege nun nicht zu Ende seien, sondern erst recht anfingen, und gab ihnen einen großen Frieden ins Herz, daß sie wußten: nun ist Alles gut.
Seht, so macht es Gott mit uns: wenn wir denken, jetzt geht es mir am
allerschlimmsten, wenn ein Kummer so recht auf uns lastet, daß wir denken: wie halte
ich das aus? wie soll das noch werden?, dann ist Jesus uns am allernächsten, Jesus
als der Bote Gottes, der uns Erlösung und Freiheit bringt. Du trägst einen Kummer in
dir herum wegen Anderen, es plagt dich und drückt dich: wie wird es ihnen noch gehen?
wie wird noch Alles herauskommen? Du siehst Unglück und schwere Folgen voraus,
möchtest so gern wehren und hindern und kannst nicht — sieh da, Jesus neben dir,
nein, du siehst ihn nicht, deine Augen sind ge|205halten, und doch ist er da. Hat er nicht ganz dasselbe auch durchgemacht, hat er
nicht gezittert und geweint — nicht nur um ein paar Bekannte oder Familienmitglieder
wie du, sondern um sein ganzes Volk, um die ganze Menschheit sogar, die er auf
verkehrtem Wege sah und die er so gern hätte zurückrufen mögen, zu sich und seinem
Vater?! Er hat deinen Kummer auch durchgemacht, er ist neben dir. Wirst du ihn nicht
erkennen, wirst du nicht merken, daß er dir tragen hilft, dir abnimmt? Und du mit
deinen Sorgen um dich selber und dein Wohlergehen, mit deinen traurigen Gedanken über
Gegenwart und Zukunft, mit deiner Unsicherheit und deinen Fragen: wie soll ichs
machen und wie wirds mir gehen? Jesus ist neben dir, verlaß dich darauf, er ist auch
über diese Erde gegangen und hat ihre Freude und besonders ihr Leid reichlich
gekannt, er und alle seine Jünger. Meinst du denn wirklich, daß du allein seist, der
Einzige, der etwas zu klagen hat? Meinst du nicht auch, daß der, der so viel
Schwereres so ganz anders getragen hat als du dein kleines Problem, daß der dir auch
helfen könnte? Das wirst du nicht mehr meinen, wenn dir nur einmal die Augen nicht
mehr zugehalten sind, so daß du sehen kannst. Und wenn jemand einen bösen Kollegen
oder einen bösen Nachbarn hat, da ist Jesus erst recht neben ihm. Du mußt nicht so
tun und ein Zeug machen:2 das habe ich nicht gedacht, daß es solche Leute gibt, so schlecht
hat mans nicht bald jemand gemacht. Ach du, du bist nicht so einsam, wie du meinst,
da hat Jesus noch ganz anders erfahren müssen, was schlechte Leute sind, als du, und
er mußte es erfahren ohne eigene Schuld, das kannst du sicher nicht sagen! Und wenns
uns bange wird, ob Gott denn eigentlich Wahrheit sei, wenn wir vor den tiefsten,
letzten Fragen des Lebens stehen wie dort die enttäuschten Jünger von
Jesus redete mit jenen beiden Jüngern, noch bevor sie wußten, wer er war. Und was er ihnen sagte, das war das lösende Wort für ihren Kummer. Man könnte erwarten, er würde zu ihnen treten und ihnen sagen: seht, da bin ich, ihr habt keinen Grund, traurig zu sein. Aber so grob arbeitet Gott nicht. Gott hat feinere und höhere Wege. Es soll nicht einfach ein Wunder geschehen, das ihre Traurigkeit hinausfegt. Sondern sie sollen erkennen, daß das, was sie traurig machte, so sein mußte. Christus mußte solches leiden! wird ihnen gesagt. Sie hätten es ja schon lange wissen sollen. Sagten es nicht die Propheten, daß der Weg zur Herrlichkeit durch Leiden und Schrecken hindurchgeht, daß das Weizenkorn, bevor es fruchtbar sproßt zum Licht empor, muß sterben in der Erde Schoß?3 Sie waren «Toren und trägen Herzens» gewesen, daß sie das Naheliegendste nicht verstanden und ergriffen hatten, nämlich daß Jesu Kreuzestod in Nacht und Schmach in Wirklichkeit sein letzter und höchster Sieg gewesen war. Jesus schalt sie nicht mit diesem Wort. Die Osterbotschaft vom Sieg des Lebens über den Tod war ja wohl selbstverständlich für Gott, aber wir Menschen müssen eben das göttlich Selbstverständliche |207 immer erst entdecken. Was uns das Bekannteste, Natürlichste sein sollte, mutet uns wie etwas Fremdes an. Aber verlassen sollten sie nun diese kurzsichtige Betrachtung ihres Kummers. Einsehen sollten sie jetzt, daß das, was ihnen Kummer machte, viel mehr ein Anlaß des Jubels für sie sein müßte. Hineinsehen sollten sie jetzt in die wunderbare Absicht Gottes, daß sein Heiliger in den Tod gehen mußte, um die höchste Liebe und das höchste Vertrauen leuchtend, wie sie noch nie dagewesen unter den Menschen, zum Vorschein zu bringen. Am Kreuz, in der größten Schmach und Verlassenheit, mußte es an den Tag kommen, daß Jesus wahrhaftig Gottes Sohn gewesen. Das sagte er ihnen jetzt selbst, er, der lebendige Auferstandene, führte sie zu der nüchternen Erkenntnis: Alles mußte so sein und ist gut so. Und doch erkannten sie ihn noch nicht, zogen noch nicht den einfachen Schluß: dann ist Kreuz und Tod und Grab überwunden, dann lebt er und ist bei uns alle Tage. Sie verstanden, aber sie erfaßten noch nicht den ganzen Sinn und Umfang dessen, was sie verstanden hatten.
Auch wir dürfen, wenn es uns bös geht und wir traurig sind, nicht einfach darauf warten, daß es irgendwie besser kommen werde. Wir seufzen ja wohl manchmal etwa: der liebe Gott wird es doch gut mit mir meinen und mir dies und das schenken oder dies oder das ersparen. Wir dürfen schon so seufzen, aber vielleicht ist es uns dann auch einmal, als ob zu uns gesagt würde: ihr Toren und trägen Herzens! warum seid ihr traurig? warum macht ihr euch trübe Gedanken? Warum meint ihr, es sei etwas Entsetzliches, was euch widerfährt, und der liebe Gott müsse euch so schnell als möglich wieder davon befreien? Nicht doch! Gerade durch das Schwere, das wir durchmachen müssen, richtet Gott das Größte bei uns aus. Gerade, wenn wir meinen, versinken zu müssen in Jammer und Grauen, dann ist Gott gegenwärtig und will all seine Herrlichkeit entfalten, wenn wir ihm nur stille halten. Seht hinein in die Pläne Gottes, ihr Menschenkinder, sie sind freilich anders als eure Pläne, aber eben viel größer, viel schöner! Verlaßt euch darauf! Fürchtet euch nicht! Vertraut auf den Vater, |208 der immer wieder aus Nacht Licht geschaffen hat. Euer Sorgen und Bangen, euer Seufzen und Leiden wird zu etwas gut sein, wenn ihrs annehmt als aus Gottes Hand, wenn ihr euch nur durch nichts von Gott scheiden laßt.
Wer sagt uns das Alles, liebe Freunde? Sind das schöne Trostesworte, die wir aus der
Luft greifen und die den Wert von viel Luft haben? Oder ist das eine Wahrheit, die
garantiert ist für Zeit und Ewigkeit? Meine Freunde, das sagt uns eben Jesus, Jesus,
der lebendig, freundlich, menschlich uns nahe ist gerade in unseren trübsten,
schwersten Stunden, gerade in unseren bittersten Erfahrungen. Er sagt uns von aller
Not des Lebens: das kenne ich auch, aber ich weiß auch, daß in der Not ein Segen
Gottes verborgen ist. Ich kenne die Welt, sie ist kalt und dunkel, es ist viel
Unbegreifliches und Hartes in ihr. Aber sie ist doch die Welt Gottes des Vaters, von
ihm geschaffen und von seinem Geist und Willen gelenkt, seinen Kindern zum Besten.
Ich kenne die Menschen, sagt uns Jesus, sie sind unendlich schwach, man darf nie zu
viel von ihnen verlangen, man möchte sie manchmal aufgeben, verloren geben, aber sie
sind doch alle Gottes Kinder, und er lenkt ihre Herzen wie Wasserbäche
[vgl.
Sie haben ihn nicht gleich erkannt, sie wußten nicht sofort, daß er es war, der mit ihnen redete. Das ist merkwürdig und wichtig. Wenn wir hörten: Jesus redet mit uns, er ist uns näher gerade dann, wenn es uns am schwersten ums Herz ist, so geht es uns oft genug gerade so. Wir ahnen nicht, daß er es ist, von dem jene ermunternden, licht- und trostbringenden Wahrheiten uns zuströmen. Vielleicht ists ein anderer Mensch, der sie uns vermittelt, vielleicht gibt uns etwas, was wir lesen, das rechte Licht, das uns unser Leben und seine Fragen erklärt und begreiflich macht. Vielleicht haben wir irgendein kräftiges Wort eines Dichters und Denkers in Erinnerung, das uns hilft, den Sprung über den Graben zu machen. Vielleicht kommen wir selber durch tapferes, treues, ruhiges Nachdenken dazu, den Schlüssel zu finden, der uns fehlte. Darauf kommt nicht so viel an. Jesus kam dort auch nicht viel darauf an, ob die Jünger ihn sofort erkannten, wenn sie nur hörten und annahmen, was er ihnen sagte. Wenn nur ihr Herz zum Brennen kam. So ists auch bei uns nicht das Erste, wenn Ruhe, Frieden und Sicherheit, Vertrauen und gute Entschlüsse in uns entstehen, daß wir dann gleich wissen: das ist jetzt der Heiland! Aber hören müssen wir, d. h. annehmen, was Gott uns sagt, sage er es uns nun so oder so. Unsere Herzen müssen zum Bren|210nen kommen. Es wäre uns oft besser, wir würden weniger vom Heiland reden und mehr brennen, angezündet von seinem Gehorsam und von seiner Liebe. Wo die Menschen hören und annehmen, was Jesus wollte und brachte, da ist das wahre Christentum, auch wenn sie vielleicht äußerlich sehr wenig von ihm wissen. Und es gibt solche Emmausjünger, die Jesu Wort hören und annehmen mit brennendem Herzen und sich mit Freuden in seinen Dienst stellen — obwohl sie nicht wissen, daß es Jesus ist, auf den sie hören und dem sie gehorchen. Wiederum gibt es Jünger, bei denen das dritte Wort «Jesus» ist, und sie kennen ihn wohl, aber sie brennen nicht. Welches sind die Besseren? Und zu welchen gehören wir?
Aber es konnte ja nicht bleiben bei der halben Einsicht: Was uns Kummer macht, ist
Gottes guter heiliger Wille. Als sie soweit gelangt waren, da mußte die andere
Erkenntnis folgen: Jesus lebt. Ihre Augen wurden geöffnet, heißt es von ihnen, und
sie erkannten ihn, und er verschwand vor ihnen. Es wird auch bei uns nicht bleiben
können bei jenen guten, klaren Lebenseinsichten, bei jener Erlösung vom Druck der
Welt. Sondern je mehr wir uns erlösen lassen durch die gute Botschaft vom Vater, der
Alles, auch das Leid, in seinen Händen hält und der durch Alles seinen Willen
geschehen und sein Reich fördern läßt, je mehr wir die Wohltat spüren, die wir
empfangen durch diese große, einfache, sichere Erklärung unseres Lebens, desto mehr
haben wir auch Grund und Anlaß zu forschen: woher kommt uns das Alles? Wer ist der,
der diese gute, erlösende Botschaft uns gebracht hat? Und dann sehen wir auf einmal,
wie jene dort: Das ist Jesus, dem wir das Alles verdanken, er, der Lebendige, der
Auferstandene. Seit er über diese Erde ging, ist in der Menschheit ein
unerschöpflicher Reichtum von Liebe und Gottvertrauen. Vorher war sie nicht da.
Seither haben unzählige Menschen aus dieser Quelle getrunken. Auch wir dürfen es tun.
Und wir können es viel reichlicher tun, viel regelmäßiger und sicherer, wenn wir
erkannt haben: Jesus ist die Quelle des Lichtes und der Kraft in der Welt. Nicht aus
dem Unbekannten strömen uns Gotteskräfte zu, sondern von ihm, in|211dem
Gott zu uns geredet hat. Wenn wir ihn kennen gelernt haben, der uns so reich
beschenkt, oft ohne daß wir es ahnen, dann sehen wir freudig dem Traurigen,
Schlechten, Kleinlichen dieses Lebens und dieser Welt ins Gesicht. Es kann uns nichts
mehr überwinden. Wir werden dann immer zum vornherein, noch bevor wieder eine neue
Welle da ist, wissen: in dem Allen überwinden wir weit um des willen, um Jesu willen,
der uns geliebet hat [vgl.